Zuckersüß 437

…neulich im Wald

…mit einigem Gebackenem, einer Reportage für die Effilee, Überlegungen zu Twitter und dem Fediverseund wie immer den besten Links der letzten Tage.

Seit dem letzten Zuckersüß habe ich Bratäpfel mit Hafer-Walnuss-Orangenfüllung, Muffins mit schwarzem Tahini (Rezept noch verbesserungswürdig), Vanillepudding bzw. eher Crème brûlée, Schoko-Himbeer-Cookies (angelehnt an dieses Rezept für Matcha-Erdbeer-Cookies vom Februar), vegane Orangenmuffins (nach diesem Rezept von letztem Sommer), Zitronen-Kurkuma-Kuchen (nach diesem Rezept vom November 2021) und glutenfreie Orangen-Curd-Tarte (Rezept noch verbesserungswürdig) gemacht.

Gegessen

Sellerie-Kartoffel-Gratin mit Zitronen-Kapern-Butter nach einem NYT-Rezept, Brokkoli-Cheddarsuppe nach einem Rezept des ZEIT Magazin, die Engadiner Nusstorte, die beinahe in meinem letzten Diagonal-Beitrag vorgekommen wäre (die OTs hat eine Kollegin aufgenommen, deshalb habe ich sie nicht direkt gesehen).

Veröffentlicht

Im Blog: Zucchini-Zitronen-Kuchen, „Wächst hier bald kein Grüner Veltliner mehr?“ – Effilee #63

Anderswo: „Wächst hier bald kein grüner Veltliner mehr?“, eine Reportage für das Effilee-Magazin #63, in dem auch eine Restaurantkritik von mir über „das Kraus“ erschienen ist (über das Menü habe ich hier auch schon gebloggt).

Twitter oder Fediverse?

Ich habe mich in dieser Woche nach vier Jahren der Inaktivität erstmals wieder in meinen Mastodon-Account (chaos.social/@jasowies_o) eingeloggt und mithilfe von Luca Hammer’s Fedifinder-Tool versucht, meine Twitter-Timeline umzuziehen. Ich finde, das hat ziemlich schlecht geklappt, nur 375 der 1785 Accounts, denen ich auf Twitter folge, gibts auch im Fediverse.

Der für sehr bald prophezeite Untergang von Twitter ist glücklicherweise doch noch nicht Realität geworden, nur drüber geredet wird die ganze Zeit, und einige Leute haben sich auch von der Plattform zurückgezogen. Ich finde das Ganze (also Musks Geplänkel/Geschäftsführung und die bisherigen Nebeneffekte) ziemlich ärgerlich, denn Twitter ist mir in den vergangenen sieben Jahren enorm ans Herz gewachsen. Die wirklich schlimmen Seiten der Plattform (Hass, Hetze, Trolling etc) habe ich niemals direkt abbekommen, dass sie an so vielen Stellen als hellsite beschrieben wurde, kann ich nur begrenzt nachvollziehen. Mir hat Twitter gefühlt vor allem Fenster in andere Welten aufgemacht: Dank Twitter bin ich 2015 ins Podcasting-Meetup gestolpert (apropos: nächstes Treffen ist am 12.12., mehr Infos auf podcasterei.at) und hab 2016 meinen eigenen Podcast Lieblings-Plätzchen gestartet, ich habe die re:publica und den CCC aus der Ferne verfolgt (Konferenz-Twitter überhaupt eines meiner „Lieblings-Genres“), habe dank meiner gern geteilten Kritzeleien ein Sidehustle als Sketchnoterin gestartet und nebenbei (auch IRL) sehr viele liebe Leute kennengelernt.

Abgesehen davon ist Twitter essentieller Teil meines „Medien-Menüs“: viele der Artikel, die ich allwöchentlich hier im Zuckersüß teile, stammen aus meiner (finde ich) ziemlich diversen (chronologischen!!) Timeline. Ich folge auf Twitter Medienhäusern aus aller Welt, Blogger_innen, Podcaster_innen, Aktivist_innen, Journalist_innen, Forscher_innen, IT-Leuten, Expert_innen zu den unterschiedlichsten Themen, Meme-Accounts, Shitposter_innen und experimentellen Bots. Da kann es schon passieren, dass ein dämliches Meme neben einer banalen Alltagsbeobachtung und furchtbaren Breaking News steht. Diese Gleichzeitigkeit ist manchmal schwierig auszuhalten (darüber haben z.B. Ryan Broderick und Berit Glanz geschrieben), aber in der weniger extremen Variante finde ich sie sehr wertvoll, denn sie bietet mir ein unmittelbares Fenster in ganz andere Lebensrealitäten und Einblicke in Themen, die mir nirgendwo anders begegnen. Twitter ist außerdem meine liebste Lückenfüller-App: Wenn ich auf eine Straßenbahn warte, ewig in der Kassenschlange stehe, oder durch Ablenkung Nervosität beseitigen will (s. Smartphone-als-Ketchup-Theorie), scrolle ich durch meine Twitter-Timeline.

Ich finde die Idee hinter Mastodon, eine Art dezentrales Twitter zu haben, super (sie passt halt auch sehr gut zu meiner sonstigen open-web-Haltung, s. Eine Ode an RSS-Feeds) – wäre Twitter dezentral, könnte der gegenwärtige Niedergang gar nicht so passieren. Die derzeitige Situation zeigt einmal wieder, wie gefährlich es werden kann, wenn quasi-Infrastruktur von einem profitorientierten quasi-Monopolisten betrieben wird.

Als der Google Reader 2013 eingestellt wurde (s. Zuckersüß 58) war ich auch kurz unrund, aber nachdem dieser als RSS-Reader ja die Inhalte nur zu mir gebracht hat, nicht aber wie bei Twitter auch gehostet hat, war das schnell vorüber (seitdem abonniere ich Blogs via feedly). Twitter und Mastodon sind aber leider nicht kompatibel – ich kann nicht meine Twitter-Timeline bei Mastodon einspeisen oder andersherum. Und Mastodon ist für mich eben (noch?) kein echter Ersatz für Twitter, weil so viele der Stimmen, die ich auf Twitter schätze (v.a. international und aus der Medien-Bubble) derzeit nicht im Fediverse zu finden sind. Zum Lesen hänge ich deshalb immer noch täglich bei Twitter ab. Meine Mastodon-Timeline bietet mir anderen Content, aber noch eine App zu checken finde ich ein bisschen anstrengend.

Und wenn ich Leute als „Absenderin“ in beiden Welten erreichen will, muss ich händisch bei beiden posten. Denn die CCC-Instanz, auf der ich gerade „zuhause“ bin (weil ich meinen Account beim Chaos Communication Congress 2018 erstellt habe) erlaubt nämlich kein automatisches Twitter-zu-Mastodon Crossposting mehr und so wie ich es verstehe, funktioniert das andersherum sowieso nicht. Ob ich das doppelt posten weiter durchhalte, weiß ich nicht. Aber weil es eben der Content (und der Netzwerkeffekt!) ist, der eine Plattform wertvoll macht, und ich will, dass Mastodon wertvoll wird, werde ich es weiter versuchen.

Hier folgen meine liebsten Links der Woche:

Rezepte

Gochujang Caramel Cookies Recipe – NYT Cooking
Wenn Miso in Cookies gut schmeckt, wieso dann nicht auch Gochujang? Ein chilli-ges Rezept von Eric Kim.

Matcha Wreath Butter Cookies – constellationinspiration
Jetzt verlink ich schon auf Insta-Rezepte… Aber die sind einfach zu hübsch!

Cranberry-Rye Chocolate Chunk Cookies | The Vanilla Bean Blog
Roggenmehl, Schokolade, Mohn und Cranberries.

Kitchen Project #47: Festive kugelhopf – by Nicola Lamb
Nächstes größeres Backprojekt.

Texte

Warum die „Letzte Generation“ alles richtig macht | Übermedien
Friedemann Karig:

Die angesichts dieser maßvollen Ansprüche umso heftiger erscheinenden Reaktionen, die erratische Aggressivität mancher Gegenrede, die Machtdemonstration des Rechtsstaates, der in Bayern ein umstrittenes Antiterrorgesetz nutzt, um dutzende Aktivist:innen ohne Prozess mehrere Wochen in „Präventivgewahrsam“ zu nehmen (und damit laut Aktivist:innen mehr zur Mobilisierung beiträgt als jede Kampagne), dazu die überwiegende mediale Verweigerung einer konstruktiven Auseinandersetzung  – das sind alles Zeichen eines sozialen Systems, das sich gegen eine aufgezwungene Ausleuchtung seiner kognitiven Dissonanzen wehrt. Oder auch: Das sich einem Kipppunkt nähert. Wir stehen damit möglicherweise an der Schwelle zur dritten Phase des Klimadiskurses. Denn wir beginnen, die Krise, ihre Abgründe und ihre Widersprüche nicht mehr nur zu diskutieren. Sondern sie zu fühlen.

The Exploited Labor Behind Artificial Intelligence – NOEMA Mag
AI-Ethik sollte mehr auf die Ausbeutung von Arbeiter_innen fokussieren, finden Timnit Gebru et al:

Far from the sophisticated, sentient machines portrayed in media and pop culture, so-called AI systems are fueled by millions of underpaid workers around the world, performing repetitive tasks under precarious labor conditions. And unlike the “AI researchers” paid six-figure salaries in Silicon Valley corporations, these exploited workers are often recruited out of impoverished populations and paid as little as $1.46/hour after tax. Yet despite this, labor exploitation is not central to the discourse surrounding the ethical development and deployment of AI systems.

Auto Format — Real Life
Navneet Alang denkt über Twitter nach (Text von 2016):

Twitter has colonized my mind. Almost every day for just under a decade, I have checked the site, have tweeted, retweeted, been subtweeted. My mental map is the frontier surrendered, and Twitter is the empire. To become occupied by a social network is to internalize its gaze. It is to forever carry a doubled view of both your own mind and the platform’s. What beckons initially is what feels like a blank canvas — some empty space onto which one can splash one’s desires. So, like millions of others, I conjured a persona for Twitter, at first modulating myself for the tech- and pop-culture-savvy early users, then later techno-skeptics and lefty cultural critics, and now for the many like me who are just exhausted by the whole thing and make aimless or bitter jokes.

This strange vine can mimic other plants. How? – Vox
Sehr seltsam:

What Gianoli discovered that day is a remarkable ability that is perhaps unique to B. trifoliolata: As the vine grows, it can mimic other nearby plants. “My mind was blown,” said Gianoli, a researcher at Chile’s Universidad de La Serena. “It was kind of a magical moment.”
Since then, Gianoli’s research has shown that B. trifoliolata, native to southern South America, can mimic the leaf shape, size, and even color of more than a dozen plants. More incredible still is that two different parts of the same individual can mimic the leaves of two distinct plants, even if they look dramatically different, he says. (Although there are few studies on this plant, scientists generally acknowledge that it can shape-shift.)

‘Black Is King’ but Beyoncé Doesn’t Share the Crown | Frieze
Die Autorin dieses Texts hat ein Panel zum Thema Decolonizing Tech an der Angewandten moderiert, das ich vergangene Woche besucht habe.

The Lion King’s resulting imagery is yet another reason why – as Nairobi-based writer and artist Awuor Odhiambo argues in her essay ‘Silicon Savanna’ (2020) – the vast unpeopled savanna remains a running motif in the visual semiotics of East Africa. Loosely based on the landscape of Kenya, Disney created a fictional wild idyll full of (talking) animals, only to then have an African American singer redeem it. Even with many talented African creatives, actors and designers on board, Black Is King relies on imagery that is evocative of fictional African countries invented by Hollywood, such as Zamunda (Coming to America, 1988) and Wakanda (Black Panther, 2018). Beyoncé’s visual album reifies a romantic, broad-brush visualization of Africa that is common in Black America, which celebrates but misrepresents the continent’s diversity, complexity and – most importantly – people (many of whom don’t self-identify as Black). Within this Disney imaginary, a Zulu king (South Africa) occupies the same frame as Dogon masqueraders wearing Kanaga masks (Mali, Burkina Faso) and Himba women (Namibia). While the result is visually appealing, the constituent cultural references are utterly depleted of any significance beyond aesthetics.

GQ Men of the Year ’22: Omar Souleyman Just Wants you to Have a Good Time – GQ Middle East
Ich war im Frühjahr 2018 in Nancy auf einem Konzert von Omar Souleyman (sein Warni Warni habe ich schon ein paar Jahre eher in Marokko kennengelernt), und es hat so ~gefetzt~. Dass er als sixtysomething syrischer Ex-Hochzeitssänger zum Man of the Year ausgerufen wird, finde ich recht lustig.

It’s hard to say why Souleyman has succeeded in breaking through to Western audiences in a way that many Middle Eastern artists have consistently failed to do. It could be that his music and image – to Western sensibilities at least – seems uncompromisingly and unapologetically irreverent in its quintessential Arab-ness. Or maybe it’s his “rags-to-riches” backstory as a Syrian wedding singer done good – something that has made for delicious headline fodder to the international music press. Whatever the case may be, somewhere along the line Souleyman morphed into arguably the greatest rock star in the Middle East.

Dirt: Goncharov
Internet-Irgendwas at its best:

There’s a Borgesian undertone to the Goncharov LARP and the notion of imaginary fandoms. It reminds me a bit of Borges’ metafictional 1940 story “Tlön, Uqbar, Orbis Tertius”: A secret society crafts an elaborate hoax to convince everyone of the existence of an imaginary world, going so far as to produce documents, artifacts, and lore to lend credence to the idea. Over time, the hoax is subsumed into “reality.” That story, of course, is way more nefarious than the lighthearted, meme-y instincts powering the Goncharov fervor. It’s fitting that “the greatest mafia movie ever made” only exists in our collective imagination.

Audio/Video

Satelliten: Neue Hoffnung im All? – Die Furche
Diese 4-teilige Audioserie von Manuela Tomic über Satelliten (Kriegsführung/Gesetzgebung/Klimabeobachtung/-Schrott …) hat mir gut gefallen (wenn auch stellenweise Blechdosensound). Ich bin keine Zeitungsabonnentin und komm deswegen nicht hinter die Paywall, aber „uralte“ Artikel (1980er) im Podcast inhaltlich anzuteasern find ich eine spannende Sache…

The Future of the Final Mile – 99% Invisible
Möglicherweise habe ich auf diese Podcastfolge über community-ermöglichte Internetversorgung in den USA schon mal verlinkt, ich habe wegen einer Uni-Diskussion zu Mesh-Networks wieder an sie gedacht.

Dlf Doku – Hörspiel und Feature: Die anderen Versionen der Welt
Dieses Feature über Erfahrungen mit illegalen Drogen fand ich sehr spannend gemacht. Fast eine Stunde lang, keine Erzählstimme, keine Musik, und die einzelnen Protagonist_innen „unterbrechen“ sich immer wieder gegenseitig.

Mathewelten – Auf dem Weg in die Unendlichkeit
Diese arte-Video-Serie zum schwierigen Thema Mathematik ist super.

Backkatalog:



Hi, ich bin Jana.
Seit 2009 veröffentliche ich hier wöchentlich Rezepte, Reiseberichte, Restaurantempfehlungen (meistens in Wien), Linktipps und alles, was ich sonst noch spannend finde. Lies mehr über mich und die Zuckerbäckerei auf der About-Seite.

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Im Zuckersüß sammle ich (fast) jeden Sonntag meine liebsten Links der Woche: Rezepte für die Nachback-Liste, lesenswerte Blogposts, Zeitungsartikel und Longreads, Podcasts oder Musik, die mir gerade gefällt und oft genug auch Internet-Weirdness. Außerdem schreibe ich auf, was ich sonst so interessant fand: neue Rezepte in meiner Küche, Lokale, in denen ich gegessen, Pullover, die ich gestrickt oder Texte, die ich geschrieben habe.