Archiv der Kategorie: Zuckersüß

Zuckersüß 392

mit Gebackenem, einem Besuch in der Kunsthalleund wie immer, den besten Links der letzten Tage.

In der vergangenen Woche habe ich mich an Bubble Tea versucht (gescheitert), Buttermilch-Stracciatella-Eis gemacht (geglückt!), eine neue Crepepfanne eingeweiht und Ottolenghi-Muffins gebacken, die ich schon letzten Sommer mal hier verbloggen wollte.

Buttermilch-Stracciatella-Eis
Buttermilch-Stracciatella-Eis

Kunsthalle Wien: Cybernetics of the Poor

Museen haben wieder offen, juhu! Weil keine meiner Jahreskarten (hdgö, MAK und, lange schon aus, KHM) mehr gültig ist, beschloss ich, einfach mal woanders hinzugehen. Mein Ausgangspunkt war das MQ, wo ich mich, wie es sich für einen Ausflug gehört, erstmal auf eine Bank setzte und Leute beobachtete. Als die Sonne hinter den Museen verschwand, musste ich mich für eines entscheiden, und ging wegen des günstigen Eintritts (für Studis nur 2€!) in die Kunsthalle. Tatsächlich ist dort bis April pay what you can, also wärs ggf. auch ohne Ermäßigungen nicht teuer.

Beim Eingang schnappte ich mir die Booklets zu beiden Ausstellungen und ging zuallererst in Cybernetics of the Poor, das folgendermaßen beschrieben wird:

Im digitalen Kapitalismus ist aber der Handel mit der Antizipation selbst profitabel geworden. Die finanzkapitalistische Spekulation, die Finanzialisierung immer größerer Bereiche der Wirtschaft wird kybernetisch gedacht und organisiert, denn das Erheben, Sammeln und Vermarkten von Daten ist längst Kern unserer Ökonomie. Darüber hinaus ist aber eine in Filterblasen, von Bots und personalisierter Ansprache gesteuerte, scheinautonome, in zu propagandistischen Zwecken organisierte Subkulturen zerfallene Öffentlichkeit unter Kontrolle einer Kampagnen-Kybernetik geraten, die auch sogenannte freie Wahlen massiv unter ihren Einfluss bringen konnte. In einem so gewissermaßen total kybernetisch gewordenen kulturellen, sozialen und politischen Universum muss die Kunst auf diesen neuen Stand der Dinge reagieren, in dem Reaktionen, Wirkungen, Intentionen von dieser Realkybernetik überlagert, wenn nicht determiniert werden. Sie muss aber auch ihre neue spezifische Machtlosigkeit gegenüber der kybernetischen Maschine verstehen und zum Ausgangspunkt von Gegenentwürfen machen.

Booklet „Cybernetics of the poor“, S. 7f

Zu Beginn der Ausstellung wird eins von Capture, einem Video von Paolo Cirio empfangen. Darin ist er zu sehen, wie er die Gesichter von Polizisten in riot gear an Pariser Hauswände kleistert. Damit will er das Machtungleichgewicht zwischen der Staatsgewalt und Bürger_innen problematesieren: Erstere nimmt sich heraus, letztere jederzeit mit Gesichtserkennungssoftware zu identifizieren, während die Angehörigen der Exekutive anonym bleiben.

Leider ließ mich der größte Teil der übrigen Ausstellung ratlos zurück, ich konnte mit den wenigsten Werken etwas anfangen bzw. nachvollziehen, worauf sie sich bezogen. Ausnahme davon war einerseits Agnieszka Kurant’s Collective Rorschach Test, ein Lentikulardruck (aka Wackelbild) von dem Pixelkampf um r/place (o. Ä., jedenfalls auf reddit). Andererseits fand ich die GuiltCoin von Coleman Collins sehr lustig. Dabei handelt es sich sowohl um eine Installation als auch um ein ironisches „Finanzinstrument“, denn mit einem Investment in diese Kryptowährung kann eins sich symbolisch von Schuld freikaufen:

Under our current economic system, the most logical and efficient thing to do with any type of social relation is to financialize it. GuiltCoin harnesses the power of the blockchain – utilizing the logic of capitalism to provide an unparalleled mechanism for the reduction of existential guilt.

Die case studies, die die Kunstwerke außenherum historisch einordnen, fand ich spannend. Dort geht es z.B. um (frühe) Kybernetik in der Musik (ich musste an dieses Video denken, das seit Wochen in meinen offenen Tabs „lebt“) oder um die Künstliche Schildkröte der TU Wien (mit einem Abdruck dieses Artikels des „Erfinders“ Heinz Zemanek). Beim Tippen dieses Posts fiel mir auf, dass es auch eine Podcastreihe (mit gut verstecktem Feed…) zur Ausstellung gibt, vielleicht höre ich da noch rein und werde etwas schlauer aus den gezeigten Werken.

In die zweite Ausstellung, Želimir Žilnik. Shadow Citizens, schaute ich dann nur kurz, denn für Filme hatte ich keinen Nerv mehr (und außerdem mag ich in einer Pandemie keine „öffentlichen“ Kopfhörer aufsetzen). Die neun Minuten von „Inventur – Metzstraße 11“ von 1975 gab ich mir dann aber trotzdem (tonlos). Darin stellen sich die Bewohner_innen eines Mietshauses nahe des Münchner Ostbahnhofs vor: Gastarbeiterfamilien aus der Türkei, Italien oder Jugoslawien, alte Leute und eine junge Sekretärin erzählen am Treppenabsatz ein paar Sätze über sich. Ich frage mich, wer wohl heute in diesem Gebäude wohnt…

Nach so viel Museumscontent folgen hier meine liebsten Links der letzten Woche:

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Zuckersüß 391

mit Gebackenem, Arabischlernen, Töpfern, Stricken, Nähen, Lesen (Swing Time) – und wie immer, den besten Links der letzten Tage.

In den letzten paar Tagen habe ich langweiligen Rührkuchen, Pudding mit karamellisierten Bananen, Bravetart’s Zimtschnecken, best cocoa brownies und Mandel-Ghriba gemacht.

Ich habe mein letztes Uni-Essay für dieses Semester abgegeben, aber dabei noch ausführlich prokrastiniert – mit… Duolingo. Im Gegensatz zu der Zeit, in der ich schon mal mit dieser App sprachenlernen wollte (2015?) wird jetzt nach jeder Lektion eine Werbeanzeige eingeblendet, was ziemlich nervt. Andererseits wird im Gegesatz zu damals (wo ich wahrscheinlich mein Französisch verbessern wollte?), auch arabisch angeboten, das ich spätestens seit meinen kulinarischen Ausflügen in die Region (Namoura bil ashta, Mandel-Ghriba, eine Quittentajine am Wochenende) unbedingt wieder auffrischen will. Das Programm der App passt leider nicht ganz auf meine Lernsituation: ich kann zwar ohne Probleme arabisch lesen (ziemlich langsam), und habe auch einen groben Plan von den meisten grammatischen Regeln. Allerdings weiß ich kaum Vokabeln, geschweige denn, wie sie geschrieben werden. Die Umschriftübungen vom arabischen ins lateinische Alphabet, die zu Beginn jeder Lektion stehen nerven mich deshalb sehr, aber alles was danach kommt, scheint mir sehr hilfreich. Mal schauen, ob aus meinem 5. Anlauf (davor: Langenscheidt-Selbstlernkurs, Sprachkurs an der VHS, Sprachkurs in Marokko, Sprachkurs an der Uni) endlich wirklich Standardarabisch zu lernen, was wird.

Töpfern, Stricken und Nähen: Peak Pandemiezeitvertreib?

Mit Backen, Sprachenlernen und Stricken habe ich eh schon drei klassische Pandemiehobbies auf der Liste, aber vergangene Woche konnte ich in Sachen Klischee noch eins draufsetzen: Töpfern. Genauer gesagt eigentlich Glasieren, denn die Teller und Schalen hatte ich schon im September 2019 getöpfert. Seither warteten sie im Atelier meiner Tante auf Fertigstellung, doch wegen ~Corona~ war ich dort seit mehr als einem Jahr nicht mehr vorbeigekommen.

Jetzt muss das Ganze (übrigens klar inspiriert von @kchossak_pottery, Izy Hossack aka Top With Cinnamon’s Mutter) nur noch ein zweites Mal gebrannt werden und, was wohl das langwierigere Unterfangen wird: ich muss alles abholen kommen.

fertiger Pulli!

Nochmal zurück zum Stricken: Im letzten Zuckersüß habe ich ja ein bisschen über Pulloverkonstruktion geschrieben. Besagter Pullover ist jetzt fertig (hier bei ravelry), der Hauptgrund dafür liegt ganz einfach darin, dass ich die ganze Wolle (mit DM-Preisschild, viel zu vintage um welche nachzukaufen) aufgebraucht hab. Ganz zufrieden bin ich nicht, denn ich hätte die Ärmel gerne ein paar Zentimeter länger gestrickt. Die Passform ist leider auch nicht ganz so super: Unter den Armen ist der Pulli zu breit, die Ärmel sind an den Schultern weit, sodass sie pludern. Ich habe allerdings keine Lust, alles wieder aufzutrennen und werde den Pullover jetzt einfach so tragen, das geht schon.

zuckersuess375
Titelbild von Zuckersüß 375:

Mit einem ähnlichen Mindset bin ich auch wieder ans Nähen herangegangen, mit dem Ziel, mein Zitronenkleid (zugeschnitten vergangenen August) endlich fertigzustellen. Laut Anleitung ist es für Nähanfänger_innen geeignet, ich habe aber das Gefühl, mir am rutschigen Stoff und meiner Abweichung (ein zusätzliches Futter) die Zähne auszubeißen. Egal wie oft ich es zusammenhefte, an irgendeiner Stelle ist immer etwas ungenau, leicht schief oder verzogen. Aber seis drum, ich versuche mein bestes und hoffe, dass am Ende etwas Tragbares herauskommt.

Lesen: Swing Time

Meine letzte Buchclublektüre war Zadie Smith’s Swing Time, das zweite fertiggelesene Buch für 2021. Am erstaunlichsten daran fand ich, dass man die Ich-Erzählerin 600 Seiten lang begleitet, es aber irgendwie viel mehr um alle anderen geht als um sie (ihren Namen erfährt man auch nie!). Es kommen unzählige Figuren mit den unterschiedlichsten Lebensrealitäten (vom australischen Popstar, über den jamaikanischen Kleinkriminellen in London bis zu einer Lehrerin im ländlichen Gambia) vor und Zadie Smith schneidet sehr viele Themen an. Anstatt einer Geschichte erzählt der Roman eher dutzende und springt dabei wild zwischen der Kindheit der Ich-Erzählerin und ihren frühen 30ern hin und her. Auserzählt wird nichts davon, aber die Perspektiven bleiben hängen.

Online habe ich auch einiges gelesen, hier folgen meine Lieblingslinks:

Rezepte

Krebsen und Aluette: Blutorangen Sirup Küchlein
Schönes Wintergebäck.

Chez Panisse Almond Tart (via Joy the Baker)
Die mach ich bald!

How to Make Snow Ice Cream | Real Simple
Klingt… nicht so wahnsinnig lecker.

How to make an Ethiopian vegetarian feast | The Star
So ähnlich zu Sauerteigpfannkuchen (fast Injera, fast) nachgekocht.

Texte

Why Has Critique Run out of Steam? From Matters of Fact to Matters of Concern – Bruno Latour
Diesen Text, ursprünglich ein Vortrag in Stanford im Jahr 2004, habe ich für die Uni gelesen. Ich fand Latour bringt vieles, dass wieder (noch?) sehr aktuell ist sehr treffend auf den Punkt und ich linke deshalb auch hier drauf.

entire Ph.D. programs are still running to make sure that good American kids are learning the hard way that facts are made up, that there is no such thing as natural, unmediated, unbiased access to truth, that we are always prisoners of language, that we always speak from a particular standpoint, and so on, while dangerous extremists are using the very same argument of social construction to destroy hard-won evidence that could save our lives (p. 227)

Historiker über Fitnesskultur: „Fitnesskult ist hochpolitisch“ – taz.de
Der Zwang zur Fitness regt mich furchtbar auf.

Unsere moderne Gesellschaft organisiert sich wesentlich um den Körper und dessen Leistungsfähigkeit herum. Im Zentrum steht ein Versprechen, das mit einer Aufforderung beziehungsweise einer Verpflichtung verbunden ist: Wenn wir uns gut um uns kümmern, unseren Körper pflegen und in Form halten, kommen Glück und Erfolg. Die soziologische Stigmaforschung zeigt sehr genau, dass dicke Menschen heute von Schule bis Jobmarkt diskriminiert werden, es ihnen also schwerer gemacht wird, Erfolg zu haben. Der Fitnesskult ist hochpolitisch, es geht um Teilhabe an Gesellschaft, um Zugriff auf Ressourcen: Gesellschaftliche Anerkennung wird stark vom Körper abhängig gemacht.

In der Stadt ist das Corona-Infektionsrisiko nicht größer – futurezone.at
Mehr Compliance in der Stadt?

Dass es am Land oft zu höheren Fallzahlen an einzelnen Punkten komme, liege vermutlich an sozialen Gepflogenheiten, meint Kalasek. „Wenn es eine starke Verwurzelung in der örtlichen Kultur gibt, eine Gewohnheit, sich zu treffen oder am Vereinsleben teilzunehmen, wenn das seit Jahrzehnten Standard ist, kann man das schwieriger herunterfahren. In einer Gemeinde nahe Wien, wo drei Viertel der Bevölkerung erst in den vergangenen 30 Jahren dazugekommen sind, ist die Kontakthäufigkeit vielleicht nicht so hoch. Aber das sind Vermutungen und wie will man die stichhaltig belegen?“

What to Make When You’re Dying | Seamwork Magazine
Ein sehr trauriger Text, die Autorin ist mittlerweile gestorben.

I believe that my sick body is worth making clothing for. Yet, at a certain point it feels wasteful to create a garment for a body that won’t be around to use it for very long. My doctors can’t tell me how long I will live; the statistics do not suggest I have another half-decade left. So when do I leave behind my sewing queue, and what do I do when that time comes?I do have one project in mind, and it gets to my sewing roots and the first thing I learned to make—quilts. I want my immediate family to have physical reminders of my love for them, something they can wrap around themselves as proof that I existed and spent my time thinking of them.

Understanding Ease & How It Affects Fit — Making Stories
Noch mehr Strickkonstruktion.

Another key area to pay attention to when you’re sizing up or down is the back neck measurement. It doesn’t matter how amazing the rest of your sweater is, if the neck doesn’t fit right it’s guaranteed to never make it out of your wardrobe. The neck is calculated based on the back neck measurement, so if you move sizes based on the bust measurement to get the ease you want, you are moving for those measurements also, and they may not work for you.

Mit den Augen strukturieren. Von der Kunst, den Moment zu reportieren. | Radio machen
Sehr Meta: Eine Radiomacherin fragt einen anderen zu dessen Arbeitsprozess.

TV Characters Don’t Have Text History. This Is Not OK | WIRED
Das ist mir noch nie aufgefallen:

Directors know that after spending the day hunched over a screen and trying to detox in front of a bigger screen, audiences are reluctant to spend much time squinting to read a text. Why devote a precious 10 seconds to ensuring the audience can read some inconsequential past messages about ordering pizza and the texts that matter to move the story forward when you can get in, get out, and cut back to actors acting? But the attempt to avoid distraction with brevity only introduces a slew of new distractions. Did Emily get a fresh French phone and not back up her iCloud?

Subs? Stacked. – Brain Dump
Zum Newsletterhype:

Even better is the simplicity of the email list as the key graph: Everyone has a fucking email address! But not everyone has a Facebook account, and even fewer still have a Twitter handle. The email address is the lowest common denominator of the consumer internet. And hence, the perfect component of creating a personal graph.

Audio/Video

Bodyguard
Zufällig beim Zappen (!) im ZDF entdeckt und dann fast am Stück weggeschaut (gibts auch bei Netflix). Spannende Politthriller-Serie mit vielen Wendungen und argem schottischen Akzent.

GAG279: Muskat und Manhattan – Geschichten aus der Geschichte
Zum Zimtschneckenbacken angehört.

Wir springen in das 17. Jahrhundert: New York hieß noch Nieuw Amsterdam und auf einer kleinen Inselgruppe im heutigen Indonesien, den Molukken, kämpften zwei Kolonialmächte um die Vorherrschaft. Es ging um ein Handelsmonopol auf ein begehrtes Gewürz, das zu diesem Zeitpunkt weltweit nur auf den Banda-Inseln wuchs: Muskat.

17 Die Buch – Extended! Beatrice Frasl zu “Die Liebhaberinnen” von Elfriede Jelinek – Die Buch
Tolles Buch, tolle Gästin und toller Podcast.

Blumen, Pralinen und Romantik? Nicht in unserer Valentinstagsfolge! Wir stellen euch dafür eine besondere Gästin vor: Beatrice Frasl (aka @fraufrasl). Mit der Feministin und Podcasterin von “Große Töchter. Der feministische Podcast für Österreich” reden wir über “Die Liebhaberinnen” (Rowohlt, 1975) von Elfriede Jelinek.

Warum Esoteriker und Rechtsextreme nicht zufällig gemeinsam auf die Straße gehen ZÜNDFUNK – Generator

Esoterik, Rechtspopulismus und Neofaschismus haben Verbindungen, die lange unterschwellig waren. Die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen haben diese jetzt jedoch offen gelegt. Sie liegen in der gemeinsamen Ablehnung moderner Prinzipien von Gesellschaftsvertrag, Wissenschaft und Solidarität.

Foto

Zuckerstreusel, vorerst zum letzten Mal, wirklich!

Backkatalog

Zuckersüß 390

mit Gebackenem, endlich Ferien, Strickkonstruktion – und wie immer, den besten Links der letzten Tage.

Seit letztem Sonntag habe ich Bananen-Biscotti, Namoura mit Cremefüllung (ohne Füllung schon im Blog), und eine Birnen-Mandeltarte (so ähnlich schon im Blog) gebacken.

Ferien!

Nach einem furchtbar anstrengenden Semester mit eineinhalb Nebenjobs und Pandemie hab ich endlich mal Pause. Und deshalb habe ich beschlossen, Sachen zu tun, denen ich sonst keine Zeit einräume. Zum Beispiel Printzeitungen von vorne bis hinten lesen. Einige Artikel fand ich interessant/lehrreich/bemerkenswert, weshalb ich sie am liebsten hier in meiner Lieblingslinksammlung hätte. Weil sie aber alle hinter einer Paywall stecken und ich Zitate aus der Zeitung sicherlich nicht hierfür abtippe, gibts nur eine knappe Titelliste:

Stricken

Gefühlt den Rest meiner wachen Zeit habe ich strickend verbracht. Ich habe einerseits meinen Party-Top-Pullover (Design auf Ravelry) geändert (längere Ärmel) und an meinen Monkeysocks (Design auf Ravelry) weitergestrickt.

Viel spannender allerdings: ich habe alle möglichen Wollreste geschenkt bekommen und will sie möglichst gut verwerten. Der größte Teil davon ist Baumwolle, weshalb sich ein lockerer Frühjahrspulli anbieten würde. Am liebsten hätte ich mir den Lina Genser Pulli gestrickt, so gerne, dass ich mich fast mit der norwegischen Gratis-Anleitung befasst hätte. Zwar habe ich am Ende noch eine deutsche Übersetzung davon gefunden (hier bei Ravelry), musste aber feststellen, dass mir die Wolle niemals reichen würde, weil sie nicht weit genug läuft. Geld für eine Anleitung wollte ich nicht ausgeben, also beschloss ich, das Party-Top (für das ich in der ersten Version nur ~650 Meter gebraucht hatte) abzuwandeln. Mein allererster Versuch ging schief und wurde wieder aufgetrennt. Gut, dass es das Internet gibt, das mir einen Crashkurs in Strick-Konstruktion ermöglicht hat:

kragen eines pullis
So sieht mein Raglan-Konstrukt aus (in echt weniger schief als am Bild)

Nach alldem habe ich jetzt zumindest eine kleine Ahnung von Pulloverkonstruktion und bin wieder fasziniert davon wie viel Wissen (so viele Berechnungen!) und Können (Maschenarten, Gleichmäßigkeit) hinter einem scheinbar simplen (aber gut sitzenden!) Kleidungsstück steckt. Hoffentlich strickt sich mein neustes Projekt weiterhin gut und passt mir am Ende auch!

Bevor ich euch jetzt noch mit weiterer Stricknerderei (in Wahrheit ein neuerlicher halbernstgemeinter Versuch von „Lerntagebuch“) nerve, folgen hier meine liebsten Links der letzten Tage:

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Zuckersüß 389

mit wenig Gebackenem, keinem Restaurant-Delivery-Abendund wie immer, den besten Links der letzten Tage.

In der letzten Woche habe ich Brownies ohne Ei (dafür mit Joghurt?!) und Windbeutel mit Bergamottenfüllung (s.u.) gebacken und außerdem um Mitternacht eine Germknödel-Aktion gestartet (1:37 ist genau die richtige Uhrzeit zum Germknödel-Essen, nicht?).

Kein Restaurant-Delivery-Abend

Weil ich keine Lust auf wahrscheinlich kaltes Delivery-Essen hatte, beschloss ich, diese Woche selber etwas alltags-untypisches zu kochen. Ich hatte leider keine besonders guten Ideen, aber ein Besuch am Kutschkermarkt (€€€) brachte mich zu Radicchio, Chicoree, Bergamotten, Ricotta und Walnusbaguette vom Öfferl.

Die Fotos sind übrigens mit genauso wenig Aufwand (Smartphone, Schnappschuss, fertig) entstanden, wie meinen üblichen Restaurantabend-Bilder, sie sind keine gute Entsprechung des Essens.

vorspeise

Als Vorspeise gab es gebratenen Chicoree (sollte ich öfter machen!) mit Blutorangenfilets, gedünsteten Apfelwürfeln (roh wäre texturell cooler gewesen, aber dann wär ich allergisch dagegen), gerösteten Walnüssen und Petersilie. Das Dressing bestand aus Zitronensaft, Mandarinenöl, Salz und Pfeffer. Dazu gabs das Öfferl-Walnussbaguette, das wirklich sehr gut war, aber für 5,20€ (!) sollte das schon zu erwarten sein.

risotto

Als Hauptspeise (für einen Zwischengang war ich zu faul) kochte ich Radicchio-Risotto nach Emiko Davies. Ich glaube, ich habe noch nie vorher Rotwein-Risotto gegessen, es war sehr schön lila. Durch den Radicchio schmeckte es ganz leicht bitter, dazu kam die Säure des Rotweins, die umamige Cremigkeit von Parmesan und die leichte Süße von ziemlich viel Butter. Als „Deko“ streute ich noch ein paar geröstete Walnüsse und etwas gehackte Petersilie drüber, dann kam noch ein Klecks wolkiger Ricotta drauf. Dieses Gericht wird in meiner Rezept-heavy-rotation landen!

Apropos Rotwein, außerhalb des Risottos fand ich diesen („biorebe“ Zweigelt lieblich 2019) schrecklich. Das ich Wein absolut gar nicht mag, passiert selten, doch der hier war prickelig-sauer und völlig flach.

Windbeutel mit Bergamottensahne und MarTEAni
Der Windbeutel ist leider etwas zusammengefallen, weil ich das Ofentürl zu früh aufgemacht habe…

Am liebsten hätte ich zum Dessert etwas völlig überbordendes aus fünf verschiedenen Komponenten serviert, leider hatte ich dafür nicht genug Zeit. Deshalb wurden es am Ende „nur“ Windbeutel mit einer Sahnefüllung, die ich am Vorabend mit Bergamottenzesten aromatisiert habe. Ich hätte gerne noch eine „richtige“ Mandelkomponente dazu gebracht, zu mehr als ein paar gehackten Mandeln obenauf hats aber nicht gereicht. Trotzdem: Wirklich lecker (Rezept schon so ähnlich seit 2012 im Blog).

Dazu habe ich Cocktails gemixt, wegen der Bergamotten wurden es eine Art MarTEAni. Der Earl Grey infused Gin der wohl seit der letzten Party (vor mehr als einem Jahr schon, wie traurig!) bei uns herumsteht, reichte leider nicht ganz. Damit trotzdem alle meine Mitbewohner einen Cocktail bekommen, habe ich diesen mit normalem Gin gestreckt.

MarTEAni, oder so:

2 cl Bergamottensaft
2 cl Sirup (1:1)
1 cl Earl Grey infused Gin
3,5 cl Gin
+ Bergamottenzeste

Hier folgen meine liebsten Links der letzten Tage:

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Zuckersüß 388

mit wenig Gebackenem, einem ungewöhnlichen Museumsbesuch, Bubble Tea – und wie immer, den besten Links der letzten Tage.

In der vergangenen Woche habe ich Schoko-Tahini-Muffins mit Halva-Füllung und „Kindergeburtstags“-Streuselcookies (angelehnt an Snickerdoodles) gebacken. Außerdem habe ich die Kokoscreme vom Tata nachgebaut (bald im Blog) und Frau Ziii’s Kaiserschmarrn nachgekocht.

„Ablaufdatum“ im NHM

Obwohl alle Museen pandemiebedingt derzeit geschlossen sind, war ich am Montag im NHM – ein Radiobeitrag (hier noch nachzuhören) darüber machte es möglich.

Schon lustig, wenn im majestätischen NHM einfach eine MA48-Tonne steht..

Die Ausstellung „Ablaufdatum“ zeigt Besucher_innen vom Feld über den Supermarkt bis zum eigenen Haushalt, wo noch genießbare Lebensmittel verloren gehen. So scheitert es in der Landwirtschaft (die auch ohne Lebensmittelverschwendung schon oft problematisch ist, Stichwort Pestizide und Düngemittel) oft am Aussehen, „schiefe“ Feldfrüchte bleiben manchmal liegen. Damit im Handel immer alles frisch erhältlich ist, muss ziemlich viel weggeschmissen werden (wie viel genau, legen die großen Supermarktketten nicht offen). Der größte Anteil der Lebensmittelverschwendung in Österreich passiert allerdings in den Haushalten – wegen falscher Planung, Lagerung oder überschrittener Haltbarkeitsfristen landen jährlich unfassbare 200.000 Tonnen Lebensmittel unnötigerweise im Müll. Das ist eine große Belastung für Umwelt (Verpackungsmüll!), Klima (verschwendete Ressourcen!) und Artenvielfalt (Monokulturen!).

Das alles und noch viel mehr lernt eins von Mülltonnen-Installationen, nachgebauten Supermarktregalen, Videos und kleinen Spielen. Das Interview, auf dem mein Radiobeitrag basiert, war zwar quasi eine Privatführung, allerdings habe ich noch nicht alle Ecken der Ausstellung gesehen. Ich hoffe, ich schaffs nochmal als reguläre Besucherin hin. In der Zwischenzeit gibts ein thematisches „Blog“ (ich finde das zählt nicht, es hat nichtmal Permalinks) vom NHM, hier könntet ihr auch meinen Artikel für help.orf.at dazu lesen.

Bubble Tea von Findtea

Tatsächlich habe ich noch nie in meinem Leben Bubble Tea getrunken. Am Sonntag hat sich das geändert, weil ich mit einer Freundin einen Spaziergang zum neuen hippen premium Laden „Findtea“ im ersten Bezirk gemachtn habe. Am meisten hätten mich eigentlich die Desserts interessiert (viel Taro, Matcha, Klebreis, also in etwa das, was in Constellation Inspiration’s Rezepten so drin ist), leider gabs keine.

bubbletea im versiegelten plastikbecher

Ich habe mir deshalb einen mittleren Bubble Tea in der offenbar klassischsten Variante gekauft: Brown Sugar Tapioca Milk Tea mit schwarzem Tee (4,50€). Der war leider so süß, dass ich ihn nicht austrinken konnte, das Konzept Bubble Tea begeistert mich jetzt allerdings. Ich werd beim nächsten Mal einfach weniger Zucker erfragen und drauf hoffen, dass die ostasiatischen Süßigkeiten nicht aus sind.

Hier folgen Lieblingslinks:

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Zuckersüß 387

mit wenig Gebackenem, zweimal Delivery (LiuLiu und tata) – und wie immer, den besten Links der letzten Tage.

In den letzten paar Wochen (der letzte Sonntagspost erschien am 24. Dezember!) habe ich gar nicht so viel gebacken/gekocht: Buttermilcheis mit Cointreau oder Mohnschnaps, Neujahrs-Glücksschweinchen, zwei Biskuitrouladen zum Geburtstag, Gewürzcookies, Kaffee-Kardamom-Marmorguglhupf (bald im Blog!) und Bravetart’s Zimtschnecken.

Nicht selbstgebacken, aber auf jeden Fall hier erwähnenswert: Zu Heiligdreikönig hat eine französische Freundin Galette des Rois vorbeigebracht. Dieses Gebäck besteht aus super blättrigem Blätterteig und ist mit einer Mandelfrangipane gefüllt. In der Füllung ist außerdem eine kleine Figur versteckt. Wer die in seinem Stück findet, ist für den restlichen Abend König_in und bekommt eine Papierkrone.

Restaurants daheim: LiuLiu und tata

Wegen vagem Gusto auf „Asiatisch“ bestellte ich Anfang Jänner für meinen wöchentlichen Restaurantabend bei LiuLiu in Währing. Ganz überzeugt war ich nicht, hier in der Lokale-Kategorie habe ich mehr dazu geschrieben.

liuliu-hauptspeisen
Veggie Cashew Tofu und Veggie Trio von LiuLiu

Diese Woche gings dann mit vietnamesischer Küche weiter. Wegen der besonders vielfältigen Speisekarte (mit dem schlechtesten Interface der Welt, mjam im mobilen Browser…), sollte es von tata im siebten Bezirk kommen. Leider war das Essen durch die lange Anfahrt weitestgehend kalt, als es bei uns ankam, aber gut war es schon. Details in diesem Post.

tata-suppe-frühlingsrollen
Zitronengrassuppe mit Kräutern und Tofu + Frühlingsrollen vom Tofu

Hier folgen meine liebsten Links der letzten Wochen, allesamt gesammelt mithilfe meines Feedreaders (an dieser Stelle noch ein Hinweis auf einen Blogpost, der mir sehr wichtig ist: Eine Ode an RSS-Feeds. und: legt euch einen Feedreader zu!):

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Zuckersüß 386

…mit vielen Weihnachtsplätzchen, einem Besuch im MAK (Bakelit und Sheila Hicks), zwei Büchern über Kleidung (Zur Hölle mit der Mode und Die Welt der Stoffe), einem neuen österreichischen Kulinarik-Kunst-Magazin (The Healthy Times), zweimal Takeout (SOPHOS und kikko ba) – und wie immer, den besten Links der letzten Tage.

So, es ist quasi Weihnachten, und ich hab keines meiner Plätzerlrezepte, die seit Wochen im Entwurfsstadium festhängen, hier gepostet. Aber immerhin aufgegessen: Vanillekipferl (schon seit 2012 im Blog, puh), Dirty Chai Earthquake Cookies nach Susan Spungen, Marmorkekse und Rugelach nach Molly Yeh. Und meinen allerliebsten weißen Glühwein nach Stevan Paul (ohne Vanilleschotensparsamkeit, weil 2020 ist nicht das Jahr für Sparsamkeit an guten Gewürzen) hab ich im Dezember auch schon mindestens dreimal gemacht.

MAK: Bakelit und Sheila Hicks

Es ist außerdem schon wieder quasi Lockdown, deshalb habe ich die Chance ergriffen und bin mal wieder ins MAK gegangen (dank verlängerter Jahreskarte musste ich nichtmal Eintritt zahlen!). Ein paar Tage vor deren Abbau habe ich es ich die Bakelit-Ausstellung geschafft, in die ich schon im August wollte (damals ging ich stattdessen in Show Off und Sitzen 69 Revisited).

Die einzigen zwei Dinge aus Bakelit, die ich jemals bewusst in der Hand hatte – die auch mein Interesse für diese Ausstellung begründen – waren einerseits ein Spitzer, der noch immer in meiner Kinderzimmerschreibtischschublade herumliegen sollte und andererseits uralte Dreh-Lichtschalter. Ich war sehr verwundert, dass diese beiden Dinge nicht in der MAK-Ausstellung auftauchten (es waren bestimmt 100 Objekte über den Raum verteilt, s. Titelbild), jedenfalls nicht in der mir bekannten Form. Anspitzer gab es neben anderen Schreibtischdingen einige, aber die waren alle elektrisch. In der Kategorie „frühe Elektronik“ gab es insgesamt recht viele Objekte anzuschauen: Telefone, Radios, Fernseher, Staubsauger, Bügeleisen, Föns, Schreibtischlampen oder Mixer, alle im typischen braun-schwarz.

Wikipedia verrät, dass diese Farbe chemisch bedingt wenig variabel ist (und auch dass dieser erste vollsynthetische Kunststoff eigentlich polyoxybenzylmethylenglycolanhydride heißt – so viele Silben!!). Und doch gabs ein paar bunte Gegenstände in den MAK-Vitrinen, z. B. wunderschöne Thermoskannen aus den 1930ern. Die waren dann aber schon nicht mehr aus Bakelit, sondern aus dem verwandten Aminoplast, das auch helle Farben erlaubte.

aminoplast-thermos-mak
Annähernd 100 Jahre alte Thermos-Kannen

Beim Tippen dieses Posts bin ich noch über diese Besprechung von Sabine B. Vogel gestolpert, die offenbar in der Welt am Sonntag erschienen ist – sie gibt einen Überblick über die mittlerweile geschlossene Bakelit-Ausstellung.

Weil ich schon mal da war, ging ich auch noch in „Sheila Hicks. Garn, Bäume, Fluss“ (noch bis 18. April 2021) und erwartete mir erstmal nicht so besonders viel (Update, 16.01.21: man kann jetzt einen Online-Rundgang durch die Ausstellung machen, in 3D!) Doch schon bei den ersten paar Wandteppichen stellte ich fest, dass ich mit Textilkunst doch etwas anfangen kann. „Tangier“ erkannte ich sofort als einen marokkanischen Hauseingang, der riesige Teppich daneben (bestimmt doppelt so groß wie die Küche meiner WG?!) beeindruckte mich allein wegen seines Ausmaßes.

Am längsten schaute ich aber die gewebten Bilder an, die im weitesten Sinne nach Sprache benannt sind: Conversación en suspension III (2019) und Dialogue and Divergence (ca. 1980):

Manche der Webereien (oft mit Muscheln, Pflanzenstängeln o. Ä. durchzogen) in der Ausstellung sind nicht einmal so groß wie ein A4-Blatt, manche Werke sind fast einschüchternd groß, z.B. La sentinelle de safran (2018). So heißt der meterhohe Haufen von gelben, orangen und apricotfarbenen Acrylfaserbündeln, die von Fischernetzen zusammengehalten werden und in einem ansonsten annähernd leeren, turnhallengroßen Saal ausgestellt sind.

La Sentinelle de Safran - Sheila Hicks (MAK)
„La sentinelle de safran“ (2018)

Leider habe ich erst im Nachhinein erfahren, dass es auf Soundcloud einen kostenlosen Audioguide zur Ausstellung gibt. Dort kann man sich auch weitere Erzählungen zu Objekten im MAK anhören, gut zu wissen!

Zur Hölle mit der Mode & Die Welt der Stoffe

Diese beiden Bücher habe ich bestimmt in früheren Posts schon einmal erwähnt, aber weil sie so gut zur obigen Ausstellung passen, gleich noch einmal. Tatsächlich sind beide auch im MAK-Shop zu kaufen – ich glaube, hauptsächlich wegen der Show Off-Modeausstellung vom Sommer.

Zur Hölle mit der Mode wurde 1938 von der Modezeichnerin-, Designerin, -Journalistin und Maßschneiderin Elizabeth Hawes geschrieben und erst dieses Jahr von Constanze Derham ins Deutsche übersetzt (hier bei Twitter ein Thread der Übersetzerin mit ein paar Worten zum Inhalt und Links zu Fotos der Autorin und ihrer Entwürfe). Es liest sich ein bisschen wie ein Blog, und es freut mich sehr, dass ich auch einmal die Alltagserfahrungen einer jungen Frau, die vor gut 90 Jahren so alt war wie ich jetzt, zu lesen. Das einzige Buch, das mir bisher einen ähnlichen Einblick in den Alltag junger Menschen vor langer Zeit gegeben hat, war Stefan Zweigs Die Welt von Gestern. Als ich es gelesen hatte, dachte ich mir, dass es kaum an Aktualität/Relevanz verloren hat, und genauso ging es mir mit Zur Hölle mit der Mode.

In den 1930ern fing die Massenproduktion gerade erst an, doch Elizabeth Hawes kritisierte bereits die Erfindung von ständig wechselnden Trends, die diese Maschinerie am Laufen hielt. Ich selbst habe schon seit mehreren Jahren kaum und wenn dann großteils second hand Kleidung gekauft/zusammengesammelt (aus Nachhaltigkeits- und knappem-Budget-Gründen), trendy bin ich fix nicht (mehr) – meine Jeans sehen alle so mid-2000s aus, noch fünf Jahre und so tief sitzende Hosenbünde sind wieder in… Auf die Idee, mir etwas schneidern zu lassen, das mir wirklich passt (in jeder Hinsicht!) und das ich dann 10 Jahre behalten kann, wie Elizabeth Hawes das vorschlägt, bin ich aber noch nicht gekommen.

Während auch die letzten meiner H&M-Kleider aus der Schulzeit mittlerweile zerfleddern, gibt es tatsächlich Stoffe, die mehrere Jahrtausende überstanden haben. Ein kleines Fleckerl südamerikanischen Webstoffs von irgendwann vor unserer Zeitrechnung ist in der Sheila-Hicks-Ausstellung im MAK zu betrachten. In Kassia St Clair’s Die Welt der Stoffe ist sogar die Rede von jungsteinzeitlichen Fasern, die bis heute erhalten geblieben sind. Andererseits: Die beispielsweise gut konservierten Leinentücher von Tutanchamuns Mumie wurden bei dessen Entdeckung in den 1930ern als eher wertlos betrachtet und wenig sorgsam behandelt, ein anderer altägyptischer Stoff zerfiel sogar während Ausgrabungsarbeiten noch zu Staub.

Bei diesem Buch bin ich noch nicht über die ersten 50 von 350 Seiten hinaus, aber ich finde es wirklich interessant, den Stellenwert von Textilien über die menschliche Geschichte hinweg nachzulesen.

The Healthy Times

Die Healthy Boy Band bestehend aus den drei Köchen Lukas Mraz, Philip Rachinger und Felix Schellhorn haben ein Magazin gestartet! Nachdem ich sehr traurig darüber war/bin, dass das All You Can Eat-Magazin eingegangen ist, dachte ich nicht länger nach und bestellte mir sofort ein Exemplar der ersten Ausgabe The Healthy Times (für 18€ + beachtliche 8 € Versandkosten im Inland!). Mittlerweile ist es auch in ein paar IRL-Geschäften zu haben (z.B. im Pop-Up-Laden meines allerliebsten Lokals bruder), aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Jedenfalls: Mein Exemplar habe ich mittlerweile aus dem Postkasten gefischt und schon bis zur Hälfte gelesen. Das gestaltete sich gar nicht so einfach, denn das Magazin ist eher auf Effekt und Edgyness ausgelegt als auf Leserlichkeit: Die Texte sind artsy, teilweise kopfüber, in schwer entzifferbaren Fonts oder bis knapp zum Seitenrand gesetzt. Das passt allerdings nahtlos ins sonstige Auftreten der Healthy Boy Band (und auch des Mraz&Sohn, über meinen dortigen Besuch im Oktober habe ich hier immer noch nicht gebloggt?!). Auch inhaltlich hat es den Anspruch, sich von anderen Kulinarikmagazinen abzuheben, z. B. mit einem Blick nach Afrika, der Suche nach den (best) male gay chefs oder einem Gastroguide für Zugreisende in Österreich. Rezepte gibts auch ein paar, z.B. für Jollof Rice mit gefühlten 1000 Zutaten oder einem schrecklich anmutenden White Thai Breakfast mit fadem Toast, Spiegelei und Würstchen.

Auswärts Essen: SOPHOS Pizza und kikko ba

Auf Instagram bin ich vor einigen Wochen über eine Empfehlung für Pizza vom neuen U6-Alser-Straße-Imbiss gestolpert. Vor den meisten als Streetfood verkaufte Pizzastücken in diesem Land nehme ich reißaus, doch diese hier wurde in den besten Tönen gelobt.

Die Pizzastücke (mit meiner üblichen Restaurantbegleitung probierte ich mich durchs komplette Sortiment) stellten sich als wirklich wahnsinnig gut heraus – genauso wie ich Snackpizza bei meinen vielen Italienausflügen 2018/19 lieben gelernt hatte: knuspriger, lockerer, großporiger alles andere als geschmackloser oder hefiger Teig mit wohlüberlegtem und gut portioniertem Belag und direkt aus dem Ofen. Zum Beispiel klassisch Margherita, oder Pilze/Petersilie (vegan) oder eine Pizza Biancha mit Schinken und Olivenöl. Der Preis ist mit 2,60€ pro Stück sehr fair, das Ambiente halt ~U6~, aber der Pizzabäcker so sympathisch, dass das auch wieder passt.

Der Laden hat weder Schild, Visitenkarten oder Webseite, nur die Registrierkassa verrät den Namen SOPHOS. Bald soll der ganze Imbiss innen und außen mit Kunst ausgestattet werden (wenn schon, dann Werbematerial, das zum Gesamtkonzept passt) gerade fehlt dafür noch das Geld, erzählte der Pizzaiolo.

In der Folgewoche kam ich nachmittags und hungrig bei der kikko ba im Vierten vorbei, und beschloss mir ein Mittagessen mitzunehemen: bing bread und spicy edamame.

Das frischherausgebackene, warme bing bread erinnerte mich geschmacklich an einen Krapfen: ziemlich süß und ganz leicht fettig. Die Krume war sehr weich, obenauf ein bisschen grobes Salz. Das Hummus dazu war ziemlich sauer und sehr großzügig bemessen (ich bräuchte doppelt oder dreimal so viel Brot, um es aufzutunken) das scharfe rote Öl gibt dem ganzen einen „Asia“-Touch. Die Edamame waren knackig gegart und dampfend heiß, mit einer süß-salzig-scharfen Chilisauce, die mir sehr gut geschmeckt hat – ich glaube, es könnte sich dabei um dieselbe handeln wie beim Hummus.

Gegessen hab ich ein paar hundert Meter vom kikko ba entfernt auf einer Karlsplatz-Bank, der von irgendwoher mit Hot8BrassBand-Musik beschallt wurde. Das Essen war insgesamt ziemlich gut, aber hätte ich nicht so einen Spatzenmagen, hätten mich bing bread und edamame (für mehr als 10€!) wohl nicht sattgemacht. Aber dass die Restaurants der Mochi-Familie in einer hohen Preisklasse spielen, wusste ich schon vorher. Dafür wird das Branding auch bei Abholung/Lieferung durchgezogen. Die hochwertig wirkenden Takeout-Behälter sind aus Karton, mit aufgestempeltem Logo. Die Stäbchen schauen nicht aus wie die vom 08/15-Asia-Imbiss. Bei der Eingangstür stehen die verschiedenen Mochi-Getränke, das Kochbuch und die Brausezuckerl, die auch bei den Waschbecken in den Restaurants zu finden sind.

Und hier folgen endlich mal wieder Lieblingslinks:

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Zuckersüß 385

Jetzt habe ich es in drei Wochen nicht zusammengebracht, einen Sonntagspost zu schreiben, was mich ziemlich ärgert. Wegen viel zu viel Uni und zu viel Arbeit habe ich für meine Verhältnisse auch zu wenig gebacken (Walnuss-Reismehl-Cookies mit Cranberry-Curd, Honig-Tahini-Cookies, Lakritzkekse, Feigen-Apfel-Kuchen mit Kokos-Salzkaramell, Kaffee-Kardamom-Marmorkuchen, Vanillekipferl und Zuckerstreusel-Plätzerl ohne Zuckerstreusel, dafür mit Orangenzeste), aber immerhin zweimal „daheim-auswärts“ gegessen. Es gab indischen Lieferservice von tulsi und japanisches von der Shouko Ramen Bar.

Links habe ich auch ein paar gesammelt, die folgen jetzt einfach ohne weitere Einleitung:

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Zuckersüß 384

…mit selbstgebackenem (Toast-)Brot, dreierlei Strickerei – und wie immer, den besten Links der letzten Tage.

In dieser Woche habe ich mal wieder Naan nach Sprouted Kitchen gemacht, endlich 550er Mehl für das Klebreis-Toastbrot nach Plötzblog/Lady&Pups aufgetrieben und Cranberries im Supermarkt entdeckt und dann Curd draus gekocht. Außerdem bin ich kurzzeitig „Babysitterin“ der Fermente in unserer WG und muss mich deshalb um das Auffrischen und Verwerten von dreierlei Sauerteigen kümmern. Ich hätte nicht gedacht, wie anstrengend das ist – vor allem das Teigkneten (Plätzerlteig is nix dagegen)!

Stricken

Gefühlt hatte ich in den letzten Tagen Zeit für nix, obwohl ich fast „nur“ Uni-Sachen und vergleichsweise wenig Erwerbsarbeit auf dem Plan hatte (mein Time-Tracking-Tool zeigt trotzdem mehr als 40 reine Arbeitsstunden an…). Umso froher bin ich, dass ich neben einer Vorlesung endlich das Paar Socken fertigstricken konnte, das ich schon im September angeschlagen hatte.

Restl-Ringel-Socken

Außerdem wurde endlich der erste Ärmel meiner Sunday Cardigan fertig. Mit einer zu langen Rundstricknadel im Kreis stricken finde ich echt sehr nervig, aber für ein extra Nadelspiel bin ich zu knausrig, also hoff ich einfach, dass der zweite Ärmel auch bald ganz ist.

Und dann habe ich noch ein neues Projekt angeschlagen, und zwar den Clubhouse Raglan Hoodie, aus reiner Wolle, die ich im Woll-Habitat (werd jetzt voller Fan dieses Ladens!) gekauft habe. Damit zu stricken macht wirklich weit mehr Spaß als mit dem Woll-Acryl-Gemisch meiner Cardigan – obwohl ich die Farbe etwas fraglich finde (der Pulli ist nicht für mich, also auch wieder egal). Das Titelbild zeigt übrigens die (zugegeben etwas halbherzige) Maschenprobe für diesen Hoodie.

Mein Freizeit-Lesestapel ist auch noch um einen Titel reicher geworden, denn ich habe „Die Welt der Stoffe“ von Kassia St Clair geschenkt bekommen. Über die Einleitung bin ich noch nicht hinaus, bei so viel Unilektüre und Kochbuchquerlesen fürs Radio (bald dazu mehr) blieb einfach keine Zeit. Für Lieblingslinks aber schon, sie folgen hier:

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Zuckersüß 383

…mit Terror in Wien, einem Rassisten auf der Straße, Abendessen vom Mamamon, viel Radioarbeit– und wie immer, den besten Links der letzten Tage.

Nun, diese Woche war wirklich schlecht, selbst für 2020-Verhältnisse. Ein neuer „Lockdown“ mitsamt Ausgangsbeschränkungen, viel zu viel Dunkelheit und dann auch noch ein Terroranschlag in meiner Stadt. Wie wahnsinnig schnell der dank nahezu explodierender Corona-Neuinfektionen und den US-Wahlen aus der medialen Aufmerksamkeit verschwand, wunderte mich nicht besonders, brachte mich aber doch (zusätzlich) aus dem Takt.

Schwerbewaffnete (Militär-)Polizisten, die über Wien verteilt (und direkt vor meinem Arbeitsplatz, dem ORF-Funkhaus) standen, erinnerten mich auf unangenehme Weise an Rabat. Dort patroullierten ab Ende 2014 in der ganzen Stadt maschinenpistolentragende Polizisten, zur Terrorabwehr. Mein persönliches Sicherheitsempfinden war und ist durch so viel Waffenpräsenz alles andere als gesteigert. Und das Wien, in dem ich mich zu jeder Zeit überall sicher gefühlt habe, ist damit dahin.

„In die Küche gehen und was Backen“ (+Social Media aus) stellte sich als halbwegs erfolgreiche Copingstrategie heraus, und die enstandenen Cookies (Chocolate Chip Tahini nach David Lebovitz) schadeten auch nicht. Sie waren aber ziemlich schnell aufgegessen, also machte ich im Laufe der Woche noch Chocolate Molasses Cookies nach Alison Roman und Grießschmarren nach Katha Seiser (Rezept hier im Blog).

Ein FPÖ-Kartenhaus und ein Rassist

Am Freitag bin ich auf einem Spaziergang an der Galerie 12-14 in der Schleifmühlgasse vorbeigekommen. In der Auslage: Ein Kartenhaus aus FPÖ-Wahlplakaten. Während mein Begleiter und ich uns über die Videoinstallation daneben amüsierten, fing ein vorbeigehender Mann an (er gab sich als 66-jähriger selbstständiger Schlosser aus der Nachbarschaft aus) , lautstark über die „Taliban“, „IS“, „die Muslime“ und „den Terroristen vom Montag“ zu schimpfen. Jegliche Hinweise, dass die Gleichung Muslim=Terrorist alles andere als wahr ist, dass ein Großteil des FPÖ-Programms einfach nur rassistisch sei, genau wie seine „Theorie“, dass Österreich „überfremdet“ werde, weil die Einheimischen keine Kinder mehr bekommen würden, kontertere er mit nur mehr rassistischem Blabla (Messerstechereien durch „Ausländer“ werden immer mehr, nichtmal die Namen/Nationalität von Kriminellen dürfte mehr in der Zeitung stehen etc) und, völlig aus dem Nichts, antisemitischem Blabla in Bezug auf Bruno Kreisky. Wir diskutierten noch ein paar Minuten weiter, irgendwann verabschiedete er sich mit den Worten „ihr Jungen seids ja alle verblendet“.

Nach dieser absurden (unsicher fühlte ich mich glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt, war ja nicht alleine unterwegs) Begegnung frage ich mich wirklich, wie man in so einer Parallelwelt landen kann – er erwähnte, dass er seit dem 11. September 2001 Berichte über „Ausländerkriminialität“ aus „heute“ und „Österreich“ sammelt (die beiden Gratiszeitungen gibt es erst seit 2004 bzw. 2006). Er bezeichnete „Strache und Gudenus und de olle“ noch als „Wappler“, aber FPÖ wählen würde er trotzdem, weil es die einzige Partei sei, die etwas unternehme gegen „muslimische Einwanderer, die sich nicht integrieren“.

Ich hoffe wirklich, dass diese rassistische Schimpftirade gegenüber wildfremden Spaziergänger_innen eine Ausnahme war – ich mag mir gar nicht ausmalen, wie dieser Typ sich gegenüber sichtbar muslimischen oder vom ihm als „ausländisch“ gelesenen Menschen verhalten würde (btw, zu diesem Thema lohnt es sich übrigens, @asmaaiad und @amaniabuzahra auf Instagram zu lesen).

Passant_innen zum Diskutieren anzuregen hat die Installation jedenfalls geschafft…

Bei der Ausstellung „Stimme der Vernunft“ steht das plakative Element in der Politik im Fokus, insbesondere Wahlplakate der FPÖ, die durch das Berliner Künstlerkollektiv Rocco und seine Brüder in Form eines Kartenhaus, welches in sich zusammen zu brechen scheint neu kontextualisiert werden.
Die Rhetorik der Plakate wird in gesteigerter Form weitergeführt durch eine Videoarbeit mit Sequenzen von öffentlichen Reden des Kandidaten der FPÖ für das Amt des Wiener Bürgermeisters 2020, Dominik Nepp.
Die Ausstellung findet unmittelbar nach dem Einbruch der Wiener FPÖ um 23 Prozent von 30 auf sieben Prozentpunkte statt. Das Kartenhaus symbolisiert diesen historischen Moment, nachdem der jahrelange Höhenflug der Partei, aufgebaut auf populistischer Rhetorik und dem Schüren von Ängsten, abrupt gestoppt wurde durch die sogenannte Ibiza-Affäre um Vizekanzler HC Strache.

– Galerie 12-14 contemporary

Mamamon

Obiger Spaziergang führte zum Mamamon in der Josefstadt, bei dem ich im ersten „Lockdown“ schonmal Abendessen bestellt hatte. Meine damalige Vermutung, dass vor allem das Pad Thai direkt vor Ort sehr viel besser schmecken würde als nach einer Lieferandofahrt durch ein paar Bezirke bestätigte sich sehr schnell. Doch bevor ich meine Stäbchen unbeholfen wie eh und je in die klebrig-süßen Nudeln (+ bestem Texturkontrast aus quietschigem Tofu, knackigen Sprossen und gehackten Erdnüssen) stochern konnte, mussten wir erstmal ziemlich lange warten. Vor dem Lokal bildete sich eine Ansammlung von einem dutzend Rad-Zustellern und anderen Kund_innen und in dem ganzen Chaos ging leider auch noch die Hälfte unserer Bestellung unter. Die „Cosmic Fries“ mitsamt „Curry peanut Sauce“ und der „Broccoli in Fish Sauce Vinaigrette“ fehlten, wie uns später auffiel, in der Papiertüte (aber auch auf der Rechnung).

Der Plan war, möglichst zeitnah, also auf der nächstbesten Parkbank zu essen. Ein paar Blocks weiter fanden wir schließlich einen natürlich leeren (Gastro-Betretungsverbot bis Ende November), aber offen zugänglichen Schanigarten in einem Beserlpark. Restaurantfeeling kam trotz Tisch und heller Straßenlaterne nicht so recht auf, denn es war einfach viel zu kalt. So kalt, dass ich die Nachspeise („Banana in Sweet Sticky Rice“) vorsichtshalber in meiner Jackentasche lagerte, damit sie nicht zu viel Kälte verlor. Langsam glaube ich, dass ich für (dieses) Thai-Essen auf Zeiten warten sollte, in denen die Gastronomie „normal“ funktioniert…

Im Radio

Für die gestrige Ö1-help-Sendung habe ich einen Beitrag übers Wollewaschen gestaltet und dabei Katharina Wessely vom Wollhabitat am Aumannplatz in Währing interviewt. Mit dem zugehörigen Artikel „Wolle richtig waschen“ wurde ich für ein paar Minuten zur „Wirtschaftsjournalistin“ – jedenfalls war der Text zu meiner Erheiterung ein paar Minuten in dieser Kategorie auf orf.at verlinkt.

Mittlerweile depubliziert sind meine Beiträge zum Ö1-Schwerpunkt „Kind Sein“ in der letzten Oktoberwoche. Dafür habe ich ein „Meisterstück“ über Philip Götz Spielzeugkonzertflügel gestaltet und eine Kulinarium-Sendung zum Thema „Kinder an den Herd“. Morgen um 15.30 Uhr läuft dann aber noch meine Sendung „Kein Einheitsbrei. Kochen für Menschen mit Kau- und Schluckbeschwerden„.

Hier folgen meine Lieblingslinks:

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