Zuckersüß 474: Gesundheits-Crowdfunding, Sommer-Salat, Kalorien-Erfindung

mit dem Zug durchs Land

…mit ein bisschen Gebackenem, drei Lokalen (Shin, Hollerkoch und Praterstraße), drei Büchern (Über Frauen, Not Giving A Fuck und Anti-Girlboss), Sketchnotes (Aufmacher Medienrunde, Ö3 Podcastfestival), einem Näh- und einem Strickprojekt und wie immer, den besten Links der letzten Wochen.

Seit dem letzten Zuckersüß habe ich eine Erdbeertorte mit Grüntee und Holunder (bald im Blog) zur Hochzeit einer lieben Freundin gebacken. Hefewaffeln mit Hagelzucker, die mich nicht überzeugt haben, Orangen-Granita (bald im Blog), Kirsch-Clafoutis mit selbstkandierten Rosenblättern und Duftgeraniengrün vom Fensterbrett. Außerdem zweimal Bravetart-Rezepte: Schokoladencookies (Rezept von 2017) mit übrigen Schoko-Weihnachtsmännern und -Osterhasen, und Zimtschnecken (Rezept von 2017) mit bunten Zuckerstreuseln zum Pride-Brunch. Schoko-Kirsch-Mandel-Tarte (Rezept von 2020) und alles-was-grad-zur-Hand-war-Cookies aus dem Holzofen.

Und dann habe ich noch Wassermelonenschalen gepickled (Rezept von 2023), Kirschen in Sirup eingeweckt und Kirsch-Rosen-Marmelade gekocht.

Gegessen

Ein sehr gutes, und ebenso teures (3,30€) cannelé von Parémi. Selbstgemachte Gemüsepuffer mit Knoblauchgrün-Joghurt, die nach wenig ausschauen, aber ziemlich gut geworden sind. Ein Salat aus gegrilltem Spargel und Erbeeren mit Holunderblütendressing. Tabbouleh, dazu Kichererbsen und gebackene Melanzani. Gemüselasagne, von der ich die Hälfte im Gefrierfach bevorratet habe. Gemüsetajine in der neuen Tajine. Kirsch-Topfenknödel mit Vanillezucker. Kaspressknödelsuppe und Pofesen im Tennengau. Udon in Gemüsebrühe. Karotten-Pak Choi-Curry mit Klebreis und Erdnüssen. Selbstgemachten Zwiebelkuchen, mit heißes-Wasser-Weizenteig (so wie bei Katharina Seisers Cong you bing) und einer Sauerrahm-Mascarpone-Mischung.

Shin

Kimchi (4,50) und ein Spargel-Bao (15,50€) im Shin (1020), ein taiwanesisches Lokal, in das ich zufällig gestolpert bin. Das Bao selber war ziemlich pickig, gefüllt mit grünem Spargel in Tempura, Jungzwiebel, Erdnüssen und Fischsauce, die Süßkartoffelpommes dazu waren leider eher labbrig-ölig. Mein Yuzu-Nashi-Birne-Limo (5,50€) kam in einem Joghurtglas und war mir viel zu süß. Der über und über mit Wein bewachsene Innenhof ist sehr hübsch. Aber: lange auch keine SO abgegriffenen Speisekarten mehr gesehen.

Hollerkoch

Burrata auf tomatenmarmelade & olivenöl extra vergine (13,90€), moules frites (19,90€) und ein Brownie mit cremigem Vanilleeis (8,50€?) im insgesamt auch nicht recht überzeugenden Hollerkoch, hier dazu mehr.

Getrunken

Als Absacker nach dem Shin in die Praterstraße-Bar gegenüber. Da war ich zuletzt vor zwei Jahren, für eine Pizza, und war damals sehr erstaunt über das sehr durchdachte Konzept mit Italien und Autobahn-Anleihen. Die Bar und Pizzeria gehört jetzt irgendwie zu Pizza Bussi Ciao (ebenso komplett durchgestylter Laden) und erstere hat eine recht prätentiös klingende Drinks-Karte, die erstmal mit einem mission statement anfängt??

Das neue Highball & Drinks Konzept in der Praterstraße 18 wurde von Bar Consultant & Connaisseur Daniel Schober kuratiert und grenzt sich vom Standard der in Wien stark etablierten American Bars ab. Wie möchten eine moderne italophile Highball Bar mit Club Charakter, einem Qualitätsbewusstsein auftreten und als sehr fassettenreich wahrgenommen werden. Eine durchdachte Auswahl an signature Highballs, classic Highballs, bottled Cocktails, Bellinis und co. sorgen für ein verspieltes und gut durchdachtes Angebot.

Barkarte Praterstraße 18

Ich habe mir jedenfalls einen Batman-Hatten (14,50€) ausgesucht, mit Wermut, Rye Whiskey, Bitters, Bitter Lemon un deiner sirupigen Amarenakirsche. Der Drink schmeckte einen Tick strenger als gedacht. Meine Begleitung trank Krypton Libre (14,50€) mit Amaro, Port, Limette/Zitrone, Bitter Lemon und Eberraute. Eine sehr gelungene Cola-Libre-Neuinterpretation.

Zum schon erwähnten Brunch habe ich eine Gin Basil Smash Bowle gemacht, d.h. den Cocktail in großer Menge und mit Sprudelwasser gespritzt. Das besondere: Ich habe violetten Basilikum verwendet, was dazu geführt hat, dass der Sirup daraus türkisblau wurde, so wie Spirulina. Sobald der in Kontakt mit Säure kam, wurde er allerdings beerenfarben. Cocktailmixen wie mit dem Chemiebaukasten, hihi.
Das Rezept für Gin Basil Smash habe ich btw 2019 schon mal aufgeschrieben.

Gelesen

Mir sind zwei Sachbuch-Presseexemplare auf den OH WOW-Schreibtisch geflattert, in beide habe ich kurz reingelesen. Beate Absalons Not Giving A Fuck erschien mir auf die ersten paar Seiten ein bisschen obskur in seiner Zielsetzung (die Autorin schreibt derzeit an einer kulturästhetischen Dissertation zum Thema consent), aber aufgeben will ich es noch nicht.

Über Susan Sontags Über Frauen musste ich mich richtiggehend ärgern, auf dem Backcover steht nämlich sowas wie „aktueller denn je“ und as könnte nicht ferner von der Realität sein. Ich habe zwar nur 2/3 des Buches gelesen, aber die Essays bis dahin waren in Mindset/Referenzen so in den 1970ern verhaftet, dass sie für ich nur als Dokument ihrer Zeit „wertvoll“ waren. Ich hatte nie von der Hälfte der erwähnten „berühmten“ Personen gehört und mit Geschlechterstereotypen spart Sontag auch nicht unbedingt – wobei vieles davon tatsächlich einfach Beschreibung des Status Quo sein könnte? Außerdem kommt mir alles daran ein bisschen „recycled“ vor, viele Ideen kommen wortgleich in zwei Essays vor. Weggelegt.

Von meinem Nachttisch-Bücherstapel habe ich spontan Anti-Girlboss von Nadja Shehadeh in die Hand genommen und am Stück ein Drittel davon gelesen, bisher konnte ich daraus leider auch noch nichts für mich mitnehmen.

Gestrickt und Genäht

Ich hab mir ein Kleid genäht, aus einem ganz anderen, das ich im Second-Hand-Laden gekauft habe, weil mir der Stoff (aber nicht die Form) gefallen hat (dummerweise habe ich kein vorher-Foto, es war wie eine weite, kastige Tunika geschnitten). Für das Oberteil habe ich ein Brautkleid-Schnittmuster aus dem Burda-Heft 03/2010 genommen, den Rock habe ich mit einem kleinen „Gürtel“ dazwischen drangenäht, inkl. der Taschen aus dem Originalkleid.

Das Ganze hat mich unendliche (ich schätze so 50?) Stunden gekostet, ich bin nämlich alles andere als eine geübte Schneiderin und hatte sehr begrenzte Stoffmengen, sodass ich viel herumtricksen musste. Trotz aller Bemühungen ist das Kleid an Stellen ein bisschen schief und das Innenleben auch nicht unbedingt präsentabel. Aber: ich habe gelernt, ein Schnittmuster zusammenzustopseln, einen Rock einzureihen und einen Nahtreißverschluss zu verarbeiten. Und: mein Kleid passt mir am Ende ziemlich gut! Der pinke fluffige Pulli, den ich auf dem Foto drüber anhabe, das ist übrigens das Simply Wave Top (ravelry) nach Qing Studio, den ich vorletzten Sommer gestrickt habe.

Und dann habe ich noch ein neues Sassy Classy Crop Top (ravelry) angeschlagen, aus dem gleichen Garn, mit dem ich letzten Sommer schon eines gestrickt habe.

Veröffentlicht

Im Blog: Hollerkoch, Biskuittorte mit Brombeeren und Waldmeistersahne

Anderswo: Drüben auf jasowieso.com Sketchnotes zur Aufmacher Medienrunde: Matthias Winterer und Michael Ortner (WZ) und Sketchnotes zum Ö3 Podcastfestival 2024, z.B. von Zsolt Wilhelm’s Talk über Inside Austria von Standard und Spiegel.

Folge #15 Polygam philosophisch – mit Tanya Yael Raab, #16 Audioporn hacken – mit Maria Lorenz-Bokelberg und #17 Kinder kriegen – mit Monja Art von Jeannes Varieté, dem Podcast meiner Chefin Jeanne Drach, den ich mitkonzipiert habe und laufend mitproduziere.

Über: Daniela Schmidt und Christina Pausch haben übrigens die 14. Folge Jeannes Varieté im Ö3 Treffpunkt Podcast vom 29. Mai besprochen, oder eher in den Himmel gelobt! Und Hannah Jutz und Sarah Rauscher haben bei Start me up von Radio Radieschen eine Sendung über OH WOW Podcasts gestaltet. Gegen Ende bin ich zu hören und empfehle den Unterwäsche-Podcast Hello Girls.

Und apropos Podcast, am kommenden Dienstag, 25. Juni gibts um 18 Uhr das nächste Podcast-Picknick des österreichischen Meetups in Wien, mehr Infos auf podcasterei.at.

Rezepte

Wassermelone, Sesam und Chili – @lukaluebke
Kein Rezept, aber die Geschmackskombi werd ich ausprobieren!

Agnolotti al Plin vegetariani – lamiacucina
Schaut nach viel Arbeit aus.

Texte

The Elmer’s Glue Pizza Error Is More Fascinating Than You Think – The End(s) of Argument (via Internet Observatorium)
Warum die neue Google Suche so schlecht funktioniert:

In the beforetimes, it would be hard to imagine a user getting upset that  the cheese sliding query pulls up a joke on Reddit as well as some  recipe tips. The user can spot, quite easily, that these are two  different sorts of things. 
The problem comes when the results get synthesized into a common answer. To some extent, this is a form of  “context collapse”, where the different use contexts (jokes, movies,  recipes, whatever) get blended into a single context.

Exploring the surveillance partnership between the government and data brokers – The Record
Autoreifen am Netz: keine so gute Idee.

This is sort of the frontier of geolocation datasets because I think we all understand phones pretty well and I do think the tech companies under pressure from regulators and consumers have actually made it possible to curb some of this data collection, but cars, cars are manufactured by companies with very little experience designing privacy into their products. Until fairly recently, cars didn’t normally have to think about privacy or the version of a car’s privacy was tinted windows and license plate covers. Today they’re basically computers on wheels. The problem is they’re computers that don’t have tremendous safeguards and were designed by non computer companies. There’s many vectors for this data to go from the consumer to many parties unknown.

Quartz, cobalt, and the waste we leave behind – MIT Technology Review
Drei Buchbesprechungen zur Wichtigkeit von Rohstoffen im 21. Jahrhundert.

Reframing both waste and supply chains as matters that are political and international, rather than personal, could guide us away from guilt and move us toward solutions. Instead of looking at production and waste as separate problems, we can think of them as two aspects of one great challenge: How do we build homes, design transport systems, develop technology, and feed the world’s billions without creating factory waste upstream or trash downstream?

How news coverage, often uncritical, helps build up the AI hype – Reuters Institute (via Internet Observatorium)
Hat mich an Lee Vinsel’s Criti-Hype Konzept erinnert.

But, more than anything, research on how news media cover AI overall suggests that Gebru is largely right – the coverage tends to be led by industry sources, and often takes claims about what the technology can and can’t do, and might be able to do in the future, at face value in ways that contributes to the hype cycle.

Ann Friedman Weekly
Übers Schreiben, Privatsphäre und die personal brand.

In the parasocial economy, personal details are currency. This is what John Green was saying in that video about his marriage: There is always a cost to revealing yourself, so you better be sure about what you’re getting in the exchange. Is it book sales? Is it audience loyalty? Is this actually part of your creative practice? Trying to figure out how to share yourself on your terms is, indeed, exhausting. It’s also a privilege and a hallmark of success. It means you have cash to spend.

Carrot Cake Is Better Cold – Alison Roman (via Ann Friedman)
Ein irgendwie ähnlicher Text, den ich vor allem auf einer Metaebenee spannend finde, weil er von Betterhelp gesponsort ist – war das Thema ein direkter Auftrag? Als content creator gibts vermutlich eh keine Grenze zwischen Redaktion und Anzeigenverkauf?

But really, I am tired. Not so much from travel or touring (though I do not want to see an airport for a while), more tired of…myself? Specifically, tired of parading myself and the things I do and make up and down the internet. Please make this recipe. Listen to this podcast. Read this newsletter. Buy this book. Come to this event.  Look at my fluffy cat. This is my hot husband. I went here for dinner. This is who I’m friends with. Here’s what I love. I do interesting things with interesting people. I am always in a good mood. I do not have a bad day. I wash my hair often but not too often. I always feel like talking about myself and never mind sharing all the details of my life. Make this Cold Carrot Cake, you’ll love it. Look at my fluffy cat again. Look here, look here, look here.

When Health Care Crowdfunding Fails – The Baffler (via Ann Friedman)
Allgemeine Krankenversicherung – schon eine der besseren Errungenschaften der Zivilisation.

I do think it’s [health care crowdfunding] changing the ways that Americans think about deservingness and charity, and their social rights. It reinforces this idea of a highly individualized and hierarchical system of care for other people that is very much antithetical to the moral underpinnings of what we would want a equitable health care system to be, where you don’t just get diabetes treatment because everyone thinks you’re a good guy; you get diabetes treatment because you have diabetes.

Ten Years Out of Academia – Culture Study
Anne Helen Petersen über Arbeiten in der Wissenschaft.

What I learned in academia is what others in unstable and dying industries learn: that hard work guarantees nothing, that a union is essential but can only do so much, that you can only justify doing more for and with less for so long before something begins to harden inside. I’ve become vigilant to shifts in the landscape, far more self-preservative than I’d like, and downright hostile to requests to labor for free. I am at once happy for my former colleagues who’ve been able to find positions that work for them and furious about the way the system has injured, impoverished, and demoralized so many others.

A Fresh Look at Diane Arbus – Smithsonian Mag
Für eine der nächsten Folgen Jeannes Varieté gelesen.

Fascinated by risk-taking, Diane had long embraced the New York City art world’s life-on-the-edge attitudes about money, social status and sexual freedom. Now she pursued the same kind of thrill in her photographs. “I always thought of photography as a naughty thing to do—that was one of my favorite things about it, and when I first did it, I felt very perverse,” she later recalled. Model had often taken photographs of the seamier parts of the city, including Coney Island and Hubert’s Museum, a sideshow in Times Square. Arbus went even further, exploring wax museums, dance halls and flophouses. “My favorite thing,” Arbus is often quoted as saying, “is to go where I’ve never been.”

When Do We Stop Finding New Music? A Statistical Analysis – Stats Significant (via Quantum of Sollazo)
Statistisch betrachtet habe ich noch ein paar Jahre zum Entdecken neuer Musik.

But „American Idiot“ wasn’t a true act of revolution. In fact, the album was produced and promoted by a multinational conglomerate with the intent of packaging seemingly transgressive pop-punk acts for my exact demographic. How was I so thoroughly seduced by this song? And yet, to this day, my visceral reaction to “American Idiot” is still one of euphoria, despite my cynicism. I guess I have no choice but to love this song forever (thanks to pre-teen me).

Gedankenexperiment: Ein Land ohne Grundgesetz – netzpolitik.org
Zum 75. der BRD-Verfassung:

Aber selbst wenn die Mehrheitsverhältnisse dazu geführt hätten, dass  die Bundesrepublik Deutschland vor 75 Jahren ohne Grundgesetz so  ausgesehen hätte wie mit ihm – wie wäre es danach weitergegangen? Einen wichtigen Test hätte es vermutlich schon sehr früh gegeben. „Die  Todesstrafe ist abgeschafft“, lautet Artikel 102 des Grundgesetzes. Über  16.000 Menschen wurden während der NS-Zeit aufgrund von  Strafgerichtsurteilen hingerichtet. In den 50 Jahren zuvor waren es nur  etwa 400 gewesen. Vor diesem Hintergrund fand auch die Abschaffung der  Todesstrafe eine Mehrheit im Parlamentarischen Rat – obwohl 74 Prozent der Deutschen sie im Herbst 1948 noch für richtig hielten.

Was, wenn die an die Macht kommen? – christowski.de
Queer sein, Deutschland, 2024.

Ich habe mich immer ein wenig gegen diese Frage und Überlegung gesträubt. Vielleicht fand ich sie übertrieben, vielleicht zu unbequem. Aber ab und an merke ich, wie sie sich auch in meinem Kopf eingenistet hat, und vor sich hin geistert. Wir schleichen um sie herum, so wie das blaue Gespenst um uns.

no. 88: nothing but a flood of green – let them eat cake
Eine Ode an Sommersalat.

The key, I think, is that each element makes sense on its own. You could separate these, like a fairytale princess sorting salt from sugar, and eat the components one after another, and not be sad – though I think you’d still be happier eating them together. Take a desk salad apart, and at some point you’re ruminating your way through raw cabbage and shredded carrots, dry and browning.

Behind the ‘butter board’: How the dairy industry took over your feed – Grist (via Links I Would GChat You)
Äh, was??

What accounts for butter’s spectacular renaissance in American cuisine? According to the U.S. dairy industry, it’s their own public relations campaign that started the spread. The industry marketing group Dairy Management Inc., has claimed credit for the butter board in industry press, because it paid Doiron as a sponsor at the time of her video. While Doiron’s original butter board video did not include an advertising disclosure — and, according to Dairy Management, was not itself technically part of the partnership — the chef posted a Dairy Management ad two days before her viral post and was part of the industry group’s “Dairy Dream Team” of paid influencers at the time.

How Food Critic Keith Lee Went From MMA Fighter to TikTok Star – Rolling Stone (via Links I Would GChat You)
Vor diesem Porträt hatte ich noch nie von Keith Lee gehört. Sehr amerikanisch.

ON THEIR OWN, Lee’s videos are content, entertainment. But behind the scenes a philanthropic ecosystem has evolved, taking Lee from creator to a recognized force in lifting up families and communities across the nation. Humble as he may be, Lee knows this is his new norm. In fact, it’s probably the aspect of the job he likes the best. “I see the people behind these small restaurants. I don’t just see a business anymore. I see the mom and dad that are running this restaurant to feed their children and to take their kids to school and only eat one or two times a day. And they have no idea what they’re gonna do tomorrow or the next day,” he says. “Having a platform and being able to use that platform to possibly change their trajectory, that’s what I’m very satisfied with.”

This Doctor Pioneered Counting Calories a Century Ago, and We’re Still Dealing With the Consequences – Smithsonian Mag
Über die „Erfinderin“ der Kalorien:

Familiar territory even to schoolchildren today, the calorie was, more than a century ago, a niche concept just beginning to emerge from the laboratory and into public view. Peters was about to supercharge that evolution, in the process turning the meaning and use of the calorie on its head and spurring its transformation into one of the most enduring and significant health concepts of the modern day. The calorie gave the public its first penetrating view inside the foods they ate, providing an elementary understanding of nutrition. But it would also go on to torment millions, enrich corporations, inspire generations of advertising campaigns, provoke widespread guilt and pride, and even, some argue today, lead Americans, fat gram by carb gram, calorie by calorie, into epidemic levels of obesity, by instructing the masses to focus on calories rather than on nutrients and steering them toward highly processed carbohydrates.

Natural Tendency and Nurturing Skills: Needlework Samplers and the Crafting of Femininity – Epoch Magazine
An solche Stickmuster-Bilder erinnere ich mich in Bauernhäusern, die ich als Kind besucht habe. Damals fragte ich mich, warum man das Alphabet aufsticken sollte, und nicht gleich irgendeinen Spruch damit – es ging aber eigentlich eh um was anderes als den Inhalt:

The year is 1808, and young Betty Giles has returned home from boarding school (Fig 1). Her parents have paid good money to have her educated as a genteel young lady, and she has graduated not with a diploma, but a sampler, a piece of needlework identified by its bands of letters and symbols. It hangs with pride in the family’s parlour on the back wall in between the candles as a testament to their daughter’s accomplishments. While this cartoon by James Gillray satirized the family, the scene it depicts occurred often in eighteenth- and nineteenth-century England and North America. Samplers were an important part of the education of young girls, and the symbolism held in them can teach us about the world these girls inhabited.

Research as leisure activity – Personal Canon (via Shelf Offering)
Dieser Gedanke blieb bei mir hängen – denn nix anderes ist diese seit 12 Jahren laufende Blogpostserie Zuckersüß.

People who read widely and attentively—and then publish the  results of their reading—are also arguably performing research as a  leisure activity.

The End of Merch – GQ (via Garbage Daily)
…dessen Allgegenwärtigkeit:

And as it turned out, there was no event too big or small, no spot too grand or unassuming to get its own merch. Your morning coffee spot stocks beanies, the MTA sells socks and baby onesies for every subway line, the New York Times sells Connections tees (you missed out on the NYT x Sacai gear in 2018), your job comes with a custom Stanley cup, your date notes that the restaurant lists a dad hat on the menu, and she’s wearing a Paris, Texas sweatshirt designed four decades after the Wim Wenders film’s release. The funny tweet you hearted earlier? It’s already splashed across a sweatshirt on Etsy.

IShowSpeed: ‘Streaming can only get you so far. I want to do it all’ – Dazed (via Links I Would GChat You)
Was für ein Job?!

Watkins has a knack for remembering dates – or at least, the ones that happened after his streaming career got underway. Following every anecdote, he tells me the date it happened. The temporal reminder, delivered in monotone, is rarely if ever relevant to the story, and his compulsion to identify the exact moment within his life is striking. When I ask him about it, he tells me he is pretty good at knowing what he did around what time: “As a streamer I have to be aware of the time. When I’m doing this, when I’m doing that. That’s all my memories now. All my memories are streaming. It’s so hard for me to remember stuff that I did before streaming. I feel like my memory box is so full of my YouTube career…” When you stream the majority of your life, time is everything. You are always aware of its passing, aware of how you’re spending it (on the computer), and when the stream is done and uploaded, there it is, sorted neatly on YouTube with its date and time. If you wanted, you could sort through Watkins’ life in thumbnails as if walking through a museum devoted to Speed – there, on this date, Speed did this; on this day Speed did that. For a journalist it is daunting. His entire life is already out there, I just have to watch it in real time.

Audio/Video

Effektiver Altruismus: Silicon Valleys Spiel mit der Weltverbesserung – Ö1 Radiokolleg Spezial
Eine vierteilige Serie von Irmi Wutscher und Sarah Kriesche, die mich mit dem Beispiel Leben-Retten-mit-Malarianetzen (in Teil 1 ab Minute 18 ca., in Teil 3 bei Minute 13 ca.) in ein Recherche-Rabbit-Hole gestürzt hat. Effektive Altruisten nennen Moskitonetze, die scheinbar günstig und simpel Leben im globalen Süden retten, offenbar als liebstes Beispiel ihrer Wohltätigkeit. So einfach ist das aber nicht, das erklärt auch das Radiokolleg. Zum Beispiel werden die Netze öfters zum Fischen zweckentfremdet.

Nach ein bisschen Suchen kam ich drauf, dass ich für ein STS-Seminar im Wintersemester 2022/23 einige Texte zu dem Thema gelesen hatte. Zwei habe ich wiedergefunden. Erstens ein Kommentar von Trisos et. al (2019) in nature sustainability, der Fischen mit Moskitonetzen als SDG-Zielkonflikt framed, denn da widersprechen sich Gesundheit und Wohlergehen (SDG3), Kein Hunger (SDG2) und Nachhaltiges Leben an Land und im Wasser (SDG14/15). Und zweitens ein open access paper von Headrick (2014) zur Schlafkrankheit und kolonialen Antworten darauf (spoiler: es war der Kolonialismus, der überhaupt erst zu Schwere der Epidemie, die ebenfalls durch eine Moskitoart ausgelöst wird, geführt hat) (s.a. dieser Tweet von Lorena Jaume-Palasi / Timnit Gebru dazu). Das alles ist aber nur eine Randnotiz in der Audioserie in der v.a. die Überheblichkeit von Tech-Millionären im Zentrum steht.

Anleitung für Besserhelfer. In einer Welt, die uns täglich durch Social Media mit einer Nachrichtenflut konfrontiert – sei es Klimawandel, Krankheiten oder soziale Missstände – fühlen wir uns oft wie kleine Boote im stürmischen Meer der globalen Herausforderungen. Die täglichen Berichte über Missstände weltweit lassen oft ein Gefühl der Machtlosigkeit entstehen. Vor diesem Hintergrund positioniert sich der Effektive Altruismus – nicht als Allheilmittel, sondern als methodische Herangehensweise zur Rettung der Welt. Dabei wird nicht nach Gefühl oder Betroffenheit, sondern aufgrund von Daten und Fakten bewertet, welche Maßnahmen zur Lösung globaler Herausforderungen die wirkungsvollsten sind. Insbesondere im Herzen von Silicon Valley ist der Effektive Altruismus auf einen fruchtbaren Boden gefallen. Der Ansatz hat nämlich einen starken Fokus auf Daten und messbare Ergebnisse.

Wild Wild Web – Geschichten aus dem Internet: Die Kim Dotcom Story (BR)
Ich bin gerade etwa bei der Hälfte dieser Podcastserie, und wow, ist das eine wilde Geschichte! Aber: an manchen Stellen sind die OTs sehr schlecht geschnitten, das ließ mich ein paar mal aufschrecken.

Mawjāt Martenot – Arabische Klänge und frühe elektronische Musik – ARD Audiothek
Hörspielkunst über ein frühes elektronisches Instrument, einen Musikkongress in Kairo und westliche Musikwissenschaftler, die alles besser wissen wollen.

Daisy Day (1984) – Das war morgen (SWR Kultur)
Dystopisches SciFi-Hörspiel aus der Vergangenheit, das mich mit manchen Zukunftsvorstellungen („Großer Konsument“ als Ausruf des Entsetzens; überhaupt consumerism zur Spitze getrieben) sehr belustigt, im Endeffekt in seiner Plot-Inkonsitenz aber hauptsächlich irritiert hat.

New York ist nicht mehr bewohnbar. Die Firma „Daisy Day“ bietet Urlaubern die Möglichkeit, die in Trümmern liegende Stadt zur Besichtigung mit einer Ausflugsrakete zu überfliegen. In Wirklichkeit lockt sie die Urlauber jedoch in eine Falle. Sie wirft Pestizide und andere Giftstoffe über der Stadt ab, um sie an den Urlaubern zu testen. Als diese merken, was passiert, ist es bereits zu spät. Nur eine junge Frau wird gerettet. Und zwar von den Menschen, die ausgegrenzt von der Gesellschaft zwischen den Trümmern leben.   Mit: Willy Semmelrogge, Elisabeth Wiedemann, Brigitte Böttrich, Wolfram Weniger, Peter Rühring, Luitpold Müller, Toni Slama, Mathhias Lange, Ernst Alisch, Berthold Toetzke, Felix Fehlberg, Barbara Kosaviszuk, Ingeborg Malfatti, Barbara Klein | von Hermann Ebeling | Regie: Andreas Weber-Schäfer | Technische Realisierung: Fritz Gortner, Annedore Heidemann | Produktion: Süddeutscher Rundfunk 1984 | Erstausstrahlung: 12.03.1984

Sew What?: The History of Crochet: An Interview with Eleanor Gilchrist
Eine Podcastfolge (leider in schlechter Tonqualität) mit einer PhD-Studentin, die die Ursprünge des Häkelns erforscht, enorm spannend! Es geht u.a. um die Technologie des geschriebenen Häkelmusters und die Puppenkleider der britischen Prinzessin Victoria.

Roadtrip – Felix Kramer
Wiener Hochsommermelancholie.

re:publica 2024: Teresa Bücker – Zeitgerechtigkeit ist keine Utopie
Teresa Bücker mit einer positiven Zukunftsvision.

Zeitpolitik ist ein Schlüssel für viele der aktuellen Krisen, denn Politik beginnt bereits im Alltagshandeln. Die unterschiedlichen Care-Krisen sind nur durch zeitpolitische Ansätze zu lösen, deren Konzepte aber vorhanden und realisierbar – und keineswegs utopisch sind.

Was ist Haute Couture? – Die ganze Doku | ARTE
Eine Doku ganz in schwarz-weiß, die meine Ehrfurcht vorm Schneiderhandwerk nochmal gesteigert hat.

Sonst So

The Password Game
Lustiges Mini-Browserspiel, das Passwortvergabe-Kriterien aufs Korn nimmt.

The numbers 0–99 sorted alphabetically in different languages [OC] (via Quantum of Solazzo)
Coole Visualisierung!

Land of Milk and Honey – C Pam Zhang
Von Mareike Fallwickl auf Insta empfohlen, jetzt auf meiner Leseliste.

Platform Socialism – James Muldoon
Von Elisabeth Lechner auf Insta empfohlen, jetzt auf meiner Leseliste.

Backkatalog




Hi, ich bin Jana.
Seit 2009 veröffentliche ich hier wöchentlich Rezepte, Reiseberichte, Restaurantempfehlungen (meistens in Wien), Linktipps und alles, was ich sonst noch spannend finde. Ich arbeite als Podcastproduzentin und freie Kulinarikjournalistin. Lies mehr über mich und die Zuckerbäckerei auf der About-Seite.

Meine Sketchnotes:
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Porträtfoto: (c) Pamela Rußmann

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Zuckersüß

Im Zuckersüß sammle ich (fast) jeden Sonntag meine liebsten Links der Woche: Rezepte für die Nachback-Liste, lesenswerte Blogposts, Zeitungsartikel und Longreads, Podcasts oder Musik, die mir gerade gefällt und oft genug auch Internet-Weirdness. Außerdem schreibe ich auf, was ich sonst so interessant fand: neue Rezepte in meiner Küche, Lokale, in denen ich gegessen, Pullover, die ich gestrickt oder Texte, die ich geschrieben habe.