Zuckersüß 424

zuckersüß 424 dolomiten
…neulich in den Dolomiten.

…mit nix Gebackenem, einer Reise durch Norditalien (inkl. Besuch im MOCA Brescia und dem Museo Nazionale Scienza e Tecnologia Milano) – und wie immer den besten Links der letzten Tage.

Tatsächlich habe ich seit dem letztem Zuckersüß überhaupt nichts gebacken. Wow.

Gegessen

Chorba mit Hendl und Nudeln, sowie Brik mit Kartoffelfüllung bei algerischen Freund_innen. Croissants mit Puddingfüllung und sehr gute Datteln im Maison de Mariba, erstaunlich germknödelige (gedämpfte, ohne Kruste?) Pizza Marinara bei Birbes und Malfatti in der Osteria Al Bianchi in Brescia. Zwei meiner Begleiter_innen entschieden sich dort für das einzige andere vegetarische Mittagsgericht, Pappa di Pomodoro, das ich ziemlich interessant fand: Mit Weißbrot-Krume angedickte, scharfe Tomatensuppe. Focaccia mit zitronigem Olivenöl und schwarzem Pfeffer, und Sfolgia di Ceci (eine italienische Variante von Msimn, aber aus Kichererbsenmehl und in Schmalz gebacken) irgendwo in Milano. Sehr gute Pizza mit Friarielli, frischen Kirschtomaten und Mozarella bei der Pizzeria Dürer in Sevignano. Orzotto (also Gersten-Risotto) mit roter Bete und Apfel, Tomino mit Pistazienkruste, Radiccio und Tomatengelee (quasi gebackener Camembert in fancy) und allerlei Käse bei Fuciade im Val di Vassa. Super Colomba Pasquale von der Pasticceria Serraia in Baselga di Piné.

Veröffentlicht

Anderswo: „Polyglots – Sprachenlernen aus Spaß“ bei Ö1 Moment am 14. April (bis Donnerstag noch hier nachzuhören).

Besucht:

MOCA (Brescia)

In Brescia bin ich zufällig in das Kulturzentrum MOCA gestolpert, es erinnerte mich ein bisschen an das WUK in Wien. Neben Event- und Ausstellungsflächen gibt es dort ein Makers Hub, in dem lokale Künstler_innen jeweils zwei Jahre lang kostenlos einen Atelierraum zur Verfügung gestellt bekommen. Maurizio Assisi, dem ich zufällig im Gebäude begegnete, ist Gründer der Bekleidungsmarke OUTSIDE und hat freundlicherweise ein bisschen über sein Projekt und das ganze Makers Hub erzählt (auf Italienisch – so viele Italien-Reisen bin ich nicht mehr davon entfernt, die Sprache endlich *wirklich* zu beherrschen). Die anderen Räume waren leider alle zu (Mittagspause?), die Stickereien von Elia Flores oder den Perlenschmuck von ma.sa.iii konnte ich deshalb nur auf Instagram anschauen.

Museo Nazionale Scienza e Tecnologia Leonardo Da Vinci (Milano)

Von Milano selbst habe ich auf meiner Reise gar nicht so viel gesehen – denn ich blieb unerwarteterweise fast den ganzen Nachmittag im Wissenschafts-/Technikmuseum (ohne überhaupt alle Ausstellungen betreten zu haben). Eines der ersten Ausstellungsstücke im Rundgang, das ehemalige Übersichtspanel der italienischen Gaspipelines, hat mich gleich mit am meisten beeindruckt, aber nicht unbedingt wegen des Panels selbst. Ausgeschaltet ohne Lichter und Displays ist es hauptsächlich wegen seiner Größe imposant. Was mich stehen bleiben ließ war der Touchscreen mit viel Hintergrundinfo und vor allem der außerordentlich gut gemachte Audioguide (super Manuskript + Sounddesign!). Darin erzählt das Panel in der Ich-Perspektive aus seiner Vergangenheit. Kein Vergleich zu den vielen faden (kostenpflichtigen) Audioguides in österreichischen Ausstellungen, die ich in letzter Zeit besucht habe.

Im nächsten Bereich, thematisch passend im steinernen Untergeschoss, ging es um lombardische Bodenschätze und die Stahlindustrie, mit reichlich historischer Maschinerie, die von einem Stahlkonzern zur Verfügung gestellt wurde, der dann in den Erklärungstexten auffällig gut weggkam. Der Bereich zu Rohstoffen und Recycling hat mir gefallen, ich hatte großen Spaß mit dem (wohl an Kinder gerichteten) Videospiel „Trash Mania“, bei dem man verschiedene Gegenstände dem richtigen Entsorgungsweg zuordnen sollte. Zwei Räume widmen sich dem Thema Aluminium, interaktiv auf analoge (z.B. Schubladen öffnen) und digitale (noch ein Videospiel) Art.

Im nächsten Stockwerk befand sich der explizite Mitmach-Teil des Museums, voller „Labore“ für Workshops zu Upcycling, Genetik oder IT. Gegenüber fanden sich künstlerische Auseinandersetzungen mit Wissenschafts/Technologie-Themen, z.B. „The Robotic Voice Activated Word Kicking Machine“ von Neil Mendoza. Besucher_innen können in ein Mikrofon sprechen, die Installation zeigt die Worte dann auf einem Bildschirm an, manche davon werden von einem Fuß in den „Müll“ gekickt. „Soc io cro mie“ zeigt Pantone-Farbkarten-mäßig (inkl. CMYK- und RGB-Werten) 25 Farben der vergangenen hundert Jahre – von der roten Armee über „white collar work“, die Black Panthers, die „quote rosa“ (ein italienisches Gesetz zur Geschlechtergleichstellung), die französischen „gilets jaunes“ bis zur roten Corona-Ampel.

Die Ausstellung #FOODPEOPLE hinterließ mich dann wieder ein bisschen ratlos, denn sie sprang relativ zusammenhangslos von der ersten Tortellini-Maschine, über Kühltechnikinnovationen zu Agrartechnologien – mit freundlicher Unterstützung von BASF?? Nett fand ich die Wand mit literarischen Zukunftsvorstellungen des Essens – von dem drei-Gänge-Menü Kaugummi aus Charlie und die Schokoladenfabrik bis zum Steak aus Matrix. In die Foodprints-Ausstellung im Technischen Museum Wien will ich btw auch noch gehen, ich bin schon gespannt, wie das Thema dort angegangen wird.

Im obersten Stockwerk des Museo Scienza e Tecnologia angekommen, landete ich endlich in den Leonardo da Vinci Galleries, wegen denen ich ursprünglich hergekommen war. Leider war ich mit meiner Konzentration schon beinahe am Ende und spazierte durch weite Teile einfach nur hindurch. Stehen blieb ich bei Leonardo Da Vinci’s Bibliothek (mitsamt Papier- und Farbtechnologien seiner Zeit), bei seinen Innovationen für die Textilherstellung (Spinnrad, Webstuhl) und den faszinierenden mechanischen Messgeräten für seine Flugmaschinen.

Gesehen: Your friend the Rat

Ein sehr lieber Kurzfilm von Pixar (läuft bei Disney+), in dem Remy und Émile, die beiden Rattenbrüder aus Ratatouille, erklären, was ihre Spezies so besonders macht. In den bloß zwölf Minuten kommen viele verschiedene Animationsstile vor, und der Bogen spannt sich vom römischen Reich über die Pest bis zur heutigen Laborratte.


Hier folgen meine liebsten Links der Woche:

Rezepte

Miffy Hot Cross Buns · i am a food blog
Diese Hasen-Milchbrötchen find ich sehr hübsch.

Easy Carrot Cake with Halvah Ganache – Lanibakes
Karotten-Babybrei als Geheimzutat?

Moroccan Baghrir – Thousand holes pancake – Lady and Pups
Baghrir sind mir (mit den doch recht vagen Rezepten meiner marokkanischen Bekannten) noch nie gelungen, ich werde es mal mit diesem hier probieren.

Hand-Pulled Lamian Noodles Recipe – Serious Eats
Hefeflocken (Nutritional Yeast) für besondere Teigeigenschaften??

Texte

Leben ohne Auto: Kommt Zeit, kommt Rad – taz.de
Ich habe mir fest vorgenommen, mir niemals ein Auto zu kaufen.

Auf dem Land geht es aber eben nicht ohne Auto! Wenn auf deutschen Podien zwischen Husum und Rosenheim über die Verkehrswende diskutiert wird, wenn darüber gestritten wird, was zu tun wäre, um die Klimakatastrophe zu stoppen und wegzukommen von Putins Öl, dann fällt irgendwann fast immer dieser Satz. Auf dem Land geht das nicht.

Boomtown Boomerang: 1980 baut Berlin Stadtautobahn durch ein Wohnhaus – der Freitag
Aus der Zeit gefallen, schon damals:

600 Meter einer Autobahn, die bald von Steglitz nach Wilmersdorf führen würde, sollten an der Schlangenbader Straße in einem Wohnneubau verschwinden. Helle Terrassen. Darunter Autos, die das Haus durchfahren in einem Tunnel. Angrenzend würden weitere, konventionelle Neubauten entstehen; insgesamt 1.758 Wohnungen. Die kalkulierten Kosten beliefen sich auf 280 Millionen Mark. Beauftragt mit dem Bau wurde die Firma Heinz Mosch, ursprünglich in Wiesbaden beheimatet, jetzt ein Big Player hier, der es glücklich gelungen war, den Grund, auf dem die Neben-Neubauten entstehen würden, selbst zu kaufen – und zwar deutlich unter dem bereits ersteigerten Wert. Günstig-glücklich auch, dass der erste Architekt der Schlange, Georg Heinrichs, sich sein Büro mit dem amtierenden Senatsbaudirektor Müller teilte. Man kannte sich, auf der Toilette wusch man sich gemeinsam die Hände. Win-win-win.

The Expanding Job – Culture Study
Über die gegenwärtige Arbeitswelt, die für Leute mit Ehefrauen gemacht ist.

When it’s left to the individual to resist a system like this, these jobs will continue to expand their expectations of what a single worker can provide. And who will survive the gauntlet? The same people who are able to survive it now: men — in particular, white, cis-gender white men with wives — but also anyone who can lean in or acquire the grit or girl boss in a way that approximates those men. The bar for acceptable and expectable work loads will just keep moving higher, as everyone else keeps stretching themselves as thin as possible to reach it before collapsing on the ground, convinced the failure was theirs alone.

New York Times Journalists Are Terrible on Twitter – NY Magazine (via @TaylorLorenz)
Twitter-Bubbles nicht mit der gesellschaftlichen Realität verwechseln!

There are bigger consequences. Reporters confuse their Twitter audience for the actual world. For obvious reasons (Caucasity), most of these reporters are on the joyless, scold-y White Twitter, which is the opposite of all this. And a small minority of people create most of the tweets one sees, part of a feedback loop that can diminish how journalists think about schools, work, business, and the pandemic. Twitter is where anecdotes are mistaken for data.

The Ed Sheeran Problem, or, How the Record Industry Got What It Asked For | by Cory Doctorow | Marker
Das Copyright als Waffe, die nach hinten losgeht:

The music industry got exactly what it wished for: a world in which the customary borrowing and trading between musicians and their songs was prohibited, with incredibly stiff penalties. To the extent that they’d even considered that this would interfere with normal musical activity, they’d assumed that it wouldn’t interfere with their activities, since the three labels would be able to cross-license to one another, and between them, they’d own everything.But they didn’t think it through. They failed to realize that the legal liability regimes they’d created would cut both ways, and that the peripheral acts and businesses — obscure Christian hip-hop artists, say — would see the giant labels and their stars as irresistibly juicy targets.

The Gegenwart – ZEIT
Eine Rezension der neuesten Kardashian-Serie und über den Einfluss der Familie auf die Popkultur im Allgemeinen.

Die Kardashians gelten als Vorreiterinnen, als Maximalerfolg des Mensch-zu-Marke-Metiers. Hashtag #goals. Die jüngste Kardashian-Schwester, Kylie Jenner, ist die Frau mit den meisten Instagram-Followern weltweit. Was die K-Familie als Spitzenreiterin übertreibt, trickelt down auf uns. Ob wir ihnen zuschauen oder nicht.

Call Her By Her Last Name — Beige
Über Biografie-Titel und filmische Darstellungen:

In der Gegenüberstellung wird jedoch deutlich: Während Paula und Séraphine zu Freundinnen auf Augenhöhe avancieren, sollen wir zu Basquiat und Gauguin bewundernd aufschauen. Durch die bloße Verwendung des Nachnamens festigt sich der Eindruck eines unerreichbaren Künstlergenies. Der große Houdini! Der unvergleichliche Picasso! 

Ukraine using ClearviewAI facial recognition to identify Russian war dead – The Washington Post
Über Gesichtserkennungssoftware im Krieg.

But facial recognition search results are imperfect, and some experts worry that a misidentification could lead to the wrong person being told their child had died — or in the frenzy of war, could mean the difference between life or death. Privacy International, a digital-rights group, has called on Clearview to end its work in Ukraine, saying “the potential consequences would be too atrocious to be tolerated — such as mistaking civilians for soldiers.” (Ton-That has said Clearview’s search tool is accurate, including in cases of severe “facial damage.”)

„Besser als dieses Framing Gut gegen Böse wäre eine friedensjournalistische Perspektive“ – Übermedien
Meta:

Galtung hat festgestellt, dass Journalismus in Kriegszeiten oft polarisierend ist, er sich also auf eine Seite des Konflikts stellt. Medien gucken dann auf den Krieg wie auf eine Sportveranstaltung: Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer? Und im Prinzip ohne konstruktive Lösungen einzubringen, ohne zu schauen: Was sind die verschiedenen Interessen, was gibt es für Lösungsstrategien, und wie kann man deeskalierend wirken als Journalist?

Anke Gröner» Blog Archive » Tagebuch KW 14 – Wien, Wien und Wien
Sechs Museen in fünf Tagen. Für mich spannend zu lesen, weil ich „Hitler entsorgen“ im hdgö und „Whitness as property“ im Künstlerhaus auch schon gesehen habe.

Wir sind nach zwei Jahren Pause echt kein Rumstehen mehr gewohnt. Die wenigen Museumsbesuche in den letzten 24 Monaten, wenn sie überhaupt stattfanden, erledigten wir im Schnelldurchlauf, um möglichst bald wieder an der frischen Luft sein zu können. Wir stehen nicht mehr im Stadion oder der Bahn, wir sind nur noch zuhause. Da waren über fünf Stunden Gehen, Stehen, Gucken und Schlendern schon eine Herausforderung. Netterweise haben sich meine Füße daran erinnert, wie das ging mit dem Gehen, Stehen, Gucken und Schlendern und waren am nächsten Tag wieder einsatzbereit.

Audio/Video

Up Patriots To Arms – Franco Battiato
Durch den Songtext auf den tätowierten Armen eines Freundes kennengelernt.

Giulia – Gianni Togni
Unaufhörlicher Ohrwurm dank italienischem Radio im Auto.

Laura non c’é – Nek
S.o.

Tama Waipara – Where I Go (Original Mix)
Bei FM4 gehört.

Sonst So

home sweet homepage – Sailor HG (via Robin Rendle)
Ein sehr lieber Comic über die Möglichkeiten des Web.

Backkatalog:



Hi, ich bin Jana.
Seit 2009 veröffentliche ich hier wöchentlich Rezepte, Reiseberichte, Restaurantempfehlungen (meistens in Wien), Linktipps und alles, was ich sonst noch spannend finde. Lies mehr über mich und die Zuckerbäckerei auf der About-Seite.

Meine Beiträge für Ö1:
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Im Zuckersüß sammle ich (fast) jeden Sonntag meine liebsten Links der Woche: Rezepte für die Nachback-Liste, lesenswerte Blogposts, Zeitungsartikel und Longreads, Podcasts oder Musik, die mir gerade gefällt und oft genug auch Internet-Weirdness. Außerdem schreibe ich auf, was ich sonst so interessant fand: neue Rezepte in meiner Küche, Lokale, in denen ich gegessen, Pullover, die ich gestrickt oder Texte, die ich geschrieben habe.