zuckersuess298

Zuckersüß 298

In dieser Woche habe ich mich ausgesprochen viel mit Audio beschäftigt. Am Montag habe ich nicht nur eine neue Podcastfolge aufgezeichnet, sondern auch gleich geshownotet und veröffentlicht.  In LP008 war ich mit Autorin, Datenschutz-Aktivistin und Privacy-Week-Organisatorin Klaudia Zotzmann-Koch an der Urania. Wir haben uns am Donaukanal über ihre Krimis, ihr Engagement für den C3W und ihre beiden Podcasts unterhalten. Außerdem ging es um Uploadfilter, noyb und eine mögliche Dissertation in Technikphilosophie – alles anzuhören in meinem Podcastprojekt Lieblings-Plätzchen.

Am Dienstag war ich wieder mit einem Podcast beschäftigt, aber nicht mit meinem eigenen. Nele Heise von den Podcastpatinnen hat mich nämlich an eine liebe Wahl-Wienerin vermittelt, die im Herbst einen Podcast über soziale Projekte in der Stadt starten will. Sobald es dazu etwas neues gibt, schreibe ich es natürlich sofort ins Zuckersüß!

Am allerspannendsten für mich – und das nicht nur im Bereich Audio, sondern ganz allgemein gesehen – war in dieser Woche aber mein erster Praktikumstag bei Ö1. Ich bin im Gesellschaftsressort des österreichischen Kulturradiosenders gelandet und werde dort in den nächsten vier Wochen zuschauen und mitmachen. In dieser ersten Woche gab es für alle Sommerpraktikant_innen zwei  Einführungsveranstaltungen. Einerseits ein Tag im ORF-Zentrum mit vielen Vorträgen und einer Führung durch das Gebäude, die Studios und den Newsroom.

https://twitter.com/jasowies_o/status/1025072974053994496

Andererseits eine Führung durch das Funkhaus in der Argentinierstraße, mit seinen (Hörspiel-)Studios und dem großen Sendesaal. Offenbar kann man solche Führungen auch einfach buchen – ich würde euch empfehlen mal vorbeizuschauen, bevor das Gebäude in den nächsten Jahren verkauft wird.

Abends wollte ich mir einen Snack für die kommenden Praktikumstage backen, doch das ging so schief wie schon lange nicht mehr. Der Plan war Quark-Mohn-Kringel, doch daraus wurde erst im zweiten Anlauf halbwegs was. Für meinen ersten Hefeteig hatte ich nämlich offenbar 250g Johannisbrotkernmehl, das fatalerweise in der „Mehl“-Dose war, verwendet. Ich kippte mehr als einen Liter Wasser in den Teig, doch das Johannisbrotkernmehl hat quasi magische Bindekapazitäten. Der Teig fühlte sich an wie brüchige Knetmasse und testweise schob ich ihn trotzdem in den Ofen. Leider musste ich am Schluss alles davon wegschmeißen, das Gebäck war einfach ungenießbar. Im zweiten Anlauf verwendete ich die Mehl-Restl-Mischung im Voratsschrank, die eigentlich zum Pizzateigbacken gedacht war. Das klappte zwar besser, aber für Feingebäck ist weißes Mehl trotzdem viel besser geeignet als Vollkornmehle, Grieß und Hafer in unbekanntem Mischungsverhältnis. Morgen sorge ich für Weizenmehlnachschub!

Trotz meiner vielen Projekte habe ich in einem Buch gelesen: „Wie wir Begehren“ von Carolin Emcke habe ich schon im letzten Jahr begonnen, dann weggelegt und jetzt an einem Abend fertig gelesen. Carolin Emcke springt recht abrupt zwischen so unterschiedlichen Erzählungen wie die eines ausgegrenzten ehemaligen Mitschülers, eines schwulen Palästinensers aus Gaza und Frauen auf dem Straßenstrich und trotzdem ist die Geschichte irgendwie rund. Überhaupt, Kreise kommen sehr oft vor – metaphorisch als Schutz, aber auch als größte Gefahr. Die persönliche Geschichte der Autorin ist verknüpft mit historischen Ereignissen und ihrer erinnerten, aber auch aktuellen Einschätzung. An einigen Stellen musste ich an #MeTwo und die vielen „Gegenstimmen“, die den rassistisch Diskriminierten die Legitimität entziehen wollen, denken, zum Beispiel hier:

So gleiten wir hinein in Normen wie in Kleidungsstücke, ziehen sie uns über, weil sie bereitliegen für uns, weil sie uns übergestülpt werden, weil sie sich anpassen oder weil wir, unbemerkt, uns anpassen. Normen als Normen fallen uns nur auf, wenn wir ihnen nicht entsprechen, wenn wir nicht hineinpassen, ob wir es wollen oder nicht. Wer eine weiße Hautfarbe hat, hält die Kategorie Hautfarbe für irrelevant, weil im Leben eines Weißen in der westlichen Welt Hautfarbe irrelevant ist. Wer heterosexuell ist, hält die Kategorie sexuelle Orientierung für irrelevant, weil die eigene sexuelle Orientierung im Leben eines Heterosexuellen irrelevant sein kann. Wer einen Körper besitzt, in dem er oder sie sich wiedererkennt, dem erscheint die Kategorie Geschlecht selbstverständlich, weil dieser Körper niemals in Frage gestellt wird.
Wer den Normen entspricht, kann es sich leisten zu bezweifeln, dass es sie gibt. (Carolin Emcke, Wie wir Begehren, S. 21)

Im Internet habe ich auch gelesen und das sind meine Favoriten der Woche:

REZEPT

Tomato Za’atar Soup with Halloumi Croutons – Izy Hossack – Top With Cinnamon
Za’atar habe ich in den letzten zwei Wochen über fast alles gekippt, da kommt mir dieses Rezept gerade recht.

Matcha Ice Cream Float – Backbube
Für abkühlende Getränke bin ich zur Zeit auch verstärkt zu haben.

Everything Fried Pickles with buttermilk ranch dip – Joy the Baker
Frittieren stelle ich mir aktuell besonders anstrengend vor, aber panierte Essiggurkerl klingen sehr verlockend.

TEXT

In Österreich: Mit Rechten leben – FAZ (via Newsletter der Groschenphilosophin)
Stefanie Sargnagel erzählt.

Mein Alltag spielte sich immer in einer widerständigen Subkultur ab, auch wenn ich schon lange vor „Filterblasen“-Diskussionen die Homogenität linker Szenen auf Dauer langweilig fand. Mein Umfeld ist schwul, lesbisch, arbeitslos, depressiv, exzentrisch, tagträumerisch und feministisch. Viele funktionieren nicht richtig und beziehen Mindestsicherung. Das war für mich immer selbstverständlich, und mit dem Rest der Welt war ich nach der Schule nur noch familiär oder nachts in Kneipen in Kontakt. Seit ich mit meinen Texten und Zeichnungen eine große Öffentlichkeit habe, werde ich aber wieder daran erinnert, als wie provokant, widerständig und abnorm meine Äußerungen wahrgenommen werden.

What the Mystery of the Tick-Borne Meat Allergy Could Reveal – The New York Times (via i am a foodblog)
Fleischallergie nach Zeckenbiss?!

Mammalian-meat allergy differs from most other food allergies in several important ways. One is the delayed reaction; it’s not uncommon for sufferers to wake up in the middle of the night, hours after a steak dinner, covered with hives and struggling to breathe. By contrast, those with food allergies to peanuts usually develop symptoms within minutes after ingesting the offending food. And whereas in most cases of allergy, the immune system pursues a protein, meat allergy is set off by a sugar.

How Goop’s Haters Made Gwyneth Paltrow’s Company Worth $250 Million – The New York Times
Ein Text voller seltsamer Welnesspraktiken. Noch seltsamer: Gwyneth Paltrow erwähnt Ignaz Semmelweis?! (erinnerte mich sofort an die entsprechende Zeitsprung-Folge).

Before we knew it, the wellness point of view had invaded everything in our lives: Summer-solstice sales are wellness. Yoga in the park is wellness. Yoga at work is wellness. Yoga in Times Square is peak wellness. When people give you namaste hands and bow as a way of saying thank you. The organic produce section of Whole Foods. Whole Foods. Hemp. Oprah. CBD. “Body work.” Reiki. So is: SoulCycle, açaí, antioxidants, the phrase “mind-body,” meditation, the mindfulness jar my son brought home from school, kombucha, chai, juice bars, oat milk, almond milk, all the milks from substances that can’t technically be milked, clean anything. “Living your best life.” “Living your truth.” Crystals.

For My Entire Childhood, My Mom Convinced Me I Was Dying – narratively (via i am a foodblog)
Krasse Geschichte.

She formulated a plan to keep me under her control. She’d fly me to some eating disorder clinic-of-the-stars in L.A. and watch over my shoulder as I checked myself in. This plan wasn’t a secret, and I slammed doors and yelled until my throat burned every time she brought it up. We always kept our windows open in nice weather, and the neighbors called the cops during a particularly bad fight. Two uniformed men came to our door, annoyed to be making a house-call for a mother-daughter dispute. There was no use trying to explain what we’d been fighting about. My mom was charming, and I had no bruises. They left.

Lost in pages – Simon Thibault
Eine Ode an Kochbücher.

This is how your fridge is emptied. This is how you become emboldened. Like a novel that leaves you with hopes and ideas, a cookbook that has been read from cover to cover can arm you with knowledge and inspiration.
Because you allowed yourself to once again get lost in pages.

Wie aus einem Manuskript ein Buch wird – Vea Kaiser
Nach diesem Blogeintrag bin ich erstmal in die Leseprobe des ersten Romans der Autorin gekippt…

Und nachdem dieses Buch also tausende Male vom Autor, hunderte Male vom Lektor und zehnfache Male vom Korrektor durchgelesen und überprüft wurde; nachdem die Herstellungs-Abteilung ihr Bestmögliches tat, es ein schönes Objekt werden zu lassen; nachdem Marketing, Werbung, Presse, Vertrieb und Online-Abteilung mit vereinten Kräften sicher gingen, dass es möglichst viele Leser findet, denen es eine gute Zeit bereiten kann – nachdem all dies geschah, wird das Buch schließlich veröffentlicht.
Es gibt das Sprichwort: „Einer hat immer die Arbeit. Entweder der Autor oder die Leser.“

Reden Sie auf Partys über die Kolonialzeit? – FAZ (via Newsletter von Julian Schmidli)
Dank dieses Interviews will ich jetzt unbedingt „Alle, außer mir“ von Francesca Melandri lesen.

Würde jemand wie Innenminister Salvini Ihren Roman lesen?
Das Lesen eines Romans erfordert eine gewisse Zurückgezogenheit ohne Publikum und Fotografen. Es ist eine Form von Einsamkeit, die nur dem Zweck dient, den persönlichen geistigen, emotionalen und intellektuellen Horizont zu erweitern. Ich denke, Salvini hat andere Prioritäten, seine Zeit zu verbringen.

Teens Are Debating the News on Instagram – The Atlantic (via @dvg)
Von „flop-accounts“ hatte ich noch nie gehört.

The main thing teens who engage with flop accounts share is a strong distrust of the news media. Teens said they turned to flop accounts specifically because they didn’t believe what they read in the news, saw on TV, or even were taught in their U.S.-history class, since, as one teen saw it, their teacher is just one person giving an opinion. Teen flop-account admins and followers said they found information on flop accounts to be far more reliable because it could be crowdsourced and debated.

AUDIO/VIDEO

Nanette – Hannah Gadsby
Auf Netflixproduktionen direkt verlinken funktioniert nicht, deshalb hier nur eine Erwähnung. Ich wusste nicht, was mich erwartet, habe das Ganze aber wegen gefühlt tausender Empfehlungen doch angeschaut. Die Show ist sehr drastisch und hinterließ mich etwas ratlos. Bei Vulture, dem Guardian und im Zeit-Magazin haben andere über Nanette geschrieben.

Tolerant? Sind wir selber – Carolin Emcke
Natürlich habe ich nach dem Lesen von „Wie wir Begehren“ die Autorin gegoogelt und bin in ihrem Blog darauf gestoßen.

SONST SO

Kugelmugel
Über diese Mikronation in Wien habe ich bei @ryyppy gelesen. Sehr erstaunlich.

BVT, Pilz & Silberstein. Ein Abend mit Anna Thalhammer -Aufmacher
Morgen gibts wieder eine Medien-Diskussionsrunde  im Markhof.

FOTO

Abendrot in den Alpen.

BACKKATALOG

2010: Best Cocoa Brownies
2011: Peanut Butter Chocolate Chip Cupcakes mit Schokofrosting
2012: Cookie-Decorating-Workshop
2013: Zucchini-Brownies
2014: Panna Cotta Tarte – Gastpost von Das Leben ist süß
2015: Orangen-Ingwer-Cookies
2016: Beeren-Muffins
2017: Eine Reise in die USA, Pt. 1: NY

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