Zuckersüß 359

Schon wieder sieben Tage vorbei? Ich habe Milchreisauflauf mit Kirschen und Äpfeln gemacht (dessen Rezept ich endlich mal mitschreiben sollte, damit ich es hier verbloggen kann – so gut!), Highfoodality’s Brioche Burger Buns gebacken, außerdem gestürzten Bananen-Karamell-Kuchen, Low-Carb-Schokokuchen (weil uns das Mehl ausgegangen war), Demon Cake und Kaiserschmarrn. Langsam nähere ich mich sieben Mehlspeisen pro Woche!

Ansonsten habe ich ein wenig gearbeitet (meine Croissant-Sendung ist noch bis Freitag bei Ö1 nachzuhören!), ein weiteres Online-Uni-Seminar „besucht“, mit meiner WG viiiiele Late-Night-Shows geschaut (leider ist nicht mal John Oliver mehr witzig drauf, Corona macht alles deprimierend) und erstmals seit Jahren meinen ganzen Feed-Reader von vorn bis hinten durchgelesen.

Meine Lieblinge daraus folgen in der Linkliste:

Rezepte

Ukulele Shortbread – Diamonds for Dessert
Beim Durchforsten meines RSS-Readers habe ich dieses supersüße Foodblog wiederentdeckt, dass leider schon seit ein paar Jahren nix Neues mehr veröffentlicht hat.

Little Semolina Cakes — Photisserie
Der Fotostil dieses Blogs gefällt mir sehr.

Carciofi alla Giudia. ארטישוק יהודי – La mia cucina
Mal in Rom gegessen, noch nie selber frittiert.

Gefüllte Artischocken – Splendido Magazin
So oder so ähnlich vor einigen Wochen im Wetter am Yppenplatz (Lokal-Post immer noch ausständig…) gegessen.

Texte

Corona-Gesellschaft: Wider die Vernunftpanik – Kolumne – DER SPIEGEL
Whats-App-Fake-News bekomme ich glücklicherweise selten weitergeleitet und wenn, factchecke ich sie recht gründlich, um zu beweisen, dass es Fake News sind. Leider befürchte ich, werde ich erst recht als Besserwisserin abgestempelt. Was ist die Alternative?

Es bleiben Tausende vernunftpanisch Empörte, die die vermeintlich absurden Fake News ihrer Verwandten und Bekannten auf WhatsApp abwertend kommentierten oder harsch richtig stellten – aber nur selten auf Basis eigener Nachforschungen, sondern auf Basis des Gefühls: Irgendeine Mutter von irgendeinem Poldi per Sprachnachricht, das kann ja nur Fake News sein. Man stellt so seine Überlegenheit dar, aber man überzeugt niemanden. Im Gegenteil: Wenn die Besserwisser am Ende doch irgendwie falsch lagen, und so empfinden es inzwischen viele Leute, wirkt die nächste Fake-News-Welle um so intensiver. Die Bereitschaft, sich korrigieren zu lassen, sinkt weiter.

Panic, Pandemic, and the Body Politic – WIRED.com
Laurie-Penny übers Coronavirus:

A bug or a virus will exploit any weakness in the body politic. Cholera became a huge problem when human beings started moving to cities in huge numbers. It stayed a problem until we worked out new ways of building large-scale public sewage systems, which involved a lot of money and manpower. Because of diseases like cholera, we literally figured out how to handle our shit.

Photos: A temperature gun to the head has become an iconic coronavirus image – qz.com (via christowski)
Design ist so wichtig, wie dieses Beispiel zeigt:

On top of the possibly faulty technology, there’s something to be said about the temperature gun’s problematic shape—especially after seeing so much of it in stressful environments lately. Of course, there are similar pistol-like devices that don’t hold the same menace—a barcode scanner, a drill, even a baby’s ear thermometer—but again it’s a matter of context.
The violence implicit in the language of product descriptions doesn’t help the cause of temperature guns.

Corona-Krise: „Als hätten viele noch nicht kapiert, worum es geht“ | ZEIT ONLINE (via Buddenbohm & Söhne)
Ok, nochmal Corona-Content (danach reichts aber auch mal wieder).

Wir sind am Ende einer Periode von knapp 50 Jahren, deren Grundformel lautete: Eine gute Gesellschaft ist eine Gesellschaft starker Einzelner. Der politische Ansatz, der daraus folgte, war es, den Einzelnen zu stärken, damit er seine Rechte bekommt. Daraus ist die Vorstellung erwachsen, dass Emanzipation einen Zuwachs individueller Rechte bedeutet. Aber jetzt stellt sich die Frage, wie wir weiter denken können.

Die große Manipulations-Erzählung | ctrl+verlust
Dieser Text kostete mich einiges an Konzentration und stellenweise war ich überhaupt nicht einverstanden (den Überwachungskapitalismus halte ich nämlich für ein sehr großes Übel), aber insgesamt fand ich die Überlegungen sehr interessant.

Ich bin skeptisch. Das soll nicht heißen, dass Manipulation nicht stattfindet. Offensichtlich gibt es Manipulation. Ohne wäre der Werbemarkt nicht existent und PR-Fachleute arbeitslos. Manipulation findet statt, doch mir scheint, dass sie anders stattfindet, als gerne erzählt wird. Das mag daran liegen, dass sich die Wahrheit oft nicht so gut erzählt – womit wir schon bei der Problembeschreibung sind. Ich behaupte: die effektivste Manipulation funktioniert über Geschichten und nichts ist manipulativer als die Erzählung von der großen Manipulation.

We’re not prepared for the end of Moore’s Law – MIT Technology Review
Wie es zur Annahme, Computerleistung würde sich immer weiter exponentiell steigern, kam, wusste ich vor diesem Artikel nicht.

Moore wrote that “cramming more components onto integrated circuits,” the title of his 1965 article, would “lead to such wonders as home computers—or at least terminals connected to a central computer—automatic controls for automobiles, and personal portable communications equipment.” In other words, stick to his road map of squeezing ever more transistors onto chips and it would lead you to the promised land. And for the following decades, a booming industry, the government, and armies of academic and industrial researchers poured money and time into upholding Moore’s Law, creating a self-fulfilling prophecy that kept progress on track with uncanny accuracy. Though the pace of progress has slipped in recent years, the most advanced chips today have nearly 50 billion transistors.

„Jeder Stempel eine Brandmarkung“ – Stefan Zweigs Flüchtlingskrise – Hurra Blog
Eva Schulz schreibt über ein Buch, das ich letzes Frühjahr gelesen habe – und obwohl ich oft daran denke, noch nicht hier verbloggt habe…

Ich war dieses Jahr in 15 verschiedenen Ländern unterwegs, aber meinem Pass sieht man das nicht an. Manchmal habe ich meine Kommilitonen aus Bangladesch, den USA oder Marokko beneidet um ihre Reisepässe, in denen sie unsere Trips und Exkursionen sammelten wie Sticker in einem Panini-Album.
Das ist natürlich bescheuert.

Geschlechterdebatte: Gibt es Frauen und Männer überhaupt? – Zeit.de
Antje Schrupps neues Buch, dass ein ganz ähnliches Thema behandelt, wie dieser Text, würde ich auch gerne lesen.

Es gibt nämlich durchaus Kulturen, die zwar die reproduktive Differenz der Menschen kennen und thematisieren, daraus aber keine Unterscheidung zwischen „Männern“ und „Frauen“ ableiten. Die Soziologin Oyèrónkẹ́ Oyèwùmí hat das in ihrem Buch The Invention of Women am Beispiel der Yoruba in Nigeria untersucht: Dort ist traditionellerweise nicht das Geschlecht, sondern das Alter das wichtigste Kriterium für die soziale Einordnung von Menschen. Für „Frau“ oder „Mann“ in unserem Sinn gibt es gar keine Wörter. Zwar existiert ein Begriff für Menschen mit Gebärmutter in der Lebensphase des Kindergebärens – obinrin – aber das bezeichnet nicht das Wesen dieser Personen, sondern lediglich eine bestimmte Funktion, die auch nur in diesem Zusammenhang von Interesse ist.

Gab es in der Steinzeit schon Frauen und Männer? – Antjeschrupp.com
Nochmal Antje Schrupp, nochmal Geschlechterrollen:

Für historisch vergangene Kulturen gilt letztlich dasselbe wie für nicht-europäische, vorkoloniale Kulturen: Sobald wir die reproduktive Differenz dort in Begriffen wie „männlich“ und „weiblich“ beschreiben, transportieren wir unweigerlich Konzept und Diskurse mit, die mehr mit unserer eigenen Geschichte und Kultur zu tun haben als mit dem, was wir erforschen. Klar, wenn Forscher des 19. Jahrhunderts kleinbürgerliche Lagerfeuerromantik im Stil von Familie Feuerstein in der Steinzeit wiederfinden, wissen wir heute, dass das albern und ideologisch ist. Allerdings: Wenn wir heute davon sprechen, dass „Frauen und Männer in der Steinzeit gleichberechtigt“ gewesen wären, ist das letzten Endes dasselbe in grün. Gleichberechtigung ist ein Konzept von uns heute, nicht von damals.

Audio/Video

Bigger Than Life – Black Marble (via chistowski)
Tolles Album!

Das Croissant – Das bekannteste Kipferl der Welt – Ö1
Shameless self-plug zu meiner aktuellsten Sendung für Ö1.

Moskau-Nizza-Express – Haus auf Rädern – Die Reportage | ARD Audiothek
Eigentlich wollte ich in diesem Frühjahr den Nachtzug Wien-Brüssel ausprobieren, jetzt muss ich mich halt mit Radioreportagen zum Zugfahren trösten…

ZS234: Das bekannteste Parfüm der Welt und seine russische Vorgeschichte – Zeitsprung
Spoiler: Es geht um Chanel No. 5.

Rapping, deconstructed: The best rhymers of all time – Vox
Tolles Erklärvideo.

I, Tonya
Dieser Film über die amerikanische Eiskunstläuferin Tonya Harding läuft gerade bei Netflix. Life stranger than fiction.

Sonst So

52 Weeks of Socks
Ohne Vorlesungen stricke ich bedeutend weniger Socken. Dieses Musterbuch hätte ich trotzdem gern.

Halfway Hoop Earrings – Kate Dansey
Irgendwie cool – vielleicht bastle ich die nach!

Foto

Stadtmauer in Essaouira. Wo ich eigentlich in 10 Tagen sein wollte :(

Backkatalog:



Hi, ich bin Jana.
Seit 2009 veröffentliche ich hier wöchentlich Rezepte, Reiseberichte, Restaurantempfehlungen (meistens in Wien), Linktipps und alles, was ich sonst noch spannend finde. Ich arbeite als Podcastproduzentin und freie Kulinarikjournalistin. Lies mehr über mich und die Zuckerbäckerei auf der About-Seite.

Meine Sketchnotes:
jasowieso.com

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Porträtfoto: (c) Pamela Rußmann

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Im Zuckersüß sammle ich (fast) jeden Sonntag meine liebsten Links der Woche: Rezepte für die Nachback-Liste, lesenswerte Blogposts, Zeitungsartikel und Longreads, Podcasts oder Musik, die mir gerade gefällt und oft genug auch Internet-Weirdness. Außerdem schreibe ich auf, was ich sonst so interessant fand: neue Rezepte in meiner Küche, Lokale, in denen ich gegessen, Pullover, die ich gestrickt oder Texte, die ich geschrieben habe.

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