Zuckersüß 325

In dieser Woche war ich im Le Cèdre libanesisch essen, was leider nicht so wunderbar war, wie es in der Falter-Empfehlung stand. Aber schlecht war es auch nicht: das sehr rauchige Baba Ghanoush hat mir sehr gut geschmeckt und die Bratkartoffeln mit spannenden Gewürzen (fragt mich nicht, was das war), Knoblauch und Zitronensaft auch. Und superklebrigem Namoura als Nachspeise, dass ich gleich ein paar Tage später selbst nachgebacken habe.

Dann war ich auch noch kurz im Palmenhaus, das architektonisch wirklich beeindruckend ist. Außerdem war ich schon wieder auf dem Zentralfriedhof spazieren (s. a. meine aktuellste Podcastfolge mit pascoda) und hab beim Oberlaa dort ein pappsüßes Punschkrapferl (vor zwei Jahren habe ich mich mal selbst daran versucht) gegessen.

Im Botanical Garden, meiner *allerliebsten Lieblingsbar* in Wien, habe ich erstmals etwas von der neuen Karte probiert, auf der sehr viele Beerenbrände vorkommen, die ich erstmal nicht in Cocktails erwartet hätte. Der „Marry Me! Biatch!“ ( Bacardi Cuatro Rum, Himbeere, Tonkabohne, Limette, Rubino Espuma, Stardust) war nicht mein Fall, viel zu süß und die Dekostreusel schmeckten wie diese Kirschlollis aus der Apotheke. Der Lady Bird (Bacardi 44,5 Rum, Gölles Vogelbeer-Edelbitter, Limette, Zucker) dagegen taugte mir sehr.

Am Freitag habe ich beim Podcasting Meetup einen Workshop zu Sketchnotes gehalten und konnte deshalb leider zu keiner der unzähligen interessant klingenden Frauenkampftags-Veranstaltungen gehen. Glücklicherweise gab es auch am Samstag noch ein interessantes Event zum Thema, das frauentagsfest im ega. Dort habe ich erstmals Kidsncats, die Band von Jeanne’s Heldinnen-Podcasterin Jeanne Drach gehört. Die Bühnenshow hat sehr viel Spaß gemacht und Jeannes Kostüm war unglaublich cool – ein weißer, langer Pelzmantel, der am Rücken durchsichtig war, darunter eine „Pumphose“ und ein Tütü. Anschließend spielten noch Fatima Spar & Freedom Fries, eine Band von der ich vorher noch nie gehört habe. Der Balkan Brass mit vielen türkischen Texten hat mich noch eineinhalb Stunden tanzen lassen.

Hier folgen meine Lieblingslinks der Woche:

Rezepte

How to make Sourdough Crumpets – Top With Cinnamon
Von Crumpets habe ich noch nie gehört.

Burrata mit gegrillten Trauben und Basilikum – Anke Gröner
Ein Rezept von Ottolenghi.

Texte

Frauen-Shaming in der Musikrezeption und wieso ich meine Mädchenmusik liebe – Blogrebellen
Nadja Shehadeh über unverdient abfällig besprochene Rockmusikerinnen.

Das Musik-Business wird halt insgesamt anstrengend und auslaugend sein denke ich mir dann, wenn ich an alle Menschen denke die bewaffnet mit ihrem Arsenal an Tool-Platten über das Genre “Frauen-Musik” lachen (dass es ein eigenes Genre ist ist ja genau wie beim Label Frauen-Literatur auch schon ein Ärgernis), und natürlich hege ich selbstverständlich den Verdacht, dass sexistische Strukturen im Musik-Business alles noch mal anstrengender machen. Systematische Verkennung ist dabei ein Sympton, das nicht nur die betreffenden Musiker_innen disst, die außerhalb cis-männlicher Repräsentation operieren, sondern auch deren Fanbase treffen soll (also: “Leute ,die keine Ahnung von Musik haben”). 

Frauendings-Literatur: Nicht Reizthema, sondern Randthema – Der Standard
Nicht nur in der Musik werden „Frauenthemen“ belächelt.

Was Frauendings bedeutet? Das heißt, in den Büchern geht’s vorrangig um Frauen, die Frauenprobleme haben. Die rumjammern, weil sie betatscht worden sind, zu wenig Geld kriegen oder weil sie ach so unterdrückt sind. Oder um die schreckliche Last von Kindern und Haushalt, die sie ganz allein stemmen müssen. Gähn.

Do Not Disturb: How I Ditched My Phone and Unbroke My Brain – The New York Times
Ein Digital Detox-Text, der nicht komplett technikfeindlich ist.

For the rest of the week, I became acutely aware of the bizarre phone habits I’d developed. I noticed that I reach for my phone every time I brush my teeth or step outside the front door of my apartment building, and that, for some pathological reason, I always check my email during the three-second window between when I insert my credit card into a chip reader at a store and when the card is accepted.Mostly, I became aware of how profoundly uncomfortable I am with stillness. For years, I’ve used my phone every time I’ve had a spare moment in an elevator or a boring meeting. I listen to podcasts and write emails on the subway. I watch YouTube videos while folding laundry. I even use an app to pretend to meditate.

The science of knitting, unpicked – EurekAlert! Science News
Stricken ist offenbar mathematisch sehr komplex.

„By picking a stitch you are not only choosing the geometry but the elastic properties, and that means you can build in the right mechanical properties for anything from aerospace engineering to tissue scaffolding materials,“ said Matsumoto.

Concrete is tipping us into climate catastrophe. It’s payback time – The Guardian (via DasFilter)
Mir war nicht klar, wie umweltschädlich Zement ist.

Conventional, or Portland, cement is trusted to be safe and strong and developers continue to specify it because it is cheap and the alternatives are not well-known. Without major demonstration projects showing what is possible, and the education of architects and planners, progress will be incremental and possibly too late.

Konfektionsgrößen ade! Die #zozorevolution – so frisch so gut
Ein Anzug für Maßmode, was es nicht alles gibt!

Aber der Zozsuit ist kein gewöhnlicher Overall: Man trägt ihn weder als eng geschnittene, elegante Abendrobe, noch als locker sitzenden, entspannten Freizeitlook. Man muss ihn auch nicht mit Taschen, Ohrringen, Gürteln oder sonstigen Accessoires kombinieren. Vielleicht kann man es sich nun schon denken: Der Zozosuit ist kein Kleidungsstück – sondern ein Messgerät. Er ist eine echte Innovation, weil er maßgeschneiderte Mode für alle Körperformen ermöglichen soll – auch finanziell.

Elyas M’Barek möchte nicht euer „guter Ausländer“ sein – VICE
Lesenswertes Porträt:

„Ich hatte so was vorbereitet wie: ‚Schön, dass man im Osten mit Migrationshintergrund noch Preise kriegt'“, sagt M’Barek und muss ein bisschen lachen. Ernst ist es ihm trotzdem. Als er 2016 nach den Wahlerfolgen der FPÖ verkündete, seinen österreichischen Pass verschenken zu wollen, bekam er Morddrohungen: „Zu den harmlosen Sachen gehörte noch: ‚Der Kamelficker soll aufgehängt werden‘.“ Mehrere Magazine griffen seinen Tweet auf, über die rassistischen Anfeindungen danach berichteten Medien erst, als er sie selbst zum Thema machte.

Passentzug: Jetzt wird ausgedeutscht! – ZEIT ONLINE
WTF wird aktuell diskutiert?!

Neu ist, dass man nun auch die Ausdeutschung von „Eingedeutschten“ ermöglichen will, also von solchen, die die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Genau genommen wäre das ein Rauswerfen aus dem Land, dem sie angehörig sind.Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sollte so etwas umgesetzt werden. Bislang kennt man diese Praxis der Ausbürgerung nur aus dem NSDAP-geführten Deutschland und der DDR. Seither hat sich keine Partei getraut, diese Idee wiederzubeleben.

Lasst uns über Kritik reden – FALTER Think-Tank
Laura Wiesböck, die diesen Text geschrieben hat, hat auch ein Buch geschrieben, das ich gerne lesen würde.

Eine Strategie ist es, Kritik als Meinungsverbot zu inszenieren. Meinungsfreiheit wird so gedeutet, dass eigene Aussagen widerspruchslos und ohne Konsequenzen hingenommen werden müssen. Das Konzept von Meinungsfreiheit als Grundlage der Demokratie sieht allerdings vor, immer auch mit Meinungen konfrontiert zu sein, denen man nicht zustimmt. Und zwar ohne staatliche Repressionen befürchten zu müssen. Hetze, Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sind davon im Übrigen nicht eingeschlossen.

The case of the 500-mile email – ibiblio (via Kottke)
Ich verstehe nicht viel von der beschriebenen Technik, aber witzig ist die Geschichte allemal:

„We can’t send mail farther than 500 miles from here,“ he repeated.  „Alittle bit more, actually.  Call it 520 miles.  But no farther.““Um… Email really doesn’t work that way, generally,“ I said, trying tokeep panic out of my voice.  One doesn’t display panic when speaking to adepartment chairman, even of a relatively impoverished department likestatistics.  „What makes you think you can’t send mail more than 500miles?“

Audio/Video

The Voice Within – Fatima Spar & JOV
Cooles Album!

Blue Angel – Fatima Spar & The Freedom Fries
Cooler Song!

Top 40 Activism with Justin Tranter – Switched on Pop
Justin Tranter ist ein sehr sympathischer Podcastgast und erzählt aufschlussreiches übers Songwriting.

Untouchable Face – Ani Difranco
Gehört in der Switched on Pop-Folge.

Wir sind zu viele: Warum deutscher Pop nicht mehr weiß bleibt – ZÜNDFUNK – Generator
Viel Deutschrap im „Pop mit Migrationshintergrund“.

Foto

Der wunderschöne Fußboden in der Krypta des Duomo in Napoli.

Backkatalog

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