„Österreich, Land des Knoblauchs“ – Ö1 Moment Kulinarium

Knoblauch von den Brüdern Goldenits
David Goldenits mit Knoblauch frisch vom Acker

Fürs Moment Kulinarium habe ich in den letzten zwei Wochen gefühlt nur über das Lauchgewächs gelesen, geredet und nachgedacht. Und, wenn ich genau drüber nachdenke, Knoblauch gegessen hab ich auch ganz schön viel.

Ich war bei Simon und David Goldenits in Tadten im Seewinkel, die dort aus eigener Ernte schwarzen Knoblauch herstellen. Durch drei Monate in der Klimakammer verwandeln sich die schwefelig-scharfen Aromen roher Zehen in würzig-karamellige, „fast wie Balsamico-Essig“, meint Simon Goldenits. Ihren „Schwoazn Knofl“ kann man unter blackgarlic.at kaufen.

schwarzer knoblauch
kohlenschwarzer Knoblauch von blackgarlic.at

Außerdem habe ich Erich Stekovics zur Knoblauchernte begleitet. Bei ihm werden die einzelnen Knollen mit einer mit dem Laub aus der Erde gezogen – dafür braucht es eine Spezialmaschine und fünf Arbeiter_innen, die an einem Erntetag jeweils 16 Kilometer zu Fuß zurücklegen! Später wird ein Teil der Knollen zu Zöpfen geflochten. Die weit verbreitete Annahme „Knoblauch ist Knoblauch“ ärgert den Landwirt, stehen doch allein auf seinem Acker acht verschiedene Sorten.

Josef Keferböck von der niederösterreichischen Landwirtschaftskammer beschäftigt sich viel mit dem Knoblauchanbau im Land, er hat mir u. a. verraten, wie viel jährlich geerntet wird (1500 Tonnen), wie viel biologisch angebaut wird (gut 60% schätzt er) und dass sich die Anbaufläche seit 2011 mehr als verdoppelt hat.

Mithilfe der Arche Noah, dem Verein, der rar gewordene Kulturpflanzen bewahrt, habe ich versucht, jemanden zu finden, der noch Knoblauch im Weingarten stehen hat. Das war vor ein paar Jahrzehnten üblich, wurde aber mit der Maschinisierung des Weinbaus immer seltener – meine Herumtelefoniererei führte ins Leere. Was ich herausgefunden habe: Der „Laaer Weingartenknoblauch“ ist im EU-Sortenregister eingetragen.

Im „Geschmacksthesaurus“ von Niki Segnit habe ich ein bisschen Kulturgeschichte und vor allem Kombinationsideen nachgelesen und letztlich in der Sendung draus zitiert, weil sie einfach so treffend beschreiben kann:

„Fügt man Fleisch, Meeresfrüchten, grünem Gemüse oder auch Trüffeln etwas Knoblauch hinzu, so ist es, als ziehe man eine Linie um ihr Aroma – alles bekommt schärfere Konturen. Darüber hinaus verleiht Knoblauch auch eine Art von Wohlgeschmack.“

Aus: „Der Geschmacksthesaurus“ von Niki Segnit, Erschienen bei Bloomsbury Berlin (S. 157)

Fritz Treiber vom Geschmackslabor der Uni Graz (den kennt ihr vielleicht schon von meinem Beitrag über Dashi!) erklärt, wie es zur Knoblauchfahne kommt und wie man eine bekommen kann, ohne überhaupt welchen zu essen. Faszinierend.

Und zuletzt habe ich Oliver Mohl in der Hausbar im Künstlerhaus besucht (da muss ich bald mal essen gehen!). Der Haubenkoch arbeitet sehr gerne mit Knoblauch, vor allem mit schwarzem oder confiertem. In der Sendung kocht er das Hauptgericht des aktuellen vegetarischen Menüs.

Wie schon gesagt, habe ich echt viel gelesen für diese Sendung, hier eine Auswahl:

Die Sendung ist noch bis kommenden Freitag hier nachzuhören.

Eine Knolle mit bemerkenswerten Eigenschaften
Aufgrund seines Geruchs nach dem Verzehr hat der „Knofl“ einen schlechten Ruf. Dabei setzt man ihn schon Jahrtausende lang als Heilpflanze ein und schätzt die Karamellnoten, die er entwickeln kann, kurz angebraten oder über längere Zeit erhitzt. Das gilt besonders für den schwarzen Knoblauch, den die Brüder Simon und David Goldenits im burgenländischen Seewinkel herstellen. Ein paar Kilometer weiter baut die Familie Stekovics acht verschiedene Sorten an und flicht sie in mühsamer Handarbeit zu Zöpfen. Früher „Beikraut“ im Weingarten, wird die Knolle jetzt im großen Stil im Bio-Ackerbau kultiviert. Die Anbaufläche hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, mittlerweile werden in Österreich jährlich rund 1500 Tonnen geerntet. In der Haubengastronomie setzt man Knoblauch meist eher sparsam ein, Oliver Mohl von der „Hausbar Wien“ bringt ihn gerne in verschiedenen Formen auf den Teller.

Ö1 Moment Kulinarium, 15.07.2022, 15.30h (25 Minuten)



Hi, ich bin Jana.
Seit 2009 veröffentliche ich hier wöchentlich Rezepte, Reiseberichte, Restaurantempfehlungen (meistens in Wien), Linktipps und alles, was ich sonst noch spannend finde. Lies mehr über mich und die Zuckerbäckerei auf der About-Seite.

Meine Beiträge für Ö1:
Radio

Meine Sketchnotes:
jasowieso.com

Creative Commons Lizenzvertrag

IMPRESSUM

DATENSCHUTZERKLÄRUNG

Newsletter

Meine Lieblingslinksammlung Zuckersüß wöchentlich direkt in deinem Postfach!

Powered by Buttondown. Ohne Tracking!

Rechtliche Angelegenheiten

Impressum
Datenschutzerklärung
Creative Commons Lizenzvertrag
Alle Bilder und Texte der Zuckerbäckerei sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Wenn du Fragen zur Verwendung meiner Inhalte hast, schreib mir einfach eine E-mail. Danke!

Kategorien

Tags

Archiv

Zuckersüß

Im Zuckersüß sammle ich (fast) jeden Sonntag meine liebsten Links der Woche: Rezepte für die Nachback-Liste, lesenswerte Blogposts, Zeitungsartikel und Longreads, Podcasts oder Musik, die mir gerade gefällt und oft genug auch Internet-Weirdness. Außerdem schreibe ich auf, was ich sonst so interessant fand: neue Rezepte in meiner Küche, Lokale, in denen ich gegessen, Pullover, die ich gestrickt oder Texte, die ich geschrieben habe.