Lavendel-Eis

Mit das Erste, was ich sah, als ich nach einem halben Jahr wieder in der Einfahrt meines Elternhauses stand, war der wuchernde Lavendel daneben. Bevor ich auch nur mein Zeug aus dem Auto geholt hatte, war ich mir schon sicher, dass ich die duftenden Blüten unbedingt zu etwas Süßem verarbeiten müsste.

Abgesehen davon wollte ich auch endlich mal DEM Foodblogtrend des Jahres folgen und einfach ein paar Blüten auf meine Kreationen streuen – nur ohne sie furchtbar teuer aus einer Gärtnerei (oder gibts sowas neuerdings im Supermarkt?) zu besorgen.

Es stellte sich heraus, dass meine Eismaschine gar nicht besonders tief in meinen Umzugskartons vergraben war. Damit waren Kuchen und Pie, in denen der Lavendel nur „Nebendarsteller“ gewesen wäre, schnell ausgeschlossen.

Lavendel-Eis

Das Lavendel-Eis ist kaum schwieriger zu machen als das simpleste Grundrezept und unterscheidet sich auch farblich überhaupt nicht. Der einzige Unterschied: Die Milch wird mit den Lavendelblüten aromatisiert, bevor sie zum Rest der Eismasse gegeben wird.

Übrigens könnte ich mir gut vorstellen, dass die gleiche Methode auch sehr gut mit ähnlichen „Kräutern“ wie Lavendel funktionieren könnte, z.B. Rosmarin. Wenn mir der nächste Rosmarin-Strauch begegnet, werde ich es testen!

Wenn euch nicht so nach Lavendel ist, wie wärs mit diesen „ausgefallenen“ Sorten: Basilikum, Mohn oder Kernöl mit Kürbiskernkaramell.

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Zuckersüß 295

Diese Woche war ich einmal wieder ziemlich viel unterwegs. In Wien bin ich hinauf auf den Kahlenberg und dann auf einen Spritzer zu einem Buschenschank mit recht absurder Dekoration (häufigster Slogan auf den Plakaten dort: „Grinzing Saves the World“?).

Nach einem kurzen Stopp in Niederösterreich (Kuhglocken vor dem Fenster versetzen mich seltsamerweise in sofortige Urlaubsstimmung) verbrachte ich einen Abend in der „Westernstadt Pullman City“. Dort war ich seit meiner Kindheit nicht mehr und diesmal doch sehr überrascht, wie weitläufig und scheinbar erfolgreich ein solcher Freizeitpark im bayerischen Wald sein kann. Das Country-Music-Festival, das dort stattfand, zog viele Tänzerinnen an, die die sandige „Main Street“ zum Line-Dance-Floor machten, was wirklich schön anzuschauen war. Was mich allerdings ziemlich irritiert hat, waren die vielen Konföderierten-Flaggen dort, die in meiner Assoziation vor allem rassistisch sind. Auch die Hotelzimmer-Tipis und alle möglichen „Indianer“-Aktivitäten haben einen leichten Nebengeschmack von kultureller Aneignung…

Sehr wichtig in dieser Woche: Fußball. Frankreich-Belgien sah ich im Wiener WUK, wo gleichzeitig die großartige Ausstellung „tschuttiheftli“ stattfand. Verschiedene Künstler_innen gestalteten pro Vorrunden-Partie ein Plakat mit den beiden Mannschaften, allerdings in komplett unterschiedlichen Illustrationsstilen. Ziemlich coole Aktion, Fußball mit Kunst zu verbinden!

Das Finale Frankreich-Kroatien sah ich in einem anderen Kulturzentrum, das mir wirklich sympathisch erschien: Das Dunaj in Bratislava. Mehr zu meinem Wochenendausflug dorthin hoffentlich auch bald hier im Blog (was würde ich sonst mit den 1000 Fotos tun?).

Bevor ich jetzt noch einen Tag bis zur Veröffentlichung der Sonntagslinksammlung vertrödele, komme ich besser gleich zum Wichtigen – es folgen meine liebsten Links der Woche:

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Kandierte Zitronen

Als ich von Nancy für ein paar Tage zurück ins Haus meiner Familie kam, erschien mir die Küche und auch der Garten rundherum wie das Paradies.  Dort gibt es zwar keine Früchte mehr — sowohl der Johnanisbeerstrauch als auch der Zwetschgenbaum sind seit der letzten Ernte eingegangen — aber sehr viele verschiedene Kräuter und Blumen (deshalb auch bald Lavendel-Eis im Blog!).

Und dann wären da ja auch noch die Gärten rundherum. In dem meiner Tante steht seit ein paar Jahren ein kleines Zitronenbäumchen, das mittlerweile sogar ein paar Früchte abwirft. Drei davon bekam meine Schwester geschenkt, die aber nicht wirklich Verwendung dafür hatte.

Niederbayrische Gartenzitronen

Im Gegensatz dazu freute ich mich sehr über diese Rarität (wer rechnet schon mit niederbayrischen Zitronen im Juni?) und schaute mich sofort auf dem Blog der größten Zitrusliebhaberin um, die mir bekannt ist: Katharina Seiser.

In einem wunderschön bebilderten Post erklärt sie, wie man unbehandelte Zitrusfrüchte in „Juwelen“ verwandelt, was ich dann gleich machte.

Es ist nicht unbedingt eine Aufgabe für zwischendurch, Zitronen zu kandieren und der Aufwand lohnt sich eher, wenn man viele Früchte verarbeitet. Ich hatte nur drei Zitronen, aber viel Zeit (Ferieeeeen!) und ließ mich deshalb nicht davon abbringen.

Zuerst werden die Zitronen ausgepresst (den Saft habe ich meiner Schwester überlassen) und anschließend mehrmals gekocht.

Gekochte Zitronen

Danach muss das Weiße aus dem Inneren weg und die Hälften in kleine Stückchen geschnitten werden. Am besten aber nicht so klein wie meine, sonst fallen sie später durch den Rost.

Gekochte Zitronen

Jetzt kommt der Zucker ins Spiel: Fast eine stundelang baden die Zitronenschalen im teilweise sprudelnden Sirup.

Zitronen in SirupZitronen in Sirup

Wenn sie leicht durchscheinend werden, sind sie fertiggekocht. Mit einem großen Schaumlöffel werden sie herausgefischt und zum Trocknen auf einem Rost drapiert. Dort bleiben sie, bis sie nicht mehr klebrig sind – bei mir war das nach etwas mehr als 24 Stunden.

Trocknende Juwelen

Damit sie noch ein bisschen süßer werden und auch in der Aufbewahrung nicht zusammenpicken, werden sie zuletzt noch in feinem Kristallzucker gewälzt.

Kandierte Zitronen

Nur für eines war ich am Ende zu faul: Die fertigen Juwelen mit Bitterschokolade zu überziehen.

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Zuckersüß 294

Jetzt habe ich ein halbes Jahr durchgehalten und nun tatsächlich einen Sonntag ausgelassen mit den wöchentlichen Linksammlungen. Nicht etwa, weil ich keine Zeit hatte, einen Post zu tippen, was sonst immer den Veröffentlichungsrhythmus gestört hatte, sondern weil ich so wenig wie wohl noch nie im Internet gelesen habe.

Stattdessen habe ich den größten Teil meiner freien Zeit in der Küche meiner Familie verbracht. Einerseits, weil ich das nun endlich konnte und noch dazu auf richtig viele super tolle Zutaten aus dem Garten (letzter Rhabarber, Zitronen, Lavendel, Kräuter) zurückgreifen konnte. Andererseits, weil meine Schwester ihr Abitur verliehen bekam und es deshalb Grund zum Feiern (= sehr gut Essen) gab.

Zu der Gelegenheit dachte ich auch noch einmal an mein eigenes Abi (vor mittlerweile vier Jahren!) zurück und was ich in der endlich schulfreien Zeit bzw. als Prüfungsvorbereitung so alles machte: Studentenfutter-Haferkekse, Classic Chocolate Chip Cookies, Mohn-Marzipan-Plätzerl mit Traubengelee, Brown Butter Banana Bread, Basilikum-Eis und Holunderblüten-Eis.

In den nächsten Tagen werde ich mir noch die Mühe machen und die gefühlt tausend Rezepte, die ich zum Abi-Party-Buffet zusammengestellt habe, in einen Post tippen, damit ich sie nicht vorher wieder vergesse.

Apropos vergessen, ich hätte es beinahe versäumt, rechtzeitig ein Geschenk für meine Schwester zu besorgen. Glücklicherweise gibt es in meiner Heimatstadt aber einen großartigen Buchladen, der in weniger als 24h Bestellungen ausführt. Auf Empfehlung von shutterbean und slanted entschied ich mich für Wasserfarben für Gestalter. Das Buch ist super zum Durchblättern (im Zweifel wirds ein „Coffee Table Book“) und scheint sehr bedacht gemacht zu sein – das genaue Gegenteil von den gefühlt tausenden (und oft sehr billig produzierten) Publikationen, die aktuell versuchen, auf den Lettering-Trend aufzuspringen.

Meine „nicht“ freie Zeit verbrachte ich mit der letzten Seminararbeit für dieses Semester. Es war die erste und einzige auf französisch, die ich nicht in einer Gruppe schrieb und ich mühte mich ziemlich. Umso schöner war der Kommentar meines Studienkollegen-Korrekturlesers, der meinte, dass sich mein Französisch enorm verbessert hätte. Beim offiziellen ERASMUS-OLS-Sprachtest schnitt ich lustigerweise (wesentlich!) schlechter ab als im Januar – so viel zur Repräsentativität von standardisierten Online-Sprachtests…

Dann machte ich auch noch einen kurzen „Ausflug“ nach Wien (endlich wieder da gewesen!). Dort erledigte ich ERASMUS-Papierkram und holte mir zwei unverzichtbare Kugeln (Grießschmarrn und Graumohn) vom Eis-Greissler. Und weil ich ausnahmsweise Termin-Glück hatte, picknickte ich auch mal wieder mit meinen (Ex-)Studienkolleg_innen.

Und nach zwei Wochen habe ich genug spannende Links zusammengetragen:

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Zuckersüß 293

Wie es sich für eine Abschiedswoche gehört, habe ich in den vergangenen Tagen enorm viel unternommen und erledigt (und keine Zeit zum Bloggen gehabt). Bevor ich mein ganzes Geschirr an Freund_innen und das ESN übergeben habe (Rezeptideen für Wohnheimsküchen gibts hier, btw), habe ich noch spontan French Toast gebacken, weil Katharina Seiser ein so schönes French Kipferl getwittert hatte. Gleich anschließend habe ich vorsichtshalber auch noch 20 Pfannkuchen gemacht, um nicht nur auswärts essen zu müssen.

https://twitter.com/jasowies_o/status/1008994070960705536

Nach dem Frankreich-Auftakt habe ich tatsächlich nochmal Fußball geschaut – das erste Deutschlandspiel mit vielen mexikanischen Freund_innen, die sich nach dem Sieg nicht mehr einkriegten, und zwei Kolumbienspiele mit vielen kolumbianischen Freund_innen (einmal traurig, einmal mit viel Jubel). Nachdem ich bestimmt mehrere Jahre lang kein einziges Fußballspiel verfolgt hatte (so. fad.), musste ich feststellen, dass es gar nicht so langweilig ist, mit netten Menschen gemeinsam in einer Kneipe auf eine Leinwand zu schauen. Ich trank zwar Tee dabei und fieberte verhalten bis gar nicht mit, aber so war es mir auch völlig egal, dass Deutschland so schlecht gewesen war.

Im Kino war ich auch noch, denn mein gratis-Ticket, das ich als ERASMUS-Willkommensgeschenk bekommen hatte, wollte ich nicht verfallen lassen. Im Caméo lief neben ein paar aktuellen Filmen, von denen mich keiner recht zusagte auch 2001: A Space Odyssey. Ich wusste praktisch nichts über diesen Film, außer dass er irgendwie wichtig ist. Immerhin wird er ja 50 Jahre nach Erscheinen nochmal gezeigt! So landete ich gemeinsam mit einer lieben Freundin, die mich vorher noch zum Handkäs-Katerfrühstück eingeladen hatte (ich muss auch erst ins Nachbarland, um regionale deutsche Spezialitäten zu probieren?) in der 14-Uhr-OV-Vorstellung. Einmal wieder fiel mir auf, wie viele Leute in Frankreich alleine ins Kino zu gehen scheinen, zumindest im Vergleich zu Bayern/Wien, wo ich kaum Ähnliches beobachtet habe. Noch erstaunlicher fand ich die „Pause“ im Film: Einfach ein paar Minuten graues Bild, aber weiterlaufende Filmmusik und Saalbeleuchtung. Ich bin leider immer noch nicht dazugekommen, etwas über den Film zu lesen – ein bisschen Einordnung könnte ich schon gebrauchen.

Nach so vielen Leinwänden brauchte es auch einmal Abwechslung: Beim Rendez-Vous Place Stanislas wird gleich auf fünf Fassaden gleichzeitig projiziert. Jeden Abend um 22.45h gibt es dort eine bunte Animation auf dem Rathaus, der Oper, dem Kunstmuseum usw. : Kronleuchter werden an und ausgeschaltet, Shilouetten rennen durch die Gänge, ein überdimensionaler Stanislas wünscht einen schönen Abend, die Mauern werden mit Neon-Buntstiften bemalt und am Ende gehen die Illustrationen mit Geschichtsbezug in Discolichter mit Electro-Swing über. Der dreidimensionale Sound dazu hat mich ebenfalls sehr beeindruckt, der Platz ist rundherum mit Lautsprechern bestückt. Solltet ihr vor Mitte September in Nancy vorbeikommen, empfehle ich euch unbedingt, euch dieses Spektakel anzuschauen!

Eine Freundin machte in ihrer Lernpause (es sind immer noch Rattrapages!) mit mir einen Ausflug zum Gelände des Michto-Festivals in Maxeville. Das findet zwar erst wieder im Herbst statt, aber zwei sehr coole Containerkonstruktionen stehen ganzjährig da. Freiwillige hatten an diesen so herumgebastelt, dass die eine jetzt eine geschnitzte und bemalte Holzfassade hat und die andere aussieht wie ein Zirkuszelt.

Die Fête de la Musique am Donnerstag verpasste ich nicht: In Nancy spielten dafür in vielen Bars Live-Bands, manche Leute stellten einfach ein Soundsystem auf die Fensterbretter im ersten Stock und machten die Straße darunter zur Tanzfläche. Leider gab es nirgends einen Zeitplan für den Abend, sodass ich irgendwie immer dann irgendwo ankam, als gerade der letzte Song angestimmt wurde. Außerdem wollte ich dieses Fest zu meiner Abschiedsparty machen, aber *alle* meine Freund_innen in einer Stadt voller Menschen zusammenzuhalten stellte sich als Ding der Unmöglichkeit heraus. Trotzdem, die Fête de la Musique ist eine super Initiative und könnte sich meiner Meinung nach ruhig noch weiter verbreiten.

Zum Umzugswochenende bekam ich freundlicherweise Besuch von meinen Eltern, die mich dann mit dem Auto mit zurücknahmen. Vorher waren wir aber noch in der Gentilhommière (sooo schöne Desserts!) und bei La petite cuillère essen. Beim Excelsior hat sich herausgestellt, dass es von außen (superschöne Ecole de Nancy-Glasscheiben) schöner ist als von innen und nicht unbedingt einen zweiten Besuch wert ist.

Und weil ich jetzt eh schon sagenhafte drei Tage verspätet bin mit diesem Post, erzähle ich nicht noch länger, sondern gehe zu meinen liebsten Links der vergangenen Tage über: Zuckersüß 293 weiterlesen

Nicht Nudeln mit Tomatensauce: #mealplanning für die Wohnheimsküche

Anders als die meisten anderen Bewohner_innen meiner Résidence universitaire (zumindest die, die ich in den vergangenen vier Monaten in der Küche angetroffen habe), ertrage ich es nicht, mich hauptsächlich von Nudeln mit Tomatensauce (aus dem Glas!) zu ernähren. Nun ging ich aber aus Gründen (Vegetarierin mit allerlei Lebensmittelallergien) nicht in die Kantine, wo es vielleicht ein bisschen Abwechslung aus diesem Schema gäbe und wohne außerdem fast zwei Kilometer von nächsten *richtigen* Supermarkt entfernt (völlig überteuerte Fertiggericht-Geschäfte und Tankstellenshops zählen nicht).

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Zuckersüß 292

Meine vorletzte Woche in Nancy war geprägt von Abschieds-Abendessen und -Parties und einigen coolen Konzerten. Schon doof, dass ich erst jetzt darauf komme, wie viele Orte mit Livemusik es in dieser Stadt gibt – und das, obwohl ich sogar Musiker-Freunde habe! Einer davon spielte am Donnerstag Schlagzeug beim allerersten Gig von Chichipato, einer ziemlich fetzigen Cumbia-Band (leider gänzlich ohne Webauftritt). Am Freitag geriet ich in ein Swing-Konzert mit sehr vielen Lindy-Hop-tanzenden Paaren. Trotz Mini-Einführung in der Pause bleibt mir dieser Tanz aber sehr rätselhaft, vielleicht sollte ich mal einen richtigen Kurs besuchen. Und am Samstag brachte mich ein Konzert tatsächlich dazu, ein WM-Match anzuschauen. Ein polnischer Freund (mit FB-Seite!) spielte nämlich vor und nach Frankreich-Australien in einer kleinen Brasserie.

Was mich außerdem sehr begeisterte war mein Mittwoch-Nachmittag. In der Küche einer Freundin (einer richtigen mit Herd und Ofen und Kühlschrank und Gefrierfach und Töpfen und alles!) improvisierte ich ein paar Party-Snacks: Best Cocoa Brownies, einen Käsekuchen, der leider wegen falsch dosiertem Agar Agar statt Gelatine etwas auseinander lief, Käse-Blätterteig-Stangerl und dazu auch noch Basilikum- und Aprikosensirup. Was freue ich mich auf eine richtige Küche (ok, das schreib ich jetzt schon seit ~10 Wochen jeden Sonntag).

Und nun meine liebsten Links der vergangenen Tage:

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#rp18-Rückschau

Weil meine Kommentare zu den diesjährigen re:publica-Talks ein einziges Zuckersüß sprengen würden, schreibe ich einen extra Post drüber – obwohl ich nichtmal „in echt“ dort war (s. auch: re:publica 2016 und rp17-Rückschau). Die Live-Streams konnte ich auch nicht recht verfolgen, weil ich Anfang Mai mit Seminararbeiten und Prüfungsvorbereitung beschäftigt war. Nachdem das Semester hier in Nancy jetzt am Ende ist, kann ich mich wieder verstärkt den spannenden Teilen des Internets widmen. Und ich finde (nach fünf Jahren, in den ich die Konferenz jetzt mehr oder weniger verfolgt habe), die re:publica gehört eindeutig zu den spannenden Teilen des Webs. #rp18-Rückschau weiterlesen

Zuckersüß 291

In der vergangenen Woche bin ich ziemlich viel in Parks herumgesessen (immer auf der Hut vor dem nächsten spontanen Platzregenschauer) und auch ziemlich viel in der Küche gestanden. Je näher die großen Ferien kommen, umso leerer wird nämlich das Wohnheim, sodass ich die Küche fast immer für mich allein habe. Unter meinen Werken (natürlich allesamt in meinen Insta-Stories festgehalten) war Basilikumsirup (für Gin Basil Smash), ein superguter Sommersalat (Gurke, Kichererbsen, Feta, frische Minze, Zitronensaft und Olivenöl), ein nicht-süßer Brot-Obstsalat (Baguette mit Knoblauch und Zitrone in Olivenöl gebraten, Pfirsich mit viel Basilikum angebraten und mit Feta und Zitronensaft serviert), karamellisiertes Pain Perdu (aka Arme Ritter) mit Apfelmus, Zitronenspaghetti, ein alles-was-der-Kühlschrank-hergibt-Dessert (Pfirsich in Basilikumsirup in Zitrone mit karamellisierten gemahlenen Mandeln), Milchreis mit Walnuss-Bananen-Karamell (inspiriert von My Candid Appetite), ein Salatteller mit paniertem Brokkoli, Süßkartoffeln und RaslHanut-Kichererbsen und Shakshuka.

Leider hörte am Mittwoch mein Kühlschrank auf kalt zu sein und sämtliche meiner Versuche (ausstecken/einstecken, den Regler 100x herumdrehen) ihn wieder zum laufen zu bringen, scheiterten. Und das, obwohl ich dank Wikipedia jetzt sogar weiß, wie dieser uralte Absorberkühlschrank funktioniert hat! Der CROUS-Pannenservice versuchte es dann am Freitagmorgen erst gar nicht mit einer Reperatur, sondern stand mit einem nagelneuen Gerät vor meiner Tür. Mein neuer Kompressionskühlschrank ist zwar fast doppelt so groß wie der alte, beleuchtet und hat viel mehr Tür-Stauraum, macht aber dummerweise richtig viel Krach. Gut, dass ich nicht vorhabe, in meinem Zimmer zu podcasten. 

Den Journée de l’Art Nouveau am Sonntag verbrachte ich fast ausschließlich in Museen: Am Vormittag ging ich zur Führung durch die Sonderausstellung im Musée des Beaux-Arts. Dort erzählte eine sehr sympathische Vermittlerin mehr als eineinhalb Stunden (!) lang von Nancys Glasindustrie um 1900. Ich war einmal wieder erstaunt, wie interessant scheinbar langweilige Ausstellungsstücke (eine Glasvase) sein können, wenn man nur eine Geschichte dazu hört oder Informationen zur Herstellung bekommt. Nachdem ich gemeinsam mit gefühlt 50 älteren Leuten (warum interessierten sich nur Menschen jenseits der 60 für Glas aus Nancy?) durch die zweistöckige Ausstellung gelaufen bin, fing ich sie noch einmal von vorne an. Dabei schaute ich mir nicht nur die Teile an, die in der Führung nicht vorgekommen waren, sondern bastelte zusätzlich eine Insta-Story aus den vorgestellten Ausstellungsstücken und allem, was ich mir dazu gemerkt hatte. Damit habe ich jetzt Notizen mit Bild und meine Follower_innen vielleicht Interesse an lothringischer Glasherstellung und -trends zwischen 1890 und 1970. Oder auch nicht. Für mich werden Museen und Ausstellungen als Wissensquelle und Zeitvertreib jedenfalls immer relevanter (s. Drei Museen in Straßburg, Centre Pompidou Metz, Musée Dunkerque 1940 etc).

Am Nachmittag spazierte ich zur Villa Majorelle, die gerade renoviert wird. Für den Kultursonntag wurde sie ausnahmsweise geöffnet und der Besucher_innenandrang war so groß, dass die Schlange bis auf die Straße reichte. Trotz Wartezeit schaffte ich es glücklicherweise rechtzeitig zum Vortrag der Architektin, die mit der Renovierung betraut ist. Sie zeigte Pläne und historische Fotos und erklärte, was bis zur Wiedereröffnung als möglichst originalgetreue Art-Nouveau-Villa noch alles passieren muss. Große Hinweistafeln im Mini-Garten beschrieben zusätzlich das Leben des Bauherrn, die Geschichte des Gebäudes und außerdem den Zusammenhang zur Villa Majorelle in Marrakech, der mich schon die ganze Zeit wurmte: Um die Jahrhundertwende wurde der Möbelbauer/Künstler/Geschäftsmann Louis Majorelle (frz. Wikipedia) in Nancy zum Mitbegründer der École de Nancy, sein Sohn Jacques (frz Wikipedia) im französischen Protektorat Marokko später orientalistischer Maler. In Gueliz, der Ville Nouvelle von Marrakech baute er sich dann seine eigene Villa, die Mitte des letzten Jahrhunderts  von Yves Saint Laurent gekauft wurde und heute ein Museum zur Geschichte der Berber ist. Nachdem das geklärt war, konnte ich beruhigt weiter zum Musée d’École de Nancy spazieren, wo ich mich in den Garten setzte, einer Swing-Band und vielen schön gekleideten Tanzpaaren zuschaute. Ins Museum hinein ging ich nicht, denn bei meinem letzten Besuch hat es sich nicht als besonders interessant herausgestellt (damit sich das ändert, bräuchte es wohl nicht mehr als eine Führung oder einen Audioguide).

Jetzt folgen wie immer meine Lieblingslinks der Woche, diesmal wieder mit besonders viel Lesestoff:

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Eine Reise nach Metz

Reise ist für diesen Tagesausflug wahrscheinlich ein zu großer Begriff. Aber ich war so positiv überrascht von Nancys „Konkurrenzstadt“, dass ich unbedingt darüber schreiben muss.

Gemeinsam mit einer Freundin bin ich kürzlich frühmorgens mit einer Mitfahrgelegenheit nach Metz aufgebrochen. Dort spazierten wir erst einmal relativ planlos umher und begegneten sehr vielen Kunstwerken im öffentlichen Raum.

Coole Skulptur!
Auch die Pflanzen sind skulptural gestutzt und die Straßenlaternen erst!

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Ein zuckersüßes, zuckerbäckereipinkes Foodblog