Frischkäse-Kekse

*Früher* (also so um 2011 herum), als ich noch sehr oft Cupcakes gebacken habe, fragte ich mich immer, was passieren würde, wenn man (übriges) Frischkäsefrosting verbacken würde.

Diese Kekse sind die Antwort darauf – das Rezept von Betty Crocker (US-amerikanischer gehts eigentlich kaum mehr) liest sich wie eines für Frosting, nur dass dann eben noch Mehl und Backpulver dazukommt, sodass ein Teig daraus wird.

Aus reiner Experimentierfreude habe ich einmal Teigkleckse einfach so gebacken und später mit rosa Blutorangen-Zuckerguss überzogen. Den restlichen Teig habe ich zu Kugeln geformt, einfach nur in Mehl gewälzt oder alternativ in Mohn oder gemahlenen Walnüssen.

Meine WG wurde sich nicht einig, welche Version davon nun die beste war – aber dazu ist eine solche Auswahl vielleicht auch ganz praktisch. Mein Favorit waren die Kekse mit gemahlenen Walnüssen, aber allesamt waren sie unglaublich fluffig und nicht besonders süß. Den Zuckerschlecker_innen unter euch würde ich deshalb die Version mit Zuckerguss empfehlen – oder ein paar Esslöffel mehr Zucker im Teig.

Frischkäse-Kekse weiterlesen

Zuckersüss 330

Ich bin wieder in Italien, aber nicht wie das Titelbild (vom Februar) vermuten ließe, in Rom, sondern mittlerweile weiter südlich in Molise. Während meines kurzen Zug-Umstiegs-Zwischenhalts in Rom besuchte ich den super-hipster Mercato Centrale direkt am Bahnhof Termini. Diese Markthalle, die kaum Rohzutaten sondern hauptsächlich Snacks beinhaltet, scheint ziemlich auf Insta-Foodies ausgerichtet und hauptsächlich von Tourist_innen frequentiert. Ich holte mir zweierlei Arancini (Norma mit Melanzani, Tomate und Mozarella und Siciliana, das zusätzlich auch noch Mandeln enthält) und setzte mich in den Park der Casa dell’Architettura ein paar Blocks weiter. Unbedingte Empfehlung für alle, die mal am Hauptbahnhof Rom etwas Zeit totschlagen müssen und sich ausruhen wollen.

Mit gutem Essen ging es an meinem Reiseziel gleich weiter: Einen halben Bund Barba di Frate / Mönchsbart (s. a. der super Blogpost von Keine Rezepte zu diesem Gemüse) habe ich mit zitronigen Spaghetti zubereitet (fast wie das Rezept von la mia cucina, das ich unten verlinkt habe!) und später blanchiert zu Burrata und geschmorten Tomaten serviert (etwa so, wie mir das Gemüse erstmals im Le Réciproque in Paris begegnet ist).

Für ein Indoor-Picknick (schlechtwetter sei Dank) habe ich außerdem einen Striezel gebacken (im Wesentlichen nach diesem Rezept), schon wieder den Lemony Whipped Feta With Charred Scallions der NYT gemacht und außerdem eine Menge Grissini (mehr oder weniger nach dem Rezept für Brioche-Stangerl + Parmesan).

Und dann habe ich noch gemeinsam mit ein paar Erasmus-Studis Ostereier gefärbt. Statt künstlicher Farben nahmen wir Kurkuma, Blaukraut und rote Bete, die auf den braunen Eiern (weiße ließen sich leider nicht auftreiben) nicht so gut hielten, wie bei meinem ersten Naturfärbe-Experiment 2015. Die Verzierungen mit Gummiringerln funktionierten aber sehr gut:

Hier folgen nun endlich meine liebsten Links der letzten Tage:

Rezepte

Spaghetti. Barba di Frate. Filetti di Pesce Persico agli Agrumi. – lamiacucina
Die fancy Version meines ersten selbstgekochten Barba di Frate / Mönchsbart.

Thunfisch in Sesamkruste auf Glasnudel-Gurken-Salat – Verenas Welt
Thunfischsteaks machen mir ein schlechtes Umweltgewissen, aber wie gut sieht das denn bitte aus?!

How to Make Sicilian Pasta With Sardines, or Pasta Con le Sarde – Serious Eats
Ich muss mal nach Sizilien.

There are many variations of pasta con le sarde, but they all consist of an unlikely combination of sweet and savory flavors: sweet sautéed onions, aromatic fennel and saffron, plump raisins, toasted pine nuts, salty anchovies, and oily chunks of fresh sardines. Plus pasta, of course (often bucatini, but spaghetti is a great choice, too). The pasta, sardines, fennel, and anchovies are all typical Italian ingredients, and the inclusion of raisins and saffron and pine nuts is a textbook example of Arabic culinary influence.

Texte

«Wir bekommen Twitter-Gehirne» – NZZ Folio (via DasFilter)
Dem „drüberhuschen“ beim digital-Lesen versuche ich mit diesen Sonntags-Linklisten zu begegnen. Sehr interessantes Interview mit der Neurowissenschaftlerin Maryanne Wolf von der UCLA.

Ich unterscheide zwischen zwei Arten des Lesens: dem oberflächlichen digitalen Lesen, bei dem es vor allem darum geht, möglichst schnell viele Informationen zu verarbeiten. Und dem zeitaufwendigen «tiefen» Lesen, bei dem ein kognitives Räderwerk aus Aufmerksamkeit, Gedächtnis sowie visuellen, auditorischen und sprachlichen Prozessen in Gang gesetzt wird. Beim digitalen Lesen verändern sich nicht nur die Augenbewegungen: Wir lesen den Anfang, huschen im Zickzack über den Mittelteil und lesen dann wieder den Schluss. Das digitale Lesen ist auf Geschwindigkeit geeicht.

A Blizzard of Prescriptions – London Review of Books
Nach diesem Longread kann eins nur noch den Kopf schütteln, wie verantwortungslos die USA in die aktuelle Opioidepidemie geschubst wurden…

the history of OxyContin, a so-called blockbuster drug whose lamentable success was owed to a confluence of factors particular to the US. They include, but are not limited to: the country’s dysfunctional privatised healthcare system, which makes it possible for addicts to accumulate doctors willing to prescribe painkillers in a way they can’t in the UK; a corrupt regulatory agency beholden to the industry it was tasked with regulating; a punitive legal paradigm that criminalises drug users instead of helping them; an abstinence-only approach to treating drug addiction that impedes evidence-based medication-assisted treatment; corporate greed; a political class that takes marching orders from the lobbyists of said corporations; entrenched poverty, joblessness and hopelessness; and a general epistemological failure when it comes to ideas about what ‘drugs’ are, which psychoactive chemicals are safe and which are dangerous, and what a drug dealer is supposed to look like. These factors converged in such a way as to unleash hundreds of millions of potent pills out into the world in the late 1990s and 2000s, which in turn prepared a consumer market for heroin.

Twenty First Century Victorians – Jacobin Mag (via @SarahTaber_bww)
Früher: Spaziergänge im Park in Sonntagskleidung und disziplinierte Bildung, heute: Fitness-Darbietung in schnittigen Leggings und übertriebener Fokus auf die *richtige* Ernährung.

For example, listening to music became an educational — rather than entertaining — experience. The eighteenth century’s classical chamber music functioned as a pleasant soundtrack for aristocratic soirees. At concert halls, the nobility would canoodle in their boxes, only half paying attention to the performers. But when the rising capitalist class attended concerts, they did not gab away in a convivial fashion: they sat still and demanded silence, in order to concentrate on the music. German Victorians coined the term Sitzfleisch — sitting flesh — to describe the muscle control required for sitting absolutely still during a concert performance. Even coughs and sneezes had to be stifled, lest they break anyone’s concentration and derail self-improvement.

Against Chill: Apathetic Music to Make Spreadsheets To – The New Yorker
Guter Kontrast zum obigen Artikel…

Although I recognize the utility of listening to non-distracting study music, I nonetheless find it disheartening to see art being reconfigured, over and over again, as a tool for productivity—and then, when the work is finally done, as a tool for coming down from the work. It’s especially disconcerting to see the practice of active listening (which can be a creative act as well as a wildly pleasurable one) denigrated, dismissed, or ignored. Background music is hardly a new development, but, previously, these sorts of experiences were mostly relegated to elevators and waiting rooms; now the groundless consumption of music has become omnipresent. 

The Religion of Workism Is Making Americans Miserable – The Atlantic
Arbeit als einziger Lebensinhalt:

In the past century, the American conception of work has shifted from jobs to careers to callings—from necessity to status to meaning. In an agrarian or early-manufacturing economy, where tens of millions of people perform similar routinized tasks, there are no delusions about the higher purpose of, say, planting corn or screwing bolts: It’s just a job.

Alt-texts: The Ultimate Guide – Axess Lab (via @anit0r)
Wie man einen guten Bild-Alternativtext schreibt, sodass er Screenreader-Nutzer_innen auch weiterhilft.

Well frankly, you can also get the necessary information from the image at a glance, and that’s what we’re trying to achieve for users with screen readers as well. Give the necessary information in the alt-text, but make it as short and concise as possible.

Lehrer: „Guten Morgen, Herr Harbsmeyer“ – ZEIT ONLINE
Aushilfslehrersein klingt furchtbar.

An der Stadtteilschule darf ich nämlich gar nichts vorbereiten. Erst am Morgen lese ich in einer App, was der Arbeitstag bringt. Ich habe keine Ahnung vom Matheunterricht der 7b oder vom Religionskurs der Klassen 5a und b in der 6. Stunde. Keine Ahnung, was ihr Thema ist, keine Ahnung, wer die Kids sind und wie die so drauf sind. Keine Ahnung, wo der Raum ist. Keine Ahnung, was zu tun ist, falls die erkrankten Lehrer mir keine Materialien hinterlassen haben. Was bisher immer der Fall war. Was kann ich machen, wenn ich keine Ahnung habe? Hausaufgaben machen lassen, Referate vorbereiten?

A Genealogy of Blue – kottke.org
Der französische Historiker Michel Pastereau hat ein Buch über die Kulturgeschichte der Farbe Blau geschrieben. Klingt interessant!

Blue’s fortunes changed in the Middle Ages when it became associated with both the heavens and heaven, and particularly an association with the Virgin Mary. French royalty adopted blue as their official color; and in modernity, the introduction of indigo from the Americas and the invention of Prussian blue in the early 18th century helped cement blue (along with white and red) as part of a tripartite color scheme that gave us the flags of Great Britain, the United States, and France.

Wie ich einmal fast eine Reportage schrieb – journalist – das Medienmagazin
Ein Werkstattbericht:

Vor zwei Jahren scheiterte ich an einem Text für das Geo Magazin. Nein, hier muss ich präziser sein: Ich scheiterte an der Geschichte. Der Text erschien trotzdem (Vom Dunkel ins Licht, Geo, 12/2017), nur in anderer Form. Ursprünglich sollte ich eine Reportage über ein blindes Kind schreiben, das nach einer Operation sehen lernt. So sollte ich, Pars pro toto, die Arbeit der Hilfsorganisation Project Prakash beleuchten, deren Mission es ist, Kinder aus armen Familien in Nordindien vom grauen Star zu befreien. Aus der Geschichte über ein gewendetes Schicksal wurde ein Feature über die Hilfsorganisation und ihre Grundlagenforschung zur visuellen Wahrnehmung. Ich hatte viel erlebt, viel zu viel notiert, und doch ließ sich daraus keine dichte Reportage machen.

Kein Anlass zur Aufregung. – READ ON MY DEAR, READ ON.
Die Normalisierung sexueller Belästigung führt zu sowas:

Auf die Idee eine Anzeige aufzugeben oder gar die Polizei zu rufen, war ich nicht gekommen, denn war denn in Wirklichkeit überhaupt etwas geschehen und war das Geschehene nicht dann doch auch fast lächerlich zu nennen? Kein Anlass zur Aufregung, so viel stand fest.Ich schwieg also lieber und überhaupt arbeitete ich viel in diesem Sommer, der kein Sommer mehr war.

Audio/Video

Podcast #91 – Fake News Blues – Bruttofilmlandsprodukt
Hari List und Birgit Jetschko zerlegen den „Podcast“ von Ö1/FM4/Filmakademie Wien.

Phone Tones – Twenty Thousand Hertz
Die Geschichte der Telefontöne.

Sonst So

City of Vienna – Saffron Brand Consultants (via @i_am_fabs)
Wien hat eine neue visuelle Identität bekommen.

TONIC – Postmoderne in der Steppe
Fotostrecke brutalistischer Bauten in Kazachstan.

Busy Doing Nothing – The Baffler
Megan Marz stellt zwei Bücher vor, die sich mit dem Nichtstun abseits der Digital-Detox- und Produktivitäts-Ratgeber beschäftigen: Melissa Gregg’s Counterproductive: Time Management in the Knowledge Economy und Jenny Odell’s How to Do Nothing: Resisting the Attention Economy.

Foto

Blick aufs Kolosseum

Backkatalog

Polenta Cornbread

Wieder mal eines dieser Rezepte, das ich im Internet gesehen und *sofort* beschlossen habe, es auszuprobieren. Problem hier: Buttermilch gehört nicht zu den Zutaten, die ich immer im Vorrat habe (in den USA scheint sie dagegen grundsätzlich pantry staple zu sein). Ich musste also tatsächlich den nächsten Vormittag abwarten, um mir die nötigen Zutaten kaufen zu können.

Mit Buttermilch zur Hand ist das das schnellste und einfachste Rezept, das ich seit langem umgesetzt habe – einfach alles in einer Schüssel zusammenrühren, in eine Form schütten und 20 Minuten backen.

Heraus kommt ein Gebäck, dass sich sehr schwer zuordnen lässt. Das Cornbread ist nur sehr wenig süß, mit sehr leichtem Zitronenaroma und fluffig-körniger Konsistenz. Es passt genauso gut als Beilage zu einem Eintopf wie zu Butter, Honig und Marmelade. Und am besten schmeckt es eindeutig noch warm aus dem Ofen oder kurz aufgetoastet.

Polenta Cornbread weiterlesen

Zuckersüß 329

In dieser Woche habe ich Shutterbean’s Polenta Cornbread ausprobiert und die übrige Buttermilch zu Buttermilk Ice Cream nach Stella Parks verarbeitet. Außerdem habe ich endlich mal wieder eine Tajine gemacht und dazu unumgängliches Tafaya. Der Lemony Whipped Feta With Charred Scallions der NYT Cooking, den ich auf Instagram entdeckt hatte, stellte sich außerdem als super Dip heraus.

Apropos Tajine: Obwohl ich 2014/15 mehr als ein Jahr in Marokko verbracht habe, habe ich offensichtlich kein einziges Mal eine Tajine verbloggt. In „Neues aus Marokko“ habe ich zumindest über Tafaya, die Schmorzwiebeln mit braunem Zucker, Rosinen und Zimt geschrieben, die ich wirklich viel öfters und zu allem machen sollte.

Mir fiel außerdem auf, dass es jetzt ein Jahr her ist, dass der Campus meiner Erasmus-Uni in Nancy besetzt wurde und ich darüber einen aufwendigen Radiobeitrag produziert habe, den es hier zur Gänze gibt.

Genug Rezeptlinks im Einführungstext, hier kommen meine liebsten Links der vergangenen Tage:

Rezepte

Bärlauchkapern – HighFoodality
Spannend!

Persian Herb and Chicpea Stew With Rice – Half Baked Harvest
Klingt lecker.

Texte

Why „Doing Nothing“ Is the Best Self-Care for the Internet Era – GQ (via Pro2koll)
Ich bin sehr, sehr schlecht im Nixtun.

In her [Jenny Odell’s] eyes, there are two primary culprits responsible for our modern malaise: social media and the cult of productivity. The former robs us of attention, foments hysteria and anxiety, and collapses context („keeping us trapped in a fearful present“). The latter dictates that any surplus time we do have be used „productively,“ driven towards some end goal or task.

Meet Amanda Cox, Who Brings Life to Data on Our Pages – NY Times
Die NYT hat eine eigene Datenvisualisierungsredakteurin!

“I think data journalism is successful when you don’t need the adjective,” Ms. Cox told the podcast “Data Stories” in 2015, “when it’s indistinguishable from journalism journalism.”
And data visualization — how best to present it with tools like charts, graphs and interactives — is not a new challenge, but one that news organizations have taken on more seriously as they make greater use of data.

The New Social Network That Isn’t New at All – NY Times (via Julian Schmidli’s Mailing List)
Plötzlich überall Newsletter!

For me, a guy writing dispatches from home in his pajamas, email offers a more personal connection between writer and audience. Since beginning The Dump, I’ve traded emails with people who might have followed me on Twitter but felt more comfortable talking with me one on one.

Wie aus einem syrischen Fernsehstar eine Berliner Spitzenköchin wurde – bento
Dieser Text ist so unglaublich bento-ig (wieso so viel Fettgedrucktes, warum so clickbait-y?) geschrieben, dass es mich sehr nervt. Aber die Geschichte ist interessant:

Mit ihrer Familie muss sie nach Jordanien fliehen, landet im Flüchtlingscamp Zaatari. Als Gäste für eine Fernsehshow über das Camp gesucht werden, meldet sich Malakeh. „Da meinte der Produzent zu mir: Du bist fotogen und schlagfertig. Du brauchst eine eigene Show.“
Er engagiert Malakeh für ein Koch-Talk-Format. Malakeh soll eigentlich einen Koch an die Seite gestellt bekommen, aber das Budget des kleinen Senders ist knapp. „Ich sagte, dass ich auch ganz gut essen zubereiten kann und schon hatte ich beide Jobs.“

Der Mann jagte, die Frau hütete Kinder? Basler Archäologin räumt mit Uralt-Klischees auf – Watson.ch
Oh hi Patriarchat…

Das Bild von den altsteinzeitlichen Männern, die die Kunst erfunden haben, bekommt Risse, weil man an Handabdrücken sehen kann, dass auch Frauen ihre Hände auf den Höhlenwänden verewigt haben. Ebenso Kinder. Wir müssen davon ausgehen, dass Männer, Frauen und Kinder vermutlich gemeinsam in Höhlen rituelle Praktiken durchführten. Nicht zuletzt deshalb ist zu hinterfragen, weshalb die figürlichen Darstellungen ausschliesslich von Männern stammen sollten. Dafür gibt es keinen Beweis – und auch keinen Grund. Was für Männer selbstverständlich und ohne wissenschaftliche Grundlage gesetzt wird, braucht für Frauen umgekehrt eine hieb- und stichfeste wissenschaftliche Beweisführung – etwa, dass sie auch einen Beitrag zur Ernährung, zur Kunst oder zu Innovationen geleistet haben.

Sommeliers – Kellner für Geschmacksbehinterte? – Quark und so (via @fettessen)
Warum ein Sommelier kein unnötiger Luxus ist:

Ein Normal-Esser, der sich von seinem Durchschnittsgehalt vielleicht einmal im Jahr den Gang ins Sternerestaurant leistet, will auskosten, was Küche und Keller hergeben. Er will das optimale Geschmackserlebnis und seinen Horizont erweitern. Das geht in der Dorfkneipe in aller Regel nicht.
Der Wirt will, dass der Gast zufrieden ist und vor allen Dingen wieder kommt. Doch wenn der Gast zu seinem Sterneessen auch selbst den Wein aussucht und das obere Regal anvisiert – ist ja nur einmal im Jahr – kann er sich gewaltig vergreifen.
Lässt er einen repräsentativen Chateau Lafite zur Seezunge entkorken, geht das schlecht aus, und zwar für alle Beteiligten: den Gast, den Wirt, den Wein und die Seezunge. Daran hat niemand Interesse.


Video/Audio

Jugendstil Podcast
Kürzlich entdeckt, cooles Podcastprojekt mit jungen politischen Gäst_innen in Wien.

xanny – Billie Eilish
Erst durch den Hype ist diese großartige Sängerin in meine Wahrnehmung geraten.

Sonst So

Friedrich von Borries. Politics of Design, Design of Politics – Pinakothek der Moderne
Diese Ausstellung (noch bis 29.9.) würde ich gerne anschauen. Müsst halt in München vorbeikommen..

Foto

Eine sommerlich gelb gestrichene Gasse in Rom.

Backkatalog

Hamantaschen mit Frischkäse und Heidelbeergelee

Von Hamantaschen, einem traditionellen Gebäck zum jüdischen Purimfest, las ich vermutlich zum ersten Mal bei Molly Yeh. In echt gesehen oder probiert hatte ich bis dahin noch nie welche. Zufälligerweise war Mitte März Purim und so machte ich einfach selber welche.

Im Teig ist nicht etwa Butter oder Margarine, wie meistens in Teigen, die ausgerollt werden, sondern Öl. Dadurch bekommen die fertigen Hamantaschen trotz ihrer eindeutigen Keks-Eigenschaften (klein, knusprig, mit Marmelade gefüllt) einen „kuchigen“ Charakter, den ich sehr spannend finde. Diese hier – nach einem Rezept von Molly Yeh – sind außerdem mit Frischkäse gefüllt, was einen stark an Käsekuchen denken lässt.

Natürlich wollte ich am Ende auch wissen, wieso Hamantaschen so dreieckig geformt sind und was es mit dem recht deutsch/jiddisch klingenden Namen auf sich hat. Das Time Magazine bot Antwort:

Sometime in the 18th or 19th century in Germany and Eastern Europe, a triangular pastry pocket filled with poppy seeds often called Mohntaschen — mohn meaning meaning poppy seed, and tasch meaning pocket — came onto the scene. The word became a pun around Purim: oznei Haman plus mohntaschen created hamantaschen.

A Real Purim Story: How Hamantaschen Cookies Got Their Name – Time.com

Haman ist übrigens ein Bösewicht im alten Testament (und oznei sind seine Ohren auf hebräisch), der von einer mutigen Frau besiegt wurde:

“King Ahasuerus loved to have parties and he had this giant event where he asked his wife Vashti to dance for him,” she says. “But Vashti refused, so he sent her away to be executed and held a beauty pageant to find another wife, which is how we got to Queen Esther.” In the story, Esther, whose cousin Mordechai was a leader in their Jewish community, kept her religion to herself until Haman, one of the king’s advisers, hatched a plan to exterminate the Jews. By speaking up, Esther saved her people—and in the end Haman was the one executed on the gallows he had hoped to use to hang Mordechai.

The Feminist History of the Jewish Holiday of Purim – Time.com

Weihnachtsplätzchen schmecken auch im Sommer, Ramadansüßigkeiten (Speckia <3) könnte ich ganzjährig essen und seit neuestem kann ich das auch für jüdisches Festtagsgebäck bestätigen. Backt euch doch auch welches!

Hamantaschen mit Frischkäse und Heidelbeergelee weiterlesen

Zuckersüß 328

Diese Woche lief endlich wieder besser, ich kann wieder beißen und habe deshalb gleich mehrmals gebacken: Frischkäse-Cookies (bald im Blog) und Best Cocoa Brownies aus dem Archiv. Gerade-noch-Winter-mäßig habe ich Chicorée gratiniert und frühlingshaftig erstmals Spargel (mit selbstgemachter Hollandaise!) gekocht. Im AAKH stolperte ich in einen sizilianischen Foodtruck, bei dem ich mir ein Arancino alla Norma (mit Melanzani und Tomate gefüllt) holte, das fast so gut war, wie die in Napoli. Und wieder auf der frühlingshafteren Seite: Bei Gefrorenes kaufte ich mir eine Kugel Birnen-Sorbet mit Schokolade, das so gut ist, dass ich es endlich mal nachbauen muss! Ebenfalls sehr gut: Der „Bouquet de la mer“ (Cognac, Kokosmilch, Lavendel, Kaffee, Port und Dry Curacao) im BirdYard. Die Einrichtung dieser Bar beeindruckt mich immer wieder und auch das auf die Cocktails abgestimmte Geschirr!

Außerdem habe ich für mein kleines Sketchnote-Business einen Insta-Account angelegt, @jasowies_o, folgt mir doch alle mal! Am Donnerstag habe ich dann auch gleich wieder gesketchnotet (nur aus Spaß, nicht im Auftrag), weil diese Woche der FemKongress der ÖH Uni Wien stattfand.

„Sexismus im Netz. #metoo, shitstorm und staatliches Versagen“ auf dem FemKongress der ÖH Uni Wien

Meine feministische Heldin Anne Wizorek (ihr #aufschrei-Buch gehört nach wie vor zu einem meiner Favoriten zum Thema) eröffnete die Konferenz und diskutierte danach auch beim überaus interessanten Panel mit Caroline Kerschbaum, Sigi Maurer, Maria Sagmeister und Tanja Malle zu Sexismus im Netz mit. Und kaum hatte ich das Sketchnote auf Twitter gepostet, kam auch schon der erste Masku-Troll-Kommentar…

Aber eindeutig das Beste an dieser Woche: Ich habe die finale Version meiner BA-Arbeit abgegeben! Texte zu Complementizer Agreement lasse ich deshalb jetzt erstmal links liegen und widme mich den Weiten den Blogosphäre. Meine liebsten Links der Woche:

Zuckersüß 328 weiterlesen

Orangen-Brandteigkrapferl

Nach einem Zitronen-Käsekuchen mit Blutorangensauce und in Orangenblütenwasser-Sirup getränktes Namoura gehts weiter mit den Zitrusfrüchten.

Ich bin nämlich immer noch im Süditalien-Winter-Fieber und so entstanden diese Brandteigkrapferl. Oder Windbeutel, oder bignè, oder choux – je nach sprachlicher Verortung…

Der Teig selbst ist ganz gewöhnlich, übernommen aus dem wunderschönen Buch „Eclairs“ von Marianne Magnier-Moreno und war bereits mehrmals im Blog: Vanille-Eclairs, Windbeutel und Brandteigkrapferl mit Süßholzcreme.

Gefüllt sind die Brandteigkrapferl mit geschlagener Sahne, die mit ein paar Tropfen Orangenblütenwasser aromatisiert und gespickt mit selbstgemachten kandierten Orangenschalen ist.

Orangen-Brandteigkrapferl weiterlesen

Zuckersüß 327

Immer noch Pech, immer noch Zahnweh in dieser Woche. Von beidem so viel, dass ich nicht zur besten aller Podcastkonferenzen, der #subscribe10 beim DLF in Köln fahren habe können. Und das, obwohl eigentlich ein Sketchnotes-Workshop von mir im Programm stand… Gezwungenermaßen sah ich also nur im Stream zu und sketchnotete recht viel, s. Twitter. Einen ausführlichen Rückblickspost gibts später drüben bei Lieblings-Plätzchen.

Für Menschen, die mich als Sketchnoterin für ihre Veranstaltung beauftragen wollen hab ich mir zu der Gelegenheit auch noch eine klitzekleine Landingpage gebastelt. Sehr spartanisch und nur aus einer einzigen html-Datei, aber „responsive“ sollte sie schon sein: jasowieso.com

Hier folgen meine Links der letzten Tage:

Rezepte

Polenta Cornbread – Shutterbean
„Echtes“ Cornbread habe ich nie probiert, das hier werd ich bald mal ausprobieren.

Shaved Cucumber Lemon Herb Labneh Toast – ful-filled
Auf Insta entdeckt, sieht nach super Frühlings-Brotzeit aus.

Sourdough Crackers with Olive Oil & Herbs – Love and Olive Oil
Für das nächste Mal, wenn zu fütternder Sauerteig im Haus ist.

März-Must-have: Mönchsbart aka barba di frate – Keine Rezepte
Der Name des Blogs bedeutet eigentlich schon, dass der Link nicht in diese Zuckersüß-Rubrik passt. Aber spannende Zutaten dürfen nicht in den „Texten“ untergehen! Mönchsbart ist (wie Mispeln) wiedermal etwas, dass ich in fremdsprachiger Umgebung, genauer gesagt im Le Réciproque in Paris, probiert habe, ohne jemals den deutschen Namen kennengelernt zu haben. Im Blogpost damals schrieb ich von „Seegras“, das nicht spinatig war… Jetzt habe ich große Lust, auf einen der beschriebenen Wiener Märkte zu gehen und mir Mönchsbart zu kaufen.

Von Weitem sieht er ein bisschen aus wie Schnittlauch, Mönchsbart schmeckt aber ganz anders: mild und ganz leicht salzig. Er ist frisch und knackig, darum würde ich auch raten ihn wenn überhaupt nur ganz kurz zu garen. Optisch trägt er auch einiges zu spannenden Frühlingsgerichten bei und zwar ohne großen Aufwand.

Texte

Die Sache mit dem geistigen Eigentum – Leena Simon
Ein paar Überlegungen zum Begriff:

Solange ich eine Idee mit keinem Menschen geteilt habe darf ich sie als mein „geistiges Eigentum“ bezeichnen. Doch sobald ich jemandem davon erzähle, gebe ich dieses Eigentum auf. Die Idee und ihre Mutationen existieren dann auch in einem anderen Kopf. Ich kann sie nicht mehr zerstören (eine der wichtigsten Definitionen von stofflichen Eigentum), und ich habe keine Kontrolle mehr darüber.

Warum die Urheberechtsdebatte schon jetzt ein Fortschritt ist – Dirk von Gehlen
tl;dr: sie macht u.a. EU-Politik so richtig greifbar.

Im Sinne des guten alten Spruchs „Ihr werdet Euch noch wünschen wir seien politiverdrossen“ würde ich im Gegenteil behaupten: Die Debatte ums Urheberrecht hat (gemeinsam mit der Klima-Debatte) einen junge Wählerschaft auf eine Weise politisiert, die man am 26. Mai spüren wird. Dann nämlich wird ein neues europäisches Parlament gewählt!

EU citizens being tracked on sensitive government sites – Financial Times
Eine dieser eigentlich unsäglichen Meldungen, die schon gar nicht mehr überraschen…

Nearly three-quarters of the 15 pages scanned on the Irish health service website contained ad trackers, while 21 different companies were monitoring a single French government webpage about abortion services. Sixty-three trackers monitored a single German webpage about maternity leave. Google DoubleClick trackers were found on health pages providing information on HIV symptoms, schizophrenia and alcoholism.

Neorassismus: Nennen wir es doch Wurzelmanie! – SPIEGEL ONLINE
Ferda Ataman über den Opernball und Rassismus in Österreich und Deutschland.

In Österreich ist es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch völlig in Ordnung, mit der Kamera aus dem Dekolleté einer Frau rauszuzoomen. Dazu ein schmunzelnder Moderator aus dem Off: „Frau Soundso, großzügig dekolletiert.“ Schwenkt das Aufnahmegerät auf die Debütantinnen und hat eine davon eine dunkle Haut, fällt schon mal der Kommentar: „Exotisch geht’s heuer wieder zu“.Vor ein paar Tagen war es wieder soweit. Ein Musiker wird interviewt und sagt: „Ich bin Steierer durch und durch. Original. Bis in den letzten Blutstropfen“. Ich verschlucke mich fast an meinem Bissen, aber die Moderatoren reden einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Normaler Smalltalk in Österreich.

Geschlechtergerechtigkeit: Das Leben keiner Feministin – ZEIT ONLINE
Mehr Solidarität unter Frauen!

Aber Lisa wurde älter (keine gute Idee), sie wurde Mutter (mindestens genauso dumm). Sie stellte fest, dass ihre Wirksamkeit als junge, attraktive Frau im Team nachließ und dass immer eine neue junge, hoffentlich attraktive Frau auf sie folgte, die Lisa dann dafür verurteilte, dass sie jung und attraktiv war, während die jüngere, hoffentlich attraktive Frau Lisa ihrerseits dafür verurteilte, verbittert zu sein. Während die Teambereicherungen (die Frauen) – aus nachvollziehbaren Gründen übrigens – damit befasst waren, frauenfeindliche Klischees gegeneinander in Stellung zu bringen, stellte Lisa mit der Zeit außerdem fest, dass sie und all jene hoffentlich jungen, attraktiven Frauen es irgendwie nur selten schafften, in machtvolle Positionen zu kommen. Sie alle durften für einen kurzen Moment strahlen, und dann verschwanden sie wieder (Mutterschaft, Burn-out, Umzug wegen Karriere des Mannes), oder sie blieben irgendwo auf mittleren Ebenen stecken

Feministische Kolumne „Mansplaining“ – Süddeutsche.de
Zum Christchurch-Attentat:

Selbst als Terroristen sind weiße Männer „privilegiert“. Sie werden meist als Einzeltäter wahrgenommen und nicht als Teil einer Bewegung. Ein Islamist wird eher zum Stellvertreter der gesamten muslimischen Gemeinschaft. Ein weißer Nationalist erscheint immer noch eher als Einzelfigur und -schicksal.

Wikipedia-Autorinnen erzählen, wie Männer ihre Arbeit sabotieren – VICE
Ein sehr vice-iger Artikel, aber spannendes Thema!

Wenn Männer bestimmen, was sinnvoll ist, was Relevanz hat, dann tauchen Frauenthemen eben nicht auf. Männer sind eben anders sozialisiert und merken das gar nicht, wenn sie nur unter sich sind. Sachen, die für Frauen wichtig sind, fallen bei ihnen schnell mal unten durch. Das hat sich ja auch daran gezeigt, dass die Laserphysikerin Donna Strickland erst dann einen Artikel bekommen hat, als sie den Nobelpreis gewonnen hat. Als wäre sie vorher nicht wichtig genug gewesen. Aber ich brauchen diese Vorbilder und Rolemodels. Ich kann nicht so richtig verstehen, warum Männer eine Welt bauen, in der Frauen nicht auftauchen.

Flüchtlinge: Royas neue Kleider – ZEIT ONLINE
Ein Text von letztem Jahr, nach wie vor deprimierend.

Kommt der mit zum Sport?“, fragt er. Das Mädchen mit dem blonden Zopf antwortet: „Ey, das ist ein Mädchen!“Der Junge tippt sich an die Stirn. „Der ist ein Junge, das sieht man doch!“Das Mädchen schüttelt den Kopf: „Die kommt aus einem Land, da denken die Eltern, dass es schlecht ist, wenn man ein Mädchen ist, deshalb zieht sie sich wie ein Junge an.“Roya kramt in ihrem Schulranzen. Ihr Deutsch ist gut genug, um alles zu verstehen. Aber sie tut so, als höre sie die beiden gar nicht.

The Perfect Irony That ‘The Wolf of Wall Street’ Film Was Also a Real-Life Scam – MEL Magazine
Ein Typ bereichert sich am malayischen Volk und finanziert damit einen Hollywoodfilm über einen Finanzbetrüger.

To give you a sense of what kind of cash Low was regularly dropping: “Between October 2009 and June 2010 — a period of only eight months — Low and his entourage spent $85 million on alcohol, gambling in Vegas, private jets, renting super yachts and to pay Playmates and Hollywood celebrities to hang out with them.”
Smooth. The people of Malaysia were paying a shit ton of money for Low to live his Paris Hilton dream.

Die Unentspannung – enjoying the postapocalypse
Joël hat sich vorgenommen, 2019 jeden einzelnen Tag zu bloggen.

Und andererseits stresst es mich, weil ich jeden Tag beim Heimgehen denke „Ah, Feierabend! Oh nein, ich muss noch bloggen!“, als könnte ein Mensch nicht entspannen, nur weil noch eine Aufgabe vor ihm liegt. Aber ich kann ja auch nicht entspannen, wenn ich absolut nichts tue, ich bin eine einzige Verspannung, irgendwann mein Körper sich zusammenziehen und ich werde zu einer Art menschlichen Diamant werden, der schreckliche Laserstrahlen schießt und über den Planeten herrscht (oder so).

Audio/Video

Mario Barth vs. die Anstalt – Kobuk (via Netzpolitik.org)
Cooler Zusammenschnitt zweier Comedysendungen – eine populistisch, die andere realistisch – zum Thema Feinstaubgrenzwerte. Wegen Uploadfiltern bei YouTube nur bei Facebook…

Sonst so

DÖW – Vienna Memento Wien
Ehemalige Wohnorte deportierter Wiener_innen jüdischer Abstammung.

How to identify lead paint – Curbed
Könnte eigentlich unter „Texte“ stehen, landet aber wegen der großartigen Illustrationen – in einer Online-Geschichte, nicht im Printmagazin! – bei „Sonst so“.

Foto

Schon wieder Fliesenboden, diesmal im Hauptgebäude der Uni Wien.

Backkatalog

Namoura

Vor einiger Zeit war ich in einem libanesischen Restaurant und freute mich vor allem auf die Nachspeisen. Nach einer Vorspeisenplatte und Okraschoten mit Reis konnte ich aber fast nix mehr essen und statt einer ganzen Dessertauswahl entschied ich mich für ein einzelnes: Namoura.

Drei Props von drei Marokko-Aufenthalten. Der Teller von 2013, die Schüssel von meinem Jahr dort (2014/15) und die „Tischdecke“, die eigentlich Rif-Tracht ist, von 2016.

Das ist ein simpler Grießkuchen, der mit unglaublich viel Orangenblütenwasser-Zuckersirup getränkt wird. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich etwas ähnliches schon einmal in Marokko probiert, aber nicht weil es auch dort „landestypisch“ wäre, sondern weil ein guter Freund direkt über einer syrischen Bäckerei wohnt, bei der ich oft genug Süßigkeiten erstand. Ein Freund der gerade in Jordanien studiert, wies mich via Instagram daraufhin, dass es den Kuchen auch dort gäbe. Und Wikipedia beschreibt die Süßigkeit gleich als „Middle Eastern“, mit Verbreitung über Ägypten (wo der Kuchen Basbousa genannt wird), Türkei (Ravani) und Armenien (Shamali).

Naja, jedenfalls fand ich besagtes Namoura so gut, dass ich mir selber welches backen wollte. Ein Rezept der NYT Cooking hielf aus und so steht es nun auch hier in der Zuckerbäckerei. Besonders faszinierend an diesem Rezept fand ich den Joghurt, der mit Natron vermischt wird und so lange stehen gelassen wird, bis die Masse doppelt so viel Volumen fasst und schaumig aussieht – ohne sie aufzuschlagen. Chemie ist schon was cooles!

Namoura weiterlesen

Zuckersüß 326

In dieser Woche ging so viel schief wie überhaupt nur möglich und dann konnte ich mir nichtmal Trost-Schokocookies (ggf. mit Ingwer) backen, weil ich eine Zahn-OP hatte.

Ich hielt mich also an Haferbrei (mit selbstgemachtem Vanillesirup!), matschig gekochter Linsensuppe nach Ottolenghi, Vanilleeis und gebackene Süßkartoffeln mit Joghurt und verschiedensten Gewürzen. Was freu ich mich auf knusprige Kekse, Brot mit Rinde und alles andere Essen, dass eins kauen muss…

Bis dahin mal meine liebsten Links der vergangenen Tage:

Rezepte

Rfissa Express. Fragrant Chicken and Lentils with Papardelle – My Moroccan Food
Rfissa ist eine meiner marokkanischen Leibspeisen. Statt Msimn/Trid wird dieses Rezept mit Pasta zubereitet. Spannend!

Chocolate Pistachio Cream Thumbprints – Love & Olive Oil
Erinnert mich an das wahnsinnig gute Pistaziencremeeis in Napoli. Die Zutaten für das Rezept sind wohl leider unendlich teuer…

blueberry cream cheese hamantaschen – molly yeh
Hamantaschen gibts traditionell zum jüdischen Purimfest (nächste Woche).

White Cake With Brown Butter and Toasted Sugar Recipe – Serious Eats
Ein neues Tortenrezept von Bravetart.

Texte

„Die Gletscher werden noch Jahrzehnte weiterschmelzen“ – futurezone.at
Der Klimastreik setzt immerhin langsam Themen in den Medien… Was ich nicht wusste:

Die Gletscher befinden sich in einem totalen Ungleichgewicht mit dem jetzigen Klima. Verglichen mit den Temperaturen der vergangenen Dekaden sind sie viel zu groß. Je größer der Gletscher, desto träger reagiert er. Der Grosse Aletschgletscher, der noch über 20 Kilometer lang ist, hat etwa 80 Jahre Reaktionszeit. Die dramatischsten Auswirkungen der Klimaerwärmung werden wir dort also erst in den kommenden Jahren und Jahrzehnten erleben.

Christchurch-Attentäter bezog sich auf rechte Soldaten in Bundeswehr – deren Netzwerk führt nach Österreich – DerStandard.at
WAS.

Franco A. ist nur ein Teil eines rechtsextremen Netzwerks aus aktiven und ehemaligen Soldaten und Polizisten, die sich in Chatgruppen miteinander über den Tag X austauschen – jenen Tag, an dem die staatliche Ordnung zusammenbricht. Folgt man ihren Spuren, landet man bei einem Verein für ehemalige Elitesoldaten, beim deutschen Verfassungsschutz, einem merkwürdigen Ritterorden in Österreich – und beim heimischen Verteidigungsministerium

Warum ich nach Christchurch Angst habe: Islamfeindlichkeit gibt es auch in Deutschland – bento
Ein Kommentar von Merve Kayikci (aka primamuslima):

Er hat nicht aus Angst vor Muslimen zur Waffe gegriffen. Er handelte aus Hass. Er wollte Angst schüren. Ich habe Angst. Davor, dass dieser Attentäter mehr Anhänger in Deutschland hat, als wir wahrhaben wollen. Angst um das freiheitlich-demokratische Miteinander. Das Attentat von Neuseeland sollte ein Weckruf sein. Wir sollten enger zusammenstehen. Die Botschaft an die Muslime in Deutschland und Europa sollte jetzt erst recht sein: Jeder darf hier seinen Glauben leben – und gehört dazu.

Can the Instagram Novel Really Get More People to Read Books? – Eye on Design
Über einen dieser Insta-Romane bin ich zum Account der New Yorker Stadtbücherei gekommen – aber nicht dazu, das Buch tatsächlich zu lesen…

“I think the goal or the accomplishment that this project achieves is being like a door—a door to people who are not used to reading,” he said. “You don’t need much to get hooked to a story; maybe you just need to read a couple of lines and then you start thinking and maybe want to learn more. And you’re not aware of it but you’re actually reading and you finished the first chapter and then the second and that’s it. So I think that’s a good door. I don’t think usual readers would go there to read.”

Donald Duck and the art of cartoon translation – DW (via @beritmiriam)
Kapitalismus, eh klar:

In the past, characters‘ names used to be translated to better reflect a country’s culture. Nowadays, names are often kept for merchandising purposes.
For example, Spider-Man was initially translated with the German word for spider, „Spinne.“ As the first animated films came out in Germany, Spider-Man magazines were then titled „Die Spinne genannt Spiderman“ (The spider called Spider-Man). Meanwhile, it’s simply Spider-Man, which makes it easier for marketing.

America’s Professional Elite: Wealthy, Successful and Miserable – The New York Times
Glück kann man nicht kaufen.

I feel like I’m wasting my life,” he told me. “When I die, is anyone going to care that I earned an extra percentage point of return? My work feels totally meaningless.” He recognized the incredible privilege of his pay and status, but his anguish seemed genuine. “If you spend 12 hours a day doing work you hate, at some point it doesn’t matter what your paycheck says,” he told me. There’s no magic salary at which a bad job becomes good. He had received an offer at a start-up, and he would have loved to take it, but it paid half as much, and he felt locked into a lifestyle that made this pay cut impossible.

Of course Kylie Jenner didn’t build that – Los Angeles Times
Vom Tellerwäscher zum Millionär funktioniert schon lange nicht mehr:

Even as inequality grows — particularly along race and gender lines — we want to believe that “self-made” millionaire status is as achievable for the African American daughters of unmarried teens in Mississippi as it is for Westchester-raised Exeter students and reality television stars.
It’s easier to praise the likes of Zuckerberg and Jenner than it is to focus on creating opportunities for people who start out like Winfrey.

Audio/Video

Ani DiFranco
Diese Sängerin hatte ich ja letzte Woche entdeckt und höre sie seitdem durchgehend im YouTube-Mix…

Foto

Nochmal ein Fußboden Foto aus der Krypta des Duomo di Napoli.

Backkatalog

Ein zuckersüßes, zuckerbäckereipinkes Foodblog