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Bruder (mal wieder)

Bruder Küche&Bar, Windmühlgasse 20, 1060 Wien

Dafür, dass das Bruder mein liebstes Lokal der Stadt ist, war ich schon ziemlich lange nicht mehr dort. Im Juni habe ich zuletzt darüber gebloggt und dieser Satz fasst das Lokal für mich immer noch sehr gut zusammen:

Es ist hip und cool, gleichzeitig gemütlich und elegant und vor allem sind alle Getränke und Speisen auf der Karte etwas ganz Besonderes.

Diesmal, also auch schon wieder vor zwei Wochen, hatte ich sogar zwei Leute als Begleitung dabei und so schafften wir es, fast die ganze aktuelle Karte durchzuprobieren. Die Fotos sind leider von fragwürdiger Qualität, aber was besseres bringt mein Smartphone im Fast-Dunkel nicht zusammen. Hier folgt eine Abschrift meiner Insta-Story-Notizen:

Das Foto von Alles in Butter, Josephbrot mit Butter, Heusalz und einem Stamperl Heulikör für jede_n am Tisch, habe ich leider verloren, aber stellt es euch als gutaussehend und wohlschmeckend vor ;).

Hut und Stiel: Austernseitlingstartar mit einem gekochten Wachtelei, eingewickelt in gekochtem Salat, daneben frischer Salat in ziemlich saurer Vinaigrette mit ein paar Tupfern Nussbutter-Hollandaise (?), die die Säure wieder abfängt, außerdem Perlzwiebeln und Croutons.

Kuh macht Muh: Geschmacklich komplett anders als der erste Vorspeisenteller: Wassermelone, gelbe Tomaten, Salzgurken und hausgemachter Kuhmilchkäse, dazu Basilikumcreme (eine mayo-artige Emulsion), die sowohl durch ihre Cremigkeit als auch die kräutrige Schärfe einen Kontrast zu Früchten und Käse bildet.

Is mir Blunzn: Dieser Teller war der zweitüberraschendste des Abends: Cremige Blunzn (Blutwurst) in frittierten Wantans, mit fermentierten reifen und unreifen Heidelbeeren, Erdnüssen und Frühlingszwiebeln. Eine riesige Vielfalt an Geschmack und Konsistenzen!

In scharfen Gewässern: Als ich Waller/Käferbohne/Chili bestellt habe, wusste ich nicht recht, was ich erwarten sollte. Mit einem mittelamerikanisch inspirierten Taco-Gericht habe ich allerdings überhaupt nicht gerechnet. Und dann wars so (!!!) gut: Palatschinken als Basis, darauf Käferbohnenpüree,ein Maissalat mit Koriander und ziemlich saurem Dressing, rohes Tomaten-Chili-Salsa und zwei Stücke Waller (den ich zuletzt als Kind gegessen habe, als mein Papa mal einen aus der Donau gezogen hat – erstaunlich festes Fisch-Fleisch!). Besonders cool an diesem Teller: die leicht mehligen, gerösteten (gepufften?) Maiskörner zwischendrin, die mich an kleine Snack-Hanuts in Marokko erinnern. Überraschendstes und bemerkenswertestes Gericht des Abends.

Ernst sei Dank: kaum im Bild, aber schon beim letzten Mal gegessen und besprochen.

Die beste Entscheidung: …nicht für mich, denn ich bin allergisch gegen Haselnüsse. Außerdem auf dem Teller: voralberger Maisgries aka Riebel mit geröstetem Fenchel und Tomatensauce.

Vor den Desserts bestellten wir noch eine Runde Cocktails. Ich trank einen Sowohl als Auch, dessen Zutaten sich auf der Zunge tatsächlich geschmacklich aneinanderreihten: Erst heidelbeerfruchtig, dann estragonkrautig und am Schluss kaffeebitter. Obenauf: Schlag, estragonöl und die fermentierten Heidelbeeren, die uns schon in der Vorspeise begegnet sind.

Zum Abschluss gönnten wir uns alle drei Gerichte von der Dessertkarte, nur leider habe ich von der Käseauswahl kein Foto geschossen.

Noch einmal bitte: Topfenknödel mit Nougatfüllung und (Nuss-)Bröseln, dazu Zwetschgenkompott und Tonkabohneneis – wegen der Haselnüsse habe ich hier leider auch nur wenige Komponenten probieren können.

Wiedersehen macht Freude: Ein sehr superes Dessert, das ich unbedingt mal nachbauen will. Softer, wenig süßer Ziegenkäse-Cheesecake (bei niedrigen Temperaturen, 120°C, wenn ich mich richtig erinnere gebacken), in Milchpulver gewälzt, mit samtigem Himbeersorbet und -Püree, dazu ein bisschen Pistazienbiskuit.

Zur Rechnung tranken wir dann noch Schnaps aufs Haus, und zwar Limoncello, den ich ausnahmsweise mochte (die meisten Zitronenliköre dieser Art erinnern mich an Spülmittel). Super Abend!

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