privacyweek

Privacy Week

Vor mittlerweile fünf Wochen – so weit bin ich hinter meinem Blogplan, Weihnachtsplätzerl sind also gegen Ende Januar zu erwarten – fand die zweite Privacy Week des C3 Wien statt. Ich hatte zufällig auf Twitter davon mitbekommen, und beschlossen mir ein Wochenticket zu leisten, um mir einige Talks und Workshops anzusehen.

Praktisch an der Konferenz war der Veranstaltungsort – das Volkskundemuseum liegt nah genug am Unicampus, um einigermaßen bequem hin- und herzuwechseln. Leider musste ich immer zu genau den Workshops weg, die ich unbedingt besuchen wollte und wegen des Formats auch nicht nachschauen konnte. Trotzdem war ich ziemlich froh, dass ich endlich mal schon wo bin, wo etwas los ist (die re:publica, den Chaos Communication Congress usw. kann ich eigentlich immer nur im Stream beobachten). Damit ich auch was von den Talks habe (also im Nachhinein und im besten Fall auch noch im Gedächtnis), habe ich fast immer gesketchnotet. Und damit sich diese nicht in meinen turmhohen Papierstapeln oder auf Twitter verlieren gibts diesen chronologischen Blogpost. Spezifische Links zum Nachschauen kann ich leider nicht anbieten, denn auf YouTube gibt es nur die kompletten Konferenztage an einem Stück.

Außer Spesen nichts gewesen? – Anne Roth

Den NSA-Untersuchungsausschuss habe ich ab irgendeinem Punkt nur mehr halb verfolgt – Schnipsel kamen mir bei netzpolitik.org, über die Macher des Podcasts technische Aufklärung oder im Logbuch:Netzpolitik unter. Anne Roths rückblickender Talk am Montagvormittag kam mir deshalb recht gelegen, auf den aktuellen/finalen Stand zu kommen. Der ist leider kein bisschen weniger lächerlich/bedauerlich als sich in der szenischen Lesung zum NSAUA auf dem 32c3 2015 andeutet.

Hello, I have an order for I.C. Wiener – Sanja Bonic

Im anschließenden Talk ging es um Spracherkennung bzw. -steuerung und welche Gefahren dahinter lauern. Das klingt jetzt erstmal nach nichts Neuem, aber zumindest mir war Lyrebird und Hidden bzw. Silent Voice davor nicht bekannt. Ersteres ist ein Service, der digitale Stimmkopien erstellen kann, letztere sind Signale für Sprachsteuerungen, die für Menschen unhörbar und deshalb auch unkontrollierbar sind.

Stolpersteine und Nebenwirkungen digitaler Kommunikation – Martin Pirker

Von Verschlüsselung habe ich u.a. dank einem Crypto-Party-mäßigen Workshop des letztjährigen This Human World-Filmfestivals grob eine Ahnung. Martin Pirkers Vortrag dazu war eine schön strukturierte (E-Mail-Anatomie!) Auffrischung und Erweiterung meines Wissens. Ich denke, selbst wenn man noch nie von Verschlüsselung gehört hat, kann man mit diesem Talk viel anfangen.

Leben in Zeiten des #überwachungspaket – pascoda

Mehr gemeinsame Ideensammlung denn Frontalvortrag war pascodas Slot zum Überwachungspaket. Dass das höchstproblematisch ist (gewesen wäre), war wohl den meisten Anwesenden klar. In wie vielen Fällen derartige Datensammlung im secondary use heikel ist, wurde dank der Beiträge der Zuhörer_innen deutlich.

Internet of Things Privacy and Security – Ralf Schlatterbeck

Wie Ralf Schlatterbeck zeigt, scheint Sicherheit bei vernetzten Geräten ein sehr vernachlässigter Aspekt zu sein. Die Schludrigkeit der Hersteller diesbezüglich hat in der Vergangenheit schon zu einigen Zwischenfällen geführt (z.B. gekaperte Webcams in einem Bot-Netzwerk), wird es aber in der Zukunft noch viel mehr tun (z.B. Würmer, die sich über Funk auf alle „smarten“ Glühbirnen einer Stadt übertragen).

Warum gibt es eigentlich das Internet der Dinge? – René Pfeiffer

Am nächsten morgen ging ich gleich zum nächsten IoT-Vortrag, was eine sehr gute Entscheidung war. René Pfeiffers historischer Abriss des Internet der Dinge gehört zu meinen Favoriten auf der Privacy Week 2017.

Algorithmic fairness – Gabriel Grill

Schon die paar Leute im Saal konnten sich nicht einig werden, was denn eigentlich fairness ist. Das dann Algorithmen „beizubringen“ ist noch viel schwieriger, wie Gabriel Grill zeigte. Diverse Teams, verschiedene Kontrollmechanismen und Wissenschaftskritik in der Informatik wären laut ihm ein guter Anfang.

Sichere Authentifizierung – starbug

Starbug ist bekannt dafür, vermeintlich sichere biometrische Authentifizierung zu überlisten. In seinem #pw17-Talk sprach er allerdings auch viele positive Seiten von Biometrie zur Authentifizierung an, denn ein Fingerabdruckscan ist natürlich immer noch besser als gar nix.

Wie man aus einer Gesellschaft kontrollierbare Daten macht – Luca Hammer

Luca visualisiert Daten und hat darüber auch schon bei der diesjährigen re:publica gesprochen: Mit den Trollen ums Datenfeuer tanzen. Auf der Privacy Week hat er in schönen Bildern gezeigt, wer mit großen Datenmengen wie Kontrolle ausüben kann.

Lockpicking – Jan

Um wenigstens einen Workshop mitgemacht zu haben, sparte ich mir den Talk zu Ransomware und folgte deshalb einer kurzen Einführung ins Lockpicking. Nach der Theorieeinheit wurde mir aber klar, dass ich mich doch nicht so für Schlösser begeistern kann und ging deshalb zurück in Saal 1 für:

Ich weiß, was du letzten Sommer gelesen hast – Wolfgang Tischer und Klaudia Zotzmann-Koch

Ich lese zwar praktisch nie Bücher, und wenn, dann auf Papier und nicht auf ebook-Readern. Was Autorin Klaudia Zotzmann-Koch und Wolfgang Tischer über datensammelnde Konzerne, selbst-publizierenden Autor_innen und Leser_innen-Rezensionen erzählt haben, fand ich dennoch sehr interessant . Im Literaturcafé haben sie selbst noch einen Rückblick auf ihren Talk und einen Audiomitschnitt davon veröffentlicht.

Durchsetzen von Datenschutz – Max Schrems

An dem supervollen Saal 1 ließ sich leicht erkennen, dass Max Schrems zu den „Stars“ der österreichischen Datenschützer_innen gehört. Sein Vortrag über seinen Kampf gegen Facebook war aber tatsächlich sehr unterhaltsam!

Nach einem halben Tag auf der PrivacyWeek bekam ich irgendmal ziemlich Hunger und machte deshalb einen Abstecher ins Birdyard in der Lange Gasse. Das Restaurant hat erst in diesem Jahr eröffnet und wurde in einer Falter-Kritik hochgelobt. Es stellte sich als ungewöhnlich passende Location für meine kurze Konferenzpause heraus: Das Lokal ist sehr zurückhaltend-stylisch eingerichtet und schon eher nobel. Das zeigt sich vor allem am Service und den wunderschön angerichteten (und außergewöhnlichen!) Tellern, glücklicherweise aber nicht an den Preisen. Mittlerweile hat die Karte schon gewechselt, deshalb kann ich nicht mehr ganz genau rekonstruieren, welche der recht kleinen, als eine Art Tapas gedachten Gerichte, ich probiert habe. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir aber die Pasta mit Kichererbsen, die überhaupt nicht so „basic“ schmeckte, wie der Name verspricht und der Linsensalat mit roter Bete. Für einen Cocktail in der Kellerbar hatte ich leider keine Zeit mehr, denn ich wollte zu

Digital danach – Kristina Juchum und Klaudia Zotzmann-Koch

Mit dem Sketchoten habe ich nach dem Abendessen ebenfalls eine Pause eingelegt, aber so viel Merkenswertes hatte dieser Talk für mich ohnehin nicht zu bieten. Kristina Juchum hat ihre Masterarbeit in Kooperation mit einem Online-Friedhof-Anbieter geschrieben und der Marketing-Einschlag wirkte für mich extrem deplaziert auf der Privacy Week. Konnte man sich an den vorherigen Tagen noch anhören, wie man Tracking und Werbung am besten entflieht, ging es nun darum, wie man Trauerseiten am besten monetarisieren könnte. Immerhin kam die Diskussion durch einen Einwand aus dem Publikum auf einen Bot, den eine Programmiererin aus den Nachrichten ihres toten Freundes geschrieben hatte – davon hatte ich noch nie gehört.

Digitale Spuren der Liebe – Ally Auner & Jürgen Haslauer

Wenn ich die Reihenfolge nicht durcheinander gebracht habe, war das der allerletzte Talk den ich sah. Und er war so unterhaltsam! Nachdem ich mich kaum auf YouTube bewege, kannte ich die vorgestellten Videos nicht, aber Tinderella und The Millenial Marriage Proposal waren zum Beispiel ziemlich lustig. Der Rest war, wie so Vieles, das mit mangelndem Datenschutz/Sicherheit im Internet zu tun hat, sehr gruselig: revenge porn auf Reddit, Datenleaks von Datingseiten oder gehackte sex toys…

Am Wochenende bekam ich von der Privacy Week dann leider nichts mehr mit, denn ich war nach München zu Subscribe Podcasting Konferenz gefahren. Dazu aber (hoffentlich!) bald mehr…

https://twitter.com/jasowies_o/status/923927066147475457

Insgesamt hat mir die Privacy Week sehr gut gefallen. Besonders erfreulich: Nicht nur ich war vom Konferenz-Sketchnoten begeistert, auch die Orga mochte meine Kritzeleien:

Ich bin #nächstesjahr gern wieder dabei!

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