Reznicek

Die Einrichtung ist echt retro

Reznicek, Reznicekgasse 10, 1090 Wien

Das Reznicek bleibt mit Abstand mein liebstes klassisch-österreichisches Restaurant der Stadt. Diesmal war mein Hunger leider nicht besonders groß und so teilte ich mit meiner Begleitung Vor- und Nachspeise (mehr verschiedenes wär noch cooler gewesen, hätte z.B. gern die Tages-Fenchelsuppe, 9€, probiert).

Wieder einmal hat mich die Vorspeise – Puntarelle & Ricotta (14€) – völlig überrascht, denn „österreichisch“ Paniertes/Herausgebackenes hätte ich bei dieser Zutatenauflistung nicht erwartet. Nichtsdestotrotz super: panierte Puntarelle-Herzen auf cremiger Ricotta, dazu gut sauer abgeschmeckte Salatblätter, Parmesan, Olivenöl und Zitronenzeste. Dazu ein crazy guter antialkoholischer Aperitiv: N°1 White beet Hop Szechuan Pepper von Feral. Sehr frisch und erstaunlich spicy (Preis leider vergessen). Auch den Chardonnay von Rotes Haus später mochte ich.

Wir hatten angenommen, dass es keine fleisch- und fischlose Hauptspeise auf der Karte gab, tatsächlich war mein Pilzbutterschnitzel (26€) komplett veggie und ich merkte es nicht! Das waren ~faschierte Laiberl~ in außerordentlich guter Sahnesauce, dazu kleine Schwammerl, die ich nicht erkannt habe, Tempura-Enoki (wie in der Hausbar ein paar Tage vorher??!), Kartoffelpüree und Röstzwiebeln. Nebenbei gabs einen sahnigen Gurkensalat mit Dill.

Meine Begleitung entschied sich für die Hühnerbrust (32€), die mit Flügerln in großartiger Sauce mit Kroketten und gemischtem Salat (Radicchio, Mandarine) daherkam.

Eigentlich hatte ich kaum mehr Hunger, aber ein Dessert wollte ich mir nicht entgehen lassen. Der Kartoffelteig im Reznicek hat mich bisher immer schwer beeindruckt (s. Powidltaschen oder Schupfnudeln), weswegen ich es sogar geschafft habe meinen Mohn-„hassenden“ Begleiter von den Mohnnudeln (17€) zu überzeugen. Wir beide fanden, dass sich das gelohnt hat: fluffige, buttrige Schupfnudeln, nebenbei Apfelmus und ein Sauerrahm(?)-Eis.

Zur Rechnung gabs wieder eine süße Auswahl, die in ihrer Zusammenstellung wirklich lustig ist: Neben Hausgemachtem, z.B. Himbeer-Soja-Jelly (allergiebedingt nicht getraut) und Mini-Schoko-Cookies gibts Süßigkeiten, die mir als Eingewanderte allerärgste Österreich-am-Land-Vibes geben – Sportgummi, Mannerschnitten – aber auch Saure-Apfelringe-Gummibären und Kaugummi. Wie ich am Nachbartisch beobachtete, sind die 90er-Jahre-Nah&Frisch-Plastiksackerl auch immer noch im Umlauf, man spielt also weiterhin an mehreren Fronten mit der Nostalgie.

Seit meinem letzten Besuch (hui, war im Oktober 2024, zuvor im Februar 2024) haben die Preise schon nochmal angezogen (berühmtes Cordon Bleu jetzt 34€, damals 28€) und auch das Publikum schien mir jetzt ein bisschen anders, gstopfter: Die meisten Leute, egal ob Ende 20 oder Mitte 50, waren im Business-Look (weißes Hemd, Loafers, Designerhandtasche usw.) unterwegs und wirkten recht statusbewusst… Wie ich später auf Instagram entdeckte, war unter den Gästen dieses Abends aber auch ein regelrechter Star: Daniel Humm, Küchenchef des Eleven Madison Park in NYC.



Hi, ich bin Jana.
Seit 2009 veröffentliche ich hier wöchentlich Rezepte, Reiseberichte, Restaurantempfehlungen (meistens in Wien), Linktipps und alles, was ich sonst noch spannend finde. Ich arbeite als Redakteurin bei futurezone.at, als freie Audio-/Kulinarikjournalistin und Sketchnoterin. Lies mehr über mich und die Zuckerbäckerei auf der About-Seite.

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Im Zuckersüß sammle ich (fast) jeden Sonntag meine liebsten Links der Woche: Rezepte für die Nachback-Liste, lesenswerte Blogposts, Zeitungsartikel und Longreads, Podcasts oder Musik, die mir gerade gefällt und oft genug auch Internet-Weirdness. Außerdem schreibe ich auf, was ich sonst so interessant fand: neue Rezepte in meiner Küche, Lokale, in denen ich gegessen, Pullover, die ich gestrickt oder Texte, die ich geschrieben habe.