Zuckersüß 540: Luxus in der Wüste, Hefen im Wald, Häkeln in Irland

Am Weinwanderweg in Langenlois

…mit kaum Gebackenem, einer Dinnerparty, 10 (?!) Lokalen (Matiki Bar, Bar Stoert, Meinklang Hofladen, Café Westend, Dim-Sum Peking Ente, Eizbazar, Heurigenhof Bründlmayer, Loisium-Vineyard, Gastwirtschaft Steinschaden), fünf Filmen (Tampopo, Monster AG, Was Frauen Wollen, Adams Acht, Kreisky), einem Buch (Gaia von James Lovelock), zwei Strickprojekten (Carrie Sweater, The Next Hoodie) – und wie immer, meinen liebsten Links der vergangenen Wochen.

Seit dem letzten Zuckersüß habe ich „Alles-vom-Wegesrand-Kuchen“ mit Birnen und Apfel-Hollerröster und gescheiterte Canelés gebacken. Und ich habe Süßholzwurzeleis (aus 4 Stück, das sind ca. 10g, in klassischer Gelato-Masse) gemacht, das mich weit weniger überzeugt hat, als die Person, die die Inspiration dafür geliefert hatte. Vielleicht probiere ich es nochmal mit Süßholzwurzelpulver, oder mixe Lakritzstücke drunter, so wie bei den Lakritz-Keksen von 2020).

Gegessen

Pappardelle mit Kürbis und Spinat. Kichererbseneintopf mit Joghurt und Salzzitronen. Pellkartoffeln mit Dill-Rahmfisolen (bin Fan!). Käsebrot mit den letzten eingelegten Zucchini meiner Cousine (so traurig! Hoffentlich gibts nächstes Jahr wieder welche). Mini-Quiches mit Champignons und Spinat. Fusilli mit Champignon-Spinat-Sauce.

Maroni am Schottentor (3€). Ein Gurke-Ei-Brot vom Trzesniewski (1,80€) am Westbahnhof (1150).

Dinnerparty

Ich habe wieder eine übertriebene Dinnerparty (s. z. B. Februar-Dinnerparty) geschmissen, mehr dazu bald in einem extra Post.

Matiki Bar

Ein Spicy Sanchez (15€) mit Tequila, Mezcal, Grapefruit und scharfen Bitters in der Matiki Bar (1070). Meine Begleitung hatte einen Hurricane inkl. passendem Schirmchen, mit Rum, Limette, Ananas und Maracuja (16€) und dann noch einen Zombie (17€). Der war trotz dreierlei Rum, Ananas, Limette, Zitrone und Angostura Bitters erstaunlich frisch und leicht. Hier habe ich 2021 über die Matiki Bar geschrieben, außerdem war ich mal für ein Radiointerview da („Die Renaissance des Rums“ – Ö1 Moment Kulinarium, 17.01.2020).

Bar Stoert

Auf dem Heimweg sind wir noch in die Bar Stoert (1080) gestolpert, die mir bisher gar kein Begriff war. Bunte Wände, bairischer Rap im Hintergrund, ein ganzes Menü voller Mac’n’Cheese (nicht probiert) und auch einen Billard-Tisch gibt es. Ich habe eine Old Fashioned-Variante getrunken, um dem Agavenbrand treu zu bleiben: Jamaican Punchline (12€), mit Tequila, Mezcal, Hibiskus/Agavensirup und Bitters. Meine Begleitung hatte eine Makay Mule mit Rum, Mango, Limette, Ginger Beer und Gummibären-Garnitur.

Meinklang Hofladen

Zum Mittagessen im war ich im Meinklang Hofladen (1050), wo ich offenbar vor ziemlich genau 2 Jahren zuletzt war (?!), s. Zuckersüß 484. Lustigerweise habe ich zufällig genau das gleiche bestellt wie damals, nämlich den Salat (8,50€), diesmal mit Apfelspalten, Radieserl und geschmortem Hokkaido, alles in Kernöldressing. Meine Begleitung hatte denselben in der Mini-Mittagsmenü-Variante, plus Kaspressknödel auf Krautsalat. Mein Getränk fand ich höchstinteressant, wenn ich auch die Grundzutat kaum herausschmecken konnte: Sirup aus geröstetem Heu, aufgespritzt.

Café Westend

Das Konzept des Wiener Kaffeehauses passt nicht so richtig zu mir, ich gehe ausschließlich hin, wenn ich Sightseeing-Gäste hab bzw. um Leute zu treffen. So bin ich zum Frühstück im Café Westend (1070) gelandet. Assam-Tee im Kanderl (5,90?€), dazu ein Frühstücksei (2,50€), zwei Scheiben Mischbrot (1,90€) und ein Mini-Packerl Butter (1,90€), zu souliger Playlist und durchaus hübschem Interieur. Die KI-generierten Oktoberfestplakate am Eingang hätten mich aber vorm Reingehen beinah wieder umkehren lassen (nur: es hat geregnet und ich war ja verabredet…).

Dim-Sum Peking Ente

Ein veganes Mittagsmenü bei Dim-Sum Peking Ente (1040), das unglaublich günstig (16,90€) und ziemlich gut war. Mehr dazu hier.

Eisbazar × Semfmaster

crazy Eis

Johannes Schartner aka @Semfmaster3000 hat gemeinsam mit Eizbazar (1020) ein crazy Popup veranstaltet: Misoeis (5%, wurde mir verraten), mit Fischsaucenkaramell, geröstetem Reis, Erdnüssen, scharfffen Chili (ich habe zu husten begonnen, als ich ein Ringerl davon probierte), Thaibasilikum, Koriandergrün und drübergedrücktem Limettensaft. Ich fands super, leider war das Wetter sehr herbstlich und viele anderen vorbeikommenden ziemlich skeptisch. Eine Portion kam auf 6,50€, ich bekam eine geschenkt.

Langenlois

Ich war in Langenlois im Kurzurlaub. Dort habe ich sehr gut im Heurigenhof Bründlmayer gegessen (über das 5-Gänge-Menü habe ich hier schon ausführlich geschrieben), außerdem war ich im Loisium-Hotelrestaurant und in der Gastwirtschaft Steinschaden, darüber schreib ich noch extra.

Anderswo in Niederösterreich war ich in einem frisch eröffneten Wirtshaus, aber das Ganze war auf allen Ebenen so desaströs, dass ich es nicht erwähnen kann (vielleicht wär ein Soft Opening vor dem fetten Wochenendgeschäft eine gute Idee gewesen?).

Gesehen

Tampopo (extrem weirder japanischer 80er-Jahre-Film) im Streaming; Was Frauen wollen (Jahrtausendwendesexismus galore) und Monster AG (immer noch sehr lieb!) auf DVD, Adams Acht (mitreißender BRD/DDR-Sportfilm) im Votivkino; Bruno. Der Junge Kreisky (interessantes Biopic) im Cinecenter.

Gelesen

Ein paar Kapitel in James Lovelock’s Gaia, das ich noch nicht recht einordnen kann.

Gestrickt

Meinen Carrie Sweater (nach Kolibri by Johanna, pattern bei ravelry) fertig, weiter am The Next Hoodie (pattern von Elida Virack bei ravelry).

Veröffentlicht

Im Blog: Dim-Sum Peking Ente, Heurigenhof Bründlmayer, „Alles-vom-Wegesrand-Kuchen“ mit Birnen und Apfel-Hollerröster

Anderswo: Nix, weil Urlaub.

Rezepte

Recipe: Sweet Herb Sorbet – Toothache Magazine
Kurz für meine Dinnerparty in Betracht gezogen, aber schließlich für zu viel Arbeit befunden. (Als Alternative habe ich Birnen-Safran-Sorbet gemacht).

The Fallen Fig Cake – Kitchen Projects
SO eine hübsche Torte!

Gelesen

Saudi Arabia’s Pursuit of Michelin Stardom – The New Yorker (archive.ph ohne Paywall)
Ruby Tandoh war in Saudi-Arabien essen – und wurde kulinarisch enttäuscht. Abgesehen davon: Geschlechterhierarchien, Rassismus und halt Diktatur.

Most M.F.C. line staff and waiters come to Saudi Arabia without family, and, barring emergencies, they must stay in the country for two years before the company allows them a visit home—a common arrangement for migrant workers in the Gulf. “For European people, it’s one year,” Carta said, while we walked around Coya, an upscale Peruvian restaurant that’s decked out like an Andean Planet Hollywood. “Obviously, it’s different.”

Meet the Scientist Who Follows Wild Yeast Around The World – Cruda Magazine
Die Interviewführung hier ist etwas wirr, aber das Forschungssthema von Mikrobiologe Juan Eizaguirre enorm spannend. (Randnotiz: Ich habe mich mal fürs Radio ganz grob mit dem Thema beschäftigt, daher mein Nerdinteresse: „Guter Schimmel, schlechter Schimmel“ – Ö1 Moment Kulinarium, 15.10.2021)

If I take grapes to ferment, Brett appears. But nobody has found it in a truly natural place—and here I want to be careful about that word, natural. A vineyard, however natural the grape, is anthropic because a human ultimately planted it. […] Brett also stands out because other yeasts are found in nature like Hanseniaspora, Kluyveromyces, Torulaspora, Zygosaccharomyces, Metschnikowia, Saccharomyces, Candida, and even Pichia. To date, no published study has isolated Brettanomyces from a natural environment. It’s even stranger because it’s the main yeast in kombucha.

The people holding up the internet – Sheets.works (via Let Them Eat Cake)
… sind oft unterbezahlte Open-Source-Maintainer.

We downloaded the full history of 23 pieces of software that phones, browsers and servers depend on, and counted everyone who made ten or more changes to each one between October 2025 and October 2026. Then we listed what is actually installed on an Android phone, an iPhone and a Windows PC. 11 of 23 projects had one or two people doing the regular work.

18 again: I returned to my life in 1990. Who – and what – would I find there? – The Guardian (via I am a foodblog)
Netter Aufhänger für einen persönlichen Essay:

C could quote from anything, including Casanova. Sometimes he brought his guitar to my house and sang, and I felt an immense release, and joy, listening, too shy to sing along. We sat for hours on opposite ends of my pink duvet, in my immaculate room that my mother tidied daily, with my pink carpet and matching velveteen wastebin Mum had made from a washed-out catering tin, and we talked and talked – though neither of us remembers what about – and we both smiled when the brooch holding my crossover sweater accidentally unpinned itself, but for now, nothing happened.

Audio/Video

The It Bag – Articles of Interest
Nur Avery Trufelman schafft es, die It-Bag im selben Atemzug unterzubringen wie Ursula K. Le Guins Carrier Bag Theory of Fiction. Über die habe ich schon mehrmals gebloggt, s. z.B. Zuckersüß 523 und Zuckersüß 454, das Büchlein ist eines der Texte, die mir immer wieder in den Sinn kommen.

Lace and Labor – Articles of Interest
Auch zu meinem neuen Textilspezialinteresse, Spitze, hat Avery Trufelman eine Folge gemacht. Es geht u.a. darum, was irische Häkelspitze mit der Hungersnot zu tun hat.

Nara Smith – Radio Cherry Bombe
Nara Smith hat einen Reel-Style geprägt, der sie enorm meme-ifizierbar macht. Außerdem hat sie einen ziemlich konservativ wirkenden Lifestyle, und bekommt als vermeintliches Tradwife viel Hass ab. Von diesem Image versucht sie sich zu distanzieren, auch in dieser Podcastfolge. (Randnotiz: Was stimmt mit diesen ganzen US-amerikanischen Podcasts nicht, dass sie jetzt alle extra Substack-Posts statt Shownotes haben?!)

Today’s guest is Nara Smith, the wildly popular content creator, model, mom, and now cookbook author behind her debut cookbook “Homemade.” Nara joins host Kerry Diamond to talk about bringing her signature videos to life on the page, the recipes and fashion in the book, and why “homemade” means so much more to her than just cooking from scratch.They discuss Nara’s childhood in Germany, cooking with her grandmother, her family’s influence on her kitchen life, and how her health journey led her to make more food from scratch. Plus, Nara talks about working with food stylist Victoria Granof, creating her cookbook’s unforgettable cover, tuning out internet noise, and why Martha Stewart—or maybe Julius Roberts—is her desert island pick.

GAG574 Dirndl und Lederhosen
Die Wiesenuniform ist eine erfundene Tradition, das ist meinem Gefühl nach mittlerweile schon Allgemeinwissen – die Details, die Daniel Meßner hier erzählt, fand ich dennoch interessant.

Im Jahr 1883 lässt der Lehrer Josef Vogl für sich und seine Stammtischfreunde von einem Säckler im oberbayerischen Miesbach kurze Lederhosen herstellen. Doch statt Bewunderung ernten sie vor allem skeptische Blicke. Als „Kniehösler“ werden sie verspottet und die Kirche verweigert ihnen die Teilnahme an Prozessionen. Zuspruch kommt hingegen vom bayerischen König.

273 Social Media Verbot – mit Dirk von Gehlen
Dirk von Gehlens Blog/Newsletter öffnet mir immer wieder neue Perspektiven, und das gelang auch hier in Podcastform. Wobei es gar nicht so sehr um das Thema im Titel geht.

Ö1 Im Gespräch – Susanne Weigelin-Schwiedrzik
Super interessant (und die ORF Sound App ist weiterhin so schlecht, dass ich mein Handy am liebsten gegen die Wand werfen würde, wie kann das sein?!).

Bis zum Jahr 2049, dem 100. Geburtstag der Volksrepublik China, will Staatschef Xi Jinping den „chinesischen Traum“ verwirklichen und sein Land zur führenden Weltmacht des 21. Jahrhunderts machen. Doch das wirtschaftliche Erfolgsmodell ist fragiler als es scheint. Und politisch ist auch das moderne China eine brutale Diktatur. Wie stabil ist dieses System? Wie wahrscheinlich ist ein Krieg um Taiwan? Und was sind unsere größten Irrtümer über China?
Über all das hat Armin Wolf mit einer der besten deutschsprachigen Kennerinnen des Landes gesprochen: mit Susanne Weigelin-Schwiedrzik. Sie war fast 20 Jahre lang Professorin für Sinologie an der Universität Wien und hat dieser Tage eine aktualisierte Neuauflage ihres Bestsellers „China und die Neuordnung der Welt“ im Brandstätter Verlag veröffentlicht.

Darwin Deez – Bad Day
An diesen Song habe ich schon EWIG nimmer gedacht. Finde ihn weiterhin sehr witzig.

Sonst So

Georges Blouse by kolibri by johanna – ravelry.com
Cute!

A Planet That Plays Chopin (via Web Curios)
Das ist enorm toll gemachte Dataviz.

The rhythm is entirely its own. Four against three is the figure the Fantaisie-Impromptu is built on, the right hand in four while the left runs in three, and pianists spend years learning to hold it steady. Two worlds out past Neptune hold it without trying: four Neptune orbits to three of this body’s, near enough exact that no ear could find the difference, kept up since long before there was anyone to hear it.

The Job Trail: Oregon Trail for the 2026 job market (via drikkes)
Zynisches Minigame zur aktuellen Arbeitsmarktlage.

It is 2026. You have been laid off. Somewhere there is a job.

Sound of Sliver (via Web Curios)
Noch ein Browserspiel, hier muss man Hits anhand der ersten 300 Millisekunden erraten.

Bastardica (via Web Curios)
Ein Tool, um die Grafikdesigner*innen in deinem Umfeld zu ärgern:

A foundry for bastard web fonts.
Mix, stretch and / or squish them.

Backkatalog:

Hi, ich bin Jana.
Seit 2009 veröffentliche ich hier wöchentlich Rezepte, Reiseberichte, Restaurantempfehlungen (meistens in Wien), Linktipps und alles, was ich sonst noch spannend finde. Ich arbeite als Redakteurin bei futurezone.at, als freie Audio-/Kulinarikjournalistin und Sketchnoterin. Lies mehr über mich und die Zuckerbäckerei auf der About-Seite.

Meine Sketchnotes:
jasowieso.com

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Porträtfoto: (c) Pamela Rußmann
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