Heurigenhof Bründlmayer

gemütliche Gemäuer

Heurigenhof Bründlmayer, Walterstrasse 14, 3550 Langenlois

Neulich war ich für ein paar Tage im Kamptal – ich hatte nämlich eine Kurztrip-Destination mit interessanter Gastronomie gesucht, die klimatickettauglich ist (sidenote: falls jemand weitere Empfehlungen für sowas hat, immer her damit, ich weigere mich, dem Auto-Automatismus zu folgen). Mit dem REX landete ich also mitsamt Begleitung Sonntagnachmittag in Langenlois.

Um 18 Uhr erwartete uns eine Reservierung im Heurigenhof Bründlmayer, der sich in uraltem Gemäuer ein paar hundert Meter vom Hauptplatz entfernt befindet. Wir entschieden uns fürs Fünf-Gänge-Menü (139€ p.P.), mit ein paar wenigen allergiebedingten Abwandlungen.

Aber erstmal kam der Gastgeber mit einem 6er-Tragerl hauseigenem Sprudel daher. Ich entschied mich für den alkoholfreien Fizz Rosé (8,90€) mit Traubensaft, Verjus, Hagebuttensaft, Quittensaft und Aroniasaft. Für meine Begleitung gabs Blanc de Noirs Sekt von 2019 (16,90€), cremig und enorm feinperlig.

Das warme Mini-Brot war großartig, dazu kräftige gesalzene Butter, Petersilbutter und ein cutes Mini-Kressebeet. Der Star des Gedecks war für mich aber das Traubenkernöl zum Eintunken.

Gruß aus der Küche

Der Gruß aus der Küche kam in recht suggestivem Geschirr: Austernblatt (?) im Bouquet, dazu Gurkensorbet auf intensivem Ziegenfrischkäse, süß und knackig eingelegten Gurkenkugerln (oder war es doch Melone?), Perillaöl und lila Grünzeug (Basilikum?). Im Becher Gurkenkaltschale mit Buttermilch (oder vielleicht doch Sauerrahm?) und Limettenschaum, ich fand sie enorm gut.

Der Fisch

Der Fisch: Lachsforelle, geflämmt, auf mariniertem geraspelten Kohlrabi und fast zitronig wirkender Sauermpfersauce, mit Queller, der gleich das Meer auf den Teller holt. Während der Fisch hier (nicht warm, nicht kalt) etwas vernachlässigt wirket, hat mich das Tartelette dazu schwer begeistert: kühles Lachsforellentartar mit mini Melonenkugerln, unter einer unglaublich cremigen, fast weihnachtlich wirkenden Haube geriebener Entenleber.

Weiter mit Froschkönigtomaten*, angedörrt, geflämmt und suuuper sauer, abermals Queller, Melanzanipüree, akkuraten Räucheraal-Würfeln (so gut als Kontrast in jeglicher Hinsicht) und einer süßen Tomatenwasser-Safran-Reduktion.

*Besagte Froschkönigtomaten kommen vom Lerchenhof, wie uns der Sommelier erzählte – Inhaberin Franziska Lerch habe ich 2023 mal für die Effilee porträtiert: „Hier gibts neues Gemüse“. Sie kreuzt nämlich seit Jahren Erbsensorten, um eine wohlschmeckende und klimakrisen-angepasste zu finden. Noch eine Randnotiz: Vor wenigen Tagen hat der Spiegel-Verlag, der die Effilee vor gut eineinhalb Jahren übernommen hat, bekanntgegeben: „Effilee wird SPIEGEL GENUSS“. Heißt in Nicht-Marketingbla: „Wir lassen das Magazin sterben.“ Schade drum, die Effilee war seit 2011 mein liebstes deutschsprachiges Kulinarikmagazin als Leserin, ab 2021 für ein paar gute Jahre mein liebstes deutschsprachiges Kulinarikmagazin als Autorin.

Aber weiter im Menü: Steinbutt auf Miesmuscheln und -Beurre Blanc, außerdem Artischockenboden, Zitronenverbene und ultrafein geschnittener Mangold. Für meine Begleitung der fleischlose Zwischengang: Agnolotti gefüllt mit Kichererbsen, dazu Quasi-Tapenade, gebräunte Butter und gedünstetes Grünzeug, das ich mir leider nicht gemerkt habe.

Die Hauptspeise wieder sehr akkurat: Kalbsrücken, Kürbis als Kreis und Püree, Schwammerl in Miso, Jus und Liebstöckel(?)-Öl. Die Weinbegleitung (59€ für vier Bründlmayer-Weine) habe ich in diesem Post mal wieder unterschlagen (weil ich auch kaum Fotos gemacht habe). Zum Hauptgang hatte ich jedenfalls Pinot Noir Reserve von 2022 im Glas, über die Riede Dechant und Käferberg sollten wir am nächsten Tag spazieren. Den vorhergehenden Riesling vom Ried Steinmassl (2017) mochte ich so, dass ich eine Flasche zum Verschenken (34,50€) davon gekauft habe.

Das Dessert in zwei Teilen – einmal kalt und einmal warm: Vanillige weiße Ganache (mit Gelatine stabilisiert?), Pistazien, geschmorte Zwetschgen, Zwetschgensorbet, Zwetschgen-Pinot-Noir-Sud und Sauerklee. Im zweiten Schüsserl Zwetschgen-Clafoutis mit Pistazieneis und karamellisierter, knuspriger weißer Schoki. Obenauf wohl Feigenblattstaub.

Pralinen

Zum Abschluss noch drei Pralinen (weil wir uns nicht auf zwei festlegen konnten): Mohn in weißer Schokolade, Rosmarin-Marille in Milchschokolade, und Walnuss-Traubenkernöl in dunkler Schokolade.

Das war ein toller Sonntagabend! Das echt fair bepreiste Menü war interessant und hat Spaß gemacht. So viel Fisch und Meer hätte ich erstmal nicht erwartet. Das Spiel mit den ausgefallenen Kräutern und -Ölen in jedem Gang hat mir gut gefallen. Der Service war witzig und sympathisch und die Gemäuer dank loderndem Kamin, Kerzenlicht und riesen-Blumengestecken ziemlich gemütlich.

Um uns herum waren vermutlich ausschließlich weitere Touris, die meisten davon mit offenbar sehr viel größerem Weininteresse (an einem Nachbartisch mit auch nur zwei Gästen öffnete man Flasche um Flasche). Für einen extra kurzen Heimweg wäre es möglich, in einem der Zimmer über dem Restaurant zu nächtigen, wir schliefen allerdings ein paar Meter bergauf im Loisium.

Hi, ich bin Jana.
Seit 2009 veröffentliche ich hier wöchentlich Rezepte, Reiseberichte, Restaurantempfehlungen (meistens in Wien), Linktipps und alles, was ich sonst noch spannend finde. Ich arbeite als Redakteurin bei futurezone.at, als freie Audio-/Kulinarikjournalistin und Sketchnoterin. Lies mehr über mich und die Zuckerbäckerei auf der About-Seite.

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Porträtfoto: (c) Pamela Rußmann
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