zuckersuess297

Zuckersüß 297

In dieser Woche erfüllte ich mir einen Traum, der mich die ganzen fünf quasi Küchen-losen Monate in Nancy verfolgte: Eine fancy  Dinnerparty. Sämtliche Spießigkeitsvorwürfe diesbezüglich ließ ich an mir abprallen und erdachte ein 6-gängiges, fast vollkommen veganes (auf Burrata als einzige Tierprodukts-Komponente musste der betreffende Gast einfach verzichten) Menü, dem ich bald einen eigenen Post widmen werde.
In Vorbereitung auf den Abend machte ich eine Shoppingtour durch Wien, die mich nicht nur zu Krimskramsgeschäften für Servietten und Papierbecher führen sollte, sondern auch zum Apple Store auf der Kärntner Straße. Einen solchen hatte ich noch nie betreten und erst recht nicht mit zielstrebiger Kaufabsicht. Ich ließ mich trotzdem von der netten Atmosphäre einlullen und tippte auf einigen Touchscreens herum. Irgendwann sprach ich dann doch eine Mitarbeiterin an, denn ich hätte den Apple Pencil nicht mal testen müssen, um zu wissen, dass ich einen haben will (digitale Sketchnotes FTW!). Was dann folgte, ist einen Vermerk in meinem persönlichen Techniktagebuch wert (für das tatsächliche ist ein Besuch im Apple Store wohl etwas zu banal): Die Mitarbeiterin bestellte auf ihrem iPhone, das in einer sehr dicken Hülle steckte, einen Pencil aus dem Lager. Bis der ankam, fragte sie mich nach Studi- und Personalausweis, die mir 10% Rabatt bescheren sollten. Ob es ein bisschen mehr als 10€ wert sind, dass Apple nun meine Perso-Nummer hat oder sie zumindest zwischenzeitlich irgendwohin zum Abgleich übermittelt hat? Mein Pencil war jedenfalls endlich da und ich zahlte per Kreditkarte. Das entsprechende Lesegerät war nicht etwa in einem Kassenterminal am anderen Ende des Geschäfts verbaut, sondern auch gleich in der Hülle, in der das Mitarbeiterinnen-iPhone steckte. Meine Rechnung wollte ich auch auf Papier haben (voll antik, ich weiß), und diesmal bewegte sich die Verkäuferin doch von mir und dem iPad neben mir weg. Sie beugte sich unter den Nebentisch, der von oben ganz genauso stylish aussah wie der an dem wir gerade noch beide standen, und holte einen ziemlich langen Thermokassenpapierbeleg hervor. Sehr erstaunlich, dieses Geschäft.
Wäre das alles noch nicht genug Konsum für einen Dienstagnachmittag, gabs noch Eis beim Biosk im MQ (Himbeere-Veilchen, sehr lecker, und Pistazie-Kürbiskern, nicht ganz mein Fall) und Abendessen mit Freund_innen bei Xu’s Cooking.
Außerdem nahm ich einmal wieder einen Zug quer durchs Land: Das verlängerte Wochenende verbrachte ich auf einer (der) Almhütte bei Salzburg. Dort wanderte ich gemeinsam mit Freund_innen ein bisschen herum, aß großzügig Pofesen und Kaspressknödel(suppe) und genoss die Ferien. Ungünstigerweise hatte ich die Bücher, die ich mitnehmen wollte, aufgrund ihres Gewichts doch wieder ausgepackt und fand mich beinahe in der Situation gar nichts mehr zum Lesen zu haben! Bis ich an diesen Punkt gelangt war, hatte ich  einen Zeitschriftenstapel verschlungen: Die aktuelle Ausgabe des fluter (abonniert den doch bitte, der ist sogar kostenlos!) und auch den Augustin, das biber-Magazin  (wobei ich die Anzeige des Bundesfinanzministerium kurzzeitig für einen Scherz nach onatcers Ministeriengenerators gehalten habe), und das Datum vom März, auf dessen Aufbewahrung ich bestanden hatte. Der mehrtägige Aufenthalt im Funkloch (nicht einmal nach dem Erklimmen eines Berggipfels wurde ich mit LTE/3G-Netzabdeckung belohnt!) bewog mich zum Durchforsten meines Downloadordners nach PDF-Leseproben. Und siehe da: ich fand zwischen tausenden Vorlesungsslides zwar keine Leseprobe, dafür aber die Kurzgeschichte „Story of my life“ von Ted Chiang, auf der „Arrival“ basierte. Bald wurde es aber eh dunkel (so richtig dunkel, denn außer zwei Taschenlampen und einer LED-Leiste über dem Tisch gab es im Umkreis von 2km wohl kein künstliches Licht) und mein Unterhaltungsproblem löste sich durch Müdigkeit (hi, Biorhythmus!) einfach in Luft auf.

Und dann war da ja noch was mit Mond im Erdschatten?

Hier sind meine Links der Woche:

REZEPT

Peach Cobbler Scones – Joy the Baker
Sommer-Snack!

TEXT

How to Survive America’s Kill List – Rolling Stone (via DasFilter)
Ein Text mit so vielen WTF-Momenten, dass ich gar nicht mehr mitgezählt habe. Menschenrechte sind den USA gar nichts mehr wert, oder wie?

At issue is the fact that America, in the wake of 9/11, has become two countries.
One is a democracy, visible to the population and governed by the lofty laws and rules and constitutional principles we learned about in Schoolhouse Rock.
The second nation is an authoritarian state-within-a-state, governed exclusively by the executive branch. In this parallel world, all rights redound to a bureaucracy that may kill anyone it pleases at any time, restrained only by the inclinations of the executive.

Die Kaffeeautomatisierung des Lebens – golem.de (via DasFilter)
Michael Seemann über Co-Working-Spaces im Allgemeinen und Wework im Besonderen:

Das gemeinsame Nutzen von Ressourcen hatte am Anfang immer einen Touch von Weltraumkommunismus à la Star Trek und natürlich wird das durch das Internet erleichtert – Sharing-Economy war wie Coworking tatsächlich ernst und durchaus politisch gemeint. Dass diese Prinzipien erst so richtig zum Massenphänomen wurden, als ein Preisschild dran klebte, kann der Kapitalismus getrost als Erfolg für sich verbuchen.

Drei Babys ausgesetzt – Suchte die Polizei die falsche Frau? – Morgenpost
Was für eine Geschichte!

Je näher der August rückt, desto größer die Anspannung bei den Ermittlern. Auch in Brandenburg rechnen sie damit, dass in den kommenden Wochen wieder ein Baby ausgesetzt wird. Auch sie hadern damit, noch einmal an die Öffentlichkeit zu gehen. Vielleicht bemerkt diesmal ein Nachbar eine schwangere Frau, die irgendwann weder Babybauch noch Kind hat. Vielleicht hört die Mutter die Appelle der Polizei: „Bitte geben Sie das Kind in einer Babyklappe ab“, sagt Möhwald. Aber es gibt keine neuen Spuren, was soll die Polizei der Öffentlichkeit sagen? Und: Man will die Frau nicht in Bedrängnis bringen, sie könnte sich verfolgt fühlen, unüberlegt handeln.

Tagebuch, Mittwoch, 4. Juli 2018 – Letzte Sitzung vor den Klausuren, die mir seit zwei Semestern egal sind, ha! – Anke Gröner
Meine Sonntagsblogposts sind auch wegen Anke Gröners Blog und ihren Studiums-Reflexionen so lang geworden, wie sie jetzt sind (erste laute Überlegungen dazu im Zuckersüß 269)- und ich lese es nach wie vor super gerne, wie sie eine Art öffentliches Lerntagebuch führt:

Der Dozent meinte, dass meine Art der Vorbereitung – Dinge verbloggen – vermutlich eine effektivere Klausurvorbereitung war als das blöde Auswendiglernen der Folien, die er eh nur als „Fragment“ ansieht. Den Gedanken hatte ich beim Bloggen auch schon mal. Ich meinte, dass ich, gerade weil ich nicht für die Klausur lerne, sondern mir fürs Blog nur die großen Bögen gemerkt oder aufgeschrieben habe, auch anders zugehört hatte. Solange ich wusste, dass ich abgefragt werde, habe ich zehn Semester lang bei jedem Fakt überlegt, ob der wohl klausurrelevant sein könnte … ach, lieber zuviel als zuwenig aufschreiben. Das war bestimmt kein Fehler, aber ich merke jetzt, in der ersten Vorlesung ohne Abschlussklausur, dass ich dem Dozent viel aufmerksamer, weil unselektiver zugehört habe. Ich habe warten können, bis ein Gedanke abgeschlossen war und konnte mich dann entscheiden: Will ich das im Blog teilen oder ist das zu spezifisch für meine Leserschaft? Ist das wirklich so interessant, skurril, spannend, dass damit auch Leser*innen etwas anfangen können, die mit Kunstgeschichte sonst weniger am Hut haben?

Warum ich kein Tourist mehr sein möchte – SZ-Magazin (via Buddenbohm&Söhne)
Nachhaltiger Urlaub, gibts sowas eigentlich?

Für mich derzeit nur Europa, kleine, familienbetriebene Hotels, Ferienwohnungen oder Camping. Möglichst mit der Umgebung verschmelzen, möglichst wenig Sightseeing, möglichst wenig Tourist sein. Zwar gibt es auch bei letzterem ein paar bedauerliche Entwicklungen, etwa die Tatsache, dass sich Campingplätze immer mehr zu Plastik-Freizeitparks hochrüsten, was ich hier schon einmal aufgeschrieben habe. Dennoch ist es am Ende wahrscheinlich die umweltfreundlichste Art zu verreisen. Dieser mannigfaltige, wunderschöne, noch immer friedliche Kontinent, dessen Grenzen – kann man es wirklich glauben? – offen sind. Es wird Zeit, ihn noch besser kennenzulernen. Nur Stempel gibt’s dann keine.

AUDIO/VIDEO

How To Make Pickles Without A Recipe
Joshua Weissmans Transformation vom Paleo-Abnehm-Blogger zum Food-YouTuber ist… interessant. (Ich mochte sein „echtes“ Blog lieber, als diese Standard-YouTuberei…)

FOTO

Der „Blutmond“ aufgenommen vom Trattberg.

BACKKATALOG

2010: Johannisbeermuffins
2011: Haferflockencookies
2012: Süßes Fastfood
2013: Reese’s Cups
2014: Das Geheimnis wird gelüftet…
2015: Kokos-Ingwer-Kuchen mit Orangensirup
2016: Harcha und ein marokkanisches Abendessen mit Freund_innen
2017: Basilikum-Zitronen-Eis

2 Gedanken zu „Zuckersüß 297“

  1. Hi Jana
    Durch Deine Infos jede Woche bin ich immer auf dem Laufenden.
    Ich freue mich von Woche zu Woche darüber. Gerne würde ich Dir
    meine Küche zur Verfügung stellen um auch an solche Köstlichkeiten
    zu kommen.
    alles Liebe Deine Oma

    1. Hi Oma, freut mich sehr, dass du mein Blog gerne liest! Jetzt habe ich eh wieder eine *eigene* Küche, ich hoffe, ich kann dir mal Gebackenes mitbringen!
      XO

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