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Zuckersüß 293

Wie es sich für eine Abschiedswoche gehört, habe ich in den vergangenen Tagen enorm viel unternommen und erledigt (und keine Zeit zum Bloggen gehabt). Bevor ich mein ganzes Geschirr an Freund_innen und das ESN übergeben habe (Rezeptideen für Wohnheimsküchen gibts hier, btw), habe ich noch spontan French Toast gebacken, weil Katharina Seiser ein so schönes French Kipferl getwittert hatte. Gleich anschließend habe ich vorsichtshalber auch noch 20 Pfannkuchen gemacht, um nicht nur auswärts essen zu müssen.

https://twitter.com/jasowies_o/status/1008994070960705536

Nach dem Frankreich-Auftakt habe ich tatsächlich nochmal Fußball geschaut – das erste Deutschlandspiel mit vielen mexikanischen Freund_innen, die sich nach dem Sieg nicht mehr einkriegten, und zwei Kolumbienspiele mit vielen kolumbianischen Freund_innen (einmal traurig, einmal mit viel Jubel). Nachdem ich bestimmt mehrere Jahre lang kein einziges Fußballspiel verfolgt hatte (so. fad.), musste ich feststellen, dass es gar nicht so langweilig ist, mit netten Menschen gemeinsam in einer Kneipe auf eine Leinwand zu schauen. Ich trank zwar Tee dabei und fieberte verhalten bis gar nicht mit, aber so war es mir auch völlig egal, dass Deutschland so schlecht gewesen war.

Im Kino war ich auch noch, denn mein gratis-Ticket, das ich als ERASMUS-Willkommensgeschenk bekommen hatte, wollte ich nicht verfallen lassen. Im Caméo lief neben ein paar aktuellen Filmen, von denen mich keiner recht zusagte auch 2001: A Space Odyssey. Ich wusste praktisch nichts über diesen Film, außer dass er irgendwie wichtig ist. Immerhin wird er ja 50 Jahre nach Erscheinen nochmal gezeigt! So landete ich gemeinsam mit einer lieben Freundin, die mich vorher noch zum Handkäs-Katerfrühstück eingeladen hatte (ich muss auch erst ins Nachbarland, um regionale deutsche Spezialitäten zu probieren?) in der 14-Uhr-OV-Vorstellung. Einmal wieder fiel mir auf, wie viele Leute in Frankreich alleine ins Kino zu gehen scheinen, zumindest im Vergleich zu Bayern/Wien, wo ich kaum Ähnliches beobachtet habe. Noch erstaunlicher fand ich die „Pause“ im Film: Einfach ein paar Minuten graues Bild, aber weiterlaufende Filmmusik und Saalbeleuchtung. Ich bin leider immer noch nicht dazugekommen, etwas über den Film zu lesen – ein bisschen Einordnung könnte ich schon gebrauchen.

Nach so vielen Leinwänden brauchte es auch einmal Abwechslung: Beim Rendez-Vous Place Stanislas wird gleich auf fünf Fassaden gleichzeitig projiziert. Jeden Abend um 22.45h gibt es dort eine bunte Animation auf dem Rathaus, der Oper, dem Kunstmuseum usw. : Kronleuchter werden an und ausgeschaltet, Shilouetten rennen durch die Gänge, ein überdimensionaler Stanislas wünscht einen schönen Abend, die Mauern werden mit Neon-Buntstiften bemalt und am Ende gehen die Illustrationen mit Geschichtsbezug in Discolichter mit Electro-Swing über. Der dreidimensionale Sound dazu hat mich ebenfalls sehr beeindruckt, der Platz ist rundherum mit Lautsprechern bestückt. Solltet ihr vor Mitte September in Nancy vorbeikommen, empfehle ich euch unbedingt, euch dieses Spektakel anzuschauen!

Eine Freundin machte in ihrer Lernpause (es sind immer noch Rattrapages!) mit mir einen Ausflug zum Gelände des Michto-Festivals in Maxeville. Das findet zwar erst wieder im Herbst statt, aber zwei sehr coole Containerkonstruktionen stehen ganzjährig da. Freiwillige hatten an diesen so herumgebastelt, dass die eine jetzt eine geschnitzte und bemalte Holzfassade hat und die andere aussieht wie ein Zirkuszelt.

Die Fête de la Musique am Donnerstag verpasste ich nicht: In Nancy spielten dafür in vielen Bars Live-Bands, manche Leute stellten einfach ein Soundsystem auf die Fensterbretter im ersten Stock und machten die Straße darunter zur Tanzfläche. Leider gab es nirgends einen Zeitplan für den Abend, sodass ich irgendwie immer dann irgendwo ankam, als gerade der letzte Song angestimmt wurde. Außerdem wollte ich dieses Fest zu meiner Abschiedsparty machen, aber *alle* meine Freund_innen in einer Stadt voller Menschen zusammenzuhalten stellte sich als Ding der Unmöglichkeit heraus. Trotzdem, die Fête de la Musique ist eine super Initiative und könnte sich meiner Meinung nach ruhig noch weiter verbreiten.

Zum Umzugswochenende bekam ich freundlicherweise Besuch von meinen Eltern, die mich dann mit dem Auto mit zurücknahmen. Vorher waren wir aber noch in der Gentilhommière (sooo schöne Desserts!) und bei La petite cuillère essen. Beim Excelsior hat sich herausgestellt, dass es von außen (superschöne Ecole de Nancy-Glasscheiben) schöner ist als von innen und nicht unbedingt einen zweiten Besuch wert ist.

Und weil ich jetzt eh schon sagenhafte drei Tage verspätet bin mit diesem Post, erzähle ich nicht noch länger, sondern gehe zu meinen liebsten Links der vergangenen Tage über: Zuckersüß 293 weiterlesen

Zuckersüß 278

In dieser Woche war ich sogar zweimal im Kino und vergangenen Montag auch, ohne es hier zu erwähnen (schon wieder was vergessen!). Mit The Shape of Water und Call me by your name habe ich zwei Oscar-Filme gesehen, die ich beide ziemlich mochte. Sie haben teilweise recht witzige Parallelen, wie mir auffiel. Beide erzählen eine Liebesgeschichte (ok, nicht so außergewöhnlich), räumen Sprache einen besonderen Stellenwert ein und: zeigen mehrmals gekochte Eier! In ersterem verliebt sich eine Frau in ein Wasserwesen, in letzterem ein Jugendlicher in den Studienassistenten seines Vaters. The Shape of Water lebt von der Gebärdensprache der stummen Protagonistin, in Call me by your name gibts durchgehendes Code-Switching zwischen Englisch, Französisch und Italienisch, inklusive kurzem Abstecher ins Deutsche. Und die gekochten Eier – keine Ahnung, was man da hinein interpretieren könnte.
Auch die entsprechenden Soundtracks finde ich super, sie liefen bei mir die halbe Woche in Dauerschleife. Müsste ich mich zwischen diesen beiden für einen Favoriten entscheiden, wäre es trotz allem Call me by your name. Die Geschichte ist einfach so schöööööön, außerdem gibt es keinen Bösewicht und nicht eine homophobe Reaktion – zur Abwechslung mal ein Film der trotz mangelndem Happy End ein gutes Gefühl hinterlässt.

Jusqu’à la garde, der am Donnerstag im Rahmen einer der vielen Frauenkampftags-Veranstaltungen in Nancy gezeigt wurde, ist dagegen alles andere als ein Wohlfühlfilm. Er thematisiert sehr drastisch häusliche Gewalt und die Auswirkungen auf die Betroffenen. Im Anschluss an die Vorstellung organisierte die NGO Osez le feminisme eine Diskussionsrunde, die den Film mit den Erlebnissen Anwesender und möglicher Handlungsstrategien verwob. Ich hoffe wirklich sehr, diese niemals in meinem Umfeld nötig werden…

Den ganzen Donnerstag verbrachte wegen eines Uni-Ausflugs (Klassenfahrtsfeeling!) in Strasbourg, wo ich in drei Museen war. Einen Großteil meiner Eindrücke habe ich in meiner Insta-Story festgehalten (also zumindest bis mir der Akku ausging), maßgeblich inspiriert (aber viel weniger lustig) von Ines Häuflers Museums-Social-Media-Aktivitäten. Sie tinderte sich am Mittwoch durchs KHM:

Vermutlich schreibe ich darüber auch noch einen eigenen Post, aber so viel schon mal vorher: Geht UNBEDINGT ins Musée historique, falls ihr in Strasbourg seid – es ist eines der spannendsten Museen, in dem ich jemals war. Es ist durchgehend dreisprachig (Französisch, Deutsch, Englisch), super interaktiv und hat einen tollen, hörspiel-haften Audioguide, der nicht einmal zusätzlich kostet!

Und dieses Wochenende war ich dann nochmal unterwegs, auf der ersten „organisierten“ Busreise meines Lebens (einmal abgesehen von Schulausflügen). Was ich in Liège alles gesehen habe, erzähle ich ein andermal, hier folgen erstmal meine liebsten Links der Woche:

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