
Dieses Buch ist mir bei meinem Besuch in Rabat (s. Zuckersüß 533) im sehr netten Buchladen libremoi in Agdal in die Hände gefallen. Ich habe es erst einmal geschafft, ein französischsprachiges Buch von vorne bis hinten durchzulesen („Le pays des autres“ – Leila Slimani), und beschloss im freizeitreichen Ferienübermut, das mit Une année chez les Français nochmal zu probieren.
Die Geschichte des 10-jährigen Mehdi, der französischsprachig (und damit quasi ohne seine Muttersprache) in der Provinz aufwächst, und ganz alleine im französischen Lycée in Casa landet, hat mich schnell gepackt. Er ist das seltsamste Kind seiner Klasse – nicht nur, weil er mit seinem Hintergrund völlig verloren ist, was gesellschaftliche Konventionen betrifft – sondern auch, weil er sich die Welt hauptsächlich durch die Bücher erklärt, und ständig daraus zitiert.
Il était maintent chez les Français, entouré de leurs immeubles, de leurs bacs à sable, de leurs arbres. Il connaissait beaucoup de noms d’arbres : chêne, marronnier, peuplier, platane…, tous glanés dans ses lectures. En arabe, il ne connaissait qu’un seul mot : Chajra. Cela voulait dire „tous les arbres“. Aucun en particulier. Tous.
Fouad Laroui: Une année chez les Français (S. 34)
Er versucht angestrengt, dazuzugehören, die frisch „entkolonialisierte“ französische Bubble, in der er sich befindet, lässt das aber nie zu.
Ich habe oft gelacht, etwa als er sich vorstellt, Jenny von Westphalen zu heiraten, weil ihn ein kommunistischer Internatsbetreuer eine Marx-Biographie lesen lässt. Oft genug ist die Geschichte auch schmerzhaft: obwohl Mehdi klar der beste Schauspieler ist, bekommt der blonde französische Junge aus der Theatergruppe die Rolle, die er haben will. Stellenweise lösten sich Konflikte etwas zu glatt auf, was den Plot manchmal unglaubwürdig machte.
Von Fouad Laroui hab ich noch ein Buch im Regal stehen – Les noces fabuleuses du polonais (seit 2015, nie fertiggelesen) – es wird in Une année chez les français sogar erwähnt. Vielleicht sollt ich es mir doch nochmal vornehmen.
Fouad Laroui: Une année chez les Français. Pocket Jeunesse (2006), 258 Seiten.


