Schlagwort-Archive: lokal

Zuckersüß 360

In dieser Woche habe ich erstaunlicherweise nur zwei Kuchen gebacken: Kardamom-Pistazien-Karottenkuchen und Eierlikörguglhupf aka Kuchenkuchen (beides bald im Blog). Aber ich habe auch Eier gefärbt (mehr oder weniger fürs Radio, der entsprechende Beitrag für Ö1-help ist noch ein paar Tage nachzuhören) und einen Cocktail gemixt. Letzteres hauptsächlich deshalb, weil ich drei supercoole handgetöpferte Tiki-Becher von der Matikibar gekauft habe (ich mag dort unbedingt nochmal Cocktails trinken, die Bar darf also nicht pleitegehen!).

Einigermaßen viel Zeit habe ich strickend in der Sonne verbracht und kaum ist es draußen warm, ist auch meine dicke Winterfell-Strickjacke endlich fertig. Ich habe behelfsmäßig ein paar unterschiedliche Knöpfe darangenäht, damit sie auch funktionstüchtig ist – sobald Kurzwarengeschäfte wieder öffnen, kann ich mir ja passende kaufen.

Unter Aufsicht meines Mitbewohners (der hobbymäßig viel Elektronik zerlegt und neu zusammenbaut) habe ich mich auch mal darangetraut, meinen Laptop aufzuschrauben und sauberzumachen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Dreck aus einer Tastatur fallen kann, wenn man sie erst einmal aus einem Thinkpad genommen hat. Die ganze Aktion erinnerte mich an eine Stelle am Anfang von Permanent Record, Edward Snowdens Buch, das ich nun endlich fertiggelesen habe:

„To refuse to inform yourself about the basic operation and maintenance of the equipment you depended on was to passively accept that tyranny and agree to its terms: when your equipment works, you’ll worrk, but when your equipment breaks down you’ll break down, too. Your possessions would possess you.“ (S. 29)

Danach wollte ich mal wieder eine *mitreißende* Geschichte lesen und wurde von TC Boyles Das Licht in der Hinsicht nicht enttäuscht – ich habe es in drei Tagen durchgelesen. Es handelt von der Entdeckung von LSD 1943 und dessen psychologischer Erforschung durch Timothy Leary und Kollegen in Harvard ab 1961. Letzterer baute schnell eine Art Sekte um sich auf, die regelmäßig „das Sakrament“ (LSD) einnahmen und abgeschottet vom Rest der Welt auf einem Anwesen in Upstate NY lebten. Die ganze Zeit fragte ich mich, wie viel Wahres an dieser Geschichte war und nach ein bisschen Wikipedialeserei stellt sich heraus: sehr viel. Timothy Leary gab es wirklich und sein ganzes Leben war noch viel spektakulärer als es die paar Jahre im Buch schon erahnen ließen. Sehr lustig fand ich auch diesen Spiegel-Artikel von 1974, der den echten Namen seiner Gruppierung, „Brotherhood of Love“, aufgreift.

Im Anschluss daran bin ich wieder bei Non-Fiction, genauer gesagt beim Schreiben über Essen, gelandet und lese jetzt Ruth Reichls Save me the Plums.

Arezu

Den donnerstäglichen Restaurantbesuch habe ich erstmals durch Lieferservice ersetzt, denn mein Budget dafür gibts glücklicherweise noch (und auch die coolsten Restaurants der Stadt dürfen jetzt nicht pleitegehen!). Das Arezu in der Lange Gasse steht schon länger auf meiner Ausprobieren-Liste, weil ich über persische Küche kaum was weiß. Das sollte mir und meiner üblichen Begleitung (die glücklicherweise im selben Haushalt wohnt) dann auch zum Verhängnis werden, denn woher sollte ich wissen, wie die vielen Komponenten in kleinen Plastikbehältern zusammengehören?

Als Vorspeise gab es einerseits Kuku Sabzi aka persisches Kräuteromlett mit Joghurt und getrockneten Ribisel (glaube ich – vielleicht auch Berberitzen?) und Fladenbrot. Das Ganze ähnelte eher kleinen Puffern als Omlett und die Kräuter waren Hauptbestandteil und nicht nur Würzmittel – ich könnte sie mir auch gut als vegetarische Burgerpatties vorstellen. Andererseits haben wir Kashke Bademdjan also gebratene Melanzani mit Knoblauch, Minze und iranischem Trockenjoghurt bestellt. Versehentlich aßen wir Reis statt Fladenbrot dazu, aber das war auch nicht schlecht. Die gebratenen kleinen, fleischigen Melanzani waren durchzogen von geschmorten Zwiebeln und könnten ein super Dip sein. Der Trockenjoghurt erinnerte mich ein bisschen an bröseligen Ziegenkäse, ich mochte ihn nicht besonders.

Als Hauptgang hatten wir zweierlei Eintöpfe: Yatimcheh und Fesendjan. Ersterer bestand aus festen Kartoffeln, fleischiger kleiner Melanzani, Zucchini und Zwiebeln in großen Stücken in säuerlicher Tomatensauce. Ziemlich gut, aber auch nicht besonders überraschend. Ganz im Gegenteil zu Fesendjan, einer dicken Sauce aus geriebenen Walnüssen, saurer Granatapfelmelasse, großzügig Öl und frischer Petersilie und Minze obenauf. Die Konsistenz hat mich sehr überrascht und der Geschmack, irgendwo zwischen Trockenpflaumen und sauren Früchten, noch viel mehr. In der Speisekarte gab es optional Hühnchen oder Rindshackfleischbällchen dazu, ich glaube, als Sauce zu Fleisch wäre Fesendjan noch viel beeindruckender.

Safraneis
Natürlich schmolz das Eis, bevor ich ein Foto schießen konnte…

Als Nachspeise gab es dann noch Safran-Eis, das zwar sehr gelb war, aber kaum nach Safran schmeckte. Stattdessen war es ziemlich süß, hatte es ein intensives Rosenwasseraroma und ein paar versteckter Pistaziensplitter. Ich mochte es sehr, wenn ich mal Rosenwasser zur Hand habe, bastle ich es nach!

Dieser Abend mit persischem Essen war eine tolle Abwechslung zum täglichen Selberkochen, aber leider trotzdem kein Vergleich zu einem echten Restaurantbesuch. Mir bleibt also nix anderes übrig, als in ein paar Wochen dann IRL ins Arezu zu gehen!

Lohnarbeit! Außer Haus!

Und dann war ich tatsächlich das erste mal seit mehr als zwei Wochen in den Öffis unterwegs zur Arbeit und interviewte unter erschwerten Bedingungen (Mikrofonangel in kleinem Feinkostladen und ein Gespräch im Resselpark statt im Studio) zwei Feinkostladenbesitzer zum Thema Delikatessen in Dosen. Mal sehen, wie daraus eine Radiosendung wird.

Der kurze Weg durch die Innenstadt war jedenfalls sehr befremdlich – kaum wer auf der Straße, alles sehr leise und tatsächlich Grablichter und Heiligenbilder an der Pestsäule?!?!

Hier folgen jetzt mal meine liebsten Links der letzten paar Tage:

Zuckersüß 360 weiterlesen

Zuckersüß 355

Weil mein letzter Sonntagspost schon einige Wochen her ist, folgt hier ein langer Blogpost voller shameless selfplugs und crossposting zu meinen anderen Blogs. Springt einfach direkt zu den Links, wenn ihr mein Tagebuchblogging fad findet ;)

Ich war im Wetter, im Oreno Ramen und im Mochi Ramen (Lokal-Blogposts folgen!) essen und habe sehr viele Kekse im Mini-Format gebacken: Bravetart’s Chocolate Chip Cookies, Lakritzkekse (bald im Blog!), Erdbeerkekse, Ingwershortbread und Marzipanhörnchen mit Orangenblütenwasser.

Eine Reise nach Frankreich

In Paris habe ich die meiste Zeit tee- und weintrinkend mit Freund_innen verbracht und deshalb kaum etwas besichtigt – nicht mal eine Ausstellung habe ich mir angesehen. Für aktivistische Kunst im öffentlichen Raum braucht es das glücklicherweise auch nicht. An allen möglichen Orten der Stadt sind mir an Wände gekleisterte, schwarz beschriebene A4-Zettel mit feministischen Botschaften aufgefallen:

Im Park Buttes-Chaumont bin ich bei erstaunlich frühlingshaftem Wetter spazierengegangen. Von der dortigen Aussichtsplattform sieht eins wirklich sehr schön über die Stadt. Und abgesehen von ein paar posenden Instagrammer_innen, Jogger_innen und Eltern mit Kinderwägen ist vormittags kaum wer dort unterwegs, sodass sich eins gut ausruhen kann. Oder Zeitunglesen: Ich bin endlich dazugekommen, mir die Malmoe #90 vom letzten Jahr eingehend anzuschauen. Ohne diese linke Gazette (wie sie sich selbst bezeichnet) zu kennen, hatte ich sie vor Weihnachten im Soziologieinstitut mitgenommen und nur oberflächlich durchgeblättert. Am Ende hätte ich hier im Zuckersüß am liebsten auf die Hälfte der Texte (insbesondere das Dossier zum AMS-System und „Blinken in beige.“ von Katherina Braschel) verlinkt, leider sind sie nicht online.

Und dann habe ich auch noch mein erstes Interview auf Französisch geführt: Lionel Bonnamy von der Fabrique aux Gourmandises, der den Concours du Meilleur Croissant au Beurre 2019 in der Region Paris gewonnen hat, hat mir ein paar Fragen zu – wer hätte das gedacht – Croissants beantwortet (zu hören dann Ende März im Ö1 Moment Kulinarium!).

Anschließend war ich noch für ein paar Tage in Nancy. Der Campus Lettres et Sciences Humaines sah genauso grau und trostlos aus wie ich ihn kennengelernt habe und dann wurde auch noch, genau wie vor zwei Jahren, ein eintägiger Streik ausgerufen!

Ich holte mir zwar ein Flugblatt mit den Forderungen, entschied mich aber lieber für einen Stadtspaziergang, anstatt mich mit dem Blocus zu beschäftigen (2018 habe ich eine Reportage fürs Uniradio darüber gemacht!). Ich habe ein Kaffee-Merveilleux (Meringue gefüllt mit Kaffee-Sahne), mehrere Croissants, Beignets (viel schlechter als Krapfen!) und Baguette gegessen und war in der Plantation (sehr sympathische Bar gleich beim Bahnhof!) einen Punch Coco trinken.

Zurück nach Wien bin ich mit dem Zug via Strasbourg und Frankfurt. Die Reise hat ein bisschen länger als zwölf Stunden gedauert und war mir trotzdem tausendmal lieber als der Hinflug mit dem schrecklichen Sicherheitstheater (Stricknadeln verboten??). Ich habe mir ein Abendessen im Bordrestaurant (Gemüsecurry mit Kokosreis) gegönnt und mich ein bisschen wie in einer anderen Zeit gefühlt.

Kino

In Wien habe ich Lindenberg! Mach dein Ding angeschaut. Vor diesem Film kannte ich Udo Lindenberg nur als eher gruselig aussehenden alten Mann, der nie ohne Sonnenbrille unterwegs ist, aber scheinbar hat er in der BRD-Popkultur echt was verändert. Wie nah die Darstellung seiner Nachkriegskindheit, der Reeperbahn und der „linken“ Szene in den 1970ern an der Realität ist, weiß ich nicht, aber mir kommt es vor, als hätte ich dennoch eine neue zeitgeschichtliche Perspektive gewonnen (z.B. wäre mir nie eingefallen, dass deutschsprachige Popmusik so kurz nach den 68er-Revolten als Singen in der Tätersprache verpönt war).

Wegen Regenwetter habe ich mir in Nancy spontan La Llorona angeschaut (und mich wieder einmal über die freie Platzwahl in französischen Kinos gewundert). La Llorona („die Weinende“) ist eine Figur aus der lateinamerikanischen Mythologie, die in diesem Film einen ehemaligen General und seine Familie heimsucht. Das Ganze ist angelehnt an das guatemaltekische Militärregime der 1980er Jahre, das die indigene Bevölkerung massakrierte. The Verge fasst es gut zusammen:

La Llorona is a supernatural revenge story about a real atrocity — while Enrique is fictional, the horrific Guatemalan genocide and resulting war crimes trials are very much not. It’s a film about a cursed man, but more about a man who is a curse, poisoning the soul of everyone around him.“

Stellenweise habe ich mich ziemlich gegruselt (wenn ich gewusst hätte, dass La Llorona ein Horrorfilm ist, hätte ich ihn sicher nicht angeschaut!), aber gleichzeitig wieder einiges über ein Land gelernt, mit dem ich mich bisher gar nicht beschäftigt habe.

Im Heimkino (was für ein schreckliches Wort) habe ich endlich die zweite Staffel Sex Education auf Netflix fertiggebinged. Ich mag die Serie furchtbar gern, die Charaktere sind alle zum Liebhaben und die Probleme/Dialoge gleichzeitig teenagerpeinlich und supersüß. Dieser riesige Cliffhänger am Ende nervt mich aber ein bisschen – es dauert doch bestimmt eineinhalb Jahre, bis es weitergeht?

Bücher

Ich habe Christina Tosi’s Milk geschenkt bekommen und freue mich schon darauf, die Rezepte daraus auszuprobieren (glücklicherweise mit Cup- und Grammangaben). Außerdem ist Sara R. Farris‘ In the Name of Women’s Rights: The Rise of Femonationalism (s. a. der zugehörige Vortrag) bei mir angekommen. Und ich war bei der Präsentation der ersten zwei Bände von „Reihenweise kluge Frauen“, wo die Biografien von Margarete Schütte-Lihotzky und Hedy Lamarr vorgestellt wurden (drüben im Sketchnote-Blog steht mehr dazu).

Jetzt zu meinen liebsten Links der letzten Wochen:

Zuckersüß 355 weiterlesen

Zuckersüß 352

In dieser Woche habe ich endlich meinen 35c3-Rückblickspost fertiggetippt und den Glühwein-Käsekuchen, den ich seit 8 Jahren mal wieder backen wollte, verbloggt. Ich habe Tajine gemacht und dabei über die mangelnde Meinungsfreiheit in Marokko nachgedacht (s. z.B. Guardian, NYTimes) und danach Cards Against Humanity gespielt.

Und ich war auf einer Weihnachtsparty eingeladen, als Mitbringsel habe ich Bravetart’s Zimtschnecken mit einer extra-weihnachtlichen Gewürzmischung (Zimt, Kardamom, Nelken, Ingwer, Cayennepfeffer) gebacken – auch sehr empfehlenswert fürs Katerfrühstück!

Podcasting-Meetup

Gemeinsam mit Maria Wegenschimmel vom SozialPod und Lisa Krammer vom Mundart Podcast werde ich zukünftig das Podcasting Meetup Österreich organisieren. Am Dienstag fand sozusagen das „Übergabe“-Meetup mit dem bisherigen Organisator Stefan Haslinger (meinem ersten Podcastgast!) statt, auf Twitter gibts einen Mini-Rückblick:

https://twitter.com/podcasterei/status/1204539298206437376

In meinem Podcast ist übrigens Folge 17 mit Anna Wielander am Nestroyplatz erschienen, es geht um ihren Podcast Jugendstil, Journalismus und Studieren in Prag.

ON

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, diese Woche ins Ansari zu gehen, um georgisches Essen zu probieren. Leider war dort kein Tisch zu haben und und ich schwenkte um auf chinesisch. Wien, wie es isst lobt das ON und seine Ableger ziemlich stark, die Entscheidung für ein Lokal fiel also nicht schwer.

In meiner Instastory habe ich schon „eine kleine Gastrokritik“ dazu geschrieben, ich übernehme sie jetzt aber auch noch ins Blog, sonst ist sie ja quasi verloren.

Zum Gedeck gabs eine etwas wirre Zusammenstellung von Mischbrot mit Olivenöl, gerösteten Erdnüssen, Krabbenchips und kalten Edamamebohnen, die mir mit ihrem leichten Sternanis-Aroma super geschmeckt haben. Als Vorspeise bestellten ich und meine Begleitung Pak Choi mit Shiitakepilzen und Knoblauchsauce, sowie Frühkraut mit Grammeln. Ersteres war mein liebstes Gericht des Abends: Der Pak Choi ist offensichtlich sehr scharf angebraten worden, sodass er sehr rauchig und alles andere als fad schmeckte. Die Pilze hatten eine fast fleischige Konsistenz, und die Sauce war karamellig-salzig. Das leicht sautierte Frühkraut war eigentlich als scharf angekündigt, erfüllte dieses Versprechen aber überhaupt nicht. Die Sauce dazu – dickflüssig-süß, vermutlich irgendetwas fermentiertes – schmeckte mir auch gut.

Als Hauptgang hatte ich eine Auswahl an gebratenen Teigtaschen, gefüllt mit Räuchertofu/chinesischem Bärlauch, Gemüse/Erdnüsse, Lammhack/Kümmel, Maishähnchen/Shiitake und Schwein/Sellerie. Am besten geschmeckt hat mir die Version mit Gemüse und Erdnüssen, die Schwein/Sellerie-Teigtasche war mir viel zu fettig und die mit Lammhack/Kümmel zu trocken. Aber mit der Sojasauce im Schälchen daneben ließ sich das einigermaßen ausgleichen. Wirklich beeindruckt hat mich der Mini-„Salat“ aus eingelegtem Rettich und Karotten, den es dazu gab. Das Gemüse war ziemlich scharf, aber durch Weinessig auch super frisch und immer noch knackig. Meine Begleitung hatte eine Schüssel scharfes Kimchi-Tofu-Ramen, das so scharf war, das ich nichts dazu sagen kann.

Beim Dessert wollte ich unbedingt etwas probieren, das ich nicht kenne. Die Wahl fiel deshalb einerseits auf Age Tofu in Sesam/Kokos-Mantel mit süßer Bohnensauce und Klebreisbällchen mit Sesamfüllung. Ersteres stellte sich als wirklich seltsam heraus: Der Tofu fühlte schien frittiert zu sein, war aber gleichzeitig recht wässrig und in der Konsistenz sehr quietschig. Der Geschmack kam hauptsächlich von Kokos, Sesam und der süß-salzigen Bohnensauce. Nicht unbedingt mein Fall. Die Reisbällchen sahen aus wie sehr weiße Mini-Germknödel, die schwarze Sesamfüllung erinnerte mich an Powidl. Leider schmeckte das Ganze ebenfalls relativ wässrig.

Für alles miteinander (inkl. Wein und Wasser) zahlten wir 55€, was ich für einen fairen Preis halte. Der Abend war interessant, aber nicht genug, als dass ich in naher Zukunft wieder ins ON gehen würde. Grund dafür war auch die Atmosphäre – sehr kühl und mit irgendwie reserviertem Service.

Gin

Zum Geburtstag habe ich jeweils eine Flasche Wien Gin, Wien Klimt Gin und Rauhbühl Gin geschenkt bekommen. Gemeinsam mit meiner WG habe ich diese drei Gins und irgendeinen, der von der letzten Party übrig geblieben ist, versucht, zu vergleichen. Es stellt sich heraus: es ist wirklich sehr schwierig, zu beschreiben, was sie unterscheidet. Beim klassischen Wien Gin glaubte ich, Zitrus herauszuriechen/schmecken, der Klimt kam mir im Vergleich viel sanfter vor (aber geschmacklich vermag ich ihn nicht zu beschreiben). Der Rauhbühl Gin riecht ziemlich nach Früchten, am ehesten nach Birne, der übrige Party-Gin war direkt nach dem Einschenken vor allem stechend in der Nase. Gemixt zum Gin Fizz taugte mir der Wien Gin am meisten, meine Mitbewohner fanden aber die anderen auch sehr gut. Ich glaub, ich muss mir noch einen Geruch- und Geschmacksüberblick antrinken…

Ich habe gut die Hälfte von Eure Heimat ist unser Albtraum durchgelesen und sehr viele Stellen eingemerkt. Das Buch besteht aus einzelnen Essays, wodurch es sich für mich ziemlich schnell liest. Am eindrucksvollsten fand ich bisher den Beitrag von Hengameh Yagoobifarah über Blicke und den von Fatma Aydemir zu Arbeit.

Hier folgen meine liebsten Links der Woche (sehr viele, ich hab mich mal wieder stundenlang durch meinen RSS-Reader geklickt):

Zuckersüß 352 weiterlesen

Zuckersüß 345

Letzten Sonntag war ich so sehr mit der Vorbereitung der 3. Staffel meines Lieblings-Plätzchen-Podcasts beschäftigt, dass ich gar nicht dazugekommen bin, ein Zuckersüß zu schreiben, sodass dieses hier doppelt Links enthält. Aber wenn ich schon mal dabei bin: Heute ging Folge 13 mit Maria Wegenschimmel vom Sozial-Pod online! Also abonniert Lieblings-Plätzchen im Podcatcher eures Vertrauens, und auch bei Facebook, Instagram (mit Puzzlegrid, wie so ein Lifestyle-Account!) und Twitter (Trailervideos! Podcastsnippets!).

Vienna Humanities Festival

Vergangenes Wochenende war ich beim Vienna Humanities Festival, auf das ich durch ein U-Bahn-Plakat aufmerksam geworden war. Die verschiedenen Veranstaltungen machten mir einmal wieder klar, wie froh ich bin, in Wien zu wohnen und wie cool die Stadt eigentlich ist (so viel kostenloses Kulturzeug!). Los gings am Donnerstag im Volkstheater mit „Paradox Europa. In memoriam Ágnes Heller“, einem Vortrag von Shalini Randeria und einer Diskussion zwischen Ludger Hagedorn und Paul Lendvai, moderiert von Lisa Nimmervoll. Von Shalini Randeria hatte ich schonmal ein Paper für die Uni gelesen, doch sonst kannte ich keine_n einzige_n der Vortragenden.

Ich ärgerte mich ziemlich, dass ich mein iPad nicht dabei hatte, denn gerne hätte ich Shalini Randerias Gedanken grafisch festgehalten. Ihr Vortrag handelte vom Spannungsfeld Menschenrechte/Bürgerrechte und universeller/nationaler Identität und wie Europa von einem Paradox geprägt ist: gleichzeitig „Wiege“ der Menschenrechte und des Kolonialismus und Imperialismus, gleichzeitig „einzigartige“ Erfolgsgeschichte und universelles/universalisierbares Vorbild für den Rest der Welt (zumindest von Europa aus gesehen).

In der Diskussionsrunde beeindruckte mich vor allem Paul Lendvai. Er sprach sehr ruhig (und mit starkem ungarischen Akzent) und wirkte auf den ersten Blick gebrechlich, doch seine Worte trafen wie Messerstiche. Der Philosophieprofessor Ludger Hagedorn daneben ging durch die enorme Redegewandtheit Paul Lendvais fast unter.

Am nächsten Abend, in der Marxhalle, hatte ich dann mein iPad dabei und konnte sketchnoten (s.a. mein Post auf jasowieso.com). „Social Networks or Social Nightmares“ war eine Diskussionsrunde zwischen Evgeny Morozov, Max Schrems und Roger McNamee, hier moderierte Shalini Randeria. Ich war abermals sehr beeindruckt, diesmal von der Moderatorin, die extrem komplexe Themen aufbrachte und doch alles wieder zu einem roten Faden zusammenspinnen konnte. Allerdings kam es kaum zu „echten“ Diskussionen, eher stellten die drei „Internetexperten“ verschiedene Perspektiven zu Shalini Randerias Fragen vor.

„Social Networks or Social Nightmares“ Vienna Humanities Festival mit Evgeny Morozov, Max Schrems, Roger McNamee und Shalini Randeria

Am Sonntag war ich dann noch im Wien Museum bei einem Gespräch zum Roten Wien (eine Austellung, die ich auch noch unbedingt anschauen will), doch es war so unendlich schlecht moderiert, dass ich vor Ende wieder ging.

Anders dann „Werden Social EntrepreneurInnen die Welt retten?“ mit Marie Ringler und Florian Pollack. Erstere ist Europa-Chefin von Ashoka, einer Art Stipendiumsprogramm für Unternehmer_innen mit sozialem Geschäftsmodell (s.a. mein Post auf jasowieso.com)

„Werden Social EntrepreneurInnen die Welt retten?“ – Vienna Humanities Festival mit Marie Ringler und Florian Pollack

Kuchen!

Natürlich habe ich auch allerlei gebacken. Nachdem ich die Bouffons-Episode über Flan gehört hatte, versuchte ich mich erstmals an diesem französischen Dessert, war allerdings nicht besonders überzeugt vom Ergebnis (obwohl ich mich an ein Rezept von Michel Roux hielt!). Mein nächstes Backprojekt, ein einfacher Hefezopf, scheiterte ebenfalls, weil die Trockenhefe nicht mehr arbeitete (kein Wunder, war schon 2 Monate abgelaufen…).

Wenigstens smitten kitchens chocolate peanut butter cup cookies stellten sich als super heraus, das übersetzte Rezept folgt *in Kürze*. Auch immer gut ist der Schoko-Bananen-Guglhupf von 2013, den ich am Freitag gleich in doppelter Ausführung machte. Am Samstag gab es auch eine Zwetschgenvariante des Marillen-Mascarpone-Kuchen vom Sommer und einen Zwetschgen-Streusel-Kuchen mit Germteig in etwa wie der Mispelstreuselkuchen, den ich in Marokko immer machte, um Butter zu sparen.

Vier Kuchen in weniger als 24 Stunden sind sogar für meine Verhältnisse großzügig. Grund für diese Backaktion war eine Kleidertauschparty, die ich für meine Freund_innen organisiert habe. Ich bin sehr begeistert vom Konzept, einfach alle möglichen Leute mitsamt ihren nicht mehr benötigten Kleidungsstücken einzuladen, alles nach Kategorien zu sortieren und für einen Nachmittag einen gratis Second-Hand-Laden in der Wohnung zu haben. Ich wurde ein paar lange nicht getragene Kleider los und kam an eine handvoll Pullover für den Winter – wirklich super!

Uncanny Values im MAK

Gestern Nachmittag stellte ich mit Entsetzen fest, dass die Ausstellung „Uncanny Values“ im MAK, die ich schon seit dem Sommer besuchen wollte, den letzten Tag offen war. Es folgte also ein spätnachmittaglicher Ausflug ins überfüllte Museum, in dem ich offenbar vor zwei Jahren zuletzt war. Die damalige „Hello, Robot“-Ausstellung hatte mit Robotern und Digitalisierung ein ganz ähnliches Thema wie die aktuelle, in der es um die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz ging. „Uncanny Values“ (eine Anspielung auf Masahiro Moris „Uncanny Valleys“) hat sogar eine eigene Webseite, auf der alle Werke nochmals beschrieben sind (im folgenden jeweils verlinkt), sie „lebt“ hoffentlich noch länger als die Ausstellung selbst.

Eines der visuell beeindruckendsten Werke war „Probably Chelsea“ von Heather Dewey-Hagborg und Chelsea Manning, das aus 3D-gedruckten Gesichtern bestand, die von der Decke hingen. Sie waren alle auf Basis Chelsea Mannings DNA algorithmisch generiert, sahen aber ziemlich unterschiedlich aus. Die Message ist klar: Gesichtserkennungssoftware und „neutraler“ DNA-Verarbeitung ist nicht zu trauen.

In der Videoinstallation „Behold These Glorious Times“ von Trevor Paglen (2017) konnte man quasi einem Bilderkennungssystem beim „lernen“ zusehen – schnell zusammengeschnittene Videoausschnitte von Menschen, die alle kauen/laufen/etwas schieben/etc. Die Hintergrundmusik dazu gefiel mir gut, Holly Herndon hatte sie ebenfalls mithilfe eines Algorithmus geschrieben – leider finde ich sie nirgends online…

Es gab einerseits viele Mitmach-Werke in der Ausstellung, z.B. den Uralt-Chatbot ELIZA an einem Röhrenbildschirm oder die Poetry Machine 1.0, die eher sinnlose Gedichte fabrizierte. Andererseits fand ich einige Ausstellungsstücke nur sehr schwer zugänglich – mit der Fotoserie „MoMA’s Baby (The Human Who Taught Computers To See)“ von Mladen Bizumic (2019) konnte ich genauso wenig anfangen wie mit „Centralized vs Decentralized“ von Simon Denny (2018).

Für das Video „Se ti sabir“ von James Bridle (2019) muss sich eins Zeit nehmen, am besten die ganzen 19 Minuten, sonst sind es auch nur Natur-Sequenzen mit scheinbar unzusammenhängendem Text. James Bridle spannt darin den Bogen von der originalen Lingua Franca des Mittelmeerraumes im Mittelalter (auch bekannt als „sabir“/wissen), den Bogen zu Intelligenz im Allgemeinen und bei Oktopussen, KIs und Menschen im Speziellen.

Lokale

Der Vollständigkeit halber seien nach dieser monströs langen Einleitung auch noch die Lokale erwähnt, in denen ich in den vergangenen Tagen zum ersten Mal war: Im marokkanischen Restaurant L’Orient (1020), im supersüßen Strickcafé Wiedehopf&Wolle (1180) und im sehr enttäuschenden veganen Burgerladen Veggiezzz (1010). Sobald ich dazukomme, auch mit ausführlicherem Bericht.

Jetzt aber endlich Lieblingslinks!

Zuckersüß 345 weiterlesen