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Zuckersüß 377

…mit einem 3- oder eher 6-Gänge-Menü im Freyenstein, einem neuen Strickprojekt, einem Zuckerbäckerei-Porträt bei ZEIT online – und wie immer, den besten Links der letzten Tage.

Ich habe eine Zwetschgen-Frangipane-Tarte mit Orangenblütenwasser gebacken (bald im Blog!) und mal wieder Katharina Seisers Grießschmarrn gemacht:

Durch den Tipp einer Freundin bin ich letztes Wochenende über die Wiener Restaurantwoche gestolpert und hab bei der Gelegenheit gleichmal einen Tisch im Freyenstein reserviert. Drei Gänge bei zwei Hauben für knapp 40 Euro klang nach einem fairen Deal und in Laufnähe wars auch noch. Viele Überraschungen gab es nicht, gut geschmeckt hats aber auf jeden Fall.

Außerdem war ich im Minoo in Passau, das zwar ziemlich hip ist und mit seinem persischen Einschlag (die Inhaberin stammt offenbar aus dem Iran) doch anders, als das niederbayrische Durchschnittscafé. Leider hat mich weder mein Falafelwrap mit Salat, noch das irgendwie nichtssagende Basilikumsamen-Getränk Sharbat überzeugt.

Zuckerbäckerei bei ZEIT online

Schon vor einigen Monaten hatte mich Eva Biringer angeschrieben, ob ich Lust hätte für das ZEIT online Sonntagsessen ein paar Fragen zu beantworten. Und natürlich hatte ich Lust, immerhin las ich die Serie auch sehr gerne! Nun wurde mein Porträt – das sich um die Geschichten und Einflüsse hinter meinen Rezepten dreht – veröffentlicht.

Leider ist die Serie mittlerweile hinter einer Paywall versteckt (zum Interviewzeitpunkt war sie das nicht), was ich nicht ganz fair finde, denn Rezepte und Fotos kommen von Blogger_innen wie mir, die als Gegenleistung halt ein bisschen exposure bekommen. Wie viel Aufmerksamkeit eine Verlinkung bei ZEIT online so bringt, kann ich nichtmal sagen, denn ich sammle keinerlei Daten über meine Blog-Leser_innen, weshalb ich auch nicht weiß, ob es seit gestern mehr geworden sind – aber, wenn du neu hier bist: Herzlich Willkommen!

Worauf ich hinaus wollte: Natürlich hat die Autorin Arbeit damit, Interviews einzufädeln und zu einem Artikel verwurschteln, und ich (als recht prekär beschäftigte Journalistin) hoffe sehr, dass sie dafür anständig entlohnt wird. Aber ich finde trotzdem, dass es ein unguter Move der Zeitung war, diese Rubrik in eine exklusiv für Abonnenten zu verwandeln.

Für alle ohne ZEIT online-Abo (was nicht das gleiche ist, wie ein ZEIT Print-Abo, wie ich gestern erstmals feststellte): Diese fünf Rezepte kommen im Artikel vor: Pastiera di Grano, Basilikum-Eis, Qrichlat, Lakritzkekse und Heidelbeer-Apfel-Birnen-Pie.

Stricken und Lesen

Diese Woche habe ich die Sunday Cardigan von Petit Knit angeschlagen und bin sehr begeistert, wie viel schneller als beim Cinna Top (7mm vs. 2,5mm-Stricknadeln) ich vorankomme.

Ich habe endlich ein Buch angefangen, das schon seit letzten Herbst bei mir herumliegt: Utopien für Realisten. Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen von Rutger Bregman. Und dann kam noch die bpb-Version von Karolin Schwarz Hasskrieger. Der neue globale Rechtsextremismus bei mir an, in das ich auch gleich hineinlas.

Apropos lesen: Hier folgen meine liebsten Links der letzten Tage:

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Zuckersüß 376

…mit zwei tollen Abendessen (Frittwoch und Dinnerparty), einem gehäkelten Sommerkleid im Frühherbst, Törtchen im Crème de la Crème und neuer alter Lektüre (Elfriede Jelineks Die Liebhaberinnen) – und wie immer, den besten Links der letzten Tage.

In der letzten Woche kam es mir vor, als hätte ich zu wenig zu tun. Deshalb beschloss ich kurzerhand, für sechs Freund_innen superspontan fünf Gänge aufzutischen. Mehr dazu hier.

Am Vorabend war ich noch bei Freund_innen mit tollem Balkon und Fritteuse eingeladen, um Frittwoch (könnte ein regelmäßiger Feiertag werden, wenns nach mir ginge) zu feiern. Es gab Gemüse im Bierteig, mit Cornflakesbröseln, Knoblauch-Chips-Bröseln, Fried Pickles in Maisgrieß, Mozarellabällchen und weiteres superes Fettgebackenes.

Schnitzel (Figlmüller) und Zitronentörtchen (Crème de la crème)

Apropos Ausbacken: Mit Besuch aus Berlin war ich bei Figlmüller’s essen, der zwar echt schön eingerichtet ist und sehr Wienerische Kellner hat, aber doch fast unverschämt teuer ist (15,50€ für ein Schweinsschnitzel ohne Beilage — der zugegeben sehr leckere Erdäpfel-Vogerlsalat mit senfigem Dressing und Kernöl kostete nochmal 4,90€).

Ebenfalls halbwegs teuer, aber sehr fein war mein Besuch im Crème de la Crème, einer Pâtisserie in der Josefstadt, in die ich es nach dem fünften (oder so?) Versuch endlich mal geschafft habe (zuvor: geschlossen, kein Tisch frei etc). Ich bestellte eine klassische Tarte au Citron (5,50€), die einerseits sehr schön aussah, andereseits auch super schmeckte: zitronig-sauer, cremig, süß, mit knusprigem, dünnen, recht dunklen Mürbteigboden. Meine Begleitung bestellte etwas „österreicherisches“, nämlich eine Ribiselschnitte, die sehr mächtig aussah, aber mit Biskuit, Vanillecreme und Baiser letztlich sehr luftig daherkam.

Häkeln und Lesen

Kaum wird das Wetter herbstlich, ist auch mein Frühsommer-Häkelprojekt, ein Kleid nach dem waveafterwave-Muster, *wirklich* fertig (ich musste den Ausschnitt oben nochmal neu machen). Genaueres hier bei ravelry. Mein Buchclub hat Elfriede Jelineks Die Liebhaberinnen angefangen, das mich schon in den ersten paar Seiten sehr mitgenommen hat –a lles andere als seichte Sommerlektüre.

Hier folgen meine liebsten Links der letzten Tage:

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Zuckersüß 317

2018 war jetzt schnell vorbei. Und in der letzten Woche des Jahres habe ich nochmal richtig viel gemacht. Einerseits Weihnachten gefeiert (so viel gutes Essen!), andererseits war ich auf dem 35c3 (s. Glitzer-Heidesand). Dazu will ich später noch einen eigenen Post schreiben, denn meine Eindrücke dort sprengen jedes Zuckersüß.

Weil es internetweit so beliebt ist, und weil ich dieses Jahr explizit mehr Wochenrückblicke in meine Sonntagsposts gepackt habe, gibts stattdessen noch eine kleine 2018-Statistik.

Hier in der Zuckerbäckerei habe ich 90 Posts veröffentlicht, davon 48 Zuckersüß. Das heißt, ich habe nur vier Mal sonntags „geschwänzt“, so viel Disziplin hätte ich nicht erwartet.

Ich habe einen Buchclub gestartet und deshalb 19 Bücher gelesen, 12 davon fertig (Qualityland von Marc-Uwe Kling, Der große Glander von Stevan Paul, Der Trafikant von Robert Seethaler, Animal Farm von George Orwell, Untenrum frei von Margarete Stokowski, 4-3-2-1 von Paul Auster, Wie wir Begehren von Carolin Emcke, The Bell Jar von Sylvia Plath, Bitch Doktrin von Laurie Penny, Wenn Männer mir die Welt erklären von Rebecca Solnit, Ich bin kein Sexist aber und Mehr Kopf als Tuch herausgegeben von Amani Abuzahra) . Zwei davon habe ich aufgegeben (Terre des hommes von Antoine de Saint-Exupery, We were feminists once von Andi Zeisler), weil sie mir zu mühsam wurden und die restlichen fünf (Hunger von Roxane Gay, Emanzipation von Kathrin Rönicke, Deutschland Schwarz Weiß von Noah Sow, Gomorrha von Roberto Saviano und Versteckte Jahre von Anna Goldenberg) liegen noch herum.

Ich habe sieben paar Socken gestrickt und dafür #segglstricka auf Twitter eingeführt.

Ich war nur sechsmal im Kino (Shape of Water, Call me by your name, Jusqu‘à la garde, 2001 A Space Odyssey, Blackkklansman und Waldheims Walzer), dafür aber mehr als doppelt so oft im Museum (Musée de l‘école de Nancy, Musée archaeologique in Strasbourg, Musée historique in Strasbourg, Musée Alsacien in Strasbourg, Musée Dunkerque 1940, Centre Pompidou Metz, Musée des Beaux-Arts in Nancy, Villa Majorelle Nancy, Otto-Wagner-Ausstellung Wien-Museum, Salzwelten Bad Dürnberg, Keltenmuseum Hallein und zweimal beim kunstschatzi im KHM in Wien).

Bei Konzerten sieht es ebenfalls mau aus, außer Eau Rouge in Stuttgart und Omar Souleyman in Nancy hörte ich keine Band live.

Ich war auf der Digitalkonferenz, der PrivacyWeek, dem Mediencamp und dem 35c3 und habe sehr viel gesketchnotet.

Gereist bin ich ziemlich viel, vor allem in kürzenen Wochenendtrips quer durch Mitteleuropa. Alle meine Posts aus meinem Erasmus-Semester sind auch als Reise getaggt, was den Überblick ein bisschen verfälscht. Echte Berichte gibts aus Prag, Nancy, Liège, Lille, Dunkerque und Brüssel und Metz.

Rückblickend war dieses Jahr schrecklich anstrengend, aber fast durchgehend toll. Neujahrsvorsatz deshalb: Weniger machen (neben Uni, Nebenjob, Blog, Podcast…)! Ich wünsche euch, meine lieben Leser_innen, das Allerbeste für 2019!

Meine liebsten Links der Woche gibts auch noch:

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Zuckersüß 311

Nachdem ich am Dienstag direkt aus dem Nachtzug in den Hörsaal  aus meinem verlängerten Wochenende zurückgekommen war, ging es zügig weiter mit mehr Uni-Zeug. Meine BA-Arbeit hat nach einem Referat ein kleines bisschen mehr Form bekommen und dank eines weiteren Referats sind  Links zu Gesichtserkennung in diesem Post gelandet.

Ansonsten habe ich einiges in Büchern gelesen, oder zumindest darin geblättert. Darunter Katrin Rönickes 100 Seiten über Emanzipation und  Noah Sows deutschland schwarz weiss, die ich aber noch genauer lesen muss, um etwas darüber zu schreiben. Wer meine Instagram-Story gesehen hat, sollte auch mitbekommen haben, dass ich Fermentation recht spannend finde. Deshalb war es ein schöner Zufall, dass ein Bekannter den neuen Noma Guide to Fermentation in meine WG mitbrachte. Anders als Sandor Katz Art of Fermentation (s. Zuckersüß 271) setzt der Guide auf exakt und technisch kontrollierte Umgebung zu Fermentation und lässt auch (alkoholische) Getränke komplett außen vor. Aber die Bilder darin scheinen sehr hilfreich (und manchmal etwas eklig: *guter* Schimmel überall) und das Design ist, wie es das skandinavische Spitzenrestaurant erwarten lässt, sehr schön anzuschauen. Bei der Gelegenheit googelte ich auch nach dem Noma und fand heraus, dass es dort sogar ein vergünstigtes Studi-Paket gibt, das mit 1000 dk (134 Euro) überraschend günstig ist. Ein Besuch dort wird sich für mich wohl zwischenzeitlich trotzdem nicht ausgehen…

Und wie das Titelbild vermuten lässt, mixte ich wieder Cocktails, allesamt aus dem Cocktailian, oder zumindest daran angelehnt. Von links nach rechts waren das eine Bramble-Variation (Gin/Zitrone/beeriger Likör), ein Aperol Sour, ein Income Tax (Gin/Wermut/Orange/Angostura), und zwei Fizzes (Wodka/Rosmarin/Zitrone und Wodka/Vanille/Mandarine).

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Zuckersüß 309

In dieser Woche war ich einmal wieder sehr froh, in Wien zu wohnen. So viele spannende Menschen zu treffen und so viele tolle Veranstaltungen besuchen zu können ginge auf dem Land bestimmt nicht.

Am Montag war ich für die Podiumsdiskussion „Unerhört? Frauenbewegungen in der arabischen Welt“ des VIDC in der Hauptbücherei. Das Thema gehört schon zu einem Bereich, in dem ich ein bisschen belesen bin (s. a. mein Rundbrief zu Frauen(rechten) in Marokko), aber lange habe ich nicht mehr so viele neue Erkenntnisse aus einem Panel mitgenommen.

Sketchnote zur Podiumsdiskussion in der Wiener Hauptbücherei

Nacheinander stellten die tunesische Journalistin Safa Belghith, die ägyptische Professorin Oumaima Abou-Bakr und die palästinensische Professorin Lena Meari die Situation verschiedener Frauenbewegungen und feministischer Aktionen in ihren Heimatländern vor. Spannend fand ich besonders, dass palästinensische grassroots-Zusammenschlüsse für Frauenrechte durch die „NGO-isierung“ in den 1990ern von „professionellen“ Akteur_innen verdrängt wurden, die oftmals den Kontakt zur breiten Masse verloren – wie Lena Meari erklärte. In Ägypten stünden „sekuläre“ Zusammenschlüsse schnell unter Verdacht, nicht neutral, sondern westlich-kolonisierend zu sein, in Tunesien dagegen überwiegt die Angst vor islamistischen Bestrebungen. Einig waren sich alle, dass Frauen in der arabisch-islamischen Welt sicher keine westlichen Retter_innen brauchen können, die Kontexte nicht berücksichtigen, sondern vor allem Solidarität – besonders in Europa. (Dazu schon einmal ein Hinweis auf meine Podcastfolge Nr. 11, die im November online gehen wird).

Workshop-Vorschlag Sketchnotes

Diese Live-Sketchnotes waren übrigens nicht die einzigen, die ich in dieser Woche gekritzelt habe. Für das Mediencamp habe ich einen Workshop-Vorschlag eingereicht, vielleicht werde ich ja am ersten Dezember versuchen können, meine Begeisterung für Sketchnotes weiterzugeben! Falls ihr auch hingehen wollt: Es gibt eine Blogparade, die einer_m Tickets bescheren kann!

Am Mittwoch wollte ich mir Waldheims Walzer anschauen, um ein bisschen mehr Ahnung von österreichischer Zeitgeschichte zu bekommen. Der Andrang im Votivkino war leider so groß, dass ich keine Tickets mehr bekam und letztlich in der Folgevorführung zwei Stunden später landete. An einigen Stellen im Film wusste ich echt nicht mehr weiter – Waldheims Wahlkampf und generelles Auftreten war dermaßen antisemitisch, und das hinderte ihn trotzdem nicht daran, volle vier Jahre im Amt zu bleiben! Sehr verstörend.

Und schließlich besuchte ich auch noch die Wiener Verkehrsleitzentrale – die erste Exkursion in meinen zweieinhalb Jahren Studium in Wien. Gemeinsam mit meinen Kolleg_innen im Technologie-und-Gesellschaft-Seminar erfuhr ich, dass in Wien etwa 1300 Ampeln stehen, die Öffis dem Individualverkehr bevorzugen (yay!) und dass 120 Kameras der Stadt Wien die Hauptverkehrswege überwachen, aber nichts aufzeichnen dürfen. Die Stadt ist für gewöhnlich so voll, dass jede Behinderung  auf dem Ring das ganze System ins Stocken bringt, oder wie der Guide uns erklärte „Es gibt viel zu viele Autos für zu wenig Straße“.

Weil das Rückgabedatum der Bücherei drohte, las ich *noch schnell* Laurie Pennys Bitch Doktrin fertig. Leider begeisterte mich dieses Buch nicht so sehr wie alle ihre anderen Texte (hier z.B. habe ich über Unspeakable Things geschrieben). Das mag  vielleicht der deutschen Übersetzung geschuldet sein, in der viel Witz verloren geht und alles nur noch deprimierend wirkt. Dennoch finde ich es nach wie vor sehr spannend, wie Laurie Penny Geschlechterverhältnisse mit Technologie und Kapitalismuskritik verwebt.

Im Internet habe ich nicht so viel gelesen, aber ein paar Lieblingslinks sind schon zusammengekommen:

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Zuckersüß 307

In den Oktober startete ich mit einem ganzen Tag zuhören und sketchnoten auf der ziemlich interessanten Digitalkonferenz. Am nächsten Nachmittag begann mein mittlerweile siebtes (und voraussichtlich letztes) Sprachwissenschaftssemester mit einer Prüfung. Jetzt geht das mit der BA-Arbeit wieder los, vielleicht wird das Zuckersüß also wieder mehr zum „Lerntagebuch“!

Anna Goldenberg stellte am Dienstag in der Wiener Hauptbücherei, moderiert von Florian Klenk, ihr erstes Buch „Versteckte Jahre“ vor. Ich hatte es schon vorher auf meine Leseliste gesetzt, aber nach der Lesung ist es ganz nach oben gerutscht. Die Geschichten darin sind sehr schrecklich und deprimierend: Sie erzählt von ihren jüdischen Großeltern, vor allem ihrem Großvater, und wie sie die Naziherrschaft und den Holocaust überlebten. Helga Feldner, die Großmutter der Autorin, erzählte zum Schluss noch selbst vom KZ Theresienstadt und wie sehr sie die Rassentrennung der USA der 50er, aber auch die Stimmungsmache gegen Ausländer_innen im heutigen Österreich, schockiert(e). Leider war der Verkaufsstand nach gefühlten fünf Minuten leergekauft, sodass ich noch immer kein Exemplar habe, aber bald ist ja mein Geburtstag (*hint, hint*)?

Gebacken habe ich in dieser Woche auch, nämlich schon wieder vegane Cookies, deren Rezept ich mittlerweile überzeugend genug finde, um es bald zu veröffentlichen, und einen Apfelmus-Kuchen von smitten kitchen.

Am Wochenende verschlug es mich nochmal in die Berge, was in einer tollen Wanderung mit noch tollerem Ausblick (das Titelbild!) und Zimtschnecken aus dem Holzofen endete. Und dank langem Zugfahren gibts auch genug Material für eine (verspätete) Lieblingslink-Sammlung:

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Zuckersüß 305

In dieser Woche habe ich viel gebacken, gelesen und getrunken, allerdings nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Das Dutch Baby vom Montag war am Ende eher flacher Biskuitkuchen (lag vermutlich an der dünnen Springform statt einer schweren Gusseisenpfanne) und die veganen Cookies überzeugten mich auch nach dem zweiten Versuch noch nicht zu hundert Prozent. Gelungen sind dafür die Red Curry Eggs nach dem Rezept der Effilée und meine Mohn-Marzipan-Plätzerl mit Traubengelee, die ich zuletzt zum Abitur gebacken habe.


Gelesen habe ich ein paar wissenschaftliche Texte (der Semesterstart naht!), den ganzen (!) Falter und ein bisschen in Laurie Pennys Bitch Doktrin gelesen. In der Bücherei gibt es das leider nur auf Deutsch, was mir das Lesevergnügen ein bisschen trübt.


Und getrunken habe ich einen ganzen Abend lang in meinen liebsten Cocktailbars der Stadt. Seit ich den Cocktailian daheim habe (der mittlerweile ausverkauft und deshalb um mehrere hundert Euro gehandelt wird!), kann ich mich noch besser in Getränke nerden.

cocktails
Außerordentlich schlechte Fotos von außerordentlich guten Getränken. L.o.: Dachboden, r.u.: Währingerstraßenfest, alle anderen botanical garden

Als Startpunkt am frühen Abend bot sich der Dachboden auf dem 25hours-Hotel an. Dort sind die Cocktails mit 13€ zwar gar nicht günstig, aber kaum sonst wo gibt es eine so schöne Aussicht dazu. Die Bar ist im achten Stock und von der Terrasse kann man (fast) ganz Wien überblicken. Ich trank einen duke of earl (earl grey tea & mint infused tanqueray gin, ingwerer, sugar, lime, fresh mint), den ich so ähnlich schon einmal in Prag getrunken hatte. Mein Begleiter bestellte einen walnut old fashioned (walnut infused bulleit bourbon, homemade portwine, cranberry & maple syrup, fee brothers barrel aged bitters).

Zwischendrin hielten wir uns an Wasser, aber nur bis wir unsere Schüsseln im Es gibt Reis aufgegessen haben.

Weiter gings in den botanical garden, das seit meinem Besuch im Januar mein absoluter Barfavorit der Stadt ist. Diesmal war fast nichts los, sodass die supercoole Playlist nicht von Gesprächen übertönt worden ist. Vor allem aber hatten die zwei hinter der Bar wenig zu tun und mehr Zeit für die Gäst_innen. Schon für den ersten Drink bekamen wir Geschmacksberatung von Marcel Katzer und ich entschied mich für den „instagrammable“ Made in China. Der wird in einer Take-Out-Box mit Metallstrohalm serviert und schmeckt unter anderem nach Kaffirblatt. Das erinnerte mich sogleich an meine südostasiatische Suppe im Restaurant vorher, aber auf eine sehr gute Weise. Außerdem im Rezept steht Wodka, Zitronengras, Kokos, Limette und Mineralwasser.

Leider hat die Bar ihre Karte nicht online, sodass ich nicht rekonstruieren kann, was mein Begleiter als erstes trank. Doch die Deko darauf- kandierte Orangenscheiben – habe ich nicht vergessen, denn der Bartender fing sogleich an, die Herstellungsprozesse zu erklären: Orangenscheiben mit Läuterzucker bestreichen und stundenlang bei niedriger Ofentemperatur trocknen oder den Mohn aus der Sirupherstellung zu Chips backen. Nebenbei knabberten wir an supergutem Rosmarinpopcorn und tranken großzügig Leitungswasser aus ausrangierten Ginflaschen (Katervorbeugung ist bei so einem Abend essentiell!).

Für die zweite Runde lachte uns lustigerweise der gleiche Drink an, doch bei so einer Vielfalt nicht aus dem Vollen zu schöpfen kam nicht in Frage. Zum Opium Espresso (Espresso, Mohnsirup und Wodka, wenn ich mich recht erinnere) gabs deshalb auf Empfehlung unseres Bartenders einen ähnlichen Drink, der eigentlich als Shot verkauft wird.

Zum dritten Drink landeten wir letztlich direkt am Tresen, um ganz genau aufzupassen, wie unsere Spezialanfertigungen gemixt wurden. Ich bekam eine Amaretto-Sour-Abwandlung, an der mich vor allem die Deko begeisterte. Der Bartender mischte Zucker mit Angosturabitters, verstrich ihn auf einer Limette und karamellisierte ihn mit einem Flämmer zu einem superguten Lolli. Im zweiten Glas landete eine Margaritaabwandlung, die ich so faszinierend fand, dass ich die Zutaten mitschrieb: halb Mezcal, halb Tequila, geklärter Limettensaft (mit Agar Agar und einfrieren!), Agavendicksaft. Der Mezcal schmeckt selbst schon sehr rauchig, doch geflämmter Rosmarin verstärkte dieses Aroma noch zusätzlich.

An den Mix für den Shot aufs Haus kann ich mich – abgesehen vom geklärten Limettensaft – nicht mehr erinnern, dafür aber an die Deko des letzten Drink des Abends: Den drei Finger Joe Punch zieren Camparistreusel.

Nach so vielen Cocktails war auch die letzte Tram schon abgefahren, was mir die Chance bot, ein berühmt-berüchtigtes Gürtel-Pita-Falafel zu essen. Das schmeckte erstaunlicherweise so gut wie noch nie (verdächtigt: mein Alkoholpegel). Auch lecker: Der rote Sturm auf dem Währingerstraßenfest am Freitag.

Und jetzt zum Hauptteil der Sonntagspost – meine liebsten Links der vergangenen Woche:

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Zuckersüß 303

Wie letzten Sonntag angekündigt, blieb ich für eine ganze Woche offline. Mit drei kurzen Ausnahmen – mein Telefon wählte sich nämlich auf Berggipfeln ins Netz und ich konnte ein paar Tweets lesen. Mangels Strom (Solaranlagen funktionieren halt auch nur, wenn die Sonne scheint) stieg ich bald auf Papierbücher um und las gleich vier davon. Meine Ferienlektüre war ziemlich feministisch: Mehr Kopf als Tuch (Amani Abuzahra), Unspeakable Things (Laurie Penny), Wenn Männer mir die Welt erklären (Rebecca Solnit) und Ich bin kein Sexist, aber (Yasmina Banaszczuk, Nicole von Horst, Jasna Strick und Mithu M. Sanyal). Zu Virginia Woolf’s A Room of One’s Own kam ich nicht mehr und Sylvia Plaths The Bell Jar habe ich schon im letzten Zuckersüß beschrieben.


Die Textsammlung Mehr Kopf als Tuch war mir vor einiger Zeit auf Instagram begegnet und praktischerweise in der Bücherei erhältlich. Innerhalb eines einzigen Tages las ich mich durch die elf Artikel, die Amani Abuzahra zusammengetragen hat. Muslimische Frauen aus dem deutschsprachigen Raum schreiben über Alltägliches und Strukturelles und auch wegen der Unterschiedlichkeit der angesprochenen Themen fühlte sich das Buch irgendwie wie ein Blog an. Tatsächlich habe ich die Blogs bzw. Social Media Accounts einiger Autorinnen schon länger abonniert, z.B. Kübra Gümüşay, Dudu Kücükgöl (die offenbar leider ihr Twitterprofil deaktiviert hat), Nadia Shehadeh und Soufeina Hamed. Die ersten zwei habe ich auch bei Vorträgen schon gehört, Kübra Gümüsay prägte mit Organisierte Liebe sogar ein re:publica-Motto. So platt es klingt – ich habe mit den elf Artikeln einige neue Perspektiven gewonnen. Ich hatte zum Beispiel noch nie darüber nachgedacht, dass es für sichtbare Musliminnen in den Straßen des  ach-so-gefährlichen 10. Bezirk Wiens viel angenehmer sein kann, als in „nobleren“ Gegenden – einfach, weil sie dort als „normal“ durchgehen und nicht besonders auffallen.


Laurie Pennys Unspeakable Things liegt schon seit mehr als einem Jahr bei mir herum, und obwohl ich ihre Texte praktisch ausnahmslos super finde (mein Lieblingsartikel ist jetzt recht genau drei Jahre alt), habe ich es nie durchgelesen. Dieses Mal konnte ich es aber nicht mehr weglegen und Laurie Pennys Wut auf das Patriarchat (und den Kapitalismus), die sie explizit nicht kaschiert, aber doch mit Lösungsvorschlägen kombiniert, steckte mich an. Sie ist ziemlich radikal, persönlich und nimmt niemals ein Blatt vor den Mund – ihre Absätze enden oft unerwartet zynisch und bleiben dadurch wie spitze Stacheln der Ungerechtigkeit im Gedächtnis:

It should not, therefore, be as difficult as it is to explain to the average human male that while you, individual man, going about your daily business, eating crisps and playing BioShock 2, may not hate and hurt women, men as a group – men as a structure – certainly do. I do not believe that the majority of men are too stupid to understand this distinciton, and if they are, we really need to step up our efforts to stop them running almost every global government. (S. 68)

In fünf Kapiteln spannt sie den Bogen von ihrer eigenen Vergangenheit mit Esstörungen, „verlorenen Jungs“ in der Männlichkeitskrise über Sexismus im Internet zu Liebe als oft ausbeuterisches Verhältnis. An einigen Stellen fand ich Anknüpfungspunkte zu meiner eigenen Biografie, vor allem was das Internet angeht (wobei ich glücklicherweise von schlimmen sexistischen Shitstorms bisher verschont blieb):

[…] I learned how to be a writer online, and so did millions of other women all over the world. And not just how to write, but how to speak and listen, how to understand my own experience and raise my voice. I educated myself online. Grew up online. And on blogs and journals and, later, in the pages of digital magazines, I discoverd that I wasn‘t the only pissed-off girl out there. The Internet made misogyny routine and sexual bullying easy, but first it did something else. It gave women, girls and queer people space to speak to each other without limits, across borders, sharing stories and changing our reality. (S. 157)

Mein liebstes Zitat, das ich außerdem für halbwegs zugänglich halte und deshalb Menschen, die in der Thematik der (versteckten) Geschlechterhierarchien nicht so bewandert sind, ans Herz legen werde, ist folgendes:

„Men grow up expecting to be the hero of their own story. Women grow up expecting to be the supporting actress in somebody else‘s.“ (S. 216)

Ich habe auch noch Laurie Pennys neuestes Buch, Bitch Doktrin (leider übersetzt und nicht in der Originalfassung) daheim, ich denke, ich werde es bald anfangen!


Als nächstes las ich Rebecca Solnits Wenn Männer mir die Welt erklären. Das hatte ich nur deshalb ausgeliehen, weil ich vor kurzem irgendwo über den Namen der Autorin gestolpert war. Gleich nach Laurie Pennys mitreißender Kampfansage kamen mir die Texte darin regelrecht fad vor. Ich hatte auch eher mit einem durchdachten Gesamtwerk gerechnet denn mit einer losen Essaysammlung ohne Übergänge und mit vielen Dopplungen. Ich fand es zwar spannend, den titelgebenden Text zu lesen, weil in dessen Zusammenhang der Begriff „mansplaining“ entstanden war und dementsprechend oft darauf verwiesen wird. Der Rest hingegen war entweder nicht mehr aktuell (im Text zu Strauss-Kahn ging es um Argentinien und Venezuela, die sich aus den Fesseln des IWF befreien konnten – letzteres ist zur Zeit nicht unbedingt Musterbeispiel für einen gesunden Staatshaushalt), verwirrend oder eine oberflächliche Behandlung von Themen, die ich woanders schon ausführlicher gelesen habe. Schade!


Zuletzt nahm ich mir noch einen schmalen Band vor: „Ich bin kein Sexist, aber“. Sexismus erlebt, erklärt und wie wir ihn beenden vereint vier Essays von Frauen, die mit #aufschrei zu tun hatten. Nicole von Horst (@vonhorst) beginnt die Textsammlung mit Überlegungen zum Platz, den sich Frauen in Gesprächen und im öffentlichen Diskurs nehmen (trauen). Ihre Zwischenüberschriften – allesamt Zitate aus Büchern und Blogposts- muss ich unbedingt noch nachgoogeln. Yasmina Banaszczuk (@lasersushi) erzählt von Sexismus am Arbeitsplatz und wie er Machtungleichgewicht herstellt. Jasna Strick (@tugendfurie) schreibt über den Backlash der auf #aufschrei folgte und Mithu Sanyal (@Msanyal) geht sehr theoretisch an das Thema heran – ihren Text fand ich stellenweise recht anstrengend.

Weil ein #aufschrei nicht reicht von Anne Wizorek, die auch mit der Erfindung des Hashtags zu tun hatte, habe ich schon vor ein paar jahren gelesen und zu einem meiner liebsten feministischen Sachbücher auserkoren. Das Buch der anderen Initiatorinnen geht viel mehr auf den Hashtag selbst ein (jedenfalls, wenn ich mich recht erinnere) und erschien relativ bald nach dem das Thema hohe Wellen geschlagen hatte. Damals habe ich nur am Rande davon mitbekommen, sodass ich diese Einordnungen jetzt gerne gelesen habe.


Und weil so viel Bücher nicht reichen, war ich auch noch im Museum: Zuerst im Salzbergwerk Bad Dürnberg. Dort kann man – gut eingewickelt in große Schutzkleidung – eine mehr als einstündige Führung durch die Stollen, die in Teilen schon von den Kelten gegraben wurden, mitmachen. Mit gut zwanzig Euro ist die ziemlich teurer, aber das Programm ist mit einer Bergbahn-Fahrt, zwei Holzrutschen und einer Bootsfahrt über einen unterirdischen Salzsee schon cool. Unter der Erde passiert man sogar mal die Grenze nach Deutschland und sieht in mehreren Filmen, wie Salzabbau im Laufe der Zeit funktionierte. Mit dem Ticket kommt man auch gratis ins Keltenmuseum im nahegelegenen Hallein. Dort kam ich in mehr als eineinhalb Stunden nicht über das Erdgeschoss hinaus, doch die beiden Ausstellungen dort sind sehr gut gemacht. Zeitsprünge-Ursprünge sieht man an, dass sie aufwändig und vor nicht langer Zeit konzipiert wurde. Beginnend mit der heutigen Zeit gelangt man in der Ausstellung zurück bis in die vorrömische Zeit und was sich damals in der Salzburger Gegend abgespielt hatte. Die Austellung ist mit futuristischen Schaukästen und vielen Klappen, die man öffnen kann sehr interaktiv gestaltet. Ich hatte auch meine Freude mit dem „Urgeschichte-Wurm Kurt“, der Angebote für Kinder markiert, z. B. eine mechanische Waage mit Gewichten, bei der man die Grundeinheit der Kelten herausfinden kann, oder Suchrätseln für die Vitrinen.

Die aktuelle Sonderausstellung im Keltenmuseum beschäftigt sich mit der Himmelscheibe von Nebra, von der ich vorher noch nie gehört hatte. Diese Bronzeplatte wurde vor etwa 4000 Jahren aus Kupfer aus dem Salzburger Land hergestellt und vor gut 20 Jahren in der Nähe der Stadt Nebra in Sachsen-Anhalt gefunden. Sie gilt als eine der ältesten Himmelsdarstellungen der Welt und wurde zeitweise sogar als Umrechnungsmittel zwischen Mond- und Sonnenkalender benutzt. Die Ausstellung ist ebenfalls sehr modern aufgemacht, großformatige Fotos zeigen auch die archäologische Aufarbeitung des Fundes.


Jetzt habe ich meine Linksammlung wirklich genug verzögert (es ist schon Mittwoch!), deshalb hier meine Empfehlungen der Woche: Zuckersüß 303 weiterlesen

Zuckersüß 298

In dieser Woche habe ich mich ausgesprochen viel mit Audio beschäftigt. Am Montag habe ich nicht nur eine neue Podcastfolge aufgezeichnet, sondern auch gleich geshownotet und veröffentlicht.  In LP008 war ich mit Autorin, Datenschutz-Aktivistin und Privacy-Week-Organisatorin Klaudia Zotzmann-Koch an der Urania. Wir haben uns am Donaukanal über ihre Krimis, ihr Engagement für den C3W und ihre beiden Podcasts unterhalten. Außerdem ging es um Uploadfilter, noyb und eine mögliche Dissertation in Technikphilosophie – alles anzuhören in meinem Podcastprojekt Lieblings-Plätzchen.

Am Dienstag war ich wieder mit einem Podcast beschäftigt, aber nicht mit meinem eigenen. Nele Heise von den Podcastpatinnen hat mich nämlich an eine liebe Wahl-Wienerin vermittelt, die im Herbst einen Podcast über soziale Projekte in der Stadt starten will. Sobald es dazu etwas neues gibt, schreibe ich es natürlich sofort ins Zuckersüß!

Am allerspannendsten für mich – und das nicht nur im Bereich Audio, sondern ganz allgemein gesehen – war in dieser Woche aber mein erster Praktikumstag bei Ö1. Ich bin im Gesellschaftsressort des österreichischen Kulturradiosenders gelandet und werde dort in den nächsten vier Wochen zuschauen und mitmachen. In dieser ersten Woche gab es für alle Sommerpraktikant_innen zwei  Einführungsveranstaltungen. Einerseits ein Tag im ORF-Zentrum mit vielen Vorträgen und einer Führung durch das Gebäude, die Studios und den Newsroom.

https://twitter.com/jasowies_o/status/1025072974053994496

Andererseits eine Führung durch das Funkhaus in der Argentinierstraße, mit seinen (Hörspiel-)Studios und dem großen Sendesaal. Offenbar kann man solche Führungen auch einfach buchen – ich würde euch empfehlen mal vorbeizuschauen, bevor das Gebäude in den nächsten Jahren verkauft wird.

Abends wollte ich mir einen Snack für die kommenden Praktikumstage backen, doch das ging so schief wie schon lange nicht mehr. Der Plan war Quark-Mohn-Kringel, doch daraus wurde erst im zweiten Anlauf halbwegs was. Für meinen ersten Hefeteig hatte ich nämlich offenbar 250g Johannisbrotkernmehl, das fatalerweise in der „Mehl“-Dose war, verwendet. Ich kippte mehr als einen Liter Wasser in den Teig, doch das Johannisbrotkernmehl hat quasi magische Bindekapazitäten. Der Teig fühlte sich an wie brüchige Knetmasse und testweise schob ich ihn trotzdem in den Ofen. Leider musste ich am Schluss alles davon wegschmeißen, das Gebäck war einfach ungenießbar. Im zweiten Anlauf verwendete ich die Mehl-Restl-Mischung im Voratsschrank, die eigentlich zum Pizzateigbacken gedacht war. Das klappte zwar besser, aber für Feingebäck ist weißes Mehl trotzdem viel besser geeignet als Vollkornmehle, Grieß und Hafer in unbekanntem Mischungsverhältnis. Morgen sorge ich für Weizenmehlnachschub!

Trotz meiner vielen Projekte habe ich in einem Buch gelesen: „Wie wir Begehren“ von Carolin Emcke habe ich schon im letzten Jahr begonnen, dann weggelegt und jetzt an einem Abend fertig gelesen. Carolin Emcke springt recht abrupt zwischen so unterschiedlichen Erzählungen wie die eines ausgegrenzten ehemaligen Mitschülers, eines schwulen Palästinensers aus Gaza und Frauen auf dem Straßenstrich und trotzdem ist die Geschichte irgendwie rund. Überhaupt, Kreise kommen sehr oft vor – metaphorisch als Schutz, aber auch als größte Gefahr. Die persönliche Geschichte der Autorin ist verknüpft mit historischen Ereignissen und ihrer erinnerten, aber auch aktuellen Einschätzung. An einigen Stellen musste ich an #MeTwo und die vielen „Gegenstimmen“, die den rassistisch Diskriminierten die Legitimität entziehen wollen, denken, zum Beispiel hier:

So gleiten wir hinein in Normen wie in Kleidungsstücke, ziehen sie uns über, weil sie bereitliegen für uns, weil sie uns übergestülpt werden, weil sie sich anpassen oder weil wir, unbemerkt, uns anpassen. Normen als Normen fallen uns nur auf, wenn wir ihnen nicht entsprechen, wenn wir nicht hineinpassen, ob wir es wollen oder nicht. Wer eine weiße Hautfarbe hat, hält die Kategorie Hautfarbe für irrelevant, weil im Leben eines Weißen in der westlichen Welt Hautfarbe irrelevant ist. Wer heterosexuell ist, hält die Kategorie sexuelle Orientierung für irrelevant, weil die eigene sexuelle Orientierung im Leben eines Heterosexuellen irrelevant sein kann. Wer einen Körper besitzt, in dem er oder sie sich wiedererkennt, dem erscheint die Kategorie Geschlecht selbstverständlich, weil dieser Körper niemals in Frage gestellt wird.
Wer den Normen entspricht, kann es sich leisten zu bezweifeln, dass es sie gibt. (Carolin Emcke, Wie wir Begehren, S. 21)

Im Internet habe ich auch gelesen und das sind meine Favoriten der Woche:

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Zuckersüß 296

Französischer Besuch Anfang der Woche bewegte mich zu sehr ausführlichen Stadtspaziergängen und Sightseeing in Wien. Spannend zu sehen, wie sich meine allerliebste Stadt im letzen halben Jahr verändert hat! Und im Juli bei hochsommerlichen Temperaturen Quasi-Tourist_in zu sein und z. B. durch den Schlosspark von Schönbrunn zu latschen oder auch am Stephansplatz herumzustehen ist erstaunlich ermüdend. Gut, dass es genügend Heurige am Stadtrand und nicht-überlaufene Gegenden außerhalb des Stadtkerns gibt, in denen es man sich mit einem Spritzer gut gehen lassen kann.

Und dann gibt es ja auch noch meinen liebsten Sommersnack: Eis! Meine Ferien-„Diät“ (=täglich ein Eis) konnte ich zwar leider nicht durchsetzen. Immerhin habe ich zwei mir neue Greissler-Sorten – Sachertorte und eine, an die ich mich nicht mehr erinnere (meine Favoriten werden beide nicht) – probiert, und bei Gefrorenes ein enorm gutes Birnensorbet mit Straciatella gegessen (schon auf der „Nachbau“-Liste!). Und dann noch ein nicht weiter besonderes Magnum-Steckerl-Eis , dem ich neben sichtbar künstlich aromatisierten und gefärbten Eissorten (ich Snob!) den Vorzug gab.

Apropos Farbe: der Twitter-Hashtag #kunstgeschichtealsbrotbelag, bei denen u. a. auf Initative von @MlleReadOn (die auch dazu gebloggt hat) berühmte Werke auf Brot statt Leinwand nachgebaut wurden, hat mich in dieser Woche sehr begeistert. Schaut mal:

Und wenn ich schon von Twitter rede, kann ich gleich noch was von meinem Lieblings-Social-Network in mein Blog tragen. Die Situationen im folgenden Thread sind mir so oder so ähnlich (so genau liest irgendwie keiner, was ich in die Zuckerbäckerei schreib, aber „irgendwas mit Feminismus“ wird offenbar immer mit mir assoziiert) auch schon einmal passiert und jetzt weiß ich immerhin, dass es nicht nur mir so geht.

Weil Ferien sind, oder vielleicht auch nur, weil ich gerade motiviert genug bin, habe ich auch in Büchern und nicht nur durch 280-Zeichen-Häppchen gelesen. Endlich habe ich nach fast vier Monaten auch die letzten paar Seiten von Paul Austers „4 3 2 1“  geschafft (s. a. Zuckersüß 282, 283, 284 und 290). Irgendwie hatte ich kurz vorm „Ziel“, die Lust verloren, wurde aber am Ende mit einem Twist – oder vielleicht noch einer Metaebene? – belohnt. Schon beim Lesen durch die ganzen 1070 Seiten der englischen Taschenbuchversion hatte ich den Eindruck, dass mich die Themen, mit denen die Hauptfigur Ferguson konfrontiert ist (US-Zeitgeschichte v. a. die Protestbewegungen der 1960er und der Vietnamkrieg, Literatur) noch länger beschäftigen werden, wenn sie es nicht eh schon vorher taten (Uni und Politik, Schreiben). Auch die Form des Romans hat mich beeindruckt: Aus heiterem Himmel tauchen im Fließtext Stichpunkte auf oder seitenlange Begriffsaufzählungen auf und die Schreibexperimente des angehenden Autors Ferguson nehmen teilweise mehrere Seiten ein. Dieser Roman ist eindeutig einer, der dazu motiviert, noch viel mehr Bücher zu lesen. Mich hat er auch angestiftet, mich mehr mit Literaturwissenschaft auseinandersetzen zu wollen, um mehr „Werkzeug“ an der Hand zu haben, wenn ich Bücher lese. Am Ende handele ich mir jetzt noch ein Nebenfach für mein Studium ein!

Leider habe ich noch kein nächstes Werk für meinen Mini-Buchclub gefunden, sicher ist aber, dass diesmal eine Autorin dahinterstehen sollte. Die Bilanz bisher ist eher ernüchternd: 5 von 6 Büchern, die ich 2018 gelesen habe, waren von Männern. Das Eine, das von einer Frau geschrieben wurde, war außerdem ein Sachbuch, zählt also nicht mal so richtig ( „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski ist trotzdem sehr lesenswert!).

In ein paar andere Bücher habe ich auch ohne meinen Buchclub hineingelesen, darunter Harry Potter 4 auf Französisch, der hoffentlich das erste Buch in dieser Sprache wird, das ich jemals schaffe, fertigzulesen. Meine aktuelle Mitbewohnerin hatte gerade „Hunger“ herumliegen, das ich deshalb auch einfach zu lesen begann. Von diesem neuesten Buch von Roxane Gay hatte ich schon in der aktuellen Ausgabe des Rookie-Podcast, in dem es auch um so abstruses wie Tarot-Karten (?!) geht, gehört, wodurch mein Interesse geweckt wurde.

Und dann beschloss ich auch noch, mich endlich bei der Wiener Stadtbücherei einzuschreiben. Ich war aber so knapp vor der Schließzeit dort, dass mir nicht viel Zeit zum Stöbern blieb und ich mich für ein Sachbuch entschied, das mir schon länger durch den Kopf geistert. „We were feminists once. From RIOT GRRRL to COVERGIRL, the buying and selling of a political movement“ von Andi Zeisler war mir (vermutlich seit der Veröffentlichung) aus dem bitch media-Kontext ein Begriff, in meinem ersten Publizistik-Semester kam es auch einmal vor und schließlich hatte Annemarie von fairfetzt kürzlich darüber gebloggt. Die ersten beiden Kapitel über Werbung und (Hollywood-)Filme lasen sich schon mal sehr angenehm, mal sehen, wie es weitergeht.

Am Donnerstag machte ich mich auf nach Kärnten, um mein ÖBB-Sommerticket so richtig auszunutzen. Die Fahrt dauert von Wien aus ziiiiiemlich lang, aber mit Podcasts und Socken (ich konnte das fünfte Paar des Jahres fertigstellen!) war es halbwegs erträglich. In diesem Bundesland war ich vorher noch nie gewesen und wurde erstmal von der Schönheit der Berge und Seen dort erschlagen. Und das Essen war auch super! Ich verbrachte einige Zeit im Regenbogenland, wo ich in den Genuss des besten Sonnenblumenöls, das ich jemals gekostet habe, kam. Auf einem Berg mit Blick auf den Millstätter See trank ich Most, aß Fritattensuppe und Fleischnudeln. Letztere probierte ich nur, weil die vegetarische Version aus war und ich nicht ohne einmal DAS Regionalgericht probiert zu haben, wieder fahren wollte. Ehrlich gesagt war ich aber nicht überzeugt vom Faschierten und den Grammeln – dem ersten Fleisch, das ich seit Monaten gegessen habe. Aber die Marillenknödel retteten dann wieder alles!

Und jetzt, wie (fast) jeden Sonntag: Meine liebsten Links der Woche

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