Archiv der Kategorie: Zuckersüß

Zuckersüß 298

In dieser Woche habe ich mich ausgesprochen viel mit Audio beschäftigt. Am Montag habe ich nicht nur eine neue Podcastfolge aufgezeichnet, sondern auch gleich geshownotet und veröffentlicht.  In LP008 war ich mit Autorin, Datenschutz-Aktivistin und Privacy-Week-Organisatorin Klaudia Zotzmann-Koch an der Urania. Wir haben uns am Donaukanal über ihre Krimis, ihr Engagement für den C3W und ihre beiden Podcasts unterhalten. Außerdem ging es um Uploadfilter, noyb und eine mögliche Dissertation in Technikphilosophie – alles anzuhören in meinem Podcastprojekt Lieblings-Plätzchen.

Am Dienstag war ich wieder mit einem Podcast beschäftigt, aber nicht mit meinem eigenen. Nele Heise von den Podcastpatinnen hat mich nämlich an eine liebe Wahl-Wienerin vermittelt, die im Herbst einen Podcast über soziale Projekte in der Stadt starten will. Sobald es dazu etwas neues gibt, schreibe ich es natürlich sofort ins Zuckersüß!

Am allerspannendsten für mich – und das nicht nur im Bereich Audio, sondern ganz allgemein gesehen – war in dieser Woche aber mein erster Praktikumstag bei Ö1. Ich bin im Gesellschaftsressort des österreichischen Kulturradiosenders gelandet und werde dort in den nächsten vier Wochen zuschauen und mitmachen. In dieser ersten Woche gab es für alle Sommerpraktikant_innen zwei  Einführungsveranstaltungen. Einerseits ein Tag im ORF-Zentrum mit vielen Vorträgen und einer Führung durch das Gebäude, die Studios und den Newsroom.

https://twitter.com/jasowies_o/status/1025072974053994496

Andererseits eine Führung durch das Funkhaus in der Argentinierstraße, mit seinen (Hörspiel-)Studios und dem großen Sendesaal. Offenbar kann man solche Führungen auch einfach buchen – ich würde euch empfehlen mal vorbeizuschauen, bevor das Gebäude in den nächsten Jahren verkauft wird.

Abends wollte ich mir einen Snack für die kommenden Praktikumstage backen, doch das ging so schief wie schon lange nicht mehr. Der Plan war Quark-Mohn-Kringel, doch daraus wurde erst im zweiten Anlauf halbwegs was. Für meinen ersten Hefeteig hatte ich nämlich offenbar 250g Johannisbrotkernmehl, das fatalerweise in der „Mehl“-Dose war, verwendet. Ich kippte mehr als einen Liter Wasser in den Teig, doch das Johannisbrotkernmehl hat quasi magische Bindekapazitäten. Der Teig fühlte sich an wie brüchige Knetmasse und testweise schob ich ihn trotzdem in den Ofen. Leider musste ich am Schluss alles davon wegschmeißen, das Gebäck war einfach ungenießbar. Im zweiten Anlauf verwendete ich die Mehl-Restl-Mischung im Voratsschrank, die eigentlich zum Pizzateigbacken gedacht war. Das klappte zwar besser, aber für Feingebäck ist weißes Mehl trotzdem viel besser geeignet als Vollkornmehle, Grieß und Hafer in unbekanntem Mischungsverhältnis. Morgen sorge ich für Weizenmehlnachschub!

Trotz meiner vielen Projekte habe ich in einem Buch gelesen: „Wie wir Begehren“ von Carolin Emcke habe ich schon im letzten Jahr begonnen, dann weggelegt und jetzt an einem Abend fertig gelesen. Carolin Emcke springt recht abrupt zwischen so unterschiedlichen Erzählungen wie die eines ausgegrenzten ehemaligen Mitschülers, eines schwulen Palästinensers aus Gaza und Frauen auf dem Straßenstrich und trotzdem ist die Geschichte irgendwie rund. Überhaupt, Kreise kommen sehr oft vor – metaphorisch als Schutz, aber auch als größte Gefahr. Die persönliche Geschichte der Autorin ist verknüpft mit historischen Ereignissen und ihrer erinnerten, aber auch aktuellen Einschätzung. An einigen Stellen musste ich an #MeTwo und die vielen „Gegenstimmen“, die den rassistisch Diskriminierten die Legitimität entziehen wollen, denken, zum Beispiel hier:

So gleiten wir hinein in Normen wie in Kleidungsstücke, ziehen sie uns über, weil sie bereitliegen für uns, weil sie uns übergestülpt werden, weil sie sich anpassen oder weil wir, unbemerkt, uns anpassen. Normen als Normen fallen uns nur auf, wenn wir ihnen nicht entsprechen, wenn wir nicht hineinpassen, ob wir es wollen oder nicht. Wer eine weiße Hautfarbe hat, hält die Kategorie Hautfarbe für irrelevant, weil im Leben eines Weißen in der westlichen Welt Hautfarbe irrelevant ist. Wer heterosexuell ist, hält die Kategorie sexuelle Orientierung für irrelevant, weil die eigene sexuelle Orientierung im Leben eines Heterosexuellen irrelevant sein kann. Wer einen Körper besitzt, in dem er oder sie sich wiedererkennt, dem erscheint die Kategorie Geschlecht selbstverständlich, weil dieser Körper niemals in Frage gestellt wird.
Wer den Normen entspricht, kann es sich leisten zu bezweifeln, dass es sie gibt. (Carolin Emcke, Wie wir Begehren, S. 21)

Im Internet habe ich auch gelesen und das sind meine Favoriten der Woche:

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Zuckersüß 297

In dieser Woche erfüllte ich mir einen Traum, der mich die ganzen fünf quasi Küchen-losen Monate in Nancy verfolgte: Eine fancy  Dinnerparty. Sämtliche Spießigkeitsvorwürfe diesbezüglich ließ ich an mir abprallen und erdachte ein 6-gängiges, fast vollkommen veganes (auf Burrata als einzige Tierprodukts-Komponente musste der betreffende Gast einfach verzichten) Menü, dem ich bald einen eigenen Post widmen werde.
In Vorbereitung auf den Abend machte ich eine Shoppingtour durch Wien, die mich nicht nur zu Krimskramsgeschäften für Servietten und Papierbecher führen sollte, sondern auch zum Apple Store auf der Kärntner Straße. Einen solchen hatte ich noch nie betreten und erst recht nicht mit zielstrebiger Kaufabsicht. Ich ließ mich trotzdem von der netten Atmosphäre einlullen und tippte auf einigen Touchscreens herum. Irgendwann sprach ich dann doch eine Mitarbeiterin an, denn ich hätte den Apple Pencil nicht mal testen müssen, um zu wissen, dass ich einen haben will (digitale Sketchnotes FTW!). Was dann folgte, ist einen Vermerk in meinem persönlichen Techniktagebuch wert (für das tatsächliche ist ein Besuch im Apple Store wohl etwas zu banal): Die Mitarbeiterin bestellte auf ihrem iPhone, das in einer sehr dicken Hülle steckte, einen Pencil aus dem Lager. Bis der ankam, fragte sie mich nach Studi- und Personalausweis, die mir 10% Rabatt bescheren sollten. Ob es ein bisschen mehr als 10€ wert sind, dass Apple nun meine Perso-Nummer hat oder sie zumindest zwischenzeitlich irgendwohin zum Abgleich übermittelt hat? Mein Pencil war jedenfalls endlich da und ich zahlte per Kreditkarte. Das entsprechende Lesegerät war nicht etwa in einem Kassenterminal am anderen Ende des Geschäfts verbaut, sondern auch gleich in der Hülle, in der das Mitarbeiterinnen-iPhone steckte. Meine Rechnung wollte ich auch auf Papier haben (voll antik, ich weiß), und diesmal bewegte sich die Verkäuferin doch von mir und dem iPad neben mir weg. Sie beugte sich unter den Nebentisch, der von oben ganz genauso stylish aussah wie der an dem wir gerade noch beide standen, und holte einen ziemlich langen Thermokassenpapierbeleg hervor. Sehr erstaunlich, dieses Geschäft.
Wäre das alles noch nicht genug Konsum für einen Dienstagnachmittag, gabs noch Eis beim Biosk im MQ (Himbeere-Veilchen, sehr lecker, und Pistazie-Kürbiskern, nicht ganz mein Fall) und Abendessen mit Freund_innen bei Xu’s Cooking.
Außerdem nahm ich einmal wieder einen Zug quer durchs Land: Das verlängerte Wochenende verbrachte ich auf einer (der) Almhütte bei Salzburg. Dort wanderte ich gemeinsam mit Freund_innen ein bisschen herum, aß großzügig Pofesen und Kaspressknödel(suppe) und genoss die Ferien. Ungünstigerweise hatte ich die Bücher, die ich mitnehmen wollte, aufgrund ihres Gewichts doch wieder ausgepackt und fand mich beinahe in der Situation gar nichts mehr zum Lesen zu haben! Bis ich an diesen Punkt gelangt war, hatte ich  einen Zeitschriftenstapel verschlungen: Die aktuelle Ausgabe des fluter (abonniert den doch bitte, der ist sogar kostenlos!) und auch den Augustin, das biber-Magazin  (wobei ich die Anzeige des Bundesfinanzministerium kurzzeitig für einen Scherz nach onatcers Ministeriengenerators gehalten habe), und das Datum vom März, auf dessen Aufbewahrung ich bestanden hatte. Der mehrtägige Aufenthalt im Funkloch (nicht einmal nach dem Erklimmen eines Berggipfels wurde ich mit LTE/3G-Netzabdeckung belohnt!) bewog mich zum Durchforsten meines Downloadordners nach PDF-Leseproben. Und siehe da: ich fand zwischen tausenden Vorlesungsslides zwar keine Leseprobe, dafür aber die Kurzgeschichte „Story of my life“ von Ted Chiang, auf der „Arrival“ basierte. Bald wurde es aber eh dunkel (so richtig dunkel, denn außer zwei Taschenlampen und einer LED-Leiste über dem Tisch gab es im Umkreis von 2km wohl kein künstliches Licht) und mein Unterhaltungsproblem löste sich durch Müdigkeit (hi, Biorhythmus!) einfach in Luft auf.

Und dann war da ja noch was mit Mond im Erdschatten?

Hier sind meine Links der Woche: Zuckersüß 297 weiterlesen

Zuckersüß 296

Französischer Besuch Anfang der Woche bewegte mich zu sehr ausführlichen Stadtspaziergängen und Sightseeing in Wien. Spannend zu sehen, wie sich meine allerliebste Stadt im letzen halben Jahr verändert hat! Und im Juli bei hochsommerlichen Temperaturen Quasi-Tourist_in zu sein und z. B. durch den Schlosspark von Schönbrunn zu latschen oder auch am Stephansplatz herumzustehen ist erstaunlich ermüdend. Gut, dass es genügend Heurige am Stadtrand und nicht-überlaufene Gegenden außerhalb des Stadtkerns gibt, in denen es man sich mit einem Spritzer gut gehen lassen kann.

Und dann gibt es ja auch noch meinen liebsten Sommersnack: Eis! Meine Ferien-„Diät“ (=täglich ein Eis) konnte ich zwar leider nicht durchsetzen. Immerhin habe ich zwei mir neue Greissler-Sorten – Sachertorte und eine, an die ich mich nicht mehr erinnere (meine Favoriten werden beide nicht) – probiert, und bei Gefrorenes ein enorm gutes Birnensorbet mit Straciatella gegessen (schon auf der „Nachbau“-Liste!). Und dann noch ein nicht weiter besonderes Magnum-Steckerl-Eis , dem ich neben sichtbar künstlich aromatisierten und gefärbten Eissorten (ich Snob!) den Vorzug gab.

Apropos Farbe: der Twitter-Hashtag #kunstgeschichtealsbrotbelag, bei denen u. a. auf Initative von @MlleReadOn (die auch dazu gebloggt hat) berühmte Werke auf Brot statt Leinwand nachgebaut wurden, hat mich in dieser Woche sehr begeistert. Schaut mal:

Und wenn ich schon von Twitter rede, kann ich gleich noch was von meinem Lieblings-Social-Network in mein Blog tragen. Die Situationen im folgenden Thread sind mir so oder so ähnlich (so genau liest irgendwie keiner, was ich in die Zuckerbäckerei schreib, aber „irgendwas mit Feminismus“ wird offenbar immer mit mir assoziiert) auch schon einmal passiert und jetzt weiß ich immerhin, dass es nicht nur mir so geht.

Weil Ferien sind, oder vielleicht auch nur, weil ich gerade motiviert genug bin, habe ich auch in Büchern und nicht nur durch 280-Zeichen-Häppchen gelesen. Endlich habe ich nach fast vier Monaten auch die letzten paar Seiten von Paul Austers „4 3 2 1“  geschafft (s. a. Zuckersüß 282, 283, 284 und 290). Irgendwie hatte ich kurz vorm „Ziel“, die Lust verloren, wurde aber am Ende mit einem Twist – oder vielleicht noch einer Metaebene? – belohnt. Schon beim Lesen durch die ganzen 1070 Seiten der englischen Taschenbuchversion hatte ich den Eindruck, dass mich die Themen, mit denen die Hauptfigur Ferguson konfrontiert ist (US-Zeitgeschichte v. a. die Protestbewegungen der 1960er und der Vietnamkrieg, Literatur) noch länger beschäftigen werden, wenn sie es nicht eh schon vorher taten (Uni und Politik, Schreiben). Auch die Form des Romans hat mich beeindruckt: Aus heiterem Himmel tauchen im Fließtext Stichpunkte auf oder seitenlange Begriffsaufzählungen auf und die Schreibexperimente des angehenden Autors Ferguson nehmen teilweise mehrere Seiten ein. Dieser Roman ist eindeutig einer, der dazu motiviert, noch viel mehr Bücher zu lesen. Mich hat er auch angestiftet, mich mehr mit Literaturwissenschaft auseinandersetzen zu wollen, um mehr „Werkzeug“ an der Hand zu haben, wenn ich Bücher lese. Am Ende handele ich mir jetzt noch ein Nebenfach für mein Studium ein!

Leider habe ich noch kein nächstes Werk für meinen Mini-Buchclub gefunden, sicher ist aber, dass diesmal eine Autorin dahinterstehen sollte. Die Bilanz bisher ist eher ernüchternd: 5 von 6 Büchern, die ich 2018 gelesen habe, waren von Männern. Das Eine, das von einer Frau geschrieben wurde, war außerdem ein Sachbuch, zählt also nicht mal so richtig ( „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski ist trotzdem sehr lesenswert!).

In ein paar andere Bücher habe ich auch ohne meinen Buchclub hineingelesen, darunter Harry Potter 4 auf Französisch, der hoffentlich das erste Buch in dieser Sprache wird, das ich jemals schaffe, fertigzulesen. Meine aktuelle Mitbewohnerin hatte gerade „Hunger“ herumliegen, das ich deshalb auch einfach zu lesen begann. Von diesem neuesten Buch von Roxane Gay hatte ich schon in der aktuellen Ausgabe des Rookie-Podcast, in dem es auch um so abstruses wie Tarot-Karten (?!) geht, gehört, wodurch mein Interesse geweckt wurde.

Und dann beschloss ich auch noch, mich endlich bei der Wiener Stadtbücherei einzuschreiben. Ich war aber so knapp vor der Schließzeit dort, dass mir nicht viel Zeit zum Stöbern blieb und ich mich für ein Sachbuch entschied, das mir schon länger durch den Kopf geistert. „We were feminists once. From RIOT GRRRL to COVERGIRL, the buying and selling of a political movement“ von Andi Zeisler war mir (vermutlich seit der Veröffentlichung) aus dem bitch media-Kontext ein Begriff, in meinem ersten Publizistik-Semester kam es auch einmal vor und schließlich hatte Annemarie von fairfetzt kürzlich darüber gebloggt. Die ersten beiden Kapitel über Werbung und (Hollywood-)Filme lasen sich schon mal sehr angenehm, mal sehen, wie es weitergeht.

Am Donnerstag machte ich mich auf nach Kärnten, um mein ÖBB-Sommerticket so richtig auszunutzen. Die Fahrt dauert von Wien aus ziiiiiemlich lang, aber mit Podcasts und Socken (ich konnte das fünfte Paar des Jahres fertigstellen!) war es halbwegs erträglich. In diesem Bundesland war ich vorher noch nie gewesen und wurde erstmal von der Schönheit der Berge und Seen dort erschlagen. Und das Essen war auch super! Ich verbrachte einige Zeit im Regenbogenland, wo ich in den Genuss des besten Sonnenblumenöls, das ich jemals gekostet habe, kam. Auf einem Berg mit Blick auf den Millstätter See trank ich Most, aß Fritattensuppe und Fleischnudeln. Letztere probierte ich nur, weil die vegetarische Version aus war und ich nicht ohne einmal DAS Regionalgericht probiert zu haben, wieder fahren wollte. Ehrlich gesagt war ich aber nicht überzeugt vom Faschierten und den Grammeln – dem ersten Fleisch, das ich seit Monaten gegessen habe. Aber die Marillenknödel retteten dann wieder alles!

Und jetzt, wie (fast) jeden Sonntag: Meine liebsten Links der Woche

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Zuckersüß 295

Diese Woche war ich einmal wieder ziemlich viel unterwegs. In Wien bin ich hinauf auf den Kahlenberg und dann auf einen Spritzer zu einem Buschenschank mit recht absurder Dekoration (häufigster Slogan auf den Plakaten dort: „Grinzing Saves the World“?).

Nach einem kurzen Stopp in Niederösterreich (Kuhglocken vor dem Fenster versetzen mich seltsamerweise in sofortige Urlaubsstimmung) verbrachte ich einen Abend in der „Westernstadt Pullman City“. Dort war ich seit meiner Kindheit nicht mehr und diesmal doch sehr überrascht, wie weitläufig und scheinbar erfolgreich ein solcher Freizeitpark im bayerischen Wald sein kann. Das Country-Music-Festival, das dort stattfand, zog viele Tänzerinnen an, die die sandige „Main Street“ zum Line-Dance-Floor machten, was wirklich schön anzuschauen war. Was mich allerdings ziemlich irritiert hat, waren die vielen Konföderierten-Flaggen dort, die in meiner Assoziation vor allem rassistisch sind. Auch die Hotelzimmer-Tipis und alle möglichen „Indianer“-Aktivitäten haben einen leichten Nebengeschmack von kultureller Aneignung…

Sehr wichtig in dieser Woche: Fußball. Frankreich-Belgien sah ich im Wiener WUK, wo gleichzeitig die großartige Ausstellung „tschuttiheftli“ stattfand. Verschiedene Künstler_innen gestalteten pro Vorrunden-Partie ein Plakat mit den beiden Mannschaften, allerdings in komplett unterschiedlichen Illustrationsstilen. Ziemlich coole Aktion, Fußball mit Kunst zu verbinden!

Das Finale Frankreich-Kroatien sah ich in einem anderen Kulturzentrum, das mir wirklich sympathisch erschien: Das Dunaj in Bratislava. Mehr zu meinem Wochenendausflug dorthin hoffentlich auch bald hier im Blog (was würde ich sonst mit den 1000 Fotos tun?).

Bevor ich jetzt noch einen Tag bis zur Veröffentlichung der Sonntagslinksammlung vertrödele, komme ich besser gleich zum Wichtigen – es folgen meine liebsten Links der Woche:

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Zuckersüß 294

Jetzt habe ich ein halbes Jahr durchgehalten und nun tatsächlich einen Sonntag ausgelassen mit den wöchentlichen Linksammlungen. Nicht etwa, weil ich keine Zeit hatte, einen Post zu tippen, was sonst immer den Veröffentlichungsrhythmus gestört hatte, sondern weil ich so wenig wie wohl noch nie im Internet gelesen habe.

Stattdessen habe ich den größten Teil meiner freien Zeit in der Küche meiner Familie verbracht. Einerseits, weil ich das nun endlich konnte und noch dazu auf richtig viele super tolle Zutaten aus dem Garten (letzter Rhabarber, Zitronen, Lavendel, Kräuter) zurückgreifen konnte. Andererseits, weil meine Schwester ihr Abitur verliehen bekam und es deshalb Grund zum Feiern (= sehr gut Essen) gab.

Zu der Gelegenheit dachte ich auch noch einmal an mein eigenes Abi (vor mittlerweile vier Jahren!) zurück und was ich in der endlich schulfreien Zeit bzw. als Prüfungsvorbereitung so alles machte: Studentenfutter-Haferkekse, Classic Chocolate Chip Cookies, Mohn-Marzipan-Plätzerl mit Traubengelee, Brown Butter Banana Bread, Basilikum-Eis und Holunderblüten-Eis.

In den nächsten Tagen werde ich mir noch die Mühe machen und die gefühlt tausend Rezepte, die ich zum Abi-Party-Buffet zusammengestellt habe, in einen Post tippen, damit ich sie nicht vorher wieder vergesse.

Apropos vergessen, ich hätte es beinahe versäumt, rechtzeitig ein Geschenk für meine Schwester zu besorgen. Glücklicherweise gibt es in meiner Heimatstadt aber einen großartigen Buchladen, der in weniger als 24h Bestellungen ausführt. Auf Empfehlung von shutterbean und slanted entschied ich mich für Wasserfarben für Gestalter. Das Buch ist super zum Durchblättern (im Zweifel wirds ein „Coffee Table Book“) und scheint sehr bedacht gemacht zu sein – das genaue Gegenteil von den gefühlt tausenden (und oft sehr billig produzierten) Publikationen, die aktuell versuchen, auf den Lettering-Trend aufzuspringen.

Meine „nicht“ freie Zeit verbrachte ich mit der letzten Seminararbeit für dieses Semester. Es war die erste und einzige auf französisch, die ich nicht in einer Gruppe schrieb und ich mühte mich ziemlich. Umso schöner war der Kommentar meines Studienkollegen-Korrekturlesers, der meinte, dass sich mein Französisch enorm verbessert hätte. Beim offiziellen ERASMUS-OLS-Sprachtest schnitt ich lustigerweise (wesentlich!) schlechter ab als im Januar – so viel zur Repräsentativität von standardisierten Online-Sprachtests…

Dann machte ich auch noch einen kurzen „Ausflug“ nach Wien (endlich wieder da gewesen!). Dort erledigte ich ERASMUS-Papierkram und holte mir zwei unverzichtbare Kugeln (Grießschmarrn und Graumohn) vom Eis-Greissler. Und weil ich ausnahmsweise Termin-Glück hatte, picknickte ich auch mal wieder mit meinen (Ex-)Studienkolleg_innen.

Und nach zwei Wochen habe ich genug spannende Links zusammengetragen:

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Zuckersüß 293

Wie es sich für eine Abschiedswoche gehört, habe ich in den vergangenen Tagen enorm viel unternommen und erledigt (und keine Zeit zum Bloggen gehabt). Bevor ich mein ganzes Geschirr an Freund_innen und das ESN übergeben habe (Rezeptideen für Wohnheimsküchen gibts hier, btw), habe ich noch spontan French Toast gebacken, weil Katharina Seiser ein so schönes French Kipferl getwittert hatte. Gleich anschließend habe ich vorsichtshalber auch noch 20 Pfannkuchen gemacht, um nicht nur auswärts essen zu müssen.

https://twitter.com/jasowies_o/status/1008994070960705536

Nach dem Frankreich-Auftakt habe ich tatsächlich nochmal Fußball geschaut – das erste Deutschlandspiel mit vielen mexikanischen Freund_innen, die sich nach dem Sieg nicht mehr einkriegten, und zwei Kolumbienspiele mit vielen kolumbianischen Freund_innen (einmal traurig, einmal mit viel Jubel). Nachdem ich bestimmt mehrere Jahre lang kein einziges Fußballspiel verfolgt hatte (so. fad.), musste ich feststellen, dass es gar nicht so langweilig ist, mit netten Menschen gemeinsam in einer Kneipe auf eine Leinwand zu schauen. Ich trank zwar Tee dabei und fieberte verhalten bis gar nicht mit, aber so war es mir auch völlig egal, dass Deutschland so schlecht gewesen war.

Im Kino war ich auch noch, denn mein gratis-Ticket, das ich als ERASMUS-Willkommensgeschenk bekommen hatte, wollte ich nicht verfallen lassen. Im Caméo lief neben ein paar aktuellen Filmen, von denen mich keiner recht zusagte auch 2001: A Space Odyssey. Ich wusste praktisch nichts über diesen Film, außer dass er irgendwie wichtig ist. Immerhin wird er ja 50 Jahre nach Erscheinen nochmal gezeigt! So landete ich gemeinsam mit einer lieben Freundin, die mich vorher noch zum Handkäs-Katerfrühstück eingeladen hatte (ich muss auch erst ins Nachbarland, um regionale deutsche Spezialitäten zu probieren?) in der 14-Uhr-OV-Vorstellung. Einmal wieder fiel mir auf, wie viele Leute in Frankreich alleine ins Kino zu gehen scheinen, zumindest im Vergleich zu Bayern/Wien, wo ich kaum Ähnliches beobachtet habe. Noch erstaunlicher fand ich die „Pause“ im Film: Einfach ein paar Minuten graues Bild, aber weiterlaufende Filmmusik und Saalbeleuchtung. Ich bin leider immer noch nicht dazugekommen, etwas über den Film zu lesen – ein bisschen Einordnung könnte ich schon gebrauchen.

Nach so vielen Leinwänden brauchte es auch einmal Abwechslung: Beim Rendez-Vous Place Stanislas wird gleich auf fünf Fassaden gleichzeitig projiziert. Jeden Abend um 22.45h gibt es dort eine bunte Animation auf dem Rathaus, der Oper, dem Kunstmuseum usw. : Kronleuchter werden an und ausgeschaltet, Shilouetten rennen durch die Gänge, ein überdimensionaler Stanislas wünscht einen schönen Abend, die Mauern werden mit Neon-Buntstiften bemalt und am Ende gehen die Illustrationen mit Geschichtsbezug in Discolichter mit Electro-Swing über. Der dreidimensionale Sound dazu hat mich ebenfalls sehr beeindruckt, der Platz ist rundherum mit Lautsprechern bestückt. Solltet ihr vor Mitte September in Nancy vorbeikommen, empfehle ich euch unbedingt, euch dieses Spektakel anzuschauen!

Eine Freundin machte in ihrer Lernpause (es sind immer noch Rattrapages!) mit mir einen Ausflug zum Gelände des Michto-Festivals in Maxeville. Das findet zwar erst wieder im Herbst statt, aber zwei sehr coole Containerkonstruktionen stehen ganzjährig da. Freiwillige hatten an diesen so herumgebastelt, dass die eine jetzt eine geschnitzte und bemalte Holzfassade hat und die andere aussieht wie ein Zirkuszelt.

Die Fête de la Musique am Donnerstag verpasste ich nicht: In Nancy spielten dafür in vielen Bars Live-Bands, manche Leute stellten einfach ein Soundsystem auf die Fensterbretter im ersten Stock und machten die Straße darunter zur Tanzfläche. Leider gab es nirgends einen Zeitplan für den Abend, sodass ich irgendwie immer dann irgendwo ankam, als gerade der letzte Song angestimmt wurde. Außerdem wollte ich dieses Fest zu meiner Abschiedsparty machen, aber *alle* meine Freund_innen in einer Stadt voller Menschen zusammenzuhalten stellte sich als Ding der Unmöglichkeit heraus. Trotzdem, die Fête de la Musique ist eine super Initiative und könnte sich meiner Meinung nach ruhig noch weiter verbreiten.

Zum Umzugswochenende bekam ich freundlicherweise Besuch von meinen Eltern, die mich dann mit dem Auto mit zurücknahmen. Vorher waren wir aber noch in der Gentilhommière (sooo schöne Desserts!) und bei La petite cuillère essen. Beim Excelsior hat sich herausgestellt, dass es von außen (superschöne Ecole de Nancy-Glasscheiben) schöner ist als von innen und nicht unbedingt einen zweiten Besuch wert ist.

Und weil ich jetzt eh schon sagenhafte drei Tage verspätet bin mit diesem Post, erzähle ich nicht noch länger, sondern gehe zu meinen liebsten Links der vergangenen Tage über: Zuckersüß 293 weiterlesen

Zuckersüß 292

Meine vorletzte Woche in Nancy war geprägt von Abschieds-Abendessen und -Parties und einigen coolen Konzerten. Schon doof, dass ich erst jetzt darauf komme, wie viele Orte mit Livemusik es in dieser Stadt gibt – und das, obwohl ich sogar Musiker-Freunde habe! Einer davon spielte am Donnerstag Schlagzeug beim allerersten Gig von Chichipato, einer ziemlich fetzigen Cumbia-Band (leider gänzlich ohne Webauftritt). Am Freitag geriet ich in ein Swing-Konzert mit sehr vielen Lindy-Hop-tanzenden Paaren. Trotz Mini-Einführung in der Pause bleibt mir dieser Tanz aber sehr rätselhaft, vielleicht sollte ich mal einen richtigen Kurs besuchen. Und am Samstag brachte mich ein Konzert tatsächlich dazu, ein WM-Match anzuschauen. Ein polnischer Freund (mit FB-Seite!) spielte nämlich vor und nach Frankreich-Australien in einer kleinen Brasserie.

Was mich außerdem sehr begeisterte war mein Mittwoch-Nachmittag. In der Küche einer Freundin (einer richtigen mit Herd und Ofen und Kühlschrank und Gefrierfach und Töpfen und alles!) improvisierte ich ein paar Party-Snacks: Best Cocoa Brownies, einen Käsekuchen, der leider wegen falsch dosiertem Agar Agar statt Gelatine etwas auseinander lief, Käse-Blätterteig-Stangerl und dazu auch noch Basilikum- und Aprikosensirup. Was freue ich mich auf eine richtige Küche (ok, das schreib ich jetzt schon seit ~10 Wochen jeden Sonntag).

Und nun meine liebsten Links der vergangenen Tage:

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Zuckersüß 291

In der vergangenen Woche bin ich ziemlich viel in Parks herumgesessen (immer auf der Hut vor dem nächsten spontanen Platzregenschauer) und auch ziemlich viel in der Küche gestanden. Je näher die großen Ferien kommen, umso leerer wird nämlich das Wohnheim, sodass ich die Küche fast immer für mich allein habe. Unter meinen Werken (natürlich allesamt in meinen Insta-Stories festgehalten) war Basilikumsirup (für Gin Basil Smash), ein superguter Sommersalat (Gurke, Kichererbsen, Feta, frische Minze, Zitronensaft und Olivenöl), ein nicht-süßer Brot-Obstsalat (Baguette mit Knoblauch und Zitrone in Olivenöl gebraten, Pfirsich mit viel Basilikum angebraten und mit Feta und Zitronensaft serviert), karamellisiertes Pain Perdu (aka Arme Ritter) mit Apfelmus, Zitronenspaghetti, ein alles-was-der-Kühlschrank-hergibt-Dessert (Pfirsich in Basilikumsirup in Zitrone mit karamellisierten gemahlenen Mandeln), Milchreis mit Walnuss-Bananen-Karamell (inspiriert von My Candid Appetite), ein Salatteller mit paniertem Brokkoli, Süßkartoffeln und RaslHanut-Kichererbsen und Shakshuka.

Leider hörte am Mittwoch mein Kühlschrank auf kalt zu sein und sämtliche meiner Versuche (ausstecken/einstecken, den Regler 100x herumdrehen) ihn wieder zum laufen zu bringen, scheiterten. Und das, obwohl ich dank Wikipedia jetzt sogar weiß, wie dieser uralte Absorberkühlschrank funktioniert hat! Der CROUS-Pannenservice versuchte es dann am Freitagmorgen erst gar nicht mit einer Reperatur, sondern stand mit einem nagelneuen Gerät vor meiner Tür. Mein neuer Kompressionskühlschrank ist zwar fast doppelt so groß wie der alte, beleuchtet und hat viel mehr Tür-Stauraum, macht aber dummerweise richtig viel Krach. Gut, dass ich nicht vorhabe, in meinem Zimmer zu podcasten. 

Den Journée de l’Art Nouveau am Sonntag verbrachte ich fast ausschließlich in Museen: Am Vormittag ging ich zur Führung durch die Sonderausstellung im Musée des Beaux-Arts. Dort erzählte eine sehr sympathische Vermittlerin mehr als eineinhalb Stunden (!) lang von Nancys Glasindustrie um 1900. Ich war einmal wieder erstaunt, wie interessant scheinbar langweilige Ausstellungsstücke (eine Glasvase) sein können, wenn man nur eine Geschichte dazu hört oder Informationen zur Herstellung bekommt. Nachdem ich gemeinsam mit gefühlt 50 älteren Leuten (warum interessierten sich nur Menschen jenseits der 60 für Glas aus Nancy?) durch die zweistöckige Ausstellung gelaufen bin, fing ich sie noch einmal von vorne an. Dabei schaute ich mir nicht nur die Teile an, die in der Führung nicht vorgekommen waren, sondern bastelte zusätzlich eine Insta-Story aus den vorgestellten Ausstellungsstücken und allem, was ich mir dazu gemerkt hatte. Damit habe ich jetzt Notizen mit Bild und meine Follower_innen vielleicht Interesse an lothringischer Glasherstellung und -trends zwischen 1890 und 1970. Oder auch nicht. Für mich werden Museen und Ausstellungen als Wissensquelle und Zeitvertreib jedenfalls immer relevanter (s. Drei Museen in Straßburg, Centre Pompidou Metz, Musée Dunkerque 1940 etc).

Am Nachmittag spazierte ich zur Villa Majorelle, die gerade renoviert wird. Für den Kultursonntag wurde sie ausnahmsweise geöffnet und der Besucher_innenandrang war so groß, dass die Schlange bis auf die Straße reichte. Trotz Wartezeit schaffte ich es glücklicherweise rechtzeitig zum Vortrag der Architektin, die mit der Renovierung betraut ist. Sie zeigte Pläne und historische Fotos und erklärte, was bis zur Wiedereröffnung als möglichst originalgetreue Art-Nouveau-Villa noch alles passieren muss. Große Hinweistafeln im Mini-Garten beschrieben zusätzlich das Leben des Bauherrn, die Geschichte des Gebäudes und außerdem den Zusammenhang zur Villa Majorelle in Marrakech, der mich schon die ganze Zeit wurmte: Um die Jahrhundertwende wurde der Möbelbauer/Künstler/Geschäftsmann Louis Majorelle (frz. Wikipedia) in Nancy zum Mitbegründer der École de Nancy, sein Sohn Jacques (frz Wikipedia) im französischen Protektorat Marokko später orientalistischer Maler. In Gueliz, der Ville Nouvelle von Marrakech baute er sich dann seine eigene Villa, die Mitte des letzten Jahrhunderts  von Yves Saint Laurent gekauft wurde und heute ein Museum zur Geschichte der Berber ist. Nachdem das geklärt war, konnte ich beruhigt weiter zum Musée d’École de Nancy spazieren, wo ich mich in den Garten setzte, einer Swing-Band und vielen schön gekleideten Tanzpaaren zuschaute. Ins Museum hinein ging ich nicht, denn bei meinem letzten Besuch hat es sich nicht als besonders interessant herausgestellt (damit sich das ändert, bräuchte es wohl nicht mehr als eine Führung oder einen Audioguide).

Jetzt folgen wie immer meine Lieblingslinks der Woche, diesmal wieder mit besonders viel Lesestoff:

Zuckersüß 291 weiterlesen

Zuckersüß 290

Mein Zuckersüß kommt heute zu spät, das Wochenende habe ich nämlich ohne digitales Schreibgerät (aka Laptop) in Brüssel verbracht. Das war aber nicht mein einziger Ferienausflug, denn vergangenen Montag war ich in Metz (dazu bald mehr).

Am Dienstag habe ich versucht, (ohne Wage! auf dem Schreibtisch!) vegane Hafercookies zu backen, was leider eher schlecht als recht funktioniert hat (hauptsächlich, weil ich sie zu lange im fremden Ofen gelassen habe). Startschwierigkeiten hatte auch der Karaoke-Abend mit Freund_innen, für den die Cookies gedacht waren. Nach ein paar mal Karaoke in unserer hass-geliebten-Erasmus-Stamm-Bar hatten wir beschlossen, dieser völlig unterschätzten Freizeitbeschäftigung in einem WG-Wohnzimmer nachzugehen. So könnten wir einerseits den seltsamen französischen 80er-Jahre-Hits entgehen und andererseits nebenbei *günstigen* Wein trinken und Cookies essen. Der Plan: die xbox an den Bildschirm anschließen und lossingen. Die Realität: Eine weitere Geschichte für mein persönliches  Techniktagebuch.

Nachdem die Konsole gefühlte 1000 Updates heruntergeladen hatte (6GB!), folgte ein weiteres für das Karaokespiel aus dem Second-Hand-Computerspiele-Geschäft. Dann fehlte noch ein gemeinsames WLAN-Netzwerk für die verwendeten Devices. Statt wie z. B. bei der Playstation und ihren konsolen-eigenen Mikrofonen für singstar funktioniert xbox-Karaoke nämlich mit Smartphones und einer entsprechenden App. Glücklicherweise verfügte einer der Anwesenden über gute 12 GB unverbrauchtes Datenvolumen, kurz vor Ablauf des Verwendungsintervalls, und eröffnete einen Hotspot. Wenn alles gut ging (nicht all zu oft), blieb die Verbindung stabil und wir sangen Selfie-mäßig auf unsere Telefone ein. Auf denen war nicht nur der Songtext abzulesen, sondern auch verschiedene Farb- und Effekteinstellungen für das Video, das gleichzeitig mit der Frontkamera aufgenommen wurde. Die Videos der Singenden wurden in Echtzeit (oft genug mit gerade genug Verzögerung, dass nichts mehr zusammenpasste) auf den Fernsehbildschirm übertragen und mit noch mehr Effekten zusammengeschnitten. Am Ende des Songs konnte man sich die Performance noch einmal ansehen und sogar über Social Media teilen. Dieser um Bewegtbild erweiterte Karaokemodus war wirklich überaus lustig, wäre da nicht ständige Netzwerk-Fehlermeldungen gewesen. Irgendwann wurde die immer wieder abgebrochene Verbindung zwischen Smartphones und xbox zu nervig, sodass wir auf eine andere wireless-Technologie umstiegen: Musik von Spotify zu Bluetoothbox.

Ansonsten habe ich endlich mal wieder in Paul Austers 4-3-2-1 weitergelesen, das mich immer mehr begeistert (und verwirrt, weil ich zwischendrin vergessen hatte, wo ich war und was passiert war). Besonders wie der Protagonist Ferguson übers Lesen und Schreiben denkt, finde ich sehr interessant. In allen seinen Alternativ-Leben (das Buch erzählt viermal die fast gleiche Geschichte, durch kleine Unterschiede entwickelt sich sein Leben anders) hat er damit auf unterschiedliche Weise zu tun. Ich bin nicht besonders belesen im klassischen Sinne (meine bestimmt zwei Stunden täglichen Lesens verbringe ich hauptsächlich online mit nicht-Fiktionalem) und 4-3-2-1 spornt mich ziemlich an, das zu ändern. Allerdings nicht unbedingt den Literaturkanon, den Ferguson als unentbehrlich sieht, erst recht nicht nach diesem Artikel aus dem Guardian (s.u. mehr). Mein aktuelles Interesse für die Geschehnisse der 1960er (z. B. diese arte-Doku und meine Gespräche rund um „La fac de Lettres est bloquée!„) wird durch Fergusons Einschätzung der an ihm vorbeiziehenden Ereignisse (die Ermordung von JFK, Anti-Vietnamkriegs-Proteste, Aufstände in Newark 1967…) noch mehr gefüttert. Ich glaube, dieses Buch ist eines, dass ich mehrmals lesen werde.

Im Internet habe ich natürlich auch gelesen und folgendes fand ich dabei teilenswert:

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Zuckersüß 289

Mein Ferienprogramm hat begonnen: Nach der Reise nach Lille, Dunkerque und Bruxelles über Pfingsten beschäftigte ich mich erstmal mit einen ganzen Tag lang mit der leidigen DSGVO. Nachdem ich in den letzten Wochen schon die Rechtsbelehrung (Teil ITeil II) dazu gehört hatte und einiges (s.u.) dazu gelesen hatte, machte ich mich mithilfe von Das Nufs Guide und dem Datenschutz-Generator von RA Schwenke an die praktische Umsetzung – zumindest so weit wie ich das in ein paar Stunden alleine hinbekam. Google Analytics kickte ich einfach gänzlich raus, meine Zugriffszahlen sind mir im Grunde nämlich eh egal. Mein Blog hat allerdings weiterhin kein SSL-Zertifikat (bestimmt ist das gar nicht so schwierig zu bekommen, aber ich müsste halt erst nochmal einen (Nachmit-)Tag Arbeit hineinstecken), die Schrift ist von Google und auf meine eingebetteten Tweets mag ich nicht verzichten. Vielleicht gibt es sogar noch mehr Probleme, deren ich mir noch gar nicht bewusst bin. Ich finde es jedenfalls recht doof, dass es für ein gewöhnliches WordPress-Blog  kein „Privacy by Default“ (falls es sowas tatsächlich geben sollte) gibt, oder zumindest irgendwo einen Button, mit dem man alles, was datenschutzmäßig fragwürdig ist, auf einmal loswerden kann. Ich blogge auch, weil ich die Kulturtechnik des im-Internet-Veröffentlichens mit allem was (technisch) dazu gehört interessant finde, nur sind meine Prioritäten nicht einzig darauf gerichtet und Kapazitäten vor allem irgendwann erschöpft.

Während ich mich durch die Untiefen der WordPress-Einstellungen klickte, wurde mir mal wieder klar, dass ich eigentlich noch ziemlich viele Punkte auf meiner imaginären „irgendwann-mal-am-Blog-Basteln“-Liste stehen habe, die ich seit ca. 2013 nicht umgesetzt habe. Darunter zum Beispiel eine visuelle Rezeptübersicht (vielleicht sogar einen dieser magazin-igen Vorschaubereiche – ciao lineares Blog), oder überhaupt ein Redesign der Seite (nur das pink muss bleiben!). Aktuell habe ich aber eine ganze handvoll angefangener Blogposts in meinen Entwürfen und noch gefühlt tausend weitere Ideen in meinem Kopf, deshalb: content first.

Aus einem kurzen Anfall von Bildschirm-Abneigung (die DSGVO verdarb mir kurzzeitig meine Lieblingsbeschäftigung Im-Internet-Lesen!1!!1) las ich dann in einem Rutsch Margarete Stokowskis „Unterum Frei“ fertig. Teile davon kannte ich schon aus einer Lesung im letzten Mai, war damals aber zu knausrig für das Hardcover. Dank der bpb-Ausgabe um nur 4,50€ (viel besseres Coverdesign, tbh) war aber dieses Problem aus dem Weg geräumt, und ein neuer Kandidat für den Buchclub stand fest. Vieles von der Theorie, die sie mit den (stellenweise sehr drastischen) Erlebnissen aus ihrem Alltag verwebt, ist mir schon geläufig, aber ich habe mir genug Fußnoten angestrichen, bei denen ich noch weiterlesen  will.

In Österreich tat sich in den letzten Tagen ja schon wieder eine dieser leidigen „Gendern-verschandelt-unsere-Sprache-mimimi“-Diskussionen auf, und auch dazu hat Margarete Stokowski etwas Nettes in ihrem Buch (S. 205) geschrieben:

Sie sagen, Wörter wie „Studierende“, „BürgerInnen“ oder „Arbeiter*innen“ seien nicht schön. Solche Argumente sind, gelinde gesagt, verdächtig, wenn sie nicht gerade von Dichter*innen kommen. Leute, die sich nie im Leben um die Schönheit von Sprache geschert haben, bemühen ein plötzlich erwachendes ästhetisches Empfinden bezüglich der Anmut von Wörtern? Wie sehr kann man sich selbst verarschen? Weigern sich solche Menschen auch, jemanden Horst zu nennen, weil es so ein unästhetischer Name ist? Treffen sie sich heimlich bei Walther-von-der-Vogelweide-Lesekreisen, weil sie so scharf auf alte Sprache sind?

Wenn ihr un-anstrengende, zeitgemäße feministische Lektüre sucht, würde ich euch „Untenrum Frei“ auf jeden Fall weiterempfehlen!

Für echtes Ferien-Feeling musste auch irgendeine Kulturveranstaltung her, weshalb ich am Mittwoch zu einer Ausstellung und am Donnerstag zu einem Upcycling-Häkelatelier in die ENSAD (Nationale Hochschule für Kunst und Design) ging. Eine Designstudentin leitete dort eine handvoll Mädels im Häkeln mit VHS-Kassetten an. Ich hatte zwar schon einmal mit einer zerschnipselten Plastiktüte gehäkelt, aber nicht mit Filmen. Fazit: Es ist ziemlich mühsam und macht furchtbare Geräusche. Und so cool die Idee von Taschen aus VHS-Häkel-Quadraten ist, ist sie doch mit unrealistisch viel Arbeitsaufwand (mein Quadrat zu häkeln dauerte mehr als zwei Stunden!) verbunden.

Davon einmal abgesehen war ich sehr beeindruckt von dieser Hochschule – sie ist nagelneu, architektonisch sehr spannend (knapp an der Grenze zu unpraktisch) und sehr offen. Es gibt nur einen einzigen Hörsaal, dafür thematische Räume fürs Arbeiten mit Holz, Siebdruck, Metall, Multimedia (gleich 30 iMacs nebeneinander!) usw. Grüppchen von Studierenden saßen in den verschiedenen Arbeitsbereichen herum und kümmerten sich um ihre Projekte. Mit den Lehrenden schienen sie per du und einer davon führte uns „uni-fremde“ Besucher_innen sogar kurz durch die Ateliers. Insgesamt ist die ENSAD (auf den ersten Blick, ich studiere ja nicht dort) das komplette Gegenteil „meiner“ Fac des Lettres, die 70er-Jahre-Muff verströmt, Hierarchien zwischen Lehrenden und Studierenden sogar noch architektonisch verstärkt und keinem auch nur einen Funken Autonomie zuspricht…

Am Ende meiner Prüfungen hatte ich mir noch vorgenommen, wenigstens ein paar meiner Dozent_innen an der Uni Lorraine eine E-Mail mit Feedback zu schreiben. Rückmeldungen der Studierenden scheinen hier überhaupt nicht institutionalisiert zu sein (die Uni Wien hat wenigstens ihre Multiple-Choice-Qualitätssicherungsbögen!) und es ist gut möglich, dass sich keine_r der Lehrenden auch nur einen Deut dafür interessiert. Aber immerhin habe ich dann nochmal die Möglichkeit ausführlich über mein ERASMUS-Semester zu reflektieren und Zeug auf Französisch zu schreiben (was mir immer noch schwer genug fällt).

Zwischendrin prokrastinierte ich ein bisschen durch Twitter-von-vor-zehn-Jahren. Durchaus witzig!

Im Jahr 2008 hatte ich aber gerade erst RSS-Feed-Reader für mich entdeckt, bis zu meinem Twitteraccount sollte es noch weiter sieben dauern. Seit dieser Woche habe ich aber quasi noch ein neues Level unlocked, mein erster Twitterthread, mit einer Geschichte, die ich weder auf FB, in meinen Instastories oder hier erzählen wollte:

Noch eine Kulturveranstaltung (oder so ähnlich) stand am Samstag auf dem Programm: 24h de Stan „le plus grand événement étudiant de l’Est de la France“ (das größte Studierenden-Event im Osten Frankreichs). Von Samstag um 16h bis heute um 16h schoben dabei verschiedene Hochschulteams möglichst kunstvoll verzierte, aber gänzlich ausgeschlachtete Auto-Karosserien um den Place de la Carrière in Nancy. Trotz der großen Bühne mit Live-Musik und später einem DJ-Set war die Atmosphäre eher wie auf dem Zeltplatz eines Festivals: Viele verkleidete, tanzende, betrunkene junge Menschen unter freiem Himmel. Leider wurde dem Event um ein Uhr nachts der Strom abgedreht (Lärmschutz?) und es war nur mehr halb so lustig, die Teams bei ihren Umrundungen anzufeuern. 24h de Stan hat sich mir leider bis zum Schluss nicht ganz erschlossen, denn obwohl die ganze Stadt bis spätnachts voller Menschen und Musik war, wurde ich das Gefühl nicht los, dass man zum exklusiven Kreis einer diesen Écoles nationales supérieures gehören musste, um „wirklich“ dabei zu sein.

Jetzt folgen hier erstmal meine (sehr umfangreichen!) Links der Woche, weiter mit dem Ferienspaß dann am nächsten Sonntag:

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