Archiv der Kategorie: Zuckersüß

Zuckersüß 360

In dieser Woche habe ich erstaunlicherweise nur zwei Kuchen gebacken: Kardamom-Pistazien-Karottenkuchen und Eierlikörguglhupf aka Kuchenkuchen (beides bald im Blog). Aber ich habe auch Eier gefärbt (mehr oder weniger fürs Radio, der entsprechende Beitrag für Ö1-help ist noch ein paar Tage nachzuhören) und einen Cocktail gemixt. Letzteres hauptsächlich deshalb, weil ich drei supercoole handgetöpferte Tiki-Becher von der Matikibar gekauft habe (ich mag dort unbedingt nochmal Cocktails trinken, die Bar darf also nicht pleitegehen!).

Einigermaßen viel Zeit habe ich strickend in der Sonne verbracht und kaum ist es draußen warm, ist auch meine dicke Winterfell-Strickjacke endlich fertig. Ich habe behelfsmäßig ein paar unterschiedliche Knöpfe darangenäht, damit sie auch funktionstüchtig ist – sobald Kurzwarengeschäfte wieder öffnen, kann ich mir ja passende kaufen.

Unter Aufsicht meines Mitbewohners (der hobbymäßig viel Elektronik zerlegt und neu zusammenbaut) habe ich mich auch mal darangetraut, meinen Laptop aufzuschrauben und sauberzumachen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Dreck aus einer Tastatur fallen kann, wenn man sie erst einmal aus einem Thinkpad genommen hat. Die ganze Aktion erinnerte mich an eine Stelle am Anfang von Permanent Record, Edward Snowdens Buch, das ich nun endlich fertiggelesen habe:

„To refuse to inform yourself about the basic operation and maintenance of the equipment you depended on was to passively accept that tyranny and agree to its terms: when your equipment works, you’ll worrk, but when your equipment breaks down you’ll break down, too. Your possessions would possess you.“ (S. 29)

Danach wollte ich mal wieder eine *mitreißende* Geschichte lesen und wurde von TC Boyles Das Licht in der Hinsicht nicht enttäuscht – ich habe es in drei Tagen durchgelesen. Es handelt von der Entdeckung von LSD 1943 und dessen psychologischer Erforschung durch Timothy Leary und Kollegen in Harvard ab 1961. Letzterer baute schnell eine Art Sekte um sich auf, die regelmäßig „das Sakrament“ (LSD) einnahmen und abgeschottet vom Rest der Welt auf einem Anwesen in Upstate NY lebten. Die ganze Zeit fragte ich mich, wie viel Wahres an dieser Geschichte war und nach ein bisschen Wikipedialeserei stellt sich heraus: sehr viel. Timothy Leary gab es wirklich und sein ganzes Leben war noch viel spektakulärer als es die paar Jahre im Buch schon erahnen ließen. Sehr lustig fand ich auch diesen Spiegel-Artikel von 1974, der den echten Namen seiner Gruppierung, „Brotherhood of Love“, aufgreift.

Im Anschluss daran bin ich wieder bei Non-Fiction, genauer gesagt beim Schreiben über Essen, gelandet und lese jetzt Ruth Reichls Save me the Plums.

Arezu

Den donnerstäglichen Restaurantbesuch habe ich erstmals durch Lieferservice ersetzt, denn mein Budget dafür gibts glücklicherweise noch (und auch die coolsten Restaurants der Stadt dürfen jetzt nicht pleitegehen!). Das Arezu in der Lange Gasse steht schon länger auf meiner Ausprobieren-Liste, weil ich über persische Küche kaum was weiß. Das sollte mir und meiner üblichen Begleitung (die glücklicherweise im selben Haushalt wohnt) dann auch zum Verhängnis werden, denn woher sollte ich wissen, wie die vielen Komponenten in kleinen Plastikbehältern zusammengehören?

Als Vorspeise gab es einerseits Kuku Sabzi aka persisches Kräuteromlett mit Joghurt und getrockneten Ribisel (glaube ich – vielleicht auch Berberitzen?) und Fladenbrot. Das Ganze ähnelte eher kleinen Puffern als Omlett und die Kräuter waren Hauptbestandteil und nicht nur Würzmittel – ich könnte sie mir auch gut als vegetarische Burgerpatties vorstellen. Andererseits haben wir Kashke Bademdjan also gebratene Melanzani mit Knoblauch, Minze und iranischem Trockenjoghurt bestellt. Versehentlich aßen wir Reis statt Fladenbrot dazu, aber das war auch nicht schlecht. Die gebratenen kleinen, fleischigen Melanzani waren durchzogen von geschmorten Zwiebeln und könnten ein super Dip sein. Der Trockenjoghurt erinnerte mich ein bisschen an bröseligen Ziegenkäse, ich mochte ihn nicht besonders.

Als Hauptgang hatten wir zweierlei Eintöpfe: Yatimcheh und Fesendjan. Ersterer bestand aus festen Kartoffeln, fleischiger kleiner Melanzani, Zucchini und Zwiebeln in großen Stücken in säuerlicher Tomatensauce. Ziemlich gut, aber auch nicht besonders überraschend. Ganz im Gegenteil zu Fesendjan, einer dicken Sauce aus geriebenen Walnüssen, saurer Granatapfelmelasse, großzügig Öl und frischer Petersilie und Minze obenauf. Die Konsistenz hat mich sehr überrascht und der Geschmack, irgendwo zwischen Trockenpflaumen und sauren Früchten, noch viel mehr. In der Speisekarte gab es optional Hühnchen oder Rindshackfleischbällchen dazu, ich glaube, als Sauce zu Fleisch wäre Fesendjan noch viel beeindruckender.

Safraneis
Natürlich schmolz das Eis, bevor ich ein Foto schießen konnte…

Als Nachspeise gab es dann noch Safran-Eis, das zwar sehr gelb war, aber kaum nach Safran schmeckte. Stattdessen war es ziemlich süß, hatte es ein intensives Rosenwasseraroma und ein paar versteckter Pistaziensplitter. Ich mochte es sehr, wenn ich mal Rosenwasser zur Hand habe, bastle ich es nach!

Dieser Abend mit persischem Essen war eine tolle Abwechslung zum täglichen Selberkochen, aber leider trotzdem kein Vergleich zu einem echten Restaurantbesuch. Mir bleibt also nix anderes übrig, als in ein paar Wochen dann IRL ins Arezu zu gehen!

Lohnarbeit! Außer Haus!

Und dann war ich tatsächlich das erste mal seit mehr als zwei Wochen in den Öffis unterwegs zur Arbeit und interviewte unter erschwerten Bedingungen (Mikrofonangel in kleinem Feinkostladen und ein Gespräch im Resselpark statt im Studio) zwei Feinkostladenbesitzer zum Thema Delikatessen in Dosen. Mal sehen, wie daraus eine Radiosendung wird.

Der kurze Weg durch die Innenstadt war jedenfalls sehr befremdlich – kaum wer auf der Straße, alles sehr leise und tatsächlich Grablichter und Heiligenbilder an der Pestsäule?!?!

Hier folgen jetzt mal meine liebsten Links der letzten paar Tage:

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Zuckersüß 358

Die Zeit vergeht momentan gefühlt superschnell – obwohl ich gar nicht so viel Nennenswertes tue. Ein bisschen etwas in der Heimisolation war aber doch interessant:

Ich habe z. B. mein erstes Online-Uni-Seminar überhaupt „besucht“, das hauptsächlich aus Powerpoint-Präsentationen mit Ton und einigen Memes bestand. Danach folgte noch eine Audio-Call mit etwa der Hälfte der Seminarteilnehmer_innen (wo die andere Hälfte blieb, weiß keine_r), der als Test für die erste „richtige“ Seminareinheit dienen sollte. Übrigens gehts um Öffentlichkeit und Demokratie – wozu sich vor lauter Panik und Fake News zur Zeit ganz schön viele Beispiele finden lassen.

Zum Geburtstag meines Mitbewohners habe ich smitten kitchen’s layered mocha cheesecake in leicht abgewandelter Form gebacken und außerdem Germknödel gemacht. Einige davon habe ich mit übrigen Weichseln gefüllt, musste aber feststellen, dass die Powidl-Version weitaus besser war. Weil ein bisschen Luxus in der Heimisolation nicht schaden kann, gabs dazu Vanillesauce mit *echter* Vanille.

Zwischen Uni und Home-Office habe ich dann auch endlich mal wieder „Spaß“-Lektüre zur Hand genommen (Edward Snowdens Permanent Record) und beschlossen, so bald wie möglich wieder mit dem Buchbloggen anzufangen.

Im Heimkino (wie snobbig klingt das eigentlich?) habe ich zum ersten Mal Batman und The Dark Knight angeschaut – und damit endlich mal die Szene gesehen, die meinem liebsten Film-Podcast Flip the Truck ihren Namen verlieh. In der Mittagspause schauten wir hin und wieder F is For Family, eine Netflix-Zeichentrick-Serie, die ein nicht besonders gutes Bild auf amerikanische Mittelschichtsväter der 1970er wirft.

Online gelesen habe ich auch, hier folgen also meine liebsten Links der letzten Tage:

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Zuckersüß 357

Ein Sonntagslieblingslinkpost mitten unter der Woche. Aber wieso auch nicht, es ist gefühlt ja Sonntag (in Jogginghosen am Schreibtisch sitzen, zwischendurch was Kochen oder Backen, die ganze WG daheim). Innerhalb der letzten paar Tage habe ich erstaunlicherweise trotzdem nur zwei süße Rezepte umgesetzt: Erdnussbuttercookies aus Tina Casaceli’s Milk&Cookies (zu fad, um gebloggt zu werden, zu Zimteis aber ganz ok) und Schoko-Kirsch-Muffins (aus meinem wohl ersten Backbuch, bald hier im Blog).

Bei Parémi in der Wiener Innenstadt habe ich noch ein letztes IRL-Interview für meine kommende Moment-Kulinarium-Sendung über Croissants aufgenommen (ein paar OTs fehlen mir noch – zwangsläufig werde ich sie remote einholen) und, worüber ich mich sehr freue, meine letzte Seminararbeit aus dem Wintersemester abgegeben. Die handelte von (devianten) Familienbildern in den Medien und wie sie politisch instrumentalisiert werden. Sara Farris „In the Name of Women’s Rights. The Rise of Femonationalism“ war dafür sehr hilfreich – lest es wenn ihr euch für die Schnittmenge zwischen Rechtspopulismus, Neoliberalismus und Frauenrechten interessiert!

Hier folgt noch mehr Lesenswertes, mit möglichst wenig Corona-Bezug (ok, sorry, das ist so hilfreich zur Ablenkung wie „denk nicht an einen rosa Elefanten):

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Zuckersüß 356

Kein Feminismus ohne Intersektionalität! (Foto von meiner Parisreise vor ein paar Wochen). Aus Zeitmangel hier nicht mehr zum Weltfrauentag (Frauenkampftag!), drüben im Sketchnotes-Blog habe ich aber über business-bla-lean-in-Pseudo-Feminismus gerantet.

Seit meinem letzten Sonntagspost vor einem Monat habe ich viel zu viel gemacht, um alles genau aufzuschreiben, aber merken (und durchsuchbar machen!) will ichs mir trotzdem:

Ich habe nochmal Zitronenschalen kandiert, Mohnmuffins damit gebacken, Herzen aus dem Lieblingsquarkteig gemacht, Schoko-Tahini-Muffins gebacken (und die Fotos dazu verschustert??), später bemerkt, dass sie mit Schokokaramellguss noch viel besser schmecken (Rezept folgt!) und aus Bakkalaureatsarbeitsprokrastination Mini-Eclairs mit Zitronen-Mascarpone-Füllung gemacht. In meinem Vorhaben, den Kübel Äpfel in der WG weiterzubringen sind außerdem Apfel-Rosmarin-Muffins und Apfelradl mit Zimteis entstanden. Und dann waren da noch zwei Rezepte, die mehr Testerei brauchen, nämlich Tahini-Rugelach und ein Quarkgugelhupf mit allen möglichen Trockenfrüchten.

Ausstellungen: Maximilianmuseum und AZ

Ich war in Augsburg im Maximilianmuseum, in dem ich zwar ein paar interessante Exponate sah (z. B. silbernes Tafelgeschirr, eine über und über mit bunten Kristallen besetzte Standuhr oder ein mechanischer Schrittzähler), insgesamt aber viel zu wenig Kontext bekam, um wirklich etwas davon mitzunehmen. Auch schade: das Fotografierverbot im ganzen Haus!

Ein paar Tage drauf fand die letzte Führung durch „Kalter Krieg und Architektur. Beiträge zur Demokratisierung Österreichs nach 1945“ im Wiener Museumsquartier statt. Nachdem diese Ausstellung schon wochenlang auf meiner To-Do-Liste gestanden hatte, ging ich hin, obwohl letzte Austellungsführungen meistens schrecklich überfüllt sind (s. „Das Rote Wien“ im Januar) – und genauso war es auch hier. Erstaunlicherweise war der Eintritt für Studierende kostenlos, solange eins die 2,40 € für die Führung bezahlte.

Die Kuratorin führte die Teilnehmer_innen, eine Mischung zwischen „snobbiger mittelalter Architekt“ und „superalternativer Studi“, in etwas mehr als einer Stunde durch den Raum, doch irgendwie sagte sie nie recht viel mehr als eh schon auf den Tafeln stand. Dass eine Führung der reinen Ausstellung gegenüber so wenig Mehrwert hat, ist mir noch nie vorher begegnet und ziemlich schade. Ein paar (fun) facts, die ich mir gemerkt habe:

  • Der Wiener Hersteller Lobmeyer lieferte Luster für Ost (Kreml) und West (Kennedy-Center)
  • Die großzügige Verwendung von Aluminium für Fassaden, Dächer usw. war nicht allein seiner Ästhetik geschuldet, sondern vor allem der Alu-Überproduktion nach Ende des zweiten Weltkriegs (weniger Kampfflugzeuge nötig!).
  • Das Hotel Panam bzw. Intercontinental wurde weltweit strategisch nah an historischen Stadtzentren positioniert und sollte mit seiner modernen, überall ähnlichen Architektur herausstechen. Das Innere wurde i. d. R. aber von lokalen Architekt_innen gestaltet.
  • Das Design des Wiener Donauturms von Hannes Lintl wurde nach Baghdad und Jakarta exportiert, wobei der eine laut Wikipedia im Krieg zerstört und der andere niemals gebaut wurde.

Kino: Brot

Im Votivkino habe ich „Brot“ angeschaut und bin zufällig in gerade die Vorstellung geraten, an deren Anschluss Regisseur Harald Friedl spontan aus dem Entstehungsprozess erzählte und Fragen beantwortete. Die Doku zeigt viele Perspektiven zum Thema: es kommt die Biobäckerei Öfferl vor (deren Inhaber ich letzten Sommer für meine Baguette-Sendung im Ö1 Moment Kulinarium interviewt habe, btw), außerdem der Gründer der Großbäckerei Harry, zwei franzöische Artisans Boulangers, der PR-Typ des Backzusatzmittelherstellers Puratos, ein Biobauer und EU-Parlamentarier und eine Pestizidforscherin. Der Regisseur erzählte, dass er eigentlich auch die Saatgutbranche zu Wort kommen lassen wollte, die daran aber wenig Interesse hatte. Alle anderen seien dem Projekt sehr aufgeschlossen gegenüber gestanden, was, wie er sagte, seiner neutralen Herangehensweise geschuldet war.

Auch aus Zuseherinnenperspektive fand ich den Film sehr ausgeglichen: die Brot-Industrie wird nicht dämonisiert, die Vorteile von Handwerksbetrieben und vor allem biologischen Zutaten aber klar gezeigt. Nur: der (vor allem in Österreich!) immense Preisunterschied zwischen einem Biobrot vom (meist noblen) Handwerksbäcker und dem beim „Aufbackbäcker“ (aka irgendeiner Bäckereikette) wird nicht thematisiert. Bei ersteren kostet ein kleiner Laib (600g?) schnell mal an die acht Euro, was mein Studi-Budget wirklich nicht alltäglich hergibt. Außerdem muss eins in Wien gefühlt eine Weltreise (meistens in die Innenstadt) zurücklegen, um überhaupt einen „echten“ Handwerksbäcker zu finden – ganz anders als z. B. in Paris wo es spätestens alle paar Blocks einen Artisan Boulanger gibt, der vor Ort (und günstig!) produziert.

Sonst so

Dieser Blogpost zieht sich langsam wieder ins unendliche, aber ich habe noch so viel mehr gemacht, über das ich erzählen könnte… Ich habe das Podcasting-Meetup 17 mitgehostet, meine letzte Bakk-Arbeit (#girlboss – Das Selfbranding von Unternehmerinnen auf Instagram) abgegeben, einen Sketchnote-Workshop für Jugendliche im Freiwilligen Sozialen Jahr gehalten, im Café Ansari gegessen (ich schreibe hoffentlich noch drüber), in der Tür 7 einen Mezcal-Cocktail und im Café Trabant Porto Tonic (eine erstaunlich gute Kombi!) getrunken und weiter an meiner Cardigan gestrickt.

Gelesen habe ich auch sehr viel, alles was davon online und teilenswert war, folgt hier:

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Zuckersüß 355

Weil mein letzter Sonntagspost schon einige Wochen her ist, folgt hier ein langer Blogpost voller shameless selfplugs und crossposting zu meinen anderen Blogs. Springt einfach direkt zu den Links, wenn ihr mein Tagebuchblogging fad findet ;)

Ich war im Wetter, im Oreno Ramen und im Mochi Ramen (Lokal-Blogposts folgen!) essen und habe sehr viele Kekse im Mini-Format gebacken: Bravetart’s Chocolate Chip Cookies, Lakritzkekse (bald im Blog!), Erdbeerkekse, Ingwershortbread und Marzipanhörnchen mit Orangenblütenwasser.

Eine Reise nach Frankreich

In Paris habe ich die meiste Zeit tee- und weintrinkend mit Freund_innen verbracht und deshalb kaum etwas besichtigt – nicht mal eine Ausstellung habe ich mir angesehen. Für aktivistische Kunst im öffentlichen Raum braucht es das glücklicherweise auch nicht. An allen möglichen Orten der Stadt sind mir an Wände gekleisterte, schwarz beschriebene A4-Zettel mit feministischen Botschaften aufgefallen:

Im Park Buttes-Chaumont bin ich bei erstaunlich frühlingshaftem Wetter spazierengegangen. Von der dortigen Aussichtsplattform sieht eins wirklich sehr schön über die Stadt. Und abgesehen von ein paar posenden Instagrammer_innen, Jogger_innen und Eltern mit Kinderwägen ist vormittags kaum wer dort unterwegs, sodass sich eins gut ausruhen kann. Oder Zeitunglesen: Ich bin endlich dazugekommen, mir die Malmoe #90 vom letzten Jahr eingehend anzuschauen. Ohne diese linke Gazette (wie sie sich selbst bezeichnet) zu kennen, hatte ich sie vor Weihnachten im Soziologieinstitut mitgenommen und nur oberflächlich durchgeblättert. Am Ende hätte ich hier im Zuckersüß am liebsten auf die Hälfte der Texte (insbesondere das Dossier zum AMS-System und „Blinken in beige.“ von Katherina Braschel) verlinkt, leider sind sie nicht online.

Und dann habe ich auch noch mein erstes Interview auf Französisch geführt: Lionel Bonnamy von der Fabrique aux Gourmandises, der den Concours du Meilleur Croissant au Beurre 2019 in der Region Paris gewonnen hat, hat mir ein paar Fragen zu – wer hätte das gedacht – Croissants beantwortet (zu hören dann Ende März im Ö1 Moment Kulinarium!).

Anschließend war ich noch für ein paar Tage in Nancy. Der Campus Lettres et Sciences Humaines sah genauso grau und trostlos aus wie ich ihn kennengelernt habe und dann wurde auch noch, genau wie vor zwei Jahren, ein eintägiger Streik ausgerufen!

Ich holte mir zwar ein Flugblatt mit den Forderungen, entschied mich aber lieber für einen Stadtspaziergang, anstatt mich mit dem Blocus zu beschäftigen (2018 habe ich eine Reportage fürs Uniradio darüber gemacht!). Ich habe ein Kaffee-Merveilleux (Meringue gefüllt mit Kaffee-Sahne), mehrere Croissants, Beignets (viel schlechter als Krapfen!) und Baguette gegessen und war in der Plantation (sehr sympathische Bar gleich beim Bahnhof!) einen Punch Coco trinken.

Zurück nach Wien bin ich mit dem Zug via Strasbourg und Frankfurt. Die Reise hat ein bisschen länger als zwölf Stunden gedauert und war mir trotzdem tausendmal lieber als der Hinflug mit dem schrecklichen Sicherheitstheater (Stricknadeln verboten??). Ich habe mir ein Abendessen im Bordrestaurant (Gemüsecurry mit Kokosreis) gegönnt und mich ein bisschen wie in einer anderen Zeit gefühlt.

Kino

In Wien habe ich Lindenberg! Mach dein Ding angeschaut. Vor diesem Film kannte ich Udo Lindenberg nur als eher gruselig aussehenden alten Mann, der nie ohne Sonnenbrille unterwegs ist, aber scheinbar hat er in der BRD-Popkultur echt was verändert. Wie nah die Darstellung seiner Nachkriegskindheit, der Reeperbahn und der „linken“ Szene in den 1970ern an der Realität ist, weiß ich nicht, aber mir kommt es vor, als hätte ich dennoch eine neue zeitgeschichtliche Perspektive gewonnen (z.B. wäre mir nie eingefallen, dass deutschsprachige Popmusik so kurz nach den 68er-Revolten als Singen in der Tätersprache verpönt war).

Wegen Regenwetter habe ich mir in Nancy spontan La Llorona angeschaut (und mich wieder einmal über die freie Platzwahl in französischen Kinos gewundert). La Llorona („die Weinende“) ist eine Figur aus der lateinamerikanischen Mythologie, die in diesem Film einen ehemaligen General und seine Familie heimsucht. Das Ganze ist angelehnt an das guatemaltekische Militärregime der 1980er Jahre, das die indigene Bevölkerung massakrierte. The Verge fasst es gut zusammen:

La Llorona is a supernatural revenge story about a real atrocity — while Enrique is fictional, the horrific Guatemalan genocide and resulting war crimes trials are very much not. It’s a film about a cursed man, but more about a man who is a curse, poisoning the soul of everyone around him.“

Stellenweise habe ich mich ziemlich gegruselt (wenn ich gewusst hätte, dass La Llorona ein Horrorfilm ist, hätte ich ihn sicher nicht angeschaut!), aber gleichzeitig wieder einiges über ein Land gelernt, mit dem ich mich bisher gar nicht beschäftigt habe.

Im Heimkino (was für ein schreckliches Wort) habe ich endlich die zweite Staffel Sex Education auf Netflix fertiggebinged. Ich mag die Serie furchtbar gern, die Charaktere sind alle zum Liebhaben und die Probleme/Dialoge gleichzeitig teenagerpeinlich und supersüß. Dieser riesige Cliffhänger am Ende nervt mich aber ein bisschen – es dauert doch bestimmt eineinhalb Jahre, bis es weitergeht?

Bücher

Ich habe Christina Tosi’s Milk geschenkt bekommen und freue mich schon darauf, die Rezepte daraus auszuprobieren (glücklicherweise mit Cup- und Grammangaben). Außerdem ist Sara R. Farris‘ In the Name of Women’s Rights: The Rise of Femonationalism (s. a. der zugehörige Vortrag) bei mir angekommen. Und ich war bei der Präsentation der ersten zwei Bände von „Reihenweise kluge Frauen“, wo die Biografien von Margarete Schütte-Lihotzky und Hedy Lamarr vorgestellt wurden (drüben im Sketchnote-Blog steht mehr dazu).

Jetzt zu meinen liebsten Links der letzten Wochen:

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Zuckersüß 354

In den letzten Tagen habe ich hawaiianisches Buttermochi, Scones, 3fach-Kokos-Muffins und Mochi-Kuchen mit schwarzem Sesam (bald im Blog!) gebacken.

Auf der Suche nach einem *guten* Krapfen in Wien (ein Vorhaben, das letztes Jahr gescheitert ist!) habe ich vier verschiedene probiert: von Oberlaa, Aida, Linsbichler und Waldherr – letzterer ist aktueller Favorit. Solange noch Fasching ist, werde ich aber in jeder Bäckerei, an der ich zufällig vorbeikomme, Krapfentesten. Katha Seiser hat das übrigens 2011 bei ihrem 3. jour doux mal supersystematisch getan – die Kriterien dort werde ich in Zukunft auch beherzigen.

Das rote Wien (Wien Museum MUSA)

„Das rote Wien“, die ausgelagerte Ausstellung des Wien Museums, lief jetzt schon ein paar Monate und ich hätte es beinahe nicht mehr hin geschafft. Beinahe – denn am vorletzten Ausstellungssonntag beschloss ich mit ca. 200 anderen Leuten hinzugehen und einer der letzten Führungen zu folgen.

Das klappte leider nicht so gut, weil man sich im Ausstellungsraum kaum umdrehen konnte, geschweige denn hören, was der Vermittler alles zu sagen hatte. Den ersten Teil schaute ich mir also „alleine“ an. Besonders in Erinnerung blieben mir dabei die Arbeiten von Margarete (Schütte-)Lihotzky, die nicht nur die Frankfurter Küche (s.a. Anke Gröners sehr informatives Referat oder Zeitsprung Folge 21 dazu) auf entwickelt hat, sondern z.B. auch eine funktionale, billig herzustellende Abwasch-/Badekombi für die Häuser der Siedlerbewegung. Sehr spannend fand ich auch das „Wiener Kinder 1. Buch“, eine Leselernfibel von 1927, die in sechs verschiedenen Schriften (Steinschrift, Akzidenz-Grotesk, Behrens-Fraktur, Augsburger-Fraktur, König-Schwabacher und Original-Schwabacher) gesetzt ist. Vor allem die letzten in der Liste sind mir sehr fremd, ich habe in der Grundschule Anfang der 2000er Jahre nämlich nur zweierlei Schriften gelernt…

Ab dem Bereich zur Frauenpolitik stieg ich dann in die Führung ein. Im roten Wien zwischen den Kriegen wurden ziemlich progressive Positionen, z.B. die Abschaffung des Abtreibungsverbots und Care-Arbeit diskutiert (s.a. „Es lebe drum: die Frau von heut! Frauenpolitik im Roten Wien“ von Marie-Noelle Yazdanpanah im Ausstellungskatalog, S.52). Was mir völlig neu war: die Rivalität zwischen Moskau als ideale kommunistische Stadt und Wien, als ideale sozialistische Stadt – „die rote Millionenstadt ist Hoffnung und Erhebung der arbeitenden Völker aller kapitalistischen Länder der Welt darum bleibe Wien rot immerdar“ (Cover des „Kuckuck“, April 1932). Insgesamt habe ich mir „Das Rote Wien“ aber umfangreicher vorgestellt, ohne ausführliches Hintergrundwissen oder eine Führung wär es wohl ein bisschen fad.

Ein paar Tage später war ich noch auf dem ersten Visualisierungsbarcamp, über das ich noch gesondert drüben im Sketchnote-Blog jasowieso.com bloggen werde. Und vergangenen Freitag lief dann auch noch meine Moment-Kulinarium-Sendung „Die Rennaissance des Rums“ auf Ö1, hier noch nachzuhören. Am Abend vor der Ausstrahlung gönnte ich mir einen Cocktail in der Halbestadt-Bar von Erich Wassicek, den ich tags zuvor interviewt habe. Er empfahl mir den „Pusser’s Painkiller“ aka, die „Piña Colada für Erwachsene“, mit kräftigem Rum, Kokoscreme, Orangensaft und Muskatnuss. Ich hatte völlig vergessen, wie gern ich die Kombi Kokos-Muskat habe (s.a.: Coconut Cupcakes von 2011).

Bücher

Mit Büchern abseits meiner Bachelorarbeit hatte ich auch endlich mal wieder zu tun: ich las das von Astrid Henn wunderschön illustrierte Kinderbuch Das Neinhorn von Mark-Uwe Kling durch (nicht besonders lang, ich gebs zu), diskutierte mit meinem Buchclub Saša Stanišićs Herkunft und blätterte Switched on Pop von Nate Sloan und Charlie Harding, das Buch zu einem meiner liebsten Podcasts, durch. Und ich habe mir Sara Farris In the Name of Women’s Rights: The Rise of Femonationalism bestellt, nachdem ich seit ihrem Vortrag im Dezember darüber nachdenke, ob ich wirklich *noch* ein Buch auf meinem ungelesenen Stapel brauchen kann (-> ja, weil ichs für eine Seminararbeit verwenden werde).

Hier folgen meine liebsten Links der letzten beiden Wochen:

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Zuckersüß 353

Das letzte Zuckersüß ist jetzt schon wieder ein paar Wochen her. „Damals“ war noch nicht einmal Weihnachten, weshalb ich noch voll in der Plätzerlproduktion war – Kastanien-Biscotti mit Walnüssen, Ingwer-Shortbread, Hirschknöpf und Florentiner. Außerdem habe ich Zimtmarshmallows (wie die Vanillemarshmallows nur ohne Zuckerstreusel und mit Zimt in der Puderzucker-Wälzmischung), Kardamomeis mit Tahini-Karamell, Lemon Curd, Quark-Glückskekse und Olivenöl-Brownies gemacht. Sehr küchen-produktive Winterferien!

Über Silvester habe ich mit ein paar Freund_innen eine Schneeschuhwanderung abseits der Zivilisation (aka eine Berghütte die nur zu Fuß über verschneite Berge erreichbar ist) gemacht, wobei auch das Titelbild entstand. Auch unter erschwerten Bedingungen (Holzofen, keine Waage, kein Wasser im Haus sondern nur geschmolzener Schnee) habe ich gebacken: Bananen-Schokokuchen (ein kleines bisschen an diesen hier angelehnt), Zimtschnecken und Apfelstreuselkuchen (in etwa wie dieser Mispelstreuselkuchen).

Cocktails

Kurz vor Weihnachten war ich zum ersten Mal in der Matikibar und entschied mich für einen Klassiker: Mai Tai. Ich wusste, dass dieser Cocktail aus mehreren Rumsorten besteht (laut Karte: Rhum Agricole, Goslings Rum, Overproof Rum, Dry Curacao, Lime Juice, Orgeat Syrup, Demerara Syrup) und damit ziemlich stark ist. Aber dass er so stark ist, dass ich nach einem Drittel nicht mehr geradeaus schaue, hätte ich nicht gedacht. Das nächste Mal lass ich besser die Finger davon… Meine Begleitung hatte einen Dead Reckoning (laut Karte: Havana 7 Rum, Ruby Port Wine, Licor 43, Pinepple Juice, Lemon Juice, Maple Syrup, Angostura Bitters), der mir auch sehr gut geschmeckt hat. Besonders interessant: Die mit Vegeta gewürzten Popcorn!

Im Anschluss war ich noch im Puerta del Sol Tapas essen. Seit meinem ersten Besuch im Sommer 2016 (!) sind mir aber nicht die (sehr guten) Tapas besonders in Erinnerung geblieben, sondern der meiner Meinung nach beste Käsekuchen der Stadt. Ein Bröselboden aus dunklen Keksen, darauf eine (ungebackene) Frischkäseschicht und ganz oben ein Spiegel mit Kardamom, Chili und Limettensaft. So gut! Und noch immer nicht für die Zuckerbäckerei nachgebastelt…

Tags darauf war ich gleich nochmal Cocktails trinken und zwar in meinem allerliebsten Botanical Garden. Der hat leider zum Jahresende 2019 für immer zugesperrt, weshalb ich unbedingt nochmal meine Lieblingsdrinks dort trinken musste: Opium Espresso und Rioja Mule. Zwei „neue“ Getränke folgten noch für mich und meine Begleitung, nämlich der Beat Root und ein Corn & Oil.

Meinen Riesen-Bücherstapel habe ich leider nicht so weit bezwungen, wie ich vorhatte, aber dann muss ich mich jetzt im Januar halt mehr auf Postfeminismus, Personal Branding und Instagram (wissenschaftlich, nicht prokrastinierend) konzentrieren.

Hier folgen erstmal meine spärlichen Links der letzten Wochen:

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Zuckersüß 352

In dieser Woche habe ich endlich meinen 35c3-Rückblickspost fertiggetippt und den Glühwein-Käsekuchen, den ich seit 8 Jahren mal wieder backen wollte, verbloggt. Ich habe Tajine gemacht und dabei über die mangelnde Meinungsfreiheit in Marokko nachgedacht (s. z.B. Guardian, NYTimes) und danach Cards Against Humanity gespielt.

Und ich war auf einer Weihnachtsparty eingeladen, als Mitbringsel habe ich Bravetart’s Zimtschnecken mit einer extra-weihnachtlichen Gewürzmischung (Zimt, Kardamom, Nelken, Ingwer, Cayennepfeffer) gebacken – auch sehr empfehlenswert fürs Katerfrühstück!

Podcasting-Meetup

Gemeinsam mit Maria Wegenschimmel vom SozialPod und Lisa Krammer vom Mundart Podcast werde ich zukünftig das Podcasting Meetup Österreich organisieren. Am Dienstag fand sozusagen das „Übergabe“-Meetup mit dem bisherigen Organisator Stefan Haslinger (meinem ersten Podcastgast!) statt, auf Twitter gibts einen Mini-Rückblick:

https://twitter.com/podcasterei/status/1204539298206437376

In meinem Podcast ist übrigens Folge 17 mit Anna Wielander am Nestroyplatz erschienen, es geht um ihren Podcast Jugendstil, Journalismus und Studieren in Prag.

ON

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, diese Woche ins Ansari zu gehen, um georgisches Essen zu probieren. Leider war dort kein Tisch zu haben und und ich schwenkte um auf chinesisch. Wien, wie es isst lobt das ON und seine Ableger ziemlich stark, die Entscheidung für ein Lokal fiel also nicht schwer.

In meiner Instastory habe ich schon „eine kleine Gastrokritik“ dazu geschrieben, ich übernehme sie jetzt aber auch noch ins Blog, sonst ist sie ja quasi verloren.

Zum Gedeck gabs eine etwas wirre Zusammenstellung von Mischbrot mit Olivenöl, gerösteten Erdnüssen, Krabbenchips und kalten Edamamebohnen, die mir mit ihrem leichten Sternanis-Aroma super geschmeckt haben. Als Vorspeise bestellten ich und meine Begleitung Pak Choi mit Shiitakepilzen und Knoblauchsauce, sowie Frühkraut mit Grammeln. Ersteres war mein liebstes Gericht des Abends: Der Pak Choi ist offensichtlich sehr scharf angebraten worden, sodass er sehr rauchig und alles andere als fad schmeckte. Die Pilze hatten eine fast fleischige Konsistenz, und die Sauce war karamellig-salzig. Das leicht sautierte Frühkraut war eigentlich als scharf angekündigt, erfüllte dieses Versprechen aber überhaupt nicht. Die Sauce dazu – dickflüssig-süß, vermutlich irgendetwas fermentiertes – schmeckte mir auch gut.

Als Hauptgang hatte ich eine Auswahl an gebratenen Teigtaschen, gefüllt mit Räuchertofu/chinesischem Bärlauch, Gemüse/Erdnüsse, Lammhack/Kümmel, Maishähnchen/Shiitake und Schwein/Sellerie. Am besten geschmeckt hat mir die Version mit Gemüse und Erdnüssen, die Schwein/Sellerie-Teigtasche war mir viel zu fettig und die mit Lammhack/Kümmel zu trocken. Aber mit der Sojasauce im Schälchen daneben ließ sich das einigermaßen ausgleichen. Wirklich beeindruckt hat mich der Mini-„Salat“ aus eingelegtem Rettich und Karotten, den es dazu gab. Das Gemüse war ziemlich scharf, aber durch Weinessig auch super frisch und immer noch knackig. Meine Begleitung hatte eine Schüssel scharfes Kimchi-Tofu-Ramen, das so scharf war, das ich nichts dazu sagen kann.

Beim Dessert wollte ich unbedingt etwas probieren, das ich nicht kenne. Die Wahl fiel deshalb einerseits auf Age Tofu in Sesam/Kokos-Mantel mit süßer Bohnensauce und Klebreisbällchen mit Sesamfüllung. Ersteres stellte sich als wirklich seltsam heraus: Der Tofu fühlte schien frittiert zu sein, war aber gleichzeitig recht wässrig und in der Konsistenz sehr quietschig. Der Geschmack kam hauptsächlich von Kokos, Sesam und der süß-salzigen Bohnensauce. Nicht unbedingt mein Fall. Die Reisbällchen sahen aus wie sehr weiße Mini-Germknödel, die schwarze Sesamfüllung erinnerte mich an Powidl. Leider schmeckte das Ganze ebenfalls relativ wässrig.

Für alles miteinander (inkl. Wein und Wasser) zahlten wir 55€, was ich für einen fairen Preis halte. Der Abend war interessant, aber nicht genug, als dass ich in naher Zukunft wieder ins ON gehen würde. Grund dafür war auch die Atmosphäre – sehr kühl und mit irgendwie reserviertem Service.

Gin

Zum Geburtstag habe ich jeweils eine Flasche Wien Gin, Wien Klimt Gin und Rauhbühl Gin geschenkt bekommen. Gemeinsam mit meiner WG habe ich diese drei Gins und irgendeinen, der von der letzten Party übrig geblieben ist, versucht, zu vergleichen. Es stellt sich heraus: es ist wirklich sehr schwierig, zu beschreiben, was sie unterscheidet. Beim klassischen Wien Gin glaubte ich, Zitrus herauszuriechen/schmecken, der Klimt kam mir im Vergleich viel sanfter vor (aber geschmacklich vermag ich ihn nicht zu beschreiben). Der Rauhbühl Gin riecht ziemlich nach Früchten, am ehesten nach Birne, der übrige Party-Gin war direkt nach dem Einschenken vor allem stechend in der Nase. Gemixt zum Gin Fizz taugte mir der Wien Gin am meisten, meine Mitbewohner fanden aber die anderen auch sehr gut. Ich glaub, ich muss mir noch einen Geruch- und Geschmacksüberblick antrinken…

Ich habe gut die Hälfte von Eure Heimat ist unser Albtraum durchgelesen und sehr viele Stellen eingemerkt. Das Buch besteht aus einzelnen Essays, wodurch es sich für mich ziemlich schnell liest. Am eindrucksvollsten fand ich bisher den Beitrag von Hengameh Yagoobifarah über Blicke und den von Fatma Aydemir zu Arbeit.

Hier folgen meine liebsten Links der Woche (sehr viele, ich hab mich mal wieder stundenlang durch meinen RSS-Reader geklickt):

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Zuckersüß 351

Drei Wochen ohne sonntägliches Zuckersüß! In dieser Zeit kommt viel Gebäck zusammen: Ein zweiter Versuch meiner Schoko-Cookiedough-Cupcakes (leider immer noch nicht gut genug fürs Blog), Snickerdoodles (auch als Mash-Up mit Hirschknöpf und Spitzbuben), Schoko-Cashewcookies mit Banane, Glühwein-Käsekuchen (den ich 2011 zuletzt gemacht und nie hier gepostet habe – bald aber!) und dann noch ein ganzes Plätzerlsortiment für die Vorweihnachtszeit – Hirschknöpf, Zitronenheidesand, Kastanien-Biscotti und Gewürztrüffel (aka Heiße Schokolade am Stiel).

Cocktails im Moby Dick

Ich war im Moby Dick Cocktails trinken und habe endlich was vom Pairing Menu probiert: Zum Crispy Caesar – drei Salatherzen-Hälften mit gerösteten Semmelbröseln, Parmesan und Senf(?)-Dressing – gabs den Holy Stoly (laut Menü: Koriander infused Wodka, Weißer Port, Verjus und Holunderblüte). Der Cocktail war auf eine spannende Art prickelnd (vielleicht wegen des sauren Verjus?) und dennoch in sich rund, sehr gut! Sehr viel überraschender war der nächste Gang, Fried Green Tomatoes (unter die sich jedoch ein paar rote geschmuggelt haben) mit sehr salziger Remoulade (dank Kapern und Sardellen, wenn ich mich recht erinnere) und einem Drink mit Rum, Banane(!), Limette, Ginger Beer und Kardamom: Banana Joe. Ich hätte niemals geglaubt, dass Banane-Tomate eine angenehme Kombination sein könnte, doch sogar die kleine Deko-Casali-Banane (für alle nicht-Österreicher_innen: Wikipedia) passte gut dazu.

Danach probierten ich und meine Begleitung noch den Hattori Hanzo und den Donau Mitzi. Ersterer besteht aus Wodka, Birne, Limette, Kren, Peychaud’s Bitters, Salz und Dill, weshalb ich ihn mir auf mehreren Ebenen scharf vorgestellt habe. Allerdings schmeckte er überaus rund und erinnerte mich ein kleines bisschen an Salat (liegt bestimmt am Dill). Donau Mitzi, laut Karte ein Cocktail aus Marillenbrand, Kakao infused Wodka, Espresso, Amarenakirsche und Verjus dagegen hatte ich mir süß und sanft ausgemalt, aber im direkten Vergleich zum anderen Cocktail war er geradezu agressiv. Vor allem der Kirschgeschmack (der mich stark an die Lutscher, die man nach dem Kinderarztbesuch bekommt, erinnerte) war sehr im Vordergrund und etwas warm geworden schmeckte das Ganze wie ein pappsüßer geschmolzener Eisbecher aus der Vergangenheit. Zum Schluss bekamen wir noch zwei Ananas Gin Tonics aufs Haus. Gedörrte Ananasscheiben sind wirklich cool zum draufrumknabbern, das hausgemachte Tonic war weniger sprudelig als manch gekauftes, was ich sehr gut fand.

Filme

Im Top Kino habe ich spontan L’ora legale gesehen. Die italienische Komödie handelt von einem kleinen sizilianischen Ort, der während der Sommerzeit durch einen „korrekten“ Bürgermeister völlig umgekrempelt wird, doch irgendwann wünschen sich alle die Korruption zurück. Ich fand den Film außerordentlich seicht, zum italienisch-Üben war er aber ganz gut.

Zum This Human World Festival habe ich es leider nicht geschafft, obwohl ich gerne Another Life und Overseas gesehen hätte. Immerhin habe ich einen Love Actually Filmabend veranstaltet, bei dem zwei Drittel der Anwesenden den Film schon fast auswendig kannten und wir einfach alle live kommentierten. Super Vorweihnachtsidee!

Radio & Podcast

Am 26. November (schon zu spät zum Nachhören, leider) lief meine Sendung zum Thema „Wenn Paare zusammenziehen“ auf Ö1. Für das Dienstags-Moment-Format hatte ich vorher noch nicht gearbeitet, erstmals war die ganze Geschichte „nur“ ein Porträt. Und dann gab es auch noch die Möglichkeit, live im Studio anzurufen!

In meinem Podcast ist Folge 16 mit Johanna Steiner online gegangen, sie hat mir im Setagayapark in Döbling vom Radiomachen für Ö1, dem Brotbacken und „Fischeschauen“ erzählt. Außerdem habe ich eine neue Folge aufgezeichnet – LP019 mit Hannah Poppenwimmer vom Social Attitude Magazine wird aber erst im Januar erscheinen.

Hier folgen nun meine liebsten Links der letzten Wochen:

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Zuckersüß 350

In den vergangenen Tagen habe ich viel gearbeitet (das Ergebnis ist in den nächsten Tagen bei Ö1 zu hören), wenig geschlafen und noch weniger Zeit fürs Backen oder Bloggen gehabt. Aber während meiner Lehrveranstaltungen habe ich meine allerersten Fingerlinge fertiggestrickt (yay!). Die Anleitung dafür stammt aus einem Blog, das mittlerweile im Webarchive liegt und war sehr viel DIY. Hände ausmessen, Maschenprobe stricken, Rundenzahlen ausrechnen und so weiter kosteten mich wohl ein Drittel der ganzen Arbeitszeit, aber dafür passen meine Handschuhe jetzt auch ziemlich genau.

Cocktails

Cocktails scheinen der rote Faden meiner Blogposts im Moment. Ich war erstmals in der Sign Lounge, die ich von vielen Seiten empfohlen bekommen hatte. Mit der Getränkekarte war ich erstmal richtig überfordert, denn sie hat gefühlte tausend Illustrationen, Pop-Up-Elemente und verschiedene Fonts. Außerdem gibt es ein paar Seiten „Kooperations“-Cocktails, mit den Logos verschiedener Firmen. Ich entschied mich dann jedenfalls für einen „Thanksgiving Flip“ mit – laut Karte – Bourbon, Birne, Tonkabohne, Vanille, Walnuss, Eier, Schokolade. Die flüssige Schokolade wurde offenbar auf das geeiste Glas aufgesprüht und schmolz mir langsam über die Finger, was ein bisschen unpraktisch war. Geschmacklich fand ich ihn gut, die Komponenten passten gut zusammen, vor allem anfangs als mir der Tonkabohnengeruch in die Nase stieg. Eine neue Lieblingsbar oder gar einen Lieblings-Cocktail (Gin Basil Smash foreverrr) habe ich damit aber nicht gefunden. Für meine WG habe ich auch ein paar einfache Sachen gemixt, nämlich Aperol Sour (mit Mandarinen, weil ja fast schon Weihnachten ist), Rosmarin Gin Fizz, Rhabarbar Vanille Wodka Fizz und Bramble.

Ansonsten war ich noch bei der Buchpräsentation von „Eure Heimat ist unser Albtraum“ mit Herausgeberin Hengameh Yagoobifarah und Autorin Vina Yun, moderiert hat die großartige Naomi Günes-Schneider (die vor einem Jahr bei mir im Podcast zu Gast war). Natürlich kam ich nicht drum rum, mir dabei das Buch zu kaufen (das ich ohnehin schon seit Erscheinen im Auge hatte) und habe jetzt einen noch höheren zu-lesen-Stapel.

Hier folgt erstmal Lesenswertes aus dem Web:

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