Archiv der Kategorie: Marokko

Eine Reise nach Marokko

Dieser Post wurde ewig nicht fertig, aber weil ich bestimmt nicht mehr viel weiterschreiben würde, veröffentliche ihn jetzt mal. Er ist quasi ein fünfter Teil meiner Rundbriefe, die ich während meines Freiwilligenddienstes 2014/15 geschrieben habe und damit im Stil ein bisschen anders als gewöhnliche Blogposts: Wer die vorherigen Rundbriefe gelesen hat, wird sicher ein paar Bezüge darauf entdecken. Dazu passt übrigens auch die zweite Episode meines Podcasts, die ich mit einem Freund aufgezeichnet habe: LP002 In Rabat mit Mahdi El Idrissi und Episode 276 des Biertaucher Podcasts, in dem ich von meinem ersten 3id lkbir erzähle.

Tour Hassan
Eines der Wahrzeichen von Rabat: Der Tour Hassan

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Matcha-Ghriba

Bald ist Ramadan! Und ich glaube, das ist der Hauptgrund, warum mir im Internet gerade so viele marokkanische Kekse begegnen. Am liebsten von den ganzen Leckereien wäre mir eigentlich Sfouf/Sellou, doch dafür fehlt mir die Geduld beim Zubereiten.

Ghriba sind auch ziemlich lecker, aber die habe ich schon einmal gebacken. Da kam mir dieses Rezept von My Moroccan Food, in dem noch japanisches Matcha zum multikulturellen Keks dazukommt, gerade recht. Sicher – für Matcha-Hasser (hi, Mama!) sind diese Ghriba dann nichts. Aber ich finde sie richtig lecker!

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Hier muss ich mich bei meinem neuen Foto-Assistenten, meinem Mitbewohner, bedanken: Sehr professionelles Puderzucker-über-Ghriba-Sieben! 😉

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Und zum Schluss wünsche ich allen Leser_innen, die den islamischen Fastenmonat praktizieren, ramadan mubarak!

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Marokkolieblinge: Essen

Meinen Abschiedskuchen ziert ein Chocolate-Chip-Schriftzug: „Bslama“ (dt. Tschüss). Natürlich ist die Torte mit Minze aromatisiert, denn die darf in Marokko nicht fehlen. Das Rezept, das ich als Inspiration verwendet habe, stammt von my name is yeh! und erstaunte so manchen Gast auf meiner Party, dem/der Minze nur in Tee geläufig war.

Mir dagegen waren viele traditionelle marokkanische Speisen nicht geläufig, weshalb ich recht häufig meine Kamera gezückt habe. Neue Rezepte, Zutaten, andere Zubereitungsmethoden und Essensgewohnheiten finde ich sowieso immer spannend, deshalb will ich euch, meine liebsten Leser_innen, hier noch ein paar vorstellen.

ksksu
Freitagscouscous – gerne auch zungenbrecherisch Ksksu genannt – ist DER Klassiker schlechthin. Der Grieß wird stundenlang gedämpt, durchgeschüttelt und mit Smen, einer Art „ranziger“ Butter aromatisiert. So ist er dann ganz locker und kann rundherum mit gekochten Karotten, Zucchini, Kohl, Rüben und gelegentlich auch Auberginen verziert werden. Unter dem ganzen Gemüse verbirgt sich immer ein Stückchen Huhn oder Fleisch und gelegentlich gibt es noch Tafaya, das sind karamellisierte Zwiebeln mit Rosinen, dazu.

tajinealhambarqoq
Dieses Festessen ist nichts für Vegetarier: Eine Tajine mit butterzart geschmortem Rindfleisch, Zwiebeln, getrockneten Feigen und Sesam.

rfissa
Vegetarier sollten übrigens aufpassen, denn Geflügel gilt in Marokko nicht als Fleisch. Unbedingt also genau erklären, was alles nicht in ein eurer Meinung nach vegetarisches Gericht gehört. Für Rfissa sollte man als Gelegenheitsvegetarier wie ich aber eine Ausnahme machen. Ein ganzes Huhn, das mit Linsen und Zwiebeln gekocht wurde, liegt hier auf einem Bett aus superfluffigen, zerzupften Msimn. Comfort-Food auf marokkanisch, ich sags euch!

grillfisch
Marokko hat Küstenanteil am Atlantik und Mittelmeer, da gibt es natürlich guten Fisch. Der auf dem Foto wurde mir fangfrisch etwas südlich von Essaouira gegrillt und nur mit einer Limette serviert.

batbotDieses pfannengebackene Brot nennt sich je nach Region Batbot oder ganz unaussprechlich Rghaif und wird warm mit Honig und Olivenöl serviert. Unsere Gastgeber hier meinten es ganz gut und gossen sehr großzügig hausgemachtes Öl über das noch dampfend heiße Frühstück.

kichererbsenzeug
Auf der Straße gibts ab dem späten Nachmittag häufig Snacks wie gekochte Kichererbsen oder Bohnen, gegrillte Maiskolben, salziges Popcorn und so weiter. Den Namen der Speise auf dem Foto habe ich leider vergessen. Sie besteht aus Kichererbsen und EI und wird mit Kurkuma in Ein-Dirham-Stückchen nur im Norden des Landes verkauft.

assir
Assir (dt. Saft) gibt es in allen Variationen in sogenannten Laiterien. Meinem Verständnis nach ähneln sie eher Smoothies, denn sie sind immer auf Orangensaft- oder Milchbasis, was der Bezeichnung als Saft entgegensteht. Auf dem Foto seht ihr Pfirsich-Orange und Avocado-Milch, den es auch in einer speziellen Trockenfrüchteversion mit Datteln und Mandeln gibt. Der ist dann so reichhaltig, dass er leicht eine Mahlzeit ersetzt. Assir wird mir in Deutschland wohl am meisten fehlen, denn so viele lokale, frische Früchte für so wenig Geld gibt es hier leider nicht.

frittierte röllchen
Für mein Abschiedsfrühstück in meiner Einsatzstelle brachte jede der Mitarbeiterinnen des Ateliers etwas selbstgemachtes fürs Büffet mit. Diese Röllchen aus offensichtlich recht simplen Teig (Mehl, Zucker, Öl, Wasser) wurden frittiert, in Honig getränkt und mit Sesam bestreut. Außerordentlich lecker!

cremeschnittchenZu festlichen Anlässen wird gerne eine Konditorei bemüht, die dann häufig mit solchen Schnittchen in allen Variationen ankommt. Diese zeichnen sich vor allem durch ihre gelatinebedingte Unverwüstbarkeit und den extrem hohen Zuckeranteil aus. Nicht ganz mein Fall, ehrlich gesagt.

Ich hoffe, meine kleine kulinarische Reise hat euch gefallen. Sollte euch noch etwas in dieser Aufzählung fehlen (bestimmt habe ich ein Gericht vergessen, das in Marokko unumgänglich ist), gerne in die Kommentare damit!

Pfirsich-Pull-Apart-Bread

Für eine der häufigen Einladungen, die ich in meiner letzten Zeit in Marokko so aussprach, brauchte ich mal wieder etwas Süßes. Streuselkuchen war mir zu eintönig geworden, ich wollte aber trotzdem etwas aus Hefeteig machen. Zum Einen weil Hefeteig einfach toll ist und die Küche mit einem so wunderbaren Duft ausstattet. Zum anderen, weil dieser auch mit wenig bis keiner Butter auskommt, die mich bei den vielen Kuchen langsam in den Ruin zu treiben droht.

Dank der Zutaten im Vorrat kam es dann zur Kombination Pfirsich-Limette-brauner Zucker, die für mich Sommer pur bedeutet. Und den musste ich natürlich auch noch genießen, bevor ich mich wieder gen Norden aufmachte. Nächste Woche gibts übrigens wieder ein Rezept aus meiner „alten“ Küche in Deutschland!

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Marokko-Lieblinge: Orte

Meine Reise-Rubrik habe ich in letzter Zeit so vernachlässigt, obwohl ich so oft wie nie vorher unterwegs bin. Schon jetzt fange ich an, zu vergessen, was ich wo gut fand. Deshalb hier eine Zusammenfassung meiner Lieblinge an verschiedenen Orten Marokkos, die ich im Laufe dieses Jahres größtenteils mehrmals besucht habe.

rabatRabat, meine Stadt. Ich kenne keine besser in diesem Land und habe sie recht liebgewonnen. Ihr solltet wenn ihr vorbeikommt, unbedingt zum Hassan-Turm gehen und einen Blick ins Mausoleum des ehemaligen Königs (Foto) werfen, das ist nämlich kostenlos und wunderschön. Darüberhinaus ist die Chellah für wenig Eintritt einen Besuch wert, genauso wie das Musée Mohammed VI für moderne Kunst und die Villa des Arts mit ihrem wunderschönen Garten. In der blau-weißen Oudaya gibt es zwar nur fürchterlich schlechten Kaffee, der Ausblick über Salé und das Meer ist aber wunderschön. Solltet ihr aus irgendwelchen Gründen am südlichen Stadtrand sein, könntet ihr dem Zoo einen Besuch abstatten. Der ist recht neu und ziemlich schön angelegt. Ansonsten noch meine liebsten Cafés/Bars/Restaurants/Straßenküchen:

Café Renaissance
Avenue Mohammed V
Jeden Montagabend gibt es hier eine Jam-Session auf offener Bühne, ansonsten auch recht häufig Konzerte, Poetry-Slams und Theater ohne bestimmtes Terminschema.

Elyzy
am Marché Central, Kreuzung Avenue Mohammed V und Hassan II
Die beste Eisdiele in Rabat! Lasst euch nicht vom Fischmarkt gleich nebenan abschrecken, schnappt euch einfach ein, zwei Kugeln Eis (zum Beispiel Dattel und Mandel) und spaziert ein bisschen durch die Stadt.

Dar Naji
gegenüber Bab lHad
Marokkanische Hausmannskost in ziemlich touristischer, aber trotzdem angenehmer Atmosphäre.

SottoSopra
10, Rue Al Marj – zwischen Nationaltheater und Hotel Le Tour Hassan
Eher mittelmäßiges italienisches Restaurant, aber ganz gute Drinks zu sehr vertretbaren Preisen. Meine Empfehlung, wenn ihr eine angenehme Bar sucht.

Le Dhow
Avenue al Marsa, an der Marina Bouregreg
Das Restaurant-Bar-Lounge-Schiff an der Marina kommt irgendwie (auch preislich) ziemlich elitär daher, aber es ist ganz entspannt, im Sommer abends auf dem Deck zu sitzen.

Riad Senso
Rue Jamaa Tillo
Hier bin ich voreingenommen, denn das Riad Senso ist eine Verkaufsstelle von Migrants du Monde, für die ich arbeite. Die Zimmer sind aber sehr schön eingerichtet und das Essen ebenfalls lecker. Sehr gut gelegen ist es noch dazu!

Sfinch und Fettgebackenes
Rue de Konsul, vom Bab Mellah kommend auf der linken Seite
Zwei kleine, namenlose Läden, die die besten Sfinch und anderes Fettgebackenes verkaufen, finden sich hier gleich nebeneinander.

casa

Casa aka Dar lBaida mag ich als Rabatia traditionsgemäß nicht besonders gern. Zu groß, zu laut, zu dreckig. Wenn ihr dort seit, solltet ihr aber, am besten kurz vor Sonnenuntergang an der großen Moschee Hassan II (Foto) vorbeischauen. Ein Besuch im Quartier Habous ist auch ganz nett. Wenn die entweihte Kathedrale Sacre-Coeur offen ist – z.B. wenn gerade eine Kunstausstellung stattfindet – könnt ihr auf deren Dach klettern und einen tollen Blick über die Stadt werfen. In der Gastro-Szene kenne ich mich leider nicht aus, einen netten Laden kann ich euch trotzdem ans Herz legen:

Bao Club
Boulevard de la Corniche, Ain Diab
„Afrikanischer“ Club, in dem hauptsächlich afrikanische Tanzmusik, Dancehall und HipHop läuft. Anteil der gaffenden Typen am Rande der Tanzfläche (wie in den meisten marokkanischen Clubs) gering, man kann sich auch als Mädchen entspannt amüsieren.

marrakech

Marrakech mag ich noch weniger als Casa, jetzt am Ende habe ich wirklich keine Lust mehr in diese Stadt zu fahren. Hauptsächlich liegt das an den astronomischen Preisen, die wohl den vielen Touristen zu verdanken sind. Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass ihr von jedem Taxifahrer über den Tisch gezogen werdet und Preise für ganz gewöhnliches Essen und Trinken sind in der Medina schnell doppelt so hoch als vertretbar. Es gibt dennoch ein paar schöne Orte, z. B. die Medrsa ben Youssef, eine ehemalige Koranschule, oder den Jardin Majorelle im Gueliz-Viertel. Auch der Jmaa lFna (Foto) hat abends ein ganz besonderes Flair, selbst wenn auch das schnell in anstrengend umschlagen kann. Gastronomisch ist die Stadt aber sehr gut aufgestellt:

Café 16
Place du 16 Novembre, Gueliz
Richtig leckeres Brot, echte heiße Schokolade, super Salate, entspannte Atmosphäre. Super Laden und nicht weit weg vom Bahnhof, guter erster Stopp nach der Reise!

SoftySweet
Rue Ibn Toumerte, nahe dem Marché Central von Gueliz
Sehr süßer kleiner Laden mit superleckerem Ziegenmilch-Eis, ums Eck vom Café 16.

DjellaBar
2 rue Abou Hanifa, Hivernage
Superkitschig eingerichtete Bar mit chilligem Vorgarten, guten Drinks und leckeren Snacks.

Café Clock Marrakech
Derb Chtouka, Kasbah
Sehr weit ab vom Schuss und nicht so gut wie das in Fès, aber dennoch empfehlenswert. Entspannte Atmosphäre und gutes Preis-Leistungsverhältnis für Leckereien wie Milkshake mit hausgemachtem Datteleis.

Riad KifKif
Derb El Kadous, 9, Rue el Ksour, Medina
Hostel in unterster Preisklasse, aber richtig toll. Guter Service, saubere Zimmer und vor allem viele nette Gäste aus aller Welt, die sich abends auf der Dachterasse treffen.

essaouira

Essaouira, die Windige. Lasst euch nicht täuschen, auch im Hochsommer kann es hier recht frisch werden. Gechillt am Strand liegen ist wegen sehr viel Sand in der Luft ohnehin schwer möglich, deshalb spaziert lieber durch die Medina und zur portugiesischen Festung Sqala. Besonders viel zu sehen gibt es darüberhinaus nicht, aber viel zu tun: Wellenreiten, Windsurfen, Kiten… Oder Essen:

Ocean Vagabond
Strandpromenade, letztes Restaurant vor Ortsausgang
Hier verbrachte ich schon viele Stunden, windgeschützt auf einem der Liegestühle, Strandkörbe oder Sitzecken. Es gibt leckere Salate und Säfte.
Loft
direkt am Bab Squala
Recht neues Café mit integriertem Kunsthandwerksladen. Täglich abends Livemusik, dazu frische Säfte oder Kaffee.

Sfinch und Fettgebackenes
Avenue Mohamed Zerktouni, nahe Bab Doukkala
Während meines einmonatigen Essaouira-Aufenthalts kaufte ich mir beinahe täglich etwas bei diesem Laden.

bin el ouidane

In Bin el Ouidane gibt es außer dem Stausee, Natur und zwei, drei Luxushotels: Nichts. Aber das ist auch gut so, man kann einen wirklich entspannten Nachmittag am Ufer verbringen, oder mit Zelt auch ein paar Nächte. Solltet ihr in der Gegend sein, schaut dort vorbei, vor allem wenn ihr in Besitz eines Autos seit. Mit (semi-)öffentlichen Transportmitteln ist es doch recht mühsam, dort anzukommen.

ouzoud

Die Wasserfälle von Ouzoud sind wohl eines der beliebtesten Ausflugsziele im Land. Deshalb ist es dort an Wochenenden/Feiertagen/usw. auch ziemlich überfüllt. Das Naturschauspiel ist trotzdem toll und etwas abgelegen kann man auch vortrefflich, wenn auch sehr kalt, baden.

fes

Fes beeindruckt mich als Stadt nach wie vor sehr. Das Gassengewirr der Medina verbirgt einfach so viele Schätze! Da wäre zum Beispiel das Bab Boujloud, die Mdrasa Bou Inania und der große Platz Rcif. Der Jardin Jnan Sbil ist eine Oase ohnegleichen, ganz im Gegensatz zu den stinkenden Gerbereien, die trotzdem einen Besuch wert sind. Sollte man die Hügel bis außerhalb der Stadtmauern erklimmen, hat man außerdem einen Wahnsinnsausblick über die Altstadt und die Umgebung. Auf keinen Fall verpassen dürft ihr aber mein allerliebstes Lieblingscafé in ganz Marokko:

Café Clock
Derb Chtouka, an der Talaa Kbira
Neuinterpretationen von marokkanischen Klassikern, spannende Burger (Kamel, Lamm!), Frühstück bis spätnachmittags und der beste Schokokäsekuchen der Gegend. Dazu chillige Atmosphäre auf vielen Etagen, viele Bücher, kulturelle Veranstaltungen und freundlicher dreisprachiger Service.Wäre ich statt Rbatia Fassia geworden, müsste ich bestimmt einmal wöchentlich hingehen.

Restaurant No. 7
Zkak Rouah, an der Talaa Sghira
Ein wunderschön renoviertes Riad, das einem zweimonatlich wechselnden Küchenchef die Bühne für ein marokkanisch-inspieriertes Menü überlasst. Überragendes Ambiente und echter Service, der in Marokko so oft fehlt.

chefchaouen(Chef)Chaouen, die blaue Stadt im Rif, ist gar nicht mal so groß und hat neben der Quelle Ras lMa eigentlich auch nur die Medina als Sehenswürdigkeit zu bieten. Die ist dank der Höhenunterschiede ziemlich anstrengend, aber wunderschön. Außerdem ist sie, wie das gesamte Gebirge, bekannt für den Anbau und Handel mit Marihuana und Haschisch.

akchor

Fast ums Eck von Chefchaouen liegen die Wasserfälle von Akchor, die im Gegensatz zu denen von Ouzoud tatsächlich nur nach mehrstündiger Wanderung zu erreichen sind. Wenn man nicht vom Pfad abkommt (was ich mit meinen Freunden geschafft habe), ist der Weg aber gar nicht so schwierig. Außerdem wartet am Ende dieser tolle Ausblick und leckere Gemüsetajine.

tetouanTetouan ist architektonisch eine meiner Lieblingsstädte in Marokko. Den spanischen Kolonialeinfluss sieht man der Neustadt sehr an, doch auch die alte Medina hat ihren Reiz. Eine Wohltat sind die vielen gepflegten Grünflächen, die zum Verweilen einladen.

Café Manhattan
Avenue Hassan II
Das Café ist sehr bemüht „modern“, hat aber eine zumindest teilweise originelle Karte. Außerdem wahnsinnig leckeres Nicht-Weißbrot und eine gute Konditorei.

tangerTanger ist ebenfalls von spanischer Kolonialarchitektur geprägt, allerdings ist auch englischer Einfluss bemerkbar. Beispielsweise an der anglikanischen Kirche (auf dem Foto der weiße Turm links), die christliche Gebete in arabischer Schrift an den Wänden trägt und von einem verwunschenem Friedhof umgeben ist. Den Wahnsinnsausblick vom Foto gibts von der Terasse des Grand Hotels direkt daneben. Von der Kasbah kann man über das Meer nach Europa sehen und an der Promenade den modrigen Charme der Stadt genießen. Die doch unerreichbare Nähe zu Europa zieht sehr viele Menschen an, die leider oft ins Elend stürzen, wodurch man überdurchschnittlich viele Obdachlose, Betrunkene und Straßenkinder kreuzt.

Le Salon Bleu
Kasbah
Das nette Restaurant-Café ist komplett in blau eingerichtet und von der Terasse kann man ebenfalls nach Europa schauen.

Dar Jmeel
Rue Mohamed Bergach
Eines der sympathischten Hostels in dem ich im Laufe des Jahres übernachtet habe. Trotz günstiger Preisklasse hat jedes Doppelzimmer ein eigenes Bad mit Handtüchern, Bademantel und Teeecke.assilahAssilah ist winzig klein, aber total quirlig. Praktisch alle Wände in der Medina sind mit Streetart bemalt und viele Künstler haben ihre Türen in den Gassen geöffnet. Außerdem ist der Strand der Stadt richtig schön.

Ich hoffe meine winzige Tour von meiner (noch) aktuellen Heimatstadt Richtung Süden und vom Inland weiter an die nördliche Küste hat euch gefallen, meine liebsten Leser_innen. Habt ihr noch mehr Städtetipps? Dann gerne in die Kommentare damit!

Bastilla

Lange schon hat es kein marokkanisches Rezept mehr hier gegeben, geschweige denn einen „Neues aus Marokko“-Post. Doch mein Freiwilligendienst in Rabat geht in rasanten Schritten auf sein Ende zu und mir geht langsam die Zeit aus, noch dieses oder jenes irgendwann anzuschauen/auszuprobieren/etc.

Dem Angebot eines Freundes aus Casablanca, einen Foodblogging-Nachmittag inklusive Schritt-für-Schritt-Bastilla-Zubereitung zu veranstalten, kam ich deshalb nach gut einem halben Jahr endlich nach. Neben Couscous und Tajine gehört Bastilla in ihren verschiedenen Variationen eindeutig zu den Nationalgerichten Marokkos. Traditionellerweise wird sie zu großen Festen wie Hochzeiten serviert, kleine 1-Portionen-Bastillas kann man aber auch in fast jeder Konditorei erstehen. Es gibt sie gefüllt mit Taubenfleisch (seeeehr teuer), Meeresfrüchten und, wie diese hier, mit Hühnchen, Honig, Mandeln und Zimt. Gesüßtes Fleisch klingt erstmal sehr seltsam, schmeckt aber doch ziemlich lecker. So lecker, das diese Art der Bastilla zu meinen liebsten landestypischen Spezialitäten zählt.

Ich konnte die Zubereitung aus Zeitmangel leider nicht von ganz vorne verfolgen, habe mir das Ganze aber trotzdem erklären lassen. Eine Geling-Garantie kann ich nicht geben, aber dieses Blog ist auch zu großen Teilen Gedächtnisstütze für mich selbst und in ein paar Monaten bin ich bestimmt froh, das alles soweit festgehalten zu haben. Also, auf geht’s, yalla, ntaibou bastilla!

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Ein ganzes Hühnchen und ein Kilo Zwiebeln wird mit reichlich Petersilie und zwei Knoblauchzehen im Schnellkochtopf gegart. Gewürzt wird das Ganze mit 1 EL Ingwer, 1/2 TL Pfeffer, 1/2 TL Zimt, 1 EL Kurkuma, etwas Safran und Salz. Wenn das Hühnchen fertig ist, wird es herausgenommen und das Fleisch von den Knochen getrennt. Währenddessen wird die Soße im Schnellkochtopf reduziert. Später wird das Fleisch wieder dazugegeben. (Keine Schritt-für-Schritt-Fotos hierfür, da ich leider noch nicht dabei war).

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Ein bisschen Puderzucker und Zimt kommt als Würze dazu.

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Für die andere Hälfte der Füllung werden gut  500 g Mandeln gehäutet, getrocknet und goldig frittiert.

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Dann kommt die Moulinette zum Einsatz: grobes Mandelpulver sollte reichen.

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Das wiederum wird ebenfalls mit 1 EL Zimt und zwei EL Puderzucker vermischt.

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Eine große Metallform wird gut gebuttert und überlappend mit fertig gekauften Bastilla-Blättern ausgelegt. Ich könnte mir vorstellen, dass das auch mit Strudel- oder Filoteig klappt.

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Nach weiterem Bestreichen mit Butter wird eine Handvoll Mandeln auf dem Teig verteilt. Gefolgt von der vorbereiteten Hühnchenfüllung, die gleichmäßig ausgebreitet wird.

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Danach werden die Teigblätter vorsichtig über die Mitte zusammengefaltet. Dabei ist natürlich wieder reichlich Butter im Spiel. Bastilla ist wirklich kein kalorienarmes Gericht!

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Ein letztes Bastillablatt wird daraufgelegt und die Ränder „unten“ versteckt. Bleiben noch Bastillablätter übrig, werden diese kleingeschnitten als Dekoration obenauf drapiert.

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Nach 20-25 Minuten im mittelheißen Ofen ist die Bastilla (fast) fertig. Es folgen noch Honig, Mandeln und Zimt-Puderzucker als Garnitur, bis die Bastilla serviert werden kann. Lecker!

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Falls ihr übrigens auf Instagram dieses Spiegelei gesehen habt – das war es vorher, im Hühnerstall auf dem Dach:

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Ganz lieben Dank nochmals an Medy und seine Familie für diesen tollen Kochnachmittag/abend. Choukran bzaaaaaaf! 🙂

Godori-Torte

Vor ein paar Monaten habe ich auf einem Konzert einen Kanadier kennengelernt, der an einer Sprachschule in Rabat koreanisch unterrichtet. Er hatte die Jahre zuvor in Korea gelebt und hielt auch in Marokko noch eine Tradition dieses Landes aufrecht, das Godori-Kartenspiel. Innerhalb kürzester Zeit wurde auch ich Fan und spielte bis spätnachts mit Freunden aus aller Welt an seinem Wohnzimmertisch Go-Stop, wie das Spiel auch genannt wird. An einem Abend wurde die Spielrunde zu mir verlegt, da bot ich natürlich einen Kuchen an. So entstand die Godori-Torte.

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Bitte entschuldigt die mittelmäßigen Fotos, sie entstanden „live“, mit Gästen und bei funzeligem 60-Watt-Glühbirnen-Licht und nicht extra gestylt.

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Godori, aka Go-Stop, ein koreanisches Kartenspiel in Marokko… Godori-Torte weiterlesen

Zuckersüß 163

Letzten Donnerstag begann der Ramadan. Das öffentliche Leben hat sich damit schlagartig verändert. Morgens ist kaum wer auf den Straßen, die meisten Geschäfte haben geschlossen, Restaurants und Cafés sowieso. Am späten Nachmittag erwacht dann das Leben, die Straßen sind voll, viele erledigen ihre Einkäufe fürs abendliche Fastenbrechen. Ich hatte das Vergnügen, schon die ersten drei Tage zum Ftour eingeladen zu sein, was ich sehr spannend fand. Pünktlich zum Abendgebet bei Sonnenuntergang beginnt das Festessen, traditionellerweise mit einer Dattel, Harira (marokkanischer Suppe) und Speckia (meinem Lieblingsgebäck aus Sesam). Mehr dazu erzähle ich euch in einem anderen Post, bis dahin meine Lieblingslinks der Woche:

REZEPT

Black Sesame Seed Ice Cream – Food52
Grau ja, aber bestimmt trotzdem einen Versuch wert.
Bstilla – The View From Fez
Eine Fotostrecke zu einem meiner liebsten marokkanischen Gerichte.

TEXT

That time of the year: Redefining Ramadan – Teariffic
Eine etwas andere Sicht auf den muslimischen Fastenmonat.
Von Beelitz nach Brooklyn, Über das kulinarische Unbehagen – Das Filter
Foodhypes können einem die Lust am Essen verderben.
Das Bücherrad neu erfinden, von der Informationsüberflutung – Internet, Segen oder Fluch?
Über Filter und deren Versagen bei den unüberschaubaren Datenmengen des Internets.

AUDIO

Abendbrot 004 – Bleibt sahnig
Anne Schüßler und Charlotte analysieren ein Bravoheft. Sehr lustig!
Max Cavaleras Bart – der Weisheit
Dank dieser Folge brach ich mitten auf der Straße in Gelächter aus.
Mommas Music – 8Tracks
Eine meiner liebsten Playlists auf 8Tracks überhaupt, voll von alten Motownhits.

FOTO

„Mindestausstattung“ eines marokkanischen Ftours: von rechts oben im Uhrzeigersinn Harira, Msimn, Bghrir, Speckia und Briwat.

BACKKATALOG

2010: Walnuss-Schoko-Kekse
2011: Kaffee-Macarons mit Ganachefüllung
2012: Vanilla Cookies
2013: Pfirsichtaschen mit Rosenwasser und Basilikum
2014: Oreos

Corns de Gazelle – Backkurs in Essaouira

Für meinen Geburtstag (ja, der im letzten Oktober) haben sich meine Mitfreiwillgen ein besonderes Geschenk ausgedacht. Denn einer Foodbloggerin schenkt man doch am besten irgendetwas mit Essen, oder nicht? Letzten Montag, kaum ein halbes Jahr später, löste ich also endlich meinen Geburtstagsgutschein ein und absolvierte einen Corns de Gazelle – Backkurs in einer süßen Backstube direkt neben Essaouiras Sqala.

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Leider waren dafür aber nur zwei Stunden einberahmt, sodass der Grundteig schon fertig aus dem Kühlschrank kam. Für dessen Rezept kann ich also nicht garantieren, es ist nicht wie sämtliche anderen Rezepte der Zuckerbäckerei persönlich von mir getestet. Aber bei diesen klassisch marokkanischen Leckereien bleibt das Prinzip sowieso immer gleich, lediglich die Umsetzung variiert. Eine marzipanähnliche versteckt sich in allen Keksvariationen, dafür müssen aber erstmal Mandeln gepult werden.

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Marzipanähnlich, in der Masse neben Zucker, Zitronenschale und Orangenblütenwasser auch ein Eigelb befindet.

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Für die „Verpackung“ wird erstmal Teig (in drei Farben!) durch die Nudelmaschine gedreht…

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… um anschließend mit allerlei Ausstechern und der schon vorbereiteten Mandelmasse zu zuckersüßen Teilchen zu werden.

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Leider war der Holzofen etwas zu heiß…

backkurs14_lq… und bevor die Kekse mit flüssigem Honig übergossen wurden, waren sie schon gut dunkel.

backkurs12_lqAber lecker waren sie trotzdem!

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Victorias Torte

Meine liebste Mitbewohnerin Victoria geht diese Woche leider wieder zurück nach Belgien. Zur Abschiedsparty am Wochenende musste deshalb unbedingt eine tolle Torte her.

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Zwei Chocolate-Chip-Biskuit-Böden mit einer Lage Brownie, getrennt von Vanille-Marillen-Konfitüre und gesalzenem Karamell. Dazu Chocolate Cream Cheese Frosting, Haselnusskrokant und – Wunderkerzen!

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Diese Kalorienbombe von Torte ist sehr reichhaltig und dank der Karamellfüllung auch ziemlich süß. Ich habe deshalb den Zuckeranteil in der Brownielage und im Frosting reduziert, damit sie keinen Zuckerschock verursacht, wie gewöhnliche marokkanische Torten… Und trotzdem kam sie auch bei den Marokkanern gut an. Lecker!

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