„Beruf Sekretärin, anno 2022“ – Ö1 Moment

Buch: "Schreib-Dienst. Frauenarbeit im Büro"
Schnappschuss von „meinem“ Wechselarbeitsplatz im ORF-Funkhaus

Für Ö1 Moment habe ich recherchiert, wie sich der Beruf der Sekretärin über die letzten ~100 Jahre verändert hat und was die Menschen bewegt, die ihn heute ausüben.

Dafür habe ich mit der „PA to the CEO“ der Strabag, also der Assistentin des Vorstandsvorsitzenden des Baukonzerns geredet. Als sie vor 20 Jahren im Unternehmen angefangen hat, gab es statt E-Mails noch Faxe.

Historikerin Maria Mesner hat erklärt, wie Sekretärin überhaupt so ein „weiblicher“ Beruf wurde. Bei ANNO, der Zeitungsdatenbank der Österreichischen Nationalbibliothek, bin ich im Zuge dessen auch noch in ein rabbit hole historischer Annoncen gefallen, hier ein Ausschnitt (Screenshot!) des Feldkircher Anzeiger vom 24. Oktober 1914.

Feldkircher ANzeiger 1914
Unterrichts-Kurse in Buchführung, Stenographie und Schinenschreiben vor etwas mehr als 100 Jahren

In dem Buch auf dem Titelbild, „Schreibdienst“ von Ursula Holtgrewe (erschienen 1989) habe ich über die gemeinsame Entwicklung von Bürotechnologien und dem Assistentinnenberuf nachgelesen.

So naheliegend die Idee einer Schreibmaschine war, so sehr fehlte ihr zunächst ein definiertes Einsatzfeld. […] Remington-Vertretugnen stellten Vorführdamen ein, in den besten Großstadthotels wurden Schreibdienste für Geschäftsreisende eingerichtet, auf der Jahrhundertausstellung 1873 schrieb eine junge Frau für 25 Cent kurze Briefe für die Messebesucher. Die Assoziation von Frauen und Schreibmaschinen war also zu Anfang eine warenästhetische. Dekorative Weiblichkeit schmückte die Maschinen und hob die Einfachheit der Bediung hervor.

aus: „Schreibdienst“ von Ursula Holtgrewe, S. 17

Apropos Buch, digital habe ich auch noch „Mal eben kurz den Chef retten“ von Katharina Münk quergelesen. Die Ex-Sekretärin berichtet darin wirklich lustig über den Arbeitsalltag der „heimlichen Führungskräfte im Vorzimmer“ und überkommene Klischees:

280 Anschläge und 160 Silben Steno pro Minute, ja selbst Fremdsprachenkenntnisse sind kein Gradmesser mehr und lassen schon längst nicht mehr aufhorchen – Steno ist heute eher ein Hobby, wie das Knüpfen von Makramée-Wandbildern.

aus: „Mal eben kurz den Chef retten“ von Katharina Münk

Beim WIFI Wien habe ich mich mit der Leiterin des Lehrgangs „Office Management“ unterhalten. Sie berichtet, was man heute alles können muss, um „Top Office Professional“ zu werden (den Begriff „Vorstandssekretärin“ mag nämlich niemand mehr in den Mund nehmen).

Zuletzt habe ich noch die „Assistentin der Geschäftsführung“ eines Verlags interviewt,, die gleichzeitig einen eigenen Aufgabenbereich, die Anzeigenverwaltung, verantwortet. Sie versteht sich als „Mädchen für alles“, ihr Chef bezeichnet sie als „die gute Fee“, ohne die der Betrieb nicht rund laufen würde.

Hier noch ein paar Links und Literatur, die mir während der Recherche begegnet ist:

Die Sendung ist ab Austrahlung eine Woche lang hier nachzuhören.

„Ich hasse Kaffee kochen…“ Über die Veränderungen einer unverzichtbaren Arbeit

Mit Terminen jonglieren, Protokolle schreiben, Kaffee kochen: was früher ganz gewiss zu den Aufgaben einer Sekretärin gehörte, ist heute nicht mehr so. Die Anforderungen haben sich gewaltig geändert. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts galt Maschinschreiben als wichtigste Qualifikation, mit der Lehre zur Bürokauffrau wurde die Arbeit professionalisiert. Trotz der vielen Neuerungen ändert sich ein Aspekt äußerst langsam: Sekretärin ist weiterhin ein „klassischer Frauenberuf“.

Ö1 Moment, 28.07.2022, 15.30h (25 Minuten)



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