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Zuckersüß 331

Das Ostersonntagszuckersüß ließ ich mangels Tipp-Gerät (auf dem Smartphone bloggen ist mir viel zu anstrengend) einfach ausfallen, aber wofür sind denn Ferien da…

Aus der Karwoche muss ich aber trotzdem noch ein paar Sachen erwähnen, weil sie so cool waren: Ich war in der Grotta da Concetta in Campobasso essen und habe mich durch die molisanische Küche probiert: Als Primi Pancotto di fagioli (weiße Bohnen mit Brot, ähnlich denen, die ich im Herbst im Miseria e Nobilità gegessen habe) und Chitarra spigatelli e frutta secca (hausgemachte Nudeln mit Brokkoli und Trockenfrüchten). Als Secondi supergute hausgemachte Salsiccia mit Puntarella (fenchelgewürzte Schweinswurst und löwenzahnähnliches bitteres Grünzeug) und Palotte cacio e uovo (eine Art Knödel aus Weißbrot und Pecorino in Tomatensauce). Ich verstand von der Karte fast gar nichts, denn für spezialisierte Zutaten reicht mein rudimentäres Italienisch wirklich nicht aus (und ohne Netzempfang auch kein Wörterbuch im Smartphone!).

Umso spannender fand ich es, alles zu erschmecken und später nachzugoogeln, was das auf meinem Teller eigentlich war. Von der Nachspeise, Pastiera di grano, hatte mir ein italienischer Bekannter schon erzählt, ich freute mich sehr, sie so auch probieren zu können. Es handelt sich dabei um eine traditionelle neapolitanische Ostertarte aus Mürbteig, gefüllt mit Ricotta, kandierten Orangenstückchen und gequollenen Weizenkörnern. Mit zwei Vierterln Wein kam dieses ganze Menü auf gerade einmal 37€ – ein wirkliches Schnäppchen bei so guten Zutaten (das Restaurant ist schon jahrelang slow-food-prämiert).

Mein ehemaliges Vegetarierinnentum warf ich dann mit selbstgekochten (Leber-)Salsiccia-Bällchen aus der Wursterei eines Bekannten völlig über den Haufen. In Bologna, wo ich noch ein paar Freund_innen traf, probierte ich Tortellini (mit Fleischfüllung…) in Brodo und reichlich Prosciutto und Mortadella zu Tigelle von Mamma (nicht meiner, obvs). Dieses Hefegebäck mit großzügig Schmalz ist in der Emilia-Romagna beheimatet und wird in einer klappbaren Metallform direkt auf der Gasflamme gebacken – so ähnlich wie Batbot. Dazu gibt es meistens squacquerone, einen Frischkäse, der fast so cremig wie Mascarpone ist, aber ziemlich sauer/bitter schmeckt.

Dann war ich für ein paar Tage in Ljubiljana, was ich sogar schon verbloggt habe und nach Ostern endlich wieder in Wien, das inzwischen sommerlich (26°C im April?!) geworden war. Zum Sommer gehört mein liebster Lieblingscocktail Gin Basil Smash auch dazu, den ich diesmal mit einem Basilikumsirup nach dem Mixology-Magazin gemixt habe. Frischer Basilikum wird dafür erst blanchiert, dann in Eiswasser abgeschreckt und schließlich mit simplem Zuckersirup püriert. Nach dem Abseihen bleibt das Chlorophyll in der Flüssigkeit und übrig bleibt ein giftig grüner, sehr intensiv schmeckender Basilikumsirup.

Zum Schluss noch ein Radiohinweis: Für Moment Kulinarium von Ö1 habe ich letzte Woche einen Beitrag über Rhabarber gestaltet – nachhören ist noch bis kommenden Freitag möglich (außer ihr ladet ihn euch im Podcast herunter!).

Nach dieser unendlichen Geschichte folgen jetzt meine liebsten Links der Woche:

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Zuckersüß 316

Die vergangene Woche habe ich hauptsächlich in Campobasso verbracht. Und die meiste Zeit davon hatte ich in irgendeiner Weise mit Essen zu tun. Auf dem Weihnachtsmarkt probierte ich mich durch sechs verschiedene Sorten Lakritze (tl;dw: reine Lakritze ohne Zucker schmeckt so schrecklich, dass nicht einmal ein Becher Glühwein den Geschmack vertreiben kann) und aß eine ganze Tüte Maroni. Täglich gab es Pizza, mal alla Romana mit Sardellen, mal mit Ricotta, mal ganz einfach Margerita.

Im Miseria e Nobiltà in der Altstadt von Campobasso aß ich ziemlich nobel. Als Amuse Bouche gab es Karottenpüree und knuspriges Brot mit super Olivenöl. Weiße Bohnen mit Cicoria (das ich erst seit September kenne), einem Polentataler und knusprigem Guiancale (Speck-Erklärung bei Wikipedia) gab es als Vorspeise. Die Hauptspeise war der Grund, warum ich unbedingt diesen Menüvorschlag (es gab vier davon) auswählen wollte: Tintilia-Pasta auf Caciocavallo-Sauce (Käse-Erklärung bei Wikipedia) mit Wirsing (?) und gebratenen Maroni. Dazu tranken wir Tintilia aus der Region. Als Nachspeise gab es Vanille-Semifreddo mit Nusskaramell. Alles ziemlich gut und nicht besonders teuer (25€/Person ohne Getränke).

Daheim kochte ich grandiose Pasta mit Salsiccia-Bällchen (Salsiccia ist wirklich wahnsinnig lecker):

pastasalsiccia
Super Pasta!

Und dann machte ich noch Olivenölbrownies (Rezept folgt!) und  Unmengen an kandierten Zitrusschalen – wieder nach Katharina Seisers Rezept, nur anders als im Sommer auch mit Orangen.

Wirkliche Juwelen: Kandierte Orangen- und Zitronenschalen

Als Dessert für den Abschiedsabend in Italien (mit österreichischem Erdäpfelgulasch) entstanden dann noch Zimtschnecken. Der Teig dazu war angelehnt an Highfoodality’s Brioche Burger Buns, in die Füllung aus Butter, Zucker und Zimt warf ich gleich noch eine handvoll gehackter kandierter Zitrusschalen. So super!

Ich glaube, ich mache nie wieder Zimtschnecken ohne kandierte Zitrusfrüchte in der Füllung!

Am Freitag pünktlich zu Sonnenaufgang frühstückte ich dann ein trockenes Nachtzug-Semmerl und eine ebenfalls trockene, aber um Welten bessere Zimtschnecke und schoss sehr viele verwackelte Fotos aus dem Abteilfenster (s. Titelbild). In Wien war ich gleich zum Tee und Kuchen (das Rezept für Apfelkuchen mit Sauerrahm-Schicht muss ich mir noch besorgen!) eingeladen und am Abend folgte das jährliche WG-Weihnachtsessen.

Einer meiner Mitbewohner und seine zwei besten Freunde kochen jeden Dezember einmal unendlich aufwändig (5 Gänge) für gefühlt unendlich viele (etwa 40) Leute. Diniert wird auf umfunktionierten Schreibtischen und langen Holztafeln auf Bücherstapeln mit ständig wechselnder Sitzordnung. Letzes Jahr steuerte ich mit Quitten-Zimt-Eis einen Dessertgang bei, dieses Jahr einen Cocktail ohne Namen:

Sieht super künstlich aus, ist aber alles selbstgemacht!

In Ermangelung von Gläsern und Schnaps gab es den zwar nur in Shotbechern, begeistert waren aber fast alle. Umgerechnet auf ein ganzes Cocktailglas: 5 cl Wodka, 3 cl Mandarinensaft, 2 cl Zitronensaft, 3 cl selbstgemachter Vanillesirup. Der Glasrand in Zitronensaft und selbstgemachtem Vanillezucker und dazu selbstkandierte Orangenschalen.

Ansonsten gab es noch Pho mit Pak Choi und/oder Rindfleisch, Thunfisch-Lachs-Tartar oder Mango-Avocado-Tartar mit Brot, Krautwickerl mit Speck- und Blunzenknödeln oder Semmelknödeln und als Dessert Tarte au Citron, Cheesecake-Brownies und Glühwein.

Am nächsten Tag machte ich mich Richtung Niederbayern auf (drei Länder in >48h, das schaffe ich auch nicht oft), wo der nächste Kaffee-Tee-Restaurant-Bar-Marathon losging. Bemerkenswert für den 23. Dezember: Es gab Fasanbraten mit Orangen und Zitronen unter der Haut (Vegetarierin kann ich mich jetzt wirklich nicht mehr nennen). Die nächsten Tage werden kulinarisch sicher nicht weniger spannend, ich berichte im nächsten Zuckersüß.

Und jetzt weiter mit (wenigen) Lieblingslinks:

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Zuckersüß 310

Weil der letzte Sonntag mit dem Geburtstag der Zuckerbäckerei zusammenfiel (und mit Himbeer-Schoko-Torte!) erlaubte ich mir, ein Zuckersüß auszulassen. Aber eigentlich hätte ich auch überhaupt keine Zeit gehabt, eins zu schreiben, denn ich war die ganze Woche jeden Tag bei der Privacy Week. Auf der Konferenz des Wiener C3W sah ich mir sehr viele interessante Talks zu Digitalthemen an und hielt fast alle davon in Sketchnotes auf meinem iPad fest. Die findet ihr, bis ich einen Blogpost dazu getippt habe, hier auf Twitter, eines als Beispiel auch hier:

Montagabend habe ich mir ein paar Freund_innen für einen Geburtstagscocktailabend (s. Titelbild) eingeladen, um meine neue Ausrüstung auszuprobieren. Ein Shaker macht sich doch um einiges besser als ein ausrangiertes Gurkenglas. Und mein neuer supercooler gravierter Muddler stampft die ätherischen Öle eindeutig besser aus Zitronenschale und Basilikum als ein Kochlöffelstiel. Zusätzlich zu meinem allerliebsten Gin Basil Smash daraus habe ich auch noch Gin Rosmarin Fizz gemixt und Old Fashioned gerührt (endlich habe ich nämlich auch Angostura Bitters daheim). In Anlehnung an meinen Besuch im Botanical Garden im September habe ich zusätzlich noch Mohnsirup eingekocht und daraus mit Kaffee und Wodka den „Mohnshiner“ nachgebaut. Den übrigen ausgekochten Mohn ließ ich im Ofen trocknen und zerbrach die entstandene Platte in Dekostückchen.

In der gleichen Woche erfüllte ich dann auch den langgehegten Plan, einmal einen Cocktail im BirdYard zu trinken. Davor probierte ich aber noch den superknusprigen Pork Belly (voll vegetarisch. NICHT.) und eine Art Germknödel, gefüllt mit Pilzen, auf sehr nelkigem Blaukraut. Danach gabs mehr oder weniger zufällig (Bartenders Choice) den Kung Fu Pandan mit Gin, Limette, Koriander und Pandansirup, einer Zitrusfrucht, von der ich niemals zuvor gehört hatte. Mit dem Dekoblatt und der Mini-Reiswaffel sieht der auch ziemlich cool aus, allerdings fand ich letztere nur optisch spannend. Die Fotos der Birdyard-Cocktails auf ihrem Insta-Account können sich aber auf jeden Fall sehen lassen:

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The new menu is out now! Here we have "Kung Fu Pandan"! No, it's not misspelled – with Pandan leaves and refreshing cilantro. Die neue Karte ist da! Hier haben wir "Kung Fu Pandan"! Nein, wir haben uns nicht verschrieben – mit Pandanblätter und erfrischendem Koriander. Recipe: 4cl Sipsmith Gin 3cl Pandan syrup 1cl Cilantro essence 3cl fresh lime juice Shake, double strain Fill up with Soda water . . . . #thebirdyard #cocktailtime #craftedmixology #cocktails #cocktailart #drinkgram #drinkstagram #drinklove #bartending #bartenders #bartenderlife #mixeddrinks #mixologist #mixology #imbibe #imbibegram #mezcal #gin #whiskey #ginandtonic #tequilla #vodka #cognac #viennafood #viennabar #boozytalk #liqpic

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In der Folgewoche hatte ich alle Hände voll zu tun, *noch schnell* Unizeug aufzuholen. Da las ich zum Beispiel über Redefreiheit und Hate Speech oder über die politischen Aspekte von Gesichtserkennung – letztlich auch wieder nur Themen, die sehr gut auf die Privacy Week passen! Aber ich habe ja auch noch eine BA-Arbeit abzuliefern, nur damit, genauer gesagt der Themenfindung plage ich mich sehr. Gerade sieht es so aus, als würde sie ähnlich theoretisch wie meine letzte, nur dass es diesmal nicht so sehr um Verben und deren verschiedene funktionale Projektionen geht, sondern wahrscheinlich um complementizer agreement, aufgehängt an meiner Muttersprache, dem Niederbairischen.

Dennoch trieb ich mich weiter auf Abendveranstaltungen herum, am Montag bei den Aufmachern. In der Medienrunde war Hanna Herbst zu Gast, die über ihre Zeit bei VICE erzählte und sich alles mögliche fragen ließ, was ich in Sketchnotes festhielt.

Gut erkennbar: Mir ging am Ende der Platz aus.

Am Mittwoch machte ich mich auf eine übermäßig anstrengende Reise, mit Campobasso in Italien als Ziel. Dort war ich im September schon mal, (halbwegs) bequem mit dem Nachtzug. Der hätte kurz vor dem superlangen Wochenende Anfang November nur leider exakt doppelt so viel gekostet als der Flug mit einer Billigairline. Und so fuhr ich mit großzügigem Zeitpuffer nach Schwechat, trank kurz vor der Sicherheitskontrolle meine Wasserflasche leer und ärgerte mich tödlich, dass hinter den Metalldetektoren nur brennheißes Leitungswasser zu kriegen war. Dann schlängelte ich mich durch Richtung Gate – der Wartebereich hat eindeutig mehr Duty-Free-Geschäfte als Sitzplätze – und wartete ewig bis zum Boarding. Weil ich ein Handgepäcksstück brauchte, das größer ist als eine Laptoptasche, hatte ich mir ein „Priority Ticket“ gekauft, das mir zusätzlich erlaubte, als erstes in den Bus zu steigen, der uns über das Rollfeld zum Flugzeug bringen sollte. Diese Prioritybehandlung war vor allem deshalb *sehr* sinnvoll, weil alle Priorityreisenden nun im Bus warten mussten, bis die anderen durch die Ticketkontrollen waren. Eineinhalb Stunden später waren wir eh schon fast in Rom, doch in der Sitzplatzlotterie (um einen Auszusuchen hätte ich weitere 15€ zahlen müssen) hatte ich Pech und war mit als letzte aus dem Flugzeug draußen. Natürlich verpasste ich um fünf Minuten den einzigen Direkt-Bus nach Campobasso. Einziger Ersatz: Eine Zug-Bus-Verbindung mit zweimaligem Umsteigen und, tadaa – zweimaliger Verspätung. Wieder waren es fünf Minuten, diesmal erwischte ich die letzte Anbindung gerade noch. Und nach *nur* 11 Stunden war ich am Ziel! Diesen Nervenkitzel in Kombination mit ungleich höherer Umweltbelastung brauche ich wirklich nicht noch einmal. Nachtzüge, FTW!

In Campobasso war das Wetter leider so grau und nass, dass ich nicht viel von der Stadt sah. Dafür aber Call me by your name, der mein Lieblingsfilm 2018 bleibt (s. Zuckersüß 278). Neugierig auf *lokale* Zutaten verbrachte ich auch ziemlich viel Zeit in der Küche. Es gab Papardelle mit gebackenen Pilzen und Zucchini und Wein aus Molise. Außerdem Burratina mit geschmorten Tomaten und selbstgemachtem Kartoffelbrot. Und Olivenölbrownies nach Love & Olive Oil. Und Spaghetti Quadrato (nie vorher gesehen) Carbonara mit einer einzigen Scheibe Pancetta vom Feinkostladen (sooo gut!). Superfrische Kakis und Mandarinen. Selbstgebackene Oreos mit Zimt-Ganache-Füllung. Cacio Cavallo und Parmigiano. Frittata mit allem, was der Kühlschrank hergab. 10/10, gerne wieder.

Zurück gings glücklicherweise wieder mit dem Zug, wobei mich der Bahnhof in Rom auch Nerven kostete. Warum nur sieht der jetzt auch schon aus wie ein Flughafen? Statt festgelegten Bahnsteigen Anzeigetafeln, auf die alle starren (müssen), Gates mit Ticketkontrollen vor den Bahnsteigen und natürlich auch Prioritybehandlung (aka Sitzbänke in verschlossenen Wartebereichen, roter Teppich durch die Gates) für alle 1.-Klasse-Reisenden.

Genug Rant für heute, Lieblingslinks habe ich nämlich auch: Zuckersüß 310 weiterlesen

Zuckersüß 303

Wie letzten Sonntag angekündigt, blieb ich für eine ganze Woche offline. Mit drei kurzen Ausnahmen – mein Telefon wählte sich nämlich auf Berggipfeln ins Netz und ich konnte ein paar Tweets lesen. Mangels Strom (Solaranlagen funktionieren halt auch nur, wenn die Sonne scheint) stieg ich bald auf Papierbücher um und las gleich vier davon. Meine Ferienlektüre war ziemlich feministisch: Mehr Kopf als Tuch (Amani Abuzahra), Unspeakable Things (Laurie Penny), Wenn Männer mir die Welt erklären (Rebecca Solnit) und Ich bin kein Sexist, aber (Yasmina Banaszczuk, Nicole von Horst, Jasna Strick und Mithu M. Sanyal). Zu Virginia Woolf’s A Room of One’s Own kam ich nicht mehr und Sylvia Plaths The Bell Jar habe ich schon im letzten Zuckersüß beschrieben.


Die Textsammlung Mehr Kopf als Tuch war mir vor einiger Zeit auf Instagram begegnet und praktischerweise in der Bücherei erhältlich. Innerhalb eines einzigen Tages las ich mich durch die elf Artikel, die Amani Abuzahra zusammengetragen hat. Muslimische Frauen aus dem deutschsprachigen Raum schreiben über Alltägliches und Strukturelles und auch wegen der Unterschiedlichkeit der angesprochenen Themen fühlte sich das Buch irgendwie wie ein Blog an. Tatsächlich habe ich die Blogs bzw. Social Media Accounts einiger Autorinnen schon länger abonniert, z.B. Kübra Gümüşay, Dudu Kücükgöl (die offenbar leider ihr Twitterprofil deaktiviert hat), Nadia Shehadeh und Soufeina Hamed. Die ersten zwei habe ich auch bei Vorträgen schon gehört, Kübra Gümüsay prägte mit Organisierte Liebe sogar ein re:publica-Motto. So platt es klingt – ich habe mit den elf Artikeln einige neue Perspektiven gewonnen. Ich hatte zum Beispiel noch nie darüber nachgedacht, dass es für sichtbare Musliminnen in den Straßen des  ach-so-gefährlichen 10. Bezirk Wiens viel angenehmer sein kann, als in „nobleren“ Gegenden – einfach, weil sie dort als „normal“ durchgehen und nicht besonders auffallen.


Laurie Pennys Unspeakable Things liegt schon seit mehr als einem Jahr bei mir herum, und obwohl ich ihre Texte praktisch ausnahmslos super finde (mein Lieblingsartikel ist jetzt recht genau drei Jahre alt), habe ich es nie durchgelesen. Dieses Mal konnte ich es aber nicht mehr weglegen und Laurie Pennys Wut auf das Patriarchat (und den Kapitalismus), die sie explizit nicht kaschiert, aber doch mit Lösungsvorschlägen kombiniert, steckte mich an. Sie ist ziemlich radikal, persönlich und nimmt niemals ein Blatt vor den Mund – ihre Absätze enden oft unerwartet zynisch und bleiben dadurch wie spitze Stacheln der Ungerechtigkeit im Gedächtnis:

It should not, therefore, be as difficult as it is to explain to the average human male that while you, individual man, going about your daily business, eating crisps and playing BioShock 2, may not hate and hurt women, men as a group – men as a structure – certainly do. I do not believe that the majority of men are too stupid to understand this distinciton, and if they are, we really need to step up our efforts to stop them running almost every global government. (S. 68)

In fünf Kapiteln spannt sie den Bogen von ihrer eigenen Vergangenheit mit Esstörungen, „verlorenen Jungs“ in der Männlichkeitskrise über Sexismus im Internet zu Liebe als oft ausbeuterisches Verhältnis. An einigen Stellen fand ich Anknüpfungspunkte zu meiner eigenen Biografie, vor allem was das Internet angeht (wobei ich glücklicherweise von schlimmen sexistischen Shitstorms bisher verschont blieb):

[…] I learned how to be a writer online, and so did millions of other women all over the world. And not just how to write, but how to speak and listen, how to understand my own experience and raise my voice. I educated myself online. Grew up online. And on blogs and journals and, later, in the pages of digital magazines, I discoverd that I wasn‘t the only pissed-off girl out there. The Internet made misogyny routine and sexual bullying easy, but first it did something else. It gave women, girls and queer people space to speak to each other without limits, across borders, sharing stories and changing our reality. (S. 157)

Mein liebstes Zitat, das ich außerdem für halbwegs zugänglich halte und deshalb Menschen, die in der Thematik der (versteckten) Geschlechterhierarchien nicht so bewandert sind, ans Herz legen werde, ist folgendes:

„Men grow up expecting to be the hero of their own story. Women grow up expecting to be the supporting actress in somebody else‘s.“ (S. 216)

Ich habe auch noch Laurie Pennys neuestes Buch, Bitch Doktrin (leider übersetzt und nicht in der Originalfassung) daheim, ich denke, ich werde es bald anfangen!


Als nächstes las ich Rebecca Solnits Wenn Männer mir die Welt erklären. Das hatte ich nur deshalb ausgeliehen, weil ich vor kurzem irgendwo über den Namen der Autorin gestolpert war. Gleich nach Laurie Pennys mitreißender Kampfansage kamen mir die Texte darin regelrecht fad vor. Ich hatte auch eher mit einem durchdachten Gesamtwerk gerechnet denn mit einer losen Essaysammlung ohne Übergänge und mit vielen Dopplungen. Ich fand es zwar spannend, den titelgebenden Text zu lesen, weil in dessen Zusammenhang der Begriff „mansplaining“ entstanden war und dementsprechend oft darauf verwiesen wird. Der Rest hingegen war entweder nicht mehr aktuell (im Text zu Strauss-Kahn ging es um Argentinien und Venezuela, die sich aus den Fesseln des IWF befreien konnten – letzteres ist zur Zeit nicht unbedingt Musterbeispiel für einen gesunden Staatshaushalt), verwirrend oder eine oberflächliche Behandlung von Themen, die ich woanders schon ausführlicher gelesen habe. Schade!


Zuletzt nahm ich mir noch einen schmalen Band vor: „Ich bin kein Sexist, aber“. Sexismus erlebt, erklärt und wie wir ihn beenden vereint vier Essays von Frauen, die mit #aufschrei zu tun hatten. Nicole von Horst (@vonhorst) beginnt die Textsammlung mit Überlegungen zum Platz, den sich Frauen in Gesprächen und im öffentlichen Diskurs nehmen (trauen). Ihre Zwischenüberschriften – allesamt Zitate aus Büchern und Blogposts- muss ich unbedingt noch nachgoogeln. Yasmina Banaszczuk (@lasersushi) erzählt von Sexismus am Arbeitsplatz und wie er Machtungleichgewicht herstellt. Jasna Strick (@tugendfurie) schreibt über den Backlash der auf #aufschrei folgte und Mithu Sanyal (@Msanyal) geht sehr theoretisch an das Thema heran – ihren Text fand ich stellenweise recht anstrengend.

Weil ein #aufschrei nicht reicht von Anne Wizorek, die auch mit der Erfindung des Hashtags zu tun hatte, habe ich schon vor ein paar jahren gelesen und zu einem meiner liebsten feministischen Sachbücher auserkoren. Das Buch der anderen Initiatorinnen geht viel mehr auf den Hashtag selbst ein (jedenfalls, wenn ich mich recht erinnere) und erschien relativ bald nach dem das Thema hohe Wellen geschlagen hatte. Damals habe ich nur am Rande davon mitbekommen, sodass ich diese Einordnungen jetzt gerne gelesen habe.


Und weil so viel Bücher nicht reichen, war ich auch noch im Museum: Zuerst im Salzbergwerk Bad Dürnberg. Dort kann man – gut eingewickelt in große Schutzkleidung – eine mehr als einstündige Führung durch die Stollen, die in Teilen schon von den Kelten gegraben wurden, mitmachen. Mit gut zwanzig Euro ist die ziemlich teurer, aber das Programm ist mit einer Bergbahn-Fahrt, zwei Holzrutschen und einer Bootsfahrt über einen unterirdischen Salzsee schon cool. Unter der Erde passiert man sogar mal die Grenze nach Deutschland und sieht in mehreren Filmen, wie Salzabbau im Laufe der Zeit funktionierte. Mit dem Ticket kommt man auch gratis ins Keltenmuseum im nahegelegenen Hallein. Dort kam ich in mehr als eineinhalb Stunden nicht über das Erdgeschoss hinaus, doch die beiden Ausstellungen dort sind sehr gut gemacht. Zeitsprünge-Ursprünge sieht man an, dass sie aufwändig und vor nicht langer Zeit konzipiert wurde. Beginnend mit der heutigen Zeit gelangt man in der Ausstellung zurück bis in die vorrömische Zeit und was sich damals in der Salzburger Gegend abgespielt hatte. Die Austellung ist mit futuristischen Schaukästen und vielen Klappen, die man öffnen kann sehr interaktiv gestaltet. Ich hatte auch meine Freude mit dem „Urgeschichte-Wurm Kurt“, der Angebote für Kinder markiert, z. B. eine mechanische Waage mit Gewichten, bei der man die Grundeinheit der Kelten herausfinden kann, oder Suchrätseln für die Vitrinen.

Die aktuelle Sonderausstellung im Keltenmuseum beschäftigt sich mit der Himmelscheibe von Nebra, von der ich vorher noch nie gehört hatte. Diese Bronzeplatte wurde vor etwa 4000 Jahren aus Kupfer aus dem Salzburger Land hergestellt und vor gut 20 Jahren in der Nähe der Stadt Nebra in Sachsen-Anhalt gefunden. Sie gilt als eine der ältesten Himmelsdarstellungen der Welt und wurde zeitweise sogar als Umrechnungsmittel zwischen Mond- und Sonnenkalender benutzt. Die Ausstellung ist ebenfalls sehr modern aufgemacht, großformatige Fotos zeigen auch die archäologische Aufarbeitung des Fundes.


Jetzt habe ich meine Linksammlung wirklich genug verzögert (es ist schon Mittwoch!), deshalb hier meine Empfehlungen der Woche: Zuckersüß 303 weiterlesen

Zuckersüß 295

Diese Woche war ich einmal wieder ziemlich viel unterwegs. In Wien bin ich hinauf auf den Kahlenberg und dann auf einen Spritzer zu einem Buschenschank mit recht absurder Dekoration (häufigster Slogan auf den Plakaten dort: „Grinzing Saves the World“?).

Nach einem kurzen Stopp in Niederösterreich (Kuhglocken vor dem Fenster versetzen mich seltsamerweise in sofortige Urlaubsstimmung) verbrachte ich einen Abend in der „Westernstadt Pullman City“. Dort war ich seit meiner Kindheit nicht mehr und diesmal doch sehr überrascht, wie weitläufig und scheinbar erfolgreich ein solcher Freizeitpark im bayerischen Wald sein kann. Das Country-Music-Festival, das dort stattfand, zog viele Tänzerinnen an, die die sandige „Main Street“ zum Line-Dance-Floor machten, was wirklich schön anzuschauen war. Was mich allerdings ziemlich irritiert hat, waren die vielen Konföderierten-Flaggen dort, die in meiner Assoziation vor allem rassistisch sind. Auch die Hotelzimmer-Tipis und alle möglichen „Indianer“-Aktivitäten haben einen leichten Nebengeschmack von kultureller Aneignung…

Sehr wichtig in dieser Woche: Fußball. Frankreich-Belgien sah ich im Wiener WUK, wo gleichzeitig die großartige Ausstellung „tschuttiheftli“ stattfand. Verschiedene Künstler_innen gestalteten pro Vorrunden-Partie ein Plakat mit den beiden Mannschaften, allerdings in komplett unterschiedlichen Illustrationsstilen. Ziemlich coole Aktion, Fußball mit Kunst zu verbinden!

Das Finale Frankreich-Kroatien sah ich in einem anderen Kulturzentrum, das mir wirklich sympathisch erschien: Das Dunaj in Bratislava. Mehr zu meinem Wochenendausflug dorthin hoffentlich auch bald hier im Blog (was würde ich sonst mit den 1000 Fotos tun?).

Bevor ich jetzt noch einen Tag bis zur Veröffentlichung der Sonntagslinksammlung vertrödele, komme ich besser gleich zum Wichtigen – es folgen meine liebsten Links der Woche:

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Eine Reise nach Lille, Dunkerque und Bruxelles

Über das lange Pfingstwochenende habe ich gemeinsam mit einigen Freund_innen eine kleine Reise Richtung Norden unternommen. Wir waren zu siebt unterwegs und wollten uns einmal abseits der großen mit Flixbus etc. erreichbaren Städte aufhalten, weshalb wir uns dafür ein Auto mieteten.

Via Luxemburg und Belgien landeten wir Freitag spätabends in Lille, unserem Ausgangspunkt für das Wochenende. Samstag morgen brachen wir zum ersten Ausflug ins etwa eine Stunde entfernte Dunkerque (Dunkirk/Dünkirchen) an der Küste auf.

Stadtkern Dunkerque
Das Stadtzentrum von Dunkerque ist nicht besonders spannend.

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Zuckersüß 205

In der letzten Woche habe ich mich einmal wieder (öfters als einmal jährlich kommt das bestimmt nicht vor) an einer Motivtorte versucht. Wobei Torte das falsche Wort ist, es handelt sich nämlich eher um unterschiedliche Kuchenkomponenten. Der Brownie-Boden (nach diesem Rezept) gelang superlecker wie eh und je, auch die Streusel-Wüste (zum Besipiel auch auf diesem Kuchen) und das Mohnkuchen-Gebirge (Rezept folgt!) waren ziemlich gut. Es scheiterte dann eher an meinen Skulptur-Skills: Die beiden furchteinflößenden Bären aus Marzipan sind recht wackelig. Aber was solls, dank Papierbäumchen und -Schildern gabs doch noch zufriedenstellende Deko inklusiver aller WG-internen Gags zum Kuchenthema: Dem Pacific Crest Trail.

Genauso viele Stunden wie ich diesen Kuchen gesteckt habe, gingen auch beim Durchs-Internet-Lesen drauf; daraus meine Lieblinge:

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Eine zweite Reise nach Barcelona

Letztes Jahr war ich auf Klassenfahrt in Barcelona, dieses Jahr auf Abifahrt mit vier Freundinnen. Und natürlich war die Stadt auch diesmal wieder eine hervorragende Wahl. Und weil ich die Sachen, die ich gerne mag, besonders gerne mit anderen teile, will ich euch heute meine persönlichen Barcelonafavoriten zeigen.

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Die einzige „Sehenswürdigkeit“, die wir uns diesmal angeschaut haben, war der Parc Güell (das obige Foto entstand dort). Von dort aus hat man eine wirklich tolle Aussicht auf ganz Barcelona und kann in den vielen Höhlen und Pavillions Gaudís der Hitze entfliehen. Leider muss man seit diesem Jahr Eintritt für einige Teile des Parks bezahlen, was ich ziemlich schlecht finde, da jetzt, zumindest soweit ich weiß, kein einziges Werk Gaudís mehr kostenlos zu besichtigen ist. Wer sich nicht am Eintrittspreis schreckt, dem empfehle ich, die Sagrada Família zu besuchen. Ich war letztes Jahr darin und es war wirklich die beeindruckendste Kirche, die ich jemals gesehen habe.

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Für mich als Foodbloggerin ist gutes Essen natürlich besonders wichtig. Denn zwischen den unzähligen, völlig überteuerten Touristenbistros kann man selbst in der Innenstadt richtige Perlen auftun:

gelaaati! (Calle Llibreteria 7, Barri Gòtic) habe ich euch schon letztes Jahr vorgestellt, doch bleibt es weiterhin mein allerliebster Lieblingseisladen auf der ganzen Welt. Eisfavoriten in diesem Jahr waren eindeutig Ingwer-Zimt und Dulce de Leche, wobei die Kombination Erdbeere und Basilikum nach wie vor unschlagbar lecker ist.

Die Xurreria (Carrer Banys Nous, Barri Gòtic) verkauft nur Fettgebackenes. Ob Churros (siehe Foto oben), Kartoffelchips oder Anisgebäck, alles frisch frittiert. Der kleine Laden scheint zwischen den ganzen Modeboutiqen, die ihn umgeben, ein bisschen aus der Zeit gefallen mit seinen weißen Kacheln und ohne jegliche Anstrengung, irgendwie „hip“ zu sein. Trotzdem: wenn ihr vorbei kommt, kauft euch uuuuunbedingt eine Tüte frische Churros mit ganz viel Zucker für etwas weniger als zwei Euro, uuuunglaublich lecker!

In der Pastisseria Ayub (Carrer Hospital 95, Barri Raval) fühlt man sich wie im Orient. Baklava in allen Variationen, dazu türkischen Honig, Marzipan in allen Farben, Halva und arabisches Fladenbrot. Ich habe gleich zweimal eine ganze Schachtel Süßes gekauft (hier auf Instagram zu sehen) und empfehle euch das selbe zu tun.

Ein bisschen „Shoppen“ war ich selbstverständlich auch. In den vielen kleinen Läden im Gassengewirr der Stadt finden sich viele tolle Sachen:

Claudine (Baixada de la Gloria 7, Gràcia) versteckt sich zwischen gefühlt tausenden schrecklicher Made-in-China-Souvenirshops auf einem Weg zum Parc Güell hinauf. Aber mit diesem süßen Sortiment braucht sie sich nicht zu verstecken. Filigraner Schmuck, Taschen, Schals, Kleider und außergewöhnliche Postkarten sind dort zu erstehen.

Bei Parrup (Carrer Banys Nous 17, Gótic), wusste ich gar nicht, wofür ich mich entscheiden soll. Das stylische Geschäft verkauft Schmuck, Kleidung, Geschirr und Grafiken von vielen verschiedenen Künstlern. Letztendlich schlug die Foodbloggerin in mir wieder durch und ich kaufte eine Porzellanplatte, die bestimmt bald auf einem meiner Fotos auftauchen wird.

In der Bijuteria Rossello (Carrer Hospital 34, Raval) gehen einem die Augen über. Farblich sortierte Perlen vom Boden bis zur Decke, dazu Verschlüsse, Anhänger und was man sonst noch alles braucht von Silber und Gold bis Messing und Kupfer. Bänder, Strassteine, Pailetten, sowie bereits fertige Schmuckstücke ergänzen das Angebot. Besonders gefällt mir die Art, Perlen zu kaufen. Man kann sich zwischen verschieden großen Schraubgläsern entscheiden, die man dann randvoll mit allen möglichen Perlen machen darf. Für das kleinste z. B. zahlt man nicht mehr als 3,50€!

Auf meiner Liste nicht fehlen darf Kling (Carrer Banys Nous 14, Gòtic und Carrer Tallers 16, Raval), mein wohl liebstes Kleidungsgeschäft überhaupt. Im Sortiment sind fast nur Kleider, alle wirklich gut verarbeitet und nichteinmal so teuer.

Und noch etwas: Leiht euch ein Fahrrad, z. B. bei ajo bike (Carrer d’En Roig 5, Raval) und fahrt einfach entlang der Radrundwege. Es gibt kaum günstigere (4€ für zwei Stunden) und entspanntere Wege, in Barcelona herumzukommen.

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Das Haus auf dem obigen Foto muss ich euch einfach zeigen. Es steht direkt neben der Metrostation Vallcarca und mutet als alleinstehendes Reihenhaus einfach wirklich seltsam an. Ein bisschen wie Willy Wonkas Elternhaus in Charlie und die Schokoladenfabrik, nur voller Graffiti.

barcelona_5Appropos Graffiti: Statt zu übermalen, kommentiert das Ajuntament de Barcelona die allgegenwärtigen „Schmierereien“ einfach mit Stencilgraffiti. Ziemlich cool!

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Auf Schnappschusstour im Park Güell – danke fürs Foto, Franzi!

Vielleicht kommt ja eine(r) von euch, meine liebsten Leser, in nächster Zeit auch mal nach Barcelona. Über weitere Tipps zur Stadt würde ich mich freuen, das war bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich sie besuche!

Eine Reise ins Elsass

Die vergangenen zwei Wochen habe ich bei meiner Austauschschülerin und Freundin Alice im Elsass verbracht. Eine etwas andere Reise als die bisherigen in der Zuckerbäckerei! Kein wirklicher Städtetrip (ein Nachmittag Strasbourg zählt nicht, oder?), kein morgentliches Ausschlafen, mal abgesehen vom Wochenende, sondern: Schule.
Und die dauert in Frankreich gelegentlich schon ziemlich lange, bis 17.30 Uhr! Dafür gibt es aber satte eineinhalb Stunden Mittagspause. Wo ich auch schon bei meinem Lieblingsthema wäre: Essen!

Wie nicht anders zu erwarten, schmeckt Frankreich wunderbar. Brioche mit Butter zum Frühstück, mittags grundsätzlich Entrée, Plat, Käse oder Joghurt, und natürlich Dessert (sogar in der Schulkantine). Und zum Abendessen dann wieder drei Gänge.
Alles was ich hier esse, sogar das Sandwich am Kiosk und die Pommes im Bistro, schmeckt einfach richtig lecker. Das einzige Problem bei der ganzen Sache ist nur, dass die Franzosen nur dreimal täglich und kein bisschen öfter essen. Nachdem ich aber, genau wie Julia Child in Frankreich, auf die Frage was ich besonders gerne mag und auch gut kann, „Essen!“ antworten würde, ist das eindeutig zu wenig.
So stürze ich mich zwischendurch auf Madeleines, pappsüße Pains au Chocolat oder mein so liebgewonnenes Brioche. Und noch etwas (zumindest in meinen Augen) typisch französisches durfte nicht fehlen: Crêpes. Diese sowohl süß als salzig mit Maronencreme oder Käse und Schinken…

Selbstverständlich habe ich auch noch ein paar andere Dinge getan außer Essen und zur Schule gehen. Ich war zum „Sightseeing“ in Sélestat, Colmar und Strasbourg – die Altstädte gleichen sich ziemlich mit ihren mittelalterlichen Fachwerkhäusern und engen Gassen.
In Colmar habe ich in einer Handwerksausstellung diese wunderbaren Pain d’Épices entdeckt – so fein verziert, wie geklöppelte Spitze!

In Sélestat war ich in der Pâtisserie Kamm. Ganz ehrlich, am liebsten hätte ich die ganze Auslage probiert! Und die Macarons erst! Mir fällt auf, schon wieder rede ich von Essen…

 

Außerdem sind wir ein bisschen Rad gefahren. Ich war selbst überrascht, dass ich, größter Sportmuffel der Welt, es zumindest ein Stück bergauf zur Kirche in Scherwiller geschafft habe. Dafür hatte ich dann aber auch die (leider verregnete) Rundumsicht auf das Elsass mit seinen Weinfeldern.

Es freut mich wirklich sehr, dass ich die Möglichkeit hatte, zwei Wochen im Elsass zu verbringen – hiermit nochmals danke an meine liebe Gastfamilie! Mit so viel gutem Essen bleiben mir meine gewonnenen Französischkenntnisse bestimmt viel besser im Gedächtnis…