Archiv der Kategorie: Reise

Zuckersüß 275

In dieser Woche hatte ich so viele Ideen, was ich auf jeden Fall in den Zuckersüßpost packen wollte, dass ich erstmals Notizen dafür machte.

Am vergangenen Sonntag habe ich nämlich schon wieder vergessen, meine aktuelle Papier-Lektüre zu erwähnen (Bücher kommen mir einfach nicht in den Sinn, wenn ich an meinem Laptop tippe): Der große Glander von Stevan Paul. Nachdem ich mit Qualityland (ein paar Wörter dazu hier) seit gefühlten Ewigkeiten endlich mal wieder eine längere fiktionale Geschichte gelesen habe, habe ich beschlossen, eine Art Mini-Buchclub zu starten. Mini deshalb, weil das einzige andere Mitglied mein Freund ist, der für gewöhnlich viel mehr Bücher liest als ich. Wir einigten uns nach Marc-Uwe Klings aktuellem Buch auf Stevan Pauls ersten Roman als nächste Lektüre. Und ich muss sagen, das ich das Buch nach gut 100 von knappen 280 Seiten bisher sehr gern habe. Wenig überraschend sind besonders die Beschreibungen von Essen sehr ausführlich und bildhaft – so sehr, dass ich seit Tagen unbedingt ein Pastrami-Sandwich haben will (obwohl ich für gewöhnlich kein Fleisch esse). Stevan Pauls Schreibstil war mir schon sympathisch, als ich nur seine journalistischen Texte und Rezepte, z. B. für das Food-Magazin Éfilée, kannte. Auch seine Erzählung liest sich sehr angenehm, trotz der vielen Details fühlt sich der Text sehr locker und luftig an. (Ok, eine Literatur-Bloggerin wird aus mir nicht mehr, ich kenn mich einfach nicht besonders aus mit dem Thema. Aber meine Bemerkungen klatsche ich trotzdem ins Blog, ha.)

Interessanterweise passte die Welt der Galerien und Museen, die in der Geschichte des Eat-Art-Künstlers Glander natürlich eine große Rolle spielen, auch irgendwie zu einer meiner Lehrveranstaltungen in dieser Woche. In Médiations Culturelles geht es nämlich um Kulturvermittlung und französische Kulturpolitik. Ich weiß nicht, wie es in Deutschland oder Österreich damit aussieht (dazu ist mir im Studium noch gar nichts untergekommen!). Aber laut der Dozentin ist besonders die französische Kulturpolitik in einem Sinne sehr ideologisch, weil sie sehr stark in den Kultursektor eingreift und damit versucht, Kultur soweit zu demokratisieren, dass jede_r dazu Zugang hat. Ohne Kunst und Museen würde den Bürger_innen nämlich etwas wichtiges fehlen; Kultur mache sie aktiv zu „besseren“ Menschen.

Von diesem Ansatz konnte ich dann auch noch konkret profitieren: Das Symphonieorchester von Nancy spielte am Valentinstagsabend ein Gratiskonzert. Ich war noch nie vorher bei einem Auftritt dieses Orchesters, aber das Publikum schien mir doch erstaunlich heterogen. Ich glaube nicht, dass so viele Studierende sich für klassische Musik begeistern könnten/würden, wenn sie teuren Eintritt kosten würde.  Ich war jedenfalls sehr froh hingegangen zu sein, ich hatte ganz vergessen, wie toll es ist, 50+ Musiker_innen in einem wunderschönen Saal zuzuhören.

Ansonsten habe ich mich weitestgehend aus dem Valentinstagskitsch überall herausgehalten, nichtmal thematisch gebacken habe ich (vgl. Herzschlagplätzerl, Topfenpalatschinken und Herzpancakes). In der Stadt wurden gratis „Pommes d’Amour“ verteilt, mit knallrotem Karamell überzogene Äpfel am Stil. Die Pâtisserien hatten rosa Törtchen und Herzförmiges in ihren Auslagen, das tatsächlich doppelt so viel kostete wie der Rest.
Ich trank lediglich einen Herztee – schwarzer Tee mit einer kleiner Rosenblüte, der in Herzform gepresst wurde. Der war leider schöner anzusehen als er dann schmeckte, aber immerhin gab er ein schönes Instagram-Story-Boomerang her. Apropos, ich habe endlich die App geupdatet und befürchte, jetzt noch mehr Zeug in meine Story zu werfen, weil es einfach so viel Spaß macht! Und die Archivfunktion finde ich auch überaus praktisch, ich glaube sie könnte mir als visuelles Notizheft (u. a. für die Zuckersüßposts) nützen.

Und jetzt doch nochmal zurück zur Literatur: Ich fange an, das Atelier d’écriture wirklich lieb zu gewinnen. Die zwei Stunden sind zwar mental so anstrengend für mich, dass ich danach am liebsten ein Nachmittagsschläfchen einlegen würde, aber ich nehme so viel daraus mit! In dieser Woche ging es um „Twittérature“. Nach mehr oder weniger berühmten Beispielen dieses 140-Zeichen-Genres (nicht up-to-date!) mussten wir uns selbst etwas ausdenken, natürlich wieder mit verschiedenen Einschränkungen. Zum Beispiel sollten wir verschiedene Stilmittel verwenden oder eine bestimmte Metrik. Aktuell gibt es sogar einen Twitterature-Wettbewerb für Schüler_innen und Studierende, bei dem drei von zehn vorgegebenen Wörtern (von denen ich die Hälfte erstmal nachschlagen musste) und Stilmittel in 140 Zeichen untergebracht werden müssen. Wegen meines Linguistikhintergrunds (Prescriptivism = evil, meistens) finde ich das Auswahlkriterium „La qualité de langue“ (Sprachqualität) ziemlich fragwürdig, aber was solls.

Davon einmal abgesehen, wie cool ist es eigentlich, twitter in der Uni zu verwenden statt ewigliches „Social Media/WhatsApp/bla macht unsere Sprache kaputt!!1!11!!“ zu hören? Für alle ohne twitter-Account stand die geschlossene Lernplattform zur Abgabe der Twitteratur zur Verfügung, dort wurden aber auch alle Tweets mit dem entsprechenden Hashtag eingespielt.

Am Freitag, meinem Uni-freien Tag habe ich dann noch ein winziges bisschen an meiner BA-Arbeit gefeilt (es nervt mich sehr, noch „Altlasten“ aus Wien zu haben, wo ich doch viel lieber voll und ganz in Nancy sein würde) und dann einen mordslangen Spaziergang gemacht. Mehr als zwei Stunden bin ich ohne Pause durch die Stadt gelaufen und habe alles fotografiert, was mir fotogen erschien. Nancy ist wirklich schön, aber stellenweise unglaublich hässlich. Ich frage mich, wie die architektonischen Sünden von Riesen-Wohnbauten neben den süßen Jugendstilhäusern gebaut werden konnten. Noch dazu sind viele dieser Hochhäuser/Plattenbauten ziemlich schlecht in Schuss, was das Stadtbild meiner Meinung nach doch recht verschandelt. Sobald ich dazu komme, landet eine Auswahl meiner Fotos natürlich hier im Blog.

Nebenbei bemerkt: In meinem Wohnheim wurde diese Woche im Ergeschoss kräftig renoviert, ein Zimmer wurde von der Wandfarbe bis zu den Möbeln komplett erneuert und gestern fand ich heraus, warum: Es war Tag der offenen Tür! Bei mir fiel derweil die Dusche (also die Duschkopf-Stange, oder wie das Teil heißt) auseinander, aber das wird bestimmt bald jemand reparieren – hoffe ich.

Und jetzt, nach 1000 Wörtern Einleitung: Meine Lieblingslinks der Woche:

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Zuckersüß 274

Mein Wochenrückblick fällt heute etwas knapp aus, dafür habe ich nämlich schon Neues aus Nancy 2 mit den Erlebnissen meiner ersten Uniwoche aufgeschrieben.

Über meine erste Begegnung mit gendergerechter Sprache auf Französisch habe ich im erwähnten Post allerdings nicht berichtet. Ich habe es mir mittlerweile angewöhnt, hier im Blog, in Chatnachrichten, Uniarbeiten und praktisch jedem geschriebenen Text zu gendern (meistens mit einem Strich, also Blogger_in) und auch in der gesprochenen Sprache verwende ich größtenteils beide Formen statt des generischen Maskulins. Ich der gesprochenen Sprache hier scheint sich Geschlechtergerechtigkeit zumindest in der Begrüßung (bonjour à toutes et tous) niederzuschlagen. Anders als an der Uni Wien, wo geschlechtergerechte Sprache in wissenschaftlichen Arbeiten vorgeschrieben ist, ist es an der Uni Lorraine nicht gern gesehen. Das meinte zumindest eine Studentin, die ich auf ihre Schriftvariante createur.ices bzw. tou.te.s hin ausfragte. In dieser Sache muss ich mich noch ein bisschen umhören, denn das Thema interessiert mich sehr.

Jetzt folgt erst einmal eine sehr bunte Mischung an Lieblingslinks der vergangenen Woche:

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Neues aus Nancy 2

In meinen fast vierzehn Monaten in Marokko gelang es mir nicht öfter als zweimal (Neues aus Marokko I und II) ein paar Erlebnisse aus meinem Alltag aufzuschreiben, einmal abgesehen von den Geschichten, die in meinen Rezeptposts Platz fanden.

Die Anzahl der neuen Rezepte hier wird sich in den nächsten Monaten mangels Ofen stark in Grenzen halten, aber immerhin habe ich von Anfang an, schon im letzten Zuckersüß, festgehalten, was mir so passiert ist.  Die Geschichten der ersten Woche an der Uni Lorraine sprengen aber die Grenzen meiner sonntäglichen Linksammlung, also mache ich einfach einen eigenen Post daraus:

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Eine Reise nach Prag

Ich war innerhalb von drei Monaten zweimal in Prag, seit meinem letzten Besuch sind schon wieder fünf Wochen vergangen – Zeit für einen Reiseblogpost also!

Die Stadt ist von Wien aus ziemlich gut erreichbar, ich habe mir über die tschechische Bahn einen günstigen Nachtzug für die Hinfahrt gebucht. Der Luxus dieses 3-Liegen-Abteil hat mich überrascht: Kleines Waschbecken mit Handtuch, Bett mit bereits überzogener Decke, eine (zwar geteilte, aber tadellose) Dusche und ein Willkommenspaket mit Schlafmaske, Ohrstöpseln und Pantoffeln. Nicht zu vergessen das Frühstück: drei Scheiben Brot, Butter, Marmelade, ein Keks, Orangensaft und Tee!

Tram
Die alten Trams der Stadt sind noch knuffiger als die in Wien! (Foto vom Oktober)

Die Ankunftszeit des Nightjet ist doch recht früh angesetzt (sechs Uhr morgens!) doch selbst zu dieser frühen Stunde war die Schlange am Öffi-Schalter (Automaten verkaufen nur Einzelfahrten, keine Zeitkarten) schon sehr lange. Weniger Tourist_innen wurden es im Laufe des Tages auch nicht.

Veitsdom
Der Veitsdom in der Prager Burg (Foto vom Oktober)

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Zuckersüß 273 – Neues aus Nancy!

In der vergangenen Woche habe ich einmal wieder viel zu viel auf einmal gemacht. Ich habe Prüfungen geschrieben, Abschied gefeiert und war im Botanical Garden etwas trinken. Und zwar drei (ich war lange da!) wahnsinnig gute Cocktails. Als erstes den Beetroot Smash, mit Gin, Basilikum, und wie der Name schon sagt, schaumigem Rote-Bete-Saft. Als nächstes einen mit Espresso, Wodka und Mohnsirup und zuletzt „Slutty Alice“. Leider kann ich mich dabei schon nicht mehr an die Zutaten erinnern, die coole Servierform (Glasflasche mit bunten Federn) landete aber in meiner IG-Story, womit ich sie nicht so schnell vergesse. Die Bar unter dem Café Stein ist nicht unbedingt günstig und bei voller Besetzung  (reservieren schadet nicht!) auch ziemlich laut, aber ich würde sie sofort weiterempfehlen. Die Cocktails sind super lecker, die Popcorn mit Rosmarin und das Personal sehr freundlich.

Und dann am Mittwoch – jetzt kommt der spannende Teil – habe ich den Nachtzug nach Frankfurt genommen, um Donnerstag Mittag in Nancy aufzuschlagen. Hier verbringe ich nämlich die nächsten Monate für ein ERASMUS-Semester. Ich hatte mich schon sehr auf den Zeitpunkt des Ankommens gefreut, weil dann der supernervige Papierkram endlich eine reale Entsprechung hätte. Leider gings mit dem Papierkram erstmal weiter und das bestimmt auch noch ein paar Wochen. Ich habe jedenfalls zum ersten Mal in meinem Leben ein Wohnheimszimmer bezogen und bin (noch?) nicht ganz überzeugt. Der etwas „gebrauchte“ Zustand des Zimmers selbst stört mich eigentlich nicht, aber ein nicht-funktionierender (eigener) Kühlschrank und die „Küche“ deprimieren mich als Foodbloggerin schon ein bisschen. Die „Küche“, das sind zwei Induktionsplatten, eine Spüle, eine Mikrowelle, ein Mülleimer sowie ein Tisch mit zwei Stühlen für meine Etage und die darunter. Yay.

Einen Wasserkocher, einen Teller, Besteck, Plastikschüsseln und ein paar Grundvorräte habe ich mir mittlerweile besorgt. Doch meine Mikrowellen-Kochversuche am ersten Abend ließen mich gleich zum Salatessen übergehen. Fertiggerichte (wenn auch nur „halbe“, wie Mikrowellen-Reis) sind einfach nicht mein Ding. Und ich befürchte, das Resto Universitaire auch nicht so, denn eine vegetarische Option gab es zumindest am Freitag nicht. Dafür ist es unschlagbar günstig: 3,25€ für fünf Komponenten. Das sind ein Vorspeisensalat, Joghurt oder Dessert, eine Frucht, eine Semmel sowie eine Hauptspeise mit Fleisch/Fisch und Beilage. Für mich ist das Ganze ziemlich ungeeignet, denn im Salat ist wohl meistens rohes Gemüse (gegen das ich allergisch bin), das rohe Obst fällt aus dem gleichen Grund flach und die Hälfte der Hauptspeise esse ich auch nicht (#firstworldproblems). Aber dann muss ich mir eben einen *supergünstigen* Induktionskochtopf kaufen und Nudeln essen.

Was mich noch ziemlich schockiert hat, ist das WLAN-Netzwerk im Wohnheim (hier eine technische Abhandlung über die Funktionsweise, vielleicht versteht sie im Gegensatz zu mir jemand von euch?) . Es funktioniert nur, wenn man im Browser Pop-Ups und Drittanbieter-Cookies aktiviert und trennt sich bei Nicht-Aktivität  (*super* für Downloads/Uploads) von selbst. Außerdem ist es nicht mit Mobilgeräten zu benutzen! Glücklicherweise gibt es hier auch eduroam, dass ich (zwar mit einigem Herumbasteln an den Netzwerkeinstellungen, aber immerhin zuverlässig auf allen Geräten) mit meinem Uni-Wien-Account nutzen kann. Meine Bloggerei (und mein allgemeiner Gemütszustand) ist gerettet!

In der Stadt bin ich nur ein bisschen spazieren gegangen, beizeiten nehme ich mal meine Kamera mit und schieße ein paar Fotos davon. Und die Uni beginne ich erst morgen (um acht Uhr morgens, wie furchtbar), mehr dazu also irgendwann später. Allerdings war ich vor zwei Jahren schon mal kurz in Nancy, genaueres dazu ist hier nachzulesen.

Hier folgen derweil meine Lieblingslinks der Woche: Zuckersüß 273 – Neues aus Nancy! weiterlesen

Eine Reise nach Paris

Mein Sommer bestand gefühlt nur aus Reisen (ganz schlimmes #firstworldproblem, ich weiß)! Im August war ich zum ersten Mal in meinem Leben in Paris und habe, ähnlich wie in New York, sämtliche touristischen Hotspots abgeklappert. Alles, was mir dazu jetzt noch einfällt und außerdem nützlich oder auch nur interessant für euch sein könnte, habe ich hier für euch aufgeschrieben:

Eiffelturm

Bekanntestes Symbol der Stadt ist unbestreitbar der Eiffelturm, der bei Dunkelheit zu jeder vollen Stunde zu „glitzern“ beginnt. Für einen Ausblick von oben waren mir die Warteschlangen zu lang, aber ein Blick auf den Eiffelturm ist eh viel schöner.

Das Foto habe ich vom Arc de Triomphe aus geschossen, der auch spätabends noch geöffnet ist. Nach obligatorischen (aber nicht allzu langen) Warteschlangen und Sicherheitskontrollen muss man sehr viele Stufen in einem engen Treppenhaus bestreiten, bis man sich des tollen Blicks über die Pariser Innenstadt erfreuen kann.

Treppenhaus Arc de Triomphe

Die Stadt der Liebe hat ihr Wahrzeichen außerdem so erfolgreich geframed, dass Hochzeitsfotos davor trotz dichtem Innenstadtverkehr erstrebenswert sind, wie dieses Paar beweist:

Hochzeitsfotos

Ebenfalls ein superbeliebtes Fotomotiv: Die Mona Lisa im Louvre.

mona lisa

Wegen Ines Häuflers Blogbeitrag zu Technik in Museen habe ich mir in der Sicherheitskontrollen-Warteschlange des Louvre erst einmal die Museums-App heruntergeladen. Anschließend musste ich mir größte Mühe geben, damit nicht so überfordert zu sein wie ich das von Live-Twittern bei Konferenzen bin. Vorsichtshalber (ich weiß ja, dass ich vergesslich bin) habe ich meine Erlebnisse im Louvre trotzdem in einen Tweet-Thread gepackt:

https://twitter.com/jasowies_o/status/901729850809094144

Die App ließ mich zu Beginn ein „Profil“ mit meinen Interessen, geplanter Aufenhaltszeit, etc anlegen und schlug mir eine geeignete Route durchs Museum vor. So landete ich in der super interessanten (und ruhigen) Ausstellung zu islamischer Kunst, in der ich mich fast zwei Stunden umschaute. Die technische Umsetzung – beleuchtete, animierte Landkarten und Erklärvideos zu einzelnen Ausstellungsstücken – ist sehr gelungen. Besonders cool fand ich die Gedichte, die in Originalsprache, Französisch und Englisch an Säulen geschrieben standen und gleichzeitig aus diesen vorgetragen wurden.

Leider war mein Anspruch durch diese Ausstellung viel zu hoch, als ich der App Richtung Mona Lisa folgte. Diese Navigationsfunktion war neben der Orientierung zu Beginn das für mich einzig nützliche an der App, Audioguides waren nämlich nicht gratis (und ich war zu faul, mich im Funkloch im Untergeschoss des Museums mit Bezahlungsmodalitäten herumzuschlagen) und Zusatzinfos auch keine darin.

louvre

Enttäuscht war ich dann aber vor allem von allen anderen Ausstellungen, die ich durchquerte. An ernsthaftes Anschauen war wegen der Menschenmassen und der Bahnhofshallen-Atmosphäre nicht zu denken. Nachdem ich als EU-Bürgerin unter 27 aber keinen Eintritt bezahlt habe, hatte ich zumindest keinen finanziellen Verlust. Außerdem hatte ich beim ersten Teil meines Besuchs meine Freude und ein bisschen Technik-Testen habe ich auch betrieben. Ich fühlte mich fast wie beim Techniktagebuch!

Sainte Chapelle

Eindeutig die schönste Kirche meines Besuchs (zumindest von innen): Die Sainte Chapelle mit ihren beeindruckenden bunten Glasfenstern. Ich glaube für Menschen, die nicht EU-Bürger_in und/oder über 27 sind, kostet sie jedoch mehr als 10€ Eintritt. Und ob eine Kirche mit ca. fünf Hinweistafeln das wert ist, muss jede_r selbst entscheiden (ich glaube würde mich eher woanders umschauen).

Nicht weit entfernt und ungleich überlaufener: Notre Dame hinter herbstlichen Kastanien.

Metro Concorde

Das U-Bahn-System in Paris ist ganz anders als das in Wien. Dafür, dass die nächste Station nirgends weiter als 500 m entfernt ist, sind die Fußwege unter der Erde auch ziemlich lang. Vorher nie gesehen habe ich Rolltreppen, die so weit abflachen, dass sie einfach zu Laufbändern werden. Einige Stationen sind ziemlich schön gestaltet (kein Vergleich zu dem Grind in der NY Metro, um auf meine vorherige Städtereise zu verweisen), z. B. die Concorde mit Scrabble-artigen Fliesen.

Place de la Concorde

Überirdisch ist auf dem Place de la Concorde ein Obelisk und der Anfang der Champs Elysees zu sehen, genauso wie ein Eingang zum Jardin des Tuileries. Der Obelisk ist das älteste Bauwerk der Stadt, zumindest wenn man vom ursprünglichen Fertigungszeitpunkt (13. Jahrhundert vor Christus!) ausgeht und nicht von der Aufstellung am heutigen Standort im 19. Jahrhundert. Ägypten bedankte sich damals für die Entzifferung der ersten Hieroglyphen durch den Franzosen Jean-François Champollion (thx, Wikipedia).

Überall in Paris entdeckte ich außerdem Mosaike von Space Invader. Dessen Werke habe ich auch schon in Wien und Rabat (Foto folgt im nächsten Reisebericht) gesehen und finde sie allesamt ziemlich cool.

Weniger cool, weil völlig überladen und überfüllt, fand ich das Schloss Versailles. Die Anfahrt mit dem RER war gar nicht so unkonfortabel, aber die Warteschlange vor dem Eingang zum Schloss war unsäglich lang. Auf der ganzen Länge des Hofes zwischen Tor und Eingangstüre schlängelten sich Menschen dreimal auf und ab – bestimmt 200 m lang! Und genau an dem Tag hatte ich mich überreden lassen, meinen Hut nicht mitzunehmen („sonst gibts ja nur Fotos mit Hut von dir, das ist ja doof“)…

Kinderzimmer Versailles

Irgendwann waren wir dann glücklicherweise doch drin, aber ähnlich wie im Louvre waren viel zu viele Leute da und es nicht so richtig interessant. Lediglich die 3D-Animation zum Grundriss von Versailles und die superkitschigen Kinderzimmer blieben mir im Gedächtnis.

Bevor ihr jetzt glaubt, dass ich nur über Paris meckere (wirklich nicht, die Stadt ist wunderschön!), lest den folgenden Absatz zum Essen dort. Sobald man sich nur ein bisschen Gedanken über seine Restaurantwahl macht (aka googelt / einschlägige Apps benutzt), statt ins nächstbeste Lokal zu gehen, findet man unglaubliche Schätze.

Zum Beispiel das Le Réciproque: Ein super süßes, clean eingerichtetes Restaurant mit halboffener Küche und täglich wechselndem Menü. Für mich gabs eine spezielle vegetarische Variante, mit einigen Komponenten (z. B. Scamorza, Tomatenparfait und Seegras, das nicht „spinatig“, sondern eher wie Aloe), die ich (so) noch nie vorher gekostet hatte. Besonders sympathisch war auch die „Rauswerfer-Süßigkeit“ zur Rechnung: hausgemachte Aprikosenmarshmallows. Über den Preis des Ganzen kann man sich auch nicht beschweren, ohne Getränke kostete das Abendmenü dort nur 35€!

Eine Freundin von mir, die in Paris aufgewachsen ist, nahm mich eines Abends noch in ein japanisches Restaurant mit. Von der Atmosphäre ist das AKI kaum mit meiner vorherigen Empfehlung vergleichbar, denn die Gäst_innen wechseln ständig, es ist laut, dampfig und hektisch. Dafür gibt es dort authentische (wurde mir gesagt – ich kann mir nicht anmaßen, das zu beurteilen) japanische Küche, die sich nicht auf das Klischee von Sushi beschränkt. Mir hat meine Schüssel Udon jedenfalls sehr gut geschmeckt!

Das Eis auf dem Foto ist von Glaces Glazed, das ich mir durch diesen Blogpost von David Leibovitz schon Wochen vor meinem Besuch vermerkt habe. Das Extravagante Aktivkohle-Kokos-Eis sieht super cool aus und schmeckt auch noch lecker, genauso wie alle anderen Sorten, an die ich mich nach mittlerweile zwei Monaten leider nicht mehr erinnern kann.

seine

Mit etwas Glück dauert es nicht mehr allzu lange, bis ich noch einen Sommerreisebericht (Marokko!) geschrieben habe, bis dahin gibts leider nur einen Ausblick über die Seine und sonntägliche Lieblingslinksammlungen.

Eine Reise in die USA, Pt. 2: KY

Nach gut einer Woche in New York bin ich mit meiner Schwester weiter nach Cincinnati geflogen, um weitere 10 Tage in Kentucky zu verbringen.

Und entgegen allen Warnungen, wie langweilig es doch am platten Land sein würde, wurde es richtig interessant. Nicht nur, weil ich eine völlig andere Seite der USA zu sehen bekam, sondern auch weil es im „Bluegrass State“ einige coole Sehenswürdigkeiten und Museen gibt.

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Eine Reise nach Marokko

Dieser Post wurde ewig nicht fertig, aber weil ich bestimmt nicht mehr viel weiterschreiben würde, veröffentliche ihn jetzt mal. Er ist quasi ein fünfter Teil meiner Rundbriefe, die ich während meines Freiwilligenddienstes 2014/15 geschrieben habe und damit im Stil ein bisschen anders als gewöhnliche Blogposts: Wer die vorherigen Rundbriefe gelesen hat, wird sicher ein paar Bezüge darauf entdecken. Dazu passt übrigens auch die zweite Episode meines Podcasts, die ich mit einem Freund aufgezeichnet habe: LP002 In Rabat mit Mahdi El Idrissi und Episode 276 des Biertaucher Podcasts, in dem ich von meinem ersten 3id lkbir erzähle.

Tour Hassan
Eines der Wahrzeichen von Rabat: Der Tour Hassan

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Eine Reise nach Venedig

Kürzlich habe ich ein paar Tage in Venedig verbracht. Und weil ich viele schöne Fotos geschossen habe und mir außerdem ein paar Sachen merken will, die ihr, meine liebsten Leser_innen, vielleicht auch brauchen könnt, mach ich einfach einen Blogpost draus!

Um die klassischen Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und auch für den öffentlichen Nahverkehr (Vaporetto: Schiffe statt U-Bahnen!) lohnt es sich, schon vor der Reise Tickets zu kaufen. Im August ist die Stadt wirklich gestopft voller Tourist_innen und vor den entsprechenden Verkaufsstellen gibt es endlose Schlangen. Mit einem Citypass konnten wir die allerdings einfach passieren, um uns z.B. den Dogenpalast anzusehen.

Blick aus dem Dogenpalast

Darin gibt es allerlei prunkvolle Räume, Waffen und Rüstungen und schöne Gemälde. Durch die berühmte Seufzerbrücke kann man vor dort aus in das Gefängnis laufen. Das einzige was ich daran einigermaßen interessant fand, ist die Tatsache, dass es das erste Gebäude war, das einzig und allein dem Zweck diente, Sträflinge zu beherbergen (*Banausin*?)

Der Markusplatz mit dem Dom und dem Campanile gefiel mir nachts am besten, vor allem weil weniger los ist als tagsüber. Sehr sympathisch sind außerdem die Musiker_innen in den sündteuren Cafés, denen man von Weitem ebenso gut lauschen kann. Überhaupt lohnt sich ein Nachtspaziergang, um die beleuchteten Gebäude anzuschauen.

nacht

Das Glasmuseum auf Murano war ebenfalls in meinem Stadtticket enthalten. Der Palazzo, der die Ausstellung beherbergt, ist an sich schon wunderschön (auf dem Foto unten sieht man eine der reich geschmückten Decken) und hat zudem einen ruhigen Garten, den ich nach dem ganzen Trubel außerhalb gut gebrauchen konnte.

decke im glasmuseum

Gezeigt werden Glaskunstwerke aus mehreren Jahrhunderten, dazu Infotafeln und -filme zu verschiedenen Herstellungsmethoden, die sich im Laufe der Zeit natürlich stark verändert haben. Zusätzlich zu den normalen Ausstellungsräumen gibt es auch eine Sonderausstellung. Momentan ist das „Identidad desaparecida“ von Silvia Levenson, die sich in ihren gläsernen Skulpturen mit dem Militärputsch 1976 in Argentinien auseinandersetzt.

murano

Die Stimmung auf Murano ist allgemein ganz anders als auf der Hauptinsel (viel entspannter!) und es gibt viele süße Geschäfte, die Gläsernes verkaufen. Auf dem Campo Santo Stefano haben wir bei Busa alla Torre gegessen. Fast der ganze Platz ist mit Plastikstühlen und -tischen des kleinen Restaurants vollgestellt. Dieser eher billige Eindruck bestätigt sich beim Menü jedoch nicht. Die Preise sind zwar wie überall in der Stadt ziemlich happig, aber man bekommt für sein Geld sehr gute bodenständige Speisen.

busa alla torre - kraken

Ich habe dort kleine Kraken (wie heißen diese Tiere genau?) und Bigoli mit Zwiebeln und Sardellen gegessen, die mich wirklich begeistert haben! Auch die Profiteroles waren ziemlich lecker.

kaffeerösterei

In der Kaffeerösterei Torrefazione Cannaregio habe ich einen Espresso getrunken (für unschlagbare 90 Cent!), der mir Teetrinkerin erstaunlicherweise sogar schmeckte.

Eine weitere Empfehlung möchte ich für die Osteria Ae Sconte unweit der Rialtobrücke aussprechen, wo wir sehr gute Meeresfrüchte gegessen und dann ziemlich viel Limoncello getrunken haben.

vaporetto canale grande

Mit einem Vaporetto kann man nicht nur den Canale Grande entlang fahren und entspannt die schönen Palazzi und Brücken anschauen, sondern auch bis zum Lido kommen. Diese Insel fühlt sich eher an wie Strandurlaub in Jesolo, auf den breiten Straßen fahren wenige Autos (!), dafür viele Fahrräder. Es gibt viele Eisdielen, Restaurants und Bars, und das Beste: einen richtigen Sandstrand. Der war zwar recht überfüllt (wie es sich für einen italienischen Badetourismusort im Hochsommer gehört 😉 ), aber nach mehr als einem Jahr ohne Meer in meiner Nähe störte mich das ausnahmsweise nicht.

Wer viele Leute auf einem Haufen nicht mag, ist in Venedig, besonders zur Hauptreisezeit, eh sehr schlecht aufgehoben. Für einen Kurztrip lässt sich das Getümmel aber schon aushalten und vielleicht habt ihr ja auch das Glück, zum Ausgleich auf der Zugfahrt wie ich ein ganzes Abteil für euch zu haben.

Zum Schluss noch ein paar Schilder, die mir gefallen (diese Diebstahlwarnung ist doch wahnsinnig putzig, nicht?):

diebstahlwarnung

caffè

leere gasse