Archiv der Kategorie: Nancy

Drei Museen in Straßburg – Trois Musées à Strasbourg

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Im Rahmen eines Projektes hat das gesamte TD Médiations Culturelles der Uni Lorraine im März einen Ausflug nach Strasbourg gemacht, um dort drei Museen zu besichtigen und ihre Kommunikation und Vermittlung zu untersuchen. Unsere Ergebnisse sollten wir allerdings nicht in einem „langweiligen“ Aufsatz zusammenfassen, sondern möglichst kreativ. Meine Teampartnerin Billy und ich haben deshalb beschlossen, unseren Museumsvergleich in einen zweisprachigen Empfehlungs-Blogpost zu packen, damit unsere Ergebnisse nicht in einer Schublade verschwinden.

Es folgt ein gereihter Überblick (das erste Museum empfehlen wir unbedingt weiter, das letzte überhaupt nicht) der besuchten Museen. Die Hintergründe zu unserer Einschätzung und Fotos von unserem Besuch gibts weiter unten und/oder nach Klick auf den entsprechenden Link.

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Billy und ich im historischen Museum.

Übrigens gibts auf Instagram (@zuckerbaeckerei) in meinen „Highlights“ die spontanen Eindrücke des Museumsvergleichs!

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Zuckersüß 286

Die vergangene Woche war für mich das komplette Gegenteil der vorherigen: Ich war (fast) ausschließlich mit Seminararbeiten und Prüfungsvorbereitungen beschäftigt. Um mich nicht ständig von #rp18 auf Twitter ablenken zu lassen, verabredete ich mich zum Arbeiten in der Stadtbibliothek von Nancy (der Campus ist nicht mehr zugänglich, dazu unten mehr). Zum „Feierabend“ schaute ich dann doch hin und wieder in den re:publica Livestream rein, und sketchnotete sogar zweimal:

Nach meinen Prüfungen werde ich mich bestimmt noch ausführlicher mit den diesjährigen Talks beschäftigen, denn die re:publica gehört nach wie vor zu meinen liebsten Konferenzen.

Ansonsten gibt es Neuigkeiten vom Blocus, aber ziemlich unerfreuliche: Nachdem die Besetzung des Campus in der vorherigen (Ferien-!)Woche durch die Polizei aufgelöst wurde, veranstalteten einige der Besetzer_innen in dieser Woche erneut eine Generalversammlung im Campus-Innenhof. Also zumindest haben sie es versucht, denn der Präsident schickte gleich wieder die Polizei. Mit Helm und Schildern (Deeskalation geht anders) vertrieben sie die Aktivist_innen, die ab sofort wohl wirklich nicht mehr dorthin kommen können, vom Gelände. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden nämlich ins fast absurde gesteigert: Zutritt zum Campus bekommt nur, wer Studierendenausweis und einen Nachweis einer stattfindenden Prüfung hat. Es gibt genau zwei benutzbare Eingänge, und es ist „vorsichtshalber“ mit etwa 45 Minuten Wartezeit zu rechnen. Im Endeffekt stand ich für meine Prüfung heute (Montag) nur fünf Minuten an, aber die zwei Kontrolletappen (Ausweiskontrolle durch Uni-Mitarbeiter_innen, Taschenkontrolle durch Sicherheitsfirma) finde ich trotzdem unsagbar. Ein paar hundert Meter neben den einzigen offenen Campuseingängen steht vorsichtshalber auch noch die Polizei mit Mannschaftswägen bereit.

Mein Französisch-Professor fasste die aktuelle Situation der Uni Lorraine vor der Prüfung recht schön zusammen: Um den Unterricht und dessen Qualität schert sich keiner, Hauptsache die Prüfungen können (wenn auch unter Polizeischutz) stattfinden. Einige andere Professor_innen verlegten die Abgabe-Treffen für Papier-Seminararbeiten gleich in irgendwelche Cafés, nicht nur aus praktischen Gründen, sondern auch im Protest gegen die Präsenz der Sicherheitskräfte.

Und überhaupt, die Polizei hier kommt mir öfters recht unverhältnismäßig vor. Ich war am Freitag auf einer (zugegeben sehr großen, sehr club-mäßigen – Virgae legte auf) WG-Party, die gegen drei Uhr morgens aufgelöst wurde. Sechs (!) Polizeistreifen rückten an, um alle Gäst_innen hinauszueskortieren – nicht ohne den Leuten vor dem Hauseingang die Getränkebecher auszuleeren. Meines Wissens war das Ganze nichts anderes als Ruhestörung (ab einem gewissen Punkt sicher ein legitimer Grund, die Polizei zu schicken), niemand schlägerte oder zerstörte irgendwelche Sachen, weshalb mir dieser Einsatz reichlich übertrieben vorkam. Ob freitagabends sonst nix los ist in dieser Stadt?

Am Samstag fuhr ich gemeinsam mit einem Schwung anderer ERASMUS-Studierender nach Strasbourg. Dort liefen wir ein bisschen durch die Stadt und begegneten dann gleich in den ersten Minuten acht Maschinenpistolen-bewaffneten Soldat_innen. Ob man sich an diesen Dauer-Ausnahmezustand irgendwann gewöhnt?

Abgesehen davon war es in Strasbourg aber wirklich cool, denn es stand nicht (nur) Sightseeing auf dem Plan, sondern vor allem der ERASMUS Day 2018. Diese Veranstaltung fand im Lieu d’Europe statt und versammelte ERASMUS-Studierende aus Strasbourg, Nancy, Dijon, Bruxelles, Heidelberg (und wahrscheinlich noch mehr) zu einer Gartenparty. Die war superfancy organisiert: repräsentative Villa, Stehempfang mit Häppchen, Reden von *superwichtigen* Leuten und Live-Musik, alles davon kostenlos! Ich probierte mich durch das internationale Buffet – aserbaidschanischer Kichererbsen-Joghurt-Dip mit Fladenbrot, Sesamkuchen aus El Salvador, Kochbananen mit Sauce aus Kolumbien, Lakritz-Marshmallows aus den Niederlanden usw – und sprach mit sehr vielen jungen Leuten aus der ganzen Welt. Es freute mich sehr, wie einig wir (sowohl Europäer_innen als auch alle anderen) uns waren, dass die EU eine super Sache ist.

Zurück in Nancy musste ich mich leider gleich nochmal furchtbar ärgern, denn in meinem Wohnheim war das WLAN ausgefallen. Es gibt wirklich kaum etwas, das mich mehr nervt, als ein Berg Arbeit (noch mehr Seminararbeiten!) und ein geplantes Zuckersüß ohne Internetzugang. Ich twitterte also das CROUS an, ohne am Sonntag tatsächlich Antwort zu erwarten. Ich sprach mit dem Nachtwächter, der mir immerhin kurz vor Mitternacht einen Gruppenarbeitsraum am anderen Ende des Gebäudes aufsperrte, nachdem ich zufällig den einzigen scheinbar funktionierenden Router ausgemacht hatte. Montagmorgen ging ich natürlich gleich zum Büro, wo ich nur ein unzufriedenstellendes „Der Techniker ist informiert“ erhielt. Am frühen Nachmittag ging dann alles wieder, und ich hatte meine 24h ohne WLAN überstanden. Sicher kann man meine Aufregung darüber als lächerlich abtun, aber wenn mobiles Datenvolumen begrenzt ist und öffentliche Arbeitsplätze (looking at you, Unibibliothek hinter Polizeiautos) unzugänglich sind, ist fehlendes WLAN *daheim* wirklich ein Problem…

Ich hoffe, ihr habt weiterhin Internetzugriff, sonst könntet ihr euch leider nicht einmal durch meine liebsten Links der vergangenen Woche klicken:

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Zuckersüß 284

Mit der Absage aller Kurse am CLSH in Nancy stand am Montag fest, dass mein Erasmus-Semester praktisch vorbei war. Mitte Mai sind zwar noch Prüfungen (über den Stoff von Mitte Januar bis Mitte März), aber mich erwartet keine einzige Lehrveranstaltung mehr. Deshalb habe ich gleich am Dienstag die Chance auf ein bisschen Wissens-Input ergriffen und mich in einen Vortrag des RING-Theaterfestivals gesetzt: Intelligence artificielle, quel avenir pour les artistes et créateurs d’aujourd’hui ? (Künstliche Intelligenz, welche Zukunft für die Künstler_innen und Kreative von heute?). Leider war das Panel mit Wissenschaftler_innen und Künstlern (nur eine Frau und fünf Männer auf der Bühne) am Anfang ziemlich zäh und am Ende fehlte die Zeit für die spannenden Fragen. Ich habe erstmals auf französisch gesketchnotet:

Picknicken und im Park herumsitzen war in dieser Woche auch endlich so richtig möglich, wobei ich noch ein bisschen Jahreszeiten-antizyklisch blieb und das dritte Paar Socken für 2018 fertiggstrickte. Was mich sehr schockierte, waren die bis zu den Zähnen bewaffneten Soldaten, die zwischen den Parkbesucher_innen in der Pépinière patroullierten – Frankreichs Sicherheitsvorstellungen decken sich nicht unbedingt mit meinen…

Ansonsten habe ich noch Spargel gegessen, Pudding gekocht, und meinen Kühlschrank leerfrittiert. Das heißt ich habe sämtliches Gemüse (Brokkoli und eine ganze Sellerieknolle) blanchiert und dann in Parmesan und Grieß paniert. Dazu selbstgemachtes Ketchup (ungefähr wie der Salsa-Dip nur ohne Paprika) und schon hatte ich Abend- und Mittagessen und auch noch einen super Reisesnack.

Am Freitag machte ich mich nämlich auf eine ziemlich lange Zugreise: Von Nancy via Strasbourg nach Frankfurt, wo ich mit einer Freundin Kaffeetrinken war, bis nach Niederbayern. In den gut 11 Stunden las ich knappe 300 Seiten in Paul Austers 4-3-2-1, das mir immer mehr gefällt. Es ist ein bisschen anstrengend zu lesen, denn die Sätze sind manchmal schier endlos lang. Doch wie unterschiedlich sich die verschiedenen Leben des Ferguson entwickeln, wenn sich nur ein Detail ändert, ist sehr spannend. Und die vielen Geschichten (also erfundene Dialoge und Zeitungsartikel und was sonst noch nicht alles) innerhalb der Geschichten finde ich super.

Im Internet habe ich auch herumgesurft (und dank zu viel Instagram den Großteil meines Datenvolumens verprasst…) und das sind meine Favoriten daraus:

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Zuckersüß 283

Der Campus ist immer noch blockiert! Am Montag stimmten zwar mehr als 2000 Leute für die Wiederaufnahme der Kurse zum Mittwoch und nur etwas mehr als 1000 dagegen (der Großteil der 8000 Studierenden des Campus nahm nicht einmal an der Online-Abstimmung teil), doch die Besetzer_innen hatten diese Wahl von Anfang an boykottiert. So kam es dazu, dass der Präsident (nicht wie bisher die Campus-Verantwortliche) am Dienstag alle Kurse bis auf Weiteres absagte. Am selben Tag wurde auch ein Campus in Metz, der ebenfalls zur Université de Lorraine gehört, von Studierenden besetzt.

Manche Lehrende reagierten eher entnervt auf die Fortsetzung der Blockade, einige riefen per E-Mail dazu auf, sich doch daheim eingehend mit den Seminarthemen auseinanderzusetzen. Wieder andere scheinen der ganzen Angelegenheit gar nicht so feindlich gegenüber zu stehen. Einer meiner Professoren wies zum Beispiel auf das Theater-Festival RING hin, das in diesem Jahr den Schwerpunkt „Digitales“ hat und damit sehr gut zum Vorlesungsthema passen würde. Ein weiterer Lehrender an meiner Fakultät schrieb einen Blogpost (Et la démocratie s’évapore dans un clic !) über die gescheiterte Onlineabstimmung des Präsidenten. Langsam glaube ich tatsächlich, dass ich in diesem Semester keinen Kurs mehr an der Université de Lorraine besuchen werde, denn die Ferien sind nur noch eine Woche entfernt und danach ist die Prüfungsphase angesetzt.

Ich muss sagen, dass mich der Kursentfall zur Hälfte meines Erasmus-Semesters gar nicht so sehr stört, denn mir fällt immer eine Beschäftigungsmöglichkeit ein. Ich verfolge zum Beispiel die Social-Media-Accounts der verschiedenen Protest-Initiativen, lese so viel wie möglich über die landesweiten Demos und habe mir sogar Macrons TV-Interview aka Rede an die Nation angeschaut. Wäre mein Campus nicht blockiert worden, hätte ich mich wahrscheinlich niemals so intensiv mit der französischen Gesellschaft und aktuell debattierten Themen auseinandergesetzt, weil ich mit Uni-Aufgaben beschäftigt gewesen wäre.

Und außerdem gibt wirklich viel zu tun in Nancy: Wie das Titelbild zeigt, ist gerade „Volksfest“ mit sehr vielen Fahrgeschäften, bunten Lichtern und Churros. Dort herumzuspazieren und -fotografieren ist recht witzig. Am Montag war ich beim Club Cuisine des örtlichen Erasmus Student Networks und habe gemeinsam mit 15 anderen internationalen Studierenden ein türkisches Abendessen gekocht.

Am Dienstag und am Samstag lud ich mich bei einer Freundin im Wohnheim nebenan ein und wir kochten und backten mithilfe sämtlicher Küchenutensilien, die wir in unserem Freund_innenkreis zusammensammeln konnten für ziemlich viele Leute. Es gab Blätterteig-Käsestangerl, Pflaumen-Crumble, Erdbeer-Rhabarber-Crumble, Rhabarbersirup/Püree und Tiramisu (auf Basis der Rezepte für Mini-Erdbeer-Crumble und Lebkuchenhaus-Tiramisu):

Den Mittwoch verbrachte ich größtenteils mit Lesen (noch immer 4-3-2-1 von Paul Auster) in der Sonne  und holte mir so den ersten Sonnenbrand der Saison. Außerdem habe ich bei Amorino am Place Stanislas Eis gegessen. Ich habe zwar noch keinerlei Vergleich, aber das scheint eine der besten Eisdielen der Stadt zu sein!

Obwohl es keine Kurse gibt, gibt es dennoch Hausaufgaben, sodass ich den Donnerstag in der ziemlich leeren Bibliothek verbrachte. Für das Atelier d’écriture arbeitete ich mit meinem Team an unserer Abschlussarbeit, einem „Carnet de Voyage“ (Reisetagebuch). Darin sollten wir nicht nur eine Reisegeschichte festhalten, sondern auch möglichst viele verschiedene Dokumenttypen (Erzählung, Briefe, Tagebucheinträge, Karten…) vereinen. Es lief am Ende darauf hinaus, dass wir mit Buntstiften, Kleber, Washitape, Nadel und Faden ein kleines Heftchen zusammenbastelten – in der Unibibliothek. Ich hatte auf jeden Fall Spaß daran, finde es aber immer noch ein bisschen seltsam, dass das die Semesterarbeit eines Uniseminars ist…

Nachdem ich selbst schon einen Audiobeitrag über die Uni-Blockade gebastelt habe (läuft übrigens morgen um 14h im Radio Campus Wien), wurde ich ebenfalls am Donnerstag gemeinsam mit zwei weiteren Erasmus-Studentinnen für das Radio Campus Lorraine interviewt. Leider konnte ich mir das Abendmagazin, in dem die Sicht ausländischer Studierender auf die Uni-Proteste thematisiert wurde, nicht anhören. Der Grund dafür ist wirklich äußerst dämlich: Der Stream des Radio Campus Lorraine, das sein Studio selbst in einem CROUS-Wohnheim hat, ist im WLAN-Netzwerk meines (ebenfalls von CROUS betriebenen) Wohnheims blockiert.

Freitag Nachmittag war ich dann tatsächlich in der Manufacture beim RING-Festival, um Worldwidewestern anzusehen, ein Theaterstück mit nur einem Schauspieler und dem Web als wichtigste Requisite. Mithilfe von YouTube und Google Maps begibt sich der Protagonist in den Wilden Westen, überfällt die Société Générale auf Facebook, besucht in einem Saloon eine Sexarbeiterin, die dank der Sprachausgabe des Computers (einsilbig und seltsam intoniert) zum Leben erwacht, und spielt eine Runde Poker gegen sich selbst. Witzige Idee!

Jetzt aber noch meine liebsten Links der vergangenen sieben Tage: Zuckersüß 283 weiterlesen

Zuckersüß 282

Die Campus-Blockade ist bis jetzt noch nicht zu Ende. Statt in meine Kurse zu gehen, habe ich deshalb, wie letzten Sonntag schon angekündigt, in meiner ganzen freien Zeit einen Audio-Beitrag über die Proteste gebaut. Das war wohl meine aufwändigste derartige Produktion bisher, ich habe sogar zwei Freund_innen als Sprecher_innen engagiert, um die französischen Originaltöne gut auf Deutsch abbilden zu können. „La fac des Lettres est bloquée – Über die Besetzung des Uni-Campus in Nancy“ könnt ihr euch drüben bei Lieblings-Plätzchen anhören und ein paar Fotos vom besetzten Campus anschauen. Auf Facebook und Twitter gibt es das Teaser-Video (s.u.) zu sehen, das ich mit Headliner gebaut habe. Falls ihr auch untertitelte Audio-/Videoproduktionen bauen wollt, kann ich euch dieses Tool nur wärmstens empfehlen!

Heute (Montag) gibt es erstmals eine Online-Abstimmung statt einer Generalversammlung, in der entschieden werden soll, wie es mit dem Blocus weitergeht, bzw. ob der Prüfungskalender wegen der Proteste nach hinten verschoben werden soll. Obwohl in den Generalversammlungen die Blockade-Gegner_innen immer haushoch überstimmt wurden, könnte sich dies jetzt ändern, weil man einfach über das Internet abstimmen kann. Möglicherweise geht das Semester also ab Mittwoch wieder halbwegs normal weiter!

Die SNCF setzt ihren Streik weiterhin fort, weshalb mein Zug von Strasbourg, wo ich das Wochenende verbrachte, nach Nancy einfach gestrichen wurde. Ich nutzte am Sonntag deshalb erstmals Blablacar, das in Frankreich auch außerhalb von Streikperioden unglaublich beliebt zu sein scheint – es gibt sogar Parkplätze, die laut Beschilderung nur dafür genutzt werden dürfen. An dieser Mitfahrgelegenheit war nichts weiter bemerkenswert (Zugfahren ist mir trotzdem lieber), dafür an der Strecke: Die großen LED-Tafeln über der Autobahn, die normalerweise Staugefahr oder derartiges anzeigen, waren allesamt mit „GREVES! PENSEZ COVOITURAGE“ (Streiks, Denken Sie an Mitfahrgelegenheiten!) beschrieben. Schon irgendwie erstaunlich, wie routiniert sich hier alle an die vielen Streiks anzupassen scheinen!

Ansonsten war ich in der vergangenen Woche noch auf dem Jahrmarkt (ich weiß wirklich nicht, wie ich das nennen soll – ohne Bierzelt ist es ja kein richtiges Volksfest oder eine Dult?) und wurde genau zu dem Zeitpunkt, als ich die Stadt von einem hohen Kettenkarussel aus überblickt habe, von einem Regenschauer überrascht – das Wetter in der Lorraine… Glücklicherweise war am selben Abend Museumsnacht und ich verbrachte den Rest des Abends bei kostenlosem Eintritt im Aquarium von Nancy.

Mit meinem Buchclub geht es auch voran: Auf diese Empfehlung hin habe ich mir 4-3-2-1 von Paul Auster gekauft, weil die deutschsprachige/englischsprachige Fachbibliothek wegen der Campusbesetzung nicht zugänglich ist. Im Blablacar habe ich allerdings nicht lesen können, sondern nur einen weiteren Socken gestrickt. Apropos: Meine Handarbeitsbegeisterung scheint um sich zu greifen, ich habe in den vergangenen Tagen einer Kolumbianerin und einem Mexikaner das Häkeln beigebracht! Ich weiß jetzt, dass Luftmaschen cadenetas heißen und feste Maschen puntos bajos. Am Ende lern ich damit auch noch Spanisch!

Jetzt aber mal zum Hauptteil dieser Blogkategorie, meinen Lieblingslinks der Woche:

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Zuckersüß 281

Frohe Ostern! Ich hoffe, ihr verbringt einen frühlingshaften Tag mit gutem Essen! Ich bin etwas traurig, dass ich in diesem Jahr weder Ostereier gefärbt, noch Karottenscones, eine Rüblitarte oder Ähnliches gebacken habe…  Selbst in Marokko habe ich einen improvisierten Ostersonntagsbrunch auf die Füße gestellt, aber das ist mir hier in der Wohnheimsküche wirklich zu aufwändig und anstrengend.

Wobei, wenn ich eins im Überfluss hatte in dieser Woche, dann war es Zeit. Tag für Tag gab es nämlich eine neue E-Mail mit der Absage aller Kurse und die Besetzung des Campus Lettres et Sciences Humaines in Nancy geht noch bis mindestens Dienstag weiter. Die Generalversammlung der Protestierenden gegen den Plan Étudiant hat nämlich mit 607 zu 366 für eine Blockade der Unigebäude auf unbestimmte Zeit, oder zumindest bis zur nächsten Generalversammlung, gestimmt. Ich habe es mir deshalb zur Aufgabe gemacht, mich ins Thema einzulesen (französische Pressemitteilungen ftw…) und darüber einen Beitrag für das Uniradio Campus in Wien zu bauen.

Zwischendrin habe ich Socken fertig gestrickt, Postkarten gebastelt und mich ein bisschen im Nachtleben der Stadt, z.B. auf dem überaus lustigen Konzert von Omar Souleyman, rumgetrieben. Vor ihm spielten Taxi Kebab, ein Oriental-Psychodelic-Duo, ihren ersten Gig – schade, dass sie (noch?) nichts von ihrer Musik online haben…

Im Internet gelesen habe ich selbstverständlich auch (seit langem Mal wieder ALLE Artikel aus meinem Feedreader), hier folgen meine aktuellen Lieblinge:

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Zuckersüß 280

In dieser Woche hatte ich ziemlich wenig Uni. Es fielen krankeitsbedingt ein paar Stunden aus, die ich dann in der Bibliothek verbrachte, um mich durch die dortige Magazin-Auswahl zu lesen. Dabei hatte ich nicht nur erstmals die Print-Version des New Statesman, auf den ich hier so oft wegen Laurie Pennys Kolumnen verlinke, in der Hand, sondern auch die großartige Revue dessinée:

Am Donnerstag änderte sich der Grund für den Unterrichtsausfall: Der Campus wurde besetzt! Zeitgleich mit den Streiks der Eisenbahner_innen beschlossen einige Studierende, militanter gegen die geplanten Universitätsreformen zu protestieren. Schon seit meiner Ankunft hingen Transparente mit „Non au Plan Étudiant“ im Innenhof, kopierte Zettel mit Protest-Memes klebten an den Aushangswänden und flatterten durch die Hörsäle. Im Innenhof wurde am Donnerstagmorgen die Beerdigung der Fakultät vorbereitet und mit einer Demo durch die Innenstadt unterstrichen. Die Universitätsleitung sagte daraufhin alle Lehrveranstaltungen für Donnerstag und Freitag ab und auch heute (Montag) bleibt der Campus geschlossen. An anderen Unis (Toulouse, Montpellier, Paris) war Donnerstag ebenfalls Streiktag, teilweise geht die Besetzung aber schon seit einigen Wochen dahin und noch weiter. Mich erinnert die Aktion an Uni brennt von 2009/10, das mittlerweile sogar schon einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Hoffentlich ist der Kampf der Aktivist_innen gegen die zukünftigen Zugangsbeschränkungen erfolgreich!

Vor der Besetzung der Universität habe ich mir noch zwei Bücher aus der Bibliothek und eines aus dem Französischkurs-Fundus ausgeliehen. Erstmals seit sehr vielen Jahren hatte ich also mehrere fiktionale Papier(!)-Bücher auf dem Nachtkästchen, die ich tatsächlich las. Robert Seethalers Der Trafikant las ich innerhalb von drei Tagen, wobei ich es am liebsten gar nicht weglegen wollte. Die Tatsache, dass ich die Schauplätze der Geschichte im Kopf habe (Wien!) und nicht besonders viel über den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich weiß, machte den Roman sehr interessant für mich. Außerdem hatte ich große Freude, ein bisschen Dialekt zu lesen, wo er mich nun nicht mehr tagtäglich umgibt. George Orwells Animal Farm habe ich nach einem Gespräch mit einem italienischen Bekannten spontan als kurze Zwischenlektüre (knappe 100 Seiten) in meinem Mini-Buchclub (s. Qualityland von Marc-Uwe Kling im Zuckersüß 271 und Der Große Glander von Stevan Paul im Zuckersüß 275 und 276) hinzugefügt. Es enthält einige englische Wörter, die mir noch niemals begegnet waren (über Bauernhöfe lese ich recht selten, egal in welcher Sprache), was dazu führt, dass ich mein Englischvokabular zumindest passiv aufbessere. Das ist ein praktischer Nebeneffekt zur Tatsache, endlich den Originaltext eines Buches zu kennen, das so oft zitiert wird.

Nicht zur Buchclublektüre, weil auf französisch, gehört Terre des hommes von Antoine de Saint-Exupéry. Diesen Roman habe ich spontan aus der Bücherkiste meines ERASMUS-Französischkurses ausgeliehen. Der Name des Autors war mir durch den Kleinen Prinzen geläufig und ich dachte, die anderen wichtigen Werke der französischen Literatur (Proust, Baudelaire und andere klingende Namen) wären schwieriger zu lesen. Ich kann nicht sagen, in wie weit das stimmt, jedenfalls habe ich mit Terre des hommes schon genug zu kämpfen. Ich habe praktisch keine Probleme, mich auf französisch zu unterhalten, Uni-Vorlesungen zu folgen oder Filme anzusehen, aber Lesen ist eine sehr große Herausforderung und dauert soooo lange. Ich werde aber nicht aufgeben, ich will schon noch wissen, wie die Geschichte der französischen Post-Piloten Anfang des letzten Jahrhunderts ausgeht!

Abgesehen von verstärkt in Papier-Büchern lesen, habe ich mich halbwegs spontan (nach dem Lesen dieser Seite) entschieden, meinen Smartphone-Startscreen Digital-Detox-mäßig aufzuräumen. Darauf finden sich jetzt nur mehr Messenger-Apps, „Werkzeuge“ (Notizen, Wörterbuch, Maps, Kamera…) und mein Podcatcher. Instagram, Twitter und Feedly (Facebook habe ich ohnehin schon lange deinstalliert) wanderten auf die zweite Seite. Ich glaube zwar, dass ich in den letzten Tagen weniger oft Twitter oder Insta-Stories gecheckt habe, kann aber bisher keinen Effekt auf meinen Gemütszustand feststellen. Mal sehen, wie das weitergeht.

Jetzt folgen einige tolle Links, die es trotz eingeschränktem Twitterkonsum in meine wöchentliche Empfehlungsliste geschafft haben:

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Eine Reise nach Liège

Letztes Wochenende war ich „mal schnell“ in Belgien. Es fasziniert mich nach wie vor, einen anderen Ausgangspunkt meiner Reisen zu haben – so wie ich von Rabat aus einen Ausflug nach Fes oder Marrakech machen konnte, kann ich es von Nancy jetzt nach Paris oder eben Liège machen.

Ich war allerdings nicht alleine unterwegs, sondern mit einem ganzen Bus anderer Erasmus-Studierender. Das Wochenende hatte das Erasmus Student Network Nancy organisiert und auch einige Sponsoren gefunden, sodass es fast unschlagbar günstig wurde.

Wir starteten um halb sieben Uhr morgens in Nancy und kamen am späten Vormittag in Liège an. Das erste was wir dabei sahen, waren viele Baustellen und gleich dahinter, ein enorm großes, sehr futuristisches Bahnhofsgebäude. Wobei es Gebäude nicht so ganz trifft, denn es gibt irgendwie keine wirkliche Grenze zwischen Innen und Außen. Ohne Wikipedia wäre ich nicht darauf gekommen, aber hinter dem Bahnhof von Liège steckt der gleiche Architekt wie hinter dem „Oculus“ am World Trade Center in New York (s. Reise in die USA Pt. 1 NY). Außerdem diente er offenbar als Kulissenvorbild für Guardians of the Galaxy.

Bahnhof Liège
Ein überproportionierter Bahnhof für so eine „kleine“ Stadt?

Die Stadt scheint sich den Fotoqualitäten seines Bahnhofs bewusst zu sein, sonst hätte sie wohl nicht ganz demonstrativ einen Namensschriftzug davorgestellt. Was man auf dem Titelbild dabei nicht erkennen kann, ist die Bodeninschrift, die dann sogar noch auf den städtischen Hashtag (!) #liegetogether hinweist.

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Zuckersüß 278

In dieser Woche war ich sogar zweimal im Kino und vergangenen Montag auch, ohne es hier zu erwähnen (schon wieder was vergessen!). Mit The Shape of Water und Call me by your name habe ich zwei Oscar-Filme gesehen, die ich beide ziemlich mochte. Sie haben teilweise recht witzige Parallelen, wie mir auffiel. Beide erzählen eine Liebesgeschichte (ok, nicht so außergewöhnlich), räumen Sprache einen besonderen Stellenwert ein und: zeigen mehrmals gekochte Eier! In ersterem verliebt sich eine Frau in ein Wasserwesen, in letzterem ein Jugendlicher in den Studienassistenten seines Vaters. The Shape of Water lebt von der Gebärdensprache der stummen Protagonistin, in Call me by your name gibts durchgehendes Code-Switching zwischen Englisch, Französisch und Italienisch, inklusive kurzem Abstecher ins Deutsche. Und die gekochten Eier – keine Ahnung, was man da hinein interpretieren könnte.
Auch die entsprechenden Soundtracks finde ich super, sie liefen bei mir die halbe Woche in Dauerschleife. Müsste ich mich zwischen diesen beiden für einen Favoriten entscheiden, wäre es trotz allem Call me by your name. Die Geschichte ist einfach so schöööööön, außerdem gibt es keinen Bösewicht und nicht eine homophobe Reaktion – zur Abwechslung mal ein Film der trotz mangelndem Happy End ein gutes Gefühl hinterlässt.

Jusqu’à la garde, der am Donnerstag im Rahmen einer der vielen Frauenkampftags-Veranstaltungen in Nancy gezeigt wurde, ist dagegen alles andere als ein Wohlfühlfilm. Er thematisiert sehr drastisch häusliche Gewalt und die Auswirkungen auf die Betroffenen. Im Anschluss an die Vorstellung organisierte die NGO Osez le feminisme eine Diskussionsrunde, die den Film mit den Erlebnissen Anwesender und möglicher Handlungsstrategien verwob. Ich hoffe wirklich sehr, diese niemals in meinem Umfeld nötig werden…

Den ganzen Donnerstag verbrachte wegen eines Uni-Ausflugs (Klassenfahrtsfeeling!) in Strasbourg, wo ich in drei Museen war. Einen Großteil meiner Eindrücke habe ich in meiner Insta-Story festgehalten (also zumindest bis mir der Akku ausging), maßgeblich inspiriert (aber viel weniger lustig) von Ines Häuflers Museums-Social-Media-Aktivitäten. Sie tinderte sich am Mittwoch durchs KHM:

Vermutlich schreibe ich darüber auch noch einen eigenen Post, aber so viel schon mal vorher: Geht UNBEDINGT ins Musée historique, falls ihr in Strasbourg seid – es ist eines der spannendsten Museen, in dem ich jemals war. Es ist durchgehend dreisprachig (Französisch, Deutsch, Englisch), super interaktiv und hat einen tollen, hörspiel-haften Audioguide, der nicht einmal zusätzlich kostet!

Und dieses Wochenende war ich dann nochmal unterwegs, auf der ersten „organisierten“ Busreise meines Lebens (einmal abgesehen von Schulausflügen). Was ich in Liège alles gesehen habe, erzähle ich ein andermal, hier folgen erstmal meine liebsten Links der Woche:

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Neues aus Nancy 3 – Ein Fotospaziergang

Mittlerweile bin ich drei oder viermal mit Kamera in der Stadt spazieren gegangen. Die Wetter- und Lichtverhältnisse waren dabei höchst unterschiedlich (alles zwischen Nebel, Frost und frühlingshaften Sonnenschein) und meine Retuschier-Skills sind leider nicht die Besten, was das betrifft. Ich glaube, ich kann euch aber trotzdem einen guten Eindruck von Nancy vermitteln:

Auf dem Titelbild ist DAS Wahrzeichen Nancys zu sehen, der Place Stanislas. Der ist nach einem Herzog von Lothringen, der gleichzeitig polnischer König war, benannt und mit seinen klassizistischen Gebäuden und den Vergoldungen doch recht beeindruckend.

Torbogen
Die Wege hin zum Place Stanislas sind sehr prächtig
Statue
An Kitsch wurde am Rande der Allee nicht gespart

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