Schoko-Himbeer-Torte und NEUN Jahre Zuckerbäckerei

Am Montag war mein 23. Geburtstag und heute vor neun (!) Jahren habe ich den ersten Post in der Zuckerbäckerei veröffentlicht. Grund genug, eine richtig aufwändige Torte zu backen.

Schoko-Himbeer-Torte

Wie ihr euch vorstellen könnt, orientierte ich mich einmal wieder an einem von Bravetarts Rezepten (bald sieht es aus als würde die Zuckerbäckerei ein Julie&Julia-Style-Blog, nur mit Stella Parks und mir?), nämlich dem „Chocolate Cherry Layer Cake“. Das besondere daran ist vor allem das Frosting, das aus pulverisierten gefriergetrockneten Kirschen und Sahne besteht.

Schoko-Himbeer-Torte

Gefriergetrocknete Kirschen aufzutreiben erwies sich dann allerdings als nicht so einfach, aber ich freute mich über jede Fruchtsorte. Im bestsortierten Supermarkt der Gegend fand ich schließlich gefriertgetrocknete Himbeeren, zu einem Kilopreis von *unschlagbaren* 105,60 Euro. Gut, dass ich nur 50 g brauchte.

Schoko-Himbeer-Torte

Aber auch der Kuchen selbst ist besonders. Er enthält fast so viel Kakaopulver wie Mehl und wird dadurch sehr schwarz. Mir wurde sogar unterstellt, dass ich die Böden hoffnungslos verbrannt hätte!

Schoko-Himbeer-Torte

Leider hatte ich keine zwei 8-inch-Alukuchenformen (ca. 20 cm Durchmesser) zur Hand, dafür aber gleich drei mit 26 cm Durchmesser. Deshalb beschloss ich, den Teig zu verdoppeln und einfach drei größere Böden daraus zu backen. Den zusätzlichen Zwischenraum würde ich einfach mit Himbeermarmelade aus dem WG-Vorrat (so viele Mamas/Omas/Tanten, die Obst einkochen!) füllen.

Schoko-Himbeer-Torte

Übrige Deko-Himbeeren hatte ich auch keine, sodass ich die Torte einfach mit Kakao bestäubte, um meine mangelnden Torten-Einstreich-Fähigkeiten zu kaschieren. Dank vier Wollfäden gabs auch noch ein Muster und fertig war der *superfancy* Geburtstagskuchen.

Fehlte nur noch das einstündige (weil Assistenz- und Stativlose) Fotoshooting am Schreibtisch.

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Zuckersüß 309

In dieser Woche war ich einmal wieder sehr froh, in Wien zu wohnen. So viele spannende Menschen zu treffen und so viele tolle Veranstaltungen besuchen zu können ginge auf dem Land bestimmt nicht.

Am Montag war ich für die Podiumsdiskussion „Unerhört? Frauenbewegungen in der arabischen Welt“ des VIDC in der Hauptbücherei. Das Thema gehört schon zu einem Bereich, in dem ich ein bisschen belesen bin (s. a. mein Rundbrief zu Frauen(rechten) in Marokko), aber lange habe ich nicht mehr so viele neue Erkenntnisse aus einem Panel mitgenommen.

Sketchnote zur Podiumsdiskussion in der Wiener Hauptbücherei

Nacheinander stellten die tunesische Journalistin Safa Belghith, die ägyptische Professorin Oumaima Abou-Bakr und die palästinensische Professorin Lena Meari die Situation verschiedener Frauenbewegungen und feministischer Aktionen in ihren Heimatländern vor. Spannend fand ich besonders, dass palästinensische grassroots-Zusammenschlüsse für Frauenrechte durch die „NGO-isierung“ in den 1990ern von „professionellen“ Akteur_innen verdrängt wurden, die oftmals den Kontakt zur breiten Masse verloren – wie Lena Meari erklärte. In Ägypten stünden „sekuläre“ Zusammenschlüsse schnell unter Verdacht, nicht neutral, sondern westlich-kolonisierend zu sein, in Tunesien dagegen überwiegt die Angst vor islamistischen Bestrebungen. Einig waren sich alle, dass Frauen in der arabisch-islamischen Welt sicher keine westlichen Retter_innen brauchen können, die Kontexte nicht berücksichtigen, sondern vor allem Solidarität – besonders in Europa. (Dazu schon einmal ein Hinweis auf meine Podcastfolge Nr. 11, die im November online gehen wird).

Workshop-Vorschlag Sketchnotes

Diese Live-Sketchnotes waren übrigens nicht die einzigen, die ich in dieser Woche gekritzelt habe. Für das Mediencamp habe ich einen Workshop-Vorschlag eingereicht, vielleicht werde ich ja am ersten Dezember versuchen können, meine Begeisterung für Sketchnotes weiterzugeben! Falls ihr auch hingehen wollt: Es gibt eine Blogparade, die einer_m Tickets bescheren kann!

Am Mittwoch wollte ich mir Waldheims Walzer anschauen, um ein bisschen mehr Ahnung von österreichischer Zeitgeschichte zu bekommen. Der Andrang im Votivkino war leider so groß, dass ich keine Tickets mehr bekam und letztlich in der Folgevorführung zwei Stunden später landete. An einigen Stellen im Film wusste ich echt nicht mehr weiter – Waldheims Wahlkampf und generelles Auftreten war dermaßen antisemitisch, und das hinderte ihn trotzdem nicht daran, volle vier Jahre im Amt zu bleiben! Sehr verstörend.

Und schließlich besuchte ich auch noch die Wiener Verkehrsleitzentrale – die erste Exkursion in meinen zweieinhalb Jahren Studium in Wien. Gemeinsam mit meinen Kolleg_innen im Technologie-und-Gesellschaft-Seminar erfuhr ich, dass in Wien etwa 1300 Ampeln stehen, die Öffis dem Individualverkehr bevorzugen (yay!) und dass 120 Kameras der Stadt Wien die Hauptverkehrswege überwachen, aber nichts aufzeichnen dürfen. Die Stadt ist für gewöhnlich so voll, dass jede Behinderung  auf dem Ring das ganze System ins Stocken bringt, oder wie der Guide uns erklärte „Es gibt viel zu viele Autos für zu wenig Straße“.

Weil das Rückgabedatum der Bücherei drohte, las ich *noch schnell* Laurie Pennys Bitch Doktrin fertig. Leider begeisterte mich dieses Buch nicht so sehr wie alle ihre anderen Texte (hier z.B. habe ich über Unspeakable Things geschrieben). Das mag  vielleicht der deutschen Übersetzung geschuldet sein, in der viel Witz verloren geht und alles nur noch deprimierend wirkt. Dennoch finde ich es nach wie vor sehr spannend, wie Laurie Penny Geschlechterverhältnisse mit Technologie und Kapitalismuskritik verwebt.

Im Internet habe ich nicht so viel gelesen, aber ein paar Lieblingslinks sind schon zusammengekommen:

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Ricotta Lace Cookies

Dass ich ein Fan von Bravetart’s Rezepten bin, weiß wahrscheinlich eh schon jede_r. Weil ich kürzlich zwei kleinere Geschenke (u.a. als Dank fürs Headset-Ausleihen von informatom für den Podcast Sendegarten, in dem ich zu Gast war) brauchte, machte ich mich an ihre umschwärmten Ricotta Lace Cookies. Meine sehen zwar viel weniger lacy (wie Spitze) aus, als im Originalrezept, was vermutlich am Wassergehalt des österreichischen Ricotta liegt, aber sie sind auf jeden Fall wahnsinnig lecker.

Die Ricotta Lace Cookies schmecken praktisch wie Karamell in Keksform, was vor allem der gebräunten Butter zu verdanken ist. Es braucht nicht viele Zutaten, genauer gesagt sieben, Salz und Backtriebmittel eingeschlossen. Also los, backt euch diese super Kekse!

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Zuckersüß 308

In dieser Woche war ich wieder beim #kunstschatzi im KHM, denn einen Cocktail spätabends im Museum kann ich mir nicht entgehen lassen. Erst recht nicht, weil der Eintritt mit Jahreskarte nichts kostet, viele Freund_innen dort sind und die Führungen kostenlos. Supercoole Veranstaltungsreihe!

Außerdem habe ich den Spanischkurs angefangen, den ich im Frühjahr beim Fotowettbewerb der Uni Wien gewonnen habe. Mal sehen, wie viel ich dort lerne, ein ähnlicher Italienischkurs hatte mich ja leider letztes Jahr nicht viel weiter gebracht als Duolingo…

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Das Foto, das mir einen Platz im Spanischkurs des Instituto Cervantes verschafft hat

Am Donnerstag war ich zum ersten Mal bei einem Live-Podcast zu Gast. Das Team vom Sendegarten hatte mich nämlich freundlicherweise auf ihre Gartenbank eingeladen. Leider war der Abend voller technischer Probleme, die mich ein bisschen aus der Ruhe brachten. Mein Versuch, meine BA-Arbeit über die No Agent Idiom Hypothesis zu erklären, ging etwas schief. Die Zuckerbäckerei, meinen Podcast Lieblings-Plätzchen und Sketchnotes zu erklären viel mir da schon leichter. Glücklicherweise fiel mir auch noch spontan ein Blütenschatz ein – Anna Goldenbergs Buch „Versteckte Jahre“ auf dessen Präsentation ich vergangene Woche war. Wenn ihr wollt, könnt ihr in der 60. Folge „Cookiegarden“ hören, wie ich noch nie vom Weltmädchentag (auch am Donnerstag!) gehört habe und gefühlte 10000 Mal „tatsächlich“ sage 😉

Das vielleicht letzte Eis der Saison habe ich mir beim allerliebsten Eisgreißler gegönnt und der Herbst schlug sehr in den Aromen durch: Sturm (richtig pink!) und Zirbe sind sehr interessante Sorten.

Ansonsten habe ich noch Bravetart’s Ricotta Lace Cookies gebacken, die schmeckten wie Karamell in Keksform,  und in einer sehr langwierigen Aktion Germknödel mit Vanillesauce gekocht. Die Rezept-Posts dazu folgen in Kürze, bis dahin meine liebsten Links der Woche:

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Vegane Schokosplitter-Cookies

In meinem engeren Umfeld gibt es mittlerweile mehrere Menschen, die sich vegan ernähren, oder auf Milchprodukte oder Eier verzichten. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass veganes Gebäck nur selten an „normales“ herankommt. Eine so perfekte Zutat wie ein Ei, das gleichzeitig binden, emulgieren, Luft halten, bräunen und bestimmt noch viel mehr kann, lässt sich nur durch viele verschiedene Zutaten ersetzen. Bei Milchprodukten ist es ähnlich: Eine schöne Bräunung wird mit Margarine nichts.

Die meisten #health-Rezepte in die vegane häufig fallen, werden als dairy- grain- nut- sugar- whatever-free, aber man merkts gar nicht! beworben. Das nervt mich tödlich. Niemand braucht mir erzählen, dass rohe Dattelpaste mit Kakao auch nur irgendetwas mit einem klassischen Schokocookie zu tun hat. Gut mag das Ganze schon schmecken, aber wieso wird es dann nicht einfach innovativ benannt, statt ein Ideal nachzuahmen, dass sowieso unerreichbar ist?

Und die „nimm doch einfach eine zerdrückte Banane/eingeweichte Leinsamen/etc statt einem Ei“ Variante stellt mich auch nicht zufrieden. Meine Ansprüche an Gebäck (und auch Rezepte!) sind höher, als unüberlegte, unabgestimmte Ersatzzutaten.

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Nach fast neun Jahren (bald gibts Jubiläum!) foodbloggen kann ich ohne nachlesen Mürbteig, Biskuit, Pie-Teig, Eisgrundmasse und vieles mehr aus dem Stegreif zubereiten. Und weil 2018 ist, hätte ich in der Liste auch gerne ein veganes go-to-Rezept. Cookies erschienen mir da als gute Wahl und mangels Erfahrungswerten stürzte ich mich auf das erstbeste Rezept, dass meine Internetrecherche ausspuckte.

Diese Schokosplitter-Cookies hier habe ich dreimal hintereinander gebacken, denn so recht zufriedenstellend finde ich das Rezept nicht, obwohl es bei Betty Crocker „carefully tested“ genannt wird. Beim ersten Versuch, bei dem ich das Kokosöl bei Raumtemperatur verwendete, flockte das Eiweiß in der Mandelmilch aus. Im Endeffekt war das nicht weiter schlimm, denn die gebackenen Cookies fand ich trotzdem gut. Aber eine Stella Parks – also jemanden der Rezepte und Zutaten fast wissenschaftlich analysiert – für vegane Rezepte würde mir weiterhelfen. Bin ich auf so eine Quelle nur noch nicht gestoßen?

Beim zweiten Mal schmolz ich das Kokosöl (wie im Originalrezept angegeben), wodurch aber die Kekse beim Backen auseinanderliefen und sehr hart wurden. Ich habe die zwei Bleche testweise unterschiedlich lange gebacken, und musste feststellen, dass ich meiner Intuition bei veganen Rezepten nicht mehr trauen kann: Die Cookies, die einen schönen goldbraunen Farbton hatten, waren nach dem Abkühlen so hart, dass ich sie vor dem Essen in meinen Tee tunken musste. Aber ohne Milchbestandteile oder Eier gibts halt wenig, das für die schöne Farbe sorgen kann. Veganes Gebäck werde ich in Zukunft immer schon dann aus dem Ofen nehmen, wenn es noch nicht einmal fertig aussieht.

Den dritten Versuch würde ich als geglückt bezeichnen, obwohl ich diese Tatsache zwei Variablen verdanken könnte. Einerseits habe ich Sojamilch statt Mandelmilch verwendet, weil ich dieser emulgierende Fähigkeiten unterstelle. Auch diesmal flockte das Eiweiß aus, aber daran störte ich mich nicht länger. Andererseits war das Kokosöl ziemlich fest, denn die Raumtemperatur war dank noch-nicht-eingeschalteter Heizung weitaus kälter als beim ersten Versuch. In diesem Zustand ließ sich das Kokosöl, wie Butter in klassischen Cookies, gemeinsam mit weißem und braunem Zucker richtig gut aufschlagen und wurde schön fluffig.

Die fertigen Cookies können es durchaus mit nicht veganen aufnehmen. Das Kokosöl schmeckt man zwar stark heraus, bei Butter ist das aber auch nicht anders. Außerdem braucht es keine superfancy Zutaten (Kokosöl und Nicht-Milch sollte mittlerweile in jedem Supermarkt zu haben sein).

Und falls ihr jetzt trotzdem nicht-vegane Cookies backen wollt, kann ich Bravetart’s Chocolate Chip Cookies, Gewürzcookies mit Chilli und Vanilla Cookies mit Haferflocken empfehlen, ansonsten folgt einfach dem Rezept unten.

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Zuckersüß 307

In den Oktober startete ich mit einem ganzen Tag zuhören und sketchnoten auf der ziemlich interessanten Digitalkonferenz. Am nächsten Nachmittag begann mein mittlerweile siebtes (und voraussichtlich letztes) Sprachwissenschaftssemester mit einer Prüfung. Jetzt geht das mit der BA-Arbeit wieder los, vielleicht wird das Zuckersüß also wieder mehr zum „Lerntagebuch“!

Anna Goldenberg stellte am Dienstag in der Wiener Hauptbücherei, moderiert von Florian Klenk, ihr erstes Buch „Versteckte Jahre“ vor. Ich hatte es schon vorher auf meine Leseliste gesetzt, aber nach der Lesung ist es ganz nach oben gerutscht. Die Geschichten darin sind sehr schrecklich und deprimierend: Sie erzählt von ihren jüdischen Großeltern, vor allem ihrem Großvater, und wie sie die Naziherrschaft und den Holocaust überlebten. Helga Feldner, die Großmutter der Autorin, erzählte zum Schluss noch selbst vom KZ Theresienstadt und wie sehr sie die Rassentrennung der USA der 50er, aber auch die Stimmungsmache gegen Ausländer_innen im heutigen Österreich, schockiert(e). Leider war der Verkaufsstand nach gefühlten fünf Minuten leergekauft, sodass ich noch immer kein Exemplar habe, aber bald ist ja mein Geburtstag (*hint, hint*)?

Gebacken habe ich in dieser Woche auch, nämlich schon wieder vegane Cookies, deren Rezept ich mittlerweile überzeugend genug finde, um es bald zu veröffentlichen, und einen Apfelmus-Kuchen von smitten kitchen.

Am Wochenende verschlug es mich nochmal in die Berge, was in einer tollen Wanderung mit noch tollerem Ausblick (das Titelbild!) und Zimtschnecken aus dem Holzofen endete. Und dank langem Zugfahren gibts auch genug Material für eine (verspätete) Lieblingslink-Sammlung:

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Digitalkonferenz

Auf die Digitalkonferenz wurde ich zufällig über das Facebook-Event aufmerksam. Sehr viele meiner Freund_innen (und noch viel mehr Menschen allgemein) gaben an, interessiert zu sein, was bestimmt mit der Vortragenden-Liste – Ingrid Brodnig, Richard Gutjahr, Max Schrems, Stefanie Sargnagel, Fritz Jergisch und Hanna Herbst – zu tun hatte. Und mit dem Preis: 0€ für sechs Stunden Programm inklusive Mittagssnack!

Die Plätze waren trotz des ziemlich komplizierten Anmeldeweges über E-Mails und das VHS-System (immerhin offizielle 5,98 Unterrichtseinheiten bei der Volkshochschule!) sehr schnell ausgebucht. Leider tauchten heute morgen (gut, Montag, 9 Uhr ist nicht die attraktivste Zeit) recht wenige auf, der Saal blieb anfangs halb leer. Das fand ich furchtbar schade, denn es hätte bestimmt genug Menschen gegeben, die gerne zugehört wurden, aber mit einem „leider ausgebucht“ vertröstet wurden.

Außerdem fand ich das Vormittagsprogramm sehr interessant (sogar interessanter als den Nachmittag, obwohl es da verstärkt um Feminismus ging, aber dazu später mehr).

Ingrid Brodnig, Luca Hammer, Josef Holnburger: Digitalreport 2018

Ingrid Brodnig, die Organisatorin der Konferenz, stellte zuerst den diesjährigen Digitalreport vor, der YouTube in Österreich zum Thema hat (letzes Jahr ging es um Facebook). Sie berichtete unter anderem von der großen österreichischen Landwirtschaftsbubble, die ein Video von einem Agrar-Gefährt (fragt mich nicht, was das war – Landwirtschaftsmaschinen sind nicht gerade mein Fachgebiet) zu mehreren Millionen Views bringt.

Außerdem stellte sie Ergebnisse zur Präsenz von politischen Organisationen vor: Die meistgeklickten Videos sind von der FPÖ oder der zumindest nahe und immer gelangt man zu rechten Positionen, niemals zu linken:

Natürlich bot sich die Veranstaltung super an, endlich mehr Übung im am-iPad-sketchnoten zu gewinnen, sodass ich von Anfang an mitkritzelte. Und feststellen musste, dass „Landwirtschaftscommunity“ noch keinen Eintrag in meinem visuellen Vokabular hat (hello Unimog-Hochhaus-Funktionsloser-Traktor).

Sketchnote Ingrid Brodnig
Sketchnote zum ersten Talk: Ingrid Brodnig stellt den Digitalreport vor

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Zuckersüß 306

In dieser Woche bin ich mit dem Nachtzug nach Italien gefahren. Zwar nicht *so* spontan, wie das vielleicht klingt, aber bin ich immer wieder erstaunt, wie einfach und schnell man in Europa herumkommen kann. Wobei schnell auch relativ ist – der Nightjet brauchte etwas mehr als 14 Stunden von Hauptstadt zu Hauptstadt.

In Rom hatte ich knapp drei Stunden Aufenthalt, bevor es mit dem nächsten Zug weiterging. Ich hatte die Stadt noch nie vorher besucht und spazierte deshalb einfach ein bisschen herum.

Nach meinem Stadtrundgang fuhr ich weiter nach Campobasso, der Hauptstadt von Molise. Ihrem Ruf als nicht-existierende Stadt (das Bielefeld Italiens?) wird sie schon irgendwie gerecht, denn es gibt kaum Zugverbindungen dorthin. Eigentlich ist das Städtchen aber ganz schön, mit einer Burg und einer Kirche auf dem Berg, viel Graffiti und viel Pizza. Jedenfalls aß ich vier Tage lang täglich eine. Und außerdem Eis und Taralli und Burrata (<3).

Im Supermarkt stolperte ich nach 25 Regalmetern Pasta über cicoria tagliata, das neben Spinat, Mangold und Salat in der Auslage präsentiert wurde. Das Grünzeug sieht ein bisschen aus wie Löwenzahn und schmeckt auch ähnlich bitter. Die namentliche und geschmackliche Ähnlichkeit zu Chicorée kommt auch nicht von irgendwo, dank Wikipedia weiß ich jetzt um deren Verwandtheit und auch den deutschen Namen: Gemeine Wegwarte. Klingt weitaus weniger lecker, wenn ihr mich fragt.

Jedenfalls gab es die cicoria tagliata mit etwas Mangold, Knoblauch, Chili, Zwiebeln und Kapern zu Spaghetti. Am nächsten Tag mit etwas Sojasauce angebraten schmeckte das übrigens noch besser.

Eine Nachspeise brauchte es dann natürlich auch noch, am besten eine Proviant-taugliche für die Heimfahrt. Als absolutes Gegenprogramm zum gerade erst entdeckten Grünzeug entschied ich mich für altbekannte bayerische Hirschknöpf. Beim Teigkneten und -probieren fiel mir auf, wie anders italienische Butter (zumindest die, die ich gekauft hatte) schmeckt. Sie ist viel heller als handelsübliche in Österreich/Bayern und schmeckt ein bisschen nach saurer Milch – in etwa wie Hersheys Milk Chocolate, die ich letzten Sommer in Kentucky probiert habe. In Marokko hielt ich mich ja ausschließlich an Import-Butter, weil der Fettgehalt der handelsüblichen lokalen zu wünschen übrig ließ. Dieses Problem kam mit der italienischen Butter glücklicherweise nicht auf – die Hirschknöpf wurden wie erwartet richtig lecker.

Ich versuchte mich auch an ein bisschen Konversation auf Italienisch, was meistens kläglich scheiterte. Ich kann recht gut sagen, wer ich bin, woher ich komme und was ich im Leben so mache. Meistens verstehe ich sogar halbwegs gut, was mir erzählt wird, wenn es langsam vorgetragen wird und ich aus dem Kontext schöpfen kann, aber an meiner Sprachkompetenz muss ich eindeutig noch feilen (Duolingo, ich komme!).

Auf dem Rückweg geriet mein Nightjet leider in eine dreistündige Verspätung, sodass ich völlig ausgehungert, etwas genervt, aber immerhin gut ausgeschlafen (Nachtzüge sind nicht immer Garant für Schlafentzug!) mittags in Wien aufschlug. Bevor der Tag aus war blieb mir auch noch genug Zeit für eine neue Lieblingslinksammlung:

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Zuckersüß 305

In dieser Woche habe ich viel gebacken, gelesen und getrunken, allerdings nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Das Dutch Baby vom Montag war am Ende eher flacher Biskuitkuchen (lag vermutlich an der dünnen Springform statt einer schweren Gusseisenpfanne) und die veganen Cookies überzeugten mich auch nach dem zweiten Versuch noch nicht zu hundert Prozent. Gelungen sind dafür die Red Curry Eggs nach dem Rezept der Effilée und meine Mohn-Marzipan-Plätzerl mit Traubengelee, die ich zuletzt zum Abitur gebacken habe.


Gelesen habe ich ein paar wissenschaftliche Texte (der Semesterstart naht!), den ganzen (!) Falter und ein bisschen in Laurie Pennys Bitch Doktrin gelesen. In der Bücherei gibt es das leider nur auf Deutsch, was mir das Lesevergnügen ein bisschen trübt.


Und getrunken habe ich einen ganzen Abend lang in meinen liebsten Cocktailbars der Stadt. Seit ich den Cocktailian daheim habe (der mittlerweile ausverkauft und deshalb um mehrere hundert Euro gehandelt wird!), kann ich mich noch besser in Getränke nerden.

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Außerordentlich schlechte Fotos von außerordentlich guten Getränken. L.o.: Dachboden, r.u.: Währingerstraßenfest, alle anderen botanical garden

Als Startpunkt am frühen Abend bot sich der Dachboden auf dem 25hours-Hotel an. Dort sind die Cocktails mit 13€ zwar gar nicht günstig, aber kaum sonst wo gibt es eine so schöne Aussicht dazu. Die Bar ist im achten Stock und von der Terrasse kann man (fast) ganz Wien überblicken. Ich trank einen duke of earl (earl grey tea & mint infused tanqueray gin, ingwerer, sugar, lime, fresh mint), den ich so ähnlich schon einmal in Prag getrunken hatte. Mein Begleiter bestellte einen walnut old fashioned (walnut infused bulleit bourbon, homemade portwine, cranberry & maple syrup, fee brothers barrel aged bitters).

Zwischendrin hielten wir uns an Wasser, aber nur bis wir unsere Schüsseln im Es gibt Reis aufgegessen haben.

Weiter gings in den botanical garden, das seit meinem Besuch im Januar mein absoluter Barfavorit der Stadt ist. Diesmal war fast nichts los, sodass die supercoole Playlist nicht von Gesprächen übertönt worden ist. Vor allem aber hatten die zwei hinter der Bar wenig zu tun und mehr Zeit für die Gäst_innen. Schon für den ersten Drink bekamen wir Geschmacksberatung von Marcel Katzer und ich entschied mich für den „instagrammable“ Made in China. Der wird in einer Take-Out-Box mit Metallstrohalm serviert und schmeckt unter anderem nach Kaffirblatt. Das erinnerte mich sogleich an meine südostasiatische Suppe im Restaurant vorher, aber auf eine sehr gute Weise. Außerdem im Rezept steht Wodka, Zitronengras, Kokos, Limette und Mineralwasser.

Leider hat die Bar ihre Karte nicht online, sodass ich nicht rekonstruieren kann, was mein Begleiter als erstes trank. Doch die Deko darauf- kandierte Orangenscheiben – habe ich nicht vergessen, denn der Bartender fing sogleich an, die Herstellungsprozesse zu erklären: Orangenscheiben mit Läuterzucker bestreichen und stundenlang bei niedriger Ofentemperatur trocknen oder den Mohn aus der Sirupherstellung zu Chips backen. Nebenbei knabberten wir an supergutem Rosmarinpopcorn und tranken großzügig Leitungswasser aus ausrangierten Ginflaschen (Katervorbeugung ist bei so einem Abend essentiell!).

Für die zweite Runde lachte uns lustigerweise der gleiche Drink an, doch bei so einer Vielfalt nicht aus dem Vollen zu schöpfen kam nicht in Frage. Zum Opium Espresso (Espresso, Mohnsirup und Wodka, wenn ich mich recht erinnere) gabs deshalb auf Empfehlung unseres Bartenders einen ähnlichen Drink, der eigentlich als Shot verkauft wird.

Zum dritten Drink landeten wir letztlich direkt am Tresen, um ganz genau aufzupassen, wie unsere Spezialanfertigungen gemixt wurden. Ich bekam eine Amaretto-Sour-Abwandlung, an der mich vor allem die Deko begeisterte. Der Bartender mischte Zucker mit Angosturabitters, verstrich ihn auf einer Limette und karamellisierte ihn mit einem Flämmer zu einem superguten Lolli. Im zweiten Glas landete eine Margaritaabwandlung, die ich so faszinierend fand, dass ich die Zutaten mitschrieb: halb Mezcal, halb Tequila, geklärter Limettensaft (mit Agar Agar und einfrieren!), Agavendicksaft. Der Mezcal schmeckt selbst schon sehr rauchig, doch geflämmter Rosmarin verstärkte dieses Aroma noch zusätzlich.

An den Mix für den Shot aufs Haus kann ich mich – abgesehen vom geklärten Limettensaft – nicht mehr erinnern, dafür aber an die Deko des letzten Drink des Abends: Den drei Finger Joe Punch zieren Camparistreusel.

Nach so vielen Cocktails war auch die letzte Tram schon abgefahren, was mir die Chance bot, ein berühmt-berüchtigtes Gürtel-Pita-Falafel zu essen. Das schmeckte erstaunlicherweise so gut wie noch nie (verdächtigt: mein Alkoholpegel). Auch lecker: Der rote Sturm auf dem Währingerstraßenfest am Freitag.

Und jetzt zum Hauptteil der Sonntagspost – meine liebsten Links der vergangenen Woche:

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Schoko-Karamellbananen-Schnitten

Für eine WG-Party neulich wollte ich einen möglichst einfachen Kuchen in möglichst großer Quantität backen. Leider geriet ich wegen anderer Vorbereitungen in ziemliche Zeitnot und es wurden Post-Party-Schnitten, von denen ich dank der großen Menge noch noch einige Tage etwas hatte.

Rezeptbasis war der Schoko-Bananen-Guglhupf von 2013, gebacken auf einem tiefen Blech, mit einem neu ausgedachtem Frosting.

Schoko-Banane-Karamell-Erdnuss ist eine empfehlenswerte Geschmackskombination

Darin sind nicht nur klassisch Frischkäse und Butter, sondern auch im Ofen karamellisierte Bananen. Dank ihnen roch die Küche ganz wunderbar (Geheimtipp gegen Post-Party-Zigarettenrauch-Gestank!). In Kombination mit den salzigen Erdnüssen obenauf wird der Kuchen dadurch sehr mächtig, aber nicht übermäßig süß.

Ein „Crowd-Pleaser“, dieser Kuchen!

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Ein zuckersüßes, zuckerbäckereipinkes Foodblog