Bücher im Februar

Im Februar habe ich abgesehen von gar nicht wenigen Texten zu complementizer agreement (BA-Arbeit, yay!), die hier bestimmt niemanden interessieren, drei Sachbücher gelesen. Eins davon habe ich mir spontan aus der Uni-Lehrbuchsammlung mitgenommen, eines impulsiv gekauft und das dritte verschenkt. Alle drei auf dem Foto unterzubringen war gar nicht so einfach, denn das aus der Unibib hat keinen Coverumschlag mehr und das ebook keinen Buchrücken – trotz besonderer thematischer Eignung nicht besonders instagrammable. Seis drum:

Frauen & Macht. Ein Manifest – Mary Beard

Ich war eigentlich wegen anderer Lehrveranstaltungslektüre in der Lehrbuchsammlung, da sprang mir Frauen & Macht in dreifacher Ausführung – eine offensichtliche Neuanschaffung – im Gender Studies Regal ins Auge. Weil die Sonne schien und ich nichts Dringendes vorhatte, setzte ich mich damit gleich auf die nächste Parkbank und las es von vorne bis hinten durch.

Mary Beard ist Altertumshistorikerin und hat in diesem Buch einen ihrer Vorträge verschriftlicht. Mit vielen Beispielen zeigt sie im ersten Teil auf, wie Frauen seit der Antike der Mund verboten wird und wie die Regeln „guter“ Rhetorik seit jeher Frauen aus dem öffentlichen/politischen Diskurs ausschließen.

In der fömischen Welt kommen Ovids Metamorphosen – jenes außergewöhnliche mythologische Epos über menschliche Verwandlungen (und wahrscheinlich das literarische Werk, das nach der Bibel die abendländische Kunst am stärksten beeinflusste) – immer wieder auf die Idee zurück, Frauen im Zuge ihrer Verwandlung zum Schweigen zu bringen. So wird die arme Io vom Gott Jupiter in eine Kuh verwandelt, so dass sie nicht mehr sprechen, sondern nur noch muhen kann. Die geschwätzige Nymphe Echo hingegen wird damit bestraft, dass ihre Stimme nicht mehr ihr gehört, sondern nur noch ein Instrument ist, um die Worte anderer zu wiederholen. (S.20)

Was ich vor diesem Buch auch nicht wusste: Die berühmte „Ain’t I A Women“-Rede von Sojourner Truth, Ikone der US-amerikanischen Anti-Sklaverei-Bewegung, stammt in der überlieferten Form wahrscheinlich nicht von ihr selbst, da sie als Ex-Sklavin aus dem Norden wohl keinen Südstaaten-Akzent hatte (S. 32).

Im Zweiten Teil fragt Mary Beard, wie weibliche Macht aussieht und gelesen wird (hint: sehr oft männlich). Frauen wird Macht nicht wie Männern unhinterfragt zugestanden, weshalb die schlangenlockige, mächtige und letztlich geköpfte Medusa als Karikatur heutiger Politikerinnen herhalten muss.

Mit dem Altertum und besonders antiken Mythen kenne ich mich kaum aus und ich hatte beim Titel dieses Buchs auch nicht damit gerechnet, dass es darum gehen würde. Insofern war Frauen & Macht eine angenehme Überraschung: Ich habe in kurzer Zeit Einiges dazugelernt – und das ohne mich besonders anzustrengen, denn der schmale Band enthält viele Abbildungen und leere Seiten.

Mary Beard: Frauen & Macht. S. Fischer, 2018. 112 Seiten, 12,40 €

Das Millenial Manifest – Bianca Jankovska

Bianca Jankovskas Blog groschenphilosophin habe ich seit Juli 2016 im RSS-Reader. Damals las ich mich an ihren Erasmuss-Beiträgen (sie hat auch Publizistik in Wien studiert) fest und schrieb sie in die Liste lesenswerter „Tagebuch“-Blogs, mittlerweile hat sich ihre Internetpräsenz thematisch und in der Form ziemlich gewandelt. Sie bespielt Instagram gekonnt wie kaum jemand anderes und ist mit Newsletter und Paywall-Podcast immer on brand.

Ich muss mich relativ oft ärgern, wenn ich Texte von Bianca Jankovska lese, vor allem was Podcasts angeht (ein Podcast hinter einer Paywall bei steady entspricht nicht meiner Auffassung dieses Mediums und ich bleibe außerdem anders als die Autorin #teamlaberpodcast). Trotzdem entfolge ich ihr nicht, denn sie hat viel Spannendes zu sagen und postet oft interessante Empfehlungen zu Texten und Büchern anderer Autor_innen. Genau aus diesem Grund ging ich vor einiger Zeit auch in die Buchhandlung um die Ecke und griff zielstrebig nach dem Millenial Manifest.

Mit Teil eins, Kann das Liebe, oder ist das weg? konnte ich wenig anfangen. Es geht sehr anekdotisch um Social Media-Etikette, vor allem Instagram, und Beziehungen „heute“. Der zweite Teil, Willkommen in der Ellbogengesellschaft, der den Wandel der Arbeit thematisiert, interessierte mich schon mehr. Bianca Jankovska bringt viele Situationen auf den Punkt, die mir oder meinem Umfeld – Millenials, ja eh – schon häufig begegnet sind:

Warum hatte ich mich noch gleich so angestrengt, wenn es im Endeffekt keinen Unterschied machen würde, ob ich tatsächlich etwas leistete oder einfach nur freundlich auf dem Bürostuhl saß und den Mindestaufwand verrichtete? (S. 104)

Denn wenn es eines gibt, das Praktika-Ausschreibungen nicht enthalten, dann ist es eine Anleitung dafür, wie man die nächsten ein bis sechs Monate von dem Witz eines Gehalts überleben soll, während die Mieten in mittelgroßen deutschen Städten auf bis zu 600 Euro pro WG-Zimmer angestiegen sind. (S. 127)

Im dritten Teil, Namaste my ass, spielt Instagram wieder eine große Rolle: Selbstdarstellung, unreflektierte Travel-Instagrammerinnen und Privilegien:

Ich würde wirklich gerne wissen, ob Yoga auch gegen Armut, Gewalt in der Familie, Krankheiten, bevorstehende Operationen, Tod der Eltern, Kündigung, Rentenrückzahlungen, Versicherungsschäden und Alkoholprobleme hilft. Kann man mit Achtsamkeit, Selbstliebe, Me-Time und Dankbarkeit seit neuestem die Miete zahlen? Ja, vielleicht gleich Krebs mit dazu heilen? Ach so, wahrscheinlich ist man sogar noch selbst dran schuld. (S.201)

Das Millenial Manifest habe ich in einem Rutsch durchgelesen. Es fühlte sich allerdings nicht so sehr an wie ein Sachbuch, sondern eher wie eine Aneinanderreihung von Artikeln, die für bento, zett oder ähnliche Portale optimiert sind. Jeder einzelne davon ist richtig griffig betitelt (auch catchy Zitate hat die Autorin wirklich drauf!) und die Memes („Irgendeine Headline im Internet, 2018“, „Jeder Travel-Blogger, jemals“, „Irgendein WhatsApp-Gruppenchat“), die manche Kapitel einleiten, könnten nicht besser passen. Für viele Millenials also wohl genau das Richtige (Backcover: „Kämpferisch und unterhaltsam bringt Jankovska das Lebensgefühl der Millennials auf den Punkt“). Ich finde mich nur leider weder in dieser Häppchen-Präsentation (außer #teamlaberpodcast bin ich auch #teamlongread, wie meine Linksammlungen zeigen) noch in vielen der angesprochenen Themen wieder.

Übrigens war Bianca Jankovska mal im heul nicht, mach doch – Podcast (der leider keine gescheite Episodenseite zum drauflinken hat) zu Gast, wo sie mit der Gastgeberin Kato das Branding der Instagram-Berühmtheit Jenna Kutcher zerlegt.

Bianca Jankovska: Das Millenial Manifest. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2018. 240 Seiten, 10,30 €

Instagram Signature Style & Content Strategie. Anleitung & Workbook – Sylvia Fritsch

Dieses ebook habe ich via Bianca Jankovskas Instagram-Story entdeckt und als interessantes Geburtstagsgeschenk für eine liebe Person identifiziert. Für mich selbst hätte ich es wohl nicht gekauft, denn für die doch recht happigen 30 € interessiert mich das Thema zu wenig. Gelesen habe ich es am Ende trotzdem, allerdings ohne die Übungen zu machen.

Der Ratgeber, der in seiner Ästhetik schon sehr instagrammy (viel pastellrosa, Ananas, Pantone-Kärtchen, Blumen und Grünzeug…) ist, ist in vier Kapitel gegliedert: Branding, Content, Styling und Planung. Die Themen werden ziemlich niedrigschwellig eingeführt und dank der Übungen ist die Theorie – hauptsächlich Marketingsachen wie Personas, Brand Awareness, Kund_innen-Bindung usw – einfach anzuwenden. Außerdem präsentiert Sylvia Fritsch ein paar nützliche Software-Tipps (Later z. B. nutze ich selbst, seitdem ich 2014 in Marokko den Instagram-Account von Migrants du Monde betreut habe), beispielhafte Accounts und viele Content-Ideen, die Leser_innen auf ihr eigenes Themengebiet umlegen können.

Viele der Konzepte in diesem ebook kannte ich schon, denn Einiges davon war *früher* so auch schon für Blogoptimierung zu lesen (Regelmäßigkeit, Redaktionspläne, eigene Stimme/Stil finden) und das Marketingzeug ist mir neulich in einigen Uni-Seminaren untergekommen.

Nach dem Lesen dieses Buchs ist mir allerdings erst recht die Lust vergangen, den Instagram-Account (bis heute ohne die Business-Features/Statistiken der Plattform) der Zuckerbäckerei strategisch zu optimieren. Ich bin nicht (finanziell) auf Follower_innen-Wachstum angewiesen, das Ideale-Postingzeiten und Beste-Hashtag-Kombi-Hokuspokus fand ich schon immer schrecklich. Instagram gut/erfolgreich zu bespielen ist eine sehr zeitaufwändige Angelegenheit, die aktuell nicht für mich in Frage kommt.

Ich sehe keinen Grund, Stockfotos mit catchy captions zu posten, nur um immer im gleichen Farbschema zu bleiben. Ich werde auch keinen E-Mail-Newsletter starten, um meine Follower_innen an mich zu binden (mein Herz schlägt für frei zugängliche Inhalte im dezentralisierten Web, aka Blog). Die Captions meiner Blogpost-Ankündigungen (und mehr poste ich im Zuckerbäckerei-Instafeed praktisch nicht) werde ich in Zukunft zwar mehr mit „Instagram First“-Haltung schreiben, aber das wars dann auch. Sollte ich mir das allerdings doch irgendwann anders überlegen, werde ich auf dieses ebook zurückgreifen.

Ebook hin oder her, die Autorin postet als @sylvia_fritsch auf Instagram auch so regelmäßig interessante Sachen zum Thema Branding und PR.

Sylvia Fritsch: Instagram Signature Style & Content Strategie. Anleitung & Workbook. 50 Seiten, PDF, 30 €

Zuckersüß 325

In dieser Woche war ich im Le Cèdre libanesisch essen, was leider nicht so wunderbar war, wie es in der Falter-Empfehlung stand. Aber schlecht war es auch nicht: das sehr rauchige Baba Ghanoush hat mir sehr gut geschmeckt und die Bratkartoffeln mit spannenden Gewürzen (fragt mich nicht, was das war), Knoblauch und Zitronensaft auch. Und superklebrigem Namoura als Nachspeise, dass ich gleich ein paar Tage später selbst nachgebacken habe.

Dann war ich auch noch kurz im Palmenhaus, das architektonisch wirklich beeindruckend ist. Außerdem war ich schon wieder auf dem Zentralfriedhof spazieren (s. a. meine aktuellste Podcastfolge mit pascoda) und hab beim Oberlaa dort ein pappsüßes Punschkrapferl (vor zwei Jahren habe ich mich mal selbst daran versucht) gegessen.

Im Botanical Garden, meiner *allerliebsten Lieblingsbar* in Wien, habe ich erstmals etwas von der neuen Karte probiert, auf der sehr viele Beerenbrände vorkommen, die ich erstmal nicht in Cocktails erwartet hätte. Der „Marry Me! Biatch!“ ( Bacardi Cuatro Rum, Himbeere, Tonkabohne, Limette, Rubino Espuma, Stardust) war nicht mein Fall, viel zu süß und die Dekostreusel schmeckten wie diese Kirschlollis aus der Apotheke. Der Lady Bird (Bacardi 44,5 Rum, Gölles Vogelbeer-Edelbitter, Limette, Zucker) dagegen taugte mir sehr.

Am Freitag habe ich beim Podcasting Meetup einen Workshop zu Sketchnotes gehalten und konnte deshalb leider zu keiner der unzähligen interessant klingenden Frauenkampftags-Veranstaltungen gehen. Glücklicherweise gab es auch am Samstag noch ein interessantes Event zum Thema, das frauentagsfest im ega. Dort habe ich erstmals Kidsncats, die Band von Jeanne’s Heldinnen-Podcasterin Jeanne Drach gehört. Die Bühnenshow hat sehr viel Spaß gemacht und Jeannes Kostüm war unglaublich cool – ein weißer, langer Pelzmantel, der am Rücken durchsichtig war, darunter eine „Pumphose“ und ein Tütü. Anschließend spielten noch Fatima Spar & Freedom Fries, eine Band von der ich vorher noch nie gehört habe. Der Balkan Brass mit vielen türkischen Texten hat mich noch eineinhalb Stunden tanzen lassen.

Hier folgen meine Lieblingslinks der Woche:

Rezepte

How to make Sourdough Crumpets – Top With Cinnamon
Von Crumpets habe ich noch nie gehört.

Burrata mit gegrillten Trauben und Basilikum – Anke Gröner
Ein Rezept von Ottolenghi.

Texte

Frauen-Shaming in der Musikrezeption und wieso ich meine Mädchenmusik liebe – Blogrebellen
Nadja Shehadeh über unverdient abfällig besprochene Rockmusikerinnen.

Das Musik-Business wird halt insgesamt anstrengend und auslaugend sein denke ich mir dann, wenn ich an alle Menschen denke die bewaffnet mit ihrem Arsenal an Tool-Platten über das Genre “Frauen-Musik” lachen (dass es ein eigenes Genre ist ist ja genau wie beim Label Frauen-Literatur auch schon ein Ärgernis), und natürlich hege ich selbstverständlich den Verdacht, dass sexistische Strukturen im Musik-Business alles noch mal anstrengender machen. Systematische Verkennung ist dabei ein Sympton, das nicht nur die betreffenden Musiker_innen disst, die außerhalb cis-männlicher Repräsentation operieren, sondern auch deren Fanbase treffen soll (also: “Leute ,die keine Ahnung von Musik haben”). 

Frauendings-Literatur: Nicht Reizthema, sondern Randthema – Der Standard
Nicht nur in der Musik werden „Frauenthemen“ belächelt.

Was Frauendings bedeutet? Das heißt, in den Büchern geht’s vorrangig um Frauen, die Frauenprobleme haben. Die rumjammern, weil sie betatscht worden sind, zu wenig Geld kriegen oder weil sie ach so unterdrückt sind. Oder um die schreckliche Last von Kindern und Haushalt, die sie ganz allein stemmen müssen. Gähn.

Do Not Disturb: How I Ditched My Phone and Unbroke My Brain – The New York Times
Ein Digital Detox-Text, der nicht komplett technikfeindlich ist.

For the rest of the week, I became acutely aware of the bizarre phone habits I’d developed. I noticed that I reach for my phone every time I brush my teeth or step outside the front door of my apartment building, and that, for some pathological reason, I always check my email during the three-second window between when I insert my credit card into a chip reader at a store and when the card is accepted.Mostly, I became aware of how profoundly uncomfortable I am with stillness. For years, I’ve used my phone every time I’ve had a spare moment in an elevator or a boring meeting. I listen to podcasts and write emails on the subway. I watch YouTube videos while folding laundry. I even use an app to pretend to meditate.

The science of knitting, unpicked – EurekAlert! Science News
Stricken ist offenbar mathematisch sehr komplex.

„By picking a stitch you are not only choosing the geometry but the elastic properties, and that means you can build in the right mechanical properties for anything from aerospace engineering to tissue scaffolding materials,“ said Matsumoto.

Concrete is tipping us into climate catastrophe. It’s payback time – The Guardian (via DasFilter)
Mir war nicht klar, wie umweltschädlich Zement ist.

Conventional, or Portland, cement is trusted to be safe and strong and developers continue to specify it because it is cheap and the alternatives are not well-known. Without major demonstration projects showing what is possible, and the education of architects and planners, progress will be incremental and possibly too late.

Konfektionsgrößen ade! Die #zozorevolution – so frisch so gut
Ein Anzug für Maßmode, was es nicht alles gibt!

Aber der Zozsuit ist kein gewöhnlicher Overall: Man trägt ihn weder als eng geschnittene, elegante Abendrobe, noch als locker sitzenden, entspannten Freizeitlook. Man muss ihn auch nicht mit Taschen, Ohrringen, Gürteln oder sonstigen Accessoires kombinieren. Vielleicht kann man es sich nun schon denken: Der Zozosuit ist kein Kleidungsstück – sondern ein Messgerät. Er ist eine echte Innovation, weil er maßgeschneiderte Mode für alle Körperformen ermöglichen soll – auch finanziell.

Elyas M’Barek möchte nicht euer „guter Ausländer“ sein – VICE
Lesenswertes Porträt:

„Ich hatte so was vorbereitet wie: ‚Schön, dass man im Osten mit Migrationshintergrund noch Preise kriegt'“, sagt M’Barek und muss ein bisschen lachen. Ernst ist es ihm trotzdem. Als er 2016 nach den Wahlerfolgen der FPÖ verkündete, seinen österreichischen Pass verschenken zu wollen, bekam er Morddrohungen: „Zu den harmlosen Sachen gehörte noch: ‚Der Kamelficker soll aufgehängt werden‘.“ Mehrere Magazine griffen seinen Tweet auf, über die rassistischen Anfeindungen danach berichteten Medien erst, als er sie selbst zum Thema machte.

Passentzug: Jetzt wird ausgedeutscht! – ZEIT ONLINE
WTF wird aktuell diskutiert?!

Neu ist, dass man nun auch die Ausdeutschung von „Eingedeutschten“ ermöglichen will, also von solchen, die die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Genau genommen wäre das ein Rauswerfen aus dem Land, dem sie angehörig sind.Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sollte so etwas umgesetzt werden. Bislang kennt man diese Praxis der Ausbürgerung nur aus dem NSDAP-geführten Deutschland und der DDR. Seither hat sich keine Partei getraut, diese Idee wiederzubeleben.

Lasst uns über Kritik reden – FALTER Think-Tank
Laura Wiesböck, die diesen Text geschrieben hat, hat auch ein Buch geschrieben, das ich gerne lesen würde.

Eine Strategie ist es, Kritik als Meinungsverbot zu inszenieren. Meinungsfreiheit wird so gedeutet, dass eigene Aussagen widerspruchslos und ohne Konsequenzen hingenommen werden müssen. Das Konzept von Meinungsfreiheit als Grundlage der Demokratie sieht allerdings vor, immer auch mit Meinungen konfrontiert zu sein, denen man nicht zustimmt. Und zwar ohne staatliche Repressionen befürchten zu müssen. Hetze, Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sind davon im Übrigen nicht eingeschlossen.

The case of the 500-mile email – ibiblio (via Kottke)
Ich verstehe nicht viel von der beschriebenen Technik, aber witzig ist die Geschichte allemal:

„We can’t send mail farther than 500 miles from here,“ he repeated.  „Alittle bit more, actually.  Call it 520 miles.  But no farther.““Um… Email really doesn’t work that way, generally,“ I said, trying tokeep panic out of my voice.  One doesn’t display panic when speaking to adepartment chairman, even of a relatively impoverished department likestatistics.  „What makes you think you can’t send mail more than 500miles?“

Audio/Video

The Voice Within – Fatima Spar & JOV
Cooles Album!

Blue Angel – Fatima Spar & The Freedom Fries
Cooler Song!

Top 40 Activism with Justin Tranter – Switched on Pop
Justin Tranter ist ein sehr sympathischer Podcastgast und erzählt aufschlussreiches übers Songwriting.

Untouchable Face – Ani Difranco
Gehört in der Switched on Pop-Folge.

Wir sind zu viele: Warum deutscher Pop nicht mehr weiß bleibt – ZÜNDFUNK – Generator
Viel Deutschrap im „Pop mit Migrationshintergrund“.

Foto

Der wunderschöne Fußboden in der Krypta des Duomo in Napoli.

Backkatalog

Zitronen-Cheesecake mit Blutorangensauce

In Napoli habe ich eine Eissorte probiert, die sich wegen der enthaltenen Mandeln und kandierten Zitrusfrüchte „Benvenuti al Sud“ nannte. Diesen Geschmack Süditaliens wollte ich auch mit einem Rezept fürs Blog einfangen. Nochmal Zitrusschalen kandieren war mir zu aufwändig, aber zitronig sollte es unbedingt werden, wo ich doch zur Hochsaison (mehr oder weniger) in der Anbauregion war.

Bei Epicurious fand ich ein Käsekuchen-Rezept, das sich zu einem großen Teil auf einen weitere sehr italienische Zutat stützt: Ricotta. Perfekt für meinen Benvenuti-al-Sud-Kuchen!

Beim Kramerladen (aka Greißler) ums Eck, besorgte ich Ricotta passend abgewogen aus der Käsetheke. In den Kuchen kam außerdem natürlich großzügig Zitronenschale und -saft vom Obsthändler ein paar Häuser weiter.

Die kitschige italienische Tischdecke passt ausnahmsweise zum Fotomotiv

Der wahre Star hier ist aber die Blutorangensauce, die den eher langweiligen (meine Ansprüche an Kuchen sind vielleicht auch zu hoch geworden mittlerweile?) Käsekuchen zu etwas ganz Besonderem macht. Sie besteht aus nichts weiter als frisch gepresstem Blutorangensaft, ein bisschen Zucker zum Säureausgleich und einem Löffel Butter, der schadet nämlich sowieso nie.

Ein paar Pistazien und Zitrusscheiben noch zur Deko (*vielleicht* auch zum Kaschieren eines abgebrochenen Kuchenstücks – Unvorsichtigkeit sei dank…) und fertig ist mein italienischer Käsekuchen.

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Zuckersüß 324

Es ist (gerade noch) Fasching, und das sieht man glücklicherweise nicht nur an völlig fehlplatzierten „Witzen“ und rassistischen Kostümierungen, sondern auch an Krapfen überall! Leider hatte ich Pech in der letzten Woche, als ich mich durch Faschingsgebäck verschiedener Wiener Bäcker probierte. Am schlechtesten war eindeutig der Faschingskrapfen vom Ströck, der staubtrocken war, der von Oberlaa war da schon besser, ließ aber ein bisschen zu viel vom Frittierfett durchschmecken. Krapfen aus der Großpackung von Hofer habe ich auch noch probiert, aber überzeugt war ich auch nicht. Schade!

In meiner WG gab es außerdem eine sehr coole Party mit sehr vielen Gäst_innen, Live-Band (STDAU!) und Cocktails. Dafür hatte ich Rosmarin-, Mohn- und Vanillesirup vorbereitet, was sich vor allem in Rosmarin Gin Fizzes (6cl Gin, 3cl Zitronensaft, 2cl Rosmarinsirup aufgespritzt mit Soda) und Vanille-Aperol Sours (6cl Aperol, 3cl Zitronensaft, 2cl Blutorangensaft, 2cl Vanillesirup) niederschlug. Dämlicherweise habe ich nicht an simplen Sirup gedacht, weshalb meine fünf verschiedenen Zitrussorten (über die ich mich den ganzen Abend freute) nicht so gut zur Geltung kamen.

Übrig blieben auch ein paar Zitrusfrüchte, weshalb ich mich am Sonntag an einer Limetten-Kokos-Tarte versuchte, deren Rezept leider nicht blogbar ist . Aber ich habe eh noch ein Zitrus-Käsekuchen-Rezept in der Warteschlange!

Vorerst gibts jetzt mal meine liebsten Links der letzten Tage:

Rezepte

Nachgekocht: Winterpasta mit Radicchio, Walnüssen, Thymian-Semmelbröseln und Weißwein-Schmand-Sößchen – Schöner Tag noch!
Bevor der Winter *wirklich* aus ist, muss ich nochmal Radicchio essen.

Small Batch Japanese Cheesecake – i am a foodblog
Eine Mischung aus Biskuit und Käsekuchen.

Texte

The Curious Case of Key Lime Pie -Epicurious.com
Ich hatte zu viele Limetten übrig am Wochenende und deshalb gegoogelt.

Battle lines in the crust camp are drawn between traditional pastry crust and graham cracker crust. The topping dissension is equally binary. Some believe that a lime pie can only be considered „Key“ if modeling a lofty bonnet of meringue. Others argue that a slice of any self-respecting Key lime pie always sports a rakish dollop of whipped cream, preferably one that falls off to the side à la a French beret.

Words you’ll never see me use in restaurant reviews – SF Chronicle
Wieder eine Restaurantkritikerin, die aus dem Nähkästchen plaudert.

I don’t use this word because of the harm it does to our relationship to food, especially because “guilt” in this context never actually refers to things that do carry ethical weight, like cannibalism or stealing food from the hungry. Why should anyone besides the Hamburglar, who seems to enjoy the act of larceny for the sheer thrill of it, feel guilty about their food choices? The overwhelmingly majority of the time I’ve encountered this word in food writing or a marketing context has been about diet food, mainly directed toward girls and women: “guilt-free snacks,” “ice cream without the guilt,” and so on. 

Der Kompromiss um 219a ist ein Witz – und das Frauenbild der Rechtsprechung erbärmlich – Edition F
Aus diesem Text hätte ich am liebesten 10 Zitate ausgeschnitten.

Hilfe finde ich superklasse und sehr viele Menschen brauchen mit dieser „Leben mit dem Kind“- Sache ganz in echt Hilfe, so wie es im §219 StGB so blumig steht. Und wir wissen auch genau, wo der Hilfebedarf liegt, denn der Hashtag #regrettingmotherhood vor drei Jahren lieferte der Politik ein wahres Füllhorn an Ansätzen, wie der Staat bei „Perspektiven für ein Leben mit dem Kind“ so richtig ermutigen und unterstützen kann. Nur kosten diese „Perspektiven für ein Leben mit dem Kind“ eine Menge Geld, da ist so ein ideologischer Abtreibungsparagraf und „Unrechtgemurmel“ und „Kreuzgeschwinge“ sehr viel billiger. Selbst fünf Millionen Euro aus Steuergeldern für eine ideologische Studie, die keinerlei progressive Reform für Familien zum Ziel hat, ist ein echtes Schnäppchen als Ablenkungsmanöver von den wahren Aufgaben des Staates beim Lebensschutz. Bei #regrettingmotherhood hieß es übrigens landauf-landab: „Die hätte ja kein Kind kriegen müssen, wenn sie Muttersein so scheiße findet.  Ist ja keine Pflicht.“ Abwarten, Freund*innen. Abwarten. 

Herkunft: Keine Antwort schuldig – ZEIT Campus
Einfach mal nicht als Gesprächseinstieg nach der Herkunft fragen.

Man kann sich das wie Nadelstiche vorstellen: Ein Pikser verletzt kaum, aber alle paar Tage gestochen zu werden, macht die Haut wund. Und niemand bringt Salbe. Niemand entschuldigt sich. Niemand fragt, was er oder sie für mich tun kann. Die Leute beschweren sich stattdessen über meinen Schmerz, etikettieren ihn als Diskursunfähigkeit und reden darüber, wie sie es gemeint haben. Dass sie keine Rassisten sind. Als ginge es in dem Moment um sie.

Decoding Dodpo Momaubatg: A very welcoming mess-up – Isoglosse.
Was mit verschiedenen Schriftsystemen schief gehen kann.

Dodpo momaubatg’ did not look like a phrase from any of the languages I speak. The ‘-tg’ ending of the second word seemed to give it a Catalan tinge (but I knew that the Catalan word for ‘welcome’ is ‘benvinguts’). As a whole, the phrase was not recognisably related to any of the terms for ‘welcome’ I was aware of. I did a quick online search, but it did not turn up anything relevant, so I forgot about it .

L’Académie française se résout à la féminisation – INFO L’EXPRESS
Komische „Sprachbewahrer“ da…

une ambassadrice, dont le dictionnaire de l’Académie française de 1694 précisait bien qu’il s’agissait d’une „femme chargée d’une ambassade“, sera peu à peu reléguée au seul statut d'“épouse de l’ambassadeur“. Tandis qu’auteur sera réservé aux hommes, une femme ayant la prétention d’écrire n’étant qu’une „précieuse ridicule“. Ce qui nous amène au troisième argument en faveur de ce changement : il est conforme à l’évolution des moeurs et traduit à sa façon les conquêtes récentes du sexe dit faible. Car, au fond, la langue française ne manquait de rien pour créer des noms de métiers féminins. Les blocages relevaient surtout de la sociologie.

The Guardians of the French Language Are Deadlocked, Just Like Their Country – The New York Time
Académie française, die zweite:

Actually, it is mostly old white men. There are just five women among the members, and Mr. Laferrière is the only person of color. The average age was well over 70 in a recent tally by the French media.
Whether the academy is struggling to update or diversify itself, or even wants to, is difficult to divine. The deliberations of its members, under the graceful 17th-century dome of the Institut de France, are swathed in mystery.

The hipster effect: Why anti-conformists always end up looking the same – MIT Technology Review (via Ann Friedman’s Newsletter)
Wofür Mathe nicht alles gut ist!

And his conclusion is that in a vast range of scenarios, the hipster population always undergoes a kind of phase transition in which members become synchronized with each other in opposing the mainstream. In other words, the hipster effect is the inevitable outcome of the behavior of large numbers of people.

Pflegeprodukte für Männer: Hart im Cremen – Süddeutsche.de
Ich versuche, mich an geschlechtsneutrale Pflegeprodukte zu halten, aber der Trend geht woanders hin…

Ja, es ist schon ein Kreuz mit den Männern und der Körperpflege-Routine. Allein das Wort „Pflege“ ist heikel, denn Pflege ist doch etwas, von dem Männer denken, dass es nur Frauen nötig haben. Sich mit Lotions und dem Inhalt teurer Ampullen verwöhnen, alles geduldig einmassieren, die Haut fürs hübsche Aussehen pampern, quasi die Jugendlichkeit mit Fingerspitzen aus dem Inneren hervorkitzeln – Männer tun so etwas nicht. Eigentlich. Doch zum Glück gibt es Gender-Marketing. Es erklärt den Männern, dass das, was sie da gerade machen – und was sie ja immer häufiger machen, denn der Markt für Männerkosmetik wächst stetig -, etwas ganz anderes ist. Etwas sehr Männliches nämlich. So männlich wie James Bond, mindestens.

Audio/Video

STDAU – Für Elfriede
Die Band hat am Wochenende auf unserer WG-Party gespielt und einfach die allerbesten Musikvideos.

Sonst so

A Designer’s Little Helpers – Hinderling Volkart – Medium
Nützliche Web-Tools, vorsichtshalber gebookmarked.

Foto

Faschingskonfetti in Napoli.

Backkatalog:

2018: Neues aus Nancy 3 – Ein Fotospaziergang
2017: Cantuccini mit Walnüssen
2016: Baisers de Namur
2015: Kardamom-Vanille-Scones
2014: Schokoladen-Hefezopf-Brot
2013: Eine Reise nach Marrakech
2012: Schoko-Mandel-Donuts
2011: Mohnkuchen
2010: Honigkuchen

Eine Reise nach Napoli

Im Februar habe ich ein Wochenende in Napoli verbracht. Die Stadt interessierte mich natürlich wegen ihrer kulinarischen Tradition, doch ein da muss ich unbedingt mal hin – Reiseziel war sie nicht. Bis ich feststellte, dass der Regionalzug von Campobasso, wo ich einen Teil meiner Semesterferien verbrachte, nur etwas länger als drei Stunden in die kampanische Hauptstadt braucht und das für 10,25€!

So wenig informiert war ich auch noch nie in einen Städtetrip gestartet, doch die Empfehlungen von und Spaziergänge mit befreundeten Locals (Erasmussemester sei dank!) waren am Ende eh viel besser als jeder Reiseführer. Es stellte sich heraus, dass Napoli doch recht anders war, als ich es mir vage vorgestellt hatte. Ein wirklich konkretes Bild hatte ich nicht im Kopf, nur so lose Ideen einiger breiter Straßen und viel Müll (Mafia sei dank).

Geht man eine Viertelstunde, ändert sich das Stadtbild nämlich ziemlich schnell. Rund um den Bahnhof – eine nicht besonders einladende Gegend, btw – stehen einige Hochhäuser, deren goldene Zeiten offensichtlich vorüber sind.

Viele Hochhäuser und eine Riesenbaustelle vorm Bahnhof Napoli Centrale.

Auf dem Weg ins historische Stadtzentrum werden die Straßen enger, die Autos und Mofas aber nicht weniger.

Überall Wäscheleinen, Klischee erfüllt!

Und es gibt so unendlich viele Kirchen. Manchmal konnte ich nicht unterscheiden, wo die eine anfing und die nächste aufhörte. Die wichtigste Kirche, der Duomo di Napoli, besteht selbst schon aus so vielen Kapellen, dass ich den Überblick verlor. Der wunderschöne Steinfußboden in der Krypta blieb mir aber in Erinnerung.

Eine Kirche links, eine Kirche rechts und dazu noch eine monumentale Heiligenstatue.
Der Heiligenschein strahlt mit der Litfaßsäule und der Ampel um die Wette.

Nicht nur die Kirchen zeugen von der Frömmigkeit Napolis, auch eine andere Tradition, die ich recht befremdlich finde: Hausaltäre. Die gibt es in sehr groß und in Schaukasten-klein, ebenerdig und hoch oben an Hausmauern. Darin drapiert sind Heiligenbilder, Fotos Verstorbener, Blumen und Kerzen. Nachts sind sie häufig beleuchtet.

Dieser Altar befindet sich gegenüber eines Supermarkts
Ein besonders prächtiger Hausaltar.

Im Dunklen fühlte ich mich manchmal wie nach Marokko versetzt. Einige Gegenden Napolis könnten mit ihren schlecht gepflasterten Straßen, Straßenständen für Waren aller Art und absurd schnell fahrenden Mofas genauso auch in einer marokkanischen Medina platz finden.

Napoli oder Rabat?
So einen günstigen Gemüsehändler hätte ich auch gern in Wien.

Der Eindruck ändert sich ein paar Gehminuten später wieder vollständig. Auf der Piazza Bellini steht nicht nur eine Statue des Komponisten, sondern auch viel Grün, das sich die Straße den Hügel hinunterzieht. Undenkbar in Marokko: Die Studis (und wir), die ab dem späten Nachmittag einen Spritz für nur 2€ im Freien schlürfen.

Noch ein Altar und ein paar Graffiti dazu.
Eine Mini-Allee im historischen Zentrum!

Durch ein teilweise überdachtes Gässchen gelangt eins zur Piazza Dante, die an diesem Februarsonntag voller kostümierter Kinder und Konfetti war.

Fasching!

Auf der Via Toledo, der Haupteinkaufsstraße, sah das nicht viel anders aus. In den Menschenmassen kam ich kaum vorwärts und hätte außerdem beinahe die Galleria Umberto I. übersehen. Die Geschäfte darin interessierten mich zwar überhaupt nicht, aber das Gebäude ist ziemlich schön anzuschauen.

Die Galleria Umberto I erinnert mich an die Galeries Royales in Brüssel
Fasching auf der Piazza Plebiscito

Von der riesigen Piazza Plebiscito aus, in den sowohl die Via Toledo als auch die Luxuseinkaufsstraße Via Chiaia mündet, ist schon das Meer zu sehen. Einen Stadtstrand gibt es nicht, sondern nur eine befestigte Promenade, an der es sich aber gut flanieren lässt.

Meer! Nur viel zu dreckig, um darin zu schwimmen.
Luftballonverkäufer gibt es ziemlich viele in Napoli.

Irgendwann war mir das mehr-oder-weniger-planlos-durch-die-Stadt-spazieren aber zu anstrengend (viele Kilometer und Höhenmeter kann eins auf einem Städtetrip eigentlich machen?) und ich wollte ein bisschen *Kultur* (mit Vermittlung).

Der Eingang zu Napoli Sotteranea ist – wer hätte das gedacht – neben einer Kirche.

Napoli Sotteranea, der Untergrund der Stadt war mir von vielen Seiten empfohlen worden. Gleich morgens um zehn schlossen wir uns (für 10€ pro Person) der italienischsprachigen Führung an. Englisch hätte es auch gegeben, aber erst eine Stunde später und die wollte ich nicht warten. Überhaupt halte ich es für eine super Sprachlern-Herausforderung, einer Museumsführung zu folgen. Mein Italienisch ist ungefähr auf 3-Monate-Duolingo-Level, aber dank meiner doch recht brauchbaren Französischkenntnisse verstehe ich meistens doch ziemlich viel. Und tatsächlich, ich konnte dem Rundgang weitestgehend folgen.

Die Geschichte des Museums ist schon ziemlich beeindruckend, denn eigentlich waren die Räume vor mehr als 2000 Jahren griechische Zisternen. Genutzt wurden sie, bis im 18. (oder 19.? – ich erinnere mich nicht) die Cholera ausbrach. Anschließend lagen sie einige Jahrzehnte brach, bis ihnen im zweiten Weltkrieg die Nutzung als Bunker zufiel.

Sehr nichtssagend an der Oberfläche, dabei ist im Keller ein antikes Theater.

Über einen anderen Eingang zu erreichen, aber ebenfalls in der Führung war das römische Theater. Versteckt im Fundament ganz normaler neapolitanischer Wohnhäuser war es sehr lange niemandem aufgefallen. Irgendwann geriet allerdings jemand mit Fachkenntnis zu antiker römischer Mauertechnik in einen der Keller dort – und erkannte das 2000 Jahre alte Bauwerk. An der Oberfläche ist bis heute nichts davon zu sehen, denn nach wie vor sind die Wohnungen bewohnt.

Haupteingang des Museo Archaeologico Nazionale di Napoli

Das Museo Archeologico Nazionale di Napoli hatte mir ein Freund wegen der umfangreichen Pompeii-Dauerausstellung (es gibt noch fünf weitere Bereiche und eine Sonderausstellung) empfohlen.

Am Anfang war ich halbwegs enttäuscht: 15 € (7,50 € ermäßigt) ist echt ziemlich teuer für einen einzelnen Eintritt. Und der erste Saal, den ich angeschaut habe (keine brauchbaren Wegweiser!) schien in den 1980ern stehen geblieben. Gläserne Vitrinen ohne jeglichen Erklärungstext, hin und wieder ein vergilbter schreibmaschinengetippter Absatz auf italienisch.

Die Palme wächst aus dem antiken Blumentopf!
Der Blick aus dem Fenster auf den Innenhof gibt ein 1A-Insta-Motiv, findet ihr nicht?

Doch mit der Zeit konnte mich die Ausstellung über Pompeii immer mehr begeistern, die Fresken waren nämlich sehr wohl beschriftet (wenn auch die Schilder häufig 5 Meter entfernt von den Ausstellungsstücken standen) und erzählten von Figuren, die ich mit meiner mangelnden Altertumskenntnis zumindest ein bisschen einordnen konnte: Ikarus und Dädalus, Iphigenia, Europa.

Nach mehr als zwei Stunden, als ich eigentlich wegen einer Verabredung schon fast gehen musste, entdeckte ich dann noch die Sonderaustellung zu Essen in Pompeii, auf die ich leider nur einen kurzen Blick werfen konnte.

Die Asche des Vesuv hatte nicht nur die Häuser, Wandbemalungen und Alltagsgegenstände der antiken Stadt konserviert, sondern auch viele Lebensmittel. So sind in den zwei Austellungsräumen Knoblauchzehen, Datteln, Feigen, Mandeln und sogar zwei Laib Brot zu sehen (und ausführlich/zeitgemäß/zweisprachig beschrieben):

Brot aus Pompeii

Apropos Essen. Ich habe versucht, alles, was nur annähernd als „Spezialität“ Napolis gilt, zu probieren. Natürlich Pizza, aber nicht beim berühmten Sorbillo in der Via Tribunali, vor dessen Lokal sich mittags und abends eine riesige Menschentraube bildete, sondern ein paar Meter weiter bei Vesù. Pizza Fritta (Pizzateig gefüllt mit Ricotta, Speck und Tomaten, als Calzone frittiert) erinnerte an den Teigstellen ziemlich an Langos ohne Knoblauch und war mir insgesamt viel zu mächtig. Pizza Portafoglio, eine zusammengeklappte Margerita, die es gefühlt an jeder Ecke gibt, würde ich am liebsten auch in Wien als verbreiteten Snack haben.

Was ich vor meinem Besuch nicht wusste: Frittiertes hat eine große Tradition in Napoli. Arancini, panierte Reisbällchen mit unterschiedlichen Füllungen (z.B. Erbsen und Hackfleisch, Auberginen) mochte ich am liebsten, aber auch Crochetti di Patate (Kroketten mit Käsefüllung) und Frittatina di Pasta (Macaroni in Bechamelsauce oder so, in Teig frittiert) waren gut. Auf der Via Tribunali, einer wichtigen Straße in der Altstadt gibt es alle paar Meter winzige Geschäfte, die Frittiertes verkaufen. Mir schien aber, dass nicht alle davon alles selber machen, sondern auf Tiefgekühltes setzen. Empfehlenswert ist auf jeden Fall Matteo, von dem die Frittatine di Pasta auf dem Foto stammen. Bei einer zweiten Frigittoria, an deren Namen ich mich nicht genau erinnere – irgendetwas mit Präsidenten oder Prinzen oder so schmeckte es auch sehr gut.

Faschingsfrittiertes

Weil gerade Karneval ist, gab es auch viele frittierte Süßigkeiten. Chiacchiere, flache Teigplatten mit ein paar Löchern und leichtem Orangenblütenwasseraroma, scheinen die Klassiker des italienischen Faschingsgebäcks zu sein. Es gibt sie mit Puderzucker bestäubt oder in Kakaoglasur. Sie sind ziemlich knusprig und mir fällt keine deutsche/österreichische Entsprechung dafür ein, denn bei uns scheint sämtliches Frittiertes immer aus fluffigem Hefeteig zu sein.

Das Herz ist wohl eher für Porträts von Menschen gedacht, aber Sfogliatelle machen sich auch gut darin.

Ein Gebäckklassiker Napolis sind Sfogliatelle. Das sind kleine Hörnchen aus vielen Schichten Filoteig (oder so ähnlich, bestimmt kein klassischer Blätterteig!) mit unterschiedlichen Füllungen. Die verbreitetste Füllung besteht hauptsächlich aus Ricotta, der durch etwas Grieß eine spannende Konsistenz und durch kandierte Orangenschalen ein süditalienisches Aroma bekommt. Die Version mit Haselnüssen habe ich allergiebedingt nicht probiert. Ofenwarm sind sie am Besten, vielleicht versuche ich mal, selbst welche zu backen!

Taralli gibt es auch im Supermarkt, die vom Bäcker haben mich wirklich begeistert.

In der Auslage der Pannetteria Coppola auf der Via Tribunali entdeckte ich beim Frühstückseinkauf Taralli. Die kenne ich eigentlich nur als Miniatur-Aperitivo-Gebäck mit Rosmarin oder ähnlichen Kräutern. Die beim Bäcker bestanden allerdings zu mindestens einem Drittel aus grob gehackten Mandeln und waren handtellergroß. Intuitiv hielt ich sie zuerst für süßes Gebäck, aber sie waren mit Salz und Pfeffer gewürzt. Sehr spannend, auch etwas, das ich mal nachbacken könnte.

Trotz des großartigen Streetfoods wollte ich zumindest einmal im Restaurant essen. Leider wusste ich überhaupt nicht, wie ich ein Gutes finden sollte. Keiner der Blogs meines Vertrauens hatte Tipps für Napoli, TripAdvisor-Restaurantbewertungen geben in der Hinsicht fast nie etwas her und lokale professionelle Restaurantkritiker kenne ich nicht. Im Michelin (nicht, dass ich spontan ein Sterne-Restaurant im Sinn gehabt hätte), stieß ich auf Il Gobbeto:

Not far from lively Via Toledo, this authentic family trattoria serves a selection of much-loved, classic Neapolitan dishes. The traditional ambience is enhanced by the typical costumes of Naples worn by the owners. House specialities include gnocchi del gobbetto, pasta with potatoes and Provola cheese, and dried salted cod.

Via Michelin
Muscheln!

Das Restaurant war ziemlich voll und trotz Reservierung mussten wir kurz vor der Tür warten. Der Kellner war mir unsympathisch (hauptsächlich weil er alle Kellnerinnen so ruppig unfreundlich behandelte) und hatte überhaupt keine Geduld (also nichtmal 2 Minuten) für uns übrig. Wir bestellten Miesmuscheln als Vorspeise, die mit Zitrone und ziemlich gutem Weißbrot serviert wurden. Aus den Primi suchte mein Begleiter Spagetti alle vongole aus, die noch sehr bissfest waren. Die sehr simple „Sauce“ aus Butter, Petersilie und Cocktailtomaten (kein Pfeffer!) war dafür so gut, dass ich sie mit dem Brot aufsaugte. Mein erster Gang, Manfredi (breite gewellte Bandnudeln) mit Tomaten-Ricotta-Sauce war ein bisschen fade, da konnte selbst meine große Ricotta-Begeisterung nicht mehr helfen.

Und Fisch!

Ich bestellte als Hauptgang gegrillten Schwertfisch, weil es das einzige nicht frittierte Fischgericht auf der Karte war. Schwertfisch habe ich vorher noch nie gegessen, die Konsistenz erinnerte mich fast an Geflügelfleisch, so fest und mager wie sie ist.

Für meinen Begleiter gab es Alici fritte, fritierre Sardellen. Mit viel Zitrone und Weißbrot schmeckten die wirklich gut. doch nach nur wenigen Minuten verlor die Panade schon an Knackigkeit, schnell essen (teilen!) lohnt sich hier.

Dazu tranken wir den außerordentlich günstigen und ganz guten (hab immer noch keine Anhung von Wein, aber er schmeckte mir) Hauswein (4 € für eine Flasche). Eine Nachspeise ging sich nicht mehr aus, weil wir relativ bestimmt darauf hingewiesen wurden, dass nun die nächsten Gäst_innen kommen würden. Insgesamt war der Restaurantbesuch also vor allem stressig – die Atmosphäre unruhig, die Kellner gehetzt (was sie gut auf die Gäst_innen übertragen konnten, wie unser Beispiel zeigt) – beim nächsten Besuch in Napoli würde ich nicht mehr dort essen gehen.

So gutes Eis, so schlechtes Foto.

Bestimmt nochmal essen würde ich jedoch Eis von Leopoldo Infante auf der Via Toledo. Das Pistazieneis, genauer die Pistaziencreme, war das beste seiner Art, das ich jemals probiert habe. Es erinnerte mich in der Konsistenz an gefrorene Erdnussbutter – unglaublich cremig und fett – und schmeckte einfach sehr pistaz-ig (ganz anders als die vielen Pistazieneis-Verschnitte aus künstlichem Aroma, wie sie in Deutschland verbreitet sind). Die zweite Sorte in meiner Waffel nannte sich Benvenuti al Sud („Willkommen im Süden“) und war gespickt mit gerösteten Mandeln und kandierten Orangenschalenstückchen.

Mein Begleiter suchte sich aus der unglaublichen Sortenvielfalt (bestimmt 4 m Thekenbreite, 3 Eissorten „tief“) dunkle Schokolade und Haselnuss aus.

Ich freue mich schon sehr, wenn in Wien endlich wieder alle Eissalons aufmachen, hoffentlich mit vergleichbar gutem Pistazieneis.

Coole Aktion: („Wenn du mich psst psst, fiuu fiuu rufst… dreh ich mich nicht um. Ich bin nicht deine Katze!“

Was ich in Wien auch cool fände: Eine Posteraktion gegen Alltagssexismus. Vor allem rund um die Uni sind mir in Napoli viele Plakate aufgefallen, deren Message ich sehr sympathisch fand. In Brüssel gibt es mit „Laisse les filles tranquilles“ („Lass die Mädchen in Ruhe“) übrigens eine ähnliche Aktion.

Coole Graffiti gibts auch in Napoli!
Und schöne Schriftarten!

Das wars mit meinem Wochenende in Napoli, im besten Fall schreibe ich auch noch einen Post von meinen 25 Stunden in Rom ein paar Tage später.

Zuckersüß 323

In dieser Woche habe ich es tatsächlich das erste Mal überhaupt geschafft, meine ganzen 4GB an Datenvolumen zu verbrauchen. Die restlichen Zugfahrten (das war nicht wenig Strecke vom Süden Italiens bis nach Wien) verbrachte ich also zwangsweise mit aus dem Fenster schauen und ein bisschen Stricken.

Ein paar Lieblingslinks gibts trotzdem:

Rezepte

Extra thick and fluffy Japanese pancakes – Chopstick Chronicles
In dem Pfannkuchenteig ist Mayonaise!?!?!!

Fluffy Japanese Pancakes: Souffle Pancake Recipe – i am a food blog
Hab mich nicht getraut, Mayo in meinen Teig zu rühren und deshalb dieses Rezept ausprobiert. Hat leider nicht so gut geklappt (vielleicht weil ich statt Milch Sahne verwenden musste).

Matcha Amaretti Cookies – Love and Olive Oil
Die erinnern mich an die Matcha-Ghribas von vor zweieinhalb Jahren.

The Easiest Cacio e Pepe: 4 Ingredients, One Pot, No Draining – i am a food blog
Letzte Woche war ich in Rom und habe kein Original Cacio e Pepe probiert und jetzt habe ich dieses Rezept im Feed. Ein Wink mit dem Zaunpfahl?

Texte

How to Write About Food: In the Classroom with Jonathan Gold – Foodaism
Ich habe vor diesem Blogpost noch nie von Jonathan Gold, einem mittlerweile verstorbenen US-Restaurantkritiker gehört. Das aufgezeichnete Gespräch hat mich sehr beeindruckt und ich würde jetzt auch gern ein Uni-Seminar zu Food Writing besuchen. Ich muss mich wohl mit Restaurantkritiken-Lesen im Selbststudium abgeben…

One, if you’re a food writer, your opinion of the food is really uninteresting. I don’t care. None of your readers really care whether you think it’s a good burrito or a bad burrito. What they care about it knowing what was—what’s in the burrito and how it was put together and… You just got to think about it—what are sensations you’re getting from this particular thing of food than you—that are the same as things you’ve had before, that are different from things you’ve had before.How does it fit into your experience of a burrito? How does it compare in the context of the world of burritos? What is this burrito saying about the person who makes it? Does it, is it one of those gigantic overstuffed, over-steamed San Francisco monstrosities that has grilled meat and black beans and handfuls of cheese and a salad and everything else you can think of stuffed in there?

„Eure Heimat ist unser Alptraum“-Vorabdruck: Das Ende des German Dream – SPIEGEL ONLINE
Noch ein Buch auf meiner zu-lesen-Liste.

Ich bin im Deutschland der Neunzigerjahre aufgewachsen, in dem die widersprüchlichen Parolen „Ausländer sind faul“ und „Ausländer nehmen uns die Arbeit weg“ teilweise aus denselben Mündern miteinander konkurrierten. In meiner eigenen Familie, die über das Anwerbeabkommen zwischen der BRD und der Türkei in den frühen Siebzigerjahren eingewandert ist, konnte es sich weder jemand leisten, faul zu sein, noch, irgendwem die Arbeit wegzunehmen. Alle arbeiteten immer in den Jobs, die nicht für Deutsche, sondern für sie vorgesehen waren. Leute wie mein Großvater wurden angeworben, weil sie leichter ausgebeutet werden konnten als inländische Arbeiter_innen: gewerkschaftlich kaum organisiert, flexibel, dankbar um jede Sonntagszulage.

Offener Brief an die Mitglieder des Europäischen Parlaments betreffend Urheberrechtsreform – Vienna Writer Authorpreneur
Hoffentlich wird aus der EU-Urheberrechtsnovelle nix. Hier noch etwas, das sehr beunruhigend klingt:

Im März 2018 wurde in den USA der CLOUD Act [beschlossen. Kurz gesagt geht es darum, dass US Behörden (und jene befreundeter Staaten, wenn ich es recht verstanden habe) jederzeit Zugriff auf alle Daten auf Servern von in den USA tätigen Unternehmen haben, unabhängig davon, wo diese Server physisch stehen. Selbst wenn Microsoft anbietet, Daten auf Servern in Europa zu speichern, sind sie dort nicht vor Zugriff von US Behörden (oder Behörden, die dort anfragen) sicher. Dieses Gesetz steht bereits der DSGVO genau entgehen und mit der Urheberrechtsreform würden ggf. weitere Gesetze geschaffen, die sich mit dem Behördenzugriff der USA spießen. Jedes Unternehmen kann sich jetzt bereits aussuchen, gegen welches Gesetz es verstoßen möchte – im Falle eines in den USA ansässigen Unternehmens gegen das »Heimrecht« oder gegen das europäische Datenschutzrecht.

U.S. Is a Rich Country With Symptoms of a Developing Nation – Bloomberg.com
Der Autor zieht Parallelen zum heruntergewirtschafteten Italien.

These little examples are the kind of incidents that one might expect to see in a developing country where things are built cheaply or badly. […] across the country, construction costs for both the public and private sectors have swelled as productivity has stagnated or fallen. It costs much more to build each mile of train in the U.S. than in heavily unionized France. No one seems to be able to put their finger on the reason — instead, the U.S. simply seems riddled with corruption, inefficient bidding, high land-acquisition costs, overstaffing, regulatory barriers, poor maintenance, excessive reliance on consultants and other problems. These seemingly minor inefficiencies add up to a country that has forgotten how to build. Unsurprisingly, much  much of the country’s infrastructure remains in a state of disrepair.

Audio/Video

Chilly Gonzales – FM4 Radio Session
Hab beim Arbeiten fast nur Chilly Gonzales gehört in dieser Woche.

Drive – Rebecca Gärtner (via Insta-Stories von Ninia LaGrande)
Popmusik auf der Harfe, ziemlich cool (leider keine besonders gute Aufnahme).

Sonst So

Gogo goes Chinguetti
Mein Papa ist wieder auf Reisen und bloggt darüber.

Weekend reading – Soulzeppelin
Joël (vor einiger Zeit zu Gast in meinem Podcast, btw) schreibt jetzt regelmäßige Linklisten. Find ich super!

It’s about Time we Reinvented the Autochrome – MessyNessyChic (via Buddenbohm&Söhne)
Farbfotos vom Anfang des 20. Jahrhunderts!

Foto

Bergblick in Süditalien.

Backkatalog

Fudgy Brownies

Eigentlich habe ich schon genug (gute!) Brownie-Rezepte im Repertoire, dass ich keine neuen mehr ausprobieren müsste. Da sind zum Einen die grandiosen Best Cocoa Brownies, die ganz ohne Schokolade auskommen und deshalb fast schwarz aussehen. Und zum anderen die Olivenöl-Brownies mit Pistazien, die ich erst vor ein paar Wochen entdeckt und liebgewonnen habe.

Bei der Pancake Princess stolperte ich nun aber über einen ihrer sehr ausführlichen Rezeptvergleiche. Im Brownie Bake Off hat sie sagenhafte 13 Rezepte ausprobiert und genau verglichen.

Nachdem die Best Cocoa Brownies aus Butter und Kakao bestehen, und die Olivenöl-Brownies aus Öl, Kakao und Schokolade, wollte ich unbedingt ein Rezept aus einer anderen Kategorie testen: Butter, Kakao und Schokolade. Meine Wahl fiel auf dass Rezept von Sally’s Baking Addiction, das im tl;dr außerdem als super chewy beschrieben wird.

Tatsächlich sind meine Brownies recht fudgy geworden, wobei ihnen wohl 3-4 Minuten weniger im Ofen gut getan hätten. In meinen Augen erfüllen sie alle Kriterien eines soliden Brownie-Rezepts: schokoladig, nicht zu kuch-ig und mit einer (zumindest leicht) glänzenden Oberfläche. Ohne einen direkten Vergleich zu meinen beiden Browniefavoriten zu haben, scheinen mir diese Brownies aber ein bisschen fade.

Das jetzt auf das Originalrezept zu projezieren ist aber auch nicht fair, ich habe nämlich die Zuckermenge großzügig reduziert. 400 Gramm Zucker sind für meinen Geschmack auf nur etwa 600 Gramm sonstige Zutaten zu viel. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Konsistenz meiner Brownies mangels 150 Gramm Zucker gelitten hat. Wenn ich einmal sehr motiviert bin, backe ich das Ganze vielleicht nochmal mit 400 Gramm Zucker, dann aber mit Toasted Sugar nach Bravetart, der weniger aggressiv süß ist.

Ein paar Fleur-de-Sel-Kristalle (bestimmt mit Mikroplastik, wie traurig…), die ich eigentlich als Fotodeko daraufgestreut habe, rissen den Geschmack der Brownies doch noch heraus.

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Zuckersüß 322

Gerade als ich vergangenen Sonntag das Zuckersüß veröffentlicht hatte, ließ ich mein Smartphone fallen. Anders bei den wohl mehreren hundert Stürzen in den vergangenen vier Jahren (mein Gerät von 2015 hielt tatsächlich so lange aus!) ging diesmal das Display kaputt. Mit ein bisschen Raten (motorisches Gedächtnis!) konnte ich es trotz einheitlicher Schwärze zwar noch entsperren und sogar einen Anruf entgegennehmen, aber fest stand, dass ich gleich am Montag ein neues Telefon kaufen würde müssen.

Wie sich herausstellte, hatte ich wenigstens kaum Daten verloren, meine Kontakte liegen bei Google (ich traus mich gar nicht zugeben), wichtige Fotos auf meiner Laptop-Festplatte und die Musik (ich bin weiterhin Streaming-Verweigerin) auf der Mini-SD. Einzig ohne Sicherung (aber vielleicht doch auch noch irgendwie zu retten): ein paar noch nicht synchronisierte italienisch-, darija- und arabisch-Vokabeln in Anki und meine Podcastabos. Das deprimierte mich schon ein bisschen, denn aus meinem Podcastblog, fyyd und Panoptikum würde ich nicht alles rekonstruieren können. Aber seis drum, mein Podcatcher wird einfach erfüllt von Blühendem Leben:

Ein neues Smartphone braucht es aber für den Podcatcher. Ich las mich also durch Tests und Rezensionen und wurde immer schockierter. Die Preise für aktuelle High-End-Geräte sind jenseits der 1000€-Grenze, ständig neue Modelle verbesserten sich aberoffenbar kaum mehr. Die Art der Smartphone-Besprechungen fand ich besonders bedenklich, denn sie scheinen geschrieben für Leute, die sich tatsächlich jedes neue Modell holen. Wie viel unnötigen Elektroschrott das wohl produziert?

Nun ja, ich entschied mich letztlich für ein roségoldenes (eigentlich eh egal, die Hülle versteckt das Gehäuse sowieso) Samsung Galaxy S9, das in etwa genauso teuer war wie damals mein Sony Xperia Z3 (also sehr teuer, nur nicht so absurd wie aktuelle iPhones). Ich finde es zwar ziemlich hässlich und das UI ebenfalls, aber es hat ein tolles Display und eine super Kamera. So gut, dass ich gar nicht aufhören konnte, damit aus dem Zugfenster zu fotografieren. Am Montagabend nahm ich nämlich den Nachtzug nach Rom, um meine Semesterferien digital nomad-mäßig im Süden zu verbringen.

Ich habe deshalb sehr viel Pizza gegessen und ein Wochenende in Napoli verbracht. Darüber schreibe ich hoffentlich bald einen eigenen Post, aber erst wenn meine BA-Arbeit fertig ist (Ferien sind eigentlich ja nicht…). Hier folgen meine liebsten Links der letzten Tage, zugfahrtsbedingt sehr umfangreich:

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Zuckersüß 321

Planänderung. Ich schreib doch wieder ein paar Worte ins Zuckersüß! Ich war nämlich vergangenen Sonntag erstmals im Weltmuseum. Dort habe ich mir zuerst die Verhüllt, enthüllt!-Kopftuch-Ausstellung (noch bis 26. Februar) angeschaut, die mir ziemlich gut gefallen hat. Die Beschreibungstexte der verschiedenen Stücke waren von unterschiedlichen Leuten geschrieben, was dem Ganzen einen sympathischen, persönlicheren Anstrich gab. Die Rolle des Kopftuchs in verschiedenen Religionen war, wie zu erwarten, ein großer Teil, aber viel interessanter fand ich, wie das Kopftuch in den 1950er und 60er Jahren zum Accessoire der anständigen Österreicherin stilisiert wurde. Es gehörte zur Trachtennode, war Teil vieler Reisesouvenirs und auch Werbesujets. Ebenfalls spannend: die „Metamorphose der Kufiya“. Bennant nach einer irakischen Stadt, wurde es in den 1970ern zum Pali-(Soli-)Tuch und ist heute weitesgehend entpolisiert. Trotzdem ist es weiterhin in Protesten zu finden. Außer Bildern, Fotos, Performance-Videos und Installationen gab es auch eine Menge verschiedener Tücher (teilweise schon an die zweihundert Jahre alt!) zu betrachten. Am allerschönsten fand ich ein über und über besticktes El Gounaa aus dem südlichen Marokko.

In der Dauerausstellung des Weltmuseums war ich ziemlich verloren, mir fehlte die Einordnung zu praktisch allen Gegenständen. Zwei Räume blieben mir aber besonders in Erinnerung: Der zur Geschichte der österreichischen Völkerkunde (katholische Priester, die mit anthropologischer „Forschung“ zu belegen versuchten, dass monogame Beziehungen gottgegeben sind?!?) und der zu Fragen des Kolonialismus und der Zukunft von Sammlungen wie im Weltmuseum.

Dann kaufte ich mir spontan Das Millenial Manifest der groschenphilosophin aka Bianca Jankovska und las es in einem Rutsch durch. In der Uni-Lehrbuchsammlung viel mir zufällig ein weiteres Manifest – Frauen und Macht – von Mary Beard in die Hände, mehr dazu dann in meinem Extra-Bücher-Post (s.a.: Bücher im Januar).

Am Dienstag bin ich dank Twitter zufällig in den Creative Writing-Workshop von F.u.C.K. geraten. Frauen, non-binary, trans und inter Personen und Computer-Kram ist allein schon ein großartiges Akronym, aber die chaosnahe Initiative dahinter erst recht. In halbwegs regelmäßigen Abständen treffen sich ein paar Leute in angenehmen, sicherem Rahmen, um ihr Wissen zu teilen, Neues zu lernen und ein bisschen zu netzwerken. Klaudia Zotzmann-Koch (die übrigens in Folge 8 meines Podcasts zu Gast war) hat uns vom Bücherschreiben, Schreibenden-Organisationen, writing prompts, der Heldenreise und anderen Plotmodellen erzählt. Und dann haben wir uns noch am free writing versucht: 10 Minuten auf Papier schreiben, ohne den Stift abzusetzen, egal was passiert. Ich stellte fest, dass ich am Ende (genau eine A4-Seite ging sich aus!) nicht mehr wusste, was ich am Anfang geschrieben hatte.

Nachdem ich mich die vorherigen Tage mit meiner BA-Arbeit geplagt hatte, die ich schon längst abgegeben haben wollte, aber die einfach nicht vorangeht, war es schön zu sehen, dass ich doch noch Sachen „herunterschreiben“ kann.

Schokoladen-Hefezopf-Brot vom März 2014

Ebenfalls gut bei Schreibblockaden: Backen um Mitternacht. Ich habe mal wieder das Schokoladen-Hefezopf-Brot von 2014 gemacht und außerdem das Kartoffelkibbeh aus Katharina Seisers Immer schon vegan ausprobiert.

Hier folgen mal meine Links der Woche, ich muss jetzt doch wieder weiter über complementizer agreement im Niederbairischen schreiben, statt über andere Sachen, die mir in den letzten Tagen begegnet sind.

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Bücher im Januar

Mein ausführliches Zuckersüß-Schreiben ist mir zu viel geworden, das Bücherlesen habe ich damit aber im letzten Jahr sehr ins Herz geschlossen. Deshalb starte ich jetzt einfach eine neue Kategorie im Blog.

Ich habe nicht besonders viel Expertise, was Literatur angeht, bin nicht erfahren im Rezensionen-Schreiben, aber irgendwo muss eins ja mal anfangen. Die Zuckerbäckerei ist meine Lieblingsspielwiese für neue Ideen, deshalb folgt hier einfach mal mein Januar-Bücher-Rückblick:

Versteckte Jahre – Anna Goldenberg

Versteckte Jahre war das erste Buch, das ich in diesem Jahr fertig las. Ich hatte es zum Geburtstag bekommen, nachdem ich von der Buchpräsentation in der Wiener Hauptbücherei so begeistert war.

Es geht um Hansi, den Großvater der Autorin, der sich als jüdischer Jugendlicher in Wien mithilfe des Schularztes Josef „Pepi“ Feldner vor den Nazis versteckt hielt und die Großmutter Helga, die als junges Mädchen nach Theresienstadt deportiert wurde.

Die Geschichte ging mir unglaublich nahe, denn manche Schauplätze kenne ich sehr gut. In der Lange Gasse, wo ich heute mehrmals wöchentlich zur Uni gehe, gerieten Hansi und Josef 1945 in eine Schießerei der Militärpolizei. Auch die vielen kleinen Details bringen einem das Leben der Protagonist_innen näher: Kramperltee aus Apfelschalen, den Hansi und Pepi trinken oder die Förmlichkeiten (sehr österreichisch: Anrede mit akademischen Titeln), die unter den nach Theresienstadt verschleppten Jüd_innen üblich waren.

Anna Goldenberg verwebt die Aufzeichungen ihres Großvaters, Erzählungen ihrer Großmutter und ihre eigenen Erfahrungen auf der Spurensuche zu einer sehr berührenden Geschichte, die sich wie eine lange Reportage liest. Anders als z. B. Der Trafikant von Robert Seethaler, das auch im nationalsozialistischen Wien spielt, sind die Menschen in Versteckte Jahre echt. Und das Trauma des Holocaust noch immer da – diese Stelle werde ich beispielsweise nicht so schnell wieder vergessen:

Ich kann mich nicht daran erinnern, nichts über den Holocaust gewusst zu haben. Als Sechsjährige beäugte ich misstrauisch die Duschen in einem Salzburger Skihotel. Ich hatte gehört, dass Verwandte mit getarnten Duschen ermordet worden waren; wie konnte ich mir sicher sein, dass man uns hier nicht auch umbringen würde? (S. 82)

Anna Goldenberg: Versteckte Jahre. Zsolnay, 2018. 192 Seiten, 20,60 €

Alle außer mir – Francesca Melandri

Seit ich im September dieses FAZ-Interview mit Francesca Melandri (das ich über Julian Schmidlis Newsletter gefunden habe) gelesen habe, wollte ich unbedingt sofort Alle außer mir lesen. Leider ist es recht teuer und keine Bücherei, bei der ich eingeschrieben bin, hatte es im Katalog. Nach zu langem hin und her kaufte ich es mir aber doch und ließ es erstmal im Bücherstapel liegen. Als ich allerdings damit anfing, hatte ich die mehr als 600 Seiten in vier Tagen durch.

Über drei Generationen und Länder spannt die Autorin die Familiengeschichte von Attilio Profeti auf. Der meldet sich als faschistisches Schwarzhemd freiwillig zur italienischen Kolonialisierung Äthiopiens und streicht diesen Abschnitt später aus seiner Biografie. Doch Jahrzehnte später, in Zeiten von Frontex, steht ein Äthiopier, der sich als sein Enkel ausgibt, auf der Türschwelle von Attilio Profetis Tochter Ilaria in Rom.

Ich interessiere mich in letzter Zeit ziemlich für Italien (war recht oft dort!) und Kolonialgeschichte (weil mir scheint, ich wüsste zu wenig darüber). Der Roman behandelt beides sehr ausführlich: Die Begeisterung vieler Italiener_innen für den Faschismus (1935 wurden Eheringe öffentlichkeitswirksam für das Vaterland eingesammelt und durch eiserne Ringe ersetzt: Oro alla Patria?!) genauso wie der Kampf der Partisanen gegen das Regime. Die unsägliche Korruption und den Klientelismus, die bis heute die italienische Politik prägen. Die Grausamkeiten, die die Italiener in Äthiopien in nur fünf Jahren begingen, die furchtbaren Rassentheorien, die sich noch Jahrzehnte später hielten, die „Entwicklungshilfe“ die in den 1980er nur noch mehr Leid in die ehemaligen Kolonien brachte.

Mit einem großen Twist auf den letzten Seiten geht zumindest die Geschichte der Familie Profeti am Ende halbwegs gut aus – jedenfalls für die Figuren, die nicht den Verbrechen der Kolonialzeit, späteren Diktaturen oder ’starken‘ EU-Außengrenzen zum Opfer gefallen sind. Das Buch ist stellenweise sehr schmerzhaft zu lesen und doch bin ich froh, nun mehr über das europäisch-afrikanische Unterdrückungsverhältnis zu wissen.

Francesca Melandri: Alle, außer mir. Aus dem Italienischen von Esther Hansen. Wagenbach, 2018. 604 Seiten, 26,80 €

Super, und dir? – Kathrin Weßling

Dieses Buch bekam ich zu Weihnachten und ich glaube, im Geschenk schwang auch eine Warnung mit, nicht so ein Workaholic wie die Hauptperson zu werden.

Marlene Beckmann kommt aus einer kaputten Familie – Vater weg, Mutter alkoholkrank und depressiv – und niemand darf es wissen. Sie schreibt super Noten, macht einen hervorragenden Uni-Abschluss und bekommt den Marketing-Job, den alle haben wollen. Auf Social Media ist ihr Leben perfekt, die Warheit sieht jedoch finster aus.

So sehr mich dieser Roman vor allem am Anfang mitriss, so ratlos hinterließ er mich. Arger Leistungsdruck, prekäre Arbeitsverhältnisse (Marlene ist natürlich befristet angestellt und kämpft gegen eine Kollegin um eine Festanstellung), Sexismus, dauernde Selbstinszenierung auf Social Media – in dieser Umgebung muss sich meine Generation zurechtfinden. Marlene scheint das alles mit links zu meistern, doch sie zerbricht an den Erwartungen. Und niemand, nicht einmal Marlenes Arzt, hilft ihr, weil sie so makellos erscheint.

Menschen wie ich tauchen nicht in den Dokumentationen und Statistiken auf. Wir sind eine Fußnote, eine Randnotiz, ein Relativsatz. Wir sind die, denen es nicht passiert. Wir werden nicht süchtig. Wir sind zu klug, zu reich, zu gebildet, zu sozial integriert; wir haben Depressionen, Lebenskrisen, Sex mit unseren Vorgesetzten, Meinungsverschiedenheiten mit unseren Eltern, Muskelkater nach dem Yoga, 532 Freunde auf Facebook, große und kleine Pläne, Universitätsabschlüsse, Endometriose, Spliss, Depressionen und Essstörungen, einen Elternteil verloren, einen Hund oder Schulend beim Bafög-Amt. Wir haben keine Sucht-Probleme. (S.69)

Die Autorin arbeitet übrigens selbst als Social-Media-Redakteurin und war Ende 2017 mal im Leitmotiv-Podcast zu Gast.

Kathrin Weßling: Super, und dir? Ullstein fünf, 2018. 256 Seiten, 16,50 €

Immer schon vegan – Katharina Seiser

Ein Kochbuch in der Bücherliste? Auf jeden Fall! Das hier habe ich ebenfalls zu Weihnachten bekommen und nicht nur durchgeblättert, sondern tatsächlich durchgelesen. Katharina Seiser schreibt nämlich nicht nur zu jedem Rezept eine kurze Einführung, sondern auch noch ein Kapitel zum Geschmack allgemein – duftig, knusprig/weich, heiß/kalt, süß, sauer, salzig, scharf, umami, bitter, fett, würzig.

Die Rezepte sind nach den Jahreszeiten gegliedert, außerdem gibt es ein Jederzeit-Kapitel. Bisher habe ich nur den Erdnusseintopf mit Süßkartoffeln ausprobiert, die Zutaten fürs Kartoffel-Kibbeh mit Walnusszwiebeln habe ich aber schon besorgt. In jedem Rezept steckt zumindest eine spezielle Zutat, die unsere WG-Küche im Normalfall nicht hergibt – frischer Koriander, Sumach, Sherry – aber genau das macht die Gerichte in Immer schon vegan so besonders.

Der immer-schon-vegan-ohne-Ersatzprodukte-Ansatz ist mir sehr sympathisch und Katharina Seisers Herangehensweise sowieso. Ihr Blog esskultur gehört zu meinen absoluten Lieblingen (von dort stammt das Rezept für die kandierten Zitronenschalen!), ihre Instagramstories verfolge ich immer. Im Erklär mir die Welt-Podcast hat sie vor einiger Zeit vom Vegan-Versuch erzählt, der den Startschuss für das Kochbuch bildete.

Katharina Seiser: Immer schon vegan. Traditionelle Rezepte aus aller Welt. Brandstätter, 2015. 176 Seiten, 25 €

Ein zuckersüßes, zuckerbäckereipinkes Foodblog