Bruder (mal wieder)

Bruder Küche&Bar, Windmühlgasse 20, 1060 Wien

Dafür, dass das Bruder mein liebstes Lokal der Stadt ist, war ich schon ziemlich lange nicht mehr dort. Im Juni habe ich zuletzt darüber gebloggt und dieser Satz fasst das Lokal für mich immer noch sehr gut zusammen:

Es ist hip und cool, gleichzeitig gemütlich und elegant und vor allem sind alle Getränke und Speisen auf der Karte etwas ganz Besonderes.

Bruder (mal wieder) weiterlesen

Zuckersüß 377

…mit einem 3- oder eher 6-Gänge-Menü im Freyenstein, einem neuen Strickprojekt, einem Zuckerbäckerei-Porträt bei ZEIT online – und wie immer, den besten Links der letzten Tage.

Ich habe eine Zwetschgen-Frangipane-Tarte mit Orangenblütenwasser gebacken (bald im Blog!) und mal wieder Katharina Seisers Grießschmarrn gemacht:

Durch den Tipp einer Freundin bin ich letztes Wochenende über die Wiener Restaurantwoche gestolpert und hab bei der Gelegenheit gleichmal einen Tisch im Freyenstein reserviert. Drei Gänge bei zwei Hauben für knapp 40 Euro klang nach einem fairen Deal und in Laufnähe wars auch noch. Viele Überraschungen gab es nicht, gut geschmeckt hats aber auf jeden Fall.

Außerdem war ich im Minoo in Passau, das zwar ziemlich hip ist und mit seinem persischen Einschlag (die Inhaberin stammt offenbar aus dem Iran) doch anders, als das niederbayrische Durchschnittscafé. Leider hat mich weder mein Falafelwrap mit Salat, noch das irgendwie nichtssagende Basilikumsamen-Getränk Sharbat überzeugt.

Zuckerbäckerei bei ZEIT online

Schon vor einigen Monaten hatte mich Eva Biringer angeschrieben, ob ich Lust hätte für das ZEIT online Sonntagsessen ein paar Fragen zu beantworten. Und natürlich hatte ich Lust, immerhin las ich die Serie auch sehr gerne! Nun wurde mein Porträt – das sich um die Geschichten und Einflüsse hinter meinen Rezepten dreht – veröffentlicht.

Leider ist die Serie mittlerweile hinter einer Paywall versteckt (zum Interviewzeitpunkt war sie das nicht), was ich nicht ganz fair finde, denn Rezepte und Fotos kommen von Blogger_innen wie mir, die als Gegenleistung halt ein bisschen exposure bekommen. Wie viel Aufmerksamkeit eine Verlinkung bei ZEIT online so bringt, kann ich nichtmal sagen, denn ich sammle keinerlei Daten über meine Blog-Leser_innen, weshalb ich auch nicht weiß, ob es seit gestern mehr geworden sind – aber, wenn du neu hier bist: Herzlich Willkommen!

Worauf ich hinaus wollte: Natürlich hat die Autorin Arbeit damit, Interviews einzufädeln und zu einem Artikel verwurschteln, und ich (als recht prekär beschäftigte Journalistin) hoffe sehr, dass sie dafür anständig entlohnt wird. Aber ich finde trotzdem, dass es ein unguter Move der Zeitung war, diese Rubrik in eine exklusiv für Abonnenten zu verwandeln.

Für alle ohne ZEIT online-Abo (was nicht das gleiche ist, wie ein ZEIT Print-Abo, wie ich gestern erstmals feststellte): Diese fünf Rezepte kommen im Artikel vor: Pastiera di Grano, Basilikum-Eis, Qrichlat, Lakritzkekse und Heidelbeer-Apfel-Birnen-Pie.

Stricken und Lesen

Diese Woche habe ich die Sunday Cardigan von Petit Knit angeschlagen und bin sehr begeistert, wie viel schneller als beim Cinna Top (7mm vs. 2,5mm-Stricknadeln) ich vorankomme.

Ich habe endlich ein Buch angefangen, das schon seit letzten Herbst bei mir herumliegt: Utopien für Realisten. Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen von Rutger Bregman. Und dann kam noch die bpb-Version von Karolin Schwarz Hasskrieger. Der neue globale Rechtsextremismus bei mir an, in das ich auch gleich hineinlas.

Apropos lesen: Hier folgen meine liebsten Links der letzten Tage:

Zuckersüß 377 weiterlesen

Feigen-Sahne-Eis mit Karamellisierten Oliven

Feige + karamellisierte Olive im Eis. Das passt zusammen?

Hätte ich das Rezept (entwickelt von Anne Katrin Weber) nicht in der Effilee (noch immer meine liebste Food-Zeitschrift, btw) entdeckt, hätte ich es wohl verworfen. Denn grüne Oliven in süßem Eis gingen in meinem Kopf zu weit — obwohl ich großer Fan von eher unüblichen Desserts bin (s.a.: Basilikum-Eis, Chili-Kardamom-Limetten-Cheesecake, Erdnussbutter-Miso-Cookies).

Für meine Spätsommerdinnerparty vergangene Woche wollte ich unbedingt ein Dessert mit Eis haben und auch endlich mal die gläsernen Retroeisbecher, die seit einem Jahr (oder länger?) ungenutzt in meinem Geschirrkastl stehen, benutzen. So machte ich mich waghalsig ans Eismachen, hob Feigenkonfitüre unter und schnabulierte schon vorm einrühren ein paar karamellisierte Oliven, die ich letztlich richtig super fand.

feigen-sahne-eis-karamelloliven

Auf den Boden des Eisbechers kamen schließlich ein paar Mandelbiskuitstückchen, um eine Verbindung zu den Mandelblättchen in der Feigenkonfitüre (in meinem Fall von Stauds) herzustellen. Obenauf kam geschlagene Sahne, ein Stückchen Feige, Mandelblättchen, und frisch geriebene Orangenzeste (weil Orange und Feige laut Niki Segnits allwissendem Geschmacksthesaurus ein gutes Pairing sind).

Feigen-Sahne-Eis mit karamellisierten Oliven
Feigen-Sahne-Eis mit karamellisierten Oliven

Nur wenige meiner Gäst_innen kamen auf Anhieb darauf, was die Geheimzutat in diesem Eis war. Überhaupt könnte es eine gute Idee sein, heiklen Esser_innen nicht gleich zu verraten, dass grüne Oliven im Eis versteckt sind…

Feigen-Sahne-Eis mit Karamellisierten Oliven weiterlesen

Zuckersüß 376

…mit zwei tollen Abendessen (Frittwoch und Dinnerparty), einem gehäkelten Sommerkleid im Frühherbst, Törtchen im Crème de la Crème und neuer alter Lektüre (Elfriede Jelineks Die Liebhaberinnen) – und wie immer, den besten Links der letzten Tage.

In der letzten Woche kam es mir vor, als hätte ich zu wenig zu tun. Deshalb beschloss ich kurzerhand, für sechs Freund_innen superspontan fünf Gänge aufzutischen. Mehr dazu hier.

Am Vorabend war ich noch bei Freund_innen mit tollem Balkon und Fritteuse eingeladen, um Frittwoch (könnte ein regelmäßiger Feiertag werden, wenns nach mir ginge) zu feiern. Es gab Gemüse im Bierteig, mit Cornflakesbröseln, Knoblauch-Chips-Bröseln, Fried Pickles in Maisgrieß, Mozarellabällchen und weiteres superes Fettgebackenes.

Schnitzel (Figlmüller) und Zitronentörtchen (Crème de la crème)

Apropos Ausbacken: Mit Besuch aus Berlin war ich bei Figlmüller’s essen, der zwar echt schön eingerichtet ist und sehr Wienerische Kellner hat, aber doch fast unverschämt teuer ist (15,50€ für ein Schweinsschnitzel ohne Beilage — der zugegeben sehr leckere Erdäpfel-Vogerlsalat mit senfigem Dressing und Kernöl kostete nochmal 4,90€).

Ebenfalls halbwegs teuer, aber sehr fein war mein Besuch im Crème de la Crème, einer Pâtisserie in der Josefstadt, in die ich es nach dem fünften (oder so?) Versuch endlich mal geschafft habe (zuvor: geschlossen, kein Tisch frei etc). Ich bestellte eine klassische Tarte au Citron (5,50€), die einerseits sehr schön aussah, andereseits auch super schmeckte: zitronig-sauer, cremig, süß, mit knusprigem, dünnen, recht dunklen Mürbteigboden. Meine Begleitung bestellte etwas „österreicherisches“, nämlich eine Ribiselschnitte, die sehr mächtig aussah, aber mit Biskuit, Vanillecreme und Baiser letztlich sehr luftig daherkam.

Häkeln und Lesen

Kaum wird das Wetter herbstlich, ist auch mein Frühsommer-Häkelprojekt, ein Kleid nach dem waveafterwave-Muster, *wirklich* fertig (ich musste den Ausschnitt oben nochmal neu machen). Genaueres hier bei ravelry. Mein Buchclub hat Elfriede Jelineks Die Liebhaberinnen angefangen, das mich schon in den ersten paar Seiten sehr mitgenommen hat –a lles andere als seichte Sommerlektüre.

Hier folgen meine liebsten Links der letzten Tage:

Zuckersüß 376 weiterlesen

Spätsommerdinnerparty

Letzte Woche war mir irgendwie fad, doch Dienstag Mitternacht hatte ich dann einen tollen Einfall: Wieso nicht einfach ein paar lieben Freund_innen das Beste des Spätsommers in mehreren Gängen auftischen und so einen ganzen Tag mit Zutaten heranschaffen und vorbereiten beschäftigt sein – und, nebenbei, gut essen?

Gesagt, getan. Mitten in der Nacht schrieb ich einer handvoll Freund_innen, mit einem besonderen Anliegen: Jede_r sollte eine mir nicht/kaum bekannte Person, die gut zum Abend passen würde, mitbringen. Leider bin ich von vielbeschäftigten Leuten umgeben, sodass das gar nicht so gut klappte, wie ich wollte, und schließlich nur eine mir liebe Unbekannte +1 dabei war. Aber das Konzept finde ich immer noch toll, hoffentlich schaffe ich es, in den nächsten Wochen nochmal einen ähnlichen Abend auf die Beine zu stellen.

Die folgenden Fotos sind ziemlich schlecht, was der mauen Beleuchtung unserer WG-Küche geschuldet ist und auch den maximal 30 Sekunden, die ich pro Gericht dafür aufgewendet habe, aber eins kann sich schon was damit vorstellen.

burrata / schmortomaten-marillen / kräuter
Burrata <3333

Zuerst: Mein liebstes Sommer-Spendierlaunengericht (weil €€€!). Cremige Burrata mit geschmorten Tomaten und Marillen, dem dabei entstandenen süß-fruchtigen Olivenöl, frischem Pfeffer und Fensterbrettkräutern. Und Weißbrot (in diesem Fall das beste Fladenbrot der Gegend, von Tanis am Kutschkermarkt) zum Auftunken. Hätte ich vielleicht nicht zu allererst Servieren sollen, weil die großartige Burrata allem die Show stahl.

tortitas de maiz
Mexikanisch inspiriert.

Mit diesem Teller bin ich letztlich nicht so zufrieden. Die Tortitas de maìz (Rezept gesehen auf @annaburghardts’s Insta-Account) fielen beim Anbraten auseinander oder wurden sehr dunkel. Die Tomatensalsa mit Chili und Limette habe ich von meinem Hauptgericht im Bruder letzte Woche (Pfannkuchen-Tortillas mit Tomatensalsa, Mais, Käferbohnencreme und gebratenem Wels) kopiert, leider übertönte sie den sommerlichen, eigentlich sehr intensiven Maisgesschmack der „Pfannkuchen“.

pfifferlingsrisotto
So schön wie Uwe von Highfoodality kann ich Teller nicht anrichten, aber ich finde es sieht ganz hübsch aus.

Spätsommer bedeutet nicht nur beste Tomaten und Steinfrüchte im Überfluss, sondern auch Schwammerl in großer Vielfalt. Leider sind die in der Stadt (oder jedenfalls in meiner Umgebung) nur zur Apothekerpreisen zu haben und dann von nichtmal besonders guter Qualität – jedenfalls Welten von dem entfernt, was mein Papa daheim aus dem Wald trägt.

Deshalb habe ich dieses Pfifferlingrisotto nach Highfoodality mit ein paar getrockneten Steinpilzen aus dem letzten Jahr (von meinem Papa!) gepimpt und dafür die Menge der Pfifferlinge aka Eierschwammerl reduziert. Die Heidelbeeren schmecken übrigens wunderbar dazu!

Eisbecher
Eisbecher, die den Rest des Jahres im Kastl stehen

Das Eis im Dessert ist mir schon vor ein paar Wochen in der Effilee untergekommen und nicht mehr aus dem Kopf gegangen: Feige/karamellisierte Olive ist einfach eine sehr außergewöhnliche Geschmackskombi, die sich Anne Katrin Weber da überlegt hat. Ich habe das Eis mit Staud’s Feigenmarmelade gemacht, in der auch noch Mandelsplitter verarbeitet sind und diese Geschmackskomponente dann auch noch in Form von Mandelbiskuit im Eisbecher untergebracht. Dazu gabs auch noch geschlagene Vanillesahne, Mandelsplitter, Feigen und Orangenzeste – das genaue Rezept folgt in den nächsten Tagen hier im Blog!

ein „halbes“ Dessert zum Abschluss

Ein Dessert ist in meinen Augen nicht genug, deshalb gabs ganz zum Schluss noch ein halbes dazu. Gin Basil Smash in der Coupette, mit einem Spießchen bestehend aus Heidelbeeren, in Heidelbeerlikörlikör getränkten Mandelbiskuitwürfeln, Basilikum und Zitronenzeste.

Der Abend hat (auch wegen sehr überlegter Vorbereitung und einem Anrichte/Servierassistenten) sehr gut geklappt und viel Spaß gemacht. Ich konnte mal mein bestes Geschirr aus dem Kastl holen (wobei ich nur Gläsernes in ausreichend großer Zahl habe) und Zutaten kaufen, die mir für den Alltag zu kostspielig wären (Burrata!? Pfifferlinge!? Heidelbeeren!?). Und ich weiß jetzt, dass ich sieben Leute bekochen kann und auch alle bequem sitzen, wenn wir alle Sessel der WG zusammensammeln. Wieder was gelernt, Ferienvorsatz erfüllt :)

Schoko-Kirsch-Mandel-Tarte

Die Kirschsaison ist schon wieder vorbei, aber dieses Rezept liegt auch schon seit Mitte Juni in meinen Entwürfen herum. Ich erinnere mich leider nicht mal mehr, zu welchem Anlass ich diese tolle Tarte gebacken habe…

schoko-kirsch-tarte

Aber ich erinnere mich an ihre leicht bittere Schokoladigkeit und die fruchtige Säure der saftigen Kirschfüllung. Und die knusprigen Mandelstückchen obenauf. Sehr lecker.

Und an meinen armen Mitbewohner, den ich fürs Titelfoto als Handmodel engagierte, obwohl er gar keine Lust hatte, erinnere ich mich auch :D

Vielleicht habt ihr ja noch Kirschen eingefroren und könnt dieses Rezept auch im September noch nachbacken — ich werd mir einen Reminder für die Kirschsaison 2021 in den Kalender setzen.

Schoko-Kirsch-Mandel-Tarte weiterlesen

Zuckersüß 375

…mit einem Wochenrückblick in Kuchen, Essen in dreierlei Restaurants (Floh, Bruder, Mochi Ramen) und einem Besuch im MAK (Show Off und Sitzen 69 revisited).

In dieser Woche habe ich zweimal Kaiserschmarrn gemacht, Mini-Cheesecakes gebacken und Cocktails gemixt (Painkiller, Jungle Bird).

Floh, Bruder und Mochi Ramen

Außerdem war ich gleich dreimal in spannenden Restaurants. In der Gastwirtschaft Floh in Langenlebarn habe ich für eine Radiosendung beim Karotten-Verkostungsworkshop mitgemacht und anschließend ein fünfgängiges Karotten-Menü gegessen, über das ich noch extra schreiben werde. Tags darauf war ich endlich mal wieder im Bruder, wo ich auch dieses Mal zwei völlig überraschende und auch ansonsten beeindruckende neue Gerichte kennengelernt habe. Und dann war ich auch noch im Mochi-Ramen am Vorgartenmarkt, obwohl es für Suppe eigentlich viel zu heiß war.

MAK: Show Off & Sitzen 69 Revisited

Als Ferienprogramm habe ich mir einen Besuch in der Bakelit-Ausstellung im MAK vorgenommen. Dort angekommen bin ich aber schließlich für fast drei Stunden in der Show Off-Ausstellung über Mode in Österreich versumpft und war dann auch noch schnell in die mittlerweile geschlossene Sitzen 69 revisited.

Zeitgenössische Mode designed/made in Austria steht im Fokus der ersten umfassenden Großausstellung zu österreichischem Modedesign. Eine Zeitreise durch das Modedesign mit all seinen Facetten von den 1980er Jahren bis heute zeigt das vielfältige Spektrum von DesignerInnen, die aus Österreich stammen, hier arbeiten oder hier eine Modeausbildung absolviert haben.

MAK, SHOW OFF. Austrian Fashion Design

Die Mode-Ausstellung begann mit „Talking Heads“, mehreren überdimensionierten Videowänden, mit minutenlangen Clips im Loop und einer großen Videoinstallation zu den Abschlusswerken vergangener Modeklassen an der Angewandten. Sowas nervt mich in Ausstellungen für gewöhnlich sehr, denn wenn eins nicht zufällig den Beginn eines Videos erwischt, muss eins einfach damit klarkommen – fast so schlimm wie im linearen Fernsehen, nur dass es eben irgendwann wieder von vorne anfängt. Wie ich gerade bemerkt habe, gibt es die Videos erfreulicherweise auch auf der Webseite der Ausstellung, und, wenn auch nicht gelistet, auf Youtube.

Letztlich hab ich mich doch bei zwei Wänden hingesetzt und so mehr als eine halbe Stunde mit schwarz-weiß-Interviews u.a. mit Gery Keszler (Life-Ball-Initiator), Elisabeth Längle (Modejournalistin) und Monica Titton (Modesoziologin) geschaut. Letztere führte das Aufkommen von Mode- und Streetstyleblogs als wichtiges „Karrierestarter“-Moment an, weil Mode(medien) so aufeinmal zugänglich für „alle“, oder zumindest etwas demokratischer wurde(n).

Von den maßgeblichen frühen österreichischen Modeblogs blicablica und Tschilp hatte ich noch nie gehört, beide sind seit Jahren eingestellt. Sie atmen mit ihrem Design und der Blogroll in der Sidebar noch die prä-Instagram-Blogosphäre, die ich so viel lieber habe als alle „Blogger_innen“, deren Content hauptsächlich auf Social Media stattfindet. Das Vorletzte, was vor recht genau fünf Jahren bei Tschilp veröffentlicht wurde, handelt von der Customer Experience beim Luxusonlinehändler Net-a-Porter – ein Beitrag, der weit über meine Fashionblog-Klischeevorstellungen der Style-Posts und „schön-Aussehen-als-Hauptaufgabe“ hinausgeht.

Nach gefühlten Stunden kam ich dann zu dem Part der Ausstellung, in dem auch tatsächlich Kleidung anzuschauen war. Dass die Seiten des zweistöckigen„Modeturms“, an der die Entwürfe österreichischer Designer_innen ausgestellt sind, nach Themen sortiert sind, habe ich vor Ort nicht verstanden. Nach einem Blick auf die Webseite ist mir das Konzept aber klar geworden: Vorne sind die österreichischen „Modehelden“ Helmut Lang und Rudi Gernreich, der sich in den 1960ern z.B. den Monokini hat einfallen lassen, zu sehen. An einer Seite gehts um Muster, an einer zweiten um skulpturale Shilouetten, an der dritten um Modernes. Im Inneren ist Mode zum Thema Tradition zu sehen, z.B. ein über und über mit Bändern besticktes Rüschen-Tüllkleid von Lena Hoschek, das mich sehr beeindruckt hat, und verfremdete Trachten von Vivienne Westwoods österreichischem Ehemann Andreas Kronthaler. An den Wänden hängt Modefotografie aus Magazinen und für Werbungen, mit denen ich größtenteils wenig anfangen konnte.

Im letzten Raum der Ausstellung geht es dann um Kataloge und Mode-Magazine. Obwohl ich sehr begeisterte (Indie-)Zeitschriften-Sammlerin war/bin, finde ich die meistens eher uninteressant, geht es doch oft nur um Oberflächliches (und nicht etwa darum, wie bestimmte Kleidungsstücke hergestellt werden, in welcher Tradition irgendwelche Muster stehen, was sich Designer_innen/Fotograf_innen bei ihren Werken gedacht haben…). Aus diesem Grund habe ich auch nur kurz über die ausgestellten Magazine geschaut, bei einem bin ich allerdings wegen des aufgeschlagenen Artikels hängengeblieben: Der DIVA vom April 2016 mit einem Feature über Elfie Semotan. Die Arbeit der österreichischen Fotografin ist mir letzten Sommer im C/O Berlin, wo ich eigentlich für eine Food-Fotografie-Ausstellung war (über die ich bedauerlicherweise nie geschrieben habe), erstmals begegnet und ich finde sie als Person ziemlich cool.

Eigentlich hatte ich mir ja nach einem Jahr im Business (mehr oder weniger…) bei Migrants du Monde in Rabat vom Thema Mode entfernt, weil es auf meiner ellenlangen Interessensliste eigentlich schon immer eine ziemlich untergeordnete Rolle spielt. Doch seit ich 2020 (auch dank Corona-Slowdown) angefangen habe, Anziehsachen abseits von Socken zu stricken und neuerdings auch Kleidung für mich nähe, ändert sich das wieder – über Mode(herstellung) nachzudenken finde ich auf einmal sehr interessant. Deshalb habe ich auch zwei Bücher aus dem Museumsshop – Die Welt der Stoffe von Kassia St Clair und Zur Hölle mit der Mode von Elizabeth Hawes (hier ein interessanter Blogpost der Übersetzerin dazu) – auf meine Wunschliste gesetzt.

Und wenn ich so drüber nachdenke, habe ich in den letzten Monaten auch einiges im Internet gelesen/gehört, das sich dem Thema Mode zuordnen lässt. Der tolle 99% invisible-Spinoff-Podcast Articles of Interest zum Beispiel oder Zadie Smith’s Überlegungen zu transatlantischem Stil oder Anke Gröners Posts über Mode-Ausstellungen (Thierry Mugler oder Jean Paul Gaultier).

In der Mini-Ausstellung „Sitzen 69 revisited“ ging es um die Diskrepanz zwischen dem, was 1969 als DIE neuen Sitzmöbel vorgestellt wurden (sehr altmodisch, spießig, s. Bild links) und dem, was wir heute im Kopf haben, wenn wir an 60er-Jahre-Möbel denken (bunt, plastik, s. Bild rechts).

Im Jahr 1969 fand im Österreichischen Museum für angewandte Kunst (dem heutigen MAK) die Möbelausstellung Sitzen 69 statt, bei der eine umfangreiche Auswahl an gediegenen „Tischlersesseln“ aus Skandinavien, Italien, Deutschland und Österreich präsentiert wurde. Von den vielen bunten und poppigen Sitzgelegenheiten, die uns heute so charakteristisch für diese Epoche erscheinen, war indes keine dabei: Die Ausstellung hatte einen letzten heroischen Versuch unternommen, einer sich immer deutlicher ausprägenden Konsum- und Wegwerfgesellschaft die Tradition qualitativ hochwertiger und handwerklich produzierter Möbel entgegenzuhalten.

MAK, „Sitzen 69“ revisited

Ich fand es recht lustig, die Reihe gediegener Holz- und Korbsessel gegenüber berühmten Designklassikern wie dem Panton Chair oder dem Eames Chair zu sehen, aber mit einer Führung oder anderen Vermittlung wärs wohl noch spannender gewesen…

Hier folgen jetzt noch meine liebsten Links der letzten Woche:

Zuckersüß 375 weiterlesen

Mini-Cheesecakes mit Limette und Weintrauben

Gestern brauchte ich für ein halbwegs spontanes Donauinselpicknick halbwegs schnell ein Kuchen-Mitbringsel. Schon wieder einfache Muffins/Cupcakes mit Zuckerguss zu backen war mir aber zu uninteressant (auch wenn die Limetten-Kardamom-Cupcakes von letzter Woche wirklich gut waren!).

limetten-kardamom-cupcakes
Limetten-Kardamom-Cupcakes von letzter Woche

Weil ich wirklich unter Zeitdruck war, versuchte ich mich an alles Süße zu erinnern, was ich in dieser Woche schon gegessen habe (Spoiler: supertolles dabei!): Milcheis mit Karottenkaramell in der Gastwirtschaft Floh (völlig ungeeignet fürs Picknick), Ziegenkäse-Cheesecake mit Himbeersorbet und Pistazienbiskuit im bruder (nicht wirklich 1:1 umsetzbar) und veganen Kokoscheesecake im cafe 7stern (in meinen Augen alles andere als Käsekuchen, aber you get the idea).

So kam ich also auf den Käsekuchen-Track. Für no-bake-Sachen (s. z.B. Limetten-Chili-Kardamom-Käsekuchen) hatte ich nicht genug Kühlzeit, ein großer Cheesecake (s. z.B. Zitronen-Cheesecake mit Blutorangensauce) bräuchte beim Picknick wohl Teller und Gabeln und Zeug, das ich nicht mitschleppen wollte.

Also: Mini-Cheesecakes in Muffinförmchen! Mit einfachem Streuselboden und gebackener Frischkäsecreme…

mini-cheesecakes mit limette und weintrauben

… und, damits auch nach was ausschaut: frischen Früchten obenauf.

mini-cheesecakes mit limette und weintrauben
Mini-Cheesecakes mit Limette und Weintrauben weiterlesen

Zuckersüß 374

Seit dem letzten Sonntagspost habe ich Bananencupcakes (sehr gut, aber sehr unfotogen), super fancy Biskuitschnitten mit Verveine-Sahne, Erdbeeren und Kombucha-Gelee (inspiriert von einem Instapost des 2*-Lokals Mraz&Sohn), Apfel-Karotten-Körndl-Muffins nach Ottolenghi und Limetten-Kardamom-Cupcakes gebacken – die Rezepte dazu werde ich *bald* veröffentlichen.

Im Garten meiner Familie habe ich gefühlt hunderte Tomaten geerntet, aber nur einen einzigen Pfirsich (wie 2017 auch?). Und weil ich auch in den Ferien immer was zu tun brauche, hab ich noch eine Webseite gebastelt (bzw. von gefühlt 2006 ins jetzt geholt) und die Webseite mit den Schnitzereien meines Vaters um eine Kategorie ergänzt: IRL-Ausstellungen.

Ein tapferes motiviertes Schneiderlein

Und ich habe mir endlich eine Nähmaschine zugelegt! Das war schon länger der Plan („Nähen lernen“ und „Darija auffrischen“ sind die einzigen zwei Punkte auf meiner summer bucket list, wenn eins das so nennen will), aber wegen Corona gabs nicht nur Klopapier-, Hefe- und Seifen-Craze, sondern auch einen argen Näh-Hype, der zu Lieferengpässen und wochenlangen Bestellfristen bei Nähmaschinen aller Art geführt hat… Im fünfzehnten Bezirk (wo ich fast noch nie war?) fand ich dann aber einen alteingessenen Nähmaschinenladen mit einem vorrätigen Modell in meiner Preisklasse: eine elna explore 240.

Nachdem ich in diesem Jahr schon meine erste Strickjacke und meinen ersten Pullover gemeistert habe, gehts jetzt also ans Schneidern. Vor gut zehn Jahren habe ich mir schon ein paar Kleidungsstücke genäht, ein völliger Nähnoob bin ich also nicht. Aber Kleidung nähen ist wirklich gar nicht einfach. Mit meinem Erstlingswerk, einer baumwollenen Pyjamahose mit seitlichen Eingriffstaschen und einem Bund mit Tunnel und Bindeband, bin ich ziemlich zufrieden – auch wenn ich absurd lange dafür gebraucht habe und die „Knopflöcher“ fürs Bindeband dreimal wieder auftrennen musste, weil ich mich zu doof für die Knopflochautomatik angestellt habe. Doch die Hose hatte auch nur gerade Nähte und auch ohne Anleitung konnte ich eigentlich nix falsch machen.

https://twitter.com/jasowies_o/status/1294370570553958401?s=20

Am Wochenende wollte ich unbedingt *sofort* das nächste Kleidungsstück nähen, musste mir aber natürlich ein Modell aus meinem burda-Stapel aussuchen, für das ich einerseits alles da hatte (also keine Reißverschlüsse, Vlieseline, Futterstoffe etc) und das andererseits meinem sehr geringen Erfahrungslevel entsprach. Ich entschied mich für dieses Sommerkleid, war aber mit der Materialangabe Köper reichlich überfordert. Materialkunde und „Stoffe erkennen/einschätzen“ stellte sich als überraschender Stolperstein heraus – das einzige Material in meinem Stoffstapel, das ich mit einigermaßener Sicherheit bestimmen konnte, war eine alte Leinentischdecke mit Blumenbordüre. Doch immerhin hatte ich davon genau die richtige Menge, sodass ich das Ding einfach zum Kleid upcycelte (und mich ein bisschen fühlte wie Amy Adams in Verwünscht, wie sie sich aus Vorhängen ein Prinzessinnenkleid schneidert). Nur „einfach“ wars wirklich nicht – obwohl ich mir alle Mühe der Welt gab, dank einiger YouTube-Videos die Abnäher an meine Figur anpasste und alles geflissentlich zusammenheftete (mehrmals!), bevor ich letztlich die Nähte steppte, wurde das Kleid am Ende ein bisschen schief. Und anders als das Original m burda-Heft sah meines nicht clean und cool aus, sondern irgendwie fad. Schließlich nähte ich noch die Blumenbordüre an den Saum und so habe ich jetzt ein Leinensommerkleid mit 70er-Jahre-Tischdecken-Vibe, yay! :)

Neben Strick- und Häkelcontent gibts hier in meinen Sonntagsposts jetzt wohl bald auch einiges Genähtes (doch wieder ein bisschen Lerntagebuch-Blogging?) und wie immer auch Lieblingslinks:

Zuckersüß 374 weiterlesen

Limetten-Kardamom-Cupcakes

In unserem WG-Vorrat haben sich in den letzten Tagen erstaunlich viele Limetten angesammelt. Alleine kann ich aber unmöglich so viele Cocktails (—> Negron, Jungle Bird) trinken wie nötig wären, um sie aufzubrauchen.

Die nächstbeste Lösung (und auch besser transportier- und verschenkbar): Kuchen!

limetten-kardamom-cupcakes
„Cupcakes“ lassen sich eh unter „Kuchen“ fassen, nicht?

Den Limettenklassiker schlechthin, Key Lime Pie, wollte ich zwar schon ewig mal ausprobieren, aber für so eine aufwendige Backaktion war ich spätabends zu faul. Ein Blick ins Blogarchiv brachte mich auf den Limetten-Chili-Kardamom-Käsekuchen, dessen Aromen letztlich als Vorlage herhalten mussten.

limetten-chili-kardamom-käsekuchen
Inspiration: Limetten-Chili-Kardamom-Käsekuchen

Heraus kamen luftige Cupcakes mit grob gemahlenem Kardamom und großzügig Limettenzeste. Beides findet sich auch nochmal im dicken Puderzuckerguss, den ich im Sommer weitaus praktischer finde als fancy Cream-Cheese-Frosting oder Buttercreme, die im Zweifel eh nur „davonlaufen“.

limetten-kardamom-cupcakes
Limetten-Kardamom-Cupcakes weiterlesen

Foodblog von Jana Wiese