Archiv der Kategorie: Zuckersüß

Zuckersüß 311

Nachdem ich am Dienstag direkt aus dem Nachtzug in den Hörsaal  aus meinem verlängerten Wochenende zurückgekommen war, ging es zügig weiter mit mehr Uni-Zeug. Meine BA-Arbeit hat nach einem Referat ein kleines bisschen mehr Form bekommen und dank eines weiteren Referats sind  Links zu Gesichtserkennung in diesem Post gelandet.

Ansonsten habe ich einiges in Büchern gelesen, oder zumindest darin geblättert. Darunter Katrin Rönickes 100 Seiten über Emanzipation und  Noah Sows deutschland schwarz weiss, die ich aber noch genauer lesen muss, um etwas darüber zu schreiben. Wer meine Instagram-Story gesehen hat, sollte auch mitbekommen haben, dass ich Fermentation recht spannend finde. Deshalb war es ein schöner Zufall, dass ein Bekannter den neuen Noma Guide to Fermentation in meine WG mitbrachte. Anders als Sandor Katz Art of Fermentation (s. Zuckersüß 271) setzt der Guide auf exakt und technisch kontrollierte Umgebung zu Fermentation und lässt auch (alkoholische) Getränke komplett außen vor. Aber die Bilder darin scheinen sehr hilfreich (und manchmal etwas eklig: *guter* Schimmel überall) und das Design ist, wie es das skandinavische Spitzenrestaurant erwarten lässt, sehr schön anzuschauen. Bei der Gelegenheit googelte ich auch nach dem Noma und fand heraus, dass es dort sogar ein vergünstigtes Studi-Paket gibt, das mit 1000 dk (134 Euro) überraschend günstig ist. Ein Besuch dort wird sich für mich wohl zwischenzeitlich trotzdem nicht ausgehen…

Und wie das Titelbild vermuten lässt, mixte ich wieder Cocktails, allesamt aus dem Cocktailian, oder zumindest daran angelehnt. Von links nach rechts waren das eine Bramble-Variation (Gin/Zitrone/beeriger Likör), ein Aperol Sour, ein Income Tax (Gin/Wermut/Orange/Angostura), und zwei Fizzes (Wodka/Rosmarin/Zitrone und Wodka/Vanille/Mandarine).

Meine liebsten Links der Woche gibts auch noch:

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Zuckersüß 310

Weil der letzte Sonntag mit dem Geburtstag der Zuckerbäckerei zusammenfiel (und mit Himbeer-Schoko-Torte!) erlaubte ich mir, ein Zuckersüß auszulassen. Aber eigentlich hätte ich auch überhaupt keine Zeit gehabt, eins zu schreiben, denn ich war die ganze Woche jeden Tag bei der Privacy Week. Auf der Konferenz des Wiener C3W sah ich mir sehr viele interessante Talks zu Digitalthemen an und hielt fast alle davon in Sketchnotes auf meinem iPad fest. Die findet ihr, bis ich einen Blogpost dazu getippt habe, hier auf Twitter, eines als Beispiel auch hier:

Montagabend habe ich mir ein paar Freund_innen für einen Geburtstagscocktailabend (s. Titelbild) eingeladen, um meine neue Ausrüstung auszuprobieren. Ein Shaker macht sich doch um einiges besser als ein ausrangiertes Gurkenglas. Und mein neuer supercooler gravierter Muddler stampft die ätherischen Öle eindeutig besser aus Zitronenschale und Basilikum als ein Kochlöffelstiel. Zusätzlich zu meinem allerliebsten Gin Basil Smash daraus habe ich auch noch Gin Rosmarin Fizz gemixt und Old Fashioned gerührt (endlich habe ich nämlich auch Angostura Bitters daheim). In Anlehnung an meinen Besuch im Botanical Garden im September habe ich zusätzlich noch Mohnsirup eingekocht und daraus mit Kaffee und Wodka den „Mohnshiner“ nachgebaut. Den übrigen ausgekochten Mohn ließ ich im Ofen trocknen und zerbrach die entstandene Platte in Dekostückchen.

In der gleichen Woche erfüllte ich dann auch den langgehegten Plan, einmal einen Cocktail im BirdYard zu trinken. Davor probierte ich aber noch den superknusprigen Pork Belly (voll vegetarisch. NICHT.) und eine Art Germknödel, gefüllt mit Pilzen, auf sehr nelkigem Blaukraut. Danach gabs mehr oder weniger zufällig (Bartenders Choice) den Kung Fu Pandan mit Gin, Limette, Koriander und Pandansirup, einer Zitrusfrucht, von der ich niemals zuvor gehört hatte. Mit dem Dekoblatt und der Mini-Reiswaffel sieht der auch ziemlich cool aus, allerdings fand ich letztere nur optisch spannend. Die Fotos der Birdyard-Cocktails auf ihrem Insta-Account können sich aber auf jeden Fall sehen lassen:

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The new menu is out now! Here we have "Kung Fu Pandan"! No, it's not misspelled – with Pandan leaves and refreshing cilantro. Die neue Karte ist da! Hier haben wir "Kung Fu Pandan"! Nein, wir haben uns nicht verschrieben – mit Pandanblätter und erfrischendem Koriander. Recipe: 4cl Sipsmith Gin 3cl Pandan syrup 1cl Cilantro essence 3cl fresh lime juice Shake, double strain Fill up with Soda water . . . . #thebirdyard #cocktailtime #craftedmixology #cocktails #cocktailart #drinkgram #drinkstagram #drinklove #bartending #bartenders #bartenderlife #mixeddrinks #mixologist #mixology #imbibe #imbibegram #mezcal #gin #whiskey #ginandtonic #tequilla #vodka #cognac #viennafood #viennabar #boozytalk #liqpic

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In der Folgewoche hatte ich alle Hände voll zu tun, *noch schnell* Unizeug aufzuholen. Da las ich zum Beispiel über Redefreiheit und Hate Speech oder über die politischen Aspekte von Gesichtserkennung – letztlich auch wieder nur Themen, die sehr gut auf die Privacy Week passen! Aber ich habe ja auch noch eine BA-Arbeit abzuliefern, nur damit, genauer gesagt der Themenfindung plage ich mich sehr. Gerade sieht es so aus, als würde sie ähnlich theoretisch wie meine letzte, nur dass es diesmal nicht so sehr um Verben und deren verschiedene funktionale Projektionen geht, sondern wahrscheinlich um complementizer agreement, aufgehängt an meiner Muttersprache, dem Niederbairischen.

Dennoch trieb ich mich weiter auf Abendveranstaltungen herum, am Montag bei den Aufmachern. In der Medienrunde war Hanna Herbst zu Gast, die über ihre Zeit bei VICE erzählte und sich alles mögliche fragen ließ, was ich in Sketchnotes festhielt.

Gut erkennbar: Mir ging am Ende der Platz aus.

Am Mittwoch machte ich mich auf eine übermäßig anstrengende Reise, mit Campobasso in Italien als Ziel. Dort war ich im September schon mal, (halbwegs) bequem mit dem Nachtzug. Der hätte kurz vor dem superlangen Wochenende Anfang November nur leider exakt doppelt so viel gekostet als der Flug mit einer Billigairline. Und so fuhr ich mit großzügigem Zeitpuffer nach Schwechat, trank kurz vor der Sicherheitskontrolle meine Wasserflasche leer und ärgerte mich tödlich, dass hinter den Metalldetektoren nur brennheißes Leitungswasser zu kriegen war. Dann schlängelte ich mich durch Richtung Gate – der Wartebereich hat eindeutig mehr Duty-Free-Geschäfte als Sitzplätze – und wartete ewig bis zum Boarding. Weil ich ein Handgepäcksstück brauchte, das größer ist als eine Laptoptasche, hatte ich mir ein „Priority Ticket“ gekauft, das mir zusätzlich erlaubte, als erstes in den Bus zu steigen, der uns über das Rollfeld zum Flugzeug bringen sollte. Diese Prioritybehandlung war vor allem deshalb *sehr* sinnvoll, weil alle Priorityreisenden nun im Bus warten mussten, bis die anderen durch die Ticketkontrollen waren. Eineinhalb Stunden später waren wir eh schon fast in Rom, doch in der Sitzplatzlotterie (um einen Auszusuchen hätte ich weitere 15€ zahlen müssen) hatte ich Pech und war mit als letzte aus dem Flugzeug draußen. Natürlich verpasste ich um fünf Minuten den einzigen Direkt-Bus nach Campobasso. Einziger Ersatz: Eine Zug-Bus-Verbindung mit zweimaligem Umsteigen und, tadaa – zweimaliger Verspätung. Wieder waren es fünf Minuten, diesmal erwischte ich die letzte Anbindung gerade noch. Und nach *nur* 11 Stunden war ich am Ziel! Diesen Nervenkitzel in Kombination mit ungleich höherer Umweltbelastung brauche ich wirklich nicht noch einmal. Nachtzüge, FTW!

In Campobasso war das Wetter leider so grau und nass, dass ich nicht viel von der Stadt sah. Dafür aber Call me by your name, der mein Lieblingsfilm 2018 bleibt (s. Zuckersüß 278). Neugierig auf *lokale* Zutaten verbrachte ich auch ziemlich viel Zeit in der Küche. Es gab Papardelle mit gebackenen Pilzen und Zucchini und Wein aus Molise. Außerdem Burratina mit geschmorten Tomaten und selbstgemachtem Kartoffelbrot. Und Olivenölbrownies nach Love & Olive Oil. Und Spaghetti Quadrato (nie vorher gesehen) Carbonara mit einer einzigen Scheibe Pancetta vom Feinkostladen (sooo gut!). Superfrische Kakis und Mandarinen. Selbstgebackene Oreos mit Zimt-Ganache-Füllung. Cacio Cavallo und Parmigiano. Frittata mit allem, was der Kühlschrank hergab. 10/10, gerne wieder.

Zurück gings glücklicherweise wieder mit dem Zug, wobei mich der Bahnhof in Rom auch Nerven kostete. Warum nur sieht der jetzt auch schon aus wie ein Flughafen? Statt festgelegten Bahnsteigen Anzeigetafeln, auf die alle starren (müssen), Gates mit Ticketkontrollen vor den Bahnsteigen und natürlich auch Prioritybehandlung (aka Sitzbänke in verschlossenen Wartebereichen, roter Teppich durch die Gates) für alle 1.-Klasse-Reisenden.

Genug Rant für heute, Lieblingslinks habe ich nämlich auch: Zuckersüß 310 weiterlesen

Zuckersüß 309

In dieser Woche war ich einmal wieder sehr froh, in Wien zu wohnen. So viele spannende Menschen zu treffen und so viele tolle Veranstaltungen besuchen zu können ginge auf dem Land bestimmt nicht.

Am Montag war ich für die Podiumsdiskussion „Unerhört? Frauenbewegungen in der arabischen Welt“ des VIDC in der Hauptbücherei. Das Thema gehört schon zu einem Bereich, in dem ich ein bisschen belesen bin (s. a. mein Rundbrief zu Frauen(rechten) in Marokko), aber lange habe ich nicht mehr so viele neue Erkenntnisse aus einem Panel mitgenommen.

Sketchnote zur Podiumsdiskussion in der Wiener Hauptbücherei

Nacheinander stellten die tunesische Journalistin Safa Belghith, die ägyptische Professorin Oumaima Abou-Bakr und die palästinensische Professorin Lena Meari die Situation verschiedener Frauenbewegungen und feministischer Aktionen in ihren Heimatländern vor. Spannend fand ich besonders, dass palästinensische grassroots-Zusammenschlüsse für Frauenrechte durch die „NGO-isierung“ in den 1990ern von „professionellen“ Akteur_innen verdrängt wurden, die oftmals den Kontakt zur breiten Masse verloren – wie Lena Meari erklärte. In Ägypten stünden „sekuläre“ Zusammenschlüsse schnell unter Verdacht, nicht neutral, sondern westlich-kolonisierend zu sein, in Tunesien dagegen überwiegt die Angst vor islamistischen Bestrebungen. Einig waren sich alle, dass Frauen in der arabisch-islamischen Welt sicher keine westlichen Retter_innen brauchen können, die Kontexte nicht berücksichtigen, sondern vor allem Solidarität – besonders in Europa. (Dazu schon einmal ein Hinweis auf meine Podcastfolge Nr. 11, die im November online gehen wird).

Workshop-Vorschlag Sketchnotes

Diese Live-Sketchnotes waren übrigens nicht die einzigen, die ich in dieser Woche gekritzelt habe. Für das Mediencamp habe ich einen Workshop-Vorschlag eingereicht, vielleicht werde ich ja am ersten Dezember versuchen können, meine Begeisterung für Sketchnotes weiterzugeben! Falls ihr auch hingehen wollt: Es gibt eine Blogparade, die einer_m Tickets bescheren kann!

Am Mittwoch wollte ich mir Waldheims Walzer anschauen, um ein bisschen mehr Ahnung von österreichischer Zeitgeschichte zu bekommen. Der Andrang im Votivkino war leider so groß, dass ich keine Tickets mehr bekam und letztlich in der Folgevorführung zwei Stunden später landete. An einigen Stellen im Film wusste ich echt nicht mehr weiter – Waldheims Wahlkampf und generelles Auftreten war dermaßen antisemitisch, und das hinderte ihn trotzdem nicht daran, volle vier Jahre im Amt zu bleiben! Sehr verstörend.

Und schließlich besuchte ich auch noch die Wiener Verkehrsleitzentrale – die erste Exkursion in meinen zweieinhalb Jahren Studium in Wien. Gemeinsam mit meinen Kolleg_innen im Technologie-und-Gesellschaft-Seminar erfuhr ich, dass in Wien etwa 1300 Ampeln stehen, die Öffis dem Individualverkehr bevorzugen (yay!) und dass 120 Kameras der Stadt Wien die Hauptverkehrswege überwachen, aber nichts aufzeichnen dürfen. Die Stadt ist für gewöhnlich so voll, dass jede Behinderung  auf dem Ring das ganze System ins Stocken bringt, oder wie der Guide uns erklärte „Es gibt viel zu viele Autos für zu wenig Straße“.

Weil das Rückgabedatum der Bücherei drohte, las ich *noch schnell* Laurie Pennys Bitch Doktrin fertig. Leider begeisterte mich dieses Buch nicht so sehr wie alle ihre anderen Texte (hier z.B. habe ich über Unspeakable Things geschrieben). Das mag  vielleicht der deutschen Übersetzung geschuldet sein, in der viel Witz verloren geht und alles nur noch deprimierend wirkt. Dennoch finde ich es nach wie vor sehr spannend, wie Laurie Penny Geschlechterverhältnisse mit Technologie und Kapitalismuskritik verwebt.

Im Internet habe ich nicht so viel gelesen, aber ein paar Lieblingslinks sind schon zusammengekommen:

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Zuckersüß 308

In dieser Woche war ich wieder beim #kunstschatzi im KHM, denn einen Cocktail spätabends im Museum kann ich mir nicht entgehen lassen. Erst recht nicht, weil der Eintritt mit Jahreskarte nichts kostet, viele Freund_innen dort sind und die Führungen kostenlos. Supercoole Veranstaltungsreihe!

Außerdem habe ich den Spanischkurs angefangen, den ich im Frühjahr beim Fotowettbewerb der Uni Wien gewonnen habe. Mal sehen, wie viel ich dort lerne, ein ähnlicher Italienischkurs hatte mich ja leider letztes Jahr nicht viel weiter gebracht als Duolingo…

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Das Foto, das mir einen Platz im Spanischkurs des Instituto Cervantes verschafft hat

Am Donnerstag war ich zum ersten Mal bei einem Live-Podcast zu Gast. Das Team vom Sendegarten hatte mich nämlich freundlicherweise auf ihre Gartenbank eingeladen. Leider war der Abend voller technischer Probleme, die mich ein bisschen aus der Ruhe brachten. Mein Versuch, meine BA-Arbeit über die No Agent Idiom Hypothesis zu erklären, ging etwas schief. Die Zuckerbäckerei, meinen Podcast Lieblings-Plätzchen und Sketchnotes zu erklären viel mir da schon leichter. Glücklicherweise fiel mir auch noch spontan ein Blütenschatz ein – Anna Goldenbergs Buch „Versteckte Jahre“ auf dessen Präsentation ich vergangene Woche war. Wenn ihr wollt, könnt ihr in der 60. Folge „Cookiegarden“ hören, wie ich noch nie vom Weltmädchentag (auch am Donnerstag!) gehört habe und gefühlte 10000 Mal „tatsächlich“ sage 😉

Das vielleicht letzte Eis der Saison habe ich mir beim allerliebsten Eisgreißler gegönnt und der Herbst schlug sehr in den Aromen durch: Sturm (richtig pink!) und Zirbe sind sehr interessante Sorten.

Ansonsten habe ich noch Bravetart’s Ricotta Lace Cookies gebacken, die schmeckten wie Karamell in Keksform,  und in einer sehr langwierigen Aktion Germknödel mit Vanillesauce gekocht. Die Rezept-Posts dazu folgen in Kürze, bis dahin meine liebsten Links der Woche:

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Zuckersüß 307

In den Oktober startete ich mit einem ganzen Tag zuhören und sketchnoten auf der ziemlich interessanten Digitalkonferenz. Am nächsten Nachmittag begann mein mittlerweile siebtes (und voraussichtlich letztes) Sprachwissenschaftssemester mit einer Prüfung. Jetzt geht das mit der BA-Arbeit wieder los, vielleicht wird das Zuckersüß also wieder mehr zum „Lerntagebuch“!

Anna Goldenberg stellte am Dienstag in der Wiener Hauptbücherei, moderiert von Florian Klenk, ihr erstes Buch „Versteckte Jahre“ vor. Ich hatte es schon vorher auf meine Leseliste gesetzt, aber nach der Lesung ist es ganz nach oben gerutscht. Die Geschichten darin sind sehr schrecklich und deprimierend: Sie erzählt von ihren jüdischen Großeltern, vor allem ihrem Großvater, und wie sie die Naziherrschaft und den Holocaust überlebten. Helga Feldner, die Großmutter der Autorin, erzählte zum Schluss noch selbst vom KZ Theresienstadt und wie sehr sie die Rassentrennung der USA der 50er, aber auch die Stimmungsmache gegen Ausländer_innen im heutigen Österreich, schockiert(e). Leider war der Verkaufsstand nach gefühlten fünf Minuten leergekauft, sodass ich noch immer kein Exemplar habe, aber bald ist ja mein Geburtstag (*hint, hint*)?

Gebacken habe ich in dieser Woche auch, nämlich schon wieder vegane Cookies, deren Rezept ich mittlerweile überzeugend genug finde, um es bald zu veröffentlichen, und einen Apfelmus-Kuchen von smitten kitchen.

Am Wochenende verschlug es mich nochmal in die Berge, was in einer tollen Wanderung mit noch tollerem Ausblick (das Titelbild!) und Zimtschnecken aus dem Holzofen endete. Und dank langem Zugfahren gibts auch genug Material für eine (verspätete) Lieblingslink-Sammlung:

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Zuckersüß 306

In dieser Woche bin ich mit dem Nachtzug nach Italien gefahren. Zwar nicht *so* spontan, wie das vielleicht klingt, aber bin ich immer wieder erstaunt, wie einfach und schnell man in Europa herumkommen kann. Wobei schnell auch relativ ist – der Nightjet brauchte etwas mehr als 14 Stunden von Hauptstadt zu Hauptstadt.

In Rom hatte ich knapp drei Stunden Aufenthalt, bevor es mit dem nächsten Zug weiterging. Ich hatte die Stadt noch nie vorher besucht und spazierte deshalb einfach ein bisschen herum.

Nach meinem Stadtrundgang fuhr ich weiter nach Campobasso, der Hauptstadt von Molise. Ihrem Ruf als nicht-existierende Stadt (das Bielefeld Italiens?) wird sie schon irgendwie gerecht, denn es gibt kaum Zugverbindungen dorthin. Eigentlich ist das Städtchen aber ganz schön, mit einer Burg und einer Kirche auf dem Berg, viel Graffiti und viel Pizza. Jedenfalls aß ich vier Tage lang täglich eine. Und außerdem Eis und Taralli und Burrata (<3).

Im Supermarkt stolperte ich nach 25 Regalmetern Pasta über cicoria tagliata, das neben Spinat, Mangold und Salat in der Auslage präsentiert wurde. Das Grünzeug sieht ein bisschen aus wie Löwenzahn und schmeckt auch ähnlich bitter. Die namentliche und geschmackliche Ähnlichkeit zu Chicorée kommt auch nicht von irgendwo, dank Wikipedia weiß ich jetzt um deren Verwandtheit und auch den deutschen Namen: Gemeine Wegwarte. Klingt weitaus weniger lecker, wenn ihr mich fragt.

Jedenfalls gab es die cicoria tagliata mit etwas Mangold, Knoblauch, Chili, Zwiebeln und Kapern zu Spaghetti. Am nächsten Tag mit etwas Sojasauce angebraten schmeckte das übrigens noch besser.

Eine Nachspeise brauchte es dann natürlich auch noch, am besten eine Proviant-taugliche für die Heimfahrt. Als absolutes Gegenprogramm zum gerade erst entdeckten Grünzeug entschied ich mich für altbekannte bayerische Hirschknöpf. Beim Teigkneten und -probieren fiel mir auf, wie anders italienische Butter (zumindest die, die ich gekauft hatte) schmeckt. Sie ist viel heller als handelsübliche in Österreich/Bayern und schmeckt ein bisschen nach saurer Milch – in etwa wie Hersheys Milk Chocolate, die ich letzten Sommer in Kentucky probiert habe. In Marokko hielt ich mich ja ausschließlich an Import-Butter, weil der Fettgehalt der handelsüblichen lokalen zu wünschen übrig ließ. Dieses Problem kam mit der italienischen Butter glücklicherweise nicht auf – die Hirschknöpf wurden wie erwartet richtig lecker.

Ich versuchte mich auch an ein bisschen Konversation auf Italienisch, was meistens kläglich scheiterte. Ich kann recht gut sagen, wer ich bin, woher ich komme und was ich im Leben so mache. Meistens verstehe ich sogar halbwegs gut, was mir erzählt wird, wenn es langsam vorgetragen wird und ich aus dem Kontext schöpfen kann, aber an meiner Sprachkompetenz muss ich eindeutig noch feilen (Duolingo, ich komme!).

Auf dem Rückweg geriet mein Nightjet leider in eine dreistündige Verspätung, sodass ich völlig ausgehungert, etwas genervt, aber immerhin gut ausgeschlafen (Nachtzüge sind nicht immer Garant für Schlafentzug!) mittags in Wien aufschlug. Bevor der Tag aus war blieb mir auch noch genug Zeit für eine neue Lieblingslinksammlung:

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Zuckersüß 305

In dieser Woche habe ich viel gebacken, gelesen und getrunken, allerdings nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Das Dutch Baby vom Montag war am Ende eher flacher Biskuitkuchen (lag vermutlich an der dünnen Springform statt einer schweren Gusseisenpfanne) und die veganen Cookies überzeugten mich auch nach dem zweiten Versuch noch nicht zu hundert Prozent. Gelungen sind dafür die Red Curry Eggs nach dem Rezept der Effilée und meine Mohn-Marzipan-Plätzerl mit Traubengelee, die ich zuletzt zum Abitur gebacken habe.


Gelesen habe ich ein paar wissenschaftliche Texte (der Semesterstart naht!), den ganzen (!) Falter und ein bisschen in Laurie Pennys Bitch Doktrin gelesen. In der Bücherei gibt es das leider nur auf Deutsch, was mir das Lesevergnügen ein bisschen trübt.


Und getrunken habe ich einen ganzen Abend lang in meinen liebsten Cocktailbars der Stadt. Seit ich den Cocktailian daheim habe (der mittlerweile ausverkauft und deshalb um mehrere hundert Euro gehandelt wird!), kann ich mich noch besser in Getränke nerden.

cocktails
Außerordentlich schlechte Fotos von außerordentlich guten Getränken. L.o.: Dachboden, r.u.: Währingerstraßenfest, alle anderen botanical garden

Als Startpunkt am frühen Abend bot sich der Dachboden auf dem 25hours-Hotel an. Dort sind die Cocktails mit 13€ zwar gar nicht günstig, aber kaum sonst wo gibt es eine so schöne Aussicht dazu. Die Bar ist im achten Stock und von der Terrasse kann man (fast) ganz Wien überblicken. Ich trank einen duke of earl (earl grey tea & mint infused tanqueray gin, ingwerer, sugar, lime, fresh mint), den ich so ähnlich schon einmal in Prag getrunken hatte. Mein Begleiter bestellte einen walnut old fashioned (walnut infused bulleit bourbon, homemade portwine, cranberry & maple syrup, fee brothers barrel aged bitters).

Zwischendrin hielten wir uns an Wasser, aber nur bis wir unsere Schüsseln im Es gibt Reis aufgegessen haben.

Weiter gings in den botanical garden, das seit meinem Besuch im Januar mein absoluter Barfavorit der Stadt ist. Diesmal war fast nichts los, sodass die supercoole Playlist nicht von Gesprächen übertönt worden ist. Vor allem aber hatten die zwei hinter der Bar wenig zu tun und mehr Zeit für die Gäst_innen. Schon für den ersten Drink bekamen wir Geschmacksberatung von Marcel Katzer und ich entschied mich für den „instagrammable“ Made in China. Der wird in einer Take-Out-Box mit Metallstrohalm serviert und schmeckt unter anderem nach Kaffirblatt. Das erinnerte mich sogleich an meine südostasiatische Suppe im Restaurant vorher, aber auf eine sehr gute Weise. Außerdem im Rezept steht Wodka, Zitronengras, Kokos, Limette und Mineralwasser.

Leider hat die Bar ihre Karte nicht online, sodass ich nicht rekonstruieren kann, was mein Begleiter als erstes trank. Doch die Deko darauf- kandierte Orangenscheiben – habe ich nicht vergessen, denn der Bartender fing sogleich an, die Herstellungsprozesse zu erklären: Orangenscheiben mit Läuterzucker bestreichen und stundenlang bei niedriger Ofentemperatur trocknen oder den Mohn aus der Sirupherstellung zu Chips backen. Nebenbei knabberten wir an supergutem Rosmarinpopcorn und tranken großzügig Leitungswasser aus ausrangierten Ginflaschen (Katervorbeugung ist bei so einem Abend essentiell!).

Für die zweite Runde lachte uns lustigerweise der gleiche Drink an, doch bei so einer Vielfalt nicht aus dem Vollen zu schöpfen kam nicht in Frage. Zum Opium Espresso (Espresso, Mohnsirup und Wodka, wenn ich mich recht erinnere) gabs deshalb auf Empfehlung unseres Bartenders einen ähnlichen Drink, der eigentlich als Shot verkauft wird.

Zum dritten Drink landeten wir letztlich direkt am Tresen, um ganz genau aufzupassen, wie unsere Spezialanfertigungen gemixt wurden. Ich bekam eine Amaretto-Sour-Abwandlung, an der mich vor allem die Deko begeisterte. Der Bartender mischte Zucker mit Angosturabitters, verstrich ihn auf einer Limette und karamellisierte ihn mit einem Flämmer zu einem superguten Lolli. Im zweiten Glas landete eine Margaritaabwandlung, die ich so faszinierend fand, dass ich die Zutaten mitschrieb: halb Mezcal, halb Tequila, geklärter Limettensaft (mit Agar Agar und einfrieren!), Agavendicksaft. Der Mezcal schmeckt selbst schon sehr rauchig, doch geflämmter Rosmarin verstärkte dieses Aroma noch zusätzlich.

An den Mix für den Shot aufs Haus kann ich mich – abgesehen vom geklärten Limettensaft – nicht mehr erinnern, dafür aber an die Deko des letzten Drink des Abends: Den drei Finger Joe Punch zieren Camparistreusel.

Nach so vielen Cocktails war auch die letzte Tram schon abgefahren, was mir die Chance bot, ein berühmt-berüchtigtes Gürtel-Pita-Falafel zu essen. Das schmeckte erstaunlicherweise so gut wie noch nie (verdächtigt: mein Alkoholpegel). Auch lecker: Der rote Sturm auf dem Währingerstraßenfest am Freitag.

Und jetzt zum Hauptteil der Sonntagspost – meine liebsten Links der vergangenen Woche:

Zuckersüß 305 weiterlesen

Zuckersüß 304

Mit dem Bücher (oder Prüfungsstoff) lesen klappte es in dieser Woche leider nicht, aber dafür war ich bei mehreren *Kulturveranstaltungen*. Beim „kunstschatzi“ im Kunsthistorischen Museum wurde das ohnehin schon eindrucksvolle Gebäude mit bunter Beleuchtung, Diskokugeln, DJ und Cocktails noch beeindruckender. Ich gehe gerneins Museum, aber unter diesen Bedingungen macht es noch viel mehr Freude (wenn auch der Signature Cocktail meiner Meinung nach nix taugte). Passend zum Motto des Abends „Wild Thing“ gab es stündlich Führungen durch verschiedene Ausstellungen.

Bei der ersten, die den Titel „Wilde Kerle“ trug, erfuhr ich zum Beispiel, dass Einhörner ursprünglich eher wie „Wolpertinger“ gedacht wurden statt so knuffig und süß wie heute. In „Freestyle – Künstler auf dem Holzweg“ ging es um Peter Paul Rubens Werke auf Holz, die leicht kaputt gingen und aufwändig restauriert werden müssen. In einer Restaurierungsaktion von 1815 passierte dann sogar mal ein Fehler, den man getrost Photoshop-Fail (Shoutout an Jana) nennen könnte: Ein Fuß aus einer Skizze unter dem Gemälde wurde freigelegt und steht jetzt ohne Körper im Bild!

In der Altertumssammlung folgte ich der Tour „Die jünglingsraubende Sphinx“. Selbige steht als Statue im KHM und führte viele heroische junge Männer mit einem einfachen Rätsel ins Verderben: „Was hat am Morgen vier Beine, am Mittag zwei und am Abend drei?“ (Kommt wer von euch lieben Leser_innen auf die Lösung?).


alterlaa
*Wunderschönes* Alterlaa

Am Wochenende war Open House, auf das ich schon seit einigen Wochen hinfiebere. Bei dieser Aktion stehen ansonsten (halbwegs) private Gebäude zur Besichtigung offen. Ich wollte unbedingt mal den Wohnpark Alt-Erlaa  sehen, weshalb ich gleich am Samstagmorgen in den 23. Bezirk fuhr. Ich wäre sicher nicht *zufällig* dorthin gekommen, aber ohne Führung durch das Gelände wäre der Besuch auch nur halb so spannend gewesen.

Auf dem Dach
Dachpool
Dachpool, FTW

Eigentlich ist der Gebäudekomplex ja außerordentlich hässlich, doch die Wohnqualität darin ist so hoch, dass alle der 3000 (oder mehr?) Wohnungen vermietet sind. Jede davon hat eine Loggia oder einen Balkon, und alle Bewohner_innen können kostenlos die Pools und Saunen am Dach nutzen. Ein Einkaufszentrum, mehrere Schulen und eine Kirche (die einzige in Österreich, die nicht der Kirche gehört!) gibts dort auch noch.

Oft siehts aus, als wäre der ganze Wohnpark in den 1980ern stehen geblieben
Die U6-Station passt in ihrer Gestaltung super zum Wohnpark

Die Atmosphäre im riesigen Gebäudekomplex ist wirklich angenehm, obwohl sehr vieles enorm altmodisch wirkt. Im Rahmen der Führung durften wir Besucher_innen sogar in eine Einzimmerwohnung schauen. Daran hat mich am meisten der Balkon begeistert, in den Trögen darauf wächst nämlich nicht nur ein halbes Gemüsebeet, sondern auch kleinere Bäume.

Eingangshalle der Länderbank

Zurück in der *Stadt* schaute ich mir die Länderbank an. Die stammt von Otto Wagner, weshalb ich den Plänen dazu schon in der Ausstellung im Wien Museum (s. Zuckersüß 300) begegnet bin. Die Führung hier war nicht uninteressant, aber ich konnte mich nicht so für das Gebäude begeistern wie in Alterlaa.

Viel Tageslicht überall

Danach gings noch weiter zur WU, wo ich an einer Führung durch das Library & Learning Center teilnahm. Leider ist dort fotografieren verboten, sodass ihr entweder selbst zum Prater fahren, oder euch die offizielle Webseite anschauen müsst, um das futuristische Bauwerk von Zaha Hadid zu sehen. Im ganzen Gebäude gibt es nicht einen rechten Winkel und sehr viele Flächen sind weiß, sodass sogar ein jährliches Malerbudget zur Instandhaltung eingeplant wurde. Der Prestigebau kostete fast 500 Millionen Euro und ist seit 2013 eröffnet – jetzt sieht er noch immer sehr cool aus. Ich frage mich allerdings, ob das Gebäude in dreißig oder vierzig Jahren auch so furchtbar wirkt wie heute die Wohnblöcke in Alterlaa.

Bis es soweit ist, könnt ihr ja meine liebsten Links der Woche lesen, heute mit recht viel politischem Inhalt:

Zuckersüß 304 weiterlesen

Zuckersüß 303

Wie letzten Sonntag angekündigt, blieb ich für eine ganze Woche offline. Mit drei kurzen Ausnahmen – mein Telefon wählte sich nämlich auf Berggipfeln ins Netz und ich konnte ein paar Tweets lesen. Mangels Strom (Solaranlagen funktionieren halt auch nur, wenn die Sonne scheint) stieg ich bald auf Papierbücher um und las gleich vier davon. Meine Ferienlektüre war ziemlich feministisch: Mehr Kopf als Tuch (Amani Abuzahra), Unspeakable Things (Laurie Penny), Wenn Männer mir die Welt erklären (Rebecca Solnit) und Ich bin kein Sexist, aber (Yasmina Banaszczuk, Nicole von Horst, Jasna Strick und Mithu M. Sanyal). Zu Virginia Woolf’s A Room of One’s Own kam ich nicht mehr und Sylvia Plaths The Bell Jar habe ich schon im letzten Zuckersüß beschrieben.


Die Textsammlung Mehr Kopf als Tuch war mir vor einiger Zeit auf Instagram begegnet und praktischerweise in der Bücherei erhältlich. Innerhalb eines einzigen Tages las ich mich durch die elf Artikel, die Amani Abuzahra zusammengetragen hat. Muslimische Frauen aus dem deutschsprachigen Raum schreiben über Alltägliches und Strukturelles und auch wegen der Unterschiedlichkeit der angesprochenen Themen fühlte sich das Buch irgendwie wie ein Blog an. Tatsächlich habe ich die Blogs bzw. Social Media Accounts einiger Autorinnen schon länger abonniert, z.B. Kübra Gümüşay, Dudu Kücükgöl (die offenbar leider ihr Twitterprofil deaktiviert hat), Nadia Shehadeh und Soufeina Hamed. Die ersten zwei habe ich auch bei Vorträgen schon gehört, Kübra Gümüsay prägte mit Organisierte Liebe sogar ein re:publica-Motto. So platt es klingt – ich habe mit den elf Artikeln einige neue Perspektiven gewonnen. Ich hatte zum Beispiel noch nie darüber nachgedacht, dass es für sichtbare Musliminnen in den Straßen des  ach-so-gefährlichen 10. Bezirk Wiens viel angenehmer sein kann, als in „nobleren“ Gegenden – einfach, weil sie dort als „normal“ durchgehen und nicht besonders auffallen.


Laurie Pennys Unspeakable Things liegt schon seit mehr als einem Jahr bei mir herum, und obwohl ich ihre Texte praktisch ausnahmslos super finde (mein Lieblingsartikel ist jetzt recht genau drei Jahre alt), habe ich es nie durchgelesen. Dieses Mal konnte ich es aber nicht mehr weglegen und Laurie Pennys Wut auf das Patriarchat (und den Kapitalismus), die sie explizit nicht kaschiert, aber doch mit Lösungsvorschlägen kombiniert, steckte mich an. Sie ist ziemlich radikal, persönlich und nimmt niemals ein Blatt vor den Mund – ihre Absätze enden oft unerwartet zynisch und bleiben dadurch wie spitze Stacheln der Ungerechtigkeit im Gedächtnis:

It should not, therefore, be as difficult as it is to explain to the average human male that while you, individual man, going about your daily business, eating crisps and playing BioShock 2, may not hate and hurt women, men as a group – men as a structure – certainly do. I do not believe that the majority of men are too stupid to understand this distinciton, and if they are, we really need to step up our efforts to stop them running almost every global government. (S. 68)

In fünf Kapiteln spannt sie den Bogen von ihrer eigenen Vergangenheit mit Esstörungen, „verlorenen Jungs“ in der Männlichkeitskrise über Sexismus im Internet zu Liebe als oft ausbeuterisches Verhältnis. An einigen Stellen fand ich Anknüpfungspunkte zu meiner eigenen Biografie, vor allem was das Internet angeht (wobei ich glücklicherweise von schlimmen sexistischen Shitstorms bisher verschont blieb):

[…] I learned how to be a writer online, and so did millions of other women all over the world. And not just how to write, but how to speak and listen, how to understand my own experience and raise my voice. I educated myself online. Grew up online. And on blogs and journals and, later, in the pages of digital magazines, I discoverd that I wasn‘t the only pissed-off girl out there. The Internet made misogyny routine and sexual bullying easy, but first it did something else. It gave women, girls and queer people space to speak to each other without limits, across borders, sharing stories and changing our reality. (S. 157)

Mein liebstes Zitat, das ich außerdem für halbwegs zugänglich halte und deshalb Menschen, die in der Thematik der (versteckten) Geschlechterhierarchien nicht so bewandert sind, ans Herz legen werde, ist folgendes:

„Men grow up expecting to be the hero of their own story. Women grow up expecting to be the supporting actress in somebody else‘s.“ (S. 216)

Ich habe auch noch Laurie Pennys neuestes Buch, Bitch Doktrin (leider übersetzt und nicht in der Originalfassung) daheim, ich denke, ich werde es bald anfangen!


Als nächstes las ich Rebecca Solnits Wenn Männer mir die Welt erklären. Das hatte ich nur deshalb ausgeliehen, weil ich vor kurzem irgendwo über den Namen der Autorin gestolpert war. Gleich nach Laurie Pennys mitreißender Kampfansage kamen mir die Texte darin regelrecht fad vor. Ich hatte auch eher mit einem durchdachten Gesamtwerk gerechnet denn mit einer losen Essaysammlung ohne Übergänge und mit vielen Dopplungen. Ich fand es zwar spannend, den titelgebenden Text zu lesen, weil in dessen Zusammenhang der Begriff „mansplaining“ entstanden war und dementsprechend oft darauf verwiesen wird. Der Rest hingegen war entweder nicht mehr aktuell (im Text zu Strauss-Kahn ging es um Argentinien und Venezuela, die sich aus den Fesseln des IWF befreien konnten – letzteres ist zur Zeit nicht unbedingt Musterbeispiel für einen gesunden Staatshaushalt), verwirrend oder eine oberflächliche Behandlung von Themen, die ich woanders schon ausführlicher gelesen habe. Schade!


Zuletzt nahm ich mir noch einen schmalen Band vor: „Ich bin kein Sexist, aber“. Sexismus erlebt, erklärt und wie wir ihn beenden vereint vier Essays von Frauen, die mit #aufschrei zu tun hatten. Nicole von Horst (@vonhorst) beginnt die Textsammlung mit Überlegungen zum Platz, den sich Frauen in Gesprächen und im öffentlichen Diskurs nehmen (trauen). Ihre Zwischenüberschriften – allesamt Zitate aus Büchern und Blogposts- muss ich unbedingt noch nachgoogeln. Yasmina Banaszczuk (@lasersushi) erzählt von Sexismus am Arbeitsplatz und wie er Machtungleichgewicht herstellt. Jasna Strick (@tugendfurie) schreibt über den Backlash der auf #aufschrei folgte und Mithu Sanyal (@Msanyal) geht sehr theoretisch an das Thema heran – ihren Text fand ich stellenweise recht anstrengend.

Weil ein #aufschrei nicht reicht von Anne Wizorek, die auch mit der Erfindung des Hashtags zu tun hatte, habe ich schon vor ein paar jahren gelesen und zu einem meiner liebsten feministischen Sachbücher auserkoren. Das Buch der anderen Initiatorinnen geht viel mehr auf den Hashtag selbst ein (jedenfalls, wenn ich mich recht erinnere) und erschien relativ bald nach dem das Thema hohe Wellen geschlagen hatte. Damals habe ich nur am Rande davon mitbekommen, sodass ich diese Einordnungen jetzt gerne gelesen habe.


Und weil so viel Bücher nicht reichen, war ich auch noch im Museum: Zuerst im Salzbergwerk Bad Dürnberg. Dort kann man – gut eingewickelt in große Schutzkleidung – eine mehr als einstündige Führung durch die Stollen, die in Teilen schon von den Kelten gegraben wurden, mitmachen. Mit gut zwanzig Euro ist die ziemlich teurer, aber das Programm ist mit einer Bergbahn-Fahrt, zwei Holzrutschen und einer Bootsfahrt über einen unterirdischen Salzsee schon cool. Unter der Erde passiert man sogar mal die Grenze nach Deutschland und sieht in mehreren Filmen, wie Salzabbau im Laufe der Zeit funktionierte. Mit dem Ticket kommt man auch gratis ins Keltenmuseum im nahegelegenen Hallein. Dort kam ich in mehr als eineinhalb Stunden nicht über das Erdgeschoss hinaus, doch die beiden Ausstellungen dort sind sehr gut gemacht. Zeitsprünge-Ursprünge sieht man an, dass sie aufwändig und vor nicht langer Zeit konzipiert wurde. Beginnend mit der heutigen Zeit gelangt man in der Ausstellung zurück bis in die vorrömische Zeit und was sich damals in der Salzburger Gegend abgespielt hatte. Die Austellung ist mit futuristischen Schaukästen und vielen Klappen, die man öffnen kann sehr interaktiv gestaltet. Ich hatte auch meine Freude mit dem „Urgeschichte-Wurm Kurt“, der Angebote für Kinder markiert, z. B. eine mechanische Waage mit Gewichten, bei der man die Grundeinheit der Kelten herausfinden kann, oder Suchrätseln für die Vitrinen.

Die aktuelle Sonderausstellung im Keltenmuseum beschäftigt sich mit der Himmelscheibe von Nebra, von der ich vorher noch nie gehört hatte. Diese Bronzeplatte wurde vor etwa 4000 Jahren aus Kupfer aus dem Salzburger Land hergestellt und vor gut 20 Jahren in der Nähe der Stadt Nebra in Sachsen-Anhalt gefunden. Sie gilt als eine der ältesten Himmelsdarstellungen der Welt und wurde zeitweise sogar als Umrechnungsmittel zwischen Mond- und Sonnenkalender benutzt. Die Ausstellung ist ebenfalls sehr modern aufgemacht, großformatige Fotos zeigen auch die archäologische Aufarbeitung des Fundes.


Jetzt habe ich meine Linksammlung wirklich genug verzögert (es ist schon Mittwoch!), deshalb hier meine Empfehlungen der Woche: Zuckersüß 303 weiterlesen

Zuckersüß 302

Diese Woche war ich zum ersten Mal in einem der berühmtesten Eissalons Wiens: Tichy am Reumannplatz. Der Laden ist sehr liebenswert altmodisch und hat eine erstaunliche Zusammensetzung von Kundschaft. Die Theke ist mit dunklem Holz vertäfelt, an den Glasbausteinen kleben transparente Früchte-Bilder und die Speisekarte ist voller Begriffe wie „Schiwago“ und „Frühlingssymphonie“. Außerdem gibts Plastikblumen und metallene Eiswaffelhalter auf jedem Tisch. Weil ich gegen Haselnüsse allergisch bin, konnte ich leider nicht die berühmten Eis-Marillenknödel essen und probierte deshalb einen Mohnknödel und einen Ribisel-Topfenknödel (oder ähnlich). Die schmeckten genauso altmodisch wie es im Eissalon aussieht, was vor allem am Schnaps darin liegt. Mein liebstes Eis wird das von Tichy deshalb nicht, aber das Lokal ist schon einen Besuch wert.

Am Dienstag habe ich mich mit einigen Podcaster_innen (u.a.Erklär mir die WeltJeanne’s HeldinnenballverliebtGanz offen Gesagt) im Café Sperlhof getroffen und über Podcastiges geredet. Tatsächlich habe ich es dann auch noch geschafft, die neunte Folge Lieblings-Plätzchen zu veröffentlichen: Im ImpactHub mit Annemarie Harant. Mal schauen, ob ich in Zukunft mit meinem neuen Veröffentlichungsrhythmus (immer am letzten des Monats) mithalten kann!

Bei Ö1 habe ich an meinem allerletzten Praktikumstag auch noch zwei Beiträge fertigbekommen. Bei help gibt es in den nächsten Wochen also eine Geschichte über Fake-Online-Shops und eine über Marmeladeneinkochen von mir (yay!). Mir fiel außerdem der ORF-Styleguide für die Texte auf der Webseite in die Hände. Den zu lesen fand ich sehr interessant, nur leider half er mir auch nicht recht, bessere Titel für meine Beiträge zu finden. Ich hätte nicht gedacht, dass ich in meinem Praktikum genau damit die meisten Probleme haben würde. Texte für help zu schreiben fiel mir nicht besonders schwer, auch bei den Manuskripten wusste ich nach dem zweiten, was ich zu tun hatte. Jahrelanges Bloggen half dafür sicher. Nur schreibe ich hier in der Zuckerbäckerei niemals irgendwelche Titel, die so klingen, dass möglichst viele Menschen draufklicken. Und Teaser zum Artikel gibts hier sicherlich auch nicht. Mit noch Übung wird das aber bestimmt besser und vielleicht laufe ich dann auch weniger Gefahr, den „seriösen“ Schreibstil in meine Sonntagsposts zu tragen.

Meine Mitbewohnerin ließ vor ein paar Tagen *strategisch* ein Buch am Esstisch liegen: The Bell Jar von Sylvia Plath. An einem Feierabend begann ich deshalb darin zu lesen und konnte nicht mehr aufhören.  Der Roman wurde 1963 veröffentlicht und spielt noch ein paar Jahre früher, weshalb mich solche Passagen anfangs stark überraschten:

I tried to imagine what it would be like if Constantin were my husband. It would mean getting up at seven and cooking him eggs and bacon and toast and coffee and dawdling about in my nightgown and curlers after he‘d left for work to wash up the dirty plates and make the bed, and then when he came home after a lively, fascinating day he‘d expect a big dinner, and I‘d spend the evening washing up even more dirty plates till I fell into bed, utterly exhausted.
This seemed a dreary and wasted life for a girl with fifteen years of straight A‘s, but I knew that‘s what marriage was like, because cook and clean and wash was just what Buddy Willard‘s mother did from morning till night, and she was teh wife of a university professor and had been a private school teacher herself. (S.89)

Ich könnte noch tausend Reportagen und Blogeinträge über mentale Gesundheit lesen, aber so eindrücklich wie in einem Roman kann man dort wahrscheinlich niemals die Perspektive einer depressiven Person abbilden. Mein Vorhaben, mehr Bücher zu lesen, hat sich mit „The Bell Jar“ noch verstärkt. Beim Lesen der richtigen Romane „lerne“ ich mindestens so viel Neues (zugegeben vielleicht auf einer anderen Ebene), wie beim Lesen *im Internet* (mind blown, ich weiß). Deshalb: Mehr Bücher! Nachdem ich nun drei Wochen lang hin und her überlegt habe, ob ich wirklich 26€ dafür ausgeben soll, habe ich mir endlich Francesa Melandris „Alle, außer mir“ zugelegt. Und noch etwa vier Bücher aus der Bücherei ausgeliehen – ich bin für die kommenden Tage nämlich off-grid.

Wie ich mehr als eine Woche ohne Internet überstehe, zeigt sich mit dem nächsten Zuckersüß, hier folgen erstmal meine Lieblingslinks:

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