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Zuckersüß 345

Letzten Sonntag war ich so sehr mit der Vorbereitung der 3. Staffel meines Lieblings-Plätzchen-Podcasts beschäftigt, dass ich gar nicht dazugekommen bin, ein Zuckersüß zu schreiben, sodass dieses hier doppelt Links enthält. Aber wenn ich schon mal dabei bin: Heute ging Folge 13 mit Maria Wegenschimmel vom Sozial-Pod online! Also abonniert Lieblings-Plätzchen im Podcatcher eures Vertrauens, und auch bei Facebook, Instagram (mit Puzzlegrid, wie so ein Lifestyle-Account!) und Twitter (Trailervideos! Podcastsnippets!).

Vienna Humanities Festival

Vergangenes Wochenende war ich beim Vienna Humanities Festival, auf das ich durch ein U-Bahn-Plakat aufmerksam geworden war. Die verschiedenen Veranstaltungen machten mir einmal wieder klar, wie froh ich bin, in Wien zu wohnen und wie cool die Stadt eigentlich ist (so viel kostenloses Kulturzeug!). Los gings am Donnerstag im Volkstheater mit „Paradox Europa. In memoriam Ágnes Heller“, einem Vortrag von Shalini Randeria und einer Diskussion zwischen Ludger Hagedorn und Paul Lendvai, moderiert von Lisa Nimmervoll. Von Shalini Randeria hatte ich schonmal ein Paper für die Uni gelesen, doch sonst kannte ich keine_n einzige_n der Vortragenden.

Ich ärgerte mich ziemlich, dass ich mein iPad nicht dabei hatte, denn gerne hätte ich Shalini Randerias Gedanken grafisch festgehalten. Ihr Vortrag handelte vom Spannungsfeld Menschenrechte/Bürgerrechte und universeller/nationaler Identität und wie Europa von einem Paradox geprägt ist: gleichzeitig „Wiege“ der Menschenrechte und des Kolonialismus und Imperialismus, gleichzeitig „einzigartige“ Erfolgsgeschichte und universelles/universalisierbares Vorbild für den Rest der Welt (zumindest von Europa aus gesehen).

In der Diskussionsrunde beeindruckte mich vor allem Paul Lendvai. Er sprach sehr ruhig (und mit starkem ungarischen Akzent) und wirkte auf den ersten Blick gebrechlich, doch seine Worte trafen wie Messerstiche. Der Philosophieprofessor Ludger Hagedorn daneben ging durch die enorme Redegewandtheit Paul Lendvais fast unter.

Am nächsten Abend, in der Marxhalle, hatte ich dann mein iPad dabei und konnte sketchnoten (s.a. mein Post auf jasowieso.com). „Social Networks or Social Nightmares“ war eine Diskussionsrunde zwischen Evgeny Morozov, Max Schrems und Roger McNamee, hier moderierte Shalini Randeria. Ich war abermals sehr beeindruckt, diesmal von der Moderatorin, die extrem komplexe Themen aufbrachte und doch alles wieder zu einem roten Faden zusammenspinnen konnte. Allerdings kam es kaum zu „echten“ Diskussionen, eher stellten die drei „Internetexperten“ verschiedene Perspektiven zu Shalini Randerias Fragen vor.

„Social Networks or Social Nightmares“ Vienna Humanities Festival mit Evgeny Morozov, Max Schrems, Roger McNamee und Shalini Randeria

Am Sonntag war ich dann noch im Wien Museum bei einem Gespräch zum Roten Wien (eine Austellung, die ich auch noch unbedingt anschauen will), doch es war so unendlich schlecht moderiert, dass ich vor Ende wieder ging.

Anders dann „Werden Social EntrepreneurInnen die Welt retten?“ mit Marie Ringler und Florian Pollack. Erstere ist Europa-Chefin von Ashoka, einer Art Stipendiumsprogramm für Unternehmer_innen mit sozialem Geschäftsmodell (s.a. mein Post auf jasowieso.com)

„Werden Social EntrepreneurInnen die Welt retten?“ – Vienna Humanities Festival mit Marie Ringler und Florian Pollack

Kuchen!

Natürlich habe ich auch allerlei gebacken. Nachdem ich die Bouffons-Episode über Flan gehört hatte, versuchte ich mich erstmals an diesem französischen Dessert, war allerdings nicht besonders überzeugt vom Ergebnis (obwohl ich mich an ein Rezept von Michel Roux hielt!). Mein nächstes Backprojekt, ein einfacher Hefezopf, scheiterte ebenfalls, weil die Trockenhefe nicht mehr arbeitete (kein Wunder, war schon 2 Monate abgelaufen…).

Wenigstens smitten kitchens chocolate peanut butter cup cookies stellten sich als super heraus, das übersetzte Rezept folgt *in Kürze*. Auch immer gut ist der Schoko-Bananen-Guglhupf von 2013, den ich am Freitag gleich in doppelter Ausführung machte. Am Samstag gab es auch eine Zwetschgenvariante des Marillen-Mascarpone-Kuchen vom Sommer und einen Zwetschgen-Streusel-Kuchen mit Germteig in etwa wie der Mispelstreuselkuchen, den ich in Marokko immer machte, um Butter zu sparen.

Vier Kuchen in weniger als 24 Stunden sind sogar für meine Verhältnisse großzügig. Grund für diese Backaktion war eine Kleidertauschparty, die ich für meine Freund_innen organisiert habe. Ich bin sehr begeistert vom Konzept, einfach alle möglichen Leute mitsamt ihren nicht mehr benötigten Kleidungsstücken einzuladen, alles nach Kategorien zu sortieren und für einen Nachmittag einen gratis Second-Hand-Laden in der Wohnung zu haben. Ich wurde ein paar lange nicht getragene Kleider los und kam an eine handvoll Pullover für den Winter – wirklich super!

Uncanny Values im MAK

Gestern Nachmittag stellte ich mit Entsetzen fest, dass die Ausstellung „Uncanny Values“ im MAK, die ich schon seit dem Sommer besuchen wollte, den letzten Tag offen war. Es folgte also ein spätnachmittaglicher Ausflug ins überfüllte Museum, in dem ich offenbar vor zwei Jahren zuletzt war. Die damalige „Hello, Robot“-Ausstellung hatte mit Robotern und Digitalisierung ein ganz ähnliches Thema wie die aktuelle, in der es um die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz ging. „Uncanny Values“ (eine Anspielung auf Masahiro Moris „Uncanny Valleys“) hat sogar eine eigene Webseite, auf der alle Werke nochmals beschrieben sind (im folgenden jeweils verlinkt), sie „lebt“ hoffentlich noch länger als die Ausstellung selbst.

Eines der visuell beeindruckendsten Werke war „Probably Chelsea“ von Heather Dewey-Hagborg und Chelsea Manning, das aus 3D-gedruckten Gesichtern bestand, die von der Decke hingen. Sie waren alle auf Basis Chelsea Mannings DNA algorithmisch generiert, sahen aber ziemlich unterschiedlich aus. Die Message ist klar: Gesichtserkennungssoftware und „neutraler“ DNA-Verarbeitung ist nicht zu trauen.

In der Videoinstallation „Behold These Glorious Times“ von Trevor Paglen (2017) konnte man quasi einem Bilderkennungssystem beim „lernen“ zusehen – schnell zusammengeschnittene Videoausschnitte von Menschen, die alle kauen/laufen/etwas schieben/etc. Die Hintergrundmusik dazu gefiel mir gut, Holly Herndon hatte sie ebenfalls mithilfe eines Algorithmus geschrieben – leider finde ich sie nirgends online…

Es gab einerseits viele Mitmach-Werke in der Ausstellung, z.B. den Uralt-Chatbot ELIZA an einem Röhrenbildschirm oder die Poetry Machine 1.0, die eher sinnlose Gedichte fabrizierte. Andererseits fand ich einige Ausstellungsstücke nur sehr schwer zugänglich – mit der Fotoserie „MoMA’s Baby (The Human Who Taught Computers To See)“ von Mladen Bizumic (2019) konnte ich genauso wenig anfangen wie mit „Centralized vs Decentralized“ von Simon Denny (2018).

Für das Video „Se ti sabir“ von James Bridle (2019) muss sich eins Zeit nehmen, am besten die ganzen 19 Minuten, sonst sind es auch nur Natur-Sequenzen mit scheinbar unzusammenhängendem Text. James Bridle spannt darin den Bogen von der originalen Lingua Franca des Mittelmeerraumes im Mittelalter (auch bekannt als „sabir“/wissen), den Bogen zu Intelligenz im Allgemeinen und bei Oktopussen, KIs und Menschen im Speziellen.

Lokale

Der Vollständigkeit halber seien nach dieser monströs langen Einleitung auch noch die Lokale erwähnt, in denen ich in den vergangenen Tagen zum ersten Mal war: Im marokkanischen Restaurant L’Orient (1020), im supersüßen Strickcafé Wiedehopf&Wolle (1180) und im sehr enttäuschenden veganen Burgerladen Veggiezzz (1010). Sobald ich dazukomme, auch mit ausführlicherem Bericht.

Jetzt aber endlich Lieblingslinks!

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Mini-Zwetschgenkuchen mit Mohn und Mandeln

Diesen Kuchen habe ich vor ein paar Wochen gebacken, als ich noch im Sommerkleid am Zwetschgenbaum (#amland, wo sonst) herumkraxeln konnte und so die frischesten und reifesten Früchte überhaupt zur Verfügung hatte. Jetzt müsste ich schon mit Mantel, Schal und Mütze zum Supermarkt gehen, aber ich finde Germknödel-Wetter ist trotzdem noch nicht. Und deshalb verblogge ich dieses super Mohn-Zwetschgen-Rezept noch, damit auch ihr die Chance auf leckeren Spätherbstkuchen habt, bevor es Winter wird.

Alles lila hier!
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Snickerdoodles

Es herbstelt. Also gibt es hier Herbstcookies!

Und zwar Snickerdoodles aus Stella Parks großartigem Buch Bravetart. Das besondere daran: Sie werden in einer Mischung aus handelsüblichem gemahlenen Zimt und frisch geriebenen Zimtstangen gewälzt.

Letztere sind erstaunlich scharf, sie erinnern beim Draufbeißen fast an Pfeffer und gleichen die unglaubliche Zuckermenge im Rezept aus. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob meine Reibe zu schlecht ist (sehr realistisch, ich habe keine Microplane, sondern nur so ein kleines 2€-Mini-Reiberl), ich die falsche Zimtstangensorte verwendet habe, oder es einfach grundsätzlich enorm mühsam ist, ganzen Zimt zu reiben, aber es lohnt sich auf jeden Fall.

Der Zimtduft beim Backen hüllt schnell die ganze Wohnung ein und einmal aus dem Ofen sind die Snickerdoodles schnell weg, sie schmecken einfach zu gut!

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Zuckersüß 344

In dieser Woche habe ich zweimal Muffins gebacken. Einmal Chocolate Rye Banana Muffins von Love & Olive Oil (bald hier im Blog) und einmal Streuselmuffins mit Schokochips (schon seit 2013 hier im Blog). Außerdem habe ich zum allerersten Mal daheim Edamame gekocht, was wirklich keine Schwierigkeit ist (gefrorene Bohnenschoten in Salzwasser, 5 Minuten warten, Salz drüber), aber so lecker, dass ich mir zu dem Dauervorrat an Fritattensuppen-Notfallpackerln auch ein Sackerl Sojabohnen für das Gefrierfach zulegen sollte.

Meine Moment-Kulinarium-Sendung über Reis lief endlich auf Ö1 (jetzt kann ich wieder aufhören alles zum Thema zu lesen und täglich passendes zu Essen :’D), hier wäre sie noch bis Freitag anzuhören.

Am Donnerstag bin ich für vier Tage nach Budapest gefahren und frage mich, warum ich dort noch nicht eher war – es ist sehr schön und vor allem ist es von Wien super schnell erreichbar! Bis ich über meinen Wochenendtrip einen Post geschrieben habe, vergehen wahrscheinlich noch ein paar Wochen, hier folgen erstmal meine Lieblingslinks, die ich hauptsächlich auf der Zugfahrt gesammelt habe:

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Bücher im August

In meiner Woche auf der Alm las ich jeden Tag ein Buch – eine wirklich schöner Sommerurlaubszeitvertreib. Was ich mir zu den drei Romanen und den drei Sachbüchern gedacht habe, habe ich gleich im Anschluss in mein ipad getippt. Es folgt also der neueste Post in meiner Buchbloggerei-Serie.

Aspekte des neuen Rechtsradikalismus – Theodor W. Adorno

Von diesem Buch las ich zuerst in Margarete Stokowskis Spiegel-Online-Kolumne und setzte es dann gleich auf meine Lesesliste. Es enthält einen Vortrag des Philosophen im Wiener NIG (ein Unigebäude, in dem ich mich auch gelegentlich herumtreibe), der 1967 auf Einladung des VSStÖ stattgefunden hat. Danach folgt ein Nachwort des Historikers Volker Weiß.

Beim Lesen dieses recht dünnen Buches (der Vortrag selbst hat nur etwa 50 Seiten) stolperte ich hin und wieder über die seltsame Satzstellung. Ich weiß nicht ob das am Alter des Textes liegt oder vielleicht am Vortragsstil von Theodor W. Adorno (das Buch ist ein Transkript) – ich gewöhnte mich jedenfalls schnell daran.

In fast allen Besprechungen von Aspekte des neuen Rechtsradikalismus wird darauf verwiesen, wie aktuell sich das Buch nicht lese. Und genau diesen Eindruck hatte ich auch, als ich (gefühlt) tausend Plastik-Markierstreifen hineinklebte:

„Aber sie [diese rechtsradikalen Bewegungen] haben auf der andern Seite etwas gemeinsam mit jener Art von manipulierter Astrologie von heute, die ich für ein sozialpsychologisch außerordentlich wichtiges und charakteristisches Symptom halte, daß sie nnämlich in gewisser Weise die Katastrophe wollen, daß sie von Weltuntergangsphantasien sich nähren, so wie sie übrigens, wie wir aus den Dokumenten wissen, auch der ehemaligen Führungsclique der NSDAP gar nicht fremd gewesen sind“ (S.19f)

Während der obige Absatz nach Preppern und Reichsbürgern klingt, erinnert mich das Folgende an die Identitären oder Pegida:

„Man sollte diese Bewegungen nicht unterschätzen wegen ihres niedrigen geistigen Niveaus und wegen ihrer Theorielosigkeit. Ich glaube, es wäre ein völliger Mangel an politischem Blick, wenn man deshalb glaubte, daß sie erfolglos sind. Das Charakteristische für diese Bewegungen ist vielmehr eine außerordentliche Perfektion der Mittel, nämlich in erster Linie der propagandistischen Mittel in einem weitesten Sinn, kombiniert mit Blindheit, ja Abstrusität der Zwecke, die dabei verfolgt werden.“ (S.23)

Doch der zweite, 2019 geschriebene Teil, warnt vor Gleichsetzung der Situation damals und heute. So sei „die hellsichtig wirkende Aktualität […] mit dem historischen Zeitkern ihrer Wahrheit ins Verhältnis zu setzen.“ (S.62). Konkret macht das Volker Weiß z.B. in dieser Passage (die ich für unnötig kompliziert geschrieben halte – Popanz oder einfach Schreckgespenst…):

Häufig verschieben die von Deklassierung Bedrohten die Schuld an der Misere ‚nicht etwa auf die Apparatur, die das bewirkt, sondern auf diejenigen, die dem System, in dem sie einmal Status besessen haben […], kritisch gegenübergestanden haben‘. Jene, die andere Modelle vorschlagen, werden zum besonderen Objekt der Wut, wie die heutige Fixierung der äußersten Rechten auf eine seit Jahrzehnten weitgehend machtlose Linke zeigt. Der Popanz eines quasidikatorischen ‚links-grün-verseuchten 68er-Deutschland‘ zeigt, dass tradierte Feindbilder selbst unter völlig veränderten gesellschaftlichen Bedingungen noch ihren Schrecken entfalten können.

Adorno schließt seinen Vortrag mit einem Appell. Die Verantwortung für die Zukunft – und auch dafür, „die Massen gegen diese Tricks [der Rechtsradikalen] zu impfen“ (S.54) – liegt an uns.

Theodor W. Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus. Suhrkamp Verlag, 2019. 86 Seiten, 10€.

Vom Ende der Einsamkeit – Benedict Wells

Als ich dieses Buch las, musste ich immerzu an @ellebil’s Tweet unter dem Hashtag #dichterdran denken, der männliche Autoren durch den Kakao zog, oder eher, ihre Texte so besprach, wie es bei Autorinnen oft passiert:

Ich bin mir nicht sicher, ob es daran lag, oder ich in der Hinsicht einfach aufmerksamer wurde, aber die Frauenfiguren in Vom Ende der Einsamkeit bekamen einen schalen geschlechterklischeehaften Beigeschmack für mich. Zum Beispiel die Mutter: 

„Sie war attraktiv und grazil, hatte in ganz München Freunde und gab Dinnerpartys, zu denen auch Künstler, Musiker oder Theaterschauspieler kamen, die sie Gott weiß wo kennengelernt hatte. […] Es schien mir als Kind unbegreiflich, dass sie kein Leben als berühmte Schauspielerin führte, sonder einfach nur eine Lehrerin war. Sie selbst nahm ihre Pflichten zu Hause oft mit einem belustigen und zugleich liebevollen Lächeln hin, und erst später wurde mir bewusst, wie eingeengt sie sich gefühlt haben musste“ (S.25)

Der Roman handelt von Jules, der aus seiner Perspektive erzählt, und seinen zwei Geschwistern, die als Kinder durch einen Unfall ihre Eltern verloren haben. Über mehr als 30 Jahre hinweg blickt man als Leser_in in verschiedene Abschnitte ihres Lebens, in denen immer wieder die gleichen Personen auftauchen, Jules aber trotzdem immer einsam bleibt. Irgendwann scheint doch noch alles gut zu werden – doch das bleibt es natürlich nicht, sonst wäre es keine Geschichte. 

An diesem Buch hat mir gefallen, wie verschiedene Songs oder auch Geschichten (Bücher und „was wäre wenn“-Träumereien spielen eine große Rolle, was mich an Paul Austers 4321 denken ließ – das mir übrigens weitaus mehr Spaß gemacht hat zu lesen) immer wieder aufgegriffen wurden und deren „wirkliche“ Bedeutung erst später deutlich wurden. Doch stellenweise war mir der Roman zu pathetisch, das Ende schrecklich schnulzig:

„Als junger Mensch hatte ich das Gefühl, seit dem Tod meiner Eltern ein anderes, falsches Leben zu führen. Noch stärker als meine Geschwister habe ich mich gefragt, wie sehr mich Ereignisse aus meiner Kindheit und Jugend bestimmt haben, und erst spät habe ich verstanden, dass in Wahrheit nur ich selbst der Architekt meiner Existenz bin. Ich bin es, wenn ich zulasse, dass meine Vergangenheit mich beeinflusst, und ich bin es umgekehrt genauso, wenn ich mich ihr widersetze. […] Dieses andere Leben, in dem ich nun schon so deutliche Spuren hinterlassen habe, kann gar nicht mehr falsch sein. Denn es ist meins.“ (S.337)

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit. Diogenes, 2016. 358 Seiten, 22,70€

Die neue ArbeiterInnenklasse. Menschen in prekären Verhältnissen – Veronika Bohrn Mena

Auf dieses Buch wurde ich über die sehr aufschlussreiche Große-Töchter-Folge mit Veronika Bohrn Mena als Gästin aufmerksam. Nur kam es mir vor, als hätte ich durch das Anhören dieses Podcasts und meiner bisherigen Beschäftigung mit Arbeitsverhältnissen (s. z.B. auch Bianca Jankovskas Millenial Manifest in einem früheren Buch-Blogpost) schon das Wesentliche erfahren. Zunächst mal die einleitende Definition der Autorin:

„Prekäre Arbeit, das bedeutet also die fehlende Sicherheit in Bezug auf die Dauer des Arbeitsverhältnisses und/oder die Entlohnung im Rahmen desselben. Es bedeutet, wenig bis keinen Einfluss auf die Ausgestaltung der konkreten Arbeitssituation, fehlenden oder lediglich partiellen arbeitsrechtlichen Schutz sowie mangelhafte soziale Absicherung und kaum Chancen auf eine materielle Existenzsicherung zu haben. Prekäre Arbeit gefährdet unseren Sozialstaat, der vorwiegend durch uns Arbeitende finanziert wird. Sie raubt Menschen nicht weniger als die Perspektive und Planungssicherheit ihr Leben zu gestalten. Sie stürzt Menschen in die soziale Isolation. Sie geht einher mit einem Verlust der Sinnhaftigkeit und sozialen Anerkennung, weil die Betroffenen von der Hand in den Mund leben müssen, sich gesellschaftliche Teilhabe nicht leisten und nicht frei über ihre Zeit verfügen können“ (S.19)

Die neue ArbeiterInnenklasse ist in acht Kapitel, die jeweils ein konkretes Fallbeispiel erzählen, plus Einleitung und Epilog aufgeteilt. Dazwischen steht jeweils eine Doppelseite mit Zahlen und Fakten zu verschiedenen prekären Beschäftigungsarten, die mich teilweise ziemlich schockiert haben: so waren 87% der Hochschul-AbsolventInnen erst nach drei Jahren in einem regulären, unbefristeten Arbeitsverhältnis (S. 50), 2016 lebten 1,4 Millionen Menschen in Österreich in einem Haushalt, der unter der Armutsgefährdungsschwelle lag (S. 96) und außerdem waren 2017 nur 3% der Lehrbeauftragten an einer Universität unbefristet beschäftigt (S. 126). 

Die reportageartigen Fallbeispiele – Praktikum, Leiharbeit, Teilzeit, Niedriglohnsektoren, Freie Dienstnehmer, Befristung, EPU und kurze Arbeitsverhältnisse – machen den Hauptteil des Buches aus, doch ich fand sie insgesamt am uninteressantesten. Außerdem schienen mir die (offenbar realexistierenden) Personen etwas zu klischeehaft beschrieben, z.B. Sabine die in der Teilzeitbeschäftigung gefangen ist: „Der Sozialbereich war ihr immer schon ein besonderes Anliegen. Es ist ihr Wunschberuf, denn seit sie sich erinnern kann, wollte sie sich in ihrer Arbeit für Gutes einsetzen und damit andere Menschen unterstützen“ (S.70), oder auch „Dina ist ein fröhlicher, herzlicher und offener Mensch. Sie trägt ihr Herz auf der Zunge“ (S.144). Überhaupt enthält der Text für meinen Geschmack zu viele Floskeln.

Aus Einleitung und Epilog nahm ich am meisten mit, vor allem ärgerte ich mich aber sehr oft über die beschriebenen Ungerechtigkeiten:

„Die von der Bundesregierung beschlossene Aufhebung des Kumulationsprinzips in Verwaltungsstrafverfahren hat viel zu wenig beachtete, aber umso massivere negative Auswirkungen auf uns alle. (…) Denn wenn beispielsweise ein Betrieb 300 Beschäftigte an einem Feiertag arbeiten ließ, musste er bisher mit einer Minimalstrafe von 72 Euro pro Kopf, also insgesamt 21.600 Euro rechnen. Ohne Kumulationsprinzip müssen aber nur noch 72 Euro bezahlt werden, der Umsatz an diesem einem Tag wird hingegen weitaus höher ausfallen (…) Ein bewusster Gesetzesbruch wird sich für Unternehmen rechnerisch auszahlen, unabhängig davon, ob es sich um fünf oder Dutzende Beschäftigte handelt, die unrechtmäßig unterbezahlt oder nicht versichert werden.“ (S.166)

Und natürlich lässt sich auch der Hintergrund der Autorin – sie ist Gewerkschafterin – klar herauslesen, vor allem gegen Schluss:

„Denn ‚die Politik‘ und ‚der Staat‘ wind eben nicht dafür da, um die idealen Bedingungen für ‚die Wirtschaft‘ zu schaffen, sondern primär für uns Menschen, die von ihr leben sollen. Die Frage ist dabei nicht ob, sondern nur in welche Richtung umverteilt wird.“ (S.175)

Veronika Bohrn Mena: Die neue ArbeiterInnenklasse. Menschen in prekären Verhältnissen. ÖGB Verlag, 2018. 208 Seiten, 19,99€.

Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche – Reni Eddo-Lodge

Dieses Buch begann ich zu lesen, nachdem mir Ibram X. Kendis „Stamped from the beginning. The definitve history of racist ideas in America“ (entdeckt via Anke Gröner) durch seinen Umfang (mehr als 500 Seiten!) etwas zu einschüchternd geworden war. Reni Eddo-Lodge beginnt mit einem Kapitel über schwarze (britische) Geschichte, das mir anfangs wegen „Stamped“ ziemlich bekannt vorkam. Weiter ging es mit der Erklärung von systematischem Rassismus und White Priviledge. Feminismus, Klasse und Intersektionalität spielen ebenfalls eine Rolle.

Die Aufzählung von konkrenten Fällen der Polizeigewalt und allgemeiner Diskriminierung schien niemals zu enden, wodurch der Text stellenweise etwas monoton wurde (das zu schreiben, fühlt sich fast schlecht an, denn die geschilderte Ungerechtigkeit ist wirklich unendlich), dennoch klebte ich auch hier viele Markierstreifen in die Seiten:

„Der Maßstab für Rassismus wurde lange von den leicht zu verurteilenden Aktivitäten weißer Extremisten und Nationalisten gesetzt. Die weißen Extremisten werden von den drei großen Parteien stets rundweg verdammt. Der reaktionäre weiße Stolz, der so oft im Widerspruch zu sozialem Fortschritt steht, ist nie wirklich verschwunden. […] Wäre jede Form von Rassismus so leicht zu erkennen, zu verstehen und anzuprangern wie weißer Extremismus, wäre die Aufgabe des Anitrassisten einfach.“ (S.75f)

„Initiativen positiver Diskriminierung erfahren oft heftigen Wiederstand. Vorhaben, welche die Überrepräsentation von Weißen angehen, werden unweigerlich auf Symbolpolitik reduziert, nichts als eine Beleidigung der guten hart arbeitenden Menschen, die ihre Chefposten ausschließlich aufgrund ihrer Leistungen besetzen. […] Der Nachdruck liegt auf Verdienst, der unterstellt, dass die aktuell weiße Mehrheit in der Leitungsriege von Unternehmen allein durch harte Arbeit und ohne Hilfe Dritter zustande gekommen ist, asl wäre weiße Hautfarbe allein nicht schon ein Vorsprung, als würde sie nicht eine Vertrautheit implizieren, die einen Arbeitgeber für einen Bewerber einnimmt. […] Wir leben nicht in einer auf Leistung gegründeten Gesellschaft, und vorzugeben, dass harte Arbeit immer zum Erfolg führt, ist ein Akt vorsätzlicher Ignoranz.“ (S.90)

Die folgende Passage erinnerte mich sehr an die Debatten um die „Kölner Silvesternacht“ und Staatssekretärin Edstadler, die im Januar in einer Talkshow sagte, dass das Patriarchat in Österreich importiert sei…

„So surreal es war zu hören, wie David Cameron die patriarchalische Gesellschaft kritisierte, so war es doch keine Überraschung, dass er das Patriarchat als Gegenstück zu unserem eigenen fortschrittlichen, angeblich egalitären und leistungsbasierten britischen Selbstverständnis beschrieb.“ (S.180) 

Ich werde versuchen, mir diesen Appell zu Herzen zu nehmen:

„Aber ich glaube auch, dass Weiße, die Rassismus zugeben, eine ungeheuer wichtige Rolle spielen. Diese Rolle können sie nicht ausfüllen, wenn sie sich in Schuldgefühlen ergehen. Weiße sollten Gruppen, die die entscheidende Arbeit tun, finanziell oder organisatorisch unterstützen. Oder in heiklen Situationen als Unbeteiligte einschreiten. Sich in exklusiv weißen Umfeldern für antirassistische Anliegen einsetzen. Weiße, ihr müsst mit anderen Weißen über Hautfarbe sprechen. Ja, ihr werdet vielleicht als radikal abgelehnt, aber ihr habt nur wenig zu verlieren“ (S.215)

Reni Eddo-Lodge: Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche. Tropen, 2019. 264 Seiten, 18€.

Die Hauptstadt – Robert Menasse

Diesen Roman von Robert Menasse hatte ich in der Bücherei mitgenommen, weil ich einmal ein Interview mit Ulrike Guerot gelesen hatte, das auf ein gemeinsames Buch der beiden verwies. Die Idee eines vereinigten Europas finde ich außerdem gar nicht so schlecht – ich erwartete mir bei Die Hauptstadt ein klares Manifest dafür. Bis sich der Roman aber klar zu einer europäischen Republik positionierte, vergingen fast vierhundert Seiten.

„Konkurrierende Nationalstaaten in einer Union blockieren beides: Europapolitik und Staatspolitik. Was wäre jetzt notwendig? Die Weiterentwicklung zu einer Sozialunion, zu einer Fiskalunion – also die Herstellung von Rahmenbedingungen, die aus dem Europa konkurrierender Kollektive ein Europa souveräner, gleichberechtigter Bürger machen würde. Das war ja die Idee, das war es, wovon die Gründer des europäischen Einigungsprojekts geträumt haben – denn sie hatten ihre Erfahrungen. Aber das alles ist nicht durchsetzbar, solange das Nationalbewusstsein gegen alle historischen Erfahrungen weiter geschürt wird und solange der Nationalismus weitgehend konkurrenzlos ist als Identifikationsangebot an die Bürger.“ (S.392)

Davor gehen die vielen Figuren – alle aus verschiedenen EU-Staaten, alle mit unterschiedlichsten persönlichen und nationalen Agenden – ihrem Leben nach, das sich oft überschneidet oder historische Gemeinsamkeiten aufweist, ohne dass sie sich tatsächlich kennenlernen. Ich finde, sie sind alle sehr interessant, es sind teilweise absurde Details, die ihre Persönlichkeit nachvollziehbar machen:

„Fenia Xenopoulou saß an ihrem Schreibtisch und las. Was sie las, machte sie fassungslos. Sie konnte sehr schnell lesen, sie hatte gelernt, die Seiten geradezu zu scannen, die Informationen sofort in ihrem Kopf in Schubladen zu ordnen, aus denen sie sie bei Bedarf blitzschnell hervorholen konnte. Aber das war ein Roman. Dafür hatte sie kein Raster, worum ging es da? Was waren die Informationen, die sich als brauchbar erweisen könnten, was in Gottes Namen sollte sie sich merken?“ (S.53)

(Bevor ich mir ernsthaft vorgenommen habe, wieder mehr Fiktives und vor allem längere Geschichten zu lesen, dachte ich auch ein bisschen wie diese Romanfigur – ich las nur auf Information, und verschlagwortete alles Interessante feinsäuberlich in meinem digitalen Notizbuch. Und weil ich auch jetzt nicht recht weiß, was ich mit den Büchern, die ich lese, anfangen soll, mache ich mir hier im Blog laut Gedanken darüber und hoffe, dabei etwas zu lernen, z.B. wie eins so über etwas schreiben kann, dass auch der Meta-Text interessant ist.)

An vielen Stellen sprechen die Figuren aus Die Hauptstadt in ihrer Erstsprache, was mir persönlich bei Englisch und Französisch noch keine Probleme bereitete, bei polnisch oder griechisch dann schon. Für die Idee des Buches ist das aber nur konsequent, und manche der Figuren hatten damit ebenfalls zu kämpfen:

„Das Problem mit den Fremdsprachen, wusste Erhart, wenn man sie nicht zumindest stiefmuttersprachlich beherrschte, war, dass man immer nur sagt, was man sagen kann, und nicht was man sagen will. Die Differenz ist das Niemandsland zwischen den Grenzen der Welt.“ (S.302)

In Die Hauptstadt geht es um Machtkämpfe und Schachereien innerhalb der EU-Kommission, um die Erinnerung an die Shoah, Schweinebauern(lobby), ThinkTanks, einen Mord, Eliteunis und noch viele weitere Einzelgeschichten, die größtenteils mit der letzten Seite des Buches einfach aufhören, ohne aufgelöst zu sein. Die letzten beiden Worte verweisen immerhin vielleicht auf eine Fortsetzung: À suivre

Robert Menasse: Die Hauptstadt. Suhrkamp, 2017. 460 Seiten, 24,70€.

Makarionissi – Vea Kaiser

Vea Kaiser wollte ich im Mai beim Literaturfest Währing aus ihrem aktuellen Roman Rückwärtswalzer lesen hören, doch an diesem Abend platzte die Regierung und ich blieb doch lieber ORF-TVThek-schauend daheim. In der Bücherei schaute ich mich dann danach um und fand nur Makarionissi, das ich mitnahm, ohne den Klappentext zu lesen.

Es stellte sich als verrückte Familiengeschichte heraus, die sich von Griechenland über Niedersachsen, Niederösterreich, die USA, die Schweiz und wieder zurück nach Griechenland, genauer gesagt auf die fiktive Insel Makarionissi in der Ägäis, spinnt. Es beginnt bei der Yiayia (Großmutter) Maria Kouzis in einem kleinen Bergdorf, die ihre beiden Enkel Eleni Stefanidis und Lefti Zifkos verheiraten will, was auch passiert, aber schief geht. Die beiden und ihre Familien stehen den Rest des Buches im Mittelpunkt der Geschichte, entfernen sich weit voneinander, aber finden sich am Schluss natürlich trotzdem wieder. Der Stammbaum ist schon auf der ersten Seite abgedruckt, was einerseits irgendwie spoilert, andererseits doch wichtig ist, um nicht den Überblick zu verlieren.

Ich kenne mich nicht gut genug mit griechischer Politik, Geografie oder Mythen aus, dass ich in diesem Buch zwischen Fiktion und Realität unterscheiden hätte können. Doch eigentlich ist das auch egal, denn alle Elemente daraus, die Vea Kaiser aufgreift, fügen sich wunderbar zusammen.

Gegen Ende, als Iannis, Elenis Enkelsohn, eine größere Rolle spielt, fühlte ich mich an den großen Glander von Stevan Paul erinnert (dessen Niveau, über Essen zu schreiebn, Vea Kaiser aber nicht ganz erreicht wie ich finde): Ein einsamer Koch, der aus vormals verschmähten Zutaten Besonderes erkocht:

„Als Vorspeise räuchere ich Karpfenfilets über Erlenholz, das wird mit Wiesenkerbel, Giersch, Knoblauchsrauke, Schafgarbe, Eberraute und Beifuß auf Mangold angerichtet, den ich mit Erlenholzöl und Kräuteressig und vielleicht mit ein bisschen Senf mariniere. Als Zwischengang gibt es Lammnieren mit gegarten Taglilien und Dreierlei von der Artischocke: Artischockendreiecke natur, frittierte Artischockenböden und Artischockencreme. Als Hauptgang Wildscheinschulter, die in einem Tomaten-Rotwein-Sellerie-Fond schmort, dazu Spitzkrautsalat mit Speck und Spitzwegerichknospen in Kirschreduktion. Zum Abschluss Macadamiacreme mit Macadamiabiskuit, Rosenrhabarber, Rosenknospen, Rosenläuterzucker.“

Vea Kaiser: Makarionissi oder Die Insel der Seligen. Kiepenheuer & Witsch 2015. 464 Seiten, 20,60€.

Pfirsich-Quark-Tarte

Als die ersten Marillen in den Geschäften auftauchten, träumte ich von einer Tarte mit cremig-frischer Joghurt-Quark-Füllung (Topfen, ja eh) und in Vanille pochierten Marillen. Genau so eine Tarte machte ich dann auch, doch ich war nicht ganz zufrieden, weshalb ich innerhalb weniger Tage einen zweiten Versuch startete.

angeschnittene tarte und stück tarte in der vogelperspektive

Das hing nicht unbedingt mit meiner plötzlich gesteigerten Motivation zusammen, in kurzen Abständen das Gleiche zu Backen (was ich insgeheim schrecklich finde), sondern mit den gerade reif gewordenen Pfirsichen meines eigenen kleinen Bäumchens. Das hatte ich vor fünf Jahren (!?) zum Abitur geschenkt bekommen und im Garten meiner Familie eingepflanzt.

die angeschnittene tarte, daneben das stück auf einem teller

Diesen Sommer trug er so viele Früchte, dass er Stützhölzer brauchte, um an der Last nicht zu zerbrechen. Die Pfirsichsorte ist allerdings etwas komisch, entweder steinhart oder schon matschig. Die Marmelade, die ich daraus gemacht habe, ist wunderbar, auch in dieser Tarte schmecken sie gut – doch besonders fotogen sind die Pfirsichstücken nicht.

einn stück pfirsich-quark-tarte seitlich fotografiert
Die Pfirsichschicht zwischen Tarteboden und Quarkfüllung ist eher matschig – eine andere Sorte müsst her!

Aber wenigstens geben sie viel Farbe her, sodass der Pfirsichgussobenauf schön rosa wurde!

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Zuckersüß 343

In dieser Woche habe ich Käsekuchen mit Bröselboden (Rezept bald im Blog!) gebacken, außerdem auch Milchreisauflauf, Bravetart’s Zimtschnecken und eine Zwetschgen-Version der Frangipane-Tarte mit Marillen.

Überhaupt hatte ich recht viel mit Reis zu tun, da ich für Ö1 Moment Kulinarium gerade an einer Sendung zum Thema arbeite. Ich recherchierte auf einem Reisfeld (nur 3km von U1 Leopoldau!), war bei einem italienischen Koch und in einem japanischen Restaurant. Anzuhören ist das Ganze dann am Freitag um 15.30h.

Der Semesterstart mitsamt Prüfungsterminen naht, weshalb ich mich ein bisschen in prüfungsrelevante Lektüre zur Globalgeschichte (Margarete Grandner, Arno Sonderegger: Nord-Süd-Ost-West-Beziehungen. Eine Einführung in die Globalgeschichte. Mandelbaum Verlag) vertieft habe und dabei sehr interessantes zu scheinbar typisch „österreichischen“ (Kernöl, Käferbohnen), „ungarischen“ (Paprika) und „italienischen“ (Polenta, Tomaten) Zutaten gelernt, die alle eigentlich aus den Amerikas stammen.

So sollte meine Töpferei werden…

Am Samstag hatte ich dann die Chance, zu töpfern – und machte mich gleich daran, ein paar Teller für meine Fotos hier herzustellen. Inspiriert sind sie von @kchossak_pottery (Izy Hossack aka Top With Cinnamon’s Mama), ich hoffe, sie werden was!

Bis Sonntag gab es außerdem noch eine zweite CfP-Runde bei der coolsten Internetkonferenz Wiens, der Privacy Week (21.-27.10.), und ich reichte ganz knapp gerade noch so um 23.59h einen Sketchnote-Workshop ein. Da fällt mir ein, kennt ihr schon meine Sketchnote-Freelance-Webseite?

Hier folgen meine liebsten Links der Woche:

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Apfelradl – Frittierte Apfelringe

Apfelradl sind ein Dessert, das ich mit Omas verbinde und mit Bayern. Dabei habe ich – glaube ich – noch niemals bei einer meiner Omas Apfelradl gegessen. Die Bayern-Assoziation kommt wahrscheinlich davon, dass in vielen Rezepten ein Schluck Bier vorkommt.

Als ich kürzlich in den Bergen war, konnte ich nur dann Backen, wenn der Holzofen gut angeheizt war. Deshalb habe ich vorsichtshalber einer Flasche Pflanzenöl mitgenommen, um im Zweifel immerhin Frittieren zu können – was ich zuhause nie mache, weil ich den Fettgeruch in der ganzen Wohnung nicht ertrage.

Foodstyling auf der Alm: spartanisch wie die Küche

Eines Nachmittags wollte ich unbedingt einen süßen Snack haben. Ich hatte Äpfel zur Hand und die Möglichkeit zu frittieren, also wagte ich mich an Apfelradl. Ohne Bier (hatte ich nicht) oder Puderzucker (war aus). Dennoch waren sie außerordentlich gut, vielleicht frittiere ich zuhause doch mal wieder?

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Kikko Bā

Schleifmühlgasse 8, 1040 Wien

In der Vergangenheit habe ich alle meine Restaurant-/Café-/Barbesuche in den Sonntags-Linksammlungen verwurschtelt, doch ich glaube, dass es sinnvoller ist, sie in eine extra-Kategorie im Blog auszulagern. Hier kommt deshalb mein erster Lokalbericht zum Kikko Bā, mit ziemlich schlechen Handyfotos (besser als nix).

Das Popup-Restaurant der Mochi-Leute hat einen kleinen Schanigarten (ohne Reservierungsmöglichkeit!), in dem schon Fliesdecken auslagen, als ich endlich mal dorthin kam (schon seit der Eröffnung Ende Juni auf meiner To-Do-Liste). Das Konzept ist schnell erklärt: häufig wechselnde Tapas-Variationen mit asiatischem Einfluss und oft viel Chili.

Zu zweit aßen wir insgesamt sieben Tellerchen (wirklich schönes Geschirr!), doch mit großem Hunger sollte eins besser nicht dorthin gehen, denn die Portionen sind eher sparsam bemessen. Zu Beginn bestellten wir Spicy Edamame, Gekochte Sojabohnen mit einer Sauce aus fruchtig-scharfen Chilis. Die färbte ziemlich stark, wer also mit den Fingern isst wie ich (ich kann immer noch nicht mit Essstäbchen umgehen?!) sollte aufpassen, keine strahlend roten Flecken zu verursachen (been there, done that). Vorm Dessert orderten wir (Hunger!) noch ein zweites Schüsselchen Edamame und ich glaube, ich sollte endlich herausfinden, wo es Sojaschoten zu kaufen gibt, damit ich sie auch zuhause snacken kann.

Als nächstes: Bing Bread – Humus – Chili Oil – Sesame. Das warme Bing Bread stellte sich als dünnes, in Fett ausgebackenes Hefefladenbrot heraus, das mich an eine Mischung aus marokkanischem Batbot und Msimn erinnerte. Stellenweise war es so dünn, dass es beim Reinbeißen knisterte, der Rand war aber weich genug, um das sehr sesamlastige Humus aufzustippen. Im Teig war wohl auch etwas Zucker, anders kann ich mir den Geschmack des Brotes nach Faschingskrapfen nicht erklären. Dieses Gefühl wurde von der großzügigen Menge an flockigem Salz, mit dem die Oberseite bestreut war, gut abgedämpft. Ich hätte gern noch mehr Brot gehabt, denn es reichte nicht für die recht üppige Dip-Menge und schmeckte auch pur ziemlich gut.

Anschließend folgte Portobello Sando – BBQ – Chimichurri Cabbage, ein aufgespießtes Sandwich gefüllt mit paniertem Pilz und extrem fein gehobelten Kraut. Das Weißbrot ähnelte Brioche, es schmeckte nach Zimt und Zitrone und war karamellisiert getoastet. Geschmacklich war das mein Favorit des Abends, doch mit 8,90€ für ein paar Bissen auch ziemlich teuer. Dann noch Greek Piri Piri Salad – Feta – Olive Salsa, ein Salat aus Gurken, rotem und gelben Paprika und Tomaten in groben Stückchen, darüber krümeliger Feta und pestoartige Olivensauce. Insgesamt recht unspektakulär.

2 mochi bällchen und eine schüssel mit eis und walnusscrumble
Die beiden Desserts

Die Nachspeisen wollte ich beide probieren: Elderberries – Walnut Crumble – Lychee Ice Cream sowie Ice Cream Mochi. Ersteres stellte sich als spannende Geschmackskombination heraus, wobei das Dessert eiskalt viel besser war als nur wenige Minuten später, als es zu einer einheitlichen Suppe zusammengeschmolzen war (die Eisnocke war nicht besonders groß). Die Eismochi fand ich ziemlich enttäuschend, denn das Eis (einmal Vanille, einmal Erdbeer) schmeckte sehr künstlich. Und die Reisteigschicht außen herum war zu spärlich für meinen Geschmack (nicht, dass ich mich besonders gut mit Mochi auskenne).

Zum Essen tranken wir Holunder-Minz-Soda bzw. Zwetschgen-Jasmin-Limonade. Ersteres fand ich halbwegs fade, doch die Kombination aus Zwetschge und Jasmin (und ein bisschen Ingwer) werde ich mir merken. Auf der Weinkarte stehen genauso viele Punkte wie auf der Speisekarte, außerdem gibt es Sake und anderen Schnaps für „after dinner“.

Fazit: Ich habe einen schönen Abend im Kikko Ba verbracht, das Essen war größtenteils sehr gut, doch ein wow blieb aus.