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Bücher zum Daheimbleiben

Seit meinem letzten Bücherpost vergangenen Oktober habe ich einige Bücher gelesen, über die ich leider nie gebloggt habe, obwohl sie mir teilweise sehr gut gefallen haben (z.B. Middlesex von Jeffrey Eugenides, Half of a Yellow Sun von Chimamanda Ngozi Adichie oder der Sammelband Eure Heimat ist unser Albtraum). Ich befürchte, daraus wird auch nix mehr, weil ich mich nicht mehr genau genug erinnern kann.

Die Bücher, die ich in den letzten paar Wochen in zu-viel-Daheimbleib-Zeit gelesen habe, sollen aber nicht das gleiche Schicksal erleiden, deshalb hier vier Empfehlungen:

Save me the plums – Ruth Reichl

Dieses Buch habe ich über die NYT Book Review entdeckt, auf meine Wunschliste gesetzt und dann zum Geburtstag geschenkt bekommen.

Interessiert hatte es mich vor allem, weil Ruth Reichl eine der einflussreichsten Food-Media-Persönlichkeiten der USA war (ist?) und in diesem Buch über ihren Werdegang erzählt. Ein Ausschnitt daraus ist übrigens in dieser Folge von Radio Cherry Bombe zu hören.

Es scheint, als wäre sie wirklich in einer völlig anderen Medienwelt erwachsen und erfolgreich geworden – „einfach so“ mal mit 22 Jahren ein Kochbuch zu veröffentlichen, das einem ein paar Zeitungsjobs verschafft und offenbar ermöglicht, „einfach so“ für einen Pitch nach New York zu fliegen und dort bei einem einflussreichen Magazin vorzusprechen scheint mir in der heutigen Medienlandschaft fast unmöglich. Später, nach ihrer Karriere als Gastrokritikerin für die LA Times und die NY Times, wurde sie – ohne irgendwelche Erfahrung in diesem Bereich – „einfach so“ Chefredakteurin eines altehrwürdigen Magazins.

Eine Szene hat mich in der Hinsicht besonders irritiert. Eine Köchin aus der Gourmet-Testküche wundert sich über die Zutaten-Expertise der Chefredakteurin („I was, after all, a critic, not a cook“ S.63). Aber wie in aller Welt könnte es sein, dass jemand über Essen schreibt, ohne sich mit den Zutaten auseinanderzusetzen? Konnte man Ende der 1990er wirklich Chefredakteur_in eines Food-Magazins zu sein, ohne sich mit Warenkunde befasst zu haben?

Bei ihrer neuen Position bei Condé Nast inklusive: ein persönlicher Chauffeur, ein Büro voller Designermöbel und monatliche Spesen für Kleidung und Styling. Ruth Reichl bringt glaubhaft herüber, dass sie diese Art von Luxus nicht gewohnt war. Doch trotzdem blieb sie mir große Teile des Buchs über unsympathisch, weil sie von so unendlich vielen Privilegien schreibt, die ihr gar nicht aufzufallen scheinen. Die ganze US-Medienbubble kommt in ihrer Beschreibung als absurd glamourös herüber und Geld für Texte, Fotos, Reisen (die ganze Redaktion auf einmal Business Class nach Paris? Kein Problem!) war offenbar in völligem Überfluss da. Selbst am Ende des Buches, das vom abrupten Niedergang des Gourmet-Magazins und einer letzten Low-Budget-Reise nach Paris erzählt, ist der Ton recht herablassend:

„‚Here’s a couple hundred bucks; buy yourself an economy ticket, stay in a cheap hotel, and drink rotgut in the park.‘ How are you going to find a writer who wants to do that?“ (S.236)

„I tore off a hunk of bread and scooped up a slab of pâté. The flavor filled my mouth—trong, rustic, a pâté with conviction. ‚God, this is good.‘ As I took a bite of the crisp, salty pickle, I had a quick taste memory of the working-class France I’d known before my three-star days.“ (S.238)

Ich hatte bei Save me the plums vor allem mit ausführlichen Beschreibungen von Essen gerechnet, so ausschweifende Porträts der anderen Personen im Buch hatte ich nicht erwartet. Ein Beispiel:

„Maurie also fit so perfectly into this elegant atmosphere that the image I’d had of her instantly vanished. Blond and petite, dressed in cashmeere, tweed, and diamonds, she reminded me of a miniature poodle fresh from the groomer.“ (S.43)

Was mir auch in Erinnerung blieb, war die Szene als Ruth Reichl Jonathan Gold kennenlernte. Die Texte dieses einflussreichen Foodwriters und Musikjournalisten finde ich großartig (s. a.: The Best Jonathan Gold Reviews, From Food Writers He Inspired – Eater) und ich wäre enorm gerne dabei gewesen, als er in einem Uniseminar von seiner Arbeit erzählt (How to Write About Food: In the Classroom with Jonathan Gold – Foodaism). Ruth Reichl hält ihn am Anfang für einen sehr seltsamen Typen:

„In the mid-eighties, when I became the restaurant critic of the Los Angeles Times, I kept runnint inot the same young couple when I went out to eat. Did they, I wondered, spend all their time in restaurants? You couldn’t miss them; they were extremely conspicuous in the small Asian and Mexican restaurants they seemed to favor.
He was pale and puffy with long thinning hair and the mushroom complexion of someone who rarely sees the sun. She was tall, with golden skin, wild black hair, and a lean body that seemed to be all legs. […] They were such an improbable pair that every eye invariably swiveled toward them.“ (S74.)

Insgesamt fand ich Save me the Plums interessant, weil es einen Blick in die amerikanische Verlagsbranche und die goldenen Zeiten des Foodjournalismus erlaubte. Es liest sich locker und zwischendrin sind auch immer wieder Rezepte zu den Gerichten, von denen Ruth Reichl erzählt, eingestreut.

Ruth Reichl: Save me the Plums. My Gourmet Memoir. Random House 2019. 266 Seiten.

Margarete Schütte Lihotzky. Architektin Widerstandskämpferin Aktivistin – Mona Horncastle

Im Januar habe ich recht zufällig von der Buchpräsentation dieser Biografie erfahren und nachdem ich erklärtes Margarete Schütte-Lihotzky-Fangirl bin (s. mein Post über die „Das rote Wien“-Ausstellung) bin ich natürlich hingegangen. Das Event habe ich dann sogar in Sketchnotes festgehalten, mir aber kein Buch gekauft, weil es in dem Moment mein Budget sprengte.

Im Newsletter des Alumniverbands der Uni Wien las ich im April dann von einer Verlosung dieser Biografie – und gewann ein Exemplar, einfach so! :)

Ich habe das Buch in zwei oder drei Tagen von vorn bis hinten durchgelesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass es wohl eher als Coffee-Table-Book zum immer mal wieder hineinlesen gedacht ist: Das ausgefallene Layout, die vielen Fotos und Zeichnungen auf rosa Seiten und die großen Zitatblöcke sind auch beim linearen Lesen sehr angenehm, die stellenweise Redundanz nicht so sehr.

Wie gesagt habe ich mich schon ein bisschen mit Margarete Schütte-Lihotzky beschäftigt. In dieser Biografie habe ich aber trotzdem enorm viel Neues erfahren, vor allem zum Kontext ihres Lebens. Margarete Schütte-Lihotzky hat in der Kaiserzeit als erste Frau in Österreich Architektur studiert, die wohl berühmteste Küche der Welt entworfen, für die Sowjetunion geplant, als Widerstandskämpferin fünf Jahre im Zuchthaus verbracht und schließlich als Kommunistin schlechtere Chancen am österreichischen Arbeitsmarkt gehabt als Ex-Nazis. Während ihrer Lebenszeit ist so viel passiert, dass heute sehr schwer vorstellbar ist. Von Lustigem…

„Das ‚Haus ohne Augenbrauen‘ wird zu einem Skandal. Die ornamentlose Architektur der Fassade – loos verzichtet sogar auf Fensterverdachungen – wird als obszön empfunden, das Haus sei ‚unanständig nackt‘ und an dem Standort gegenüber der Hofburg völlig deplatziert. Die Gegenwehr ist so massiv, dass 1910 ein Baustopp verfügt wird. Erst nachdem Loos sich zu dem Kompromiss bereit erklärt, Blumenkästen an den Fenstern anbringen zu lassen, darf weitergebaut werden. Kaiser Franz Joseph ist dennoch nicht zufrieden. Er lässt die Fenster der Hofburg zum Platz vernageln und weigert sich, die Ausfahrt zum Michaelerplatz zu nehmen, um das ’scheußliche‘ Haus nicht sehen zu müssen“ (S.44)

…zu Überraschendem:

„Eine Vermischung der Gruppen ist aus hygienischen Gründen zu vermeiden, damit sich Krankheitserreger nicht ausbreiten können – die Kindereinrichtungen in der Sowjetunion sind auch darauf ausgelegt, Kinder mit Infektionen zu beaufsichtigen und zu pflegen, um die Produktivität der Mütter aufrechtzuerhalten, die sehr häufig im Schichtbetrieb tätig sind.“ (S.91)

Wie sehr sich die Welt seit Margarete Schütte-Lihotzkys Geburt 1897 verändert hat, wie anders sie selbst in der Mitte ihres Lebens noch war, fiel mir auch bei diesem Absatz zu ihrer Chinareise 1956 auf („Flugbahnhof“!):

„Das Auge der Architektin registriert alle Details: Mit Begeisterung beschreibt sie das zweimotorige russische Flugzeug ‚mit 21 Sitzen, zwei links und einer rechts vom Gang, mit Teppichen belegt, Vorhangerln wie bei allen russischen Fenstern, innen weiß gestrichen, die Fauteuils bequem in zwei Lagen verstellbar, an der Vorderwand ist für jeden sichtbar der Höhenmesser‘. Weniger gnädig ist ihr Urteil über die Flughäfen: Schwechat findet Schütte-Lihotzky ‚primitiv und provinzialisch-spießig‘, in Budapest ist der „Flugbahnhof neu, aber unfertig, moderne Architektur im Grundriss recht gut, mit zwei Türmen aus Bruchstein, aber etwas plump gebaut‘. ‚Der Lemberger Flugbahnhof ist in den letzten Jahren gebaut und ist architektonisch entsetzlich – ein Albtraum – alles grauenhaft verziert und überladen“ (S.227)

Am Ende wirft Mona Horncastle noch einen kritschen Blick auf Margarete Schütte-Lihotzkys politische Überzeugungen, und zeigt, dass sie nicht ganz so fehlerfrei war, wie sie oft gezeichnet wird – die Verbrechen in der Sowjetunion und China übergeht sie, für die KPÖ versucht sie relativ skrupellos Genossen zu rekrutieren und hintergeht dabei Arbeitskollegen.

Mona Horncastle: Margarete Schütte-Lihotzky. Architektin Widerstandskämpferin Aktivistin. Molden Verlag, 2019. 304 Seiten, 28€.

Permanent Record – Edward Snowden

Die erste Hälfte von Permanent Record – das ich am Erscheinungstag auf meine unbedingt-lesen-Liste setzte – las sich recht zügig, irgendwann wurde es aber zäh und zum Schluss doch wieder mitreißend.

Das einigermaßen trockene Thema der Online-Privatsphäre versucht Edward Snowden mit sehr viel Einbettung in Episoden aus seiner Kindheit, Familiengeschichte (sein Stammbaum lässt sich zur Kolonialisierung Marylands 1658 zurückführen!) und die Tradition des Militärdienstes in seiner Famile („both my parents had top secret clearances“, S. 37) abzufedern. Ich finde das alles triefte vor überbordendem Patriotismus und amerikanischem in-your-face-storytelling (ich frage mich langsam, warum mich das so stört, vor kurzer Zeit erst habe ich das gleiche an einem Podcast kritisiert).

Später im Buch, als es um 9/11 geht, wird Edward Snowden in Bezug auf sein Heimatland ein bisschen differenzierter und bemerkt, dass „Terrorabwehr“ langsam zum Totschlagargument für einfach alles genutzt wird. Einmal abgesehen davon, wird von Beginn an klar, dass er vom Web, wie es heute aussieht und funktioniert, wenig hält:

„You will understand, then, when I say that the Internet of today is unrecognizable. It’s worth noting that this change has been a conscious choice, the result of a systematic effort on the part of a privileged few. The early rush to turn commerce into e-commerce quickly led to a bubble, and then, just after the turn of the millennium, to a collapse. After that, companies realized that people who went online were far less interested in spending than in sharing, and that the human connection the Internet made possible could be monetized. If most of what people wanted to do online was to be able to tell their family, friends, and strangers what they were up to, and to be told what their family, friends, and strangers were up to in return, then all companies had to do was figure out how to put themselves in the middle of those social exchanges and turn them into profit. This was the beginning of surveillance capitalism, and the end of the internet as I knew it.“

Über die Funktionsweise der amerikanischen Sicherheitsbehörden mit ihren Sub-Unternehmens-Konstruktionen, riesigen Gewinnmargen und vor allem unbegrenzten Befugnissen zu lesen, hat mir ziemliches Unbehagen bereitet. Erst recht, weil es trotz der NSA-Enthüllungen von 2013 immer noch keine Aufklärung geschweige denn Regulierung der weltweiten Massenüberwachung in Aussicht ist.

Einzelne Nutzer_innen können dagegen wenig ausrichten, solange sie nicht auf den Service der großen fünf Konzerne verzichten wollen. Selbst die Nutzung von TOR aka the onion router („makes spies want to cry“, S. 156) hilft dann nicht mehr so viel.

Aber trotzdem sollten wir alle für unsere Online-Privatsphäre kämpfen:

„Ultimately, saying that you don’t care about privacy because you have nothing to hide is no differenct from saying you don’t care about freedom of speech because you have nothing to say. Or that you don’t care about freedom of the press because you don’t like to read. Or that you don’t care about freedom of religion because you don’t believe in God. Or that you don’t care about the freedom to peaceably assemble because you’re a lazy antisocial agoraphobe. Just because this or that freedom might not have meaning to you today doesn’t mean that it doesn’t or won’t have meaning tomorrow, to you, or to your neighbor–or to the crowds of principled dissidents I was following on my phone who were protesting halfway across the planet, hoping to gain just a fraction of the freedoms that my country was busily dismantling“ S. 208f

Edward Snowden: Permanent Record. Macmillan, 2019. 340 Seiten, 14,99 Pfund.

Das Licht – T.C. Boyle

Von T.C. Boyle’s Das Licht habe ich erstmals im BR2 Zündfunk gehört und es dann auf dem Wohnzimmertisch eines Freundes liegen sehen, der es mir gleich auslieh.

T.C. Boyle erzählt zu Beginn aus der Sicht einer Laborantin von der Erfindung von LSD 1943 in Basel und der trippigen Radfahrt des Chemikers Hofmann, die als „Bicycle Day“ in die Geschichte eingehen sollte. Nach dieser Einführung startet die eigentliche Geschichte, die psychologische Erforschung der Bewusstseinserweiterung von LSD in Harvard ab 1962. Zentral dabei ist Timothy Leary, ein Psychologie-Dozent, der seine Doktoranden und deren Familien wie ein Sektenführer um sich schart – inklusive Psilocybin- und LSD-Parties. Leary wird schließlich entlassen und die Gemeinschaft zieht nach zwei Sommern in Mexiko in ein Anwesen in Upstate New York, wo sie quasi zu einer kleinen Parallelgesellschaft werden.

„Das eigentliche Problem zu diesem Zeitpunkt war der Nachschub. LSD (das „Sakrament“, wie Tim es nannte, wahlwiese auch „Himmlisches Blau“) war zwar nicht verboten, aber angesichts all der negativen Presse zum Thema Harvard und Zihuatanejo sowie der Tatsache, dass die Droge aus den Laboratorien auf die Titelseiten der Boulevardzeitungen gesprungen war, beinahe unmöglich zu bekokmmen. Sandoz zog sich zurück und verteilte keine Gratisproben mehr, sondern verlangte Geld wie für jedes andere Präparat. Tim und Dick, die sahen, woher der Wind wehte, kratzten zentausend Dollar zusammen […], doch Sandoz ließ den Scheck zurückgehen, versehen mit der kühlen Mitteilung, dieses Mittel werde zukünftig nur noch in kleinn Mengen und auschließlich an qualifizierte Forscher abgegeben, zu denen Tim und Dick offenbar nicht mehr gehörten.“ (S.236)

Ich fand den Roman enorm mitreißend, sodass ich die 380 Seiten in wenigen Tagen durchhatte. Sehr oft fragte ich mich, wie viel von der Geschichte Fiktion war. So vieles am Alltag der LSD-Gemeinschaft scheint völlig absurd, doch ein paar Wikipediaartikel lassen erahnen, dass einiges Wahres dran sein muss.

Musik spielt eine große Rolle in der Erzählung. Und irgendwer hat sich auch die Mühe gemacht und die zitierten Songs zu einer Spotify-Playlist zusammengesammelt, was ich ziemlich cool finde.

T.C. Boyle: Das Licht. Hanser, 2019. 380 Seiten, 25,70€.

Zuckersüß 367

In dieser Woche habe ich Ka’ak el Eid aka Mahlep-Ringerl (bald im Blog!) und Bananenküchlein mit Rumkaramell aus Ottolenghi’s „Sweet“ gebacken.

Außerdem war ich in der großartigen Fahrradwerkstatt des WUK (Wiener_innen, schauts dort vorbei!), in der eins unter fachkundiger Anleitung für nur vier Euro pro Nachmittag am eigenen Gefährt herumschrauben kann – nach Wochen Zwangspause sind meine Einradpedatwle jetzt wieder stabil. Und für einen kurzen Beitrag im Ö1-Konsumentenmagazin help war ich Anfang der Woche in Wiens ältester Messerschleiferei. „Wie Messer lange scharf bleiben“ ist noch bis Samstag nachzuhören, der Text dazu bleibt länger online.

Zwei Highlights waren aber eindeutig meine zwei ersten Restaurantbesuche nach der Corona-Gastrosperre.

ALMA Gastrothèque

In die ALMA Gastrothèque wollte ich schon sehr lange gehen, das Konzept (viele Kräuter, besonderes Brot und Naturwein) klang nämlich sehr interessant. Das kleine Lokal in der großen Neugasse stellte sich letztlich als sehr gute Wahl für den ersten Auswärts-Essen-Abend nach langer Pause heraus. Wegen besserer Wiederfindbarkeit habe ich meinen Restaurant-Bericht hierhin ausgelagert und hoffe, die Kategorie „Lokale“ hier im Blog wiederbeleben zu können.

BRUDER

Das Bruder ist mein liebstes Lokal der ganzen Stadt und ich habe hier und hier schon einmal drüber geschrieben. Ein ausführlicher Rückblick auf den Besuch am Freitag gibts ebenfalls in einem eigenen Lokal-Post.

Hier folgen meine liebsten Links der letzten Tage, wenn auch mit sehr vielen negativen Themen. black lives matter.

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BRUDER

Bruder Küche&Bar, Windmühlgasse 20, 1060 Wien

Jede_r der/die mich nach einer Lokalempfehlung in Wien fragt, bekommt das Bruder als Antwort. Seit ich mal für eine Radioreportage über fermentierte Getränke dort war und später auch immer wieder um einfach dort zu essen oder trinken, bin ich vollauf begeistert vom Bruder. Es ist hip und cool, gleichzeitig gemütlich und elegant und vor allem sind alle Getränke und Speisen auf der Karte etwas ganz Besonderes.

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Honig-Apfel-Walnuss-Muffins

Diese Muffins habe ich in der Instagramstory von @timmazurek (der leider kaum mehr bei Lottie + Doof bloggt) entdeckt, das Rezept steht aber tatsächlich schon wieder bei Bon Appétit (s.a.: Kardamom-Pistazien-Karottenkuchen mit Karottenhalwa-Guss oder Mochi-Kuchen mit schwarzem Sesam).

Ich fand sie interessant, weil sie unscheinbar aussehen (auch für mein Fotoshooting ein Problem – ich wusste überhaupt nicht, wie ich sie in Szene setzen sollte), gut als Frühstück taugen, aber nicht einfach nur Apfel-Muffins sind. Denn die Äpfel werden zuerst in Butter und Honig glasiert und dann großzügig mit Meersalz abgeschmeckt.

honig-apfel-walnuss-muffins auf einem gelben plastikbrett
Den Stoff habe ich seit fünf Jahren und kaum jemals verwendet…

Gemahlene Walnüsse (im Original Pecans, aber die sind hier schwer aufzutreiben und teuer) geben dem Teig zusätzliche Textur und weil statt Butter Olivenöl im Teig ist, haben die Muffins ein fruchtig-scharfes Aroma.

honig-apfel-walnuss-muffins auf einem gelben plastikbrett, einer davon in der mitte auseinandergebrochen
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The Painkiller

Schon viel zu lange habe ich hier kein Cocktailrezept mehr gepostet! Der Painkiller, der nach der gleichnamigen Rummarke auch als Pusser’s Painkiller bekannt ist, ist mir zuerst in meinen Recherchen für meine Rum-Radiosendung (leider nicht mehr nachzuhören, hier aber noch ein paar Worte dazu) begegnet.

Erich Wassicek von der Halbestadtbar hatte ihn als die „erwachsene Version“ der Pina Colada beschrieben, was mir so lange im Gedächntis blieb, dass ich ein paar Wochen nach dem Interview im Radiostudio noch in seiner Bar vorbeischaute, um den Pusser’s Painkiller zu probieren. Erich Wassicek servierte ihn in einem kleinen Emaillehäferl, ohne Strohhalm, wenn ich mich richtig erinnere.

In meiner Radiosendung vom Januar kam außerdem die Matikibar vor, in der ich danach noch öfters mit Freund_innen gegangen bin, weil ich sie sehr sympathisch fand. Leider hatten alle Bars jetzt ziemlich lange geschlossen, sodass ich zwangsläufig selber mixen musste, wenn ich einen Drink haben wollte.

Painkiller Cocktail in einem Matikibecher vor Zimmerpflanze

Allerdings will ich nicht, dass meine liebsten Bars pleite gehen, weshalb ich bei der Matikibar drei handgefertigte Tiki-Tonbecher bestellt habe. Arik, einer der Betreiber der Bar, lieferte sie eigenhändig aus und ich freute mich so sehr darüber, dass ich gleich einen Drink dafür mixen wollte. Das tiki-gste, das unser Vorrat hergab, war besagter Painkiller: dunkler Rum, Ananassaft, Orangensaft, Kokoscreme und ein bisschen Muskat.

Besonders eskapistische Deko, wie es für Tiki-Drinks üblich wäre, bekam ich aus dem Stegreif auch nicht hin, aber immerhin kamen mal die Glitzer-Palmen-Stecker (wie heißen diese Dinger wirklich?), die schon ewig in meiner Prop-Schublade herumliegen, zum Einsatz.

Painkiller Cocktail in einem Matikibecher vor Zimmerpflanze

Btw, die Fotos vor mickriger Zimmerpflanze (keine Ahnung welche Art das ist, bin schon froh, dass sie unter meiner Obhut noch nicht eingegangen ist!) und schlecht verdecktem Bücherregal sollten ein bisschen an die Tropen erinnern, sind aber eigentlich inspiriert von @lavievagabondes coolen Selfies.

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Zuckersüß 366

In der vergangenen Woche habe ich Rhabarbersirup, Rhabarber-Frangipane-Tarte, Kokospudding, Walnuss-Scones und zweierlei Burger Buns gemacht: Highfoodality’s Brioche Burger Buns und Golden Pull-Apart Butter Buns. Diese wurden dann teilweise zu White Castle Style Burgern, inspiriert vom eher dämlichen Film Harold & Kumar, den ich vor ein paar Tagen mit meiner WG angeschaut habe („Was, du kennst den nicht? Das geht nicht!)

Außerdem war ich Teetrinken (in einem richtig echten Café! so schön, dass die Gastro wieder offen hat), habe online die Ibiza-Fellner-Lesung mitverfolgt (hoffentlich auch bald wieder IRL im Schikaneder) und meinen Party-Top-Pullover fertiggestrickt.

Danach habe ich mir gleich Wolle für ein neues Projekt gekauft, weil ich dank Instagram bemerkt habe, dass die lillebutik, ein Wollgeschäft ganz in meiner Nähe, erstens existiert und zweitens gute Garne für wenig Geld verkauft. Mal sehen, ob aus meinem ersten gehäkelten Kleidungsstück etwas wird!

Oldschool Blog Rabbit Hole

Über eine Empfehlung von Rhoneisms bin ich gestern auf 20 Blogs I Read in 2020: Quarantine Edition von Foley Music and Arts gestoßen. Und mit jedem geklickten Hyperlink fiel ich tiefer in ein rabbit hole des persönlichen Bloggens und öffentlichen Nachdenkens. Die ebenfalls verlinkte Rebecca Toh schreibt:

„life as an early internet person was a lot of fun. There was always this feeling of childish excitement and this sense that really interesting things were waiting to be discovered just around the corner, a hyperlink or two away. People living halfway across the world from us, in Belgium and Iceland and the very far ends of Vladivostock, were making things they wanted to make just for the heck of it — websites and blogs were born out of hobbies, not ambitions“

Und obwohl es zur Zeit wirklich viele SEO-optimierte, seelenlose Marketing-Content-Schleuder-Blogs gibt, ist dieses „early internet“ (ich kenne es erst ab 2009, wo aber auch die Foodblogwelt noch sehr anders war als heute) doch immer noch irgendwie da. Das beweisen die Blogs in meiner „Tagebuchblog“-Auflistung von 2017 und die, die ich gerade erst entdeckt habe. So fand ich Ness Labs Idee der (online) „mind gardens“ so spannend, das ich ihr Blog in meinen Feedreader packte, obwohl es gar nicht so persönlich, sondern mehr als Guideline zur Selbstoptimierung gedacht scheint.

„A mind garden is not a mind backyard. It’s not about dumping notes in there and forgetting about them. To tend to your garden, you need to plant new ideas. The best way to do this is by replanting stems and cuttings from existing ideas you’ve added to your garden—by consistently taking notes, and combining them together“

In meinem Kopf waren Online-Gärten bisher immer mit den monopolistischen walled gardens Facebook, Spotify usw. verknüpft. Ich bin froh, dass neben denen jetzt auch das Konzept der blühenden, einladenden, freien Blog-Gärten steht.

In den Beispielen für besonders gelungene mind gardens listet Ness Labs Tom Critchlow’s digital garden wiki, das mit Jekyll gebaut ist. Wer die Anfangsgeschichte meines Podcasts kennt, weiß, dass ich mit dieser Static-Site-Software nie warm geworden bin – ich bin halt doch Kind des Web 2.0 mit seinen bequemen Web-Editoren. Aber die zugrundeliegende Idee von Tom Critchlow’s digitalem Garten ist fast die gleiche, wie die hinter diesen Sonntagsposts (und meinen unendlichen Evernote-Notizen), in denen ich immer wieder auf Gegessenes, Gelesenes und Überlegtes zurückkomme:

„Creative research is all about collecting the dots. It’s more common to think of “connecting the dots” but the truth is that you can’t connect the dots you can’t see. And we can only hold a tiny number of things in our brains at once. So a space for collecting (and organizing) the dots is a crucial foundation for thinking, creativity and more“

Das, was ich oben als Tagebuchblogs bezeichne, nennt Tom Critchlow in einem anderen Post „small b blogging“. Es steht dem „big B blogging“, das auf maximale Skalierbarkeit und shareability aus ist, entgegen.

„Small b blogging is deliberately chasing interesting ideas over pageviews and scale. An attempt at genuine connection vs the gloss and polish and mass market of most “content marketing”. […]“

Jedenfalls, Tom Critchlows Blog ist jetzt auch in meinem Feedreader. Und Paul Jarvis‘ auch (den Weg zu seinem Blog kann ich gerade nicht mehr nachvollziehen) – sein sehr minimalistisches Design mit der kleinen roten Ratte erinnert mich ein bisschen an wirres.net, und auch daran, das ich seit circa drei Jahren ein neues Design für die Zuckerbäckerei haben will und immer noch keines gefunden habe.

In den 20 Blogs to Read stolperte ich dann noch über den Namen Ann Helen Peterson, die statt eines Blogs einen Newsletter schreibt (dank Substack glücklicherweise RSS-abonnierbar). Ein Blick auf ihr Twitterprofil verriet mir, wieso sie mir so bekannt vorkam: Sie hat den buzzfeed(!)-Artikel „How Millenials Became The Burnout Generation“ geschrieben und dabei bei mir enorm viel Eindruck hinterlassen.

Über noch ein paar Links kam ich dann noch zu Robin Sloans Blog, seine Posts schauten beim Überfliegen so interessant aus, dass ich es auch gleich abonniert habe. Normalerweise folge ich der/m Blogger_in in so einem Fall erstmal auf Twitter, um nicht unnötig Zeug in meinem feedly zu haben, das mich vielleicht eh nicht so interessiert. Aber Robin Sloans Twitter scheint mir weitaus fader als sein Blog und außerdem hat Joël aka soulzeppel.in (sehr empfehlenswertes Tagebuchblog, btw!) mal seinen Roman „Sourdough“ empfohlen, d.h. sein Schreiben kann so schlecht nicht sein.

Das Einzige, was meine Freude über diese vielen neuen „Tagebuchblog“-Entdeckungen trübt, ist ihre mangelnde Diversität. Die meisten der oben genannten Blogger sind mittelalt, weiß, amerikanisch und vermutlich einigermaßen gut situiert. Meine Twitter-Timeline voller vieler kleiner Alltagsnotizen hat gefühlt zehnmal so viele unterschiedliche Perspektiven – falls irgendwer von euch Blogger_innen kennt, die in diesem Sinne meinen Feedreader bereichern könnten: immer her damit!

Und jetzt: „gewöhnliche“ Sonntagslinks:

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Gulab Jamun

Ich habe seit 2011 einen Account bei foodgawker. *Vor* Instagram war das die Quelle für visuelle Rezeptinspiration schlechthin, mittlerweile schaue ich dort fast gar nicht mehr vorbei und lade erst recht keine meiner Bilder mehr in die Datenbank. Ich glaube, ich bin damit nicht die Einzige – es scheint, als wäre dort weit weniger los als noch vor sechs oder sieben Jahren.

frittierte gulab jamun in einer glasschale, vogelperspektive

Kürzlich habe ich aber doch mal wieder einen Blick auf dieses Relikt der guten alten Foodblogzeiten geworfen und gleich ein Rezept entdeckt, das ich sehr faszinierend fand: Frittierte, in Sirup getränkte Teigkugeln, die fast ohne Mehl auskommen. Stattdessen bestehen sie hauptsächlich aus Milchpulver und Milch.

Tatsächlich ist das laut Rezept noch nicht einmal die „authentische“ Variante dieser Süßigkeit, die zum hinduistischen Diwalifest serviert wird. Dafür bräuchte man nämlich „Mawa“, fast bröselig eingekochte Milch. Ich hatte aber für die Rezepte aus dem momofuku-milkbar-Buch (bald mehr dazu) endlich mal eine große Dose Milchpulver da und versuchte mich deshalb an dieser vereinfachten Gulab Jamun-Version.

frittierte gulab jamun in einer glasschale, eines davon angeschnitten

Die frittierten Kugeln werden nach kurzem Abtropfen noch für mehrere Stunden in Kardamomsirup getränkt und sollte dabei ihre Größe fast verdoppeln. Das passierte bei meinen leider nicht (zu dunkel frittiert?) aber ich fand sie trotzdem sehr interessant – von außen lässt sich die poröse, sirupgetränkte Konsistenz gar nicht erkennen.

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Rhabarber-Frangipane-Tarte mit Kandiertem Ingwer

Seit ich die Rhabarber-Baiser-Tarte mit Anis und den Rhabarber-Fenchel-Wermut-Cocktail gemacht habe, habe ich jede Woche wieder aufs Neue Rhabarber auf den Einkaufszettel geschrieben. Doch bei keinem einzigen Laden in meiner Umgebung konnte ich welchen auftreiben – mir schien als wäre die Saison in Österreich frühzeitig zu Ende (Marillen gibts auch schon!).

Glücklicherweise trieb einer meiner Mitbewohner dann doch irgendwo ein halbes Kilo auf und ich konnte einerseits endlich neuen Rhabarbersirup für Cocktails kochen und andererseits die Stangen selbst zu Kuchen verarbeiten.

rhabarber-frangipane-tarte mit kandiertem Ingwer, Vogelperspektive
Bei meinem letzten Vorstadtspaziergang hab ich ein bisschen Grünzeug mit Blüten mitgehen lassen!

Besonders viel Zeit hatte ich nicht, deshalb hielt ich mich an ein bewährtes Rezept, das schon in dreierlei Variationen hier im Blog zu finden ist: Frangipane-Tarte – mit Zwetschgen, Griacherln oder Rhabarber.

Exakt die gleiche Tarte wollte ich trotzdem nicht machen, weshalb ich den Rhabarber statt in Streifen in feine Würfel schnitt und gut 50 Gramm gehackten kandierten Ingwer darunter mischte. Seine ätherische Schärfe passt finde ich super zum ziemlich sauren Rhabarber und der süßen Mandelcreme.

rhabarber-frangipane-tarte mit kandiertem Ingwer,

Ausnahmsweise verlinke ich hier nur auf das Rezept, den noch einmal muss es wirklich nicht im Blog stehen.

Zuckersüß 365

In der vergangenen Woche habe ich Walnuss-Apfel-Muffins und gescheiterte Roggenmehlscones gebacken, war ein bisschen interviewend fürs Radio unterwegs (einmal um die Welt, aber in Wien! zu hören dann am 22.5. im Ö1 Moment Kulinarium) und habe die restliche Zeit viel am Schreibtisch verbracht, wie fad.

Aber es war quasi jeden Abend WG-Kino bei uns, mit sehr unterschiedlichen Filmen: zuerst das Elton-John-Bio-Musical Rocket Man, dann Long Shot, eine überraschend lustige und gar nicht besonders cringe-ige/problematische RomCom, außerdem den eeeeewig langen Once Upon a Time in Hollywood und dann noch First Man, einer Neil-Armstrong-Biografie, in der Ryan Gosling gar nicht so oft hundeblicks-/hey-girl-mäßig dreinschaut wie sonst.

Und: Ich war auch endlich mal wieder „fort“, nämlich mit daheim gemixten Aperol Spritz im Glasfläschchen und zwei Freund_innen am äußerst vollen Donaukanal. Was könnte das für ein schöner Sommer werden!

Hier folgen ein paar interessante Links:

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