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Eine Reise nach Lille, Dunkerque und Bruxelles

Über das lange Pfingstwochenende habe ich gemeinsam mit einigen Freund_innen eine kleine Reise Richtung Norden unternommen. Wir waren zu siebt unterwegs und wollten uns einmal abseits der großen mit Flixbus etc. erreichbaren Städte aufhalten, weshalb wir uns dafür ein Auto mieteten.

Via Luxemburg und Belgien landeten wir Freitag spätabends in Lille, unserem Ausgangspunkt für das Wochenende. Samstag morgen brachen wir zum ersten Ausflug ins etwa eine Stunde entfernte Dunkerque (Dunkirk/Dünkirchen) an der Küste auf.

Stadtkern Dunkerque
Das Stadtzentrum von Dunkerque ist nicht besonders spannend.

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Zuckersüß 288

Jetzt auf einmal ging es super schnell: Mein Erasmus-Semester (also der Teil, in dem ich aktiv etwas tun muss) ist zu Ende! Nach weiteren drei Prüfungen, einige davon dümmer als andere (ich glaube, ich schreibe nach meiner tatsächlichen Rückkehr noch einen Zusammenfassung über meine Erfahrungen an der Université de Lorraine, so wie zu Beginn in Neues aus Nancy 2) fängt nun die vorlesungsfreie Zeit an. Also zumindest, wenn ich überall die viel zitierte „Moyenne“ von 10 Punkten erreiche und nicht in die Nachprüfungen muss. Vorerst weiß ich das aber noch nicht und mache jetzt mal ein paar Tage Ferien.

Während der Woche war ich eigentlich schon viel zu beschäftigt mit wissenschaftliche-Texte-auf-Französisch-lesen (so anstrengend, dass ich danach wirklich ein Nickerchen brauche!), doch Druck-Termine sind mindestens genauso dringlich wie Prüfungen. Deshalb habe ich mich in mehrstündigen Telefonaten im InDesign-für-Neulinge-Erklären geübt, am praktischen Beispiel der Abizeitung meiner kleinen Schwester. So rückblickend hatte ich echt sehr großes Glück, dank der Schülerzeitung mit diesem tollen Programm konfrontiert zu werden. Im Laufe der Zeit habe ich so viel Interesse am Layouten von Magazinen gefunden, dass ich mich durch unzählige YouTube-Tutorials und sogar Bücher (auf Papier!) gearbeitet habe und nun einen ganz passablen Wissenstand in dem Bereich habe. Schade, dass die Schülerzeitung meiner alten Schule so dermaßen den Bach hinuntergegangen ist, dass sich das darin angesammelte Wissen (nicht nur über Layouts, sondern auch Fotografie und, am wichtigsten, Schreiben) nicht mehr an die folgenden Generationen weitergegeben hat und die unumgängliche Abizeitung zu einem scheinbar unbezwingbaren Projekt geworden ist…

Über das verlängerte Pfingstwochenende bin ich mit Freund_innen im Norden Frankreichs unterwegs (dieser Post ging automatisch online). Zur Einstimmung dafür haben wir erstmal Dunkirk (das auch auf der Route liegt) angesehen. Ich wollte eigentlich nebenbei Socken stricken, aber gab es sehr schnell auf. Einerseits, weil der Film so nervenaufreibend war, dass mir die Maschen zu entgleiten drohten, andererseits, weil er viel mehr auf Bilder als auf Dialoge setzte. Es waren unglaublich viele Tote zu sehen, aber kaum Blut, was das Ganze aber nicht weniger grausam machte. Trotzdem stimme ich Anne von Flip The Truck (ich erinnere mich leider nicht mehr, in welcher Folge das vorkam) zu, dass Dunkirk ein Kriegsfilm ist, den man auch anschauen (und gut finden) kann, wenn man Kriegsfilme eigentlich nicht ausstehen kann. Und wenn ich die Chance habe, schau ich Dunkirk auch nochmal im Kino, auf einer großen Leinwand!

Über meine Roadtrip-Abenteuer berichte ich dann ein andermal, bis dahin meine liebsten Links der Woche:

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Zuckersüß 287

Zwei Feiertage in einer Woche! Diese Tatsache wurde mir allerdings auch erst am Dienstag klar, als alle Bibliotheken und der Bäcker ums Eck geschlossen waren. Beim nächstgelegenen Bäcker kam ich dann ins Gespräch über die Gründe des Feiertags und kann mir jetzt nicht mehr erklären, wie mir der Tag der Befreiung (Wikipedia, FTW) bisher kein Begriff sein konnte. Immerhin ist der in Frankreich, Tschechien und der Slowakei Feiertag, aber auch in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Am Donnerstag folgte dann Christi Himmelfahrt, aber dieser Feiertag ist mir natürlich aus Bayern und Österreich bekannt.

Trotz der „freien“ Tage verbrachte ich meine Zeit mit Prüfungsvorbereitung – in Form zweier sehr aufwendiger Zusammenfassungs-Sketchnotes:

Vorlesung „Connaissance du champ médiatique“
Vorlesung „Stratégie de Communication“

Außerdem habe ich meine letzte Team-Seminararbeit des Semesters abgegeben, aber die kennt ihr ja vielleicht eh schon: Drei Museen in Straßburg, hier in der Zuckerbäckerei veröffentlicht. Ich finde es ziemlich cool, dass wir in diesem Seminar enorm viel Gestaltungsfreiheit in unserer Abschlussarbeit zugesprochen bekommen haben. Ziel sollte es sein, unsere Ergebnisse so zu präsentieren, dass die Arbeit als Bewerbungsunterlage für Masterstudiengänge (nicht dass ich dafür nochmal in dieses seltsame französische Hochschulsystem kommen wollen würde) oder Praktika taugt. Ich weiß nicht, ob des das bei mir wirklich tut, aber ich habe immerhin ein paar schöne Fotos und Übersichts-Sketchnotes untergebracht!

Heute war ich passend zum grausligen Wetter noch in der Opéra Nationale de Lorraine. All die deutschen Namen aus „Werther“ in der französischen Inszenierung waren ziemlich amüsant. Und was ich richtig super fand: die Petit Fours in der Pause (-> Opern-Banausin)!

Mit Prüfungen geht es in der nächsten Woche auch noch weiter (also jedenfalls wenn kein weiterer Streik oder so dazwischenkommt), aber bevor ich mich damit beschäftige, schreibe ich lieber erst noch meine liebsten Links zusammen:

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Drei Museen in Straßburg – Trois Musées à Strasbourg

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Im Rahmen eines Projektes hat das gesamte TD Médiations Culturelles der Uni Lorraine im März einen Ausflug nach Strasbourg gemacht, um dort drei Museen zu besichtigen und ihre Kommunikation und Vermittlung zu untersuchen. Unsere Ergebnisse sollten wir allerdings nicht in einem „langweiligen“ Aufsatz zusammenfassen, sondern möglichst kreativ. Meine Teampartnerin Billy und ich haben deshalb beschlossen, unseren Museumsvergleich in einen zweisprachigen Empfehlungs-Blogpost zu packen, damit unsere Ergebnisse nicht in einer Schublade verschwinden.

Es folgt ein gereihter Überblick (das erste Museum empfehlen wir unbedingt weiter, das letzte überhaupt nicht) der besuchten Museen. Die Hintergründe zu unserer Einschätzung und Fotos von unserem Besuch gibts weiter unten und/oder nach Klick auf den entsprechenden Link.

billy-jana
Billy und ich im historischen Museum.

Übrigens gibts auf Instagram (@zuckerbaeckerei) in meinen „Highlights“ die spontanen Eindrücke des Museumsvergleichs!

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Zuckersüß 286

Die vergangene Woche war für mich das komplette Gegenteil der vorherigen: Ich war (fast) ausschließlich mit Seminararbeiten und Prüfungsvorbereitungen beschäftigt. Um mich nicht ständig von #rp18 auf Twitter ablenken zu lassen, verabredete ich mich zum Arbeiten in der Stadtbibliothek von Nancy (der Campus ist nicht mehr zugänglich, dazu unten mehr). Zum „Feierabend“ schaute ich dann doch hin und wieder in den re:publica Livestream rein, und sketchnotete sogar zweimal:

Nach meinen Prüfungen werde ich mich bestimmt noch ausführlicher mit den diesjährigen Talks beschäftigen, denn die re:publica gehört nach wie vor zu meinen liebsten Konferenzen.

Ansonsten gibt es Neuigkeiten vom Blocus, aber ziemlich unerfreuliche: Nachdem die Besetzung des Campus in der vorherigen (Ferien-!)Woche durch die Polizei aufgelöst wurde, veranstalteten einige der Besetzer_innen in dieser Woche erneut eine Generalversammlung im Campus-Innenhof. Also zumindest haben sie es versucht, denn der Präsident schickte gleich wieder die Polizei. Mit Helm und Schildern (Deeskalation geht anders) vertrieben sie die Aktivist_innen, die ab sofort wohl wirklich nicht mehr dorthin kommen können, vom Gelände. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden nämlich ins fast absurde gesteigert: Zutritt zum Campus bekommt nur, wer Studierendenausweis und einen Nachweis einer stattfindenden Prüfung hat. Es gibt genau zwei benutzbare Eingänge, und es ist „vorsichtshalber“ mit etwa 45 Minuten Wartezeit zu rechnen. Im Endeffekt stand ich für meine Prüfung heute (Montag) nur fünf Minuten an, aber die zwei Kontrolletappen (Ausweiskontrolle durch Uni-Mitarbeiter_innen, Taschenkontrolle durch Sicherheitsfirma) finde ich trotzdem unsagbar. Ein paar hundert Meter neben den einzigen offenen Campuseingängen steht vorsichtshalber auch noch die Polizei mit Mannschaftswägen bereit.

Mein Französisch-Professor fasste die aktuelle Situation der Uni Lorraine vor der Prüfung recht schön zusammen: Um den Unterricht und dessen Qualität schert sich keiner, Hauptsache die Prüfungen können (wenn auch unter Polizeischutz) stattfinden. Einige andere Professor_innen verlegten die Abgabe-Treffen für Papier-Seminararbeiten gleich in irgendwelche Cafés, nicht nur aus praktischen Gründen, sondern auch im Protest gegen die Präsenz der Sicherheitskräfte.

Und überhaupt, die Polizei hier kommt mir öfters recht unverhältnismäßig vor. Ich war am Freitag auf einer (zugegeben sehr großen, sehr club-mäßigen – Virgae legte auf) WG-Party, die gegen drei Uhr morgens aufgelöst wurde. Sechs (!) Polizeistreifen rückten an, um alle Gäst_innen hinauszueskortieren – nicht ohne den Leuten vor dem Hauseingang die Getränkebecher auszuleeren. Meines Wissens war das Ganze nichts anderes als Ruhestörung (ab einem gewissen Punkt sicher ein legitimer Grund, die Polizei zu schicken), niemand schlägerte oder zerstörte irgendwelche Sachen, weshalb mir dieser Einsatz reichlich übertrieben vorkam. Ob freitagabends sonst nix los ist in dieser Stadt?

Am Samstag fuhr ich gemeinsam mit einem Schwung anderer ERASMUS-Studierender nach Strasbourg. Dort liefen wir ein bisschen durch die Stadt und begegneten dann gleich in den ersten Minuten acht Maschinenpistolen-bewaffneten Soldat_innen. Ob man sich an diesen Dauer-Ausnahmezustand irgendwann gewöhnt?

Abgesehen davon war es in Strasbourg aber wirklich cool, denn es stand nicht (nur) Sightseeing auf dem Plan, sondern vor allem der ERASMUS Day 2018. Diese Veranstaltung fand im Lieu d’Europe statt und versammelte ERASMUS-Studierende aus Strasbourg, Nancy, Dijon, Bruxelles, Heidelberg (und wahrscheinlich noch mehr) zu einer Gartenparty. Die war superfancy organisiert: repräsentative Villa, Stehempfang mit Häppchen, Reden von *superwichtigen* Leuten und Live-Musik, alles davon kostenlos! Ich probierte mich durch das internationale Buffet – aserbaidschanischer Kichererbsen-Joghurt-Dip mit Fladenbrot, Sesamkuchen aus El Salvador, Kochbananen mit Sauce aus Kolumbien, Lakritz-Marshmallows aus den Niederlanden usw – und sprach mit sehr vielen jungen Leuten aus der ganzen Welt. Es freute mich sehr, wie einig wir (sowohl Europäer_innen als auch alle anderen) uns waren, dass die EU eine super Sache ist.

Zurück in Nancy musste ich mich leider gleich nochmal furchtbar ärgern, denn in meinem Wohnheim war das WLAN ausgefallen. Es gibt wirklich kaum etwas, das mich mehr nervt, als ein Berg Arbeit (noch mehr Seminararbeiten!) und ein geplantes Zuckersüß ohne Internetzugang. Ich twitterte also das CROUS an, ohne am Sonntag tatsächlich Antwort zu erwarten. Ich sprach mit dem Nachtwächter, der mir immerhin kurz vor Mitternacht einen Gruppenarbeitsraum am anderen Ende des Gebäudes aufsperrte, nachdem ich zufällig den einzigen scheinbar funktionierenden Router ausgemacht hatte. Montagmorgen ging ich natürlich gleich zum Büro, wo ich nur ein unzufriedenstellendes „Der Techniker ist informiert“ erhielt. Am frühen Nachmittag ging dann alles wieder, und ich hatte meine 24h ohne WLAN überstanden. Sicher kann man meine Aufregung darüber als lächerlich abtun, aber wenn mobiles Datenvolumen begrenzt ist und öffentliche Arbeitsplätze (looking at you, Unibibliothek hinter Polizeiautos) unzugänglich sind, ist fehlendes WLAN *daheim* wirklich ein Problem…

Ich hoffe, ihr habt weiterhin Internetzugriff, sonst könntet ihr euch leider nicht einmal durch meine liebsten Links der vergangenen Woche klicken:

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Vegane Rhabarber-Tarte

Praktischerweise fiel mein Heimaturlaub genau in die Rhabarber-Erntezeit. Ausgestattet mit Küchenmesser und Kamera radelte ich deshalb schnellstmöglich zu meiner Oma, um großzügig Rhabarber mit nach Hause nehmen zu können.

Rhabarber-Ernte

Rhabarber-Ernte

Rhabarber-Ernte

Auf besonderen Wunsch wollte ich zumindest einen veganen Kuchen daraus backen, deshalb wandelte ich dieses Rezept von Linda Lomelino (entdeckt auf Instagram, wo auch sonst) ein kleines bisschen ab.

Ich hatte Angst, dass mir die Tarte, die ja ohne Form gebacken wird, wegen der Margarine zu sehr auseinander laufen würde. Das passierte glücklicherweise nicht, wahrscheinlich auch, weil ich den Teig recht lange kühlstellte.

vegane Rhabarber-Tarte

vegane Rhabarber-Tarte

Ein zweites Problem für eine vegane Version des Rezepts war das Ei, dank dem die Mandelsplitter kleben bleiben und die Ränder der Tarte beim Backen schön goldbraun werden sollten. Natürlich half auch hier das Internet weiter und ich lernte die gefühlt tausendste Zutaten-Kombination kennen, die ein Ei für einen ganz spezifischen Einsatzbereich ersetzen konnte. Getreidemilch und Agavensirup (zwei Dinge, die der ausgeprägten Vorratshaltung meiner Familie zu verdanken sind) erfüllten tatsächlich ihren Zweck!

vegane Rhabarber-Tarte vegane Rhabarber-Tarte

Und bevor ich das alles jetzt gleich wieder vergesse (s. vegane Schokocookies), verblogge ich es lieber gleich. Es folgt das erste (und dafür auch super einfache!) Rezept seit drei Monaten:

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Zuckersüß 285

Die vergangene Woche verbrachte ich mit dem klischeehaftesten Heimaturlaub aller Zeiten. Ich radelte gemeinsam mit Freunden durch den Landkreis und machte dabei halt im Infohaus Isarmündung und in verschiedenen Biergärten. Ich war Eisessen, saß um ein Lagerfeuer (Smitten Kitchens Broccoli Slaw ist wirklich so lecker wie es aussieht!), am Donauufer und sehr viel im Garten. Und dann war ich sogar noch auf dem Volksfest (inklusive Radlermaß) und auf einem Berg! Die Wandertour rund um den großen Rachel fand ich aber so anstrengend, dass ich bestimmt für zwei Monate nicht mehr so lange in der Natur herumspazieren werde.

Eines meiner Fotos vom besetzen (mittlerweile offenbar geräumten) Uni-Campus in Nancy hat es außerdem in die engere Auswahl des Uni-International-Fotowettbewerbs geschafft – lasst doch ein Like da, vielleicht gewinne ich was.

Die Küche im Haus meiner Familie habe ich außerdem für ein paar Bäckereien genutzt, zumindest eine davon landet bald hier im Blog. Bis dahin folgen hier meine liebsten Links der Woche:

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Zuckersüß 284

Mit der Absage aller Kurse am CLSH in Nancy stand am Montag fest, dass mein Erasmus-Semester praktisch vorbei war. Mitte Mai sind zwar noch Prüfungen (über den Stoff von Mitte Januar bis Mitte März), aber mich erwartet keine einzige Lehrveranstaltung mehr. Deshalb habe ich gleich am Dienstag die Chance auf ein bisschen Wissens-Input ergriffen und mich in einen Vortrag des RING-Theaterfestivals gesetzt: Intelligence artificielle, quel avenir pour les artistes et créateurs d’aujourd’hui ? (Künstliche Intelligenz, welche Zukunft für die Künstler_innen und Kreative von heute?). Leider war das Panel mit Wissenschaftler_innen und Künstlern (nur eine Frau und fünf Männer auf der Bühne) am Anfang ziemlich zäh und am Ende fehlte die Zeit für die spannenden Fragen. Ich habe erstmals auf französisch gesketchnotet:

Picknicken und im Park herumsitzen war in dieser Woche auch endlich so richtig möglich, wobei ich noch ein bisschen Jahreszeiten-antizyklisch blieb und das dritte Paar Socken für 2018 fertiggstrickte. Was mich sehr schockierte, waren die bis zu den Zähnen bewaffneten Soldaten, die zwischen den Parkbesucher_innen in der Pépinière patroullierten – Frankreichs Sicherheitsvorstellungen decken sich nicht unbedingt mit meinen…

Ansonsten habe ich noch Spargel gegessen, Pudding gekocht, und meinen Kühlschrank leerfrittiert. Das heißt ich habe sämtliches Gemüse (Brokkoli und eine ganze Sellerieknolle) blanchiert und dann in Parmesan und Grieß paniert. Dazu selbstgemachtes Ketchup (ungefähr wie der Salsa-Dip nur ohne Paprika) und schon hatte ich Abend- und Mittagessen und auch noch einen super Reisesnack.

Am Freitag machte ich mich nämlich auf eine ziemlich lange Zugreise: Von Nancy via Strasbourg nach Frankfurt, wo ich mit einer Freundin Kaffeetrinken war, bis nach Niederbayern. In den gut 11 Stunden las ich knappe 300 Seiten in Paul Austers 4-3-2-1, das mir immer mehr gefällt. Es ist ein bisschen anstrengend zu lesen, denn die Sätze sind manchmal schier endlos lang. Doch wie unterschiedlich sich die verschiedenen Leben des Ferguson entwickeln, wenn sich nur ein Detail ändert, ist sehr spannend. Und die vielen Geschichten (also erfundene Dialoge und Zeitungsartikel und was sonst noch nicht alles) innerhalb der Geschichten finde ich super.

Im Internet habe ich auch herumgesurft (und dank zu viel Instagram den Großteil meines Datenvolumens verprasst…) und das sind meine Favoriten daraus:

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Zuckersüß 283

Der Campus ist immer noch blockiert! Am Montag stimmten zwar mehr als 2000 Leute für die Wiederaufnahme der Kurse zum Mittwoch und nur etwas mehr als 1000 dagegen (der Großteil der 8000 Studierenden des Campus nahm nicht einmal an der Online-Abstimmung teil), doch die Besetzer_innen hatten diese Wahl von Anfang an boykottiert. So kam es dazu, dass der Präsident (nicht wie bisher die Campus-Verantwortliche) am Dienstag alle Kurse bis auf Weiteres absagte. Am selben Tag wurde auch ein Campus in Metz, der ebenfalls zur Université de Lorraine gehört, von Studierenden besetzt.

Manche Lehrende reagierten eher entnervt auf die Fortsetzung der Blockade, einige riefen per E-Mail dazu auf, sich doch daheim eingehend mit den Seminarthemen auseinanderzusetzen. Wieder andere scheinen der ganzen Angelegenheit gar nicht so feindlich gegenüber zu stehen. Einer meiner Professoren wies zum Beispiel auf das Theater-Festival RING hin, das in diesem Jahr den Schwerpunkt „Digitales“ hat und damit sehr gut zum Vorlesungsthema passen würde. Ein weiterer Lehrender an meiner Fakultät schrieb einen Blogpost (Et la démocratie s’évapore dans un clic !) über die gescheiterte Onlineabstimmung des Präsidenten. Langsam glaube ich tatsächlich, dass ich in diesem Semester keinen Kurs mehr an der Université de Lorraine besuchen werde, denn die Ferien sind nur noch eine Woche entfernt und danach ist die Prüfungsphase angesetzt.

Ich muss sagen, dass mich der Kursentfall zur Hälfte meines Erasmus-Semesters gar nicht so sehr stört, denn mir fällt immer eine Beschäftigungsmöglichkeit ein. Ich verfolge zum Beispiel die Social-Media-Accounts der verschiedenen Protest-Initiativen, lese so viel wie möglich über die landesweiten Demos und habe mir sogar Macrons TV-Interview aka Rede an die Nation angeschaut. Wäre mein Campus nicht blockiert worden, hätte ich mich wahrscheinlich niemals so intensiv mit der französischen Gesellschaft und aktuell debattierten Themen auseinandergesetzt, weil ich mit Uni-Aufgaben beschäftigt gewesen wäre.

Und außerdem gibt wirklich viel zu tun in Nancy: Wie das Titelbild zeigt, ist gerade „Volksfest“ mit sehr vielen Fahrgeschäften, bunten Lichtern und Churros. Dort herumzuspazieren und -fotografieren ist recht witzig. Am Montag war ich beim Club Cuisine des örtlichen Erasmus Student Networks und habe gemeinsam mit 15 anderen internationalen Studierenden ein türkisches Abendessen gekocht.

Am Dienstag und am Samstag lud ich mich bei einer Freundin im Wohnheim nebenan ein und wir kochten und backten mithilfe sämtlicher Küchenutensilien, die wir in unserem Freund_innenkreis zusammensammeln konnten für ziemlich viele Leute. Es gab Blätterteig-Käsestangerl, Pflaumen-Crumble, Erdbeer-Rhabarber-Crumble, Rhabarbersirup/Püree und Tiramisu (auf Basis der Rezepte für Mini-Erdbeer-Crumble und Lebkuchenhaus-Tiramisu):

Den Mittwoch verbrachte ich größtenteils mit Lesen (noch immer 4-3-2-1 von Paul Auster) in der Sonne  und holte mir so den ersten Sonnenbrand der Saison. Außerdem habe ich bei Amorino am Place Stanislas Eis gegessen. Ich habe zwar noch keinerlei Vergleich, aber das scheint eine der besten Eisdielen der Stadt zu sein!

Obwohl es keine Kurse gibt, gibt es dennoch Hausaufgaben, sodass ich den Donnerstag in der ziemlich leeren Bibliothek verbrachte. Für das Atelier d’écriture arbeitete ich mit meinem Team an unserer Abschlussarbeit, einem „Carnet de Voyage“ (Reisetagebuch). Darin sollten wir nicht nur eine Reisegeschichte festhalten, sondern auch möglichst viele verschiedene Dokumenttypen (Erzählung, Briefe, Tagebucheinträge, Karten…) vereinen. Es lief am Ende darauf hinaus, dass wir mit Buntstiften, Kleber, Washitape, Nadel und Faden ein kleines Heftchen zusammenbastelten – in der Unibibliothek. Ich hatte auf jeden Fall Spaß daran, finde es aber immer noch ein bisschen seltsam, dass das die Semesterarbeit eines Uniseminars ist…

Nachdem ich selbst schon einen Audiobeitrag über die Uni-Blockade gebastelt habe (läuft übrigens morgen um 14h im Radio Campus Wien), wurde ich ebenfalls am Donnerstag gemeinsam mit zwei weiteren Erasmus-Studentinnen für das Radio Campus Lorraine interviewt. Leider konnte ich mir das Abendmagazin, in dem die Sicht ausländischer Studierender auf die Uni-Proteste thematisiert wurde, nicht anhören. Der Grund dafür ist wirklich äußerst dämlich: Der Stream des Radio Campus Lorraine, das sein Studio selbst in einem CROUS-Wohnheim hat, ist im WLAN-Netzwerk meines (ebenfalls von CROUS betriebenen) Wohnheims blockiert.

Freitag Nachmittag war ich dann tatsächlich in der Manufacture beim RING-Festival, um Worldwidewestern anzusehen, ein Theaterstück mit nur einem Schauspieler und dem Web als wichtigste Requisite. Mithilfe von YouTube und Google Maps begibt sich der Protagonist in den Wilden Westen, überfällt die Société Générale auf Facebook, besucht in einem Saloon eine Sexarbeiterin, die dank der Sprachausgabe des Computers (einsilbig und seltsam intoniert) zum Leben erwacht, und spielt eine Runde Poker gegen sich selbst. Witzige Idee!

Jetzt aber noch meine liebsten Links der vergangenen sieben Tage: Zuckersüß 283 weiterlesen

Zuckersüß 282

Die Campus-Blockade ist bis jetzt noch nicht zu Ende. Statt in meine Kurse zu gehen, habe ich deshalb, wie letzten Sonntag schon angekündigt, in meiner ganzen freien Zeit einen Audio-Beitrag über die Proteste gebaut. Das war wohl meine aufwändigste derartige Produktion bisher, ich habe sogar zwei Freund_innen als Sprecher_innen engagiert, um die französischen Originaltöne gut auf Deutsch abbilden zu können. „La fac des Lettres est bloquée – Über die Besetzung des Uni-Campus in Nancy“ könnt ihr euch drüben bei Lieblings-Plätzchen anhören und ein paar Fotos vom besetzten Campus anschauen. Auf Facebook und Twitter gibt es das Teaser-Video (s.u.) zu sehen, das ich mit Headliner gebaut habe. Falls ihr auch untertitelte Audio-/Videoproduktionen bauen wollt, kann ich euch dieses Tool nur wärmstens empfehlen!

Heute (Montag) gibt es erstmals eine Online-Abstimmung statt einer Generalversammlung, in der entschieden werden soll, wie es mit dem Blocus weitergeht, bzw. ob der Prüfungskalender wegen der Proteste nach hinten verschoben werden soll. Obwohl in den Generalversammlungen die Blockade-Gegner_innen immer haushoch überstimmt wurden, könnte sich dies jetzt ändern, weil man einfach über das Internet abstimmen kann. Möglicherweise geht das Semester also ab Mittwoch wieder halbwegs normal weiter!

Die SNCF setzt ihren Streik weiterhin fort, weshalb mein Zug von Strasbourg, wo ich das Wochenende verbrachte, nach Nancy einfach gestrichen wurde. Ich nutzte am Sonntag deshalb erstmals Blablacar, das in Frankreich auch außerhalb von Streikperioden unglaublich beliebt zu sein scheint – es gibt sogar Parkplätze, die laut Beschilderung nur dafür genutzt werden dürfen. An dieser Mitfahrgelegenheit war nichts weiter bemerkenswert (Zugfahren ist mir trotzdem lieber), dafür an der Strecke: Die großen LED-Tafeln über der Autobahn, die normalerweise Staugefahr oder derartiges anzeigen, waren allesamt mit „GREVES! PENSEZ COVOITURAGE“ (Streiks, Denken Sie an Mitfahrgelegenheiten!) beschrieben. Schon irgendwie erstaunlich, wie routiniert sich hier alle an die vielen Streiks anzupassen scheinen!

Ansonsten war ich in der vergangenen Woche noch auf dem Jahrmarkt (ich weiß wirklich nicht, wie ich das nennen soll – ohne Bierzelt ist es ja kein richtiges Volksfest oder eine Dult?) und wurde genau zu dem Zeitpunkt, als ich die Stadt von einem hohen Kettenkarussel aus überblickt habe, von einem Regenschauer überrascht – das Wetter in der Lorraine… Glücklicherweise war am selben Abend Museumsnacht und ich verbrachte den Rest des Abends bei kostenlosem Eintritt im Aquarium von Nancy.

Mit meinem Buchclub geht es auch voran: Auf diese Empfehlung hin habe ich mir 4-3-2-1 von Paul Auster gekauft, weil die deutschsprachige/englischsprachige Fachbibliothek wegen der Campusbesetzung nicht zugänglich ist. Im Blablacar habe ich allerdings nicht lesen können, sondern nur einen weiteren Socken gestrickt. Apropos: Meine Handarbeitsbegeisterung scheint um sich zu greifen, ich habe in den vergangenen Tagen einer Kolumbianerin und einem Mexikaner das Häkeln beigebracht! Ich weiß jetzt, dass Luftmaschen cadenetas heißen und feste Maschen puntos bajos. Am Ende lern ich damit auch noch Spanisch!

Jetzt aber mal zum Hauptteil dieser Blogkategorie, meinen Lieblingslinks der Woche:

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