Zuckersüß 313

In dieser Woche passierte das, was mir normalerweise erst Anfang Dezember passierte: Vollkommener Termin- und Deadlineoverkill. Abgesehen von *ein paar* Uni-Angelegenheiten (meine BA-Arbeit lässt grüßen), recherchierte ich einen Beitrag für Ö1 help, der gestern schon im Radio lief: Vanille oder Vanillin: Was den Unterschied ausmacht (noch bis Samstag nachzuhören).  Dazu schrieb ich selbstverständlich auch noch einen Artikel, hier nachzulesen.

Freitagabend drohte ich schon fast einzuschlafen (mein größter Traum: erst Montagmorgen wieder aufstehen), doch ich ging trotzdem zum Podcasting-Meetup, was eine sehr gute Idee war. Ich habe viele liebe Podcaster_innen getroffen und auch einige, die es noch werden wollen. Sketchnotes gibts auch, Florian hat ein schriftliches Protokoll mit allen Links getippt.

Das Wochenende habe ich mit den seichtesten Rom-Coms, die mir Netflix nur vorschlagen konnte (To all the boys I’ve loved before, Sierra Burgess is a Loser und ¿Qué culpa tiene el niño?) verbracht, das sechste Paar Socken des Jahres fertiggestellt, Mascarpone-Orangen-Eis gemacht und weiter an meiner Häkelstern-Galaxie gearbeitet.

Und ein paar Lieblingslinks der Woche gehen sich auch noch aus:

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Häkelsternchen mit bunten Perlen

Es ist fast wieder Dezember und das heißt ich bastle noch mehr als in den restlichen Monaten des Jahres. Deshalb gibts hier in der Zuckerbäckerei endlich mal wieder einen Beitrag in der *leicht*vernachlässigten DIY-Kategorie.

In Anlehnung an die Häkelsternchen von vor vier Jahren habe ich dieses Jahr quasi eine ganze Galaxie gehäkelt. Dazu habe ich aber keine „normale“ Baumwolle genommen, sondern Filethäkelgarn, auf das ich viele bunte Glasperlen gefädelt hatte. Die entstandenen Sternchen werde ich in den nächsten Tagen (Achtung, Spoiler!) auf Jahresend-Grußkarten an Freund_innen in der ganzen Welt verschicken. Ich könnte mir vorstellen, dass sie auch auf Kissenhüllen, Vorhängen oder Patch auf dem Rucksack schön aussehen.

Notwendiges Material

Für solche Sternchen braucht es Filethäkelgarn und Glasperlen. Dazu eine Häkelnadel, eine Stopfnadel, eine Schere und im besten Fall noch etwas Nagellack. Damit lässt sich das Fadenende versiegeln und die Perlen weitaus einfacher auffädeln.

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Zuckersüß 312

In dieser Woche war ich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit im Theater. Eine liebe Freundin hatte mich nämlich ins Volkstheater eingeladen, wo wir uns die „Verteidigung der Demokratie“ (Trailer) anschauten. Ich war nie ganz sicher, ob die Geschichte(n) über Aufstieg und Verfall von Demokratien, Diktaturen und verschiedenen Denkschulen (v.a. Neoliberalismus), die darin erzählt wurden historische Fakten oder dramaturgisch abgewandelt waren, was etwas schade war (vielleicht les ich ja mal ein Buch darüber). Die Musik von Eva Jantschitsch fand ich jedenfalls großartig und die Bezüge zur aktuellen Situation auch.

Ich habe außerdem weiter an neuen Socken gestrickt – dem siebten Paar für 2018 – und mich einem Näh-Projekt gewidmet. Mir war ein cooler Second-Hand-Rock in die Hände gefallen, nur leider eine Nummer zu groß. Eine neue Herausforderung also, denn genäht hatte ich schon ziemlich lange nicht mehr und eine Nähmaschine habe ich auch nicht zur Hand. Ohne YouTube hätte ich sicher nicht gewusst, wie ich mit dem Nahtreißverschluss umzugehen habe, aber es klappte ganz gut – wieder was gelernt!

Am Wochenende war ich gleich auf drei Geburtstagsfeiern eingeladen, sodass sich ein aufwändigeres Kuchenprojekt lohnte. Das Rezept für meine Biskuittörtchen mit Spekulatiuscreme gibts in Kürze! Lustigerweise war eine der Parties in einer WG, über die es sogar einen vice-Artikel gibt: „Die erste Frage ist immer: ‚Wie machst du das mit dem Masturbieren?'“ – Zu Besuch in einer funktionalen WG. Sehr erstaunliches Lebenskonzept!

Jetzt aber zu meinen liebsten Links der Woche:

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Zitronen-Basilikum-Tarte

Zu meinem Geburtstag sollte es nicht nur eine fancy Torte (Schoko-Himbeer) geben, sondern auch meinen liebsten Cocktail: Gin Basil Smash.

Deshalb habe ich sehr viel Basilikum und auch sehr viele Zitronen – sogar welche der Sorte Meyer – gekauft. Und es blieb die Hälfte davon übrig. Nicht, dass ich in der besagten Woche nicht eh schon genug zu tun gehabt hätte, aber diese Zutaten (sie hatten mich immerhin knappe 20€ gekostet!) verlangten nach einer überlegten Verarbeitung.

zitronen-basilikum-tarte
Ohne Basilikum sieht die Tarte ziemlich nackt aus.

Eine „richtige“ französische Tarte au Citron gibts in der Zuckerbäckerei eh noch nicht, nur eine mit kandierten Zitronen ohne Meringue obenauf.  Mit dieser Idee im Kopf setzte ich aus verschiedenen Quellen – vor allem aus Michel Roux Buch Ofenfrisch – mein Rezept zusammen.

Den Basilikum wollte ich mithilfe von Sirup in die Meringue bringen. Doch leider schmeckte meine italienische Meringue nach Anleitung von SeriousEats in keinem Zustand wirklich nach Basilikum, weshalb ich den zusätzlichen Schritt gar nicht erst im Rezept unten vermerkt habe.

zitronen-basilikum-tarte
Mit Basilikumzucker und angeschnitten ist die Tarte schon viel farbenfroher.

Basilikum in Süßen halte ich jedoch nach wie vor für unverdient unterrepräsentiert (Basilikum-Eis, Basilikum-Zitronen-Cupcakes und Basilikum-Zitronen-Eis zum Trotz). Deshalb googelte ich ein bisschen herum und ließ mich von der Tarte au citron vert et basilic von La Paticesse zu einem Basilikum-Zucker-Topping inspirieren.

Mit dem Ergebnis meiner doch-nicht-so-schnell-mal-einen-Kuchen-Backen-Aktion war ich letztlich sehr zufrieden, nur wurde die Oberfläche der Meringue im Laufe der Nacht (Fotos gabs erst zum Frühstück) uneben. Möglicherweise liegt das daran, dass ich die Temperatur des Zuckersirups mit dem Bratenthermometer, dessen Skala nicht weit genug reicht, geschätzt habe. Vielleicht auch daran, dass ich den Sirup nicht mit einem Pinsel vor übrigen Kristallen bewahrt habe. Geschmacklich und in der Konsistenz konnte ich kein Problem feststellen, deshalb landet die Tarte trotz Schönheitsfehlern hier im Blog.

zitronen-basilikum-tarte
Nein, die grünen Punkte sind keine Kapern (wurde ich schon gefragt!)

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Zuckersüß 311

Nachdem ich am Dienstag direkt aus dem Nachtzug in den Hörsaal  aus meinem verlängerten Wochenende zurückgekommen war, ging es zügig weiter mit mehr Uni-Zeug. Meine BA-Arbeit hat nach einem Referat ein kleines bisschen mehr Form bekommen und dank eines weiteren Referats sind  Links zu Gesichtserkennung in diesem Post gelandet.

Ansonsten habe ich einiges in Büchern gelesen, oder zumindest darin geblättert. Darunter Katrin Rönickes 100 Seiten über Emanzipation und  Noah Sows deutschland schwarz weiss, die ich aber noch genauer lesen muss, um etwas darüber zu schreiben. Wer meine Instagram-Story gesehen hat, sollte auch mitbekommen haben, dass ich Fermentation recht spannend finde. Deshalb war es ein schöner Zufall, dass ein Bekannter den neuen Noma Guide to Fermentation in meine WG mitbrachte. Anders als Sandor Katz Art of Fermentation (s. Zuckersüß 271) setzt der Guide auf exakt und technisch kontrollierte Umgebung zu Fermentation und lässt auch (alkoholische) Getränke komplett außen vor. Aber die Bilder darin scheinen sehr hilfreich (und manchmal etwas eklig: *guter* Schimmel überall) und das Design ist, wie es das skandinavische Spitzenrestaurant erwarten lässt, sehr schön anzuschauen. Bei der Gelegenheit googelte ich auch nach dem Noma und fand heraus, dass es dort sogar ein vergünstigtes Studi-Paket gibt, das mit 1000 dk (134 Euro) überraschend günstig ist. Ein Besuch dort wird sich für mich wohl zwischenzeitlich trotzdem nicht ausgehen…

Und wie das Titelbild vermuten lässt, mixte ich wieder Cocktails, allesamt aus dem Cocktailian, oder zumindest daran angelehnt. Von links nach rechts waren das eine Bramble-Variation (Gin/Zitrone/beeriger Likör), ein Aperol Sour, ein Income Tax (Gin/Wermut/Orange/Angostura), und zwei Fizzes (Wodka/Rosmarin/Zitrone und Wodka/Vanille/Mandarine).

Meine liebsten Links der Woche gibts auch noch:

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Germknödel

Germknödel kannte ich lange Zeit nur in der tiefgekühlten Fertigversion und von den etwa drei Mal, die ich in meinem Leben auf einer Skihütte war.

Wie viel besser selbstgemachte Germknödel schmecken, fiel mir deshalb erst im Januar auf, wo ich dieses Rezept der Glücklichmacherei erstmals ausprobiert habe. Damals habe ich keine Fotos geschossen, weshalb es bei einer Erwähnung im Zuckersüß 270 blieb.

Weil ich beim zweiten Germknödelkochen vergangene Woche immer noch so begeistert vom Ergebnis war, fotografierte ich sie doch noch – obwohl ich nur einen LED-Streifen am Küchenkastl zur Beleuchtung hatte.

Das war aber gar nicht die einzige Improvisation für diesen Blogpost. In unserer WG-Küche gibt es zwar gefühlte Millionen Töpfe und einige mehr oder weniger sinnvolle Gerätschaften (Popcorn-Maschine, Reiskocher, Eierkocher), aber leider keinen Dampfgarer, eine Couscoussière (in Marokko wäre das nicht passiert!) oder entsprechenden Topfeinsatz.

Doch in Salzwasser gekochte Germknödel kommen in ihrer Konsistenz einfach nicht an gedämpfte heran. Statt einer glatten, festen Oberfläche und fluffigem Inneren führt das in Wasser ziehen lassen zu kompakten, glibschigen Knödeln – nicht das, was ich mir unter Germknödeln vorstelle. Ich fand einen Topf, in dem unser Metallnudelsieb (eines mit wenigen Löchern, kein feinmaschiges zum Passieren) gut Platz hatte und also einen passablen Dampfgarer abgeben würde, aber ich hatte wenig Lust, meine 12 Germknödel in vier Anläufen zu garen.

Deshalb sah ich mich nach zusätzlichen Möglichkeiten – aka metallenen Küchenutensilien mit Löchern – um, und fand: eine Käsereibe! Und tatsächlich, die Konstruktion Topf auf Käsereibe auf Topf (einzig wichtig: gleicher Topfdurchmesser!)  produzierte genauso gute Germknödel wie das klassischere Sieb-in-Topf-mit-Deckel.

Und wenn ihr euch fragt, warum ich überhaupt 12 (!) Germknödel gemacht habe: Sie halten sich leicht zwei Tage im Kühlschrank und schmecken auch aufgewärmt (sogar aus der Mikrowelle) sehr lecker. Wenn schon aufwändig kochen, dann richtig!

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Zuckersüß 310

Weil der letzte Sonntag mit dem Geburtstag der Zuckerbäckerei zusammenfiel (und mit Himbeer-Schoko-Torte!) erlaubte ich mir, ein Zuckersüß auszulassen. Aber eigentlich hätte ich auch überhaupt keine Zeit gehabt, eins zu schreiben, denn ich war die ganze Woche jeden Tag bei der Privacy Week. Auf der Konferenz des Wiener C3W sah ich mir sehr viele interessante Talks zu Digitalthemen an und hielt fast alle davon in Sketchnotes auf meinem iPad fest. Die findet ihr, bis ich einen Blogpost dazu getippt habe, hier auf Twitter, eines als Beispiel auch hier:

Montagabend habe ich mir ein paar Freund_innen für einen Geburtstagscocktailabend (s. Titelbild) eingeladen, um meine neue Ausrüstung auszuprobieren. Ein Shaker macht sich doch um einiges besser als ein ausrangiertes Gurkenglas. Und mein neuer supercooler gravierter Muddler stampft die ätherischen Öle eindeutig besser aus Zitronenschale und Basilikum als ein Kochlöffelstiel. Zusätzlich zu meinem allerliebsten Gin Basil Smash daraus habe ich auch noch Gin Rosmarin Fizz gemixt und Old Fashioned gerührt (endlich habe ich nämlich auch Angostura Bitters daheim). In Anlehnung an meinen Besuch im Botanical Garden im September habe ich zusätzlich noch Mohnsirup eingekocht und daraus mit Kaffee und Wodka den „Mohnshiner“ nachgebaut. Den übrigen ausgekochten Mohn ließ ich im Ofen trocknen und zerbrach die entstandene Platte in Dekostückchen.

In der gleichen Woche erfüllte ich dann auch den langgehegten Plan, einmal einen Cocktail im BirdYard zu trinken. Davor probierte ich aber noch den superknusprigen Pork Belly (voll vegetarisch. NICHT.) und eine Art Germknödel, gefüllt mit Pilzen, auf sehr nelkigem Blaukraut. Danach gabs mehr oder weniger zufällig (Bartenders Choice) den Kung Fu Pandan mit Gin, Limette, Koriander und Pandansirup, einer Zitrusfrucht, von der ich niemals zuvor gehört hatte. Mit dem Dekoblatt und der Mini-Reiswaffel sieht der auch ziemlich cool aus, allerdings fand ich letztere nur optisch spannend. Die Fotos der Birdyard-Cocktails auf ihrem Insta-Account können sich aber auf jeden Fall sehen lassen:

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The new menu is out now! Here we have "Kung Fu Pandan"! No, it's not misspelled – with Pandan leaves and refreshing cilantro. Die neue Karte ist da! Hier haben wir "Kung Fu Pandan"! Nein, wir haben uns nicht verschrieben – mit Pandanblätter und erfrischendem Koriander. Recipe: 4cl Sipsmith Gin 3cl Pandan syrup 1cl Cilantro essence 3cl fresh lime juice Shake, double strain Fill up with Soda water . . . . #thebirdyard #cocktailtime #craftedmixology #cocktails #cocktailart #drinkgram #drinkstagram #drinklove #bartending #bartenders #bartenderlife #mixeddrinks #mixologist #mixology #imbibe #imbibegram #mezcal #gin #whiskey #ginandtonic #tequilla #vodka #cognac #viennafood #viennabar #boozytalk #liqpic

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In der Folgewoche hatte ich alle Hände voll zu tun, *noch schnell* Unizeug aufzuholen. Da las ich zum Beispiel über Redefreiheit und Hate Speech oder über die politischen Aspekte von Gesichtserkennung – letztlich auch wieder nur Themen, die sehr gut auf die Privacy Week passen! Aber ich habe ja auch noch eine BA-Arbeit abzuliefern, nur damit, genauer gesagt der Themenfindung plage ich mich sehr. Gerade sieht es so aus, als würde sie ähnlich theoretisch wie meine letzte, nur dass es diesmal nicht so sehr um Verben und deren verschiedene funktionale Projektionen geht, sondern wahrscheinlich um complementizer agreement, aufgehängt an meiner Muttersprache, dem Niederbairischen.

Dennoch trieb ich mich weiter auf Abendveranstaltungen herum, am Montag bei den Aufmachern. In der Medienrunde war Hanna Herbst zu Gast, die über ihre Zeit bei VICE erzählte und sich alles mögliche fragen ließ, was ich in Sketchnotes festhielt.

Gut erkennbar: Mir ging am Ende der Platz aus.

Am Mittwoch machte ich mich auf eine übermäßig anstrengende Reise, mit Campobasso in Italien als Ziel. Dort war ich im September schon mal, (halbwegs) bequem mit dem Nachtzug. Der hätte kurz vor dem superlangen Wochenende Anfang November nur leider exakt doppelt so viel gekostet als der Flug mit einer Billigairline. Und so fuhr ich mit großzügigem Zeitpuffer nach Schwechat, trank kurz vor der Sicherheitskontrolle meine Wasserflasche leer und ärgerte mich tödlich, dass hinter den Metalldetektoren nur brennheißes Leitungswasser zu kriegen war. Dann schlängelte ich mich durch Richtung Gate – der Wartebereich hat eindeutig mehr Duty-Free-Geschäfte als Sitzplätze – und wartete ewig bis zum Boarding. Weil ich ein Handgepäcksstück brauchte, das größer ist als eine Laptoptasche, hatte ich mir ein „Priority Ticket“ gekauft, das mir zusätzlich erlaubte, als erstes in den Bus zu steigen, der uns über das Rollfeld zum Flugzeug bringen sollte. Diese Prioritybehandlung war vor allem deshalb *sehr* sinnvoll, weil alle Priorityreisenden nun im Bus warten mussten, bis die anderen durch die Ticketkontrollen waren. Eineinhalb Stunden später waren wir eh schon fast in Rom, doch in der Sitzplatzlotterie (um einen Auszusuchen hätte ich weitere 15€ zahlen müssen) hatte ich Pech und war mit als letzte aus dem Flugzeug draußen. Natürlich verpasste ich um fünf Minuten den einzigen Direkt-Bus nach Campobasso. Einziger Ersatz: Eine Zug-Bus-Verbindung mit zweimaligem Umsteigen und, tadaa – zweimaliger Verspätung. Wieder waren es fünf Minuten, diesmal erwischte ich die letzte Anbindung gerade noch. Und nach *nur* 11 Stunden war ich am Ziel! Diesen Nervenkitzel in Kombination mit ungleich höherer Umweltbelastung brauche ich wirklich nicht noch einmal. Nachtzüge, FTW!

In Campobasso war das Wetter leider so grau und nass, dass ich nicht viel von der Stadt sah. Dafür aber Call me by your name, der mein Lieblingsfilm 2018 bleibt (s. Zuckersüß 278). Neugierig auf *lokale* Zutaten verbrachte ich auch ziemlich viel Zeit in der Küche. Es gab Papardelle mit gebackenen Pilzen und Zucchini und Wein aus Molise. Außerdem Burratina mit geschmorten Tomaten und selbstgemachtem Kartoffelbrot. Und Olivenölbrownies nach Love & Olive Oil. Und Spaghetti Quadrato (nie vorher gesehen) Carbonara mit einer einzigen Scheibe Pancetta vom Feinkostladen (sooo gut!). Superfrische Kakis und Mandarinen. Selbstgebackene Oreos mit Zimt-Ganache-Füllung. Cacio Cavallo und Parmigiano. Frittata mit allem, was der Kühlschrank hergab. 10/10, gerne wieder.

Zurück gings glücklicherweise wieder mit dem Zug, wobei mich der Bahnhof in Rom auch Nerven kostete. Warum nur sieht der jetzt auch schon aus wie ein Flughafen? Statt festgelegten Bahnsteigen Anzeigetafeln, auf die alle starren (müssen), Gates mit Ticketkontrollen vor den Bahnsteigen und natürlich auch Prioritybehandlung (aka Sitzbänke in verschlossenen Wartebereichen, roter Teppich durch die Gates) für alle 1.-Klasse-Reisenden.

Genug Rant für heute, Lieblingslinks habe ich nämlich auch: Zuckersüß 310 weiterlesen

Schoko-Himbeer-Torte und NEUN Jahre Zuckerbäckerei

Am Montag war mein 23. Geburtstag und heute vor neun (!) Jahren habe ich den ersten Post in der Zuckerbäckerei veröffentlicht. Grund genug, eine richtig aufwändige Torte zu backen.

Schoko-Himbeer-Torte

Wie ihr euch vorstellen könnt, orientierte ich mich einmal wieder an einem von Bravetarts Rezepten (bald sieht es aus als würde die Zuckerbäckerei ein Julie&Julia-Style-Blog, nur mit Stella Parks und mir?), nämlich dem „Chocolate Cherry Layer Cake“. Das besondere daran ist vor allem das Frosting, das aus pulverisierten gefriergetrockneten Kirschen und Sahne besteht.

Schoko-Himbeer-Torte

Gefriergetrocknete Kirschen aufzutreiben erwies sich dann allerdings als nicht so einfach, aber ich freute mich über jede Fruchtsorte. Im bestsortierten Supermarkt der Gegend fand ich schließlich gefriertgetrocknete Himbeeren, zu einem Kilopreis von *unschlagbaren* 105,60 Euro. Gut, dass ich nur 50 g brauchte.

Schoko-Himbeer-Torte

Aber auch der Kuchen selbst ist besonders. Er enthält fast so viel Kakaopulver wie Mehl und wird dadurch sehr schwarz. Mir wurde sogar unterstellt, dass ich die Böden hoffnungslos verbrannt hätte!

Schoko-Himbeer-Torte

Leider hatte ich keine zwei 8-inch-Alukuchenformen (ca. 20 cm Durchmesser) zur Hand, dafür aber gleich drei mit 26 cm Durchmesser. Deshalb beschloss ich, den Teig zu verdoppeln und einfach drei größere Böden daraus zu backen. Den zusätzlichen Zwischenraum würde ich einfach mit Himbeermarmelade aus dem WG-Vorrat (so viele Mamas/Omas/Tanten, die Obst einkochen!) füllen.

Schoko-Himbeer-Torte

Übrige Deko-Himbeeren hatte ich auch keine, sodass ich die Torte einfach mit Kakao bestäubte, um meine mangelnden Torten-Einstreich-Fähigkeiten zu kaschieren. Dank vier Wollfäden gabs auch noch ein Muster und fertig war der *superfancy* Geburtstagskuchen.

Fehlte nur noch das einstündige (weil Assistenz- und Stativlose) Fotoshooting am Schreibtisch.

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Zuckersüß 309

In dieser Woche war ich einmal wieder sehr froh, in Wien zu wohnen. So viele spannende Menschen zu treffen und so viele tolle Veranstaltungen besuchen zu können ginge auf dem Land bestimmt nicht.

Am Montag war ich für die Podiumsdiskussion „Unerhört? Frauenbewegungen in der arabischen Welt“ des VIDC in der Hauptbücherei. Das Thema gehört schon zu einem Bereich, in dem ich ein bisschen belesen bin (s. a. mein Rundbrief zu Frauen(rechten) in Marokko), aber lange habe ich nicht mehr so viele neue Erkenntnisse aus einem Panel mitgenommen.

Sketchnote zur Podiumsdiskussion in der Wiener Hauptbücherei

Nacheinander stellten die tunesische Journalistin Safa Belghith, die ägyptische Professorin Oumaima Abou-Bakr und die palästinensische Professorin Lena Meari die Situation verschiedener Frauenbewegungen und feministischer Aktionen in ihren Heimatländern vor. Spannend fand ich besonders, dass palästinensische grassroots-Zusammenschlüsse für Frauenrechte durch die „NGO-isierung“ in den 1990ern von „professionellen“ Akteur_innen verdrängt wurden, die oftmals den Kontakt zur breiten Masse verloren – wie Lena Meari erklärte. In Ägypten stünden „sekuläre“ Zusammenschlüsse schnell unter Verdacht, nicht neutral, sondern westlich-kolonisierend zu sein, in Tunesien dagegen überwiegt die Angst vor islamistischen Bestrebungen. Einig waren sich alle, dass Frauen in der arabisch-islamischen Welt sicher keine westlichen Retter_innen brauchen können, die Kontexte nicht berücksichtigen, sondern vor allem Solidarität – besonders in Europa. (Dazu schon einmal ein Hinweis auf meine Podcastfolge Nr. 11, die im November online gehen wird).

Workshop-Vorschlag Sketchnotes

Diese Live-Sketchnotes waren übrigens nicht die einzigen, die ich in dieser Woche gekritzelt habe. Für das Mediencamp habe ich einen Workshop-Vorschlag eingereicht, vielleicht werde ich ja am ersten Dezember versuchen können, meine Begeisterung für Sketchnotes weiterzugeben! Falls ihr auch hingehen wollt: Es gibt eine Blogparade, die einer_m Tickets bescheren kann!

Am Mittwoch wollte ich mir Waldheims Walzer anschauen, um ein bisschen mehr Ahnung von österreichischer Zeitgeschichte zu bekommen. Der Andrang im Votivkino war leider so groß, dass ich keine Tickets mehr bekam und letztlich in der Folgevorführung zwei Stunden später landete. An einigen Stellen im Film wusste ich echt nicht mehr weiter – Waldheims Wahlkampf und generelles Auftreten war dermaßen antisemitisch, und das hinderte ihn trotzdem nicht daran, volle vier Jahre im Amt zu bleiben! Sehr verstörend.

Und schließlich besuchte ich auch noch die Wiener Verkehrsleitzentrale – die erste Exkursion in meinen zweieinhalb Jahren Studium in Wien. Gemeinsam mit meinen Kolleg_innen im Technologie-und-Gesellschaft-Seminar erfuhr ich, dass in Wien etwa 1300 Ampeln stehen, die Öffis dem Individualverkehr bevorzugen (yay!) und dass 120 Kameras der Stadt Wien die Hauptverkehrswege überwachen, aber nichts aufzeichnen dürfen. Die Stadt ist für gewöhnlich so voll, dass jede Behinderung  auf dem Ring das ganze System ins Stocken bringt, oder wie der Guide uns erklärte „Es gibt viel zu viele Autos für zu wenig Straße“.

Weil das Rückgabedatum der Bücherei drohte, las ich *noch schnell* Laurie Pennys Bitch Doktrin fertig. Leider begeisterte mich dieses Buch nicht so sehr wie alle ihre anderen Texte (hier z.B. habe ich über Unspeakable Things geschrieben). Das mag  vielleicht der deutschen Übersetzung geschuldet sein, in der viel Witz verloren geht und alles nur noch deprimierend wirkt. Dennoch finde ich es nach wie vor sehr spannend, wie Laurie Penny Geschlechterverhältnisse mit Technologie und Kapitalismuskritik verwebt.

Im Internet habe ich nicht so viel gelesen, aber ein paar Lieblingslinks sind schon zusammengekommen:

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Ricotta Lace Cookies

Dass ich ein Fan von Bravetart’s Rezepten bin, weiß wahrscheinlich eh schon jede_r. Weil ich kürzlich zwei kleinere Geschenke (u.a. als Dank fürs Headset-Ausleihen von informatom für den Podcast Sendegarten, in dem ich zu Gast war) brauchte, machte ich mich an ihre umschwärmten Ricotta Lace Cookies. Meine sehen zwar viel weniger lacy (wie Spitze) aus, als im Originalrezept, was vermutlich am Wassergehalt des österreichischen Ricotta liegt, aber sie sind auf jeden Fall wahnsinnig lecker.

Die Ricotta Lace Cookies schmecken praktisch wie Karamell in Keksform, was vor allem der gebräunten Butter zu verdanken ist. Es braucht nicht viele Zutaten, genauer gesagt sieben, Salz und Backtriebmittel eingeschlossen. Also los, backt euch diese super Kekse!

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Ein zuckersüßes, zuckerbäckereipinkes Foodblog