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Zuckersüß 361

In dieser Woche habe ich versucht, Baghrir, marokkanische Pfannkuchen „mit 1000 Löchern“ zu backen, was leider nicht so richtig geklappt hat. Zwar habe ich mir Rezepte auf englisch und französisch durchgelesen, sogar YouTube-Videos auf Darija angeschaut und meine ehemalige Arabischlehrerin um Rat gefragt, doch konnte ich nicht herausfinden, welche Art von Grieß ich verwenden sollte. Ich nahm schließlich normalen Nockerl-Weizengrieß (also keinen Hartweizen) und weiß nicht, ob es an dieser Komponente scheiterte oder an irgendetwas anderem… Ganz schrecklich waren die Baghrir am Ende nicht, aber ich werde noch ein paar Runden backen müssen, bis ich sie richtig hinbekomme. Eine Gemüsetajine, ein weiterer Verweis auf meine abgesagten Ferien in Marokko, habe ich dafür aber ziemlich gut hinbekommen.

Außerdem habe ich mich an einer italienischen Spezialität, der neapolitanischen Osterspezialität Pastiera di grano, versucht. Das ziemlich supere Ergebnis (und Rezept!) bald hier im Blog. Und so wie ich diesen Post tippe, ist ein weiterer Mitbewohner-Wunschkuchen (s. Schoko-Kaffee-Cheesecake und Eierlikörguglhupf aka Kuchenkuchen) im Ofen.

Am Ostersonntag habe ich außerordentlich aufwändig aufgekocht (wobei das Einkaufen unter gegebenen Abstandsregeln fast genauso lang gedauert hat…) und mit meiner WG im Hinterhof diniert. Weil das hier den Rahmen sprengt, bald ein extra Post mit allen Rezeptlinks dazu.

Essen vom Mamamon

„Auswärts“ habe ich diese Woche auch gegessen und zwar dank Lieferservice vom Mamamon. Von thailändischer Küche habe ich wohl noch weniger Ahnung wie von persischer (s. Lieferservice von Arezu letzte Woche), was mir bei der Gerichteauswahl fast zum Verhängnis wurde. Die Speisekarte auf der Webseite ist äußerst dürftig und durcheinaner, bei Lieferando (über die als einziges Lieferung bis zu meiner Wohnung möglich war, wie ich herausfand) waren die Gerichte weit besser beschrieben. Leider waren viele der Vorspeisen von der Webseite dort nicht aufgezählt, sodass wir uns zu zweit die einzige (fast) vegetarische teilten:

Rosenkohlsalat
Rosenkohl in Fischsaucen-Vinaigrette

Der Rosenkohl in Fischsaucen-Vinaigrette teilt sich mit dem Dessert den Titel meines liebsten Gerichts. Der Rosenkohl war superknusprig frittiert, einzelne Blätter davon erinnerten fast an Grillhendlhaut. Röstzwiebel sorgten für eine leicht süße, crunchige Komponente, frische Minze und Chili für Frische und Schärfe. Und die Vinaigrette selbst war perfekt zwischen süß, salzig und umami ausgewogen.

Spicy Laab: North Eastern Thai Style, ein warmer Salat mit frittiertem Tofu, Koriander, Minze und laut Karte auch „Roasted Rice Powder“ (als Panande vielleicht?) hat die Lieferfahrt leider sehr schlecht überstanden. Das Dressing hat die wohl ursprünglich sehr knusprigen Tofustücke sehr aufgeweicht und alles war nur mehr lauwarm. Aufwärmen ging aber wegen der frischen Bestandteile auch nicht. Der Wild Sticky Rice als Beilage hat sich aber sehr gut gehalten, ich mochte ihn sehr. Als zweite Hauptspeise hatten wir Pad Thai mit Tofu bestellt, das auch ein wenig unter der halben Stunde zwischen Küche und Tisch gelitten hat: die fast transparenten, breiten Reisnudeln waren zu einem festen Blob zusammengeklebt. Die klebrig-süße Sauce dazu fand ich aber sehr lecker und auch der Konsistenzkontrast durch Frühlingszwiebel, Sprossen und Erdnüsse taugte mir. In der Schüssel waren außerdem Tofuwürfel, die in Ei angebraten waren und eine Zitrone, deren Säure das ganze Gericht erst so richtig rund machte.

Klebreis mit Banane, Adzukibohnen und Kokossauce

Das Dessert, das ich beinahe nicht bestellt hätte, weil es so fad klang, stellte sich dann aber mit am interessantesten heraus: Klebreis, geformt wie ein Müsliriegel, eingewickelt in einem Bananenblatt und gefüllt mit fruchtiger (!) (Koch-?)Banane und roten Adzukibohnen. Dazu ein Dip aus leicht gesalzener Kokosmilch, der nach super wenig aussah, aber dann genau richtig portioniert war.

Maskennähen

Weil meine Winterfell Aran-Cardigan fertiggestrickt war und ich keine Wolle für ein Folgeprojekt zur Hand hatte, brauchte ich eine neue Handarbeitsbeschäftigung. Die Aussicht auf mehrere Wochen Maskenpflicht im öffentlichen Raum hat mich schließlich motiviert, mich mal durch meine Prop-Stoffe zu wühlen, um geeignete kochfeste Baumwolle zu finden. Im Laufe der Woche nähte ich – ohne Nähmaschine oder Gummiband – drei gefaltete Masken nach dieser Anleitung: zwei geblümt und eine mit absurdem Matroschkenmuster. Inspiriert von einem Blogpost von Anke Gröner, den ich gerade nicht mehr finde, zerlegte ich ein paar Heftstreifen, um das Blechteil davon für besseren Sitz in meine Masken einzuarbeiten, musste aber feststellen, dass dieses Blech nicht rostfrei ist. Damit die Masken die Wäsche überstehen, nähte ich also jeweils noch einen extra Tunnel daran, um das Blech herausnehmbar zu befestigen. Und nachdem das Maskenfoto das erste von mir veröffentliche Selfie (Insta-Stories) aller Zeiten war, landet es hier auch noch im Blog, denn alle 10 Jahre lässt sich sowas schon mal aushalten (…oder?).

Hier folgen meine liebsten Links der letzten Tage.

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Zuckersüß 360

In dieser Woche habe ich erstaunlicherweise nur zwei Kuchen gebacken: Kardamom-Pistazien-Karottenkuchen und Eierlikörguglhupf aka Kuchenkuchen (beides bald im Blog). Aber ich habe auch Eier gefärbt (mehr oder weniger fürs Radio, der entsprechende Beitrag für Ö1-help ist noch ein paar Tage nachzuhören) und einen Cocktail gemixt. Letzteres hauptsächlich deshalb, weil ich drei supercoole handgetöpferte Tiki-Becher von der Matikibar gekauft habe (ich mag dort unbedingt nochmal Cocktails trinken, die Bar darf also nicht pleitegehen!).

Einigermaßen viel Zeit habe ich strickend in der Sonne verbracht und kaum ist es draußen warm, ist auch meine dicke Winterfell-Strickjacke endlich fertig. Ich habe behelfsmäßig ein paar unterschiedliche Knöpfe darangenäht, damit sie auch funktionstüchtig ist – sobald Kurzwarengeschäfte wieder öffnen, kann ich mir ja passende kaufen.

Unter Aufsicht meines Mitbewohners (der hobbymäßig viel Elektronik zerlegt und neu zusammenbaut) habe ich mich auch mal darangetraut, meinen Laptop aufzuschrauben und sauberzumachen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Dreck aus einer Tastatur fallen kann, wenn man sie erst einmal aus einem Thinkpad genommen hat. Die ganze Aktion erinnerte mich an eine Stelle am Anfang von Permanent Record, Edward Snowdens Buch, das ich nun endlich fertiggelesen habe:

„To refuse to inform yourself about the basic operation and maintenance of the equipment you depended on was to passively accept that tyranny and agree to its terms: when your equipment works, you’ll worrk, but when your equipment breaks down you’ll break down, too. Your possessions would possess you.“ (S. 29)

Danach wollte ich mal wieder eine *mitreißende* Geschichte lesen und wurde von TC Boyles Das Licht in der Hinsicht nicht enttäuscht – ich habe es in drei Tagen durchgelesen. Es handelt von der Entdeckung von LSD 1943 und dessen psychologischer Erforschung durch Timothy Leary und Kollegen in Harvard ab 1961. Letzterer baute schnell eine Art Sekte um sich auf, die regelmäßig „das Sakrament“ (LSD) einnahmen und abgeschottet vom Rest der Welt auf einem Anwesen in Upstate NY lebten. Die ganze Zeit fragte ich mich, wie viel Wahres an dieser Geschichte war und nach ein bisschen Wikipedialeserei stellt sich heraus: sehr viel. Timothy Leary gab es wirklich und sein ganzes Leben war noch viel spektakulärer als es die paar Jahre im Buch schon erahnen ließen. Sehr lustig fand ich auch diesen Spiegel-Artikel von 1974, der den echten Namen seiner Gruppierung, „Brotherhood of Love“, aufgreift.

Im Anschluss daran bin ich wieder bei Non-Fiction, genauer gesagt beim Schreiben über Essen, gelandet und lese jetzt Ruth Reichls Save me the Plums.

Arezu

Den donnerstäglichen Restaurantbesuch habe ich erstmals durch Lieferservice ersetzt, denn mein Budget dafür gibts glücklicherweise noch (und auch die coolsten Restaurants der Stadt dürfen jetzt nicht pleitegehen!). Das Arezu in der Lange Gasse steht schon länger auf meiner Ausprobieren-Liste, weil ich über persische Küche kaum was weiß. Das sollte mir und meiner üblichen Begleitung (die glücklicherweise im selben Haushalt wohnt) dann auch zum Verhängnis werden, denn woher sollte ich wissen, wie die vielen Komponenten in kleinen Plastikbehältern zusammengehören?

Als Vorspeise gab es einerseits Kuku Sabzi aka persisches Kräuteromlett mit Joghurt und getrockneten Ribisel (glaube ich – vielleicht auch Berberitzen?) und Fladenbrot. Das Ganze ähnelte eher kleinen Puffern als Omlett und die Kräuter waren Hauptbestandteil und nicht nur Würzmittel – ich könnte sie mir auch gut als vegetarische Burgerpatties vorstellen. Andererseits haben wir Kashke Bademdjan also gebratene Melanzani mit Knoblauch, Minze und iranischem Trockenjoghurt bestellt. Versehentlich aßen wir Reis statt Fladenbrot dazu, aber das war auch nicht schlecht. Die gebratenen kleinen, fleischigen Melanzani waren durchzogen von geschmorten Zwiebeln und könnten ein super Dip sein. Der Trockenjoghurt erinnerte mich ein bisschen an bröseligen Ziegenkäse, ich mochte ihn nicht besonders.

Als Hauptgang hatten wir zweierlei Eintöpfe: Yatimcheh und Fesendjan. Ersterer bestand aus festen Kartoffeln, fleischiger kleiner Melanzani, Zucchini und Zwiebeln in großen Stücken in säuerlicher Tomatensauce. Ziemlich gut, aber auch nicht besonders überraschend. Ganz im Gegenteil zu Fesendjan, einer dicken Sauce aus geriebenen Walnüssen, saurer Granatapfelmelasse, großzügig Öl und frischer Petersilie und Minze obenauf. Die Konsistenz hat mich sehr überrascht und der Geschmack, irgendwo zwischen Trockenpflaumen und sauren Früchten, noch viel mehr. In der Speisekarte gab es optional Hühnchen oder Rindshackfleischbällchen dazu, ich glaube, als Sauce zu Fleisch wäre Fesendjan noch viel beeindruckender.

Safraneis
Natürlich schmolz das Eis, bevor ich ein Foto schießen konnte…

Als Nachspeise gab es dann noch Safran-Eis, das zwar sehr gelb war, aber kaum nach Safran schmeckte. Stattdessen war es ziemlich süß, hatte es ein intensives Rosenwasseraroma und ein paar versteckter Pistaziensplitter. Ich mochte es sehr, wenn ich mal Rosenwasser zur Hand habe, bastle ich es nach!

Dieser Abend mit persischem Essen war eine tolle Abwechslung zum täglichen Selberkochen, aber leider trotzdem kein Vergleich zu einem echten Restaurantbesuch. Mir bleibt also nix anderes übrig, als in ein paar Wochen dann IRL ins Arezu zu gehen!

Lohnarbeit! Außer Haus!

Und dann war ich tatsächlich das erste mal seit mehr als zwei Wochen in den Öffis unterwegs zur Arbeit und interviewte unter erschwerten Bedingungen (Mikrofonangel in kleinem Feinkostladen und ein Gespräch im Resselpark statt im Studio) zwei Feinkostladenbesitzer zum Thema Delikatessen in Dosen. Mal sehen, wie daraus eine Radiosendung wird.

Der kurze Weg durch die Innenstadt war jedenfalls sehr befremdlich – kaum wer auf der Straße, alles sehr leise und tatsächlich Grablichter und Heiligenbilder an der Pestsäule?!?!

Hier folgen jetzt mal meine liebsten Links der letzten paar Tage:

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Zuckersüß 347

In dieser Woche habe ich Vanille-Pudding, French Onion Soup Tarte Tatin, einen zweiten Walnuss-Pie und Hafer-Streusel-Muffins gemacht (die letzten beiden Rezepte bald im Blog).

Sketchnotes

Am Donnerstag war ich bei einer Veranstaltung der Kritischen Einführungstage der ÖH Uni Wien. Natascha Strobl (bekannt durch ihre super #NatsAnalysen auf Twitter) hat die NR-Wahlkampfstrategien analysiert.

Sketchnotes zur Nachwahlanalyse auf den Kritischen Einführungstagen der ÖH Uni Wien

Am nächsten Abend hielt ich noch die Ambassadeurs de la Jeunesse-Diskussionsrunde zum Thema „EU & Ecology“ fest:

Sketchnotes zur EU&Ecology-Diskussionsrunde der Ambassadeurs de la Jeunesse

Uni

In der digitale-Transformationen-Ringvorlesung ging es diese Woche um Computational Thinking, das mir lustigerweise dann gleich auf dem Heimweg in der aktuellen Forschergeist-Podcastfolge wieder begegnete. Der Professor stellte auch ein paar Projekte aus dem Bereich „Lernen mit Digitalisierung“ vor, besonders cool fand ich YourTurn (Anonymes Youtube-Video-Pingpong) und MyoBeatz (Mobile Game zum Üben von Prothesensteuerung), wobei es ersteres leider gar nicht mehr gibt. Und er wies auf die PrivacyWeek hin, auf der ich übrigens auch einen Workshop über Sketchnotes halten werde!

Mein wirklich letztes Bachelor-Seminar (ingesamt schon das vierte, noch einen BA mach ich nicht!) über Sexismus in der Werbung startete am Donnerstag mit sehr vielen kapitalismuskritischen Literaturhinweisen, von Hartmut Rosa und Zygmunt Bauman über Naomi Klein war einiges Interessantes dabei (und meine Leseliste wächst derweil ins Unendliche).

Stricken

Jetzt wo ich wieder ein paar Stunden pro Woche in Vorlesungen sitze, geht auch mit meinen Strickprojekten endlich wieder was weiter. In den letzten Tagen habe ich graue Farbverlaufsocken für eine befreundete Bald-Mama und ihr Baby – Paar Nummer 9 und 10 in diesem Jahr – fertiggestellt. Und weil es morgens schon so kalt ist, dass mich in die Finger friert und ich selbst schon gefühlte 1000 Paar Stricksocken habe, ist mein nächstes Projekt ein Paar Handschuhe. Solche habe ich noch nie gemacht, aber in diesem Blog, das nur mehr über archive.org erreichbar ist, gibt es eine extra-ausführliche Anleitung. Über Maschenprobe, Rechnerei und Bündchenanschlag bin ich derweil noch nicht hinaus, aber das wird!

Hier folgen meine liebsten Links der Woche:

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Zuckersüß 312

In dieser Woche war ich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit im Theater. Eine liebe Freundin hatte mich nämlich ins Volkstheater eingeladen, wo wir uns die „Verteidigung der Demokratie“ (Trailer) anschauten. Ich war nie ganz sicher, ob die Geschichte(n) über Aufstieg und Verfall von Demokratien, Diktaturen und verschiedenen Denkschulen (v.a. Neoliberalismus), die darin erzählt wurden historische Fakten oder dramaturgisch abgewandelt waren, was etwas schade war (vielleicht les ich ja mal ein Buch darüber). Die Musik von Eva Jantschitsch fand ich jedenfalls großartig und die Bezüge zur aktuellen Situation auch.

Ich habe außerdem weiter an neuen Socken gestrickt – dem siebten Paar für 2018 – und mich einem Näh-Projekt gewidmet. Mir war ein cooler Second-Hand-Rock in die Hände gefallen, nur leider eine Nummer zu groß. Eine neue Herausforderung also, denn genäht hatte ich schon ziemlich lange nicht mehr und eine Nähmaschine habe ich auch nicht zur Hand. Ohne YouTube hätte ich sicher nicht gewusst, wie ich mit dem Nahtreißverschluss umzugehen habe, aber es klappte ganz gut – wieder was gelernt!

Am Wochenende war ich gleich auf drei Geburtstagsfeiern eingeladen, sodass sich ein aufwändigeres Kuchenprojekt lohnte. Das Rezept für meine Biskuittörtchen mit Spekulatiuscreme gibts in Kürze! Lustigerweise war eine der Parties in einer WG, über die es sogar einen vice-Artikel gibt: „Die erste Frage ist immer: ‚Wie machst du das mit dem Masturbieren?'“ – Zu Besuch in einer funktionalen WG. Sehr erstaunliches Lebenskonzept!

Jetzt aber zu meinen liebsten Links der Woche:

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