Schlagwort-Archive: museum

Eine Reise nach Napoli

Im Februar habe ich ein Wochenende in Napoli verbracht. Die Stadt interessierte mich natürlich wegen ihrer kulinarischen Tradition, doch ein da muss ich unbedingt mal hin – Reiseziel war sie nicht. Bis ich feststellte, dass der Regionalzug von Campobasso, wo ich einen Teil meiner Semesterferien verbrachte, nur etwas länger als drei Stunden in die kampanische Hauptstadt braucht und das für 10,25€!

So wenig informiert war ich auch noch nie in einen Städtetrip gestartet, doch die Empfehlungen von und Spaziergänge mit befreundeten Locals (Erasmussemester sei dank!) waren am Ende eh viel besser als jeder Reiseführer. Es stellte sich heraus, dass Napoli doch recht anders war, als ich es mir vage vorgestellt hatte. Ein wirklich konkretes Bild hatte ich nicht im Kopf, nur so lose Ideen einiger breiter Straßen und viel Müll (Mafia sei dank).

Geht man eine Viertelstunde, ändert sich das Stadtbild nämlich ziemlich schnell. Rund um den Bahnhof – eine nicht besonders einladende Gegend, btw – stehen einige Hochhäuser, deren goldene Zeiten offensichtlich vorüber sind.

Viele Hochhäuser und eine Riesenbaustelle vorm Bahnhof Napoli Centrale.

Auf dem Weg ins historische Stadtzentrum werden die Straßen enger, die Autos und Mofas aber nicht weniger.

Überall Wäscheleinen, Klischee erfüllt!

Und es gibt so unendlich viele Kirchen. Manchmal konnte ich nicht unterscheiden, wo die eine anfing und die nächste aufhörte. Die wichtigste Kirche, der Duomo di Napoli, besteht selbst schon aus so vielen Kapellen, dass ich den Überblick verlor. Der wunderschöne Steinfußboden in der Krypta blieb mir aber in Erinnerung.

Eine Kirche links, eine Kirche rechts und dazu noch eine monumentale Heiligenstatue.
Der Heiligenschein strahlt mit der Litfaßsäule und der Ampel um die Wette.

Nicht nur die Kirchen zeugen von der Frömmigkeit Napolis, auch eine andere Tradition, die ich recht befremdlich finde: Hausaltäre. Die gibt es in sehr groß und in Schaukasten-klein, ebenerdig und hoch oben an Hausmauern. Darin drapiert sind Heiligenbilder, Fotos Verstorbener, Blumen und Kerzen. Nachts sind sie häufig beleuchtet.

Dieser Altar befindet sich gegenüber eines Supermarkts
Ein besonders prächtiger Hausaltar.

Im Dunklen fühlte ich mich manchmal wie nach Marokko versetzt. Einige Gegenden Napolis könnten mit ihren schlecht gepflasterten Straßen, Straßenständen für Waren aller Art und absurd schnell fahrenden Mofas genauso auch in einer marokkanischen Medina platz finden.

Napoli oder Rabat?
So einen günstigen Gemüsehändler hätte ich auch gern in Wien.

Der Eindruck ändert sich ein paar Gehminuten später wieder vollständig. Auf der Piazza Bellini steht nicht nur eine Statue des Komponisten, sondern auch viel Grün, das sich die Straße den Hügel hinunterzieht. Undenkbar in Marokko: Die Studis (und wir), die ab dem späten Nachmittag einen Spritz für nur 2€ im Freien schlürfen.

Noch ein Altar und ein paar Graffiti dazu.
Eine Mini-Allee im historischen Zentrum!

Durch ein teilweise überdachtes Gässchen gelangt eins zur Piazza Dante, die an diesem Februarsonntag voller kostümierter Kinder und Konfetti war.

Fasching!

Auf der Via Toledo, der Haupteinkaufsstraße, sah das nicht viel anders aus. In den Menschenmassen kam ich kaum vorwärts und hätte außerdem beinahe die Galleria Umberto I. übersehen. Die Geschäfte darin interessierten mich zwar überhaupt nicht, aber das Gebäude ist ziemlich schön anzuschauen.

Die Galleria Umberto I erinnert mich an die Galeries Royales in Brüssel
Fasching auf der Piazza Plebiscito

Von der riesigen Piazza Plebiscito aus, in den sowohl die Via Toledo als auch die Luxuseinkaufsstraße Via Chiaia mündet, ist schon das Meer zu sehen. Einen Stadtstrand gibt es nicht, sondern nur eine befestigte Promenade, an der es sich aber gut flanieren lässt.

Meer! Nur viel zu dreckig, um darin zu schwimmen.
Luftballonverkäufer gibt es ziemlich viele in Napoli.

Irgendwann war mir das mehr-oder-weniger-planlos-durch-die-Stadt-spazieren aber zu anstrengend (viele Kilometer und Höhenmeter kann eins auf einem Städtetrip eigentlich machen?) und ich wollte ein bisschen *Kultur* (mit Vermittlung).

Der Eingang zu Napoli Sotteranea ist – wer hätte das gedacht – neben einer Kirche.

Napoli Sotteranea, der Untergrund der Stadt war mir von vielen Seiten empfohlen worden. Gleich morgens um zehn schlossen wir uns (für 10€ pro Person) der italienischsprachigen Führung an. Englisch hätte es auch gegeben, aber erst eine Stunde später und die wollte ich nicht warten. Überhaupt halte ich es für eine super Sprachlern-Herausforderung, einer Museumsführung zu folgen. Mein Italienisch ist ungefähr auf 3-Monate-Duolingo-Level, aber dank meiner doch recht brauchbaren Französischkenntnisse verstehe ich meistens doch ziemlich viel. Und tatsächlich, ich konnte dem Rundgang weitestgehend folgen.

Die Geschichte des Museums ist schon ziemlich beeindruckend, denn eigentlich waren die Räume vor mehr als 2000 Jahren griechische Zisternen. Genutzt wurden sie, bis im 18. (oder 19.? – ich erinnere mich nicht) die Cholera ausbrach. Anschließend lagen sie einige Jahrzehnte brach, bis ihnen im zweiten Weltkrieg die Nutzung als Bunker zufiel.

Sehr nichtssagend an der Oberfläche, dabei ist im Keller ein antikes Theater.

Über einen anderen Eingang zu erreichen, aber ebenfalls in der Führung war das römische Theater. Versteckt im Fundament ganz normaler neapolitanischer Wohnhäuser war es sehr lange niemandem aufgefallen. Irgendwann geriet allerdings jemand mit Fachkenntnis zu antiker römischer Mauertechnik in einen der Keller dort – und erkannte das 2000 Jahre alte Bauwerk. An der Oberfläche ist bis heute nichts davon zu sehen, denn nach wie vor sind die Wohnungen bewohnt.

Haupteingang des Museo Archaeologico Nazionale di Napoli

Das Museo Archeologico Nazionale di Napoli hatte mir ein Freund wegen der umfangreichen Pompeii-Dauerausstellung (es gibt noch fünf weitere Bereiche und eine Sonderausstellung) empfohlen.

Am Anfang war ich halbwegs enttäuscht: 15 € (7,50 € ermäßigt) ist echt ziemlich teuer für einen einzelnen Eintritt. Und der erste Saal, den ich angeschaut habe (keine brauchbaren Wegweiser!) schien in den 1980ern stehen geblieben. Gläserne Vitrinen ohne jeglichen Erklärungstext, hin und wieder ein vergilbter schreibmaschinengetippter Absatz auf italienisch.

Die Palme wächst aus dem antiken Blumentopf!
Der Blick aus dem Fenster auf den Innenhof gibt ein 1A-Insta-Motiv, findet ihr nicht?

Doch mit der Zeit konnte mich die Ausstellung über Pompeii immer mehr begeistern, die Fresken waren nämlich sehr wohl beschriftet (wenn auch die Schilder häufig 5 Meter entfernt von den Ausstellungsstücken standen) und erzählten von Figuren, die ich mit meiner mangelnden Altertumskenntnis zumindest ein bisschen einordnen konnte: Ikarus und Dädalus, Iphigenia, Europa.

Nach mehr als zwei Stunden, als ich eigentlich wegen einer Verabredung schon fast gehen musste, entdeckte ich dann noch die Sonderaustellung zu Essen in Pompeii, auf die ich leider nur einen kurzen Blick werfen konnte.

Die Asche des Vesuv hatte nicht nur die Häuser, Wandbemalungen und Alltagsgegenstände der antiken Stadt konserviert, sondern auch viele Lebensmittel. So sind in den zwei Austellungsräumen Knoblauchzehen, Datteln, Feigen, Mandeln und sogar zwei Laib Brot zu sehen (und ausführlich/zeitgemäß/zweisprachig beschrieben):

Brot aus Pompeii

Apropos Essen. Ich habe versucht, alles, was nur annähernd als „Spezialität“ Napolis gilt, zu probieren. Natürlich Pizza, aber nicht beim berühmten Sorbillo in der Via Tribunali, vor dessen Lokal sich mittags und abends eine riesige Menschentraube bildete, sondern ein paar Meter weiter bei Vesù. Pizza Fritta (Pizzateig gefüllt mit Ricotta, Speck und Tomaten, als Calzone frittiert) erinnerte an den Teigstellen ziemlich an Langos ohne Knoblauch und war mir insgesamt viel zu mächtig. Pizza Portafoglio, eine zusammengeklappte Margerita, die es gefühlt an jeder Ecke gibt, würde ich am liebsten auch in Wien als verbreiteten Snack haben.

Was ich vor meinem Besuch nicht wusste: Frittiertes hat eine große Tradition in Napoli. Arancini, panierte Reisbällchen mit unterschiedlichen Füllungen (z.B. Erbsen und Hackfleisch, Auberginen) mochte ich am liebsten, aber auch Crochetti di Patate (Kroketten mit Käsefüllung) und Frittatina di Pasta (Macaroni in Bechamelsauce oder so, in Teig frittiert) waren gut. Auf der Via Tribunali, einer wichtigen Straße in der Altstadt gibt es alle paar Meter winzige Geschäfte, die Frittiertes verkaufen. Mir schien aber, dass nicht alle davon alles selber machen, sondern auf Tiefgekühltes setzen. Empfehlenswert ist auf jeden Fall Matteo, von dem die Frittatine di Pasta auf dem Foto stammen. Bei einer zweiten Frigittoria, an deren Namen ich mich nicht genau erinnere – irgendetwas mit Präsidenten oder Prinzen oder so schmeckte es auch sehr gut.

Faschingsfrittiertes

Weil gerade Karneval ist, gab es auch viele frittierte Süßigkeiten. Chiacchiere, flache Teigplatten mit ein paar Löchern und leichtem Orangenblütenwasseraroma, scheinen die Klassiker des italienischen Faschingsgebäcks zu sein. Es gibt sie mit Puderzucker bestäubt oder in Kakaoglasur. Sie sind ziemlich knusprig und mir fällt keine deutsche/österreichische Entsprechung dafür ein, denn bei uns scheint sämtliches Frittiertes immer aus fluffigem Hefeteig zu sein.

Das Herz ist wohl eher für Porträts von Menschen gedacht, aber Sfogliatelle machen sich auch gut darin.

Ein Gebäckklassiker Napolis sind Sfogliatelle. Das sind kleine Hörnchen aus vielen Schichten Filoteig (oder so ähnlich, bestimmt kein klassischer Blätterteig!) mit unterschiedlichen Füllungen. Die verbreitetste Füllung besteht hauptsächlich aus Ricotta, der durch etwas Grieß eine spannende Konsistenz und durch kandierte Orangenschalen ein süditalienisches Aroma bekommt. Die Version mit Haselnüssen habe ich allergiebedingt nicht probiert. Ofenwarm sind sie am Besten, vielleicht versuche ich mal, selbst welche zu backen!

Taralli gibt es auch im Supermarkt, die vom Bäcker haben mich wirklich begeistert.

In der Auslage der Pannetteria Coppola auf der Via Tribunali entdeckte ich beim Frühstückseinkauf Taralli. Die kenne ich eigentlich nur als Miniatur-Aperitivo-Gebäck mit Rosmarin oder ähnlichen Kräutern. Die beim Bäcker bestanden allerdings zu mindestens einem Drittel aus grob gehackten Mandeln und waren handtellergroß. Intuitiv hielt ich sie zuerst für süßes Gebäck, aber sie waren mit Salz und Pfeffer gewürzt. Sehr spannend, auch etwas, das ich mal nachbacken könnte.

Trotz des großartigen Streetfoods wollte ich zumindest einmal im Restaurant essen. Leider wusste ich überhaupt nicht, wie ich ein Gutes finden sollte. Keiner der Blogs meines Vertrauens hatte Tipps für Napoli, TripAdvisor-Restaurantbewertungen geben in der Hinsicht fast nie etwas her und lokale professionelle Restaurantkritiker kenne ich nicht. Im Michelin (nicht, dass ich spontan ein Sterne-Restaurant im Sinn gehabt hätte), stieß ich auf Il Gobbeto:

Not far from lively Via Toledo, this authentic family trattoria serves a selection of much-loved, classic Neapolitan dishes. The traditional ambience is enhanced by the typical costumes of Naples worn by the owners. House specialities include gnocchi del gobbetto, pasta with potatoes and Provola cheese, and dried salted cod.

Via Michelin
Muscheln!

Das Restaurant war ziemlich voll und trotz Reservierung mussten wir kurz vor der Tür warten. Der Kellner war mir unsympathisch (hauptsächlich weil er alle Kellnerinnen so ruppig unfreundlich behandelte) und hatte überhaupt keine Geduld (also nichtmal 2 Minuten) für uns übrig. Wir bestellten Miesmuscheln als Vorspeise, die mit Zitrone und ziemlich gutem Weißbrot serviert wurden. Aus den Primi suchte mein Begleiter Spagetti alle vongole aus, die noch sehr bissfest waren. Die sehr simple „Sauce“ aus Butter, Petersilie und Cocktailtomaten (kein Pfeffer!) war dafür so gut, dass ich sie mit dem Brot aufsaugte. Mein erster Gang, Manfredi (breite gewellte Bandnudeln) mit Tomaten-Ricotta-Sauce war ein bisschen fade, da konnte selbst meine große Ricotta-Begeisterung nicht mehr helfen.

Und Fisch!

Ich bestellte als Hauptgang gegrillten Schwertfisch, weil es das einzige nicht frittierte Fischgericht auf der Karte war. Schwertfisch habe ich vorher noch nie gegessen, die Konsistenz erinnerte mich fast an Geflügelfleisch, so fest und mager wie sie ist.

Für meinen Begleiter gab es Alici fritte, fritierre Sardellen. Mit viel Zitrone und Weißbrot schmeckten die wirklich gut. doch nach nur wenigen Minuten verlor die Panade schon an Knackigkeit, schnell essen (teilen!) lohnt sich hier.

Dazu tranken wir den außerordentlich günstigen und ganz guten (hab immer noch keine Anhung von Wein, aber er schmeckte mir) Hauswein (4 € für eine Flasche). Eine Nachspeise ging sich nicht mehr aus, weil wir relativ bestimmt darauf hingewiesen wurden, dass nun die nächsten Gäst_innen kommen würden. Insgesamt war der Restaurantbesuch also vor allem stressig – die Atmosphäre unruhig, die Kellner gehetzt (was sie gut auf die Gäst_innen übertragen konnten, wie unser Beispiel zeigt) – beim nächsten Besuch in Napoli würde ich nicht mehr dort essen gehen.

So gutes Eis, so schlechtes Foto.

Bestimmt nochmal essen würde ich jedoch Eis von Leopoldo Infante auf der Via Toledo. Das Pistazieneis, genauer die Pistaziencreme, war das beste seiner Art, das ich jemals probiert habe. Es erinnerte mich in der Konsistenz an gefrorene Erdnussbutter – unglaublich cremig und fett – und schmeckte einfach sehr pistaz-ig (ganz anders als die vielen Pistazieneis-Verschnitte aus künstlichem Aroma, wie sie in Deutschland verbreitet sind). Die zweite Sorte in meiner Waffel nannte sich Benvenuti al Sud („Willkommen im Süden“) und war gespickt mit gerösteten Mandeln und kandierten Orangenschalenstückchen.

Mein Begleiter suchte sich aus der unglaublichen Sortenvielfalt (bestimmt 4 m Thekenbreite, 3 Eissorten „tief“) dunkle Schokolade und Haselnuss aus.

Ich freue mich schon sehr, wenn in Wien endlich wieder alle Eissalons aufmachen, hoffentlich mit vergleichbar gutem Pistazieneis.

Coole Aktion: („Wenn du mich psst psst, fiuu fiuu rufst… dreh ich mich nicht um. Ich bin nicht deine Katze!“

Was ich in Wien auch cool fände: Eine Posteraktion gegen Alltagssexismus. Vor allem rund um die Uni sind mir in Napoli viele Plakate aufgefallen, deren Message ich sehr sympathisch fand. In Brüssel gibt es mit „Laisse les filles tranquilles“ („Lass die Mädchen in Ruhe“) übrigens eine ähnliche Aktion.

Coole Graffiti gibts auch in Napoli!
Und schöne Schriftarten!

Das wars mit meinem Wochenende in Napoli, im besten Fall schreibe ich auch noch einen Post von meinen 25 Stunden in Rom ein paar Tage später.

Zuckersüß 321

Planänderung. Ich schreib doch wieder ein paar Worte ins Zuckersüß! Ich war nämlich vergangenen Sonntag erstmals im Weltmuseum. Dort habe ich mir zuerst die Verhüllt, enthüllt!-Kopftuch-Ausstellung (noch bis 26. Februar) angeschaut, die mir ziemlich gut gefallen hat. Die Beschreibungstexte der verschiedenen Stücke waren von unterschiedlichen Leuten geschrieben, was dem Ganzen einen sympathischen, persönlicheren Anstrich gab. Die Rolle des Kopftuchs in verschiedenen Religionen war, wie zu erwarten, ein großer Teil, aber viel interessanter fand ich, wie das Kopftuch in den 1950er und 60er Jahren zum Accessoire der anständigen Österreicherin stilisiert wurde. Es gehörte zur Trachtennode, war Teil vieler Reisesouvenirs und auch Werbesujets. Ebenfalls spannend: die „Metamorphose der Kufiya“. Bennant nach einer irakischen Stadt, wurde es in den 1970ern zum Pali-(Soli-)Tuch und ist heute weitesgehend entpolisiert. Trotzdem ist es weiterhin in Protesten zu finden. Außer Bildern, Fotos, Performance-Videos und Installationen gab es auch eine Menge verschiedener Tücher (teilweise schon an die zweihundert Jahre alt!) zu betrachten. Am allerschönsten fand ich ein über und über besticktes El Gounaa aus dem südlichen Marokko.

In der Dauerausstellung des Weltmuseums war ich ziemlich verloren, mir fehlte die Einordnung zu praktisch allen Gegenständen. Zwei Räume blieben mir aber besonders in Erinnerung: Der zur Geschichte der österreichischen Völkerkunde (katholische Priester, die mit anthropologischer „Forschung“ zu belegen versuchten, dass monogame Beziehungen gottgegeben sind?!?) und der zu Fragen des Kolonialismus und der Zukunft von Sammlungen wie im Weltmuseum.

Dann kaufte ich mir spontan Das Millenial Manifest der groschenphilosophin aka Bianca Jankovska und las es in einem Rutsch durch. In der Uni-Lehrbuchsammlung viel mir zufällig ein weiteres Manifest – Frauen und Macht – von Mary Beard in die Hände, mehr dazu dann in meinem Extra-Bücher-Post (s.a.: Bücher im Januar).

Am Dienstag bin ich dank Twitter zufällig in den Creative Writing-Workshop von F.u.C.K. geraten. Frauen, non-binary, trans und inter Personen und Computer-Kram ist allein schon ein großartiges Akronym, aber die chaosnahe Initiative dahinter erst recht. In halbwegs regelmäßigen Abständen treffen sich ein paar Leute in angenehmen, sicherem Rahmen, um ihr Wissen zu teilen, Neues zu lernen und ein bisschen zu netzwerken. Klaudia Zotzmann-Koch (die übrigens in Folge 8 meines Podcasts zu Gast war) hat uns vom Bücherschreiben, Schreibenden-Organisationen, writing prompts, der Heldenreise und anderen Plotmodellen erzählt. Und dann haben wir uns noch am free writing versucht: 10 Minuten auf Papier schreiben, ohne den Stift abzusetzen, egal was passiert. Ich stellte fest, dass ich am Ende (genau eine A4-Seite ging sich aus!) nicht mehr wusste, was ich am Anfang geschrieben hatte.

Nachdem ich mich die vorherigen Tage mit meiner BA-Arbeit geplagt hatte, die ich schon längst abgegeben haben wollte, aber die einfach nicht vorangeht, war es schön zu sehen, dass ich doch noch Sachen „herunterschreiben“ kann.

Schokoladen-Hefezopf-Brot vom März 2014

Ebenfalls gut bei Schreibblockaden: Backen um Mitternacht. Ich habe mal wieder das Schokoladen-Hefezopf-Brot von 2014 gemacht und außerdem das Kartoffelkibbeh aus Katharina Seisers Immer schon vegan ausprobiert.

Hier folgen mal meine Links der Woche, ich muss jetzt doch wieder weiter über complementizer agreement im Niederbairischen schreiben, statt über andere Sachen, die mir in den letzten Tagen begegnet sind.

Zuckersüß 321 weiterlesen

Zuckersüß 308

In dieser Woche war ich wieder beim #kunstschatzi im KHM, denn einen Cocktail spätabends im Museum kann ich mir nicht entgehen lassen. Erst recht nicht, weil der Eintritt mit Jahreskarte nichts kostet, viele Freund_innen dort sind und die Führungen kostenlos. Supercoole Veranstaltungsreihe!

Außerdem habe ich den Spanischkurs angefangen, den ich im Frühjahr beim Fotowettbewerb der Uni Wien gewonnen habe. Mal sehen, wie viel ich dort lerne, ein ähnlicher Italienischkurs hatte mich ja leider letztes Jahr nicht viel weiter gebracht als Duolingo…

zuckersuess282
Das Foto, das mir einen Platz im Spanischkurs des Instituto Cervantes verschafft hat

Am Donnerstag war ich zum ersten Mal bei einem Live-Podcast zu Gast. Das Team vom Sendegarten hatte mich nämlich freundlicherweise auf ihre Gartenbank eingeladen. Leider war der Abend voller technischer Probleme, die mich ein bisschen aus der Ruhe brachten. Mein Versuch, meine BA-Arbeit über die No Agent Idiom Hypothesis zu erklären, ging etwas schief. Die Zuckerbäckerei, meinen Podcast Lieblings-Plätzchen und Sketchnotes zu erklären viel mir da schon leichter. Glücklicherweise fiel mir auch noch spontan ein Blütenschatz ein – Anna Goldenbergs Buch „Versteckte Jahre“ auf dessen Präsentation ich vergangene Woche war. Wenn ihr wollt, könnt ihr in der 60. Folge „Cookiegarden“ hören, wie ich noch nie vom Weltmädchentag (auch am Donnerstag!) gehört habe und gefühlte 10000 Mal „tatsächlich“ sage 😉

Das vielleicht letzte Eis der Saison habe ich mir beim allerliebsten Eisgreißler gegönnt und der Herbst schlug sehr in den Aromen durch: Sturm (richtig pink!) und Zirbe sind sehr interessante Sorten.

Ansonsten habe ich noch Bravetart’s Ricotta Lace Cookies gebacken, die schmeckten wie Karamell in Keksform,  und in einer sehr langwierigen Aktion Germknödel mit Vanillesauce gekocht. Die Rezept-Posts dazu folgen in Kürze, bis dahin meine liebsten Links der Woche:

Zuckersüß 308 weiterlesen

Zuckersüß 304

Mit dem Bücher (oder Prüfungsstoff) lesen klappte es in dieser Woche leider nicht, aber dafür war ich bei mehreren *Kulturveranstaltungen*. Beim „kunstschatzi“ im Kunsthistorischen Museum wurde das ohnehin schon eindrucksvolle Gebäude mit bunter Beleuchtung, Diskokugeln, DJ und Cocktails noch beeindruckender. Ich gehe gerneins Museum, aber unter diesen Bedingungen macht es noch viel mehr Freude (wenn auch der Signature Cocktail meiner Meinung nach nix taugte). Passend zum Motto des Abends „Wild Thing“ gab es stündlich Führungen durch verschiedene Ausstellungen.

Bei der ersten, die den Titel „Wilde Kerle“ trug, erfuhr ich zum Beispiel, dass Einhörner ursprünglich eher wie „Wolpertinger“ gedacht wurden statt so knuffig und süß wie heute. In „Freestyle – Künstler auf dem Holzweg“ ging es um Peter Paul Rubens Werke auf Holz, die leicht kaputt gingen und aufwändig restauriert werden müssen. In einer Restaurierungsaktion von 1815 passierte dann sogar mal ein Fehler, den man getrost Photoshop-Fail (Shoutout an Jana) nennen könnte: Ein Fuß aus einer Skizze unter dem Gemälde wurde freigelegt und steht jetzt ohne Körper im Bild!

In der Altertumssammlung folgte ich der Tour „Die jünglingsraubende Sphinx“. Selbige steht als Statue im KHM und führte viele heroische junge Männer mit einem einfachen Rätsel ins Verderben: „Was hat am Morgen vier Beine, am Mittag zwei und am Abend drei?“ (Kommt wer von euch lieben Leser_innen auf die Lösung?).


alterlaa
*Wunderschönes* Alterlaa

Am Wochenende war Open House, auf das ich schon seit einigen Wochen hinfiebere. Bei dieser Aktion stehen ansonsten (halbwegs) private Gebäude zur Besichtigung offen. Ich wollte unbedingt mal den Wohnpark Alt-Erlaa  sehen, weshalb ich gleich am Samstagmorgen in den 23. Bezirk fuhr. Ich wäre sicher nicht *zufällig* dorthin gekommen, aber ohne Führung durch das Gelände wäre der Besuch auch nur halb so spannend gewesen.

Auf dem Dach

Dachpool
Dachpool, FTW

Eigentlich ist der Gebäudekomplex ja außerordentlich hässlich, doch die Wohnqualität darin ist so hoch, dass alle der 3000 (oder mehr?) Wohnungen vermietet sind. Jede davon hat eine Loggia oder einen Balkon, und alle Bewohner_innen können kostenlos die Pools und Saunen am Dach nutzen. Ein Einkaufszentrum, mehrere Schulen und eine Kirche (die einzige in Österreich, die nicht der Kirche gehört!) gibts dort auch noch.

Oft siehts aus, als wäre der ganze Wohnpark in den 1980ern stehen geblieben

Die U6-Station passt in ihrer Gestaltung super zum Wohnpark

Die Atmosphäre im riesigen Gebäudekomplex ist wirklich angenehm, obwohl sehr vieles enorm altmodisch wirkt. Im Rahmen der Führung durften wir Besucher_innen sogar in eine Einzimmerwohnung schauen. Daran hat mich am meisten der Balkon begeistert, in den Trögen darauf wächst nämlich nicht nur ein halbes Gemüsebeet, sondern auch kleinere Bäume.

Eingangshalle der Länderbank

Zurück in der *Stadt* schaute ich mir die Länderbank an. Die stammt von Otto Wagner, weshalb ich den Plänen dazu schon in der Ausstellung im Wien Museum (s. Zuckersüß 300) begegnet bin. Die Führung hier war nicht uninteressant, aber ich konnte mich nicht so für das Gebäude begeistern wie in Alterlaa.

Viel Tageslicht überall

Danach gings noch weiter zur WU, wo ich an einer Führung durch das Library & Learning Center teilnahm. Leider ist dort fotografieren verboten, sodass ihr entweder selbst zum Prater fahren, oder euch die offizielle Webseite anschauen müsst, um das futuristische Bauwerk von Zaha Hadid zu sehen. Im ganzen Gebäude gibt es nicht einen rechten Winkel und sehr viele Flächen sind weiß, sodass sogar ein jährliches Malerbudget zur Instandhaltung eingeplant wurde. Der Prestigebau kostete fast 500 Millionen Euro und ist seit 2013 eröffnet – jetzt sieht er noch immer sehr cool aus. Ich frage mich allerdings, ob das Gebäude in dreißig oder vierzig Jahren auch so furchtbar wirkt wie heute die Wohnblöcke in Alterlaa.

Bis es soweit ist, könnt ihr ja meine liebsten Links der Woche lesen, heute mit recht viel politischem Inhalt:

Zuckersüß 304 weiterlesen

Zuckersüß 300

Bei meinem Ö1-Praktikum hat sich in dieser Woche einiges getan. Ich habe bei der live-Sendung punkteins „In welchem Land liegen die Pole und wem gehört der Mond?“ mit Xaver Forthuber von der Regie aus zugeschaut und nebenbei mit-gesketchnotet:

Dann ging nicht nur mein erster Text für help (Postkarten-Apps im Test) online, sondern auch mein erster Radiobeitrag. Cannabis-Trend CBD: Kaum erforscht, nicht reguliert konnte ich zwar nicht selbst einsprechen (meine Aussprache ist einfach zu bairisch, schade!), aber sonst habe ich alles weitestgehend in Eigenverantwortung gemacht, eine spannende Erfahrung! Der Beitrag ist bis nächsten Samstag nachzuhören, der zugehörige Text noch viel länger zu lesen.

Vor dem Feiertag leistete ich mir mal wieder einen Restaurantbesuch. Im Karma Ramen war ich vor ein paar Monaten schon einmal gewesen. Damals kämpfte ich sehr lange mit dem Ramen, diesmal sprang ich über meinen Schatten und bat gleich zu Beginn um eine Gabel. Edamame gehört nach wie vor zu meinen liebsten simplen Vorspeisen, das Tempuragemüse war auch nicht schlecht. Das Seidentofu mit Kimchi dagegen schmeckte mir leider gar nicht, freundlicherweise tauschte meine Begleitung seine sehr leckere Schüssel Ramen mit mir. Der Matcha-Brownie (hier im Blog gibts auch ein Rezept für Matcha-Blondies, btw) war etwas zu dunkel geraten, das sehr interessant schmeckende Misokaramell konnte darüber aber hinwegtäuschen.

Zuhause versuchte ich mich noch an einer spontanen Cocktail-Kreation ohne Zitrusfrüchte, die der Vorrat nicht hergab. Nach Konsultation meiner Cocktail-Bibel bastelte ich einen Drink aus Pfirsisch und Rosmarin (4cl weißer Rum, 1/2 gekochter Pfirsich, Rosmarinnadeln 1/2 TL Zucker, 2cl Sprudelwasser), der gar nicht mal so schlecht war. Dazu gab es eine veganisierte Version meiner allerliebsten Salz-Pfeffer-Cracker (übrigens das erste Rezept, das ich mit meiner DSLR bebildert habe!). Die übrigen Pfirsiche  und Rosmarin verarbeitete ich am nächsten Tag zu Scones, der Post dazu folgt bald.

Zum Wochenende hin wurde ich wieder zur Stadtführerin, die selbst noch einiges an Wien entdecken konnte. So besuchte ich mit meinem Gast erstmals den Dachboden des 25 hours hotel. Abgesehen vom sehenswerten Ausblick über die Stadt gibts dort oben echt spannende Cocktails zu halbwegs vernünftigen Preisen (13€/Cocktail). Ich trank einen „smashing pumpkin“ (Zimt-Rum, Ingwer-Likör, Hokkaido-Fruchtfleisch, Vanille, Limette und Kürbiskerne). Weil wir der beleuchteten Wand in Schwedenplatznähe auf den Grund gehen wollten, begaben wir uns eben dorthin, wo ich natürlich noch ein Eis (Walnuss-Feige, gar nicht schlecht) kaufte.

Außerdem machte ich zum ersten Mal eine richtige Radltour durch Wien. Mit dem citybike gings durch Döbling, über die Donauinsel, durch die Leopoldstadt bis zum Stephansplatz. Zum Mexikoplatz gelangten wir eher zufällig auf unserem Weg zur architektonisch interessanten WU. Doch an den Litfaßsäulen mit Texten und Grafiken zur österreichisch-mexikanischen Geschichte blieb ich einige Zeit kleben. Die Posterausstellung gibt es laut Webseite noch bis Oktober, also radelt/spaziert doch mal dran vorbei!

Zur Stärkung aßen wir dann thematisch passend Tacos bei Max&Benito, dass ich mir als gute und günstige Mittagessensgelegenheit in der Mariahilfer Straße merken werde. Danach gabs noch das unverzichtbare Eis vom Greißler: Topfen-Stachelbeere (sehr gut), Karamell-Salzbrezel (etwas langweilig in meinen Augen).

Abends wagten wir uns noch an ein aufwändiges Essens-Projekt: Selbstgemachte Pasta. Zwei Teige (einer mit, einer ohne Ei) formten wir zu Spaghetti und Tagliatelle, die es mit viel Knoblauch, etwas Rosmarin, Tomatenmark und frischen Kirschtomaten gab. Als Nachspeise gab es, wenig abwechslungsreich, aber sehr gut, die gleichen Nudeln mit gequetschtem Mohn und Puderzucker. Dazu abermals Cocktails, diesmal mit Zitrone: Rosmarin Gin Fizz (6 cl Gin, 3 cl Zitronensaft, 2 cl selbstgemachter Rosmarinsirup, Sprudel).

Der Sonntag war Ausstellungstag. Im Wien Museum spazierten wir kurz durch „Mit Haut und Haar. Frisieren, Rasieren, Verschönern“, das zwar sehr schön eingerichtet, aber inhaltlich irgendwie nicht besonders ergiebig war. Abgesehen von der Tatsache, dass wasserfeste Wimperntusche offenbar in Wien patentiert wurde, habe ich wenig daraus mitgenommen. Für die zweite Sonderausstellung des Hauses über Otto Wagner schlossen wir uns dann aber der Führung an und ich bekam sehr viel Input. So viel, dass selbst meine Live-Notizen in den Insta-Stories nicht alles fassen konnten. Der Architekt hat wirklich sehr viele Bauwerke in Wien verantwortet (z.B. die Stadtbahn aka U6 oder das Majolikahaus in der Wienzeile) und war tatsächlich so etwas wie ein Immobilienentwickler. Er entwarf und baute zahlreiche Mietshäuser, nur um sie kurze Zeit später weiterzuverkaufen. Als Professor an der Akademie der bildenden Künste ließ er nur sehr wenige Schüler in seine Klasse und verstand offenbar auch sonst  viel von Exklusivität und wie er sich am besten vermarkten konnte. Er legte viel Wert auf Symmetrie, aber vor allem auf die Zweckmäßigkeit seiner Entwürfe – was nicht praktisch sei, könne auch nicht schön sein. Zum Schluss gab es noch einen überraschenden Fakt: das typische „Otto-Wagner-Grün“, in dem u.a. die Geländer der Stadtbahn angestrichen sind, gab es nie. Ursprünglich waren die Metallteile nämlich cremefarben lackiert. Genug Ausstellungsnotizen für einen Blogpost – hier folgt nun die 300. Ausgabe meiner Sonntagsserie mit leider recht wenigen Links (zu viel offline-Zeitvertreib in den vergangen Tagen):

Zuckersüß 300 weiterlesen

Zuckersüß 291

In der vergangenen Woche bin ich ziemlich viel in Parks herumgesessen (immer auf der Hut vor dem nächsten spontanen Platzregenschauer) und auch ziemlich viel in der Küche gestanden. Je näher die großen Ferien kommen, umso leerer wird nämlich das Wohnheim, sodass ich die Küche fast immer für mich allein habe. Unter meinen Werken (natürlich allesamt in meinen Insta-Stories festgehalten) war Basilikumsirup (für Gin Basil Smash), ein superguter Sommersalat (Gurke, Kichererbsen, Feta, frische Minze, Zitronensaft und Olivenöl), ein nicht-süßer Brot-Obstsalat (Baguette mit Knoblauch und Zitrone in Olivenöl gebraten, Pfirsich mit viel Basilikum angebraten und mit Feta und Zitronensaft serviert), karamellisiertes Pain Perdu (aka Arme Ritter) mit Apfelmus, Zitronenspaghetti, ein alles-was-der-Kühlschrank-hergibt-Dessert (Pfirsich in Basilikumsirup in Zitrone mit karamellisierten gemahlenen Mandeln), Milchreis mit Walnuss-Bananen-Karamell (inspiriert von My Candid Appetite), ein Salatteller mit paniertem Brokkoli, Süßkartoffeln und RaslHanut-Kichererbsen und Shakshuka.

Leider hörte am Mittwoch mein Kühlschrank auf kalt zu sein und sämtliche meiner Versuche (ausstecken/einstecken, den Regler 100x herumdrehen) ihn wieder zum laufen zu bringen, scheiterten. Und das, obwohl ich dank Wikipedia jetzt sogar weiß, wie dieser uralte Absorberkühlschrank funktioniert hat! Der CROUS-Pannenservice versuchte es dann am Freitagmorgen erst gar nicht mit einer Reperatur, sondern stand mit einem nagelneuen Gerät vor meiner Tür. Mein neuer Kompressionskühlschrank ist zwar fast doppelt so groß wie der alte, beleuchtet und hat viel mehr Tür-Stauraum, macht aber dummerweise richtig viel Krach. Gut, dass ich nicht vorhabe, in meinem Zimmer zu podcasten. 

Den Journée de l’Art Nouveau am Sonntag verbrachte ich fast ausschließlich in Museen: Am Vormittag ging ich zur Führung durch die Sonderausstellung im Musée des Beaux-Arts. Dort erzählte eine sehr sympathische Vermittlerin mehr als eineinhalb Stunden (!) lang von Nancys Glasindustrie um 1900. Ich war einmal wieder erstaunt, wie interessant scheinbar langweilige Ausstellungsstücke (eine Glasvase) sein können, wenn man nur eine Geschichte dazu hört oder Informationen zur Herstellung bekommt. Nachdem ich gemeinsam mit gefühlt 50 älteren Leuten (warum interessierten sich nur Menschen jenseits der 60 für Glas aus Nancy?) durch die zweistöckige Ausstellung gelaufen bin, fing ich sie noch einmal von vorne an. Dabei schaute ich mir nicht nur die Teile an, die in der Führung nicht vorgekommen waren, sondern bastelte zusätzlich eine Insta-Story aus den vorgestellten Ausstellungsstücken und allem, was ich mir dazu gemerkt hatte. Damit habe ich jetzt Notizen mit Bild und meine Follower_innen vielleicht Interesse an lothringischer Glasherstellung und -trends zwischen 1890 und 1970. Oder auch nicht. Für mich werden Museen und Ausstellungen als Wissensquelle und Zeitvertreib jedenfalls immer relevanter (s. Drei Museen in Straßburg, Centre Pompidou Metz, Musée Dunkerque 1940 etc).

Am Nachmittag spazierte ich zur Villa Majorelle, die gerade renoviert wird. Für den Kultursonntag wurde sie ausnahmsweise geöffnet und der Besucher_innenandrang war so groß, dass die Schlange bis auf die Straße reichte. Trotz Wartezeit schaffte ich es glücklicherweise rechtzeitig zum Vortrag der Architektin, die mit der Renovierung betraut ist. Sie zeigte Pläne und historische Fotos und erklärte, was bis zur Wiedereröffnung als möglichst originalgetreue Art-Nouveau-Villa noch alles passieren muss. Große Hinweistafeln im Mini-Garten beschrieben zusätzlich das Leben des Bauherrn, die Geschichte des Gebäudes und außerdem den Zusammenhang zur Villa Majorelle in Marrakech, der mich schon die ganze Zeit wurmte: Um die Jahrhundertwende wurde der Möbelbauer/Künstler/Geschäftsmann Louis Majorelle (frz. Wikipedia) in Nancy zum Mitbegründer der École de Nancy, sein Sohn Jacques (frz Wikipedia) im französischen Protektorat Marokko später orientalistischer Maler. In Gueliz, der Ville Nouvelle von Marrakech baute er sich dann seine eigene Villa, die Mitte des letzten Jahrhunderts  von Yves Saint Laurent gekauft wurde und heute ein Museum zur Geschichte der Berber ist. Nachdem das geklärt war, konnte ich beruhigt weiter zum Musée d’École de Nancy spazieren, wo ich mich in den Garten setzte, einer Swing-Band und vielen schön gekleideten Tanzpaaren zuschaute. Ins Museum hinein ging ich nicht, denn bei meinem letzten Besuch hat es sich nicht als besonders interessant herausgestellt (damit sich das ändert, bräuchte es wohl nicht mehr als eine Führung oder einen Audioguide).

Jetzt folgen wie immer meine Lieblingslinks der Woche, diesmal wieder mit besonders viel Lesestoff:

Zuckersüß 291 weiterlesen

Eine Reise nach Metz

Reise ist für diesen Tagesausflug wahrscheinlich ein zu großer Begriff. Aber ich war so positiv überrascht von Nancys „Konkurrenzstadt“, dass ich unbedingt darüber schreiben muss.

Gemeinsam mit einer Freundin bin ich kürzlich frühmorgens mit einer Mitfahrgelegenheit nach Metz aufgebrochen. Dort spazierten wir erst einmal relativ planlos umher und begegneten sehr vielen Kunstwerken im öffentlichen Raum.

Coole Skulptur!

Auch die Pflanzen sind skulptural gestutzt und die Straßenlaternen erst!

Eine Reise nach Metz weiterlesen

Drei Museen in Straßburg – Trois Musées à Strasbourg

Cliquez ici pour la version francaise de cet article

Im Rahmen eines Projektes hat das gesamte TD Médiations Culturelles der Uni Lorraine im März einen Ausflug nach Strasbourg gemacht, um dort drei Museen zu besichtigen und ihre Kommunikation und Vermittlung zu untersuchen. Unsere Ergebnisse sollten wir allerdings nicht in einem „langweiligen“ Aufsatz zusammenfassen, sondern möglichst kreativ. Meine Teampartnerin Billy und ich haben deshalb beschlossen, unseren Museumsvergleich in einen zweisprachigen Empfehlungs-Blogpost zu packen, damit unsere Ergebnisse nicht in einer Schublade verschwinden.

Es folgt ein gereihter Überblick (das erste Museum empfehlen wir unbedingt weiter, das letzte überhaupt nicht) der besuchten Museen. Die Hintergründe zu unserer Einschätzung und Fotos von unserem Besuch gibts weiter unten und/oder nach Klick auf den entsprechenden Link.

billy-jana
Billy und ich im historischen Museum.

Übrigens gibts auf Instagram (@zuckerbaeckerei) in meinen „Highlights“ die spontanen Eindrücke des Museumsvergleichs!

Drei Museen in Straßburg – Trois Musées à Strasbourg weiterlesen