Schlagwort-Archive: museum

Jahresrückblick 2020

Eigentlich wollte ich aus Faulheit (und wegen „wichtigeren Dingen“) keinen zusammenfassenden Post über dieses seltsame 2020 schreiben. Dann habe ich die Jahresrückblicke anderer Leute (alle sehr unterschiedlich: uarrr, Anke Gröner, Ann Helen Petersen, Joël Adami) gelesen. Das hat mich dringend motiviert, meine (nicht besonders kohärenten) Aufzeichnungen zu Folgendem zusammenzuschreiben:

Jahresrückblick 2020 weiterlesen

Zuckersüß 386

…mit vielen Weihnachtsplätzchen, einem Besuch im MAK (Bakelit und Sheila Hicks), zwei Büchern über Kleidung (Zur Hölle mit der Mode und Die Welt der Stoffe), einem neuen österreichischen Kulinarik-Kunst-Magazin (The Healthy Times), zweimal Takeout (SOPHOS und kikko ba) – und wie immer, den besten Links der letzten Tage.

So, es ist quasi Weihnachten, und ich hab keines meiner Plätzerlrezepte, die seit Wochen im Entwurfsstadium festhängen, hier gepostet. Aber immerhin aufgegessen: Vanillekipferl (schon seit 2012 im Blog, puh), Dirty Chai Earthquake Cookies nach Susan Spungen, Marmorkekse und Rugelach nach Molly Yeh. Und meinen allerliebsten weißen Glühwein nach Stevan Paul (ohne Vanilleschotensparsamkeit, weil 2020 ist nicht das Jahr für Sparsamkeit an guten Gewürzen) hab ich im Dezember auch schon mindestens dreimal gemacht.

MAK: Bakelit und Sheila Hicks

Es ist außerdem schon wieder quasi Lockdown, deshalb habe ich die Chance ergriffen und bin mal wieder ins MAK gegangen (dank verlängerter Jahreskarte musste ich nichtmal Eintritt zahlen!). Ein paar Tage vor deren Abbau habe ich es ich die Bakelit-Ausstellung geschafft, in die ich schon im August wollte (damals ging ich stattdessen in Show Off und Sitzen 69 Revisited).

Die einzigen zwei Dinge aus Bakelit, die ich jemals bewusst in der Hand hatte – die auch mein Interesse für diese Ausstellung begründen – waren einerseits ein Spitzer, der noch immer in meiner Kinderzimmerschreibtischschublade herumliegen sollte und andererseits uralte Dreh-Lichtschalter. Ich war sehr verwundert, dass diese beiden Dinge nicht in der MAK-Ausstellung auftauchten (es waren bestimmt 100 Objekte über den Raum verteilt, s. Titelbild), jedenfalls nicht in der mir bekannten Form. Anspitzer gab es neben anderen Schreibtischdingen einige, aber die waren alle elektrisch. In der Kategorie „frühe Elektronik“ gab es insgesamt recht viele Objekte anzuschauen: Telefone, Radios, Fernseher, Staubsauger, Bügeleisen, Föns, Schreibtischlampen oder Mixer, alle im typischen braun-schwarz.

Wikipedia verrät, dass diese Farbe chemisch bedingt wenig variabel ist (und auch dass dieser erste vollsynthetische Kunststoff eigentlich polyoxybenzylmethylenglycolanhydride heißt – so viele Silben!!). Und doch gabs ein paar bunte Gegenstände in den MAK-Vitrinen, z. B. wunderschöne Thermoskannen aus den 1930ern. Die waren dann aber schon nicht mehr aus Bakelit, sondern aus dem verwandten Aminoplast, das auch helle Farben erlaubte.

aminoplast-thermos-mak
Annähernd 100 Jahre alte Thermos-Kannen

Beim Tippen dieses Posts bin ich noch über diese Besprechung von Sabine B. Vogel gestolpert, die offenbar in der Welt am Sonntag erschienen ist – sie gibt einen Überblick über die mittlerweile geschlossene Bakelit-Ausstellung.

Weil ich schon mal da war, ging ich auch noch in „Sheila Hicks. Garn, Bäume, Fluss“ (noch bis 18. April 2021) und erwartete mir erstmal nicht so besonders viel (Update, 16.01.21: man kann jetzt einen Online-Rundgang durch die Ausstellung machen, in 3D!) Doch schon bei den ersten paar Wandteppichen stellte ich fest, dass ich mit Textilkunst doch etwas anfangen kann. „Tangier“ erkannte ich sofort als einen marokkanischen Hauseingang, der riesige Teppich daneben (bestimmt doppelt so groß wie die Küche meiner WG?!) beeindruckte mich allein wegen seines Ausmaßes.

Am längsten schaute ich aber die gewebten Bilder an, die im weitesten Sinne nach Sprache benannt sind: Conversación en suspension III (2019) und Dialogue and Divergence (ca. 1980):

Manche der Webereien (oft mit Muscheln, Pflanzenstängeln o. Ä. durchzogen) in der Ausstellung sind nicht einmal so groß wie ein A4-Blatt, manche Werke sind fast einschüchternd groß, z.B. La sentinelle de safran (2018). So heißt der meterhohe Haufen von gelben, orangen und apricotfarbenen Acrylfaserbündeln, die von Fischernetzen zusammengehalten werden und in einem ansonsten annähernd leeren, turnhallengroßen Saal ausgestellt sind.

La Sentinelle de Safran - Sheila Hicks (MAK)
„La sentinelle de safran“ (2018)

Leider habe ich erst im Nachhinein erfahren, dass es auf Soundcloud einen kostenlosen Audioguide zur Ausstellung gibt. Dort kann man sich auch weitere Erzählungen zu Objekten im MAK anhören, gut zu wissen!

Zur Hölle mit der Mode & Die Welt der Stoffe

Diese beiden Bücher habe ich bestimmt in früheren Posts schon einmal erwähnt, aber weil sie so gut zur obigen Ausstellung passen, gleich noch einmal. Tatsächlich sind beide auch im MAK-Shop zu kaufen – ich glaube, hauptsächlich wegen der Show Off-Modeausstellung vom Sommer.

Zur Hölle mit der Mode wurde 1938 von der Modezeichnerin-, Designerin, -Journalistin und Maßschneiderin Elizabeth Hawes geschrieben und erst dieses Jahr von Constanze Derham ins Deutsche übersetzt (hier bei Twitter ein Thread der Übersetzerin mit ein paar Worten zum Inhalt und Links zu Fotos der Autorin und ihrer Entwürfe). Es liest sich ein bisschen wie ein Blog, und es freut mich sehr, dass ich auch einmal die Alltagserfahrungen einer jungen Frau, die vor gut 90 Jahren so alt war wie ich jetzt, zu lesen. Das einzige Buch, das mir bisher einen ähnlichen Einblick in den Alltag junger Menschen vor langer Zeit gegeben hat, war Stefan Zweigs Die Welt von Gestern. Als ich es gelesen hatte, dachte ich mir, dass es kaum an Aktualität/Relevanz verloren hat, und genauso ging es mir mit Zur Hölle mit der Mode.

In den 1930ern fing die Massenproduktion gerade erst an, doch Elizabeth Hawes kritisierte bereits die Erfindung von ständig wechselnden Trends, die diese Maschinerie am Laufen hielt. Ich selbst habe schon seit mehreren Jahren kaum und wenn dann großteils second hand Kleidung gekauft/zusammengesammelt (aus Nachhaltigkeits- und knappem-Budget-Gründen), trendy bin ich fix nicht (mehr) – meine Jeans sehen alle so mid-2000s aus, noch fünf Jahre und so tief sitzende Hosenbünde sind wieder in… Auf die Idee, mir etwas schneidern zu lassen, das mir wirklich passt (in jeder Hinsicht!) und das ich dann 10 Jahre behalten kann, wie Elizabeth Hawes das vorschlägt, bin ich aber noch nicht gekommen.

Während auch die letzten meiner H&M-Kleider aus der Schulzeit mittlerweile zerfleddern, gibt es tatsächlich Stoffe, die mehrere Jahrtausende überstanden haben. Ein kleines Fleckerl südamerikanischen Webstoffs von irgendwann vor unserer Zeitrechnung ist in der Sheila-Hicks-Ausstellung im MAK zu betrachten. In Kassia St Clair’s Die Welt der Stoffe ist sogar die Rede von jungsteinzeitlichen Fasern, die bis heute erhalten geblieben sind. Andererseits: Die beispielsweise gut konservierten Leinentücher von Tutanchamuns Mumie wurden bei dessen Entdeckung in den 1930ern als eher wertlos betrachtet und wenig sorgsam behandelt, ein anderer altägyptischer Stoff zerfiel sogar während Ausgrabungsarbeiten noch zu Staub.

Bei diesem Buch bin ich noch nicht über die ersten 50 von 350 Seiten hinaus, aber ich finde es wirklich interessant, den Stellenwert von Textilien über die menschliche Geschichte hinweg nachzulesen.

The Healthy Times

Die Healthy Boy Band bestehend aus den drei Köchen Lukas Mraz, Philip Rachinger und Felix Schellhorn haben ein Magazin gestartet! Nachdem ich sehr traurig darüber war/bin, dass das All You Can Eat-Magazin eingegangen ist, dachte ich nicht länger nach und bestellte mir sofort ein Exemplar der ersten Ausgabe The Healthy Times (für 18€ + beachtliche 8 € Versandkosten im Inland!). Mittlerweile ist es auch in ein paar IRL-Geschäften zu haben (z.B. im Pop-Up-Laden meines allerliebsten Lokals bruder), aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Jedenfalls: Mein Exemplar habe ich mittlerweile aus dem Postkasten gefischt und schon bis zur Hälfte gelesen. Das gestaltete sich gar nicht so einfach, denn das Magazin ist eher auf Effekt und Edgyness ausgelegt als auf Leserlichkeit: Die Texte sind artsy, teilweise kopfüber, in schwer entzifferbaren Fonts oder bis knapp zum Seitenrand gesetzt. Das passt allerdings nahtlos ins sonstige Auftreten der Healthy Boy Band (und auch des Mraz&Sohn, über meinen dortigen Besuch im Oktober habe ich hier immer noch nicht gebloggt?!). Auch inhaltlich hat es den Anspruch, sich von anderen Kulinarikmagazinen abzuheben, z. B. mit einem Blick nach Afrika, der Suche nach den (best) male gay chefs oder einem Gastroguide für Zugreisende in Österreich. Rezepte gibts auch ein paar, z.B. für Jollof Rice mit gefühlten 1000 Zutaten oder einem schrecklich anmutenden White Thai Breakfast mit fadem Toast, Spiegelei und Würstchen.

Auswärts Essen: SOPHOS Pizza und kikko ba

Auf Instagram bin ich vor einigen Wochen über eine Empfehlung für Pizza vom neuen U6-Alser-Straße-Imbiss gestolpert. Vor den meisten als Streetfood verkaufte Pizzastücken in diesem Land nehme ich reißaus, doch diese hier wurde in den besten Tönen gelobt.

Die Pizzastücke (mit meiner üblichen Restaurantbegleitung probierte ich mich durchs komplette Sortiment) stellten sich als wirklich wahnsinnig gut heraus – genauso wie ich Snackpizza bei meinen vielen Italienausflügen 2018/19 lieben gelernt hatte: knuspriger, lockerer, großporiger alles andere als geschmackloser oder hefiger Teig mit wohlüberlegtem und gut portioniertem Belag und direkt aus dem Ofen. Zum Beispiel klassisch Margherita, oder Pilze/Petersilie (vegan) oder eine Pizza Biancha mit Schinken und Olivenöl. Der Preis ist mit 2,60€ pro Stück sehr fair, das Ambiente halt ~U6~, aber der Pizzabäcker so sympathisch, dass das auch wieder passt.

Der Laden hat weder Schild, Visitenkarten oder Webseite, nur die Registrierkassa verrät den Namen SOPHOS. Bald soll der ganze Imbiss innen und außen mit Kunst ausgestattet werden (wenn schon, dann Werbematerial, das zum Gesamtkonzept passt) gerade fehlt dafür noch das Geld, erzählte der Pizzaiolo.

In der Folgewoche kam ich nachmittags und hungrig bei der kikko ba im Vierten vorbei, und beschloss mir ein Mittagessen mitzunehemen: bing bread und spicy edamame.

Das frischherausgebackene, warme bing bread erinnerte mich geschmacklich an einen Krapfen: ziemlich süß und ganz leicht fettig. Die Krume war sehr weich, obenauf ein bisschen grobes Salz. Das Hummus dazu war ziemlich sauer und sehr großzügig bemessen (ich bräuchte doppelt oder dreimal so viel Brot, um es aufzutunken) das scharfe rote Öl gibt dem ganzen einen „Asia“-Touch. Die Edamame waren knackig gegart und dampfend heiß, mit einer süß-salzig-scharfen Chilisauce, die mir sehr gut geschmeckt hat – ich glaube, es könnte sich dabei um dieselbe handeln wie beim Hummus.

Gegessen hab ich ein paar hundert Meter vom kikko ba entfernt auf einer Karlsplatz-Bank, der von irgendwoher mit Hot8BrassBand-Musik beschallt wurde. Das Essen war insgesamt ziemlich gut, aber hätte ich nicht so einen Spatzenmagen, hätten mich bing bread und edamame (für mehr als 10€!) wohl nicht sattgemacht. Aber dass die Restaurants der Mochi-Familie in einer hohen Preisklasse spielen, wusste ich schon vorher. Dafür wird das Branding auch bei Abholung/Lieferung durchgezogen. Die hochwertig wirkenden Takeout-Behälter sind aus Karton, mit aufgestempeltem Logo. Die Stäbchen schauen nicht aus wie die vom 08/15-Asia-Imbiss. Bei der Eingangstür stehen die verschiedenen Mochi-Getränke, das Kochbuch und die Brausezuckerl, die auch bei den Waschbecken in den Restaurants zu finden sind.

Und hier folgen endlich mal wieder Lieblingslinks:

Zuckersüß 386 weiterlesen

Zuckersüß 375

…mit einem Wochenrückblick in Kuchen, Essen in dreierlei Restaurants (Floh, Bruder, Mochi Ramen) und einem Besuch im MAK (Show Off und Sitzen 69 revisited).

In dieser Woche habe ich zweimal Kaiserschmarrn gemacht, Mini-Cheesecakes gebacken und Cocktails gemixt (Painkiller, Jungle Bird).

Floh, Bruder und Mochi Ramen

Außerdem war ich gleich dreimal in spannenden Restaurants. In der Gastwirtschaft Floh in Langenlebarn habe ich für eine Radiosendung beim Karotten-Verkostungsworkshop mitgemacht und anschließend ein fünfgängiges Karotten-Menü gegessen, über das ich noch extra schreiben werde. Tags darauf war ich endlich mal wieder im Bruder, wo ich auch dieses Mal zwei völlig überraschende und auch ansonsten beeindruckende neue Gerichte kennengelernt habe. Und dann war ich auch noch im Mochi-Ramen am Vorgartenmarkt, obwohl es für Suppe eigentlich viel zu heiß war.

MAK: Show Off & Sitzen 69 Revisited

Als Ferienprogramm habe ich mir einen Besuch in der Bakelit-Ausstellung im MAK vorgenommen. Dort angekommen bin ich aber schließlich für fast drei Stunden in der Show Off-Ausstellung über Mode in Österreich versumpft und war dann auch noch schnell in die mittlerweile geschlossene Sitzen 69 revisited.

Zeitgenössische Mode designed/made in Austria steht im Fokus der ersten umfassenden Großausstellung zu österreichischem Modedesign. Eine Zeitreise durch das Modedesign mit all seinen Facetten von den 1980er Jahren bis heute zeigt das vielfältige Spektrum von DesignerInnen, die aus Österreich stammen, hier arbeiten oder hier eine Modeausbildung absolviert haben.

MAK, SHOW OFF. Austrian Fashion Design

Die Mode-Ausstellung begann mit „Talking Heads“, mehreren überdimensionierten Videowänden, mit minutenlangen Clips im Loop und einer großen Videoinstallation zu den Abschlusswerken vergangener Modeklassen an der Angewandten. Sowas nervt mich in Ausstellungen für gewöhnlich sehr, denn wenn eins nicht zufällig den Beginn eines Videos erwischt, muss eins einfach damit klarkommen – fast so schlimm wie im linearen Fernsehen, nur dass es eben irgendwann wieder von vorne anfängt. Wie ich gerade bemerkt habe, gibt es die Videos erfreulicherweise auch auf der Webseite der Ausstellung, und, wenn auch nicht gelistet, auf Youtube.

Letztlich hab ich mich doch bei zwei Wänden hingesetzt und so mehr als eine halbe Stunde mit schwarz-weiß-Interviews u.a. mit Gery Keszler (Life-Ball-Initiator), Elisabeth Längle (Modejournalistin) und Monica Titton (Modesoziologin) geschaut. Letztere führte das Aufkommen von Mode- und Streetstyleblogs als wichtiges „Karrierestarter“-Moment an, weil Mode(medien) so aufeinmal zugänglich für „alle“, oder zumindest etwas demokratischer wurde(n).

Von den maßgeblichen frühen österreichischen Modeblogs blicablica und Tschilp hatte ich noch nie gehört, beide sind seit Jahren eingestellt. Sie atmen mit ihrem Design und der Blogroll in der Sidebar noch die prä-Instagram-Blogosphäre, die ich so viel lieber habe als alle „Blogger_innen“, deren Content hauptsächlich auf Social Media stattfindet. Das Vorletzte, was vor recht genau fünf Jahren bei Tschilp veröffentlicht wurde, handelt von der Customer Experience beim Luxusonlinehändler Net-a-Porter – ein Beitrag, der weit über meine Fashionblog-Klischeevorstellungen der Style-Posts und „schön-Aussehen-als-Hauptaufgabe“ hinausgeht.

Nach gefühlten Stunden kam ich dann zu dem Part der Ausstellung, in dem auch tatsächlich Kleidung anzuschauen war. Dass die Seiten des zweistöckigen„Modeturms“, an der die Entwürfe österreichischer Designer_innen ausgestellt sind, nach Themen sortiert sind, habe ich vor Ort nicht verstanden. Nach einem Blick auf die Webseite ist mir das Konzept aber klar geworden: Vorne sind die österreichischen „Modehelden“ Helmut Lang und Rudi Gernreich, der sich in den 1960ern z.B. den Monokini hat einfallen lassen, zu sehen. An einer Seite gehts um Muster, an einer zweiten um skulpturale Shilouetten, an der dritten um Modernes. Im Inneren ist Mode zum Thema Tradition zu sehen, z.B. ein über und über mit Bändern besticktes Rüschen-Tüllkleid von Lena Hoschek, das mich sehr beeindruckt hat, und verfremdete Trachten von Vivienne Westwoods österreichischem Ehemann Andreas Kronthaler. An den Wänden hängt Modefotografie aus Magazinen und für Werbungen, mit denen ich größtenteils wenig anfangen konnte.

Im letzten Raum der Ausstellung geht es dann um Kataloge und Mode-Magazine. Obwohl ich sehr begeisterte (Indie-)Zeitschriften-Sammlerin war/bin, finde ich die meistens eher uninteressant, geht es doch oft nur um Oberflächliches (und nicht etwa darum, wie bestimmte Kleidungsstücke hergestellt werden, in welcher Tradition irgendwelche Muster stehen, was sich Designer_innen/Fotograf_innen bei ihren Werken gedacht haben…). Aus diesem Grund habe ich auch nur kurz über die ausgestellten Magazine geschaut, bei einem bin ich allerdings wegen des aufgeschlagenen Artikels hängengeblieben: Der DIVA vom April 2016 mit einem Feature über Elfie Semotan. Die Arbeit der österreichischen Fotografin ist mir letzten Sommer im C/O Berlin, wo ich eigentlich für eine Food-Fotografie-Ausstellung war (über die ich bedauerlicherweise nie geschrieben habe), erstmals begegnet und ich finde sie als Person ziemlich cool.

Eigentlich hatte ich mir ja nach einem Jahr im Business (mehr oder weniger…) bei Migrants du Monde in Rabat vom Thema Mode entfernt, weil es auf meiner ellenlangen Interessensliste eigentlich schon immer eine ziemlich untergeordnete Rolle spielt. Doch seit ich 2020 (auch dank Corona-Slowdown) angefangen habe, Anziehsachen abseits von Socken zu stricken und neuerdings auch Kleidung für mich nähe, ändert sich das wieder – über Mode(herstellung) nachzudenken finde ich auf einmal sehr interessant. Deshalb habe ich auch zwei Bücher aus dem Museumsshop – Die Welt der Stoffe von Kassia St Clair und Zur Hölle mit der Mode von Elizabeth Hawes (hier ein interessanter Blogpost der Übersetzerin dazu) – auf meine Wunschliste gesetzt.

Und wenn ich so drüber nachdenke, habe ich in den letzten Monaten auch einiges im Internet gelesen/gehört, das sich dem Thema Mode zuordnen lässt. Der tolle 99% invisible-Spinoff-Podcast Articles of Interest zum Beispiel oder Zadie Smith’s Überlegungen zu transatlantischem Stil oder Anke Gröners Posts über Mode-Ausstellungen (Thierry Mugler oder Jean Paul Gaultier).

In der Mini-Ausstellung „Sitzen 69 revisited“ ging es um die Diskrepanz zwischen dem, was 1969 als DIE neuen Sitzmöbel vorgestellt wurden (sehr altmodisch, spießig, s. Bild links) und dem, was wir heute im Kopf haben, wenn wir an 60er-Jahre-Möbel denken (bunt, plastik, s. Bild rechts).

Im Jahr 1969 fand im Österreichischen Museum für angewandte Kunst (dem heutigen MAK) die Möbelausstellung Sitzen 69 statt, bei der eine umfangreiche Auswahl an gediegenen „Tischlersesseln“ aus Skandinavien, Italien, Deutschland und Österreich präsentiert wurde. Von den vielen bunten und poppigen Sitzgelegenheiten, die uns heute so charakteristisch für diese Epoche erscheinen, war indes keine dabei: Die Ausstellung hatte einen letzten heroischen Versuch unternommen, einer sich immer deutlicher ausprägenden Konsum- und Wegwerfgesellschaft die Tradition qualitativ hochwertiger und handwerklich produzierter Möbel entgegenzuhalten.

MAK, „Sitzen 69“ revisited

Ich fand es recht lustig, die Reihe gediegener Holz- und Korbsessel gegenüber berühmten Designklassikern wie dem Panton Chair oder dem Eames Chair zu sehen, aber mit einer Führung oder anderen Vermittlung wärs wohl noch spannender gewesen…

Hier folgen jetzt noch meine liebsten Links der letzten Woche:

Zuckersüß 375 weiterlesen

Zuckersüß 368

Ich habe nochmal Bananenkuchen mit Rumkaramell gebacken (bald im Blog!), außerdem eine Ringelotten-Pfirsisch-Vanillepuding-Tarte (ungefähr wie diese hier), Tiramisu-Cookies, mit so viel Espresso drin, dass ich ganz zittrig wurde, Rhabarber-Focaccia, das mich nicht ganz überzeugt hat und dann noch eine Lauch-Quiche und Arancini aus übrigem Risotto.

Ein Besuch im MAK

Ich war auch endlich mal wieder in einem Museum, und zwar in der MAK-Ausstellung „Human by Design“, die zu einem fünf-Jahres-Projekt zwischen österreichischen und slowakischen Gestalter_innen gehört. Besonders spannend fand ich die Versuche mit Bioplastik, aus dem testweise schon Sonnenbrillen hergestellt wurden und die Überlegungen zu Reparierbarkeit. Letztere wurden im repairably-manifest zusammengefasst. Demnach braucht es Ersatzteile, einfachen (Wieder-)Zusammenbau und keine rechtlichen Hürden. Dass das Fairphone dabei viele Kriterien erfüllte fand ich wenig überraschend, ganz im Gegensatz zum Samsung Galaxy S4mini.

Raus aus Wien

Für zwei Radiointerviews kam ich raus aus Wien, ziemlich weit sogar: Ich war in der Senferei AnnaMax im Salzkammergut und auf einem Senffeld im Weinviertel – nur um daheim festzustellen, dass die SD-Karte im Aufnahmegerät fehlerhaft beschrieben wurde. Mit ausschließlich unlesbaren Dateien lässt sich aber keine Sendung gestalten, sodass ich nochmal von vorne anfangen muss, außerordentlich ärgerlich.

Und als wären zwei Landflucht-Versuche in drei Monaten (coronabeschränkungsbedingter) Daheimbleiberei noch nicht genug, bin ich durch die oberösterreichische Stillsteinklamm gewandert. Oder eher spaziert, denn besonders weit, anstrengend, oder ab vom Weg fand ich es nicht. Danach aß ich noch ein Eis beim Kaffeehaus Schörgi in Grein und wurde herb enttäuscht. Was so gut klang (Birne-Melisse, Marille), vor etlichen Jahren mit vielen Urkunden ausgezeichnet wurde und erst nach langem Anstehen zu haben war – schmeckte superkünstlich. Die Konsistenz des Eis war auch interessant, mit den vielen Luftlöchern erinnerte sie mich an die Textur von noch warmer Marshmallowmasse… Die Torten dort waren allerdings ziemlich gut (z.B. Heidelbeer-Joghurt mit Mürbteig- und Schokobiskuitschicht), aber auch außerordentlich teuer (3,70€ für ein ziemlich kleines Stückchen).

#amland konnte ich dann auch noch ein paar Rosen (Tischdeko), Lavendel (für Sirup oder Gebackenes, das muss ich mir noch überlegen) und grüne Walnüsse abstauben. Letztere werde ich in den nächsten Wochen nach La mia cucinas Anleitung zu schwarzen Nüssen verarbeiten:

Hier folgt noch eine sehr lange Linkliste, zwei Wochen Internet-leer-lesen geschuldet:

Zuckersüß 368 weiterlesen

Jahresrückblick 2019

Ich lese sehr gerne die Jahresrückblicke anderer Leute (z.B. Soul Zeppelin, Heibie, Anke Gröner, Trois Etoiles), und deshalb will ich jetz auch noch *schnell* einen schreiben. Denn wofür habe ich sonst das ganze Jahr über eine digitale Strichliste geführt?

Im Blog landeten 31 Rezeptposts (Lieblinge: Buttermilcheis mit Obstbrand, Olivenöl-Brownies und Schoko-Bananen-Muffins)und 34 Zuckersüß-Linksammlungen (nicht unbedingt ein wöchentlicher Rhythmus…), außerdem noch 17 andere, denn insgesamt habe ich dieses Jahr 82 Posts veröffentlicht. Neu sind die Kategorien Cocktails, Bücher und Lokale, die letzten beiden ein Versuch, alles etwas übersichtlicher zu machen. Hat nicht so gut geklappt, denn am liebsten schreibe ich halt Rezept- und Zuckersüß-Posts, der Rest geht irgendwie unter.

Ich habe elfeinhalb Paar Socken gestrickt, das zwölfte ist sich gerade vor Jahreswechsel nicht mehr ausgegangen. Aber ein paar Fingerlinge habe ich auch noch zusammengebracht!

Ich habe 22 Bücher fertiggelesen: Versteckte Jahre von Anna Goldenberg, Alle, außer mir von Francesca Melandri, Super, und dir? von Kathrin Weßling, Frauen & Macht von Mary Beard, Das Millenial Manifest von Bianca Jankovska, Instagram Signature Style von Sylvia Fritzsch, Hunger von Roxane Gay, Helle Materie von Sina Kamala Kaufmann, Desintegriert euch von Max Czollek, Erinnerungen eines Europäers von Stefan Zweig, Wunderbare Jahre von Sybille Berg, Garten der verlorenen Seelen von Nadifa Mohammed, Middlesex von Jeffrey Eugenides, Makarionissi von Vea Kaiser, Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche von Reni Eddo-Lodge, Die neue ArbeiterInnenklasse von Veronika Bohrn-Mena, Aspekte des neuen Rechtsradikalismus von Adorno, Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells, Die Hauptstadt von Robert Menasse, Half of a Yellow Sun von Chimamanda Ngozi Adichie, Eure Heimat ist unser Albtraum von Hengameh Yagoobifarah, und Herkunft von Sasa Stanisic.

Außer Wunderbare Jahre, Garten der verlorenen Seelen und Vom Ende der Einsamkeit würde ich davon alle weiterempfehlen. Angefangen und aufgegeben (weil zu uninteressant oder langwierig) habe ich Nullnummer von Umberto Eco, Bullshit Jobs von David Graeber, Stamped from the Beginning von Ibram X. Kendi und Profit over People von Noam Chomsky.

Ich war in neun Museen bzw. Ausstellungen: Im Weltmuseum Wien, bei Napoli Sotteranea und dem MANN Napoli, in der Kokoschka-Ausstellung im Leopold Museum, im Palazzo Massimo in Rom, im Computerspielemuseum in Berlin, im CO Berlin, im Haus der Geschichte Österreichs und in der Uncanny Values-Ausstellung im MAK.

Im Kino war ich dagegen nur fünfmal, und außer „Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein“ über das Leben von André Heller halte ich keinen Film für erwähnenswert.

Ich war in einigen tollen Restaurants, besonders in Erinnerung geblieben sind mir das Coda in Berlin (das erste Michelin-besternte Lokal, in dem ich gegessen habe! und dann habe ich nichtmal einen Post dazu geschrieben…) und La grotta da concetta in Campobasso. Mein allerliebstes Restaurant in Wien ist das Bruder, doch auch das Mochi und das marokkanische L’Orient fand ich sehr gut.

Ich habe versucht, mich ein bisschen durch die Wiener Barszene zu trinken, bin aber allzu oft wieder im allerliebsten Botanical Garden gelandet. Dort war ich kurz vor Weihnachten zum letzten Mal, denn leider hat die Bar zum Jahresende zugesperrt. Der Opium Espresso wird mir fehlen! Ich war auch im „Nachfolgelokal“ Moby Dick, dort war ich besonders beeindruckt vom Pairing Menu zu den Cocktails. Den besten Drink des Jahres hatte ich allerdings im Bruder: eine Boulevadier-Abwandlung mit Sauerkirschferment und rauchigem Speck.

Meine kulinarischen Entdeckungen des Jahres: Aubergine im Dessert im Coda, italienisches Grünzeug (Barba di Frate, Puntarelle, Cicoria tagliata), Guanciale, Spargel-Rhabarber-Salat und (selber-)fermentierte Getränke (Kombucha/Jun/Ginger Beer).

Ich war viel unterwegs: in Italien (Campobasso, Napoli, Rom, Bologna, Lecce, Brindisi, Alberobello, Putignano, Gioia del Colle, Matera), Ljubiljana, Berlin, Salzburg, auf der Alm (drei Mal, einmal sogar mit Schneeschuhen – Premiere!) und in Budapest.

Dann habe ich mich außerdem noch teilzeitselbstständig gemacht (engagiert mich für Sketchnotes von euren Events!), einen Bachelor in Sprachwissenschaft abgeschlossen, sieben Podcastfolgen veröffentlicht und 19 Beiträge/Sendungen für Ö1 gestaltet. Ach ja, und dann ist dieses Blog hier auch noch 10 (!??!?!) Jahre alt geworden!

Zuckersüß 345

Letzten Sonntag war ich so sehr mit der Vorbereitung der 3. Staffel meines Lieblings-Plätzchen-Podcasts beschäftigt, dass ich gar nicht dazugekommen bin, ein Zuckersüß zu schreiben, sodass dieses hier doppelt Links enthält. Aber wenn ich schon mal dabei bin: Heute ging Folge 13 mit Maria Wegenschimmel vom Sozial-Pod online! Also abonniert Lieblings-Plätzchen im Podcatcher eures Vertrauens, und auch bei Facebook, Instagram (mit Puzzlegrid, wie so ein Lifestyle-Account!) und Twitter (Trailervideos! Podcastsnippets!).

Vienna Humanities Festival

Vergangenes Wochenende war ich beim Vienna Humanities Festival, auf das ich durch ein U-Bahn-Plakat aufmerksam geworden war. Die verschiedenen Veranstaltungen machten mir einmal wieder klar, wie froh ich bin, in Wien zu wohnen und wie cool die Stadt eigentlich ist (so viel kostenloses Kulturzeug!). Los gings am Donnerstag im Volkstheater mit „Paradox Europa. In memoriam Ágnes Heller“, einem Vortrag von Shalini Randeria und einer Diskussion zwischen Ludger Hagedorn und Paul Lendvai, moderiert von Lisa Nimmervoll. Von Shalini Randeria hatte ich schonmal ein Paper für die Uni gelesen, doch sonst kannte ich keine_n einzige_n der Vortragenden.

Ich ärgerte mich ziemlich, dass ich mein iPad nicht dabei hatte, denn gerne hätte ich Shalini Randerias Gedanken grafisch festgehalten. Ihr Vortrag handelte vom Spannungsfeld Menschenrechte/Bürgerrechte und universeller/nationaler Identität und wie Europa von einem Paradox geprägt ist: gleichzeitig „Wiege“ der Menschenrechte und des Kolonialismus und Imperialismus, gleichzeitig „einzigartige“ Erfolgsgeschichte und universelles/universalisierbares Vorbild für den Rest der Welt (zumindest von Europa aus gesehen).

In der Diskussionsrunde beeindruckte mich vor allem Paul Lendvai. Er sprach sehr ruhig (und mit starkem ungarischen Akzent) und wirkte auf den ersten Blick gebrechlich, doch seine Worte trafen wie Messerstiche. Der Philosophieprofessor Ludger Hagedorn daneben ging durch die enorme Redegewandtheit Paul Lendvais fast unter.

Am nächsten Abend, in der Marxhalle, hatte ich dann mein iPad dabei und konnte sketchnoten (s.a. mein Post auf jasowieso.com). „Social Networks or Social Nightmares“ war eine Diskussionsrunde zwischen Evgeny Morozov, Max Schrems und Roger McNamee, hier moderierte Shalini Randeria. Ich war abermals sehr beeindruckt, diesmal von der Moderatorin, die extrem komplexe Themen aufbrachte und doch alles wieder zu einem roten Faden zusammenspinnen konnte. Allerdings kam es kaum zu „echten“ Diskussionen, eher stellten die drei „Internetexperten“ verschiedene Perspektiven zu Shalini Randerias Fragen vor.

„Social Networks or Social Nightmares“ Vienna Humanities Festival mit Evgeny Morozov, Max Schrems, Roger McNamee und Shalini Randeria

Am Sonntag war ich dann noch im Wien Museum bei einem Gespräch zum Roten Wien (eine Austellung, die ich auch noch unbedingt anschauen will), doch es war so unendlich schlecht moderiert, dass ich vor Ende wieder ging.

Anders dann „Werden Social EntrepreneurInnen die Welt retten?“ mit Marie Ringler und Florian Pollack. Erstere ist Europa-Chefin von Ashoka, einer Art Stipendiumsprogramm für Unternehmer_innen mit sozialem Geschäftsmodell (s.a. mein Post auf jasowieso.com)

„Werden Social EntrepreneurInnen die Welt retten?“ – Vienna Humanities Festival mit Marie Ringler und Florian Pollack

Kuchen!

Natürlich habe ich auch allerlei gebacken. Nachdem ich die Bouffons-Episode über Flan gehört hatte, versuchte ich mich erstmals an diesem französischen Dessert, war allerdings nicht besonders überzeugt vom Ergebnis (obwohl ich mich an ein Rezept von Michel Roux hielt!). Mein nächstes Backprojekt, ein einfacher Hefezopf, scheiterte ebenfalls, weil die Trockenhefe nicht mehr arbeitete (kein Wunder, war schon 2 Monate abgelaufen…).

Wenigstens smitten kitchens chocolate peanut butter cup cookies stellten sich als super heraus, das übersetzte Rezept folgt *in Kürze*. Auch immer gut ist der Schoko-Bananen-Guglhupf von 2013, den ich am Freitag gleich in doppelter Ausführung machte. Am Samstag gab es auch eine Zwetschgenvariante des Marillen-Mascarpone-Kuchen vom Sommer und einen Zwetschgen-Streusel-Kuchen mit Germteig in etwa wie der Mispelstreuselkuchen, den ich in Marokko immer machte, um Butter zu sparen.

Vier Kuchen in weniger als 24 Stunden sind sogar für meine Verhältnisse großzügig. Grund für diese Backaktion war eine Kleidertauschparty, die ich für meine Freund_innen organisiert habe. Ich bin sehr begeistert vom Konzept, einfach alle möglichen Leute mitsamt ihren nicht mehr benötigten Kleidungsstücken einzuladen, alles nach Kategorien zu sortieren und für einen Nachmittag einen gratis Second-Hand-Laden in der Wohnung zu haben. Ich wurde ein paar lange nicht getragene Kleider los und kam an eine handvoll Pullover für den Winter – wirklich super!

Uncanny Values im MAK

Gestern Nachmittag stellte ich mit Entsetzen fest, dass die Ausstellung „Uncanny Values“ im MAK, die ich schon seit dem Sommer besuchen wollte, den letzten Tag offen war. Es folgte also ein spätnachmittaglicher Ausflug ins überfüllte Museum, in dem ich offenbar vor zwei Jahren zuletzt war. Die damalige „Hello, Robot“-Ausstellung hatte mit Robotern und Digitalisierung ein ganz ähnliches Thema wie die aktuelle, in der es um die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz ging. „Uncanny Values“ (eine Anspielung auf Masahiro Moris „Uncanny Valleys“) hat sogar eine eigene Webseite, auf der alle Werke nochmals beschrieben sind (im folgenden jeweils verlinkt), sie „lebt“ hoffentlich noch länger als die Ausstellung selbst.

Eines der visuell beeindruckendsten Werke war „Probably Chelsea“ von Heather Dewey-Hagborg und Chelsea Manning, das aus 3D-gedruckten Gesichtern bestand, die von der Decke hingen. Sie waren alle auf Basis Chelsea Mannings DNA algorithmisch generiert, sahen aber ziemlich unterschiedlich aus. Die Message ist klar: Gesichtserkennungssoftware und „neutraler“ DNA-Verarbeitung ist nicht zu trauen.

In der Videoinstallation „Behold These Glorious Times“ von Trevor Paglen (2017) konnte man quasi einem Bilderkennungssystem beim „lernen“ zusehen – schnell zusammengeschnittene Videoausschnitte von Menschen, die alle kauen/laufen/etwas schieben/etc. Die Hintergrundmusik dazu gefiel mir gut, Holly Herndon hatte sie ebenfalls mithilfe eines Algorithmus geschrieben – leider finde ich sie nirgends online…

Es gab einerseits viele Mitmach-Werke in der Ausstellung, z.B. den Uralt-Chatbot ELIZA an einem Röhrenbildschirm oder die Poetry Machine 1.0, die eher sinnlose Gedichte fabrizierte. Andererseits fand ich einige Ausstellungsstücke nur sehr schwer zugänglich – mit der Fotoserie „MoMA’s Baby (The Human Who Taught Computers To See)“ von Mladen Bizumic (2019) konnte ich genauso wenig anfangen wie mit „Centralized vs Decentralized“ von Simon Denny (2018).

Für das Video „Se ti sabir“ von James Bridle (2019) muss sich eins Zeit nehmen, am besten die ganzen 19 Minuten, sonst sind es auch nur Natur-Sequenzen mit scheinbar unzusammenhängendem Text. James Bridle spannt darin den Bogen von der originalen Lingua Franca des Mittelmeerraumes im Mittelalter (auch bekannt als „sabir“/wissen), den Bogen zu Intelligenz im Allgemeinen und bei Oktopussen, KIs und Menschen im Speziellen.

Lokale

Der Vollständigkeit halber seien nach dieser monströs langen Einleitung auch noch die Lokale erwähnt, in denen ich in den vergangenen Tagen zum ersten Mal war: Im marokkanischen Restaurant L’Orient (1020), im supersüßen Strickcafé Wiedehopf&Wolle (1180) und im sehr enttäuschenden veganen Burgerladen Veggiezzz (1010). Sobald ich dazukomme, auch mit ausführlicherem Bericht.

Jetzt aber endlich Lieblingslinks!

Zuckersüß 345 weiterlesen

Eine Reise nach Napoli

Im Februar habe ich ein Wochenende in Napoli verbracht. Die Stadt interessierte mich natürlich wegen ihrer kulinarischen Tradition, doch ein da muss ich unbedingt mal hin – Reiseziel war sie nicht. Bis ich feststellte, dass der Regionalzug von Campobasso, wo ich einen Teil meiner Semesterferien verbrachte, nur etwas länger als drei Stunden in die kampanische Hauptstadt braucht und das für 10,25€!

So wenig informiert war ich auch noch nie in einen Städtetrip gestartet, doch die Empfehlungen von und Spaziergänge mit befreundeten Locals (Erasmussemester sei dank!) waren am Ende eh viel besser als jeder Reiseführer. Es stellte sich heraus, dass Napoli doch recht anders war, als ich es mir vage vorgestellt hatte. Ein wirklich konkretes Bild hatte ich nicht im Kopf, nur so lose Ideen einiger breiter Straßen und viel Müll (Mafia sei dank).

Geht man eine Viertelstunde, ändert sich das Stadtbild nämlich ziemlich schnell. Rund um den Bahnhof – eine nicht besonders einladende Gegend, btw – stehen einige Hochhäuser, deren goldene Zeiten offensichtlich vorüber sind.

Viele Hochhäuser und eine Riesenbaustelle vorm Bahnhof Napoli Centrale.

Auf dem Weg ins historische Stadtzentrum werden die Straßen enger, die Autos und Mofas aber nicht weniger.

Überall Wäscheleinen, Klischee erfüllt!

Und es gibt so unendlich viele Kirchen. Manchmal konnte ich nicht unterscheiden, wo die eine anfing und die nächste aufhörte. Die wichtigste Kirche, der Duomo di Napoli, besteht selbst schon aus so vielen Kapellen, dass ich den Überblick verlor. Der wunderschöne Steinfußboden in der Krypta blieb mir aber in Erinnerung.

Eine Kirche links, eine Kirche rechts und dazu noch eine monumentale Heiligenstatue.
Der Heiligenschein strahlt mit der Litfaßsäule und der Ampel um die Wette.

Nicht nur die Kirchen zeugen von der Frömmigkeit Napolis, auch eine andere Tradition, die ich recht befremdlich finde: Hausaltäre. Die gibt es in sehr groß und in Schaukasten-klein, ebenerdig und hoch oben an Hausmauern. Darin drapiert sind Heiligenbilder, Fotos Verstorbener, Blumen und Kerzen. Nachts sind sie häufig beleuchtet.

Dieser Altar befindet sich gegenüber eines Supermarkts
Ein besonders prächtiger Hausaltar.

Im Dunklen fühlte ich mich manchmal wie nach Marokko versetzt. Einige Gegenden Napolis könnten mit ihren schlecht gepflasterten Straßen, Straßenständen für Waren aller Art und absurd schnell fahrenden Mofas genauso auch in einer marokkanischen Medina platz finden.

Napoli oder Rabat?
So einen günstigen Gemüsehändler hätte ich auch gern in Wien.

Der Eindruck ändert sich ein paar Gehminuten später wieder vollständig. Auf der Piazza Bellini steht nicht nur eine Statue des Komponisten, sondern auch viel Grün, das sich die Straße den Hügel hinunterzieht. Undenkbar in Marokko: Die Studis (und wir), die ab dem späten Nachmittag einen Spritz für nur 2€ im Freien schlürfen.

Noch ein Altar und ein paar Graffiti dazu.
Eine Mini-Allee im historischen Zentrum!

Durch ein teilweise überdachtes Gässchen gelangt eins zur Piazza Dante, die an diesem Februarsonntag voller kostümierter Kinder und Konfetti war.

Fasching!

Auf der Via Toledo, der Haupteinkaufsstraße, sah das nicht viel anders aus. In den Menschenmassen kam ich kaum vorwärts und hätte außerdem beinahe die Galleria Umberto I. übersehen. Die Geschäfte darin interessierten mich zwar überhaupt nicht, aber das Gebäude ist ziemlich schön anzuschauen.

Die Galleria Umberto I erinnert mich an die Galeries Royales in Brüssel
Fasching auf der Piazza Plebiscito

Von der riesigen Piazza Plebiscito aus, in den sowohl die Via Toledo als auch die Luxuseinkaufsstraße Via Chiaia mündet, ist schon das Meer zu sehen. Einen Stadtstrand gibt es nicht, sondern nur eine befestigte Promenade, an der es sich aber gut flanieren lässt.

Meer! Nur viel zu dreckig, um darin zu schwimmen.
Luftballonverkäufer gibt es ziemlich viele in Napoli.

Irgendwann war mir das mehr-oder-weniger-planlos-durch-die-Stadt-spazieren aber zu anstrengend (viele Kilometer und Höhenmeter kann eins auf einem Städtetrip eigentlich machen?) und ich wollte ein bisschen *Kultur* (mit Vermittlung).

Der Eingang zu Napoli Sotteranea ist – wer hätte das gedacht – neben einer Kirche.

Napoli Sotteranea, der Untergrund der Stadt war mir von vielen Seiten empfohlen worden. Gleich morgens um zehn schlossen wir uns (für 10€ pro Person) der italienischsprachigen Führung an. Englisch hätte es auch gegeben, aber erst eine Stunde später und die wollte ich nicht warten. Überhaupt halte ich es für eine super Sprachlern-Herausforderung, einer Museumsführung zu folgen. Mein Italienisch ist ungefähr auf 3-Monate-Duolingo-Level, aber dank meiner doch recht brauchbaren Französischkenntnisse verstehe ich meistens doch ziemlich viel. Und tatsächlich, ich konnte dem Rundgang weitestgehend folgen.

Die Geschichte des Museums ist schon ziemlich beeindruckend, denn eigentlich waren die Räume vor mehr als 2000 Jahren griechische Zisternen. Genutzt wurden sie, bis im 18. (oder 19.? – ich erinnere mich nicht) die Cholera ausbrach. Anschließend lagen sie einige Jahrzehnte brach, bis ihnen im zweiten Weltkrieg die Nutzung als Bunker zufiel.

Sehr nichtssagend an der Oberfläche, dabei ist im Keller ein antikes Theater.

Über einen anderen Eingang zu erreichen, aber ebenfalls in der Führung war das römische Theater. Versteckt im Fundament ganz normaler neapolitanischer Wohnhäuser war es sehr lange niemandem aufgefallen. Irgendwann geriet allerdings jemand mit Fachkenntnis zu antiker römischer Mauertechnik in einen der Keller dort – und erkannte das 2000 Jahre alte Bauwerk. An der Oberfläche ist bis heute nichts davon zu sehen, denn nach wie vor sind die Wohnungen bewohnt.

Haupteingang des Museo Archaeologico Nazionale di Napoli

Das Museo Archeologico Nazionale di Napoli hatte mir ein Freund wegen der umfangreichen Pompeii-Dauerausstellung (es gibt noch fünf weitere Bereiche und eine Sonderausstellung) empfohlen.

Am Anfang war ich halbwegs enttäuscht: 15 € (7,50 € ermäßigt) ist echt ziemlich teuer für einen einzelnen Eintritt. Und der erste Saal, den ich angeschaut habe (keine brauchbaren Wegweiser!) schien in den 1980ern stehen geblieben. Gläserne Vitrinen ohne jeglichen Erklärungstext, hin und wieder ein vergilbter schreibmaschinengetippter Absatz auf italienisch.

Die Palme wächst aus dem antiken Blumentopf!
Der Blick aus dem Fenster auf den Innenhof gibt ein 1A-Insta-Motiv, findet ihr nicht?

Doch mit der Zeit konnte mich die Ausstellung über Pompeii immer mehr begeistern, die Fresken waren nämlich sehr wohl beschriftet (wenn auch die Schilder häufig 5 Meter entfernt von den Ausstellungsstücken standen) und erzählten von Figuren, die ich mit meiner mangelnden Altertumskenntnis zumindest ein bisschen einordnen konnte: Ikarus und Dädalus, Iphigenia, Europa.

Nach mehr als zwei Stunden, als ich eigentlich wegen einer Verabredung schon fast gehen musste, entdeckte ich dann noch die Sonderaustellung zu Essen in Pompeii, auf die ich leider nur einen kurzen Blick werfen konnte.

Die Asche des Vesuv hatte nicht nur die Häuser, Wandbemalungen und Alltagsgegenstände der antiken Stadt konserviert, sondern auch viele Lebensmittel. So sind in den zwei Austellungsräumen Knoblauchzehen, Datteln, Feigen, Mandeln und sogar zwei Laib Brot zu sehen (und ausführlich/zeitgemäß/zweisprachig beschrieben):

Brot aus Pompeii

Apropos Essen. Ich habe versucht, alles, was nur annähernd als „Spezialität“ Napolis gilt, zu probieren. Natürlich Pizza, aber nicht beim berühmten Sorbillo in der Via Tribunali, vor dessen Lokal sich mittags und abends eine riesige Menschentraube bildete, sondern ein paar Meter weiter bei Vesù. Pizza Fritta (Pizzateig gefüllt mit Ricotta, Speck und Tomaten, als Calzone frittiert) erinnerte an den Teigstellen ziemlich an Langos ohne Knoblauch und war mir insgesamt viel zu mächtig. Pizza Portafoglio, eine zusammengeklappte Margerita, die es gefühlt an jeder Ecke gibt, würde ich am liebsten auch in Wien als verbreiteten Snack haben.

Was ich vor meinem Besuch nicht wusste: Frittiertes hat eine große Tradition in Napoli. Arancini, panierte Reisbällchen mit unterschiedlichen Füllungen (z.B. Erbsen und Hackfleisch, Auberginen) mochte ich am liebsten, aber auch Crochetti di Patate (Kroketten mit Käsefüllung) und Frittatina di Pasta (Macaroni in Bechamelsauce oder so, in Teig frittiert) waren gut. Auf der Via Tribunali, einer wichtigen Straße in der Altstadt gibt es alle paar Meter winzige Geschäfte, die Frittiertes verkaufen. Mir schien aber, dass nicht alle davon alles selber machen, sondern auf Tiefgekühltes setzen. Empfehlenswert ist auf jeden Fall Matteo, von dem die Frittatine di Pasta auf dem Foto stammen. Bei einer zweiten Frigittoria, an deren Namen ich mich nicht genau erinnere – irgendetwas mit Präsidenten oder Prinzen oder so schmeckte es auch sehr gut.

Faschingsfrittiertes

Weil gerade Karneval ist, gab es auch viele frittierte Süßigkeiten. Chiacchiere, flache Teigplatten mit ein paar Löchern und leichtem Orangenblütenwasseraroma, scheinen die Klassiker des italienischen Faschingsgebäcks zu sein. Es gibt sie mit Puderzucker bestäubt oder in Kakaoglasur. Sie sind ziemlich knusprig und mir fällt keine deutsche/österreichische Entsprechung dafür ein, denn bei uns scheint sämtliches Frittiertes immer aus fluffigem Hefeteig zu sein.

Das Herz ist wohl eher für Porträts von Menschen gedacht, aber Sfogliatelle machen sich auch gut darin.

Ein Gebäckklassiker Napolis sind Sfogliatelle. Das sind kleine Hörnchen aus vielen Schichten Filoteig (oder so ähnlich, bestimmt kein klassischer Blätterteig!) mit unterschiedlichen Füllungen. Die verbreitetste Füllung besteht hauptsächlich aus Ricotta, der durch etwas Grieß eine spannende Konsistenz und durch kandierte Orangenschalen ein süditalienisches Aroma bekommt. Die Version mit Haselnüssen habe ich allergiebedingt nicht probiert. Ofenwarm sind sie am Besten, vielleicht versuche ich mal, selbst welche zu backen!

Taralli gibt es auch im Supermarkt, die vom Bäcker haben mich wirklich begeistert.

In der Auslage der Pannetteria Coppola auf der Via Tribunali entdeckte ich beim Frühstückseinkauf Taralli. Die kenne ich eigentlich nur als Miniatur-Aperitivo-Gebäck mit Rosmarin oder ähnlichen Kräutern. Die beim Bäcker bestanden allerdings zu mindestens einem Drittel aus grob gehackten Mandeln und waren handtellergroß. Intuitiv hielt ich sie zuerst für süßes Gebäck, aber sie waren mit Salz und Pfeffer gewürzt. Sehr spannend, auch etwas, das ich mal nachbacken könnte.

Trotz des großartigen Streetfoods wollte ich zumindest einmal im Restaurant essen. Leider wusste ich überhaupt nicht, wie ich ein Gutes finden sollte. Keiner der Blogs meines Vertrauens hatte Tipps für Napoli, TripAdvisor-Restaurantbewertungen geben in der Hinsicht fast nie etwas her und lokale professionelle Restaurantkritiker kenne ich nicht. Im Michelin (nicht, dass ich spontan ein Sterne-Restaurant im Sinn gehabt hätte), stieß ich auf Il Gobbeto:

Not far from lively Via Toledo, this authentic family trattoria serves a selection of much-loved, classic Neapolitan dishes. The traditional ambience is enhanced by the typical costumes of Naples worn by the owners. House specialities include gnocchi del gobbetto, pasta with potatoes and Provola cheese, and dried salted cod.

Via Michelin
Muscheln!

Das Restaurant war ziemlich voll und trotz Reservierung mussten wir kurz vor der Tür warten. Der Kellner war mir unsympathisch (hauptsächlich weil er alle Kellnerinnen so ruppig unfreundlich behandelte) und hatte überhaupt keine Geduld (also nichtmal 2 Minuten) für uns übrig. Wir bestellten Miesmuscheln als Vorspeise, die mit Zitrone und ziemlich gutem Weißbrot serviert wurden. Aus den Primi suchte mein Begleiter Spagetti alle vongole aus, die noch sehr bissfest waren. Die sehr simple „Sauce“ aus Butter, Petersilie und Cocktailtomaten (kein Pfeffer!) war dafür so gut, dass ich sie mit dem Brot aufsaugte. Mein erster Gang, Manfredi (breite gewellte Bandnudeln) mit Tomaten-Ricotta-Sauce war ein bisschen fade, da konnte selbst meine große Ricotta-Begeisterung nicht mehr helfen.

Und Fisch!

Ich bestellte als Hauptgang gegrillten Schwertfisch, weil es das einzige nicht frittierte Fischgericht auf der Karte war. Schwertfisch habe ich vorher noch nie gegessen, die Konsistenz erinnerte mich fast an Geflügelfleisch, so fest und mager wie sie ist.

Für meinen Begleiter gab es Alici fritte, fritierre Sardellen. Mit viel Zitrone und Weißbrot schmeckten die wirklich gut. doch nach nur wenigen Minuten verlor die Panade schon an Knackigkeit, schnell essen (teilen!) lohnt sich hier.

Dazu tranken wir den außerordentlich günstigen und ganz guten (hab immer noch keine Anhung von Wein, aber er schmeckte mir) Hauswein (4 € für eine Flasche). Eine Nachspeise ging sich nicht mehr aus, weil wir relativ bestimmt darauf hingewiesen wurden, dass nun die nächsten Gäst_innen kommen würden. Insgesamt war der Restaurantbesuch also vor allem stressig – die Atmosphäre unruhig, die Kellner gehetzt (was sie gut auf die Gäst_innen übertragen konnten, wie unser Beispiel zeigt) – beim nächsten Besuch in Napoli würde ich nicht mehr dort essen gehen.

So gutes Eis, so schlechtes Foto.

Bestimmt nochmal essen würde ich jedoch Eis von Leopoldo Infante auf der Via Toledo. Das Pistazieneis, genauer die Pistaziencreme, war das beste seiner Art, das ich jemals probiert habe. Es erinnerte mich in der Konsistenz an gefrorene Erdnussbutter – unglaublich cremig und fett – und schmeckte einfach sehr pistaz-ig (ganz anders als die vielen Pistazieneis-Verschnitte aus künstlichem Aroma, wie sie in Deutschland verbreitet sind). Die zweite Sorte in meiner Waffel nannte sich Benvenuti al Sud („Willkommen im Süden“) und war gespickt mit gerösteten Mandeln und kandierten Orangenschalenstückchen.

Mein Begleiter suchte sich aus der unglaublichen Sortenvielfalt (bestimmt 4 m Thekenbreite, 3 Eissorten „tief“) dunkle Schokolade und Haselnuss aus.

Ich freue mich schon sehr, wenn in Wien endlich wieder alle Eissalons aufmachen, hoffentlich mit vergleichbar gutem Pistazieneis.

Coole Aktion: („Wenn du mich psst psst, fiuu fiuu rufst… dreh ich mich nicht um. Ich bin nicht deine Katze!“

Was ich in Wien auch cool fände: Eine Posteraktion gegen Alltagssexismus. Vor allem rund um die Uni sind mir in Napoli viele Plakate aufgefallen, deren Message ich sehr sympathisch fand. In Brüssel gibt es mit „Laisse les filles tranquilles“ („Lass die Mädchen in Ruhe“) übrigens eine ähnliche Aktion.

Coole Graffiti gibts auch in Napoli!
Und schöne Schriftarten!

Das wars mit meinem Wochenende in Napoli, im besten Fall schreibe ich auch noch einen Post von meinen 25 Stunden in Rom ein paar Tage später.

Zuckersüß 321

Planänderung. Ich schreib doch wieder ein paar Worte ins Zuckersüß! Ich war nämlich vergangenen Sonntag erstmals im Weltmuseum. Dort habe ich mir zuerst die Verhüllt, enthüllt!-Kopftuch-Ausstellung (noch bis 26. Februar) angeschaut, die mir ziemlich gut gefallen hat. Die Beschreibungstexte der verschiedenen Stücke waren von unterschiedlichen Leuten geschrieben, was dem Ganzen einen sympathischen, persönlicheren Anstrich gab. Die Rolle des Kopftuchs in verschiedenen Religionen war, wie zu erwarten, ein großer Teil, aber viel interessanter fand ich, wie das Kopftuch in den 1950er und 60er Jahren zum Accessoire der anständigen Österreicherin stilisiert wurde. Es gehörte zur Trachtennode, war Teil vieler Reisesouvenirs und auch Werbesujets. Ebenfalls spannend: die „Metamorphose der Kufiya“. Bennant nach einer irakischen Stadt, wurde es in den 1970ern zum Pali-(Soli-)Tuch und ist heute weitesgehend entpolisiert. Trotzdem ist es weiterhin in Protesten zu finden. Außer Bildern, Fotos, Performance-Videos und Installationen gab es auch eine Menge verschiedener Tücher (teilweise schon an die zweihundert Jahre alt!) zu betrachten. Am allerschönsten fand ich ein über und über besticktes El Gounaa aus dem südlichen Marokko.

In der Dauerausstellung des Weltmuseums war ich ziemlich verloren, mir fehlte die Einordnung zu praktisch allen Gegenständen. Zwei Räume blieben mir aber besonders in Erinnerung: Der zur Geschichte der österreichischen Völkerkunde (katholische Priester, die mit anthropologischer „Forschung“ zu belegen versuchten, dass monogame Beziehungen gottgegeben sind?!?) und der zu Fragen des Kolonialismus und der Zukunft von Sammlungen wie im Weltmuseum.

Dann kaufte ich mir spontan Das Millenial Manifest der groschenphilosophin aka Bianca Jankovska und las es in einem Rutsch durch. In der Uni-Lehrbuchsammlung viel mir zufällig ein weiteres Manifest – Frauen und Macht – von Mary Beard in die Hände, mehr dazu dann in meinem Extra-Bücher-Post (s.a.: Bücher im Januar).

Am Dienstag bin ich dank Twitter zufällig in den Creative Writing-Workshop von F.u.C.K. geraten. Frauen, non-binary, trans und inter Personen und Computer-Kram ist allein schon ein großartiges Akronym, aber die chaosnahe Initiative dahinter erst recht. In halbwegs regelmäßigen Abständen treffen sich ein paar Leute in angenehmen, sicherem Rahmen, um ihr Wissen zu teilen, Neues zu lernen und ein bisschen zu netzwerken. Klaudia Zotzmann-Koch (die übrigens in Folge 8 meines Podcasts zu Gast war) hat uns vom Bücherschreiben, Schreibenden-Organisationen, writing prompts, der Heldenreise und anderen Plotmodellen erzählt. Und dann haben wir uns noch am free writing versucht: 10 Minuten auf Papier schreiben, ohne den Stift abzusetzen, egal was passiert. Ich stellte fest, dass ich am Ende (genau eine A4-Seite ging sich aus!) nicht mehr wusste, was ich am Anfang geschrieben hatte.

Nachdem ich mich die vorherigen Tage mit meiner BA-Arbeit geplagt hatte, die ich schon längst abgegeben haben wollte, aber die einfach nicht vorangeht, war es schön zu sehen, dass ich doch noch Sachen „herunterschreiben“ kann.

Schokoladen-Hefezopf-Brot vom März 2014

Ebenfalls gut bei Schreibblockaden: Backen um Mitternacht. Ich habe mal wieder das Schokoladen-Hefezopf-Brot von 2014 gemacht und außerdem das Kartoffelkibbeh aus Katharina Seisers Immer schon vegan ausprobiert.

Hier folgen mal meine Links der Woche, ich muss jetzt doch wieder weiter über complementizer agreement im Niederbairischen schreiben, statt über andere Sachen, die mir in den letzten Tagen begegnet sind.

Zuckersüß 321 weiterlesen

Zuckersüß 308

In dieser Woche war ich wieder beim #kunstschatzi im KHM, denn einen Cocktail spätabends im Museum kann ich mir nicht entgehen lassen. Erst recht nicht, weil der Eintritt mit Jahreskarte nichts kostet, viele Freund_innen dort sind und die Führungen kostenlos. Supercoole Veranstaltungsreihe!

Außerdem habe ich den Spanischkurs angefangen, den ich im Frühjahr beim Fotowettbewerb der Uni Wien gewonnen habe. Mal sehen, wie viel ich dort lerne, ein ähnlicher Italienischkurs hatte mich ja leider letztes Jahr nicht viel weiter gebracht als Duolingo…

zuckersuess282
Das Foto, das mir einen Platz im Spanischkurs des Instituto Cervantes verschafft hat

Am Donnerstag war ich zum ersten Mal bei einem Live-Podcast zu Gast. Das Team vom Sendegarten hatte mich nämlich freundlicherweise auf ihre Gartenbank eingeladen. Leider war der Abend voller technischer Probleme, die mich ein bisschen aus der Ruhe brachten. Mein Versuch, meine BA-Arbeit über die No Agent Idiom Hypothesis zu erklären, ging etwas schief. Die Zuckerbäckerei, meinen Podcast Lieblings-Plätzchen und Sketchnotes zu erklären viel mir da schon leichter. Glücklicherweise fiel mir auch noch spontan ein Blütenschatz ein – Anna Goldenbergs Buch „Versteckte Jahre“ auf dessen Präsentation ich vergangene Woche war. Wenn ihr wollt, könnt ihr in der 60. Folge „Cookiegarden“ hören, wie ich noch nie vom Weltmädchentag (auch am Donnerstag!) gehört habe und gefühlte 10000 Mal „tatsächlich“ sage ;)

Das vielleicht letzte Eis der Saison habe ich mir beim allerliebsten Eisgreißler gegönnt und der Herbst schlug sehr in den Aromen durch: Sturm (richtig pink!) und Zirbe sind sehr interessante Sorten.

Ansonsten habe ich noch Bravetart’s Ricotta Lace Cookies gebacken, die schmeckten wie Karamell in Keksform,  und in einer sehr langwierigen Aktion Germknödel mit Vanillesauce gekocht. Die Rezept-Posts dazu folgen in Kürze, bis dahin meine liebsten Links der Woche:

Zuckersüß 308 weiterlesen

Zuckersüß 304

Mit dem Bücher (oder Prüfungsstoff) lesen klappte es in dieser Woche leider nicht, aber dafür war ich bei mehreren *Kulturveranstaltungen*. Beim „kunstschatzi“ im Kunsthistorischen Museum wurde das ohnehin schon eindrucksvolle Gebäude mit bunter Beleuchtung, Diskokugeln, DJ und Cocktails noch beeindruckender. Ich gehe gerneins Museum, aber unter diesen Bedingungen macht es noch viel mehr Freude (wenn auch der Signature Cocktail meiner Meinung nach nix taugte). Passend zum Motto des Abends „Wild Thing“ gab es stündlich Führungen durch verschiedene Ausstellungen.

Bei der ersten, die den Titel „Wilde Kerle“ trug, erfuhr ich zum Beispiel, dass Einhörner ursprünglich eher wie „Wolpertinger“ gedacht wurden statt so knuffig und süß wie heute. In „Freestyle – Künstler auf dem Holzweg“ ging es um Peter Paul Rubens Werke auf Holz, die leicht kaputt gingen und aufwändig restauriert werden müssen. In einer Restaurierungsaktion von 1815 passierte dann sogar mal ein Fehler, den man getrost Photoshop-Fail (Shoutout an Jana) nennen könnte: Ein Fuß aus einer Skizze unter dem Gemälde wurde freigelegt und steht jetzt ohne Körper im Bild!

In der Altertumssammlung folgte ich der Tour „Die jünglingsraubende Sphinx“. Selbige steht als Statue im KHM und führte viele heroische junge Männer mit einem einfachen Rätsel ins Verderben: „Was hat am Morgen vier Beine, am Mittag zwei und am Abend drei?“ (Kommt wer von euch lieben Leser_innen auf die Lösung?).


alterlaa
*Wunderschönes* Alterlaa

Am Wochenende war Open House, auf das ich schon seit einigen Wochen hinfiebere. Bei dieser Aktion stehen ansonsten (halbwegs) private Gebäude zur Besichtigung offen. Ich wollte unbedingt mal den Wohnpark Alt-Erlaa  sehen, weshalb ich gleich am Samstagmorgen in den 23. Bezirk fuhr. Ich wäre sicher nicht *zufällig* dorthin gekommen, aber ohne Führung durch das Gelände wäre der Besuch auch nur halb so spannend gewesen.

Auf dem Dach

Dachpool
Dachpool, FTW

Eigentlich ist der Gebäudekomplex ja außerordentlich hässlich, doch die Wohnqualität darin ist so hoch, dass alle der 3000 (oder mehr?) Wohnungen vermietet sind. Jede davon hat eine Loggia oder einen Balkon, und alle Bewohner_innen können kostenlos die Pools und Saunen am Dach nutzen. Ein Einkaufszentrum, mehrere Schulen und eine Kirche (die einzige in Österreich, die nicht der Kirche gehört!) gibts dort auch noch.

Oft siehts aus, als wäre der ganze Wohnpark in den 1980ern stehen geblieben

Die U6-Station passt in ihrer Gestaltung super zum Wohnpark

Die Atmosphäre im riesigen Gebäudekomplex ist wirklich angenehm, obwohl sehr vieles enorm altmodisch wirkt. Im Rahmen der Führung durften wir Besucher_innen sogar in eine Einzimmerwohnung schauen. Daran hat mich am meisten der Balkon begeistert, in den Trögen darauf wächst nämlich nicht nur ein halbes Gemüsebeet, sondern auch kleinere Bäume.

Eingangshalle der Länderbank

Zurück in der *Stadt* schaute ich mir die Länderbank an. Die stammt von Otto Wagner, weshalb ich den Plänen dazu schon in der Ausstellung im Wien Museum (s. Zuckersüß 300) begegnet bin. Die Führung hier war nicht uninteressant, aber ich konnte mich nicht so für das Gebäude begeistern wie in Alterlaa.

Viel Tageslicht überall

Danach gings noch weiter zur WU, wo ich an einer Führung durch das Library & Learning Center teilnahm. Leider ist dort fotografieren verboten, sodass ihr entweder selbst zum Prater fahren, oder euch die offizielle Webseite anschauen müsst, um das futuristische Bauwerk von Zaha Hadid zu sehen. Im ganzen Gebäude gibt es nicht einen rechten Winkel und sehr viele Flächen sind weiß, sodass sogar ein jährliches Malerbudget zur Instandhaltung eingeplant wurde. Der Prestigebau kostete fast 500 Millionen Euro und ist seit 2013 eröffnet – jetzt sieht er noch immer sehr cool aus. Ich frage mich allerdings, ob das Gebäude in dreißig oder vierzig Jahren auch so furchtbar wirkt wie heute die Wohnblöcke in Alterlaa.

Bis es soweit ist, könnt ihr ja meine liebsten Links der Woche lesen, heute mit recht viel politischem Inhalt:

Zuckersüß 304 weiterlesen