Schlagwort-Archive: feminismus

Bücher im August

In meiner Woche auf der Alm las ich jeden Tag ein Buch – eine wirklich schöner Sommerurlaubszeitvertreib. Was ich mir zu den drei Romanen und den drei Sachbüchern gedacht habe, habe ich gleich im Anschluss in mein ipad getippt. Es folgt also der neueste Post in meiner Buchbloggerei-Serie.

Aspekte des neuen Rechtsradikalismus – Theodor W. Adorno

Von diesem Buch las ich zuerst in Margarete Stokowskis Spiegel-Online-Kolumne und setzte es dann gleich auf meine Lesesliste. Es enthält einen Vortrag des Philosophen im Wiener NIG (ein Unigebäude, in dem ich mich auch gelegentlich herumtreibe), der 1967 auf Einladung des VSStÖ stattgefunden hat. Danach folgt ein Nachwort des Historikers Volker Weiß.

Beim Lesen dieses recht dünnen Buches (der Vortrag selbst hat nur etwa 50 Seiten) stolperte ich hin und wieder über die seltsame Satzstellung. Ich weiß nicht ob das am Alter des Textes liegt oder vielleicht am Vortragsstil von Theodor W. Adorno (das Buch ist ein Transkript) – ich gewöhnte mich jedenfalls schnell daran.

In fast allen Besprechungen von Aspekte des neuen Rechtsradikalismus wird darauf verwiesen, wie aktuell sich das Buch nicht lese. Und genau diesen Eindruck hatte ich auch, als ich (gefühlt) tausend Plastik-Markierstreifen hineinklebte:

„Aber sie [diese rechtsradikalen Bewegungen] haben auf der andern Seite etwas gemeinsam mit jener Art von manipulierter Astrologie von heute, die ich für ein sozialpsychologisch außerordentlich wichtiges und charakteristisches Symptom halte, daß sie nnämlich in gewisser Weise die Katastrophe wollen, daß sie von Weltuntergangsphantasien sich nähren, so wie sie übrigens, wie wir aus den Dokumenten wissen, auch der ehemaligen Führungsclique der NSDAP gar nicht fremd gewesen sind“ (S.19f)

Während der obige Absatz nach Preppern und Reichsbürgern klingt, erinnert mich das Folgende an die Identitären oder Pegida:

„Man sollte diese Bewegungen nicht unterschätzen wegen ihres niedrigen geistigen Niveaus und wegen ihrer Theorielosigkeit. Ich glaube, es wäre ein völliger Mangel an politischem Blick, wenn man deshalb glaubte, daß sie erfolglos sind. Das Charakteristische für diese Bewegungen ist vielmehr eine außerordentliche Perfektion der Mittel, nämlich in erster Linie der propagandistischen Mittel in einem weitesten Sinn, kombiniert mit Blindheit, ja Abstrusität der Zwecke, die dabei verfolgt werden.“ (S.23)

Doch der zweite, 2019 geschriebene Teil, warnt vor Gleichsetzung der Situation damals und heute. So sei „die hellsichtig wirkende Aktualität […] mit dem historischen Zeitkern ihrer Wahrheit ins Verhältnis zu setzen.“ (S.62). Konkret macht das Volker Weiß z.B. in dieser Passage (die ich für unnötig kompliziert geschrieben halte – Popanz oder einfach Schreckgespenst…):

Häufig verschieben die von Deklassierung Bedrohten die Schuld an der Misere ‚nicht etwa auf die Apparatur, die das bewirkt, sondern auf diejenigen, die dem System, in dem sie einmal Status besessen haben […], kritisch gegenübergestanden haben‘. Jene, die andere Modelle vorschlagen, werden zum besonderen Objekt der Wut, wie die heutige Fixierung der äußersten Rechten auf eine seit Jahrzehnten weitgehend machtlose Linke zeigt. Der Popanz eines quasidikatorischen ‚links-grün-verseuchten 68er-Deutschland‘ zeigt, dass tradierte Feindbilder selbst unter völlig veränderten gesellschaftlichen Bedingungen noch ihren Schrecken entfalten können.

Adorno schließt seinen Vortrag mit einem Appell. Die Verantwortung für die Zukunft – und auch dafür, „die Massen gegen diese Tricks [der Rechtsradikalen] zu impfen“ (S.54) – liegt an uns.

Theodor W. Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus. Suhrkamp Verlag, 2019. 86 Seiten, 10€.

Vom Ende der Einsamkeit – Benedict Wells

Als ich dieses Buch las, musste ich immerzu an @ellebil’s Tweet unter dem Hashtag #dichterdran denken, der männliche Autoren durch den Kakao zog, oder eher, ihre Texte so besprach, wie es bei Autorinnen oft passiert:

Ich bin mir nicht sicher, ob es daran lag, oder ich in der Hinsicht einfach aufmerksamer wurde, aber die Frauenfiguren in Vom Ende der Einsamkeit bekamen einen schalen geschlechterklischeehaften Beigeschmack für mich. Zum Beispiel die Mutter: 

„Sie war attraktiv und grazil, hatte in ganz München Freunde und gab Dinnerpartys, zu denen auch Künstler, Musiker oder Theaterschauspieler kamen, die sie Gott weiß wo kennengelernt hatte. […] Es schien mir als Kind unbegreiflich, dass sie kein Leben als berühmte Schauspielerin führte, sonder einfach nur eine Lehrerin war. Sie selbst nahm ihre Pflichten zu Hause oft mit einem belustigen und zugleich liebevollen Lächeln hin, und erst später wurde mir bewusst, wie eingeengt sie sich gefühlt haben musste“ (S.25)

Der Roman handelt von Jules, der aus seiner Perspektive erzählt, und seinen zwei Geschwistern, die als Kinder durch einen Unfall ihre Eltern verloren haben. Über mehr als 30 Jahre hinweg blickt man als Leser_in in verschiedene Abschnitte ihres Lebens, in denen immer wieder die gleichen Personen auftauchen, Jules aber trotzdem immer einsam bleibt. Irgendwann scheint doch noch alles gut zu werden – doch das bleibt es natürlich nicht, sonst wäre es keine Geschichte. 

An diesem Buch hat mir gefallen, wie verschiedene Songs oder auch Geschichten (Bücher und „was wäre wenn“-Träumereien spielen eine große Rolle, was mich an Paul Austers 4321 denken ließ – das mir übrigens weitaus mehr Spaß gemacht hat zu lesen) immer wieder aufgegriffen wurden und deren „wirkliche“ Bedeutung erst später deutlich wurden. Doch stellenweise war mir der Roman zu pathetisch, das Ende schrecklich schnulzig:

„Als junger Mensch hatte ich das Gefühl, seit dem Tod meiner Eltern ein anderes, falsches Leben zu führen. Noch stärker als meine Geschwister habe ich mich gefragt, wie sehr mich Ereignisse aus meiner Kindheit und Jugend bestimmt haben, und erst spät habe ich verstanden, dass in Wahrheit nur ich selbst der Architekt meiner Existenz bin. Ich bin es, wenn ich zulasse, dass meine Vergangenheit mich beeinflusst, und ich bin es umgekehrt genauso, wenn ich mich ihr widersetze. […] Dieses andere Leben, in dem ich nun schon so deutliche Spuren hinterlassen habe, kann gar nicht mehr falsch sein. Denn es ist meins.“ (S.337)

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit. Diogenes, 2016. 358 Seiten, 22,70€

Die neue ArbeiterInnenklasse. Menschen in prekären Verhältnissen – Veronika Bohrn Mena

Auf dieses Buch wurde ich über die sehr aufschlussreiche Große-Töchter-Folge mit Veronika Bohrn Mena als Gästin aufmerksam. Nur kam es mir vor, als hätte ich durch das Anhören dieses Podcasts und meiner bisherigen Beschäftigung mit Arbeitsverhältnissen (s. z.B. auch Bianca Jankovskas Millenial Manifest in einem früheren Buch-Blogpost) schon das Wesentliche erfahren. Zunächst mal die einleitende Definition der Autorin:

„Prekäre Arbeit, das bedeutet also die fehlende Sicherheit in Bezug auf die Dauer des Arbeitsverhältnisses und/oder die Entlohnung im Rahmen desselben. Es bedeutet, wenig bis keinen Einfluss auf die Ausgestaltung der konkreten Arbeitssituation, fehlenden oder lediglich partiellen arbeitsrechtlichen Schutz sowie mangelhafte soziale Absicherung und kaum Chancen auf eine materielle Existenzsicherung zu haben. Prekäre Arbeit gefährdet unseren Sozialstaat, der vorwiegend durch uns Arbeitende finanziert wird. Sie raubt Menschen nicht weniger als die Perspektive und Planungssicherheit ihr Leben zu gestalten. Sie stürzt Menschen in die soziale Isolation. Sie geht einher mit einem Verlust der Sinnhaftigkeit und sozialen Anerkennung, weil die Betroffenen von der Hand in den Mund leben müssen, sich gesellschaftliche Teilhabe nicht leisten und nicht frei über ihre Zeit verfügen können“ (S.19)

Die neue ArbeiterInnenklasse ist in acht Kapitel, die jeweils ein konkretes Fallbeispiel erzählen, plus Einleitung und Epilog aufgeteilt. Dazwischen steht jeweils eine Doppelseite mit Zahlen und Fakten zu verschiedenen prekären Beschäftigungsarten, die mich teilweise ziemlich schockiert haben: so waren 87% der Hochschul-AbsolventInnen erst nach drei Jahren in einem regulären, unbefristeten Arbeitsverhältnis (S. 50), 2016 lebten 1,4 Millionen Menschen in Österreich in einem Haushalt, der unter der Armutsgefährdungsschwelle lag (S. 96) und außerdem waren 2017 nur 3% der Lehrbeauftragten an einer Universität unbefristet beschäftigt (S. 126). 

Die reportageartigen Fallbeispiele – Praktikum, Leiharbeit, Teilzeit, Niedriglohnsektoren, Freie Dienstnehmer, Befristung, EPU und kurze Arbeitsverhältnisse – machen den Hauptteil des Buches aus, doch ich fand sie insgesamt am uninteressantesten. Außerdem schienen mir die (offenbar realexistierenden) Personen etwas zu klischeehaft beschrieben, z.B. Sabine die in der Teilzeitbeschäftigung gefangen ist: „Der Sozialbereich war ihr immer schon ein besonderes Anliegen. Es ist ihr Wunschberuf, denn seit sie sich erinnern kann, wollte sie sich in ihrer Arbeit für Gutes einsetzen und damit andere Menschen unterstützen“ (S.70), oder auch „Dina ist ein fröhlicher, herzlicher und offener Mensch. Sie trägt ihr Herz auf der Zunge“ (S.144). Überhaupt enthält der Text für meinen Geschmack zu viele Floskeln.

Aus Einleitung und Epilog nahm ich am meisten mit, vor allem ärgerte ich mich aber sehr oft über die beschriebenen Ungerechtigkeiten:

„Die von der Bundesregierung beschlossene Aufhebung des Kumulationsprinzips in Verwaltungsstrafverfahren hat viel zu wenig beachtete, aber umso massivere negative Auswirkungen auf uns alle. (…) Denn wenn beispielsweise ein Betrieb 300 Beschäftigte an einem Feiertag arbeiten ließ, musste er bisher mit einer Minimalstrafe von 72 Euro pro Kopf, also insgesamt 21.600 Euro rechnen. Ohne Kumulationsprinzip müssen aber nur noch 72 Euro bezahlt werden, der Umsatz an diesem einem Tag wird hingegen weitaus höher ausfallen (…) Ein bewusster Gesetzesbruch wird sich für Unternehmen rechnerisch auszahlen, unabhängig davon, ob es sich um fünf oder Dutzende Beschäftigte handelt, die unrechtmäßig unterbezahlt oder nicht versichert werden.“ (S.166)

Und natürlich lässt sich auch der Hintergrund der Autorin – sie ist Gewerkschafterin – klar herauslesen, vor allem gegen Schluss:

„Denn ‚die Politik‘ und ‚der Staat‘ wind eben nicht dafür da, um die idealen Bedingungen für ‚die Wirtschaft‘ zu schaffen, sondern primär für uns Menschen, die von ihr leben sollen. Die Frage ist dabei nicht ob, sondern nur in welche Richtung umverteilt wird.“ (S.175)

Veronika Bohrn Mena: Die neue ArbeiterInnenklasse. Menschen in prekären Verhältnissen. ÖGB Verlag, 2018. 208 Seiten, 19,99€.

Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche – Reni Eddo-Lodge

Dieses Buch begann ich zu lesen, nachdem mir Ibram X. Kendis „Stamped from the beginning. The definitve history of racist ideas in America“ (entdeckt via Anke Gröner) durch seinen Umfang (mehr als 500 Seiten!) etwas zu einschüchternd geworden war. Reni Eddo-Lodge beginnt mit einem Kapitel über schwarze (britische) Geschichte, das mir anfangs wegen „Stamped“ ziemlich bekannt vorkam. Weiter ging es mit der Erklärung von systematischem Rassismus und White Priviledge. Feminismus, Klasse und Intersektionalität spielen ebenfalls eine Rolle.

Die Aufzählung von konkrenten Fällen der Polizeigewalt und allgemeiner Diskriminierung schien niemals zu enden, wodurch der Text stellenweise etwas monoton wurde (das zu schreiben, fühlt sich fast schlecht an, denn die geschilderte Ungerechtigkeit ist wirklich unendlich), dennoch klebte ich auch hier viele Markierstreifen in die Seiten:

„Der Maßstab für Rassismus wurde lange von den leicht zu verurteilenden Aktivitäten weißer Extremisten und Nationalisten gesetzt. Die weißen Extremisten werden von den drei großen Parteien stets rundweg verdammt. Der reaktionäre weiße Stolz, der so oft im Widerspruch zu sozialem Fortschritt steht, ist nie wirklich verschwunden. […] Wäre jede Form von Rassismus so leicht zu erkennen, zu verstehen und anzuprangern wie weißer Extremismus, wäre die Aufgabe des Anitrassisten einfach.“ (S.75f)

„Initiativen positiver Diskriminierung erfahren oft heftigen Wiederstand. Vorhaben, welche die Überrepräsentation von Weißen angehen, werden unweigerlich auf Symbolpolitik reduziert, nichts als eine Beleidigung der guten hart arbeitenden Menschen, die ihre Chefposten ausschließlich aufgrund ihrer Leistungen besetzen. […] Der Nachdruck liegt auf Verdienst, der unterstellt, dass die aktuell weiße Mehrheit in der Leitungsriege von Unternehmen allein durch harte Arbeit und ohne Hilfe Dritter zustande gekommen ist, asl wäre weiße Hautfarbe allein nicht schon ein Vorsprung, als würde sie nicht eine Vertrautheit implizieren, die einen Arbeitgeber für einen Bewerber einnimmt. […] Wir leben nicht in einer auf Leistung gegründeten Gesellschaft, und vorzugeben, dass harte Arbeit immer zum Erfolg führt, ist ein Akt vorsätzlicher Ignoranz.“ (S.90)

Die folgende Passage erinnerte mich sehr an die Debatten um die „Kölner Silvesternacht“ und Staatssekretärin Edstadler, die im Januar in einer Talkshow sagte, dass das Patriarchat in Österreich importiert sei…

„So surreal es war zu hören, wie David Cameron die patriarchalische Gesellschaft kritisierte, so war es doch keine Überraschung, dass er das Patriarchat als Gegenstück zu unserem eigenen fortschrittlichen, angeblich egalitären und leistungsbasierten britischen Selbstverständnis beschrieb.“ (S.180) 

Ich werde versuchen, mir diesen Appell zu Herzen zu nehmen:

„Aber ich glaube auch, dass Weiße, die Rassismus zugeben, eine ungeheuer wichtige Rolle spielen. Diese Rolle können sie nicht ausfüllen, wenn sie sich in Schuldgefühlen ergehen. Weiße sollten Gruppen, die die entscheidende Arbeit tun, finanziell oder organisatorisch unterstützen. Oder in heiklen Situationen als Unbeteiligte einschreiten. Sich in exklusiv weißen Umfeldern für antirassistische Anliegen einsetzen. Weiße, ihr müsst mit anderen Weißen über Hautfarbe sprechen. Ja, ihr werdet vielleicht als radikal abgelehnt, aber ihr habt nur wenig zu verlieren“ (S.215)

Reni Eddo-Lodge: Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche. Tropen, 2019. 264 Seiten, 18€.

Die Hauptstadt – Robert Menasse

Diesen Roman von Robert Menasse hatte ich in der Bücherei mitgenommen, weil ich einmal ein Interview mit Ulrike Guerot gelesen hatte, das auf ein gemeinsames Buch der beiden verwies. Die Idee eines vereinigten Europas finde ich außerdem gar nicht so schlecht – ich erwartete mir bei Die Hauptstadt ein klares Manifest dafür. Bis sich der Roman aber klar zu einer europäischen Republik positionierte, vergingen fast vierhundert Seiten.

„Konkurrierende Nationalstaaten in einer Union blockieren beides: Europapolitik und Staatspolitik. Was wäre jetzt notwendig? Die Weiterentwicklung zu einer Sozialunion, zu einer Fiskalunion – also die Herstellung von Rahmenbedingungen, die aus dem Europa konkurrierender Kollektive ein Europa souveräner, gleichberechtigter Bürger machen würde. Das war ja die Idee, das war es, wovon die Gründer des europäischen Einigungsprojekts geträumt haben – denn sie hatten ihre Erfahrungen. Aber das alles ist nicht durchsetzbar, solange das Nationalbewusstsein gegen alle historischen Erfahrungen weiter geschürt wird und solange der Nationalismus weitgehend konkurrenzlos ist als Identifikationsangebot an die Bürger.“ (S.392)

Davor gehen die vielen Figuren – alle aus verschiedenen EU-Staaten, alle mit unterschiedlichsten persönlichen und nationalen Agenden – ihrem Leben nach, das sich oft überschneidet oder historische Gemeinsamkeiten aufweist, ohne dass sie sich tatsächlich kennenlernen. Ich finde, sie sind alle sehr interessant, es sind teilweise absurde Details, die ihre Persönlichkeit nachvollziehbar machen:

„Fenia Xenopoulou saß an ihrem Schreibtisch und las. Was sie las, machte sie fassungslos. Sie konnte sehr schnell lesen, sie hatte gelernt, die Seiten geradezu zu scannen, die Informationen sofort in ihrem Kopf in Schubladen zu ordnen, aus denen sie sie bei Bedarf blitzschnell hervorholen konnte. Aber das war ein Roman. Dafür hatte sie kein Raster, worum ging es da? Was waren die Informationen, die sich als brauchbar erweisen könnten, was in Gottes Namen sollte sie sich merken?“ (S.53)

(Bevor ich mir ernsthaft vorgenommen habe, wieder mehr Fiktives und vor allem längere Geschichten zu lesen, dachte ich auch ein bisschen wie diese Romanfigur – ich las nur auf Information, und verschlagwortete alles Interessante feinsäuberlich in meinem digitalen Notizbuch. Und weil ich auch jetzt nicht recht weiß, was ich mit den Büchern, die ich lese, anfangen soll, mache ich mir hier im Blog laut Gedanken darüber und hoffe, dabei etwas zu lernen, z.B. wie eins so über etwas schreiben kann, dass auch der Meta-Text interessant ist.)

An vielen Stellen sprechen die Figuren aus Die Hauptstadt in ihrer Erstsprache, was mir persönlich bei Englisch und Französisch noch keine Probleme bereitete, bei polnisch oder griechisch dann schon. Für die Idee des Buches ist das aber nur konsequent, und manche der Figuren hatten damit ebenfalls zu kämpfen:

„Das Problem mit den Fremdsprachen, wusste Erhart, wenn man sie nicht zumindest stiefmuttersprachlich beherrschte, war, dass man immer nur sagt, was man sagen kann, und nicht was man sagen will. Die Differenz ist das Niemandsland zwischen den Grenzen der Welt.“ (S.302)

In Die Hauptstadt geht es um Machtkämpfe und Schachereien innerhalb der EU-Kommission, um die Erinnerung an die Shoah, Schweinebauern(lobby), ThinkTanks, einen Mord, Eliteunis und noch viele weitere Einzelgeschichten, die größtenteils mit der letzten Seite des Buches einfach aufhören, ohne aufgelöst zu sein. Die letzten beiden Worte verweisen immerhin vielleicht auf eine Fortsetzung: À suivre

Robert Menasse: Die Hauptstadt. Suhrkamp, 2017. 460 Seiten, 24,70€.

Makarionissi – Vea Kaiser

Vea Kaiser wollte ich im Mai beim Literaturfest Währing aus ihrem aktuellen Roman Rückwärtswalzer lesen hören, doch an diesem Abend platzte die Regierung und ich blieb doch lieber ORF-TVThek-schauend daheim. In der Bücherei schaute ich mich dann danach um und fand nur Makarionissi, das ich mitnahm, ohne den Klappentext zu lesen.

Es stellte sich als verrückte Familiengeschichte heraus, die sich von Griechenland über Niedersachsen, Niederösterreich, die USA, die Schweiz und wieder zurück nach Griechenland, genauer gesagt auf die fiktive Insel Makarionissi in der Ägäis, spinnt. Es beginnt bei der Yiayia (Großmutter) Maria Kouzis in einem kleinen Bergdorf, die ihre beiden Enkel Eleni Stefanidis und Lefti Zifkos verheiraten will, was auch passiert, aber schief geht. Die beiden und ihre Familien stehen den Rest des Buches im Mittelpunkt der Geschichte, entfernen sich weit voneinander, aber finden sich am Schluss natürlich trotzdem wieder. Der Stammbaum ist schon auf der ersten Seite abgedruckt, was einerseits irgendwie spoilert, andererseits doch wichtig ist, um nicht den Überblick zu verlieren.

Ich kenne mich nicht gut genug mit griechischer Politik, Geografie oder Mythen aus, dass ich in diesem Buch zwischen Fiktion und Realität unterscheiden hätte können. Doch eigentlich ist das auch egal, denn alle Elemente daraus, die Vea Kaiser aufgreift, fügen sich wunderbar zusammen.

Gegen Ende, als Iannis, Elenis Enkelsohn, eine größere Rolle spielt, fühlte ich mich an den großen Glander von Stevan Paul erinnert (dessen Niveau, über Essen zu schreiebn, Vea Kaiser aber nicht ganz erreicht wie ich finde): Ein einsamer Koch, der aus vormals verschmähten Zutaten Besonderes erkocht:

„Als Vorspeise räuchere ich Karpfenfilets über Erlenholz, das wird mit Wiesenkerbel, Giersch, Knoblauchsrauke, Schafgarbe, Eberraute und Beifuß auf Mangold angerichtet, den ich mit Erlenholzöl und Kräuteressig und vielleicht mit ein bisschen Senf mariniere. Als Zwischengang gibt es Lammnieren mit gegarten Taglilien und Dreierlei von der Artischocke: Artischockendreiecke natur, frittierte Artischockenböden und Artischockencreme. Als Hauptgang Wildscheinschulter, die in einem Tomaten-Rotwein-Sellerie-Fond schmort, dazu Spitzkrautsalat mit Speck und Spitzwegerichknospen in Kirschreduktion. Zum Abschluss Macadamiacreme mit Macadamiabiskuit, Rosenrhabarber, Rosenknospen, Rosenläuterzucker.“

Vea Kaiser: Makarionissi oder Die Insel der Seligen. Kiepenheuer & Witsch 2015. 464 Seiten, 20,60€.

Bücher von März bis Mai

Das mit meinen monatlichen Bücher-Blogposts hat nicht besonders gut funktioniert, der letzte erschien im März, damals hatte ich das Millenial-Manifest (Bianca Jankovska), Frauen & Macht (Mary Beard) und Instagram Signature Style (Sylvia Fritsch) gelesen. Im Januar war ich mit vier Titeln – Versteckte Jahre (Anna Goldenberg), Super, und dir? (Kathrin Weßling), Alle, außer mir (Francesca Melandri) und Immer schon vegan (Katharina Seiser) – noch ein bisschen fleißiger.

Seitdem habe ich zwar nix mehr zum Thema gebloggt, doch gelesen habe trotzdem einiges – diese Bücher sind mir(von März bis Mai, der Rest folgt irgendwann) besonders in Erinnerung geblieben und ich werde versuchen, zu beschreiben warum (pivot zum Buchbloggen??):

Helle Materie – Sina Kamala Kaufmann

Von diesem Buch und der Autorin hörte ich bei der Liveaufzeichnung von Wir müssen Reden am 35c3 zum ersten Mal. Der Osterhase (danke Mama!) brachte mir dann die Nahphantastischen Erzählungen, wie es im Untertitel heißt.

Die zwölf sehr unterschiedlich langen Kurzgeschichten beschreiben jeweils Ausschnitte aus der nahen Zukunft, von einer Stöckelquote, laut der männliche Manager in klassisch weiblichen Outfits arbeiten müssen, wenn die Frauenquote im Betrieb nicht erfüllt wird, oder von Opt-In Slavery, bei der Wohlhabende andere Menschen wie Spielfiguren durch deren Leben bewegen, sozusagen Real Life Gaming für Superreiche. Meine liebste Geschichte war wohl die vom Bundesnarren, die mir auch mit am zugänglichsten von allen erschien.

Der Bundesnarr hatte lediglich drei Mitarbeiter und die gut unterhaltene Öffentlichkeit auf seiner Seite, doch er wirkte inspirierend auf andere Staatsdiener. Seine institutionelle Einrichtung war erstaunlich unkompliziert gewesen. Eine schlichte Änderung der Bundestagsgeschäftsordnung hatte ausgereicht, um einen Bundesnarren einzuführen und, wie ausländische Medien überschwänglich kommentierten, „eine Neubelebung der repräsentativen Demokratien“ anzustoßen. (S. 103)

Und diese Passage kam mir vor, wie das Spiegel-Zahlen-Kunstprojekt in der Wiener U-Bahn-Station Karlsplatz:

Klaus [der Bundesnarr] erwirkte die Abschaffung der Toilettenspiegel im Parlament und in allen Ministerien. Das so an Putzdienstleistungen gesparte Geld wurde symbolisch für neue Frauenhäuser gespendet, denn es fehlten davon über 18.000 im Land. So viele Frauen, die Gewalt erfuhren, Hilfe suchten und keine bekamen? Er fand, weder die Innenministerin noch der Familienminister sollten ruhig schlagen können. Statt ihres Spiegelbilds bekamen die Abgeordneten und Gleichstellungsbeauftragten also jeweils die aktuelle Zahl der fehlenden Plätze angezeigt. […] Es kamen aber bald weitere Kennziffern hinzu, die durchschnittliche Klassengröße an Schulen, die Zahl der Wohnungslosen, die Anzahl der Suchtkranken, die Summe der ausgestorbenen Insekten, die Quadratmeterzahl versiegelter Bodenflächen im Vergleich zu unversiegelten, die Zahl der Analphabeten, das Bruttoinlandsprodukt, das Durchschnittseinkommen (S. 107)

Sina Kamala Kaufmann: Helle Materie. Nahphantastische Erzählungen, 2019. 176 Seiten, 14,99€

Hunger – Roxane Gay

Über/von Roxane Gay habe ich schon viel gelesen, z.B. dieses großartige Guardian-Interview zusammen mit Hannah Gadsby, und gehört, z.B. diese Rookie-Podcastfolge (in dem es danach um ziemlich esoterisches Zeug geht). Hunger. A Memior of (My) Body lag recht lang als Lektüre anderer in meiner WG herum, bis ich es endlich selbst durchlesen konnte. Und dann konnte ich das Buch kaum weglegen, obwohl es eine so schmerzhafte Geschichte erzählt.

I began eating to change my body. I was willful in this. Some boys had destroyed me, and I barely survived it. I knew I wouldn’t be able to endure another such violation, and so I ate because I thought that if my body became repulsive, I could keep men away. Even at that young age, I understood that to be fat was to be undesirable to men, to be beneath their contempt, and I already knew too much about their contempt. This is what most girls are taught – that we should be slender and small. We should not take up space. (S. 11)

Als 12-jährige vergewaltigt, isst sich Roxane Gay aus Selbstschutz einen „Panzer“ an, der sie bis heute verfolgt. Fat Shaming, Rassismus und Misogynie begleiten sie in ihrem Alltag. Sie analysiert ihre Lebenserfahrungen herrschaftskritisch und reflektiert gleichzeitig die Privilegien ihres wohlhabenden Elternhauses. Das Buch liest sich aber weit weniger sperrig als das jetzt klingt, denn Roxane Gay schreibt erzählerisch und sehr zugänglich. Das erinnerte mich an bell hooks, die mit ihren Texten explizit Klassengrenzen überwinden will.

Hunger. A Memior of (My) Body kam mir vor wie ein Fenster in eine andere Lebensrealität, das mir auch meine eigene Privilegiertheit zeigt:

Anytime I enter a room where I might be expected to sit, I am overcome by anxiety. What kind of chairs will I find? Will they have arms? Will they be sturdy? How long will I have to sit in them? […] This recitation of questions is constant, as are the recriminations I offer myself for putting myself in the position of having to deal with such anxieties by virtue of my fat body. This is an unspoken humiliation, a lot of the time. (S.184)

Roxane Gay schreibt auch über den Kampf um die eigene Handlungsfähigkeit, über Wege um die Barrieren, die die Gesellschaft für Menschen außerhalb der Norm bereithält.

From then on, I began to buy two coach seats, which, when I was still relatively young and broke, meant I could rarely travel. The bigger you are, the smaller your world becomes. (S.191)

Und obwohl das Buch voll mit unerträglich verletzenden Situationen ist, blieb zumindest mir am Ende die Hoffnung auf eine freundlichere, vielfältigere Gesellschaft.

Roxane Gay: Hunger. A Memoir of (My) Body. Corsair, 2018. 280 Seiten, £ 8,99

Desintegriert euch – Max Czollek

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich überhaupt zu diesem Buch und Autor gekommen bin, denn ich war mir sicher, es lesen zu müssen, ohne zu wissen, worum es eigentlich genau geht. In keiner Bibliothek war es verfügbar, also kaufte ich mir mein eigenes Exemplar.

Desintegriert euch stellte sich als Streitschrift heraus, die sich einerseits gut „dahinlesen“ ließ (wenn auch nicht so niedrigschwellig geschrieben wie Hunger), mich aber an sehr vielen Stellen zum „Stolpern“ brachte – mir völlig neue Perspektiven aufzeigte, die mich nachdenken ließen. Jetzt kleben sehr viele Plastik-Markierfitzelchen im Buch, nicht nur dort, wo auf weiterführende Literatur verwiesen wird.

Max Czollek greift zu Beginn das Konzept des „Gedächntistheaters“ des jüdischen Soziologen Michal Bodemann auf. Demnach dient die Erinnerung an die Shoah vor allem der Läuterung der Deutschen und der Konstruktion ihres neuen Selbstbildes:

Im Gedächtnistheater sind Juden zwar wichtig, aber wie beim Schauspiel auch geht es nicht um die Personen, sondern um die Rollen, die sie spielen – um ihre symbolische Bedeutung als Vertreter*innen der Vernichteten. Das ist nur folgerichtig, denn die Funktion des Gedächtnishteaters is nicht, jüdische Pluralität abzubilden, sondern das Versprechen auf Versöhnung für die deutsche Gesellschaft einzulösen. (S.24)

Es sind also wieder die Deutschen, die Mehrheitsgesellschaft, die bestimmt, wie „richtiges“ Jüdischsein zu sein hat. Individualität und Differenzierung hat im Gedächtnis- und Integrationstheater keinen Platz.

Diese symbolische Aufladung des Bildes von den Juden wird besonders deutlich in ihrer notorischen Einbindung in gesamtgesellschaftliche politische Konfliktlinien, die erst einmal wenig mit den Juden und Jüdinnen zu tun haben. Derzeit lässt sich das eindrucksvoll an den Mode-Redewendungen „jüdisch-christliche Kultur“ oder „jüdisch-christliches Abendland“ zeigen. Konservative Politiktreibende verwenden diese zwei Adjektive um ihr Verständnis von deutscher Tradition und Kultur vom Islam abzugrenzen. Einfach so. Die Behauptung einer jüdisch-christlichen Kultur ist natürlich maximal verlogen, denn sie verdreht die historischen Tatsachen bis zur Unkenntlichkeit. (S. 28)

Dank Max Czolleks Buch kann ich meine diffuse Abneigung gegenüber dem Integrationsdiskurs nun auch mit mehr Argumenten unterfüttern, die sogenannte „Leitkultur“ enttarnt er beispielsweise als durch und durch rassistisches Konzept:

die Inszenierung der Differenz zwischen uns und ihnen dient der Stabilisierung der Dominanzkultur. Wir behandeln Frauen gut, die anderen tun das nicht, uns liegt das Kindeswohl am Herzen, die anderen fügen ihnen bei der rituellen Beschneidung Schmerzen zu, wir essen friedlich Schweinefleisch, die anderen schächten Tiere und so weiter. Das deutsche nationale Selbstbild erzeugt sich traditionell über kulturelle Abgrenzung. Darum ist es kein Zufall, dass sich die Kulturalisierung des Integrationstheaters in einem speziellen deutschen Wort niedergeschlagen hat: der Leitkultur. (S.65)

Die Alternative zu alldem steht schon im Titel des Buchs:

Das Konzept der Desintegration fragt nicht, wie einzelne Gruppen mehr oder weniger gut in die Gesellschaft integriert werden können, sondern wie die Gesellschaft selbst als Ort der radikalen Vielfalt anerkannt werden kann. (S. 73f)

In einer Gesellschaft der radikalen Vielfalt würde ich gerne leben, glaube ich.

Max Czollek: Desintegriert euch! Hanser, 2018. 208 Seiten, 18€

Bücher im Februar

Im Februar habe ich abgesehen von gar nicht wenigen Texten zu complementizer agreement (BA-Arbeit, yay!), die hier bestimmt niemanden interessieren, drei Sachbücher gelesen. Eins davon habe ich mir spontan aus der Uni-Lehrbuchsammlung mitgenommen, eines impulsiv gekauft und das dritte verschenkt. Alle drei auf dem Foto unterzubringen war gar nicht so einfach, denn das aus der Unibib hat keinen Coverumschlag mehr und das ebook keinen Buchrücken – trotz besonderer thematischer Eignung nicht besonders instagrammable. Seis drum:

Frauen & Macht. Ein Manifest – Mary Beard

Ich war eigentlich wegen anderer Lehrveranstaltungslektüre in der Lehrbuchsammlung, da sprang mir Frauen & Macht in dreifacher Ausführung – eine offensichtliche Neuanschaffung – im Gender Studies Regal ins Auge. Weil die Sonne schien und ich nichts Dringendes vorhatte, setzte ich mich damit gleich auf die nächste Parkbank und las es von vorne bis hinten durch.

Mary Beard ist Altertumshistorikerin und hat in diesem Buch einen ihrer Vorträge verschriftlicht. Mit vielen Beispielen zeigt sie im ersten Teil auf, wie Frauen seit der Antike der Mund verboten wird und wie die Regeln „guter“ Rhetorik seit jeher Frauen aus dem öffentlichen/politischen Diskurs ausschließen.

In der fömischen Welt kommen Ovids Metamorphosen – jenes außergewöhnliche mythologische Epos über menschliche Verwandlungen (und wahrscheinlich das literarische Werk, das nach der Bibel die abendländische Kunst am stärksten beeinflusste) – immer wieder auf die Idee zurück, Frauen im Zuge ihrer Verwandlung zum Schweigen zu bringen. So wird die arme Io vom Gott Jupiter in eine Kuh verwandelt, so dass sie nicht mehr sprechen, sondern nur noch muhen kann. Die geschwätzige Nymphe Echo hingegen wird damit bestraft, dass ihre Stimme nicht mehr ihr gehört, sondern nur noch ein Instrument ist, um die Worte anderer zu wiederholen. (S.20)

Was ich vor diesem Buch auch nicht wusste: Die berühmte „Ain’t I A Women“-Rede von Sojourner Truth, Ikone der US-amerikanischen Anti-Sklaverei-Bewegung, stammt in der überlieferten Form wahrscheinlich nicht von ihr selbst, da sie als Ex-Sklavin aus dem Norden wohl keinen Südstaaten-Akzent hatte (S. 32).

Im Zweiten Teil fragt Mary Beard, wie weibliche Macht aussieht und gelesen wird (hint: sehr oft männlich). Frauen wird Macht nicht wie Männern unhinterfragt zugestanden, weshalb die schlangenlockige, mächtige und letztlich geköpfte Medusa als Karikatur heutiger Politikerinnen herhalten muss.

Mit dem Altertum und besonders antiken Mythen kenne ich mich kaum aus und ich hatte beim Titel dieses Buchs auch nicht damit gerechnet, dass es darum gehen würde. Insofern war Frauen & Macht eine angenehme Überraschung: Ich habe in kurzer Zeit Einiges dazugelernt – und das ohne mich besonders anzustrengen, denn der schmale Band enthält viele Abbildungen und leere Seiten.

Mary Beard: Frauen & Macht. S. Fischer, 2018. 112 Seiten, 12,40 €

Das Millenial Manifest – Bianca Jankovska

Bianca Jankovskas Blog groschenphilosophin habe ich seit Juli 2016 im RSS-Reader. Damals las ich mich an ihren Erasmuss-Beiträgen (sie hat auch Publizistik in Wien studiert) fest und schrieb sie in die Liste lesenswerter „Tagebuch“-Blogs, mittlerweile hat sich ihre Internetpräsenz thematisch und in der Form ziemlich gewandelt. Sie bespielt Instagram gekonnt wie kaum jemand anderes und ist mit Newsletter und Paywall-Podcast immer on brand.

Ich muss mich relativ oft ärgern, wenn ich Texte von Bianca Jankovska lese, vor allem was Podcasts angeht (ein Podcast hinter einer Paywall bei steady entspricht nicht meiner Auffassung dieses Mediums und ich bleibe außerdem anders als die Autorin #teamlaberpodcast). Trotzdem entfolge ich ihr nicht, denn sie hat viel Spannendes zu sagen und postet oft interessante Empfehlungen zu Texten und Büchern anderer Autor_innen. Genau aus diesem Grund ging ich vor einiger Zeit auch in die Buchhandlung um die Ecke und griff zielstrebig nach dem Millenial Manifest.

Mit Teil eins, Kann das Liebe, oder ist das weg? konnte ich wenig anfangen. Es geht sehr anekdotisch um Social Media-Etikette, vor allem Instagram, und Beziehungen „heute“. Der zweite Teil, Willkommen in der Ellbogengesellschaft, der den Wandel der Arbeit thematisiert, interessierte mich schon mehr. Bianca Jankovska bringt viele Situationen auf den Punkt, die mir oder meinem Umfeld – Millenials, ja eh – schon häufig begegnet sind:

Warum hatte ich mich noch gleich so angestrengt, wenn es im Endeffekt keinen Unterschied machen würde, ob ich tatsächlich etwas leistete oder einfach nur freundlich auf dem Bürostuhl saß und den Mindestaufwand verrichtete? (S. 104)

Denn wenn es eines gibt, das Praktika-Ausschreibungen nicht enthalten, dann ist es eine Anleitung dafür, wie man die nächsten ein bis sechs Monate von dem Witz eines Gehalts überleben soll, während die Mieten in mittelgroßen deutschen Städten auf bis zu 600 Euro pro WG-Zimmer angestiegen sind. (S. 127)

Im dritten Teil, Namaste my ass, spielt Instagram wieder eine große Rolle: Selbstdarstellung, unreflektierte Travel-Instagrammerinnen und Privilegien:

Ich würde wirklich gerne wissen, ob Yoga auch gegen Armut, Gewalt in der Familie, Krankheiten, bevorstehende Operationen, Tod der Eltern, Kündigung, Rentenrückzahlungen, Versicherungsschäden und Alkoholprobleme hilft. Kann man mit Achtsamkeit, Selbstliebe, Me-Time und Dankbarkeit seit neuestem die Miete zahlen? Ja, vielleicht gleich Krebs mit dazu heilen? Ach so, wahrscheinlich ist man sogar noch selbst dran schuld. (S.201)

Das Millenial Manifest habe ich in einem Rutsch durchgelesen. Es fühlte sich allerdings nicht so sehr an wie ein Sachbuch, sondern eher wie eine Aneinanderreihung von Artikeln, die für bento, zett oder ähnliche Portale optimiert sind. Jeder einzelne davon ist richtig griffig betitelt (auch catchy Zitate hat die Autorin wirklich drauf!) und die Memes („Irgendeine Headline im Internet, 2018“, „Jeder Travel-Blogger, jemals“, „Irgendein WhatsApp-Gruppenchat“), die manche Kapitel einleiten, könnten nicht besser passen. Für viele Millenials also wohl genau das Richtige (Backcover: „Kämpferisch und unterhaltsam bringt Jankovska das Lebensgefühl der Millennials auf den Punkt“). Ich finde mich nur leider weder in dieser Häppchen-Präsentation (außer #teamlaberpodcast bin ich auch #teamlongread, wie meine Linksammlungen zeigen) noch in vielen der angesprochenen Themen wieder.

Übrigens war Bianca Jankovska mal im heul nicht, mach doch – Podcast (der leider keine gescheite Episodenseite zum drauflinken hat) zu Gast, wo sie mit der Gastgeberin Kato das Branding der Instagram-Berühmtheit Jenna Kutcher zerlegt.

Bianca Jankovska: Das Millenial Manifest. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2018. 240 Seiten, 10,30 €

Instagram Signature Style & Content Strategie. Anleitung & Workbook – Sylvia Fritsch

Dieses ebook habe ich via Bianca Jankovskas Instagram-Story entdeckt und als interessantes Geburtstagsgeschenk für eine liebe Person identifiziert. Für mich selbst hätte ich es wohl nicht gekauft, denn für die doch recht happigen 30 € interessiert mich das Thema zu wenig. Gelesen habe ich es am Ende trotzdem, allerdings ohne die Übungen zu machen.

Der Ratgeber, der in seiner Ästhetik schon sehr instagrammy (viel pastellrosa, Ananas, Pantone-Kärtchen, Blumen und Grünzeug…) ist, ist in vier Kapitel gegliedert: Branding, Content, Styling und Planung. Die Themen werden ziemlich niedrigschwellig eingeführt und dank der Übungen ist die Theorie – hauptsächlich Marketingsachen wie Personas, Brand Awareness, Kund_innen-Bindung usw – einfach anzuwenden. Außerdem präsentiert Sylvia Fritsch ein paar nützliche Software-Tipps (Later z. B. nutze ich selbst, seitdem ich 2014 in Marokko den Instagram-Account von Migrants du Monde betreut habe), beispielhafte Accounts und viele Content-Ideen, die Leser_innen auf ihr eigenes Themengebiet umlegen können.

Viele der Konzepte in diesem ebook kannte ich schon, denn Einiges davon war *früher* so auch schon für Blogoptimierung zu lesen (Regelmäßigkeit, Redaktionspläne, eigene Stimme/Stil finden) und das Marketingzeug ist mir neulich in einigen Uni-Seminaren untergekommen.

Nach dem Lesen dieses Buchs ist mir allerdings erst recht die Lust vergangen, den Instagram-Account (bis heute ohne die Business-Features/Statistiken der Plattform) der Zuckerbäckerei strategisch zu optimieren. Ich bin nicht (finanziell) auf Follower_innen-Wachstum angewiesen, das Ideale-Postingzeiten und Beste-Hashtag-Kombi-Hokuspokus fand ich schon immer schrecklich. Instagram gut/erfolgreich zu bespielen ist eine sehr zeitaufwändige Angelegenheit, die aktuell nicht für mich in Frage kommt.

Ich sehe keinen Grund, Stockfotos mit catchy captions zu posten, nur um immer im gleichen Farbschema zu bleiben. Ich werde auch keinen E-Mail-Newsletter starten, um meine Follower_innen an mich zu binden (mein Herz schlägt für frei zugängliche Inhalte im dezentralisierten Web, aka Blog). Die Captions meiner Blogpost-Ankündigungen (und mehr poste ich im Zuckerbäckerei-Instafeed praktisch nicht) werde ich in Zukunft zwar mehr mit „Instagram First“-Haltung schreiben, aber das wars dann auch. Sollte ich mir das allerdings doch irgendwann anders überlegen, werde ich auf dieses ebook zurückgreifen.

Ebook hin oder her, die Autorin postet als @sylvia_fritsch auf Instagram auch so regelmäßig interessante Sachen zum Thema Branding und PR.

Sylvia Fritsch: Instagram Signature Style & Content Strategie. Anleitung & Workbook. 50 Seiten, PDF, 30 €

Zuckersüß 303

Wie letzten Sonntag angekündigt, blieb ich für eine ganze Woche offline. Mit drei kurzen Ausnahmen – mein Telefon wählte sich nämlich auf Berggipfeln ins Netz und ich konnte ein paar Tweets lesen. Mangels Strom (Solaranlagen funktionieren halt auch nur, wenn die Sonne scheint) stieg ich bald auf Papierbücher um und las gleich vier davon. Meine Ferienlektüre war ziemlich feministisch: Mehr Kopf als Tuch (Amani Abuzahra), Unspeakable Things (Laurie Penny), Wenn Männer mir die Welt erklären (Rebecca Solnit) und Ich bin kein Sexist, aber (Yasmina Banaszczuk, Nicole von Horst, Jasna Strick und Mithu M. Sanyal). Zu Virginia Woolf’s A Room of One’s Own kam ich nicht mehr und Sylvia Plaths The Bell Jar habe ich schon im letzten Zuckersüß beschrieben.


Die Textsammlung Mehr Kopf als Tuch war mir vor einiger Zeit auf Instagram begegnet und praktischerweise in der Bücherei erhältlich. Innerhalb eines einzigen Tages las ich mich durch die elf Artikel, die Amani Abuzahra zusammengetragen hat. Muslimische Frauen aus dem deutschsprachigen Raum schreiben über Alltägliches und Strukturelles und auch wegen der Unterschiedlichkeit der angesprochenen Themen fühlte sich das Buch irgendwie wie ein Blog an. Tatsächlich habe ich die Blogs bzw. Social Media Accounts einiger Autorinnen schon länger abonniert, z.B. Kübra Gümüşay, Dudu Kücükgöl (die offenbar leider ihr Twitterprofil deaktiviert hat), Nadia Shehadeh und Soufeina Hamed. Die ersten zwei habe ich auch bei Vorträgen schon gehört, Kübra Gümüsay prägte mit Organisierte Liebe sogar ein re:publica-Motto. So platt es klingt – ich habe mit den elf Artikeln einige neue Perspektiven gewonnen. Ich hatte zum Beispiel noch nie darüber nachgedacht, dass es für sichtbare Musliminnen in den Straßen des  ach-so-gefährlichen 10. Bezirk Wiens viel angenehmer sein kann, als in „nobleren“ Gegenden – einfach, weil sie dort als „normal“ durchgehen und nicht besonders auffallen.


Laurie Pennys Unspeakable Things liegt schon seit mehr als einem Jahr bei mir herum, und obwohl ich ihre Texte praktisch ausnahmslos super finde (mein Lieblingsartikel ist jetzt recht genau drei Jahre alt), habe ich es nie durchgelesen. Dieses Mal konnte ich es aber nicht mehr weglegen und Laurie Pennys Wut auf das Patriarchat (und den Kapitalismus), die sie explizit nicht kaschiert, aber doch mit Lösungsvorschlägen kombiniert, steckte mich an. Sie ist ziemlich radikal, persönlich und nimmt niemals ein Blatt vor den Mund – ihre Absätze enden oft unerwartet zynisch und bleiben dadurch wie spitze Stacheln der Ungerechtigkeit im Gedächtnis:

It should not, therefore, be as difficult as it is to explain to the average human male that while you, individual man, going about your daily business, eating crisps and playing BioShock 2, may not hate and hurt women, men as a group – men as a structure – certainly do. I do not believe that the majority of men are too stupid to understand this distinciton, and if they are, we really need to step up our efforts to stop them running almost every global government. (S. 68)

In fünf Kapiteln spannt sie den Bogen von ihrer eigenen Vergangenheit mit Esstörungen, „verlorenen Jungs“ in der Männlichkeitskrise über Sexismus im Internet zu Liebe als oft ausbeuterisches Verhältnis. An einigen Stellen fand ich Anknüpfungspunkte zu meiner eigenen Biografie, vor allem was das Internet angeht (wobei ich glücklicherweise von schlimmen sexistischen Shitstorms bisher verschont blieb):

[…] I learned how to be a writer online, and so did millions of other women all over the world. And not just how to write, but how to speak and listen, how to understand my own experience and raise my voice. I educated myself online. Grew up online. And on blogs and journals and, later, in the pages of digital magazines, I discoverd that I wasn‘t the only pissed-off girl out there. The Internet made misogyny routine and sexual bullying easy, but first it did something else. It gave women, girls and queer people space to speak to each other without limits, across borders, sharing stories and changing our reality. (S. 157)

Mein liebstes Zitat, das ich außerdem für halbwegs zugänglich halte und deshalb Menschen, die in der Thematik der (versteckten) Geschlechterhierarchien nicht so bewandert sind, ans Herz legen werde, ist folgendes:

„Men grow up expecting to be the hero of their own story. Women grow up expecting to be the supporting actress in somebody else‘s.“ (S. 216)

Ich habe auch noch Laurie Pennys neuestes Buch, Bitch Doktrin (leider übersetzt und nicht in der Originalfassung) daheim, ich denke, ich werde es bald anfangen!


Als nächstes las ich Rebecca Solnits Wenn Männer mir die Welt erklären. Das hatte ich nur deshalb ausgeliehen, weil ich vor kurzem irgendwo über den Namen der Autorin gestolpert war. Gleich nach Laurie Pennys mitreißender Kampfansage kamen mir die Texte darin regelrecht fad vor. Ich hatte auch eher mit einem durchdachten Gesamtwerk gerechnet denn mit einer losen Essaysammlung ohne Übergänge und mit vielen Dopplungen. Ich fand es zwar spannend, den titelgebenden Text zu lesen, weil in dessen Zusammenhang der Begriff „mansplaining“ entstanden war und dementsprechend oft darauf verwiesen wird. Der Rest hingegen war entweder nicht mehr aktuell (im Text zu Strauss-Kahn ging es um Argentinien und Venezuela, die sich aus den Fesseln des IWF befreien konnten – letzteres ist zur Zeit nicht unbedingt Musterbeispiel für einen gesunden Staatshaushalt), verwirrend oder eine oberflächliche Behandlung von Themen, die ich woanders schon ausführlicher gelesen habe. Schade!


Zuletzt nahm ich mir noch einen schmalen Band vor: „Ich bin kein Sexist, aber“. Sexismus erlebt, erklärt und wie wir ihn beenden vereint vier Essays von Frauen, die mit #aufschrei zu tun hatten. Nicole von Horst (@vonhorst) beginnt die Textsammlung mit Überlegungen zum Platz, den sich Frauen in Gesprächen und im öffentlichen Diskurs nehmen (trauen). Ihre Zwischenüberschriften – allesamt Zitate aus Büchern und Blogposts- muss ich unbedingt noch nachgoogeln. Yasmina Banaszczuk (@lasersushi) erzählt von Sexismus am Arbeitsplatz und wie er Machtungleichgewicht herstellt. Jasna Strick (@tugendfurie) schreibt über den Backlash der auf #aufschrei folgte und Mithu Sanyal (@Msanyal) geht sehr theoretisch an das Thema heran – ihren Text fand ich stellenweise recht anstrengend.

Weil ein #aufschrei nicht reicht von Anne Wizorek, die auch mit der Erfindung des Hashtags zu tun hatte, habe ich schon vor ein paar jahren gelesen und zu einem meiner liebsten feministischen Sachbücher auserkoren. Das Buch der anderen Initiatorinnen geht viel mehr auf den Hashtag selbst ein (jedenfalls, wenn ich mich recht erinnere) und erschien relativ bald nach dem das Thema hohe Wellen geschlagen hatte. Damals habe ich nur am Rande davon mitbekommen, sodass ich diese Einordnungen jetzt gerne gelesen habe.


Und weil so viel Bücher nicht reichen, war ich auch noch im Museum: Zuerst im Salzbergwerk Bad Dürnberg. Dort kann man – gut eingewickelt in große Schutzkleidung – eine mehr als einstündige Führung durch die Stollen, die in Teilen schon von den Kelten gegraben wurden, mitmachen. Mit gut zwanzig Euro ist die ziemlich teurer, aber das Programm ist mit einer Bergbahn-Fahrt, zwei Holzrutschen und einer Bootsfahrt über einen unterirdischen Salzsee schon cool. Unter der Erde passiert man sogar mal die Grenze nach Deutschland und sieht in mehreren Filmen, wie Salzabbau im Laufe der Zeit funktionierte. Mit dem Ticket kommt man auch gratis ins Keltenmuseum im nahegelegenen Hallein. Dort kam ich in mehr als eineinhalb Stunden nicht über das Erdgeschoss hinaus, doch die beiden Ausstellungen dort sind sehr gut gemacht. Zeitsprünge-Ursprünge sieht man an, dass sie aufwändig und vor nicht langer Zeit konzipiert wurde. Beginnend mit der heutigen Zeit gelangt man in der Ausstellung zurück bis in die vorrömische Zeit und was sich damals in der Salzburger Gegend abgespielt hatte. Die Austellung ist mit futuristischen Schaukästen und vielen Klappen, die man öffnen kann sehr interaktiv gestaltet. Ich hatte auch meine Freude mit dem „Urgeschichte-Wurm Kurt“, der Angebote für Kinder markiert, z. B. eine mechanische Waage mit Gewichten, bei der man die Grundeinheit der Kelten herausfinden kann, oder Suchrätseln für die Vitrinen.

Die aktuelle Sonderausstellung im Keltenmuseum beschäftigt sich mit der Himmelscheibe von Nebra, von der ich vorher noch nie gehört hatte. Diese Bronzeplatte wurde vor etwa 4000 Jahren aus Kupfer aus dem Salzburger Land hergestellt und vor gut 20 Jahren in der Nähe der Stadt Nebra in Sachsen-Anhalt gefunden. Sie gilt als eine der ältesten Himmelsdarstellungen der Welt und wurde zeitweise sogar als Umrechnungsmittel zwischen Mond- und Sonnenkalender benutzt. Die Ausstellung ist ebenfalls sehr modern aufgemacht, großformatige Fotos zeigen auch die archäologische Aufarbeitung des Fundes.


Jetzt habe ich meine Linksammlung wirklich genug verzögert (es ist schon Mittwoch!), deshalb hier meine Empfehlungen der Woche: Zuckersüß 303 weiterlesen

Zuckersüß 278

In dieser Woche war ich sogar zweimal im Kino und vergangenen Montag auch, ohne es hier zu erwähnen (schon wieder was vergessen!). Mit The Shape of Water und Call me by your name habe ich zwei Oscar-Filme gesehen, die ich beide ziemlich mochte. Sie haben teilweise recht witzige Parallelen, wie mir auffiel. Beide erzählen eine Liebesgeschichte (ok, nicht so außergewöhnlich), räumen Sprache einen besonderen Stellenwert ein und: zeigen mehrmals gekochte Eier! In ersterem verliebt sich eine Frau in ein Wasserwesen, in letzterem ein Jugendlicher in den Studienassistenten seines Vaters. The Shape of Water lebt von der Gebärdensprache der stummen Protagonistin, in Call me by your name gibts durchgehendes Code-Switching zwischen Englisch, Französisch und Italienisch, inklusive kurzem Abstecher ins Deutsche. Und die gekochten Eier – keine Ahnung, was man da hinein interpretieren könnte.
Auch die entsprechenden Soundtracks finde ich super, sie liefen bei mir die halbe Woche in Dauerschleife. Müsste ich mich zwischen diesen beiden für einen Favoriten entscheiden, wäre es trotz allem Call me by your name. Die Geschichte ist einfach so schöööööön, außerdem gibt es keinen Bösewicht und nicht eine homophobe Reaktion – zur Abwechslung mal ein Film der trotz mangelndem Happy End ein gutes Gefühl hinterlässt.

Jusqu’à la garde, der am Donnerstag im Rahmen einer der vielen Frauenkampftags-Veranstaltungen in Nancy gezeigt wurde, ist dagegen alles andere als ein Wohlfühlfilm. Er thematisiert sehr drastisch häusliche Gewalt und die Auswirkungen auf die Betroffenen. Im Anschluss an die Vorstellung organisierte die NGO Osez le feminisme eine Diskussionsrunde, die den Film mit den Erlebnissen Anwesender und möglicher Handlungsstrategien verwob. Ich hoffe wirklich sehr, diese niemals in meinem Umfeld nötig werden…

Den ganzen Donnerstag verbrachte wegen eines Uni-Ausflugs (Klassenfahrtsfeeling!) in Strasbourg, wo ich in drei Museen war. Einen Großteil meiner Eindrücke habe ich in meiner Insta-Story festgehalten (also zumindest bis mir der Akku ausging), maßgeblich inspiriert (aber viel weniger lustig) von Ines Häuflers Museums-Social-Media-Aktivitäten. Sie tinderte sich am Mittwoch durchs KHM:

Vermutlich schreibe ich darüber auch noch einen eigenen Post, aber so viel schon mal vorher: Geht UNBEDINGT ins Musée historique, falls ihr in Strasbourg seid – es ist eines der spannendsten Museen, in dem ich jemals war. Es ist durchgehend dreisprachig (Französisch, Deutsch, Englisch), super interaktiv und hat einen tollen, hörspiel-haften Audioguide, der nicht einmal zusätzlich kostet!

Und dieses Wochenende war ich dann nochmal unterwegs, auf der ersten „organisierten“ Busreise meines Lebens (einmal abgesehen von Schulausflügen). Was ich in Liège alles gesehen habe, erzähle ich ein andermal, hier folgen erstmal meine liebsten Links der Woche:

Zuckersüß 278 weiterlesen