Archiv der Kategorie: Reise

Neues aus Nancy 2

In meinen fast vierzehn Monaten in Marokko gelang es mir nicht öfter als zweimal (Neues aus Marokko I und II) ein paar Erlebnisse aus meinem Alltag aufzuschreiben, einmal abgesehen von den Geschichten, die in meinen Rezeptposts Platz fanden.

Die Anzahl der neuen Rezepte hier wird sich in den nächsten Monaten mangels Ofen stark in Grenzen halten, aber immerhin habe ich von Anfang an, schon im letzten Zuckersüß, festgehalten, was mir so passiert ist.  Die Geschichten der ersten Woche an der Uni Lorraine sprengen aber die Grenzen meiner sonntäglichen Linksammlung, also mache ich einfach einen eigenen Post daraus:

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Eine Reise nach Prag

Ich war innerhalb von drei Monaten zweimal in Prag, seit meinem letzten Besuch sind schon wieder fünf Wochen vergangen – Zeit für einen Reiseblogpost also!

Die Stadt ist von Wien aus ziemlich gut erreichbar, ich habe mir über die tschechische Bahn einen günstigen Nachtzug für die Hinfahrt gebucht. Der Luxus dieses 3-Liegen-Abteil hat mich überrascht: Kleines Waschbecken mit Handtuch, Bett mit bereits überzogener Decke, eine (zwar geteilte, aber tadellose) Dusche und ein Willkommenspaket mit Schlafmaske, Ohrstöpseln und Pantoffeln. Nicht zu vergessen das Frühstück: drei Scheiben Brot, Butter, Marmelade, ein Keks, Orangensaft und Tee!

Tram
Die alten Trams der Stadt sind noch knuffiger als die in Wien! (Foto vom Oktober)

Die Ankunftszeit des Nightjet ist doch recht früh angesetzt (sechs Uhr morgens!) doch selbst zu dieser frühen Stunde war die Schlange am Öffi-Schalter (Automaten verkaufen nur Einzelfahrten, keine Zeitkarten) schon sehr lange. Weniger Tourist_innen wurden es im Laufe des Tages auch nicht.

Veitsdom
Der Veitsdom in der Prager Burg (Foto vom Oktober)

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Zuckersüß 273 – Neues aus Nancy!

In der vergangenen Woche habe ich einmal wieder viel zu viel auf einmal gemacht. Ich habe Prüfungen geschrieben, Abschied gefeiert und war im Botanical Garden etwas trinken. Und zwar drei (ich war lange da!) wahnsinnig gute Cocktails. Als erstes den Beetroot Smash, mit Gin, Basilikum, und wie der Name schon sagt, schaumigem Rote-Bete-Saft. Als nächstes einen mit Espresso, Wodka und Mohnsirup und zuletzt „Slutty Alice“. Leider kann ich mich dabei schon nicht mehr an die Zutaten erinnern, die coole Servierform (Glasflasche mit bunten Federn) landete aber in meiner IG-Story, womit ich sie nicht so schnell vergesse. Die Bar unter dem Café Stein ist nicht unbedingt günstig und bei voller Besetzung  (reservieren schadet nicht!) auch ziemlich laut, aber ich würde sie sofort weiterempfehlen. Die Cocktails sind super lecker, die Popcorn mit Rosmarin und das Personal sehr freundlich.

Und dann am Mittwoch – jetzt kommt der spannende Teil – habe ich den Nachtzug nach Frankfurt genommen, um Donnerstag Mittag in Nancy aufzuschlagen. Hier verbringe ich nämlich die nächsten Monate für ein ERASMUS-Semester. Ich hatte mich schon sehr auf den Zeitpunkt des Ankommens gefreut, weil dann der supernervige Papierkram endlich eine reale Entsprechung hätte. Leider gings mit dem Papierkram erstmal weiter und das bestimmt auch noch ein paar Wochen. Ich habe jedenfalls zum ersten Mal in meinem Leben ein Wohnheimszimmer bezogen und bin (noch?) nicht ganz überzeugt. Der etwas „gebrauchte“ Zustand des Zimmers selbst stört mich eigentlich nicht, aber ein nicht-funktionierender (eigener) Kühlschrank und die „Küche“ deprimieren mich als Foodbloggerin schon ein bisschen. Die „Küche“, das sind zwei Induktionsplatten, eine Spüle, eine Mikrowelle, ein Mülleimer sowie ein Tisch mit zwei Stühlen für meine Etage und die darunter. Yay.

Einen Wasserkocher, einen Teller, Besteck, Plastikschüsseln und ein paar Grundvorräte habe ich mir mittlerweile besorgt. Doch meine Mikrowellen-Kochversuche am ersten Abend ließen mich gleich zum Salatessen übergehen. Fertiggerichte (wenn auch nur „halbe“, wie Mikrowellen-Reis) sind einfach nicht mein Ding. Und ich befürchte, das Resto Universitaire auch nicht so, denn eine vegetarische Option gab es zumindest am Freitag nicht. Dafür ist es unschlagbar günstig: 3,25€ für fünf Komponenten. Das sind ein Vorspeisensalat, Joghurt oder Dessert, eine Frucht, eine Semmel sowie eine Hauptspeise mit Fleisch/Fisch und Beilage. Für mich ist das Ganze ziemlich ungeeignet, denn im Salat ist wohl meistens rohes Gemüse (gegen das ich allergisch bin), das rohe Obst fällt aus dem gleichen Grund flach und die Hälfte der Hauptspeise esse ich auch nicht (#firstworldproblems). Aber dann muss ich mir eben einen *supergünstigen* Induktionskochtopf kaufen und Nudeln essen.

Was mich noch ziemlich schockiert hat, ist das WLAN-Netzwerk im Wohnheim (hier eine technische Abhandlung über die Funktionsweise, vielleicht versteht sie im Gegensatz zu mir jemand von euch?) . Es funktioniert nur, wenn man im Browser Pop-Ups und Drittanbieter-Cookies aktiviert und trennt sich bei Nicht-Aktivität  (*super* für Downloads/Uploads) von selbst. Außerdem ist es nicht mit Mobilgeräten zu benutzen! Glücklicherweise gibt es hier auch eduroam, dass ich (zwar mit einigem Herumbasteln an den Netzwerkeinstellungen, aber immerhin zuverlässig auf allen Geräten) mit meinem Uni-Wien-Account nutzen kann. Meine Bloggerei (und mein allgemeiner Gemütszustand) ist gerettet!

In der Stadt bin ich nur ein bisschen spazieren gegangen, beizeiten nehme ich mal meine Kamera mit und schieße ein paar Fotos davon. Und die Uni beginne ich erst morgen (um acht Uhr morgens, wie furchtbar), mehr dazu also irgendwann später. Allerdings war ich vor zwei Jahren schon mal kurz in Nancy, genaueres dazu ist hier nachzulesen.

Hier folgen derweil meine Lieblingslinks der Woche: Zuckersüß 273 – Neues aus Nancy! weiterlesen

Eine Reise nach Paris

Mein Sommer bestand gefühlt nur aus Reisen (ganz schlimmes #firstworldproblem, ich weiß)! Im August war ich zum ersten Mal in meinem Leben in Paris und habe, ähnlich wie in New York, sämtliche touristischen Hotspots abgeklappert. Alles, was mir dazu jetzt noch einfällt und außerdem nützlich oder auch nur interessant für euch sein könnte, habe ich hier für euch aufgeschrieben:

Eiffelturm

Bekanntestes Symbol der Stadt ist unbestreitbar der Eiffelturm, der bei Dunkelheit zu jeder vollen Stunde zu „glitzern“ beginnt. Für einen Ausblick von oben waren mir die Warteschlangen zu lang, aber ein Blick auf den Eiffelturm ist eh viel schöner.

Das Foto habe ich vom Arc de Triomphe aus geschossen, der auch spätabends noch geöffnet ist. Nach obligatorischen (aber nicht allzu langen) Warteschlangen und Sicherheitskontrollen muss man sehr viele Stufen in einem engen Treppenhaus bestreiten, bis man sich des tollen Blicks über die Pariser Innenstadt erfreuen kann.

Treppenhaus Arc de Triomphe

Die Stadt der Liebe hat ihr Wahrzeichen außerdem so erfolgreich geframed, dass Hochzeitsfotos davor trotz dichtem Innenstadtverkehr erstrebenswert sind, wie dieses Paar beweist:

Hochzeitsfotos

Ebenfalls ein superbeliebtes Fotomotiv: Die Mona Lisa im Louvre.

mona lisa

Wegen Ines Häuflers Blogbeitrag zu Technik in Museen habe ich mir in der Sicherheitskontrollen-Warteschlange des Louvre erst einmal die Museums-App heruntergeladen. Anschließend musste ich mir größte Mühe geben, damit nicht so überfordert zu sein wie ich das von Live-Twittern bei Konferenzen bin. Vorsichtshalber (ich weiß ja, dass ich vergesslich bin) habe ich meine Erlebnisse im Louvre trotzdem in einen Tweet-Thread gepackt:

https://twitter.com/jasowies_o/status/901729850809094144

Die App ließ mich zu Beginn ein „Profil“ mit meinen Interessen, geplanter Aufenhaltszeit, etc anlegen und schlug mir eine geeignete Route durchs Museum vor. So landete ich in der super interessanten (und ruhigen) Ausstellung zu islamischer Kunst, in der ich mich fast zwei Stunden umschaute. Die technische Umsetzung – beleuchtete, animierte Landkarten und Erklärvideos zu einzelnen Ausstellungsstücken – ist sehr gelungen. Besonders cool fand ich die Gedichte, die in Originalsprache, Französisch und Englisch an Säulen geschrieben standen und gleichzeitig aus diesen vorgetragen wurden.

Leider war mein Anspruch durch diese Ausstellung viel zu hoch, als ich der App Richtung Mona Lisa folgte. Diese Navigationsfunktion war neben der Orientierung zu Beginn das für mich einzig nützliche an der App, Audioguides waren nämlich nicht gratis (und ich war zu faul, mich im Funkloch im Untergeschoss des Museums mit Bezahlungsmodalitäten herumzuschlagen) und Zusatzinfos auch keine darin.

louvre

Enttäuscht war ich dann aber vor allem von allen anderen Ausstellungen, die ich durchquerte. An ernsthaftes Anschauen war wegen der Menschenmassen und der Bahnhofshallen-Atmosphäre nicht zu denken. Nachdem ich als EU-Bürgerin unter 27 aber keinen Eintritt bezahlt habe, hatte ich zumindest keinen finanziellen Verlust. Außerdem hatte ich beim ersten Teil meines Besuchs meine Freude und ein bisschen Technik-Testen habe ich auch betrieben. Ich fühlte mich fast wie beim Techniktagebuch!

Sainte Chapelle

Eindeutig die schönste Kirche meines Besuchs (zumindest von innen): Die Sainte Chapelle mit ihren beeindruckenden bunten Glasfenstern. Ich glaube für Menschen, die nicht EU-Bürger_in und/oder über 27 sind, kostet sie jedoch mehr als 10€ Eintritt. Und ob eine Kirche mit ca. fünf Hinweistafeln das wert ist, muss jede_r selbst entscheiden (ich glaube würde mich eher woanders umschauen).

Nicht weit entfernt und ungleich überlaufener: Notre Dame hinter herbstlichen Kastanien.

Metro Concorde

Das U-Bahn-System in Paris ist ganz anders als das in Wien. Dafür, dass die nächste Station nirgends weiter als 500 m entfernt ist, sind die Fußwege unter der Erde auch ziemlich lang. Vorher nie gesehen habe ich Rolltreppen, die so weit abflachen, dass sie einfach zu Laufbändern werden. Einige Stationen sind ziemlich schön gestaltet (kein Vergleich zu dem Grind in der NY Metro, um auf meine vorherige Städtereise zu verweisen), z. B. die Concorde mit Scrabble-artigen Fliesen.

Place de la Concorde

Überirdisch ist auf dem Place de la Concorde ein Obelisk und der Anfang der Champs Elysees zu sehen, genauso wie ein Eingang zum Jardin des Tuileries. Der Obelisk ist das älteste Bauwerk der Stadt, zumindest wenn man vom ursprünglichen Fertigungszeitpunkt (13. Jahrhundert vor Christus!) ausgeht und nicht von der Aufstellung am heutigen Standort im 19. Jahrhundert. Ägypten bedankte sich damals für die Entzifferung der ersten Hieroglyphen durch den Franzosen Jean-François Champollion (thx, Wikipedia).

Überall in Paris entdeckte ich außerdem Mosaike von Space Invader. Dessen Werke habe ich auch schon in Wien und Rabat (Foto folgt im nächsten Reisebericht) gesehen und finde sie allesamt ziemlich cool.

Weniger cool, weil völlig überladen und überfüllt, fand ich das Schloss Versailles. Die Anfahrt mit dem RER war gar nicht so unkonfortabel, aber die Warteschlange vor dem Eingang zum Schloss war unsäglich lang. Auf der ganzen Länge des Hofes zwischen Tor und Eingangstüre schlängelten sich Menschen dreimal auf und ab – bestimmt 200 m lang! Und genau an dem Tag hatte ich mich überreden lassen, meinen Hut nicht mitzunehmen („sonst gibts ja nur Fotos mit Hut von dir, das ist ja doof“)…

Kinderzimmer Versailles

Irgendwann waren wir dann glücklicherweise doch drin, aber ähnlich wie im Louvre waren viel zu viele Leute da und es nicht so richtig interessant. Lediglich die 3D-Animation zum Grundriss von Versailles und die superkitschigen Kinderzimmer blieben mir im Gedächtnis.

Bevor ihr jetzt glaubt, dass ich nur über Paris meckere (wirklich nicht, die Stadt ist wunderschön!), lest den folgenden Absatz zum Essen dort. Sobald man sich nur ein bisschen Gedanken über seine Restaurantwahl macht (aka googelt / einschlägige Apps benutzt), statt ins nächstbeste Lokal zu gehen, findet man unglaubliche Schätze.

Zum Beispiel das Le Réciproque: Ein super süßes, clean eingerichtetes Restaurant mit halboffener Küche und täglich wechselndem Menü. Für mich gabs eine spezielle vegetarische Variante, mit einigen Komponenten (z. B. Scamorza, Tomatenparfait und Seegras, das nicht „spinatig“, sondern eher wie Aloe), die ich (so) noch nie vorher gekostet hatte. Besonders sympathisch war auch die „Rauswerfer-Süßigkeit“ zur Rechnung: hausgemachte Aprikosenmarshmallows. Über den Preis des Ganzen kann man sich auch nicht beschweren, ohne Getränke kostete das Abendmenü dort nur 35€!

Eine Freundin von mir, die in Paris aufgewachsen ist, nahm mich eines Abends noch in ein japanisches Restaurant mit. Von der Atmosphäre ist das AKI kaum mit meiner vorherigen Empfehlung vergleichbar, denn die Gäst_innen wechseln ständig, es ist laut, dampfig und hektisch. Dafür gibt es dort authentische (wurde mir gesagt – ich kann mir nicht anmaßen, das zu beurteilen) japanische Küche, die sich nicht auf das Klischee von Sushi beschränkt. Mir hat meine Schüssel Udon jedenfalls sehr gut geschmeckt!

Das Eis auf dem Foto ist von Glaces Glazed, das ich mir durch diesen Blogpost von David Leibovitz schon Wochen vor meinem Besuch vermerkt habe. Das Extravagante Aktivkohle-Kokos-Eis sieht super cool aus und schmeckt auch noch lecker, genauso wie alle anderen Sorten, an die ich mich nach mittlerweile zwei Monaten leider nicht mehr erinnern kann.

seine

Mit etwas Glück dauert es nicht mehr allzu lange, bis ich noch einen Sommerreisebericht (Marokko!) geschrieben habe, bis dahin gibts leider nur einen Ausblick über die Seine und sonntägliche Lieblingslinksammlungen.

Eine Reise in die USA, Pt. 2: KY

Nach gut einer Woche in New York bin ich mit meiner Schwester weiter nach Cincinnati geflogen, um weitere 10 Tage in Kentucky zu verbringen.

Und entgegen allen Warnungen, wie langweilig es doch am platten Land sein würde, wurde es richtig interessant. Nicht nur, weil ich eine völlig andere Seite der USA zu sehen bekam, sondern auch weil es im „Bluegrass State“ einige coole Sehenswürdigkeiten und Museen gibt.

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Eine Reise nach Marokko

Dieser Post wurde ewig nicht fertig, aber weil ich bestimmt nicht mehr viel weiterschreiben würde, veröffentliche ihn jetzt mal. Er ist quasi ein fünfter Teil meiner Rundbriefe, die ich während meines Freiwilligenddienstes 2014/15 geschrieben habe und damit im Stil ein bisschen anders als gewöhnliche Blogposts: Wer die vorherigen Rundbriefe gelesen hat, wird sicher ein paar Bezüge darauf entdecken. Dazu passt übrigens auch die zweite Episode meines Podcasts, die ich mit einem Freund aufgezeichnet habe: LP002 In Rabat mit Mahdi El Idrissi und Episode 276 des Biertaucher Podcasts, in dem ich von meinem ersten 3id lkbir erzähle.

Tour Hassan
Eines der Wahrzeichen von Rabat: Der Tour Hassan

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Eine Reise nach Venedig

Kürzlich habe ich ein paar Tage in Venedig verbracht. Und weil ich viele schöne Fotos geschossen habe und mir außerdem ein paar Sachen merken will, die ihr, meine liebsten Leser_innen, vielleicht auch brauchen könnt, mach ich einfach einen Blogpost draus!

Um die klassischen Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und auch für den öffentlichen Nahverkehr (Vaporetto: Schiffe statt U-Bahnen!) lohnt es sich, schon vor der Reise Tickets zu kaufen. Im August ist die Stadt wirklich gestopft voller Tourist_innen und vor den entsprechenden Verkaufsstellen gibt es endlose Schlangen. Mit einem Citypass konnten wir die allerdings einfach passieren, um uns z.B. den Dogenpalast anzusehen.

Blick aus dem Dogenpalast

Darin gibt es allerlei prunkvolle Räume, Waffen und Rüstungen und schöne Gemälde. Durch die berühmte Seufzerbrücke kann man vor dort aus in das Gefängnis laufen. Das einzige was ich daran einigermaßen interessant fand, ist die Tatsache, dass es das erste Gebäude war, das einzig und allein dem Zweck diente, Sträflinge zu beherbergen (*Banausin*?)

Der Markusplatz mit dem Dom und dem Campanile gefiel mir nachts am besten, vor allem weil weniger los ist als tagsüber. Sehr sympathisch sind außerdem die Musiker_innen in den sündteuren Cafés, denen man von Weitem ebenso gut lauschen kann. Überhaupt lohnt sich ein Nachtspaziergang, um die beleuchteten Gebäude anzuschauen.

nacht

Das Glasmuseum auf Murano war ebenfalls in meinem Stadtticket enthalten. Der Palazzo, der die Ausstellung beherbergt, ist an sich schon wunderschön (auf dem Foto unten sieht man eine der reich geschmückten Decken) und hat zudem einen ruhigen Garten, den ich nach dem ganzen Trubel außerhalb gut gebrauchen konnte.

decke im glasmuseum

Gezeigt werden Glaskunstwerke aus mehreren Jahrhunderten, dazu Infotafeln und -filme zu verschiedenen Herstellungsmethoden, die sich im Laufe der Zeit natürlich stark verändert haben. Zusätzlich zu den normalen Ausstellungsräumen gibt es auch eine Sonderausstellung. Momentan ist das „Identidad desaparecida“ von Silvia Levenson, die sich in ihren gläsernen Skulpturen mit dem Militärputsch 1976 in Argentinien auseinandersetzt.

murano

Die Stimmung auf Murano ist allgemein ganz anders als auf der Hauptinsel (viel entspannter!) und es gibt viele süße Geschäfte, die Gläsernes verkaufen. Auf dem Campo Santo Stefano haben wir bei Busa alla Torre gegessen. Fast der ganze Platz ist mit Plastikstühlen und -tischen des kleinen Restaurants vollgestellt. Dieser eher billige Eindruck bestätigt sich beim Menü jedoch nicht. Die Preise sind zwar wie überall in der Stadt ziemlich happig, aber man bekommt für sein Geld sehr gute bodenständige Speisen.

busa alla torre - kraken

Ich habe dort kleine Kraken (wie heißen diese Tiere genau?) und Bigoli mit Zwiebeln und Sardellen gegessen, die mich wirklich begeistert haben! Auch die Profiteroles waren ziemlich lecker.

kaffeerösterei

In der Kaffeerösterei Torrefazione Cannaregio habe ich einen Espresso getrunken (für unschlagbare 90 Cent!), der mir Teetrinkerin erstaunlicherweise sogar schmeckte.

Eine weitere Empfehlung möchte ich für die Osteria Ae Sconte unweit der Rialtobrücke aussprechen, wo wir sehr gute Meeresfrüchte gegessen und dann ziemlich viel Limoncello getrunken haben.

vaporetto canale grande

Mit einem Vaporetto kann man nicht nur den Canale Grande entlang fahren und entspannt die schönen Palazzi und Brücken anschauen, sondern auch bis zum Lido kommen. Diese Insel fühlt sich eher an wie Strandurlaub in Jesolo, auf den breiten Straßen fahren wenige Autos (!), dafür viele Fahrräder. Es gibt viele Eisdielen, Restaurants und Bars, und das Beste: einen richtigen Sandstrand. Der war zwar recht überfüllt (wie es sich für einen italienischen Badetourismusort im Hochsommer gehört 😉 ), aber nach mehr als einem Jahr ohne Meer in meiner Nähe störte mich das ausnahmsweise nicht.

Wer viele Leute auf einem Haufen nicht mag, ist in Venedig, besonders zur Hauptreisezeit, eh sehr schlecht aufgehoben. Für einen Kurztrip lässt sich das Getümmel aber schon aushalten und vielleicht habt ihr ja auch das Glück, zum Ausgleich auf der Zugfahrt wie ich ein ganzes Abteil für euch zu haben.

Zum Schluss noch ein paar Schilder, die mir gefallen (diese Diebstahlwarnung ist doch wahnsinnig putzig, nicht?):

diebstahlwarnung

caffè

leere gasse

re:publica

Dieses Jahr war ich tatsächlich „in echt“ auf der re:publica – für alle, die sie nicht kennen: „Europe’s most exciting conference on Internet and Society“ – in Berlin. Und wie ich mir gedacht hatte, versank ich ganz und gar darin und tauchte an jedem der drei Tage erst spätabends, völlig vollgestopft mit Input wieder auf.

Und bevor ich die Hälfte wieder vergesse, folgt hier eine Liste meines persönlichen #rpTEN-Programms und was ich so davon hielt:

Am ersten Tag freute ich mich erstmal über mein silbernes Namensbadge und spazierte so lange über das Gelände, dass ich die Opening Ceremony verpasste. Dafür setzte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine VR-Brille auf und hatte kurz das Gefühl, nicht mehr soo sicher auf meinen Beinen zu stehen. Die #TTIP-Leaks hätten mir wohl auch den Boden unter den Füßen weggezogen, doch der Saal war ohnehin zu überfüllt. Aber das lässt sich bestimmt noch irgendwo online nachlesen.

Der erste Talk, dem ich schließlich lauschte, war von netzpolitik.org-Chef Markus Beckedahl. In „Fight for your digital rights“ blickte er auf den netzpolitischen Diskurs der letzten Jahre zurück und rief zur aktiven Mitarbeit an einer digitalen Gesellschaft für alle auf:

Edward Snowden in einer Live-Diskussion mit Luciano Floridi über Digitalisierung wollte natürlich auch jede_r sehen, weshalb ich schon wieder keinen Platz bekam. Aber „The Fourth Revolution“ gibts hoffentlich auch bald bei YouTube.

Moritz Metz hat mich mit seiner Serie „Wo das Internet lebt“ ziemlich begeistert, weshalb ich auch seinen Talk „Fliegende Computer und ihre tollkühnen Piloten“ angeschaut habe, wo er sein neues Audiofeature zum Thema Drohnen multimedial vorstellte.

Im Sendezentrum, der Podcast-Ecke auf der re:publica, gaben die PodcastpatInnen eine Einführung in verschiedene Formate, die hoffentlich bald auch als Aufzeichnung zu hören ist.

Julia Reda forderte mit „Ending geoblocking: This content really ought to be available in your country“ die Abschaffung von Ländergrenzen im grenzenlosen Internet.

Mein Lieblingstalk des ersten Tages war eindeutig „Sexy or Sexist? Ads on the Facepalm Beach“. Elle Nerdinger redet wirklich unglaublich witzig und hat übrigens auch vor gar nicht so langer Zeit einen lesenswerten Artikel zu einem ähnlichen Thema geschrieben.

Durch einen Workshop von Annalena Schiller und Tanja Capell bin ich irgendwann mal auf Sketchnotes aufmerksam geworden, deshalb konnte ich mir „rpTENicons – re:publica-Geschichte zum Mitzeichnen“ nicht entgehen lassen. Die beiden kritzeln in einem unglaublichen Tempo und tollen Visualisierungsideen: #catcontent!

Selbstverständlich fehlte auch Sascha Lobo nicht zum zehnjährigen Jubiläum der Netzmenschenkonferenz, doch weils den sowieso auf YouTube zu sehen gibt („The Age of Trotzdem„), war ich bei „Six degrees of Wikipedia“. Das ist zwar ein unglaublich lustiges Spiel – zwei Spieler_innen müssen sich von einem vorgegebenen Begriff zu einem anderen durch Wikipedia klicken und bekommen je nach Schnelligkeit und Eleganz Punkte dafür – funktionierte nur wegen wackeliger Netzwerktechnik nicht.

Die Notfallkabel gabs leider erst später:


Kombucha

An Tag zwei startete ich wieder erstmal mit im-Hof-sitzen-und-sich-sonnen und einer Runde über das Gelände. Dabei begegnete ich einer großen Karaffe Kombucha, die aber nicht zum Trinken da war, sondern zurProduktion von „vegetarischem“ Leder. Das wiederum konnte man in einem Workshop zu Wearables verarbeiten – leider habe ich verpasst, mich dafür anzumelden.

Weiter gings mit Podcasting: Mit „Listen to me, Baby“ gab Sara Weber einen Überblick über die amerikanische Szene. Medienunternehmen dort produzieren professionell und persönlich und ermöglichen damit besonderes Storytelling.

Ex-Wikigeeks Claudia Krell und Ralf Stockmann nahmen das Publikum mit „Zurück in die Podcast-Zukunft“ und riefen 2016 als das letzte Jahr der schlechtklingenden Podcasts aus.

Sketchnote: Zurück in die Podcast-Zukunft (Claudia Krell, Ralf Stockmann)

Mein All-Time-Favorite der re:publica-Talks ist Friedemann Karigs „Überwachung macht impotent“ von 2014. Sein diesjähriger Talk „Die pubertäre Gesellschaft und das Netz“ war zwar auch nicht schlecht, aber kam meiner Meinung nach nicht an den vorherigen ran.

Ich hatte mich schon sehr auf Anne Wizorek gefreut, die gemeinsam mit Kübra Gümüsay auftreten sollte. Sie fiel zwar aus, doch der Vortrag zu Organisierter Liebe war trotzdem enorm berührend.

Gleich darauf verschlug es mich wieder ins Sendezentrum. Die PodcastpatInnen sprachen diesmal über Publikationsformen:

Die „Netzpublizisten im Gespräch“ mit Philipp Banse schaute ich mir hauptsächlich wegen dasNuf Patricia Cammarata an. Die geriet gegen Ende ziemlich an Tilo Jung, was aber das einzig Spannende der Runde war (ich habe die letzten 15 Minuten allerdings nicht gesehen, ist da noch etwas passiert?). Ich hätte auch gerne „Das islamische Empörium“ der superwitzigen Datteltäter und, weil ich Dialekte so gern mag und auch noch in Österreich wohne, „Oida Depperter, bist augrennt? – Shitstormen auf Österreichisch #oidaRP“ gesehen, aber diese drei Veranstaltungen waren leider alle zur gleichen Zeit…

xkcd-Zeichner Randall Munroe stellte im Anschluss mehr oder weniger sein neues Buch vor, allerdings gibts „What if you had a Thing Explainer“ nicht zum nachschauen. Das Store Check-Out Horse (Zebra) bleibt mir auf jedenfall im Gedächtnis:

https://twitter.com/blog_bleistift/status/727571645028806656

Den Übergang zur Party bildete die großartige Karaoke-Party „The Internet of Sings“.

https://www.instagram.com/p/BE9MukBkN6q/?taken-by=zuckerbaeckerei


Der dritte Tag begann mit einem weiteren Highlight. Wer meine sonntäglichen Linksammlungen liest, hat bestimmt schon bemerkt, dass ich ein Laurie-Penny-Fangirl bin. Ihren Vortrag „Change the story, change the world“ zu Fanfiction und dessen politischer Macht solltet ihr euch unbedingt anschauen (hoffentlich bald auf YouTube!), denn sie ist eine hervorragende Rednerin mit wichtiger Botschaft.

Auf der viel zu kleinen Stage J gabs im Anschluss eine Mitmachaktion: #bingecreating statt bingewatching. Als Erstes: Zeichne ein Huhn auf Stelzen, das gegen einen Star Wars-Charakter kämpft. Ich habe leider noch nie einen einzigen der Filme gesehen, Darth Vader und Lichtschwerter konnte ich glücklicherweise gerade noch damit assoziieren.

Als nächstes war etwas schwierigeres dran: Acht verschiedene Hände an einem Kraken.

Level drei war dann wenig spezifiziert: Zeichne etwas, das du nicht zeichnen kannst, „Alles“ zählt nicht:

Unter dem Hashtag #bingecreating finden sich auf twitter und Instagram noch viele mehr dieser „Kunstwerke“ – falls ihr ein bisschen Prokrastinationsinspiration braucht 😉

Zum kurzfristig im Programm aufgetauchten Food Blogger-MeetUp kam ich selbstverständlich auch, war allerdings nicht besonders begeistert. No offense an die anderen Teilnehmer_innen, aber ich blogge über Kuchen, weil ich den gerne mag, und nicht nur um irgendwelche Kooperationen mit PR-Menschen einzugehen… Unabhängig davon war ich aber mit Ineke von Das Leben ist süß Kaffeetrinken, was mir echt sehr gefallen hat 🙂

Weiter im re:publica-Programm – Ingrid Brodnig, die auch schon beim Netz-Publizisten-Panel war und außerdem einen äußerst sympathischen österreichischen Akzent hat, sprach in „Nichts als die „Wahrheit“ warum Lügengeschichten so gut funktionieren“ über die Mechanismen, die Falschmeldungen im Internet so schnell verteilen.

Ein vom Tricotautomaten gestricktes Selbstporträt

Anders als beim Kombucha-Basteln habe ich mich früh genug für den Tricotautomat angemeldet. So konnte ich mit der gehackten Strickmaschine unter Anleitung ein wahnsinnig treffendes Selbstporträt anfertigen.

Im Sendezentrum gabs am letzten Tag eine Liveshow der PodcastpatInnen. Drei Menschen mit Podcastambitionen (darunter auch ich) stellten ihre Idee vor. Diese Mini-Interviews wurden dann live bearbeitet und innerhalb nur einer Stunde hier zum Nachhören veröffentlicht. Im Gespräch mit Ulrike vom exponiert-Podcast zeigt sich auch, dass Standard-Deutsch-Sprechen nicht ganz so mein Ding ist…

Das Techniktagebuch gehört zu meinen Lieblingsblogs und auch die Blogs/Twitteraccounts der Speaker_innen lese ich richtig gern. Deshalb konnte ich mir das Live Let’s Play nicht entgehen lassen. Passend zum Thema traten auch gleich Probleme mit der Bühnentechnik auf, was allerdings gar nicht weiter störte. Unter anderem war Kathrin Passig als Telekom-Archäologin unterwegs, Anne Schüßler klickte sich durchs Labyrinth der Essener Stadtbibliothek und Alexander Matzkeit schimpfte ein bisschen über die re:publica-Webseite.

In der Closing Ceremony wurden die Zahlen zur #rpTEN vorgetragen (46% Speakerinnen finde ich auch gut, aber nicht so gut, dass man sich so enorm dafür feiern sollte…) und selbstverständlich wieder Bohemian Rhapsody gesungen.


Endlich mal in Berlin dabei zu sein und nicht nur via YouTube hat mir wirklich gut gefallen. Ich habe mit schlimmen Informationsoverkill gekämpft, tolle Vorträge gesketchnoted, das live-twittern ausprobiert und gleich wieder aufgegeben, in ein paar Mikrofone gesprochen, mit netten Menschen geredet und eine tolle Zeit verbracht. Hoffentlich schaff ichs nächstes Jahr Anfang Mai wieder nach Berlin!

— Nachtrag —

Auf der re:publica habe ich in ein paar Mikrofone gesprochen, mittlerweile sind die zugehörigen Podcasts veröffentlicht:

Im Innenhof habe ich zufällig Gregor von den Biertauchern getroffen, weshalb wir eine Außenbericht für Folge 255 aufgenommen haben. Torsten vom eGovernment Podcast habe ich im Sendezentrum kennengelernt; für seine Folge hat er neben mir auch noch mit fünf anderen Leuten über die re:publica geredet, darunter auch Claudia Krell vom Sendezentrum.

Eine Reise nach Brüssel, Namur und Nancy

Meine allerersten Semesterferien, also offiziell „vorlesungsfreie Zeit“, nutzte ich für eine kleine Reise zu Freund_innen, die sich über ganz Europa verteilt hatten. Nach einer gefühlt ewigen Zugfahrt kam ich am späten Nachmittag in Brüssel an. Kaum stieg ich aus dem Zug, lief ich schon schwerbewaffneten Soldaten entgegen – der Terroralarm ist offensichtlich noch nicht vorbei. Aber gleich darauf holte mich eine Freundin ab, was den ersten Eindruck wieder rettete. 😉

Ein ausgedehnter Stadtspaziergang sollte mich am nächsten Tag an Brüssels Wahrzeichen vorbeiführen. Meine ehemalige Mitbewohnerin in Marokko hatte zwar in der Stadt gewohnt, sie allerdings noch nie touristisch erkundet – die klassischen Sehenswürdigkeiten konnten wir dank kamerazückender Menschen trotzdem entdecken. Später hatte ich auf Wikipedia nachgelesen, was es mit diesen architektonischen Attraktionen eigentlich auf sich hatte.

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