Archiv der Kategorie: Reise

Zuckersüß 293

Wie es sich für eine Abschiedswoche gehört, habe ich in den vergangenen Tagen enorm viel unternommen und erledigt (und keine Zeit zum Bloggen gehabt). Bevor ich mein ganzes Geschirr an Freund_innen und das ESN übergeben habe (Rezeptideen für Wohnheimsküchen gibts hier, btw), habe ich noch spontan French Toast gebacken, weil Katharina Seiser ein so schönes French Kipferl getwittert hatte. Gleich anschließend habe ich vorsichtshalber auch noch 20 Pfannkuchen gemacht, um nicht nur auswärts essen zu müssen.

https://twitter.com/jasowies_o/status/1008994070960705536

Nach dem Frankreich-Auftakt habe ich tatsächlich nochmal Fußball geschaut – das erste Deutschlandspiel mit vielen mexikanischen Freund_innen, die sich nach dem Sieg nicht mehr einkriegten, und zwei Kolumbienspiele mit vielen kolumbianischen Freund_innen (einmal traurig, einmal mit viel Jubel). Nachdem ich bestimmt mehrere Jahre lang kein einziges Fußballspiel verfolgt hatte (so. fad.), musste ich feststellen, dass es gar nicht so langweilig ist, mit netten Menschen gemeinsam in einer Kneipe auf eine Leinwand zu schauen. Ich trank zwar Tee dabei und fieberte verhalten bis gar nicht mit, aber so war es mir auch völlig egal, dass Deutschland so schlecht gewesen war.

Im Kino war ich auch noch, denn mein gratis-Ticket, das ich als ERASMUS-Willkommensgeschenk bekommen hatte, wollte ich nicht verfallen lassen. Im Caméo lief neben ein paar aktuellen Filmen, von denen mich keiner recht zusagte auch 2001: A Space Odyssey. Ich wusste praktisch nichts über diesen Film, außer dass er irgendwie wichtig ist. Immerhin wird er ja 50 Jahre nach Erscheinen nochmal gezeigt! So landete ich gemeinsam mit einer lieben Freundin, die mich vorher noch zum Handkäs-Katerfrühstück eingeladen hatte (ich muss auch erst ins Nachbarland, um regionale deutsche Spezialitäten zu probieren?) in der 14-Uhr-OV-Vorstellung. Einmal wieder fiel mir auf, wie viele Leute in Frankreich alleine ins Kino zu gehen scheinen, zumindest im Vergleich zu Bayern/Wien, wo ich kaum Ähnliches beobachtet habe. Noch erstaunlicher fand ich die „Pause“ im Film: Einfach ein paar Minuten graues Bild, aber weiterlaufende Filmmusik und Saalbeleuchtung. Ich bin leider immer noch nicht dazugekommen, etwas über den Film zu lesen – ein bisschen Einordnung könnte ich schon gebrauchen.

Nach so vielen Leinwänden brauchte es auch einmal Abwechslung: Beim Rendez-Vous Place Stanislas wird gleich auf fünf Fassaden gleichzeitig projiziert. Jeden Abend um 22.45h gibt es dort eine bunte Animation auf dem Rathaus, der Oper, dem Kunstmuseum usw. : Kronleuchter werden an und ausgeschaltet, Shilouetten rennen durch die Gänge, ein überdimensionaler Stanislas wünscht einen schönen Abend, die Mauern werden mit Neon-Buntstiften bemalt und am Ende gehen die Illustrationen mit Geschichtsbezug in Discolichter mit Electro-Swing über. Der dreidimensionale Sound dazu hat mich ebenfalls sehr beeindruckt, der Platz ist rundherum mit Lautsprechern bestückt. Solltet ihr vor Mitte September in Nancy vorbeikommen, empfehle ich euch unbedingt, euch dieses Spektakel anzuschauen!

Eine Freundin machte in ihrer Lernpause (es sind immer noch Rattrapages!) mit mir einen Ausflug zum Gelände des Michto-Festivals in Maxeville. Das findet zwar erst wieder im Herbst statt, aber zwei sehr coole Containerkonstruktionen stehen ganzjährig da. Freiwillige hatten an diesen so herumgebastelt, dass die eine jetzt eine geschnitzte und bemalte Holzfassade hat und die andere aussieht wie ein Zirkuszelt.

Die Fête de la Musique am Donnerstag verpasste ich nicht: In Nancy spielten dafür in vielen Bars Live-Bands, manche Leute stellten einfach ein Soundsystem auf die Fensterbretter im ersten Stock und machten die Straße darunter zur Tanzfläche. Leider gab es nirgends einen Zeitplan für den Abend, sodass ich irgendwie immer dann irgendwo ankam, als gerade der letzte Song angestimmt wurde. Außerdem wollte ich dieses Fest zu meiner Abschiedsparty machen, aber *alle* meine Freund_innen in einer Stadt voller Menschen zusammenzuhalten stellte sich als Ding der Unmöglichkeit heraus. Trotzdem, die Fête de la Musique ist eine super Initiative und könnte sich meiner Meinung nach ruhig noch weiter verbreiten.

Zum Umzugswochenende bekam ich freundlicherweise Besuch von meinen Eltern, die mich dann mit dem Auto mit zurücknahmen. Vorher waren wir aber noch in der Gentilhommière (sooo schöne Desserts!) und bei La petite cuillère essen. Beim Excelsior hat sich herausgestellt, dass es von außen (superschöne Ecole de Nancy-Glasscheiben) schöner ist als von innen und nicht unbedingt einen zweiten Besuch wert ist.

Und weil ich jetzt eh schon sagenhafte drei Tage verspätet bin mit diesem Post, erzähle ich nicht noch länger, sondern gehe zu meinen liebsten Links der vergangenen Tage über: Zuckersüß 293 weiterlesen

Nicht Nudeln mit Tomatensauce: #mealplanning für die Wohnheimsküche

Anders als die meisten anderen Bewohner_innen meiner Résidence universitaire (zumindest die, die ich in den vergangenen vier Monaten in der Küche angetroffen habe), ertrage ich es nicht, mich hauptsächlich von Nudeln mit Tomatensauce (aus dem Glas!) zu ernähren. Nun ging ich aber aus Gründen (Vegetarierin mit allerlei Lebensmittelallergien) nicht in die Kantine, wo es vielleicht ein bisschen Abwechslung aus diesem Schema gäbe und wohne außerdem fast zwei Kilometer von nächsten *richtigen* Supermarkt entfernt (völlig überteuerte Fertiggericht-Geschäfte und Tankstellenshops zählen nicht).

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Zuckersüß 292

Meine vorletzte Woche in Nancy war geprägt von Abschieds-Abendessen und -Parties und einigen coolen Konzerten. Schon doof, dass ich erst jetzt darauf komme, wie viele Orte mit Livemusik es in dieser Stadt gibt – und das, obwohl ich sogar Musiker-Freunde habe! Einer davon spielte am Donnerstag Schlagzeug beim allerersten Gig von Chichipato, einer ziemlich fetzigen Cumbia-Band (leider gänzlich ohne Webauftritt). Am Freitag geriet ich in ein Swing-Konzert mit sehr vielen Lindy-Hop-tanzenden Paaren. Trotz Mini-Einführung in der Pause bleibt mir dieser Tanz aber sehr rätselhaft, vielleicht sollte ich mal einen richtigen Kurs besuchen. Und am Samstag brachte mich ein Konzert tatsächlich dazu, ein WM-Match anzuschauen. Ein polnischer Freund (mit FB-Seite!) spielte nämlich vor und nach Frankreich-Australien in einer kleinen Brasserie.

Was mich außerdem sehr begeisterte war mein Mittwoch-Nachmittag. In der Küche einer Freundin (einer richtigen mit Herd und Ofen und Kühlschrank und Gefrierfach und Töpfen und alles!) improvisierte ich ein paar Party-Snacks: Best Cocoa Brownies, einen Käsekuchen, der leider wegen falsch dosiertem Agar Agar statt Gelatine etwas auseinander lief, Käse-Blätterteig-Stangerl und dazu auch noch Basilikum- und Aprikosensirup. Was freue ich mich auf eine richtige Küche (ok, das schreib ich jetzt schon seit ~10 Wochen jeden Sonntag).

Und nun meine liebsten Links der vergangenen Tage:

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Zuckersüß 291

In der vergangenen Woche bin ich ziemlich viel in Parks herumgesessen (immer auf der Hut vor dem nächsten spontanen Platzregenschauer) und auch ziemlich viel in der Küche gestanden. Je näher die großen Ferien kommen, umso leerer wird nämlich das Wohnheim, sodass ich die Küche fast immer für mich allein habe. Unter meinen Werken (natürlich allesamt in meinen Insta-Stories festgehalten) war Basilikumsirup (für Gin Basil Smash), ein superguter Sommersalat (Gurke, Kichererbsen, Feta, frische Minze, Zitronensaft und Olivenöl), ein nicht-süßer Brot-Obstsalat (Baguette mit Knoblauch und Zitrone in Olivenöl gebraten, Pfirsich mit viel Basilikum angebraten und mit Feta und Zitronensaft serviert), karamellisiertes Pain Perdu (aka Arme Ritter) mit Apfelmus, Zitronenspaghetti, ein alles-was-der-Kühlschrank-hergibt-Dessert (Pfirsich in Basilikumsirup in Zitrone mit karamellisierten gemahlenen Mandeln), Milchreis mit Walnuss-Bananen-Karamell (inspiriert von My Candid Appetite), ein Salatteller mit paniertem Brokkoli, Süßkartoffeln und RaslHanut-Kichererbsen und Shakshuka.

Leider hörte am Mittwoch mein Kühlschrank auf kalt zu sein und sämtliche meiner Versuche (ausstecken/einstecken, den Regler 100x herumdrehen) ihn wieder zum laufen zu bringen, scheiterten. Und das, obwohl ich dank Wikipedia jetzt sogar weiß, wie dieser uralte Absorberkühlschrank funktioniert hat! Der CROUS-Pannenservice versuchte es dann am Freitagmorgen erst gar nicht mit einer Reperatur, sondern stand mit einem nagelneuen Gerät vor meiner Tür. Mein neuer Kompressionskühlschrank ist zwar fast doppelt so groß wie der alte, beleuchtet und hat viel mehr Tür-Stauraum, macht aber dummerweise richtig viel Krach. Gut, dass ich nicht vorhabe, in meinem Zimmer zu podcasten. 

Den Journée de l’Art Nouveau am Sonntag verbrachte ich fast ausschließlich in Museen: Am Vormittag ging ich zur Führung durch die Sonderausstellung im Musée des Beaux-Arts. Dort erzählte eine sehr sympathische Vermittlerin mehr als eineinhalb Stunden (!) lang von Nancys Glasindustrie um 1900. Ich war einmal wieder erstaunt, wie interessant scheinbar langweilige Ausstellungsstücke (eine Glasvase) sein können, wenn man nur eine Geschichte dazu hört oder Informationen zur Herstellung bekommt. Nachdem ich gemeinsam mit gefühlt 50 älteren Leuten (warum interessierten sich nur Menschen jenseits der 60 für Glas aus Nancy?) durch die zweistöckige Ausstellung gelaufen bin, fing ich sie noch einmal von vorne an. Dabei schaute ich mir nicht nur die Teile an, die in der Führung nicht vorgekommen waren, sondern bastelte zusätzlich eine Insta-Story aus den vorgestellten Ausstellungsstücken und allem, was ich mir dazu gemerkt hatte. Damit habe ich jetzt Notizen mit Bild und meine Follower_innen vielleicht Interesse an lothringischer Glasherstellung und -trends zwischen 1890 und 1970. Oder auch nicht. Für mich werden Museen und Ausstellungen als Wissensquelle und Zeitvertreib jedenfalls immer relevanter (s. Drei Museen in Straßburg, Centre Pompidou Metz, Musée Dunkerque 1940 etc).

Am Nachmittag spazierte ich zur Villa Majorelle, die gerade renoviert wird. Für den Kultursonntag wurde sie ausnahmsweise geöffnet und der Besucher_innenandrang war so groß, dass die Schlange bis auf die Straße reichte. Trotz Wartezeit schaffte ich es glücklicherweise rechtzeitig zum Vortrag der Architektin, die mit der Renovierung betraut ist. Sie zeigte Pläne und historische Fotos und erklärte, was bis zur Wiedereröffnung als möglichst originalgetreue Art-Nouveau-Villa noch alles passieren muss. Große Hinweistafeln im Mini-Garten beschrieben zusätzlich das Leben des Bauherrn, die Geschichte des Gebäudes und außerdem den Zusammenhang zur Villa Majorelle in Marrakech, der mich schon die ganze Zeit wurmte: Um die Jahrhundertwende wurde der Möbelbauer/Künstler/Geschäftsmann Louis Majorelle (frz. Wikipedia) in Nancy zum Mitbegründer der École de Nancy, sein Sohn Jacques (frz Wikipedia) im französischen Protektorat Marokko später orientalistischer Maler. In Gueliz, der Ville Nouvelle von Marrakech baute er sich dann seine eigene Villa, die Mitte des letzten Jahrhunderts  von Yves Saint Laurent gekauft wurde und heute ein Museum zur Geschichte der Berber ist. Nachdem das geklärt war, konnte ich beruhigt weiter zum Musée d’École de Nancy spazieren, wo ich mich in den Garten setzte, einer Swing-Band und vielen schön gekleideten Tanzpaaren zuschaute. Ins Museum hinein ging ich nicht, denn bei meinem letzten Besuch hat es sich nicht als besonders interessant herausgestellt (damit sich das ändert, bräuchte es wohl nicht mehr als eine Führung oder einen Audioguide).

Jetzt folgen wie immer meine Lieblingslinks der Woche, diesmal wieder mit besonders viel Lesestoff:

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Eine Reise nach Metz

Reise ist für diesen Tagesausflug wahrscheinlich ein zu großer Begriff. Aber ich war so positiv überrascht von Nancys „Konkurrenzstadt“, dass ich unbedingt darüber schreiben muss.

Gemeinsam mit einer Freundin bin ich kürzlich frühmorgens mit einer Mitfahrgelegenheit nach Metz aufgebrochen. Dort spazierten wir erst einmal relativ planlos umher und begegneten sehr vielen Kunstwerken im öffentlichen Raum.

Coole Skulptur!
Auch die Pflanzen sind skulptural gestutzt und die Straßenlaternen erst!

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Zuckersüß 290

Mein Zuckersüß kommt heute zu spät, das Wochenende habe ich nämlich ohne digitales Schreibgerät (aka Laptop) in Brüssel verbracht. Das war aber nicht mein einziger Ferienausflug, denn vergangenen Montag war ich in Metz (dazu bald mehr).

Am Dienstag habe ich versucht, (ohne Wage! auf dem Schreibtisch!) vegane Hafercookies zu backen, was leider eher schlecht als recht funktioniert hat (hauptsächlich, weil ich sie zu lange im fremden Ofen gelassen habe). Startschwierigkeiten hatte auch der Karaoke-Abend mit Freund_innen, für den die Cookies gedacht waren. Nach ein paar mal Karaoke in unserer hass-geliebten-Erasmus-Stamm-Bar hatten wir beschlossen, dieser völlig unterschätzten Freizeitbeschäftigung in einem WG-Wohnzimmer nachzugehen. So könnten wir einerseits den seltsamen französischen 80er-Jahre-Hits entgehen und andererseits nebenbei *günstigen* Wein trinken und Cookies essen. Der Plan: die xbox an den Bildschirm anschließen und lossingen. Die Realität: Eine weitere Geschichte für mein persönliches  Techniktagebuch.

Nachdem die Konsole gefühlte 1000 Updates heruntergeladen hatte (6GB!), folgte ein weiteres für das Karaokespiel aus dem Second-Hand-Computerspiele-Geschäft. Dann fehlte noch ein gemeinsames WLAN-Netzwerk für die verwendeten Devices. Statt wie z. B. bei der Playstation und ihren konsolen-eigenen Mikrofonen für singstar funktioniert xbox-Karaoke nämlich mit Smartphones und einer entsprechenden App. Glücklicherweise verfügte einer der Anwesenden über gute 12 GB unverbrauchtes Datenvolumen, kurz vor Ablauf des Verwendungsintervalls, und eröffnete einen Hotspot. Wenn alles gut ging (nicht all zu oft), blieb die Verbindung stabil und wir sangen Selfie-mäßig auf unsere Telefone ein. Auf denen war nicht nur der Songtext abzulesen, sondern auch verschiedene Farb- und Effekteinstellungen für das Video, das gleichzeitig mit der Frontkamera aufgenommen wurde. Die Videos der Singenden wurden in Echtzeit (oft genug mit gerade genug Verzögerung, dass nichts mehr zusammenpasste) auf den Fernsehbildschirm übertragen und mit noch mehr Effekten zusammengeschnitten. Am Ende des Songs konnte man sich die Performance noch einmal ansehen und sogar über Social Media teilen. Dieser um Bewegtbild erweiterte Karaokemodus war wirklich überaus lustig, wäre da nicht ständige Netzwerk-Fehlermeldungen gewesen. Irgendwann wurde die immer wieder abgebrochene Verbindung zwischen Smartphones und xbox zu nervig, sodass wir auf eine andere wireless-Technologie umstiegen: Musik von Spotify zu Bluetoothbox.

Ansonsten habe ich endlich mal wieder in Paul Austers 4-3-2-1 weitergelesen, das mich immer mehr begeistert (und verwirrt, weil ich zwischendrin vergessen hatte, wo ich war und was passiert war). Besonders wie der Protagonist Ferguson übers Lesen und Schreiben denkt, finde ich sehr interessant. In allen seinen Alternativ-Leben (das Buch erzählt viermal die fast gleiche Geschichte, durch kleine Unterschiede entwickelt sich sein Leben anders) hat er damit auf unterschiedliche Weise zu tun. Ich bin nicht besonders belesen im klassischen Sinne (meine bestimmt zwei Stunden täglichen Lesens verbringe ich hauptsächlich online mit nicht-Fiktionalem) und 4-3-2-1 spornt mich ziemlich an, das zu ändern. Allerdings nicht unbedingt den Literaturkanon, den Ferguson als unentbehrlich sieht, erst recht nicht nach diesem Artikel aus dem Guardian (s.u. mehr). Mein aktuelles Interesse für die Geschehnisse der 1960er (z. B. diese arte-Doku und meine Gespräche rund um „La fac de Lettres est bloquée!„) wird durch Fergusons Einschätzung der an ihm vorbeiziehenden Ereignisse (die Ermordung von JFK, Anti-Vietnamkriegs-Proteste, Aufstände in Newark 1967…) noch mehr gefüttert. Ich glaube, dieses Buch ist eines, dass ich mehrmals lesen werde.

Im Internet habe ich natürlich auch gelesen und folgendes fand ich dabei teilenswert:

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Zuckersüß 289

Mein Ferienprogramm hat begonnen: Nach der Reise nach Lille, Dunkerque und Bruxelles über Pfingsten beschäftigte ich mich erstmal mit einen ganzen Tag lang mit der leidigen DSGVO. Nachdem ich in den letzten Wochen schon die Rechtsbelehrung (Teil ITeil II) dazu gehört hatte und einiges (s.u.) dazu gelesen hatte, machte ich mich mithilfe von Das Nufs Guide und dem Datenschutz-Generator von RA Schwenke an die praktische Umsetzung – zumindest so weit wie ich das in ein paar Stunden alleine hinbekam. Google Analytics kickte ich einfach gänzlich raus, meine Zugriffszahlen sind mir im Grunde nämlich eh egal. Mein Blog hat allerdings weiterhin kein SSL-Zertifikat (bestimmt ist das gar nicht so schwierig zu bekommen, aber ich müsste halt erst nochmal einen (Nachmit-)Tag Arbeit hineinstecken), die Schrift ist von Google und auf meine eingebetteten Tweets mag ich nicht verzichten. Vielleicht gibt es sogar noch mehr Probleme, deren ich mir noch gar nicht bewusst bin. Ich finde es jedenfalls recht doof, dass es für ein gewöhnliches WordPress-Blog  kein „Privacy by Default“ (falls es sowas tatsächlich geben sollte) gibt, oder zumindest irgendwo einen Button, mit dem man alles, was datenschutzmäßig fragwürdig ist, auf einmal loswerden kann. Ich blogge auch, weil ich die Kulturtechnik des im-Internet-Veröffentlichens mit allem was (technisch) dazu gehört interessant finde, nur sind meine Prioritäten nicht einzig darauf gerichtet und Kapazitäten vor allem irgendwann erschöpft.

Während ich mich durch die Untiefen der WordPress-Einstellungen klickte, wurde mir mal wieder klar, dass ich eigentlich noch ziemlich viele Punkte auf meiner imaginären „irgendwann-mal-am-Blog-Basteln“-Liste stehen habe, die ich seit ca. 2013 nicht umgesetzt habe. Darunter zum Beispiel eine visuelle Rezeptübersicht (vielleicht sogar einen dieser magazin-igen Vorschaubereiche – ciao lineares Blog), oder überhaupt ein Redesign der Seite (nur das pink muss bleiben!). Aktuell habe ich aber eine ganze handvoll angefangener Blogposts in meinen Entwürfen und noch gefühlt tausend weitere Ideen in meinem Kopf, deshalb: content first.

Aus einem kurzen Anfall von Bildschirm-Abneigung (die DSGVO verdarb mir kurzzeitig meine Lieblingsbeschäftigung Im-Internet-Lesen!1!!1) las ich dann in einem Rutsch Margarete Stokowskis „Unterum Frei“ fertig. Teile davon kannte ich schon aus einer Lesung im letzten Mai, war damals aber zu knausrig für das Hardcover. Dank der bpb-Ausgabe um nur 4,50€ (viel besseres Coverdesign, tbh) war aber dieses Problem aus dem Weg geräumt, und ein neuer Kandidat für den Buchclub stand fest. Vieles von der Theorie, die sie mit den (stellenweise sehr drastischen) Erlebnissen aus ihrem Alltag verwebt, ist mir schon geläufig, aber ich habe mir genug Fußnoten angestrichen, bei denen ich noch weiterlesen  will.

In Österreich tat sich in den letzten Tagen ja schon wieder eine dieser leidigen „Gendern-verschandelt-unsere-Sprache-mimimi“-Diskussionen auf, und auch dazu hat Margarete Stokowski etwas Nettes in ihrem Buch (S. 205) geschrieben:

Sie sagen, Wörter wie „Studierende“, „BürgerInnen“ oder „Arbeiter*innen“ seien nicht schön. Solche Argumente sind, gelinde gesagt, verdächtig, wenn sie nicht gerade von Dichter*innen kommen. Leute, die sich nie im Leben um die Schönheit von Sprache geschert haben, bemühen ein plötzlich erwachendes ästhetisches Empfinden bezüglich der Anmut von Wörtern? Wie sehr kann man sich selbst verarschen? Weigern sich solche Menschen auch, jemanden Horst zu nennen, weil es so ein unästhetischer Name ist? Treffen sie sich heimlich bei Walther-von-der-Vogelweide-Lesekreisen, weil sie so scharf auf alte Sprache sind?

Wenn ihr un-anstrengende, zeitgemäße feministische Lektüre sucht, würde ich euch „Untenrum Frei“ auf jeden Fall weiterempfehlen!

Für echtes Ferien-Feeling musste auch irgendeine Kulturveranstaltung her, weshalb ich am Mittwoch zu einer Ausstellung und am Donnerstag zu einem Upcycling-Häkelatelier in die ENSAD (Nationale Hochschule für Kunst und Design) ging. Eine Designstudentin leitete dort eine handvoll Mädels im Häkeln mit VHS-Kassetten an. Ich hatte zwar schon einmal mit einer zerschnipselten Plastiktüte gehäkelt, aber nicht mit Filmen. Fazit: Es ist ziemlich mühsam und macht furchtbare Geräusche. Und so cool die Idee von Taschen aus VHS-Häkel-Quadraten ist, ist sie doch mit unrealistisch viel Arbeitsaufwand (mein Quadrat zu häkeln dauerte mehr als zwei Stunden!) verbunden.

Davon einmal abgesehen war ich sehr beeindruckt von dieser Hochschule – sie ist nagelneu, architektonisch sehr spannend (knapp an der Grenze zu unpraktisch) und sehr offen. Es gibt nur einen einzigen Hörsaal, dafür thematische Räume fürs Arbeiten mit Holz, Siebdruck, Metall, Multimedia (gleich 30 iMacs nebeneinander!) usw. Grüppchen von Studierenden saßen in den verschiedenen Arbeitsbereichen herum und kümmerten sich um ihre Projekte. Mit den Lehrenden schienen sie per du und einer davon führte uns „uni-fremde“ Besucher_innen sogar kurz durch die Ateliers. Insgesamt ist die ENSAD (auf den ersten Blick, ich studiere ja nicht dort) das komplette Gegenteil „meiner“ Fac des Lettres, die 70er-Jahre-Muff verströmt, Hierarchien zwischen Lehrenden und Studierenden sogar noch architektonisch verstärkt und keinem auch nur einen Funken Autonomie zuspricht…

Am Ende meiner Prüfungen hatte ich mir noch vorgenommen, wenigstens ein paar meiner Dozent_innen an der Uni Lorraine eine E-Mail mit Feedback zu schreiben. Rückmeldungen der Studierenden scheinen hier überhaupt nicht institutionalisiert zu sein (die Uni Wien hat wenigstens ihre Multiple-Choice-Qualitätssicherungsbögen!) und es ist gut möglich, dass sich keine_r der Lehrenden auch nur einen Deut dafür interessiert. Aber immerhin habe ich dann nochmal die Möglichkeit ausführlich über mein ERASMUS-Semester zu reflektieren und Zeug auf Französisch zu schreiben (was mir immer noch schwer genug fällt).

Zwischendrin prokrastinierte ich ein bisschen durch Twitter-von-vor-zehn-Jahren. Durchaus witzig!

Im Jahr 2008 hatte ich aber gerade erst RSS-Feed-Reader für mich entdeckt, bis zu meinem Twitteraccount sollte es noch weiter sieben dauern. Seit dieser Woche habe ich aber quasi noch ein neues Level unlocked, mein erster Twitterthread, mit einer Geschichte, die ich weder auf FB, in meinen Instastories oder hier erzählen wollte:

Noch eine Kulturveranstaltung (oder so ähnlich) stand am Samstag auf dem Programm: 24h de Stan „le plus grand événement étudiant de l’Est de la France“ (das größte Studierenden-Event im Osten Frankreichs). Von Samstag um 16h bis heute um 16h schoben dabei verschiedene Hochschulteams möglichst kunstvoll verzierte, aber gänzlich ausgeschlachtete Auto-Karosserien um den Place de la Carrière in Nancy. Trotz der großen Bühne mit Live-Musik und später einem DJ-Set war die Atmosphäre eher wie auf dem Zeltplatz eines Festivals: Viele verkleidete, tanzende, betrunkene junge Menschen unter freiem Himmel. Leider wurde dem Event um ein Uhr nachts der Strom abgedreht (Lärmschutz?) und es war nur mehr halb so lustig, die Teams bei ihren Umrundungen anzufeuern. 24h de Stan hat sich mir leider bis zum Schluss nicht ganz erschlossen, denn obwohl die ganze Stadt bis spätnachts voller Menschen und Musik war, wurde ich das Gefühl nicht los, dass man zum exklusiven Kreis einer diesen Écoles nationales supérieures gehören musste, um „wirklich“ dabei zu sein.

Jetzt folgen hier erstmal meine (sehr umfangreichen!) Links der Woche, weiter mit dem Ferienspaß dann am nächsten Sonntag:

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Eine Reise nach Lille, Dunkerque und Bruxelles

Über das lange Pfingstwochenende habe ich gemeinsam mit einigen Freund_innen eine kleine Reise Richtung Norden unternommen. Wir waren zu siebt unterwegs und wollten uns einmal abseits der großen mit Flixbus etc. erreichbaren Städte aufhalten, weshalb wir uns dafür ein Auto mieteten.

Via Luxemburg und Belgien landeten wir Freitag spätabends in Lille, unserem Ausgangspunkt für das Wochenende. Samstag morgen brachen wir zum ersten Ausflug ins etwa eine Stunde entfernte Dunkerque (Dunkirk/Dünkirchen) an der Küste auf.

Stadtkern Dunkerque
Das Stadtzentrum von Dunkerque ist nicht besonders spannend.

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Zuckersüß 288

Jetzt auf einmal ging es super schnell: Mein Erasmus-Semester (also der Teil, in dem ich aktiv etwas tun muss) ist zu Ende! Nach weiteren drei Prüfungen, einige davon dümmer als andere (ich glaube, ich schreibe nach meiner tatsächlichen Rückkehr noch einen Zusammenfassung über meine Erfahrungen an der Université de Lorraine, so wie zu Beginn in Neues aus Nancy 2) fängt nun die vorlesungsfreie Zeit an. Also zumindest, wenn ich überall die viel zitierte „Moyenne“ von 10 Punkten erreiche und nicht in die Nachprüfungen muss. Vorerst weiß ich das aber noch nicht und mache jetzt mal ein paar Tage Ferien.

Während der Woche war ich eigentlich schon viel zu beschäftigt mit wissenschaftliche-Texte-auf-Französisch-lesen (so anstrengend, dass ich danach wirklich ein Nickerchen brauche!), doch Druck-Termine sind mindestens genauso dringlich wie Prüfungen. Deshalb habe ich mich in mehrstündigen Telefonaten im InDesign-für-Neulinge-Erklären geübt, am praktischen Beispiel der Abizeitung meiner kleinen Schwester. So rückblickend hatte ich echt sehr großes Glück, dank der Schülerzeitung mit diesem tollen Programm konfrontiert zu werden. Im Laufe der Zeit habe ich so viel Interesse am Layouten von Magazinen gefunden, dass ich mich durch unzählige YouTube-Tutorials und sogar Bücher (auf Papier!) gearbeitet habe und nun einen ganz passablen Wissenstand in dem Bereich habe. Schade, dass die Schülerzeitung meiner alten Schule so dermaßen den Bach hinuntergegangen ist, dass sich das darin angesammelte Wissen (nicht nur über Layouts, sondern auch Fotografie und, am wichtigsten, Schreiben) nicht mehr an die folgenden Generationen weitergegeben hat und die unumgängliche Abizeitung zu einem scheinbar unbezwingbaren Projekt geworden ist…

Über das verlängerte Pfingstwochenende bin ich mit Freund_innen im Norden Frankreichs unterwegs (dieser Post ging automatisch online). Zur Einstimmung dafür haben wir erstmal Dunkirk (das auch auf der Route liegt) angesehen. Ich wollte eigentlich nebenbei Socken stricken, aber gab es sehr schnell auf. Einerseits, weil der Film so nervenaufreibend war, dass mir die Maschen zu entgleiten drohten, andererseits, weil er viel mehr auf Bilder als auf Dialoge setzte. Es waren unglaublich viele Tote zu sehen, aber kaum Blut, was das Ganze aber nicht weniger grausam machte. Trotzdem stimme ich Anne von Flip The Truck (ich erinnere mich leider nicht mehr, in welcher Folge das vorkam) zu, dass Dunkirk ein Kriegsfilm ist, den man auch anschauen (und gut finden) kann, wenn man Kriegsfilme eigentlich nicht ausstehen kann. Und wenn ich die Chance habe, schau ich Dunkirk auch nochmal im Kino, auf einer großen Leinwand!

Über meine Roadtrip-Abenteuer berichte ich dann ein andermal, bis dahin meine liebsten Links der Woche:

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Zuckersüß 287

Zwei Feiertage in einer Woche! Diese Tatsache wurde mir allerdings auch erst am Dienstag klar, als alle Bibliotheken und der Bäcker ums Eck geschlossen waren. Beim nächstgelegenen Bäcker kam ich dann ins Gespräch über die Gründe des Feiertags und kann mir jetzt nicht mehr erklären, wie mir der Tag der Befreiung (Wikipedia, FTW) bisher kein Begriff sein konnte. Immerhin ist der in Frankreich, Tschechien und der Slowakei Feiertag, aber auch in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Am Donnerstag folgte dann Christi Himmelfahrt, aber dieser Feiertag ist mir natürlich aus Bayern und Österreich bekannt.

Trotz der „freien“ Tage verbrachte ich meine Zeit mit Prüfungsvorbereitung – in Form zweier sehr aufwendiger Zusammenfassungs-Sketchnotes:

Vorlesung „Connaissance du champ médiatique“
Vorlesung „Stratégie de Communication“

Außerdem habe ich meine letzte Team-Seminararbeit des Semesters abgegeben, aber die kennt ihr ja vielleicht eh schon: Drei Museen in Straßburg, hier in der Zuckerbäckerei veröffentlicht. Ich finde es ziemlich cool, dass wir in diesem Seminar enorm viel Gestaltungsfreiheit in unserer Abschlussarbeit zugesprochen bekommen haben. Ziel sollte es sein, unsere Ergebnisse so zu präsentieren, dass die Arbeit als Bewerbungsunterlage für Masterstudiengänge (nicht dass ich dafür nochmal in dieses seltsame französische Hochschulsystem kommen wollen würde) oder Praktika taugt. Ich weiß nicht, ob des das bei mir wirklich tut, aber ich habe immerhin ein paar schöne Fotos und Übersichts-Sketchnotes untergebracht!

Heute war ich passend zum grausligen Wetter noch in der Opéra Nationale de Lorraine. All die deutschen Namen aus „Werther“ in der französischen Inszenierung waren ziemlich amüsant. Und was ich richtig super fand: die Petit Fours in der Pause (-> Opern-Banausin)!

Mit Prüfungen geht es in der nächsten Woche auch noch weiter (also jedenfalls wenn kein weiterer Streik oder so dazwischenkommt), aber bevor ich mich damit beschäftige, schreibe ich lieber erst noch meine liebsten Links zusammen:

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