Archiv der Kategorie: Bücher

Bücher im Februar

Im Februar habe ich abgesehen von gar nicht wenigen Texten zu complementizer agreement (BA-Arbeit, yay!), die hier bestimmt niemanden interessieren, drei Sachbücher gelesen. Eins davon habe ich mir spontan aus der Uni-Lehrbuchsammlung mitgenommen, eines impulsiv gekauft und das dritte verschenkt. Alle drei auf dem Foto unterzubringen war gar nicht so einfach, denn das aus der Unibib hat keinen Coverumschlag mehr und das ebook keinen Buchrücken – trotz besonderer thematischer Eignung nicht besonders instagrammable. Seis drum:

Frauen & Macht. Ein Manifest – Mary Beard

Ich war eigentlich wegen anderer Lehrveranstaltungslektüre in der Lehrbuchsammlung, da sprang mir Frauen & Macht in dreifacher Ausführung – eine offensichtliche Neuanschaffung – im Gender Studies Regal ins Auge. Weil die Sonne schien und ich nichts Dringendes vorhatte, setzte ich mich damit gleich auf die nächste Parkbank und las es von vorne bis hinten durch.

Mary Beard ist Altertumshistorikerin und hat in diesem Buch einen ihrer Vorträge verschriftlicht. Mit vielen Beispielen zeigt sie im ersten Teil auf, wie Frauen seit der Antike der Mund verboten wird und wie die Regeln „guter“ Rhetorik seit jeher Frauen aus dem öffentlichen/politischen Diskurs ausschließen.

In der fömischen Welt kommen Ovids Metamorphosen – jenes außergewöhnliche mythologische Epos über menschliche Verwandlungen (und wahrscheinlich das literarische Werk, das nach der Bibel die abendländische Kunst am stärksten beeinflusste) – immer wieder auf die Idee zurück, Frauen im Zuge ihrer Verwandlung zum Schweigen zu bringen. So wird die arme Io vom Gott Jupiter in eine Kuh verwandelt, so dass sie nicht mehr sprechen, sondern nur noch muhen kann. Die geschwätzige Nymphe Echo hingegen wird damit bestraft, dass ihre Stimme nicht mehr ihr gehört, sondern nur noch ein Instrument ist, um die Worte anderer zu wiederholen. (S.20)

Was ich vor diesem Buch auch nicht wusste: Die berühmte „Ain’t I A Women“-Rede von Sojourner Truth, Ikone der US-amerikanischen Anti-Sklaverei-Bewegung, stammt in der überlieferten Form wahrscheinlich nicht von ihr selbst, da sie als Ex-Sklavin aus dem Norden wohl keinen Südstaaten-Akzent hatte (S. 32).

Im Zweiten Teil fragt Mary Beard, wie weibliche Macht aussieht und gelesen wird (hint: sehr oft männlich). Frauen wird Macht nicht wie Männern unhinterfragt zugestanden, weshalb die schlangenlockige, mächtige und letztlich geköpfte Medusa als Karikatur heutiger Politikerinnen herhalten muss.

Mit dem Altertum und besonders antiken Mythen kenne ich mich kaum aus und ich hatte beim Titel dieses Buchs auch nicht damit gerechnet, dass es darum gehen würde. Insofern war Frauen & Macht eine angenehme Überraschung: Ich habe in kurzer Zeit Einiges dazugelernt – und das ohne mich besonders anzustrengen, denn der schmale Band enthält viele Abbildungen und leere Seiten.

Mary Beard: Frauen & Macht. S. Fischer, 2018. 112 Seiten, 12,40 €

Das Millenial Manifest – Bianca Jankovska

Bianca Jankovskas Blog groschenphilosophin habe ich seit Juli 2016 im RSS-Reader. Damals las ich mich an ihren Erasmuss-Beiträgen (sie hat auch Publizistik in Wien studiert) fest und schrieb sie in die Liste lesenswerter „Tagebuch“-Blogs, mittlerweile hat sich ihre Internetpräsenz thematisch und in der Form ziemlich gewandelt. Sie bespielt Instagram gekonnt wie kaum jemand anderes und ist mit Newsletter und Paywall-Podcast immer on brand.

Ich muss mich relativ oft ärgern, wenn ich Texte von Bianca Jankovska lese, vor allem was Podcasts angeht (ein Podcast hinter einer Paywall bei steady entspricht nicht meiner Auffassung dieses Mediums und ich bleibe außerdem anders als die Autorin #teamlaberpodcast). Trotzdem entfolge ich ihr nicht, denn sie hat viel Spannendes zu sagen und postet oft interessante Empfehlungen zu Texten und Büchern anderer Autor_innen. Genau aus diesem Grund ging ich vor einiger Zeit auch in die Buchhandlung um die Ecke und griff zielstrebig nach dem Millenial Manifest.

Mit Teil eins, Kann das Liebe, oder ist das weg? konnte ich wenig anfangen. Es geht sehr anekdotisch um Social Media-Etikette, vor allem Instagram, und Beziehungen „heute“. Der zweite Teil, Willkommen in der Ellbogengesellschaft, der den Wandel der Arbeit thematisiert, interessierte mich schon mehr. Bianca Jankovska bringt viele Situationen auf den Punkt, die mir oder meinem Umfeld – Millenials, ja eh – schon häufig begegnet sind:

Warum hatte ich mich noch gleich so angestrengt, wenn es im Endeffekt keinen Unterschied machen würde, ob ich tatsächlich etwas leistete oder einfach nur freundlich auf dem Bürostuhl saß und den Mindestaufwand verrichtete? (S. 104)

Denn wenn es eines gibt, das Praktika-Ausschreibungen nicht enthalten, dann ist es eine Anleitung dafür, wie man die nächsten ein bis sechs Monate von dem Witz eines Gehalts überleben soll, während die Mieten in mittelgroßen deutschen Städten auf bis zu 600 Euro pro WG-Zimmer angestiegen sind. (S. 127)

Im dritten Teil, Namaste my ass, spielt Instagram wieder eine große Rolle: Selbstdarstellung, unreflektierte Travel-Instagrammerinnen und Privilegien:

Ich würde wirklich gerne wissen, ob Yoga auch gegen Armut, Gewalt in der Familie, Krankheiten, bevorstehende Operationen, Tod der Eltern, Kündigung, Rentenrückzahlungen, Versicherungsschäden und Alkoholprobleme hilft. Kann man mit Achtsamkeit, Selbstliebe, Me-Time und Dankbarkeit seit neuestem die Miete zahlen? Ja, vielleicht gleich Krebs mit dazu heilen? Ach so, wahrscheinlich ist man sogar noch selbst dran schuld. (S.201)

Das Millenial Manifest habe ich in einem Rutsch durchgelesen. Es fühlte sich allerdings nicht so sehr an wie ein Sachbuch, sondern eher wie eine Aneinanderreihung von Artikeln, die für bento, zett oder ähnliche Portale optimiert sind. Jeder einzelne davon ist richtig griffig betitelt (auch catchy Zitate hat die Autorin wirklich drauf!) und die Memes („Irgendeine Headline im Internet, 2018“, „Jeder Travel-Blogger, jemals“, „Irgendein WhatsApp-Gruppenchat“), die manche Kapitel einleiten, könnten nicht besser passen. Für viele Millenials also wohl genau das Richtige (Backcover: „Kämpferisch und unterhaltsam bringt Jankovska das Lebensgefühl der Millennials auf den Punkt“). Ich finde mich nur leider weder in dieser Häppchen-Präsentation (außer #teamlaberpodcast bin ich auch #teamlongread, wie meine Linksammlungen zeigen) noch in vielen der angesprochenen Themen wieder.

Übrigens war Bianca Jankovska mal im heul nicht, mach doch – Podcast (der leider keine gescheite Episodenseite zum drauflinken hat) zu Gast, wo sie mit der Gastgeberin Kato das Branding der Instagram-Berühmtheit Jenna Kutcher zerlegt.

Bianca Jankovska: Das Millenial Manifest. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2018. 240 Seiten, 10,30 €

Instagram Signature Style & Content Strategie. Anleitung & Workbook – Sylvia Fritsch

Dieses ebook habe ich via Bianca Jankovskas Instagram-Story entdeckt und als interessantes Geburtstagsgeschenk für eine liebe Person identifiziert. Für mich selbst hätte ich es wohl nicht gekauft, denn für die doch recht happigen 30 € interessiert mich das Thema zu wenig. Gelesen habe ich es am Ende trotzdem, allerdings ohne die Übungen zu machen.

Der Ratgeber, der in seiner Ästhetik schon sehr instagrammy (viel pastellrosa, Ananas, Pantone-Kärtchen, Blumen und Grünzeug…) ist, ist in vier Kapitel gegliedert: Branding, Content, Styling und Planung. Die Themen werden ziemlich niedrigschwellig eingeführt und dank der Übungen ist die Theorie – hauptsächlich Marketingsachen wie Personas, Brand Awareness, Kund_innen-Bindung usw – einfach anzuwenden. Außerdem präsentiert Sylvia Fritsch ein paar nützliche Software-Tipps (Later z. B. nutze ich selbst, seitdem ich 2014 in Marokko den Instagram-Account von Migrants du Monde betreut habe), beispielhafte Accounts und viele Content-Ideen, die Leser_innen auf ihr eigenes Themengebiet umlegen können.

Viele der Konzepte in diesem ebook kannte ich schon, denn Einiges davon war *früher* so auch schon für Blogoptimierung zu lesen (Regelmäßigkeit, Redaktionspläne, eigene Stimme/Stil finden) und das Marketingzeug ist mir neulich in einigen Uni-Seminaren untergekommen.

Nach dem Lesen dieses Buchs ist mir allerdings erst recht die Lust vergangen, den Instagram-Account (bis heute ohne die Business-Features/Statistiken der Plattform) der Zuckerbäckerei strategisch zu optimieren. Ich bin nicht (finanziell) auf Follower_innen-Wachstum angewiesen, das Ideale-Postingzeiten und Beste-Hashtag-Kombi-Hokuspokus fand ich schon immer schrecklich. Instagram gut/erfolgreich zu bespielen ist eine sehr zeitaufwändige Angelegenheit, die aktuell nicht für mich in Frage kommt.

Ich sehe keinen Grund, Stockfotos mit catchy captions zu posten, nur um immer im gleichen Farbschema zu bleiben. Ich werde auch keinen E-Mail-Newsletter starten, um meine Follower_innen an mich zu binden (mein Herz schlägt für frei zugängliche Inhalte im dezentralisierten Web, aka Blog). Die Captions meiner Blogpost-Ankündigungen (und mehr poste ich im Zuckerbäckerei-Instafeed praktisch nicht) werde ich in Zukunft zwar mehr mit „Instagram First“-Haltung schreiben, aber das wars dann auch. Sollte ich mir das allerdings doch irgendwann anders überlegen, werde ich auf dieses ebook zurückgreifen.

Ebook hin oder her, die Autorin postet als @sylvia_fritsch auf Instagram auch so regelmäßig interessante Sachen zum Thema Branding und PR.

Sylvia Fritsch: Instagram Signature Style & Content Strategie. Anleitung & Workbook. 50 Seiten, PDF, 30 €

Bücher im Januar

Mein ausführliches Zuckersüß-Schreiben ist mir zu viel geworden, das Bücherlesen habe ich damit aber im letzten Jahr sehr ins Herz geschlossen. Deshalb starte ich jetzt einfach eine neue Kategorie im Blog.

Ich habe nicht besonders viel Expertise, was Literatur angeht, bin nicht erfahren im Rezensionen-Schreiben, aber irgendwo muss eins ja mal anfangen. Die Zuckerbäckerei ist meine Lieblingsspielwiese für neue Ideen, deshalb folgt hier einfach mal mein Januar-Bücher-Rückblick:

Versteckte Jahre – Anna Goldenberg

Versteckte Jahre war das erste Buch, das ich in diesem Jahr fertig las. Ich hatte es zum Geburtstag bekommen, nachdem ich von der Buchpräsentation in der Wiener Hauptbücherei so begeistert war.

Es geht um Hansi, den Großvater der Autorin, der sich als jüdischer Jugendlicher in Wien mithilfe des Schularztes Josef „Pepi“ Feldner vor den Nazis versteckt hielt und die Großmutter Helga, die als junges Mädchen nach Theresienstadt deportiert wurde.

Die Geschichte ging mir unglaublich nahe, denn manche Schauplätze kenne ich sehr gut. In der Lange Gasse, wo ich heute mehrmals wöchentlich zur Uni gehe, gerieten Hansi und Josef 1945 in eine Schießerei der Militärpolizei. Auch die vielen kleinen Details bringen einem das Leben der Protagonist_innen näher: Kramperltee aus Apfelschalen, den Hansi und Pepi trinken oder die Förmlichkeiten (sehr österreichisch: Anrede mit akademischen Titeln), die unter den nach Theresienstadt verschleppten Jüd_innen üblich waren.

Anna Goldenberg verwebt die Aufzeichungen ihres Großvaters, Erzählungen ihrer Großmutter und ihre eigenen Erfahrungen auf der Spurensuche zu einer sehr berührenden Geschichte, die sich wie eine lange Reportage liest. Anders als z. B. Der Trafikant von Robert Seethaler, das auch im nationalsozialistischen Wien spielt, sind die Menschen in Versteckte Jahre echt. Und das Trauma des Holocaust noch immer da – diese Stelle werde ich beispielsweise nicht so schnell wieder vergessen:

Ich kann mich nicht daran erinnern, nichts über den Holocaust gewusst zu haben. Als Sechsjährige beäugte ich misstrauisch die Duschen in einem Salzburger Skihotel. Ich hatte gehört, dass Verwandte mit getarnten Duschen ermordet worden waren; wie konnte ich mir sicher sein, dass man uns hier nicht auch umbringen würde? (S. 82)

Anna Goldenberg: Versteckte Jahre. Zsolnay, 2018. 192 Seiten, 20,60 €

Alle außer mir – Francesca Melandri

Seit ich im September dieses FAZ-Interview mit Francesca Melandri (das ich über Julian Schmidlis Newsletter gefunden habe) gelesen habe, wollte ich unbedingt sofort Alle außer mir lesen. Leider ist es recht teuer und keine Bücherei, bei der ich eingeschrieben bin, hatte es im Katalog. Nach zu langem hin und her kaufte ich es mir aber doch und ließ es erstmal im Bücherstapel liegen. Als ich allerdings damit anfing, hatte ich die mehr als 600 Seiten in vier Tagen durch.

Über drei Generationen und Länder spannt die Autorin die Familiengeschichte von Attilio Profeti auf. Der meldet sich als faschistisches Schwarzhemd freiwillig zur italienischen Kolonialisierung Äthiopiens und streicht diesen Abschnitt später aus seiner Biografie. Doch Jahrzehnte später, in Zeiten von Frontex, steht ein Äthiopier, der sich als sein Enkel ausgibt, auf der Türschwelle von Attilio Profetis Tochter Ilaria in Rom.

Ich interessiere mich in letzter Zeit ziemlich für Italien (war recht oft dort!) und Kolonialgeschichte (weil mir scheint, ich wüsste zu wenig darüber). Der Roman behandelt beides sehr ausführlich: Die Begeisterung vieler Italiener_innen für den Faschismus (1935 wurden Eheringe öffentlichkeitswirksam für das Vaterland eingesammelt und durch eiserne Ringe ersetzt: Oro alla Patria?!) genauso wie der Kampf der Partisanen gegen das Regime. Die unsägliche Korruption und den Klientelismus, die bis heute die italienische Politik prägen. Die Grausamkeiten, die die Italiener in Äthiopien in nur fünf Jahren begingen, die furchtbaren Rassentheorien, die sich noch Jahrzehnte später hielten, die „Entwicklungshilfe“ die in den 1980er nur noch mehr Leid in die ehemaligen Kolonien brachte.

Mit einem großen Twist auf den letzten Seiten geht zumindest die Geschichte der Familie Profeti am Ende halbwegs gut aus – jedenfalls für die Figuren, die nicht den Verbrechen der Kolonialzeit, späteren Diktaturen oder ’starken‘ EU-Außengrenzen zum Opfer gefallen sind. Das Buch ist stellenweise sehr schmerzhaft zu lesen und doch bin ich froh, nun mehr über das europäisch-afrikanische Unterdrückungsverhältnis zu wissen.

Francesca Melandri: Alle, außer mir. Aus dem Italienischen von Esther Hansen. Wagenbach, 2018. 604 Seiten, 26,80 €

Super, und dir? – Kathrin Weßling

Dieses Buch bekam ich zu Weihnachten und ich glaube, im Geschenk schwang auch eine Warnung mit, nicht so ein Workaholic wie die Hauptperson zu werden.

Marlene Beckmann kommt aus einer kaputten Familie – Vater weg, Mutter alkoholkrank und depressiv – und niemand darf es wissen. Sie schreibt super Noten, macht einen hervorragenden Uni-Abschluss und bekommt den Marketing-Job, den alle haben wollen. Auf Social Media ist ihr Leben perfekt, die Warheit sieht jedoch finster aus.

So sehr mich dieser Roman vor allem am Anfang mitriss, so ratlos hinterließ er mich. Arger Leistungsdruck, prekäre Arbeitsverhältnisse (Marlene ist natürlich befristet angestellt und kämpft gegen eine Kollegin um eine Festanstellung), Sexismus, dauernde Selbstinszenierung auf Social Media – in dieser Umgebung muss sich meine Generation zurechtfinden. Marlene scheint das alles mit links zu meistern, doch sie zerbricht an den Erwartungen. Und niemand, nicht einmal Marlenes Arzt, hilft ihr, weil sie so makellos erscheint.

Menschen wie ich tauchen nicht in den Dokumentationen und Statistiken auf. Wir sind eine Fußnote, eine Randnotiz, ein Relativsatz. Wir sind die, denen es nicht passiert. Wir werden nicht süchtig. Wir sind zu klug, zu reich, zu gebildet, zu sozial integriert; wir haben Depressionen, Lebenskrisen, Sex mit unseren Vorgesetzten, Meinungsverschiedenheiten mit unseren Eltern, Muskelkater nach dem Yoga, 532 Freunde auf Facebook, große und kleine Pläne, Universitätsabschlüsse, Endometriose, Spliss, Depressionen und Essstörungen, einen Elternteil verloren, einen Hund oder Schulend beim Bafög-Amt. Wir haben keine Sucht-Probleme. (S.69)

Die Autorin arbeitet übrigens selbst als Social-Media-Redakteurin und war Ende 2017 mal im Leitmotiv-Podcast zu Gast.

Kathrin Weßling: Super, und dir? Ullstein fünf, 2018. 256 Seiten, 16,50 €

Immer schon vegan – Katharina Seiser

Ein Kochbuch in der Bücherliste? Auf jeden Fall! Das hier habe ich ebenfalls zu Weihnachten bekommen und nicht nur durchgeblättert, sondern tatsächlich durchgelesen. Katharina Seiser schreibt nämlich nicht nur zu jedem Rezept eine kurze Einführung, sondern auch noch ein Kapitel zum Geschmack allgemein – duftig, knusprig/weich, heiß/kalt, süß, sauer, salzig, scharf, umami, bitter, fett, würzig.

Die Rezepte sind nach den Jahreszeiten gegliedert, außerdem gibt es ein Jederzeit-Kapitel. Bisher habe ich nur den Erdnusseintopf mit Süßkartoffeln ausprobiert, die Zutaten fürs Kartoffel-Kibbeh mit Walnusszwiebeln habe ich aber schon besorgt. In jedem Rezept steckt zumindest eine spezielle Zutat, die unsere WG-Küche im Normalfall nicht hergibt – frischer Koriander, Sumach, Sherry – aber genau das macht die Gerichte in Immer schon vegan so besonders.

Der immer-schon-vegan-ohne-Ersatzprodukte-Ansatz ist mir sehr sympathisch und Katharina Seisers Herangehensweise sowieso. Ihr Blog esskultur gehört zu meinen absoluten Lieblingen (von dort stammt das Rezept für die kandierten Zitronenschalen!), ihre Instagramstories verfolge ich immer. Im Erklär mir die Welt-Podcast hat sie vor einiger Zeit vom Vegan-Versuch erzählt, der den Startschuss für das Kochbuch bildete.

Katharina Seiser: Immer schon vegan. Traditionelle Rezepte aus aller Welt. Brandstätter, 2015. 176 Seiten, 25 €

Zuckersüß 280

In dieser Woche hatte ich ziemlich wenig Uni. Es fielen krankeitsbedingt ein paar Stunden aus, die ich dann in der Bibliothek verbrachte, um mich durch die dortige Magazin-Auswahl zu lesen. Dabei hatte ich nicht nur erstmals die Print-Version des New Statesman, auf den ich hier so oft wegen Laurie Pennys Kolumnen verlinke, in der Hand, sondern auch die großartige Revue dessinée:

Am Donnerstag änderte sich der Grund für den Unterrichtsausfall: Der Campus wurde besetzt! Zeitgleich mit den Streiks der Eisenbahner_innen beschlossen einige Studierende, militanter gegen die geplanten Universitätsreformen zu protestieren. Schon seit meiner Ankunft hingen Transparente mit „Non au Plan Étudiant“ im Innenhof, kopierte Zettel mit Protest-Memes klebten an den Aushangswänden und flatterten durch die Hörsäle. Im Innenhof wurde am Donnerstagmorgen die Beerdigung der Fakultät vorbereitet und mit einer Demo durch die Innenstadt unterstrichen. Die Universitätsleitung sagte daraufhin alle Lehrveranstaltungen für Donnerstag und Freitag ab und auch heute (Montag) bleibt der Campus geschlossen. An anderen Unis (Toulouse, Montpellier, Paris) war Donnerstag ebenfalls Streiktag, teilweise geht die Besetzung aber schon seit einigen Wochen dahin und noch weiter. Mich erinnert die Aktion an Uni brennt von 2009/10, das mittlerweile sogar schon einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Hoffentlich ist der Kampf der Aktivist_innen gegen die zukünftigen Zugangsbeschränkungen erfolgreich!

Vor der Besetzung der Universität habe ich mir noch zwei Bücher aus der Bibliothek und eines aus dem Französischkurs-Fundus ausgeliehen. Erstmals seit sehr vielen Jahren hatte ich also mehrere fiktionale Papier(!)-Bücher auf dem Nachtkästchen, die ich tatsächlich las. Robert Seethalers Der Trafikant las ich innerhalb von drei Tagen, wobei ich es am liebsten gar nicht weglegen wollte. Die Tatsache, dass ich die Schauplätze der Geschichte im Kopf habe (Wien!) und nicht besonders viel über den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich weiß, machte den Roman sehr interessant für mich. Außerdem hatte ich große Freude, ein bisschen Dialekt zu lesen, wo er mich nun nicht mehr tagtäglich umgibt. George Orwells Animal Farm habe ich nach einem Gespräch mit einem italienischen Bekannten spontan als kurze Zwischenlektüre (knappe 100 Seiten) in meinem Mini-Buchclub (s. Qualityland von Marc-Uwe Kling im Zuckersüß 271 und Der Große Glander von Stevan Paul im Zuckersüß 275 und 276) hinzugefügt. Es enthält einige englische Wörter, die mir noch niemals begegnet waren (über Bauernhöfe lese ich recht selten, egal in welcher Sprache), was dazu führt, dass ich mein Englischvokabular zumindest passiv aufbessere. Das ist ein praktischer Nebeneffekt zur Tatsache, endlich den Originaltext eines Buches zu kennen, das so oft zitiert wird.

Nicht zur Buchclublektüre, weil auf französisch, gehört Terre des hommes von Antoine de Saint-Exupéry. Diesen Roman habe ich spontan aus der Bücherkiste meines ERASMUS-Französischkurses ausgeliehen. Der Name des Autors war mir durch den Kleinen Prinzen geläufig und ich dachte, die anderen wichtigen Werke der französischen Literatur (Proust, Baudelaire und andere klingende Namen) wären schwieriger zu lesen. Ich kann nicht sagen, in wie weit das stimmt, jedenfalls habe ich mit Terre des hommes schon genug zu kämpfen. Ich habe praktisch keine Probleme, mich auf französisch zu unterhalten, Uni-Vorlesungen zu folgen oder Filme anzusehen, aber Lesen ist eine sehr große Herausforderung und dauert soooo lange. Ich werde aber nicht aufgeben, ich will schon noch wissen, wie die Geschichte der französischen Post-Piloten Anfang des letzten Jahrhunderts ausgeht!

Abgesehen von verstärkt in Papier-Büchern lesen, habe ich mich halbwegs spontan (nach dem Lesen dieser Seite) entschieden, meinen Smartphone-Startscreen Digital-Detox-mäßig aufzuräumen. Darauf finden sich jetzt nur mehr Messenger-Apps, „Werkzeuge“ (Notizen, Wörterbuch, Maps, Kamera…) und mein Podcatcher. Instagram, Twitter und Feedly (Facebook habe ich ohnehin schon lange deinstalliert) wanderten auf die zweite Seite. Ich glaube zwar, dass ich in den letzten Tagen weniger oft Twitter oder Insta-Stories gecheckt habe, kann aber bisher keinen Effekt auf meinen Gemütszustand feststellen. Mal sehen, wie das weitergeht.

Jetzt folgen einige tolle Links, die es trotz eingeschränktem Twitterkonsum in meine wöchentliche Empfehlungsliste geschafft haben:

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