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Jahresrückblick 2020

Eigentlich wollte ich aus Faulheit (und wegen „wichtigeren Dingen“) keinen zusammenfassenden Post über dieses seltsame 2020 schreiben. Dann habe ich die Jahresrückblicke anderer Leute (alle sehr unterschiedlich: uarrr, Anke Gröner, Ann Helen Petersen, Joël Adami) gelesen. Das hat mich dringend motiviert, meine (nicht besonders kohärenten) Aufzeichnungen zu Folgendem zusammenzuschreiben:

Blog

Zu Beginn erstmal einfach zu generierende Zahlen: Hier im Blog habe ich 49 Rezeptposts und 33 Zuckersüß-Linksammlungen veröffentlicht, den wöchentlichen Rhythmus habe ich damit bei letzteren ganz klar nicht einhalten können. Insgesamt habe ich 97 Posts geschrieben, also *fast* zwei pro Woche (mein persönliches Ziel).

Lieblingsrezepte zu küren finde ich schwer wie eh und je. Sicher ist: für den Titel „weirdestes Dessert 2020“ gibt es viele Anwärter: Mochi-Kuchen mit schwarzem Sesam, Erdnussbutter-Miso-Cookies, Feigen-Sahne-Eis mit Karamellisierten Oliven und die Schoko-Tahini-Kekse mit Nori und Schwarzem Sesam.

„Überraschung des Jahres“ war eindeutig der Grießschmarren (wie kann es sein, dass ich den erst nach mehr als 10 Jahren Bloggen ausprobiert/entdeckt habe??) und „Lieblingsgeschmackskombination“ gewinnt die Rhabarber-Baiser-Tarte mit Anis.

Ich habe dieses Jahr drei Rezepte neuentwickelt bzw. nachgebaut, auf die ich besonders stolz bin: Pastiera di Grano (mit dem ich dann bei ZEIT online landete – fame im 11. Blogjahr?), Erdbeerkuchen mit Verbenencreme und Kombuchagelee und Birne-Helene-Tarte mit Walnuss.

Cocktails gabs auch ein paar: The Painkiller, Rhabarber-Fenchel-Wermut-Cocktail, Falscher Stars on 33 und Jungle Bird.

Lokale

Das mit dem Restaurant- und Bar-Besuche in Blogposts festhalten hat nicht geklappt, obwohl es mir zu Jahresbeginn ein großes Anliegen war (neuer Anlauf 2021!). Einzige Überbleibsel von meinen Lokalkritiken sind in meinen Insta-Story-Archiven versteckt, manchmal noch in Zuckersüß-Posts erwähnt.

Besonders schade ist das im Fall vom Mraz&Sohn. Meinen lang gehegten Traum eines Besuches in diesem Zwei-Sterne-Laden habe ich mir im Oktober erfüllt – und nix darüber gebloggt…

Menüvorschau bei Mraz&Sohn

In meinem Lieblingslokal Bruder in Wien war ich 2020 drei Mal (so selten nur!?!), im Juni und im September habe ich darüber geschrieben. Außerdem explizit verbloggt: Puerta Del Sol und ALMA Gastrothèque. Wenn ich meinen Notizen trauen kann, habe ich 2020 insgesamt 30 Mal „auswärts“ gegessen, davon 20 mal wirklich und zehn Mal „nur“ Take-Away. Money well spent, wirklich.

Gerichte, die mir in besonderer Erinnerung bleiben: Salsiccia mit Topinambur, Karotten und Schmorzwiebeln (Wetter, Januar), Klebreis mit Banane, Adzukibohnen und salziger Kokossauce (Mamamon, April), „Young and Beautiful“ Molkepolenta mit Ricotta und Frühlingsgemüse (ALMA Gastrothèque, Mai), „In scharfen Gewässern“ Palatschinken mit Waller, Käferbohnenpüree, Maissalat, Tomatensalsa (Bruder, September), Wassermelonen-Bruschetta und Pfirsich-Rosen-Kompott (Mraz&Sohn, Oktober).

Bücher

Ich habe dieses Jahr 13 Bücher fertiggelesen (bisschen enttäuschend, 2019 warens 22) und leider nur über acht davon ausführlicher geschrieben. Chronologisch:

  1. Mark-Uwe Kling: Das Neinhorn (tolles Bilderbuch)
  2. Simone de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich (so langatmig. nicht fertiggelesen)
  3. Edward Snowden: Permanent Record (beängstigend. Hier ausführlich besprochen)
  4. Mona Horncastle: Margarete Schütte Lihotzky. Architektin Widerstandskämpferin Aktivistin (viel gelernt, noch mehr Schütte-Lihotzky-Fangirl jetzt. Hier ausführlich besprochen)
  5. Ruth Reichl: Save me the Plums (mittelmäßig. Hier ausführlich besprochen)
  6. T.C. Boyle: Das Licht (mitreißend. Hier ausführlich besprochen)
  7. Edouard Louis: Das Ende von Eddie (hat mich sehr mitgenommen. Hier ausführlich besprochen)
  8. Jia Tolentino: Trick Mirror (Erwartungen nicht erfüllt. Hier ausführlich besprochen)
  9. Sally Rooney: Normal People (Erwartungen übertroffen. Hier ausführlich besprochen)
  10. Liv Strömquist: Der Ursprung der Liebe (einziger Comic des Jahres! Hier ausführlich besprochen.)
  11. Elfriede Jelinek: Die Liebhaberinnen (sehr, sehr bedrückend)
  12. Nathaniel Rich: Losing Earth. A Recent History (aufgegeben, weil zu USA-zentriert/detailliert)
  13. Julya Rabinowich: Spaltkopf (keine einfache Lektüre)
  14. Friedemann Karig: Vom Ende der Monogamie (sehr nervig. nicht fertiggelesen)

Angefangen, aber noch nicht fertig:

  • Frank Chimero: The Shape of Design
  • Karolin Schwarz: Hasskrieger
  • Annie Ernaux: Die Jahre
  • Elizabeth Hawes: Zur Hölle mit der Mode
  • Kassia St Clair: Die Welt der Stoffe
  • Zadie Smith: Swing Time

Kino und Bewegtbild

Ich war tatsächlich viermal im Kino, trotz 2020!. Im Januar in Lindenberg. Mach dein Ding (hat Spaß gemacht!), im Februar in Nancy in La llorona (gruselig!), im März in Brot und im September noch in Tenet (sehr verwirrend).

Es gab im Sommer ein paar Filmabende mit Freund_innen bei mir daheim, besonders gefallen haben mir da Only Lovers Left Alive (depri-Vampire in Detroit und Tangier!), Long Shot (unübliche, sehr lustige Rom Com) und Rocketman (fröhliches Elton-John-Musical).

Im „Fernsehen“ (kein TV-Gerät weit und breit) habe ich viel arte (z.B. Mit offenen Karten), John Oliver, heute show und neuerdings auch ZDF Magazin Royale geschaut. Auf YouTube habe ich den Internet Historian für mich entdeckt, und sehr gerne Corridor Crew geschaut. An Serien erinnere ich mich schon wieder kaum mehr, Sex Education auf Netflix hat mir sehr getaugt, die Normal-People-Verfilmung nicht so sehr (aber die Pullover!!!), gerade bin ich in The Marvelous Mrs Maisel auf Amazon Prime gekippt.

Ausstellungen

In Museen zu gehen (und darüber nachzudenken/ zu schreiben) hat sich spätestens 2019 zu einem regelmäßigen Hobby von mir entwickelt – Bildungsbürgertum lässt grüßen. 2020 war ich insgesamt in 9 Ausstellungen, meine MAK-Jahreskarte hat sich gelohnt:

Gestricktes

Im März habe ich mir einen Account bei Ravelry geklickt und bin seither allergrößter Fan. Anleitungen, Garne und Projektfortschritte tracke ich seither genau in meinem Ravelry-Notebook. Darin findet sich für 2020 ein Party Top Pullover, eine Winterfell Cardigan, ein Cinna Top, eine Sunday Cardigan, der noch die Knöpfe fehlen, ein Wave after Wave-Kleid, ein paar Socken für mich, zwei paar Socken für Freunde, und eine gehäkelte Pfauenauge-Girlande – fast 4,5 km Garn insgesamt!

Im März habe ich zwei Stoffmasken mit der Hand genäht, im August eine Nähmaschine angeschafft / gesponsort bekommen. In meinen letzten Ferienwochen entstanden so noch eine Pyjamahose, ein Sommerkleid aus einer alten Leinentischdecke und ein paar Masken aus einem nicht-passenden Sommerkleid. Das nächste Projekt, ein Zitronen-Sommerkleid, ist leider wegen viel zu vielen anderen to-dos eingemottet (meine zweieinhalb übrigen Ferientage jetzt will/muss ich leider auch für anderes verwenden). Mehr zu meinen Näh-Ambitionen steht hier.

Reisen

Ein schlechtes Thema für 2020. Kurz bevor das Chaos über Mitteleuropa hereinbrach, war ich aber noch in Paris (dort entstand das Titelbild), Nancy und Augsburg. Ansonsten habe ich Wien kaum verlassen, mal abgesehen von Dienstreisen nach Bad Goisern, Langenlebarn (ein Highlight eindeutig: die Koch.Campus-Terroir-Karottenverkostung) und ins Weinviertel.

Sonst So

Ich habe 2020 meinen zweiten Bachelor (genau genommen ein österreichisches Bakkalaureat in Publizistik- und Kommunikationswissenschaften) abgeschlossen und bin in meinem Wunsch-Masterprogramm (STS) aufgenommen worden. Yay!

Freelance-Sketchnotes gabs pandemiebedingt eher wenige, kurz vor Corona habe ich noch meinen allerersten Workshop für Jugendliche gehalten, das war toll. Daneben habe ich (wenn ich keine vergessen habe) 20 Sendungen und Beiträge für Ö1 gestaltet:

Ein Highlight war die Croissant-Sendung, weil ich dafür erstmals ein Interview auf französisch führen konnte, und zwar mit dem Pariser Croissant-Meister Lionnel Bonnamy. Bei der Japan-Schwerpunktwoche konnte ich mit Lukas Mraz reden – großer Fangirl-Moment. Die Karotten-Sendung entstand hauptsächlich mit Material von einer Karottenverkostung in der Gastwirtschaft Floh in Langenlebarn, ein Event, das ich auch nicht so schnell vergessen werde (dort hab ich Stevan Paul getroffen, nochmal fangirling!). Im November hatte ich dann noch die Chance, für Diagonal drei superspannende Rezeptautor_innen zu interviewen: Sami Tamimi, Tara Wigley und Helen Goh.

Jetzt fällt mir nix mehr ein (Podcasts und Musik habe ich zu lückenhaft dokumentiert, um es hier sinnvoll aufzulisten), deshalb: Gutes neues Jahr!