pflanzen mit weißen blüten vor einem gewässer

Zuckersüß 370

In den letzten zwei Wochen war ich sehr viel in Zügen unterwegs, in den Bergen und #amland – richtige Ferien also. Und obwohl ich meinen Laptop absichtlich daheim gelassen habe, um ja vom Bildschirm wegzubleiben, habe ich eine ganze Webseite für meinen Papa gebaut. Ich war erstaunt, wie schnell ich mittlerweile darin bin, eine WordPress-Instanz aufzusetzen (Übung mit vier Webseiten zahlt sich offenbar aus!) und dass das aufwändigste der „technischen“ Arbeit war, ein passendes Theme zu finden. Ich finde, dass auch das geglückt ist, gogos-kunstwerke.de ist eine schöne Galerie der Schnitzereien meines Vaters geworden. Die ganzen Fotos zu schießen und einzupflegen hat dann nochmal einen ganzen Tag gedauert, aber in Zukunft machen das meine Eltern (denen ich hoffentlich gut genug beigebracht habe, wie eins mit WordPress arbeitet…).

Dieses Objekt gehört zu meinen liebsten, die mein Papa in letzter Zeit geschnitzt hat, es heißt „Five in a row“.

Magazinliebe

In meinem Kinderzimmerschrank habe ich hunderte Magazine wiederentdeckt, die ich von 2009 bis etwa 2013 gesammelt habe, und mich enorm darüber gefreut. Nicht nur, weil so unterschiedliche Genres dabei waren (von Branchenmagazinen wie journalist, publisher und rolling pin, über Illustrierte aus verschiedenen Ländern bis zu mittlerweile leider eingestellten Titeln wie der deutschsprachigen WIRED, NEON oder CUT), sondern auch, weil die Titelthemen wie ein zeitgeschichtliches Fenster in eine andere Welt waren. Der arabische Frühling fing gerade erst an, Popfeminismus schwappte langsam in den Mainstream, Musikmagazine waren noch männlicher geprägt als jetzt und so weiter.

In meiner Sammlung sind auch gar nicht wenige nischige Indiemagazine vertreten, die ich allein wegen ihrer Form (das Papier! die Prägungen! die Illustrationen! das Layout!) behalten muss: CUT, ESCEHAERIEFTE, BLOCK, Slanted, MUH, Fräulein. Sehr viel daraus floss in meine Schüler- und Abi-Zeitungsarbeit ein: kleine Klebemarkierstreifen zeigen, welche Rubriken/Layoutideen/etc ich der Redaktion vorschlagen wollte.

ein kleiner Teil meiner Magazinsammlung

In den letzten Jahren hat sich mein Fokus aufs Internet verlegt (Blogs lesen und schreiben, Podcasts hören und produzieren) und ich habe sehr viel weniger Magazine gelesen. Derzeit habe ich „nur“ drei abonniert – den kostenlosen, aber supertollen Fluter, die allerbeste Effilee und neuerdings auch die Mixology – die aber oftmals wochenlang herumliegen, bis ich sie mal aufschlage (früher hätte ich sie *sofort* von Cover zu Cover durchgelesen). Aus diesem Grund kaufe ich mir auch sehr selten andere Magazine, obwohl ich oft genug damit liebäugle. Denn coole Indie-Titel gibt es trotz schlechten Branchenbedingungen nach wie vor: TAGEBUCH, Toothache, MOLD, marmite und das halbe Sortiment von Coffeetable Mags würde ich sehr gerne lesen.

Hier folgt jetzt wie immer alles verlinkbare, das ich in den letzten Tagen gelesen und für interessant befunden habe:

Rezepte

Vegan Roasted Banana Tahini Ice Cream – Last Ingredient
Leider habe ich keinen Food Processor, der stark genug ist, gefrorene Bananen zu verarbeiten…

Dori Sanders’ No-Churn Fresh Lemon Ice Cream Recipe – Food52
Noch ein Ohne-Eismaschine-Eis-Rezept. Erinnert mich ein bisschen an diesen Zitronenpudding, der auf das gleiche Eindick-Prinzip (Sahne+Säure) setzt.

Feigen-Sahne-Eis mit grünen Oliven – Effilee
Die Geschmackskombi klingt sehr arg.

Sichuan Chile Crisp Sundae With Peanut Streusel Recipe – NYT Cooking
Und diese hier auch. (Aber: Kenji Lopez-Alt erklärt, wieso Sichuan Chili+Knoblauch(!)+Fenchel trotzdem zu Vanilleeis passt)

Extra-Crispy Parmesan-Crusted Roasted Potatoes Recipe – NYT Cooking
Kenji Lopez-Alt’s Bratkartoffeltechnik fasziniert mich.

Fenchel, Chicorée und Nüsse – Splendido Magazin
Nicht in Saison, leider…

Vieux Carré Sour – Trinkprotokoll
Der Drink klingt sehr gut, vielleicht traue ich mich dafür mal ins Park Hyatt.

Texte

Jäger des verflixten Dönerlogos – FAZ
Sogar bei Falafel im Einsatz, wie ich vergangene Woche festgestellt habe…

Ich habe mich schon häufiger gefragt, wie ausgerechnet dieses rote Logo vom Mann mit der Kochmütze und dem schmalen Oberlippenbart neben dem senkrecht rotierenden Spieß das universelle Logo für jede Verpackung von Döner-Kebap-Sandwiches geworden ist. Nicht nur in Deutschland. Selbst im Urlaub habe ich immer genau dieses Logo gesehen. Es scheint eine unabgesprochene Regel zu sein, dass man als Dönerverkäufer nur dieses eine Logo auf seine Tüten drucken kann.

I’ll Never Be Able to Cook the Bad News Away. But I Try Anyway – Bon Appetit (via Joy the Baker)
Roxane Gay über Heimisolation und Kochprojekte.

It is an immense privilege, and one I do not take for granted, having access to fresh food, having the money to buy it, having the leisure to track down ingredients, and the time to cook. I am overwhelmed by this privilege as I read the news each day, knowing that more than 22 million people are unemployed; that there are endless lines at food banks across the country; that people are getting sick and they are dying; and cities across the country are hampered by inadequate testing, no contact tracing, and an anemic federal response. It’s all too much, and feeling that way is also a privilege. As Debbie, a news junkie, watches Rachel Maddow update us on the latest travesties with tightly controlled, eloquent rage, I bake and cook as if that might temper the terrible news. It doesn’t, at all, but it is a distraction. It is a reminder that as the world falls apart, we still have basic needs—to nurture and be nurtured, to nourish and be nourished. We may be stuck at home, but we are well-fed.

The ungrateful refugee: ‘We have no debt to repay’ – The Guardian
Dieser Text macht mich sehr nachdenklich – von mir hat im Ausland noch nie Dankbarkeit verlangt (was ein deutscher Pass nicht alles ermöglicht)…

Grateful. There was that word again. Here I began to notice the pattern. This word had already come up a lot in my childhood, but in her mouth it lost its goodness. It hinted and threatened. Afraid for my future, I decided that everyone was right: if I failed to stir up in myself enough gratefulness, or if I failed to properly display it, I would lose all that I had gained, this western freedom, the promise of secular schools and uncensored books.

Wrongfully Accused by an Algorithm – NYTimes
Wieso nur hat man es der Polizei erlaubt, Gesichtserkennungssoftware einzusetzen?

“This document is not a positive identification,” the file says in bold capital letters at the top. “It is an investigative lead only and is not probable cause for arrest.”
This is what technology providers and law enforcement always emphasize when defending facial recognition: It is only supposed to be a clue in the case, not a smoking gun. Before arresting Mr. Williams, investigators might have sought other evidence that he committed the theft, such as eyewitness testimony, location data from his phone or proof that he owned the clothing that the suspect was wearing.

Horst Seehofers misslungener PR-Stunt – DER SPIEGEL
Sascha Lobo:

Dass Seehofer eine Verbindung gezogen hat zwischen der „taz“-Kolumne und der Randale in Stuttgart – als würden junge, betrunkene Männer der Stuttgarter Partyszene die „taz“ zwischen den Zeilen lesen und als Aufforderung begreifen – zeugt von der Skrupellosigkeit des Innenministers. Vor allem, weil sich ebendieser Seehofer über die Verwüstung von Leipzig Connewitz durch Nazis deutlich weniger aufgeregt hat.
Agenda Cutting funktioniert am besten mit spektakulärer Übertreibung, weil auf diese Weise die Gegenseiten angeregt werden, selbst scharf zu widersprechen. Erst durch einen vielstimmigen Schlagabtausch entsteht die Diskurs-Lautstärke, die man braucht, um andere Themen zu verdrängen. Dadurch wächst bei publizistisch arbeitenden Menschen der Drang, sich auch äußern oder protestieren zu müssen.

The joys of Czech tramping: ‘Hiking with friendship, freedom and fun’ – The Guardian
Solche Ferien klingen lustig!

The notion of tramping – or “wandering” as some prefer to call it – may just sound like a regular hiking or camping trip. But I can assure you, it’s not. A romanticised hybrid of both pursuits, it is a far quirkier beast, with folk singing, and a generous helping of rum thrown in. The tradition dates back to the early 20th century, and is influenced by the Scout movement and the free-roaming cowboy novels of Bret Harte and Jack London. Stifled by the pomposity of the Austro-Hungarian Empire, many young Czechs idolised liberal America – and saw the wild west as its free-range embodiment. As such, working-class youths – keen to slip away from their conventional parents – would head into the wild to explore, sing songs, then collapse wearily under the stars. More than a century later, the tradition lives on, and not just amongst men, but with women and kids too.

Warum man auf dem Westbahnhof schmust, aber nicht auf dem Hauptbahnhof- derStandard.at
Ich bin nur mehr selten am Westbahnhof, aber jedes mal wenn ich dort bin, bleibe ich stehen, weil ich die Halle so schön finde.

Mit Kathedralen wurden große Bahnhöfe gern verglichen, aber Menschen, die in jungen Jahren von hier aus je auf Interrail unterwegs waren, wissen: Gemeint sind damit keine aktuell existierenden Bahnhöfe aus Österreich. Kathedralen, das sind der Gare de Lyon in Paris, der Bahnhof von Amsterdam oder Paddington Station in London. Insofern gibt es auch keinen Grund, gar dem alten Südbahnhof nachzutrauern, der doch nur Ausgangspunkt für eine Reise zum Bahnhof Venezia Santa Lucia blieb. Überhaupt: Es geht hier nicht um Bahnhofshaltungsnoten, die wurden in den letzten Jahren zur Genüge verteilt. Auch nicht um Bahnhofssentimentalität. Die Frage ist: Warum werden wir auf dem Bahnhof sentimental? Und warum nicht? Wie steuert die Architektur eines Baues unser Bedürfnis zu verweilen? Und das hat erstaunlich wenig mit privaten Sehnsuchtsorten oder der eigenen Küsshistorie zu tun.

Betonfieber: Wird weiter gebaut wie bisher, ist Österreich 2050 zugepflastert | profil.at
Donut- vs. Krapfen-Gemeinde finde ich eine sehr schöne Metapher.

Man muss sie in Oberösterreich mit der Lupe suchen, aber es gibt sie noch: die sogenannten Krapfen-Gemeinden. Anders als ein Donut besitzen sie einen intakten Ortskern, den man erreichen kann, ohne sich zuvor durch elende Gewerbegebiete zu schlängeln. Eine davon ist Steinbach an der Steyr. Raumplaner sprechen gar vom „Steinbacher Weg“. Als Karl Sieghartsleitner 1987 Bürgermeister wurde, war die Gemeinde ein sterbendes Dorf. Die einst florierende Besteckindustrie war nach Asien abgewandert; übrig geblieben waren Fabrikruinen, aufgegebene Geschäfte, zugesperrte Wirtshäuser und eine große Zahl arbeitsloser Menschen.

Das Blut-Kartell – Addendum
Freunderlwirtschaft?

Was nicht in der Collage aus Fotos und Sinnsprüchen von Blutspendern steht: Bevor die kostenlosen Gaben der Freiwilligen bei den Empfängern ankommen, durchlaufen sie eine viele Millionen Euro schwere Maschinerie. Das muss so sein, denn Abnahme, Verarbeitung und Vertrieb der unterschiedlichen Blutprodukte kosten viel Geld, das wieder eingenommen werden will. Was jedoch nicht sein müsste, ist die Abhängigkeit des Gesundheitssystems von einem einzigen Anbieter. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass mehrere Lieferanten besser sind als einer.

Regeln für Blut – Körperlichkeiten in Film und Fernsehen – 54books
Berit Glanz:

RIch schlage deswegen vor, Filme und Serien in Zukunft an einem Quotienten von dargestellter Menstruation zu dargestellter Vergewaltigung zu messen. Wenn die volle Bandbreite körperlicher Realität realistisch abgebildet werden soll, warum ist dann Regelblut so merkwürdig abwesend von den Bildschirmen, besonders in Serien und Filmen, die sich ansonsten bei der Darstellung von Blut und Splatter beileibe nicht zurückhalten? Ein solcher Quotient würde dann vielleicht darauf hinweisen, wobei es in der gehäuften Darstellung von sexualisierter Gewalt gegen Frauen wahrscheinlich mehr geht, als um den Realismus der dargestellten Fiktion: um die Präsentation von Frauen als konsumierbare Objekten für männliche Figuren. Ein sich wiederholender männlicher Blick, der sich an die implizit männlichen Zuschauer wendet.

Why Millennial Harry Potter Fans Reject J. K. Rowling – The Atlantic
Ich musste JK Rowling auf Twitter stummschalten, weil ich ihre Transfeindlichkeit nicht mehr ausgehalten habe.

But you can’t live by doctrine at the expense of humanity. Adulting is hard because the world isn’t Dumbledore’s Army versus the Death Eaters, and Rowling hasn’t morphed into Voldemort overnight. You may disagree with what she writes about sex and gender, but she is still a rare multimillionaire who pays the same tax rate as you and me, a tireless campaigner for single parents, the founder of a charity to spare children from living in orphanages, and the woman whose response to the pandemic was to give away £1 million.

Audio/Video

How to Debunk Myths and Lies About Refugees – YouTube
tl;ds: Geflüchtete sind auch nur Menschen!

Ich habe mal meine Shazams der letzten Monate durchgehört und allerlei schöne Songs wiederentdeckt (alle Links zu YouTube, auch als Playlist):

Foto

Blick auf einen Donau-Altwasserarm in Niederbayern.

Backkatalog

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