leere ferstel passage

Zuckersüß 362

In den vergangenen zwei Wochen habe ich Zimtschnecken nach Bravetart gebacken und zwei Biskuitrouladen zu unterschiedlichem Grad ruiniert (einmal „links“ herum aufgerollt, einmal völlige Gummikonsistenz), das erste Mal halbwegs akzeptables Chebakia aka Speckia frittiert und dazu gleich noch Harira gekocht. Und dann habe ich superspontan spätabends Crêpes Suzettes gemacht, weil mich drei Freunde im Videocall an eine ähnliche IRL-Runde mit diesem Dessert erinnert haben.

Essen von der Curryinsel

Vor mittlerweile 10 Tagen (wöchentlich bloggen ist schon wieder gescheitert) habe ich mich beim traditionellen Lieferserviceabend (ich freu mich echt auf die Öffnung der Lokale!) für ein Restaurant entschieden, in dem ich schon mal essen war: Die Curryinsel, ein srilankisches Lokal in der Josefstadt.

Gemüse Pakoda (links) und Kadalai Vadai (rechts) mit tollem Krautsalat

Als Vorspeise gab es Kadalai Vadai (oben rechts) und Gemüse Pakoda (links davon im Bild). Ersteres waren handtellergroße Laibchen aus gelben Linsen mit Curryblättern, Fenchelsamen und großzügig Chili. Die Beilage dazu, ein überraschender Krautsalat, mit Karotten (die ich allergiebedingt geflissentlich herausfischen musste), Gurken und Ananasstückchen (!) in einer cremigen Joghurtsauce mit grobem Senf.

Den gleichen Salat gab es zum Pakoda, das die Lieferfahrt leider eher schlecht überstanden hat. Der Kichererbsenteig mit Karottenstückchen darin (also keine Karotten im Teigmantel)wurde offenbar einfach in spontaner Form herausfrittiert, sodass die Teiggebilde an manchen Stellen weich und an anderen knusprig sein sollten. Durch die vergangene Zeit bis zum Tisch im Wohnzimmerrestaurant waren sie leider ziemlich zäh.

Ich hatte als Hauptspeise Masala Thosai mit Sambar, also gefüllte Pfannkuchen mit scharfer flüssiger Gemüsesauce. Ohne einen Blick in die Karte hätte ich auf Kichererbsen- oder Sojamehl getippt, tatsächlich waren die Fladen aus Reismehl und u. a. mit Kartoffeln gefüllt. Die Konsistenz-Kombination aus recht dicken, elastischen Reispfannkuchen, weich gekochter Gemüsefüllung und sehr flüssiger Sauce fand ich sehr spannend. Nicht-süß-gefüllte Pfannkuchen/Palatschinken/Fladen habe ich bis jetzt echt unterschätzt.

Meine übliche Restaurantbegleitung entschied sich für ein Gericht mit sehr vielen verschiedenen Geschmäckern: veganes Saadam, also fünf verschiedene Curries mit Reis. Dazu gab es das knusprigfrittierte Papadam-„Brot“, das mich geschmacklich und von der Konsistenz an Pombären erinnert, obwohl die aus Kartoffel- und nicht Linsenmehl gemacht sind. Das zusätzlich bestellte Parota ist ein gerolltes in der Pfanne gebackenes Fladenbrot, das offenbar die srilankische Variante von marokkanischem Msimn, das zu Rfissa gereicht wird.

Pizza-/Cocktail-Take-Away-Spaziergang

Beste Margherita der Nachbarschaft von der Pizzeria Luna Rossa

Letzten Freitag war ich dann das erste Mal seit Wochen wieder (halbwegs) aus. Also eigentlich nur für einen langen Spaziergang, aber dank guter Planung und Handdesinfektionsmittel mit Pizza und Cocktails.

Von der Pizzeria Luna Rossa an der Währingerstraße (beste der ganzen Gegend, wirklich!) gabs ofenfrische Margherita to go. Als die aufgegessen war (irgendwo beim Übergang vom 9. in den 8. Bezirk) fing ich an, durch das Take-Away-Menü der Matikibar zu scrollen und entschied mich schließlich für eine Bride from Ipanema, meine Begleitung wollte einen Wabelabedabdab haben.

zwei cocktails im schraubglas
Bride from Ipanema und Wabelabedabdab an der Fensterdurchreiche der Matikibar

Nur ein paar Minuten später waren wir in der Gardegasse angekommen und unsere bestellten Drinks wurden frisch zusammengeschüttelt und im Schraubglas durch das Fenster ausgegeben. Mein blassrosa Bride from Ipanema-Cocktail bestand aus Chachaca, Maraschino, Limette, Cranberry, Kokos und Orangenbitters und erinnerte mich insgesamt ein bisschen an ein nicht zu süßes Sahnebonbon. Der Drink war mit einem schönen Cranberry-Spießchen dekoriert und damit eins nicht vom Schraubverschluss weg trinken muss, gabs einen Papierstrohalm dazu. Die mag ich leider überhaupt nicht, da sie superschnell aufweichen und dem Getränk ein komisches Mundgefühl und einen komischen Geschmack verleihen…

Der Wabelabedabdab, etwas dunkler im Rotton und mit gecrushtem Eis, Thymian und einem Maraschino-Kirschen-Spießchen im Glas, bestand laut Karte aus Gin, Strega, Chambord, Zitrone, Amarenakirschsirup, simple Sirup und Pfirsichbitters. Beeindruckt hat er mich vor allem deshalb, weil er mit Strega einen ziemlich intensiven Kräuterlikör enthält, der durch die Fruchtaromen des Beerenlikörs und Sirups aber gut aufgefangen wurden. Zum gemütlichen Trinken fanden wir schließlich eine Parkbank unter einem Baum ein paar Straßenzüge von der Bar entfernt. Auf dem Weg sahen wir noch einige Paare (as in 2 Leute, nicht offensichtlich Liebesbeziehungen) , die es sich auf Eingangstreppchen, Picknickbänken, aufgelassenen Restauranttischen mit Getränken und Snacks bequem gemacht haben – ein wenig Hoffnung für gemütliche Sommerabende gibt es also noch…

Wir kamen auch beim Moby Dick, der Nachfolgebar meines allerliebsten Botanical Garden, vorbei und holten uns dort noch eine To-Go-Tüte mit meiner allerliebsten Espresso-Martini-Variation, Opium Espresso (der jetzt endlich auch auf der Moby Dick-Karte steht!). Diese Bar verfolgt ein etwas anderes Konzept, statt einzelner bereits dekorierter Drinks gibt es „Kits“ mit jeweils zwei Portionen. In unserem Fall ein kleines Fläschchen mit Opium Espresso (Wodka, Espresso, Schokoladenlikör, Mohnsirup), Deko-Mohn-Chips, Snackerdnüssen, Nachschub-Eiswürfel im Plastiksackerl und einer Zusammenbau-Anleitung. Die ignorierte ich aber geflissentlich und trank meine Hälfte des Cocktails mit meinem mitgebrachten Metallstrohhalm (Planung ist alles!) schon auf dem Heimweg. Doch auch hier musste ich feststellen: Aus der dünnwandigen Coupette, schön schaumig aufgeschüttelt, schmeckt Opium Espresso sehr viel besser, da der starke Kaffee so nicht alle anderen Aromen ausstechen kann…

Ansonsten habe ich auch noch an vielen gleichzeitigen Deadlines (Planung wäre alles gewesen) gearbeitet, sodass ich eine Radiosendung zum Thema Konserven (noch bis Freitag auf Ö1 nachzuhören), ein Videoreferat über Risikokommunikation und zwei kleine Essays für die Uni abgeben konnte. Und ich habe die Schütte-Lihotzky-Biografie fertiggelesen, die ich Anfang April bei einer Uni-Wien-Alumni-Verlosung gewonnen habe, dazu hoffentlich bald ein Buchpost. In der Zwischenzeit: Meine liebsten Links der letzten Tage.

Rezepte

Pappardelle mit Wirsing und Fenchelsud – High Foodality
Fenchel ist super und Wirsing auch.

Erbazzone – Splendido Magazin
Dieses Gericht scheint die norditalienische Version einer Quiche zu sein.

Eingelegte grüne Mandeln – SZ-Magzin
Dieses 2016 veröffentlichte Rezept ist mir wieder eingefallen, als ich diese Woche zum ersten Mal überhaupt grüne Mandeln in einer Auslage (türkischer Supermarkt, da sollte ich öfter hin!) gesehen habe.

Neopolitan Opera Cakes – Amanda E Faber
Sehr fancy Schnitten.

Dango! Warabi Mochi! More Mochi! – Constellation Inspiration
Asiatische Desserts und quietschige Konsistenzen sind weitestgehend Neuland für mich.

there are many more words in Chinese vocabulary to describe food textures than there are in English. The best word that embodies my favourite texture would be the  the Taiwanese term, ‚Q.‘ Q (or QQ) is often used to describe the pleasant squishy, springy, gumminess of food items (in a positive way). The QQ-ness of Asian desserts is probably why I would choose Asian desserts over non-Asian 90% of the time.

Recipe: Coconut Mochi – Toothache Mag
Ich liebäugele schon lange, mir mal eine Ausgabe des Toothache Magazins (20$+ vermutlich sehr hohe Versandkosten) zu leisten, weil es sich so interessant anhört. Mittlerweile sind ein paar der enthaltenen Rezepte online und ich bin noch faszinierter.

(Polka Dot) Mohn Käsekuchen | Bake to the roots
Dieser gepunktete Kuchen inspirierte mich neulich zu einer gepunkteten Biskuitroulade. Aber Käsekuchen wär auch mal wieder cool!

The Food Lab: A Mind-Blowing Technique for Cleaning Deep-Fry Oil Using Gelatin – The Food Lab – Serious Eats
Gestern ausprobiert, mal schauen, obs auch mit Blattgelatine klappt (oder eher, ob ich richtig umgerechnet habe).

Come over to the dark Side – Eatnologist
Food Pairing und großartig erzählte Geschichten. Leider nicht per RSS abonnierbar :(

Texte

Science Will Not Come on a White Horse With a Solution – The Nation
Diesen Text musste ich als Hausübung für ein Uni-Seminar lesen und am liebsten würde ich die Hälfte hier zitieren, weil ich Sheila Jasanoffs Antworten so aufschlussreich fand.

Simple faith in experts is every bit as unwarranted as faith in angels. We should never trust people because they say they’re experts; we should always ask on what basis they became experts. It’s an all-hands-on-deck crisis; everybody with relevant knowledge ought to be providing that knowledge and meeting other people who will knowledgeably question them. None of us can claim to be prescient. We should be deciding how we pool society’s considerable knowledge against what could become a disaster of unprecedented proportions. My point is we already know a lot about how to do those things.

Why Do We Even Listen to New Music? – Pitchfork
In diesem Text geht es um Corona, Strawinsky, Popmusik und Neurowissenschaften. Abenteuerliche Kombi, aber sehr interessant.

it’s easy to forgo the act of discovery when work, rent, children, and broadly speaking “life” comes into play. Eventually, we bow our heads and cross a threshold where most music becomes something to remember rather than something to experience.

A Dancer’s Quarantine Diary: Coming Full Circle – NYTimes
Über eine Ballerina im Home Office:

A week into social distancing, I made my first attempt as a ballet teacher on Zoom. The students were on the East Coast, positioned in their kitchens or bedrooms, holding on to a chair or dresser. The pianist was on the piano at home, and somehow, even with all the distance between us, I saw 12 girls in my gallery view, keeping time with the music and taking corrections. One girl skipped a combination to sit on the floor, later explaining in the chat that she had somehow stepped on the cactus in her room, and needed to remove a spine.

Wer genau braucht diese Abschluss-Prüfungen? – Krautreporter (via Buddenbohm & Söhne)
Abi und Matura nicht stattfinden zu lassen, fände ich in einer Pandemie ganz ok…

Prüfungen sagen kaum etwas darüber aus, was ein:e Schüler:in kann oder nicht kann. Wenn eine Klausur am Ende der Schullaufbahn so entscheidend dafür ist, was Schüler:innen lernen, ist die Jahre zuvor Einiges schief gelaufen. Müssten die Unis und Unternehmen nun mit einer Generation von Schüler:innen rechnen, die weniger kann als die vorigen? Natürlich nicht.

The Decline of Usability – datagubbe.se (wia uarrr.org)
Interessante Beobachtungen zum Softwaredesign, auch verständlich für Leute, die damit wenig am Hut haben (aka ich).

Overall, designers of desktop applications seem to have abandoned the fact that a desktop computer is capable of displaying several applications and windows at the same time and that many users are accustomed to this. Instead, we’re increasingly treated to small-screen, single-app paradigms copied from smartphones. That’s a turn for the worse in its own right, but perhaps more troubling and annoying is the recurring sidestepping from the tried and true UI design that is so ingrained in many users it’s practically muscle memory by now.

Today, Today, Today – Frank Chimero

Once that difficult season ended and I did the hard work of fully mourning, I remember the excitement of being able to sit down at a restaurant – a real restaurant! – and overhear the conversations of people sunk in the everydayness of their lives. Babysitters, status update meetings, farmers markets, new shoes, opposite side parking, dates, vacuuming, scheduling conflicts – oh my god. Plans! Those are things! Here was life, lush in its abundance, being frivolously and inspiringly wasted on the mundane. It was marvelous and shocking. Life was not life or death. Life was life and life, lush and fertile, more and more, and and and, a matter of fact, there, right in front of you.

Audio/Video

Milky Chance – Scarlet Paintings (Stay Home Sessions) #StayHome #WithMe (via christowski)
So ein schöner Song!

Dancing in the Moonlight (Original Recording) – King Harvest
Ich hielt immer die Toploader-Version vom Anfang der 2000er für die Grundlage zu diesem tollen Alt-J-Cover, dabei ist der Originalsong von 1972…

Lianne La Havas – Say a Little Prayer (Live) – YouTube
Lianne La Havas tolles Debütalbum habe ich irgendwo (wo??) noch auf CD rumliegen, dieses Aretha-Franklin-Cover auf YouTube ist auch sehr schön.

Filme

Deadpool 1+2
Ziemlich sinnlose, platte Superheldenfilme.

Sleepy Hollow
Gemeinsam mit Flip the Truck in der Watchparty auf Netflix geschaut.

Sonst So

Swatching 101 – Brooklyn Tweed
Ich habe ein neues Strickprojekt (das Party Top) angefangen und musste zuerstmal herausfinden, was ein „blocked swatch“ ist. Dieser Artikel gibt einen tollen Überblick übers Probestricken!

Backkatalog

Ein Gedanke zu „Zuckersüß 362“

  1. Liebe Jana
    Durch Deinen Beitrag über Konserven und sonstigem Eingemachtem habe
    ich ein ganz anderes Bild auf diese Lebensmittel bekommen. Gut zu Wissen
    waren einige Tipps über die Qualität dieser Produkte. In Zukunft werde
    ich beim Einkaufen genauer auf die Dosenangebote achten.
    Danke für Deine guten Informationen Deine Oma

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