Zuckersüß 327

Immer noch Pech, immer noch Zahnweh in dieser Woche. Von beidem so viel, dass ich nicht zur besten aller Podcastkonferenzen, der #subscribe10 beim DLF in Köln fahren habe können. Und das, obwohl eigentlich ein Sketchnotes-Workshop von mir im Programm stand… Gezwungenermaßen sah ich also nur im Stream zu und sketchnotete recht viel, s. Twitter. Einen ausführlichen Rückblickspost gibts später drüben bei Lieblings-Plätzchen.

Für Menschen, die mich als Sketchnoterin für ihre Veranstaltung beauftragen wollen hab ich mir zu der Gelegenheit auch noch eine klitzekleine Landingpage gebastelt. Sehr spartanisch und nur aus einer einzigen html-Datei, aber „responsive“ sollte sie schon sein: jasowieso.com

Hier folgen meine Links der letzten Tage:

Rezepte

Polenta Cornbread – Shutterbean
„Echtes“ Cornbread habe ich nie probiert, das hier werd ich bald mal ausprobieren.

Shaved Cucumber Lemon Herb Labneh Toast – ful-filled
Auf Insta entdeckt, sieht nach super Frühlings-Brotzeit aus.

Sourdough Crackers with Olive Oil & Herbs – Love and Olive Oil
Für das nächste Mal, wenn zu fütternder Sauerteig im Haus ist.

März-Must-have: Mönchsbart aka barba di frate – Keine Rezepte
Der Name des Blogs bedeutet eigentlich schon, dass der Link nicht in diese Zuckersüß-Rubrik passt. Aber spannende Zutaten dürfen nicht in den „Texten“ untergehen! Mönchsbart ist (wie Mispeln) wiedermal etwas, dass ich in fremdsprachiger Umgebung, genauer gesagt im Le Réciproque in Paris, probiert habe, ohne jemals den deutschen Namen kennengelernt zu haben. Im Blogpost damals schrieb ich von „Seegras“, das nicht spinatig war… Jetzt habe ich große Lust, auf einen der beschriebenen Wiener Märkte zu gehen und mir Mönchsbart zu kaufen.

Von Weitem sieht er ein bisschen aus wie Schnittlauch, Mönchsbart schmeckt aber ganz anders: mild und ganz leicht salzig. Er ist frisch und knackig, darum würde ich auch raten ihn wenn überhaupt nur ganz kurz zu garen. Optisch trägt er auch einiges zu spannenden Frühlingsgerichten bei und zwar ohne großen Aufwand.

Texte

Die Sache mit dem geistigen Eigentum – Leena Simon
Ein paar Überlegungen zum Begriff:

Solange ich eine Idee mit keinem Menschen geteilt habe darf ich sie als mein „geistiges Eigentum“ bezeichnen. Doch sobald ich jemandem davon erzähle, gebe ich dieses Eigentum auf. Die Idee und ihre Mutationen existieren dann auch in einem anderen Kopf. Ich kann sie nicht mehr zerstören (eine der wichtigsten Definitionen von stofflichen Eigentum), und ich habe keine Kontrolle mehr darüber.

Warum die Urheberechtsdebatte schon jetzt ein Fortschritt ist – Dirk von Gehlen
tl;dr: sie macht u.a. EU-Politik so richtig greifbar.

Im Sinne des guten alten Spruchs „Ihr werdet Euch noch wünschen wir seien politiverdrossen“ würde ich im Gegenteil behaupten: Die Debatte ums Urheberrecht hat (gemeinsam mit der Klima-Debatte) einen junge Wählerschaft auf eine Weise politisiert, die man am 26. Mai spüren wird. Dann nämlich wird ein neues europäisches Parlament gewählt!

EU citizens being tracked on sensitive government sites – Financial Times
Eine dieser eigentlich unsäglichen Meldungen, die schon gar nicht mehr überraschen…

Nearly three-quarters of the 15 pages scanned on the Irish health service website contained ad trackers, while 21 different companies were monitoring a single French government webpage about abortion services. Sixty-three trackers monitored a single German webpage about maternity leave. Google DoubleClick trackers were found on health pages providing information on HIV symptoms, schizophrenia and alcoholism.

Neorassismus: Nennen wir es doch Wurzelmanie! – SPIEGEL ONLINE
Ferda Ataman über den Opernball und Rassismus in Österreich und Deutschland.

In Österreich ist es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch völlig in Ordnung, mit der Kamera aus dem Dekolleté einer Frau rauszuzoomen. Dazu ein schmunzelnder Moderator aus dem Off: „Frau Soundso, großzügig dekolletiert.“ Schwenkt das Aufnahmegerät auf die Debütantinnen und hat eine davon eine dunkle Haut, fällt schon mal der Kommentar: „Exotisch geht’s heuer wieder zu“.Vor ein paar Tagen war es wieder soweit. Ein Musiker wird interviewt und sagt: „Ich bin Steierer durch und durch. Original. Bis in den letzten Blutstropfen“. Ich verschlucke mich fast an meinem Bissen, aber die Moderatoren reden einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Normaler Smalltalk in Österreich.

Geschlechtergerechtigkeit: Das Leben keiner Feministin – ZEIT ONLINE
Mehr Solidarität unter Frauen!

Aber Lisa wurde älter (keine gute Idee), sie wurde Mutter (mindestens genauso dumm). Sie stellte fest, dass ihre Wirksamkeit als junge, attraktive Frau im Team nachließ und dass immer eine neue junge, hoffentlich attraktive Frau auf sie folgte, die Lisa dann dafür verurteilte, dass sie jung und attraktiv war, während die jüngere, hoffentlich attraktive Frau Lisa ihrerseits dafür verurteilte, verbittert zu sein. Während die Teambereicherungen (die Frauen) – aus nachvollziehbaren Gründen übrigens – damit befasst waren, frauenfeindliche Klischees gegeneinander in Stellung zu bringen, stellte Lisa mit der Zeit außerdem fest, dass sie und all jene hoffentlich jungen, attraktiven Frauen es irgendwie nur selten schafften, in machtvolle Positionen zu kommen. Sie alle durften für einen kurzen Moment strahlen, und dann verschwanden sie wieder (Mutterschaft, Burn-out, Umzug wegen Karriere des Mannes), oder sie blieben irgendwo auf mittleren Ebenen stecken

Feministische Kolumne „Mansplaining“ – Süddeutsche.de
Zum Christchurch-Attentat:

Selbst als Terroristen sind weiße Männer „privilegiert“. Sie werden meist als Einzeltäter wahrgenommen und nicht als Teil einer Bewegung. Ein Islamist wird eher zum Stellvertreter der gesamten muslimischen Gemeinschaft. Ein weißer Nationalist erscheint immer noch eher als Einzelfigur und -schicksal.

Wikipedia-Autorinnen erzählen, wie Männer ihre Arbeit sabotieren – VICE
Ein sehr vice-iger Artikel, aber spannendes Thema!

Wenn Männer bestimmen, was sinnvoll ist, was Relevanz hat, dann tauchen Frauenthemen eben nicht auf. Männer sind eben anders sozialisiert und merken das gar nicht, wenn sie nur unter sich sind. Sachen, die für Frauen wichtig sind, fallen bei ihnen schnell mal unten durch. Das hat sich ja auch daran gezeigt, dass die Laserphysikerin Donna Strickland erst dann einen Artikel bekommen hat, als sie den Nobelpreis gewonnen hat. Als wäre sie vorher nicht wichtig genug gewesen. Aber ich brauchen diese Vorbilder und Rolemodels. Ich kann nicht so richtig verstehen, warum Männer eine Welt bauen, in der Frauen nicht auftauchen.

Flüchtlinge: Royas neue Kleider – ZEIT ONLINE
Ein Text von letztem Jahr, nach wie vor deprimierend.

Kommt der mit zum Sport?“, fragt er. Das Mädchen mit dem blonden Zopf antwortet: „Ey, das ist ein Mädchen!“Der Junge tippt sich an die Stirn. „Der ist ein Junge, das sieht man doch!“Das Mädchen schüttelt den Kopf: „Die kommt aus einem Land, da denken die Eltern, dass es schlecht ist, wenn man ein Mädchen ist, deshalb zieht sie sich wie ein Junge an.“Roya kramt in ihrem Schulranzen. Ihr Deutsch ist gut genug, um alles zu verstehen. Aber sie tut so, als höre sie die beiden gar nicht.

The Perfect Irony That ‘The Wolf of Wall Street’ Film Was Also a Real-Life Scam – MEL Magazine
Ein Typ bereichert sich am malayischen Volk und finanziert damit einen Hollywoodfilm über einen Finanzbetrüger.

To give you a sense of what kind of cash Low was regularly dropping: “Between October 2009 and June 2010 — a period of only eight months — Low and his entourage spent $85 million on alcohol, gambling in Vegas, private jets, renting super yachts and to pay Playmates and Hollywood celebrities to hang out with them.”
Smooth. The people of Malaysia were paying a shit ton of money for Low to live his Paris Hilton dream.

Die Unentspannung – enjoying the postapocalypse
Joël hat sich vorgenommen, 2019 jeden einzelnen Tag zu bloggen.

Und andererseits stresst es mich, weil ich jeden Tag beim Heimgehen denke „Ah, Feierabend! Oh nein, ich muss noch bloggen!“, als könnte ein Mensch nicht entspannen, nur weil noch eine Aufgabe vor ihm liegt. Aber ich kann ja auch nicht entspannen, wenn ich absolut nichts tue, ich bin eine einzige Verspannung, irgendwann mein Körper sich zusammenziehen und ich werde zu einer Art menschlichen Diamant werden, der schreckliche Laserstrahlen schießt und über den Planeten herrscht (oder so).

Audio/Video

Mario Barth vs. die Anstalt – Kobuk (via Netzpolitik.org)
Cooler Zusammenschnitt zweier Comedysendungen – eine populistisch, die andere realistisch – zum Thema Feinstaubgrenzwerte. Wegen Uploadfiltern bei YouTube nur bei Facebook…

Sonst so

DÖW – Vienna Memento Wien
Ehemalige Wohnorte deportierter Wiener_innen jüdischer Abstammung.

How to identify lead paint – Curbed
Könnte eigentlich unter „Texte“ stehen, landet aber wegen der großartigen Illustrationen – in einer Online-Geschichte, nicht im Printmagazin! – bei „Sonst so“.

Foto

Schon wieder Fliesenboden, diesmal im Hauptgebäude der Uni Wien.

Backkatalog

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