Zuckersüß 295

Diese Woche war ich einmal wieder ziemlich viel unterwegs. In Wien bin ich hinauf auf den Kahlenberg und dann auf einen Spritzer zu einem Buschenschank mit recht absurder Dekoration (häufigster Slogan auf den Plakaten dort: „Grinzing Saves the World“?).

Nach einem kurzen Stopp in Niederösterreich (Kuhglocken vor dem Fenster versetzen mich seltsamerweise in sofortige Urlaubsstimmung) verbrachte ich einen Abend in der „Westernstadt Pullman City“. Dort war ich seit meiner Kindheit nicht mehr und diesmal doch sehr überrascht, wie weitläufig und scheinbar erfolgreich ein solcher Freizeitpark im bayerischen Wald sein kann. Das Country-Music-Festival, das dort stattfand, zog viele Tänzerinnen an, die die sandige „Main Street“ zum Line-Dance-Floor machten, was wirklich schön anzuschauen war. Was mich allerdings ziemlich irritiert hat, waren die vielen Konföderierten-Flaggen dort, die in meiner Assoziation vor allem rassistisch sind. Auch die Hotelzimmer-Tipis und alle möglichen „Indianer“-Aktivitäten haben einen leichten Nebengeschmack von kultureller Aneignung…

Sehr wichtig in dieser Woche: Fußball. Frankreich-Belgien sah ich im Wiener WUK, wo gleichzeitig die großartige Ausstellung „tschuttiheftli“ stattfand. Verschiedene Künstler_innen gestalteten pro Vorrunden-Partie ein Plakat mit den beiden Mannschaften, allerdings in komplett unterschiedlichen Illustrationsstilen. Ziemlich coole Aktion, Fußball mit Kunst zu verbinden!

Das Finale Frankreich-Kroatien sah ich in einem anderen Kulturzentrum, das mir wirklich sympathisch erschien: Das Dunaj in Bratislava. Mehr zu meinem Wochenendausflug dorthin hoffentlich auch bald hier im Blog (was würde ich sonst mit den 1000 Fotos tun?).

Bevor ich jetzt noch einen Tag bis zur Veröffentlichung der Sonntagslinksammlung vertrödele, komme ich besser gleich zum Wichtigen – es folgen meine liebsten Links der Woche:

REZEPT

Miso Aubergines – BBC good food
Gefunden auf der Suche nach einem Rezept für die Hauptspeise einer veganen Dinnerparty.

Roasted stuffed cauliflower – BBC good food
Den im Ganzen gebackenen Blumenkohl von letzter Woche fand ich irgendwie fad, deshalb interessiert mich diese Variante.

Cookie Dough Ice Cream Sandwiches – Love and Olive Oil
Seltsame Idee, könnte aber schon gut schmecken.

Strawberry Shrub – Shutterbean
Erdbeeren und Essig.

Sommer ist: Amarene einmachen. – Anonyme Köche
Saison verpasst, aber nächstes Jahr vielleicht?

TEXT

Diskriminierungen: Die Politisierung der Tränendrüse – ZEIT ONLINE
Oft geteilt in meiner Bubble und dementsprechend lesenswert:

Im Kontext struktureller Gewalt bedeutet Schuld nicht, Privilegien innezuhaben, sondern diese nicht zu reflektieren. Ein weißer Mann, wie er auch von Neft angeführt wird, ist selbstverständlich nicht sofort Täter oder Mittäter, nur weil er ein weißer Mann ist. Hört er aber jenen, die keine weißen Männer sind, nicht zu, und denkt nicht darüber nach, was es wohl gesellschaftlich bedeutet, ein weißer Mann zu sein, stabilisiert er ein System, das anderen schadet. Kein einzelner Mensch trägt kausale Schuld an systemischem und strukturellem Unrecht. Wer sich aber weigert, sich als Teil einer historisch gewachsenen gesellschaftlichen Struktur zu sehen, die eben nicht von Gott oder der Natur gegeben ist, der trägt die moralische Schuld, Unrecht nicht anerkannt und nichts dagegen getan zu haben.
After the Fall: Ten Years after the Crash – LRB (via Weekly Filet)
Sehr langer Text über die Finanzkrise von 2008, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Ich kenne die Welt nicht wirklich anders, als sie im letzen Jahrzehnt war, davor war ich einfach zu jung, um das Weltgeschehen zu verfolgen und einzuschätzen.
I notice, talking to younger people, people who hit that Napoleonic moment of turning twenty since the crisis, that the idea of capitalism being thought of as morally superior elicits something between an eye roll and a hollow laugh. Their view of capitalism has been formed by austerity, increasing inequality, the impunity and imperviousness of finance and big technology companies, and the widespread spectacle of increasing corporate profits and a rocketing stock market combined with declining real pay and a huge growth in the new phenomenon of in-work poverty. That last is very important. For decades, the basic promise was that if you didn’t work the state would support you, but you would be poor. If you worked, you wouldn’t be. That’s no longer true: most people on benefits are in work too, it’s just that the work doesn’t pay enough to live on. That’s a fundamental breach of what used to be the social contract.

Ich finde Ulrike Guérots Einschätzung der EU und auch ihre Zukunftsvisionen dafür ziemlich treffend.

Wir erleben eine Krise der europäischen Bürger, wir dividieren uns gerade auseinander. Wir zerfallen aber nicht in Nationen. Sondern wir teilen uns in diejenigen, die ein kosmopolitisches, demokratisches, soziales Europa wollen, und in diejenigen, die wieder irgendwohin zurück in die Geschichte wollen. Aber diese Teilung vollzieht sich transnational. Ich persönlich stehe einem Franzosen, der Macron unterstützt, und einer Polin, die gegen die PiS-Regierung ist, viel näher, als dass ich mich mit einem Deutschen identifiziere, der bei Pegida demonstriert. Wir erleben keine Renationalisierung, sondern eine Teilung der Nationen.

Ein Zug fährt ins Nirgendwo – reportereisens Webseite!
Eine Reportage über Züge in Moldawien.

In der Ferne wird die Silhouette einer Stadt sichtbar – Chisinau. Veaceslav beginnt seine Taschen zu packen. Den Wasserkocher steckt er in eine Plastiktüte. Dazu wirft er Tee, Instantkaffee und Pappbecher. Er holt das rosa Klopapier aus der Toilette. Die Rolle ist halbvoll, ein wenig zerknautscht und am Anfang mit Klebeband fixiert. Fein säuberlich reiht er die Taschen auf den Sitzen auf. Es sind fünf.

Berat fährt nach Ausschwitz – ZEIT
Ein junger Deutscher mit türkischen Wurzeln auf den Spuren der schlimmsten Ereignisse der Landesgeschichte.

Was er meint, ist: Wenn du ein junger Mann in Duisburg-Hamborn bist, geht es um Respekt. Und Respekt kriegst du, wenn du ein geiles Auto fährst. Respekt kriegst du, wenn du heftige Dinge sagst. Und Scheißjude ist halt heftiger als Arschloch. Er sagt das in einem Ton, der klingt wie: Das ist einfach so. Aber Auschwitz, das sagt er auch, Auschwitz wird das verändern. „Das wird ein Faustschlag ins Gesicht, glaube ich. Ich glaube nicht, dass ich danach noch Witze über den Holocaust bringen werde.“

Geliebtes Smartphone – bist Du böse? – netzpolitik.org
Techniksoziologie ist ein so spannendes Feld! Und ich werde mein 2015er-Telefon so lange behalten wie möglich:

Da die Herstellung des Telefons selbst schon so enorm viel Energie braucht, verbessern sämtliche lebensverlängernde Maßnahmen die Ökobilanz des Smartphones. Das eigene Telefon möglichst lange zu nutzen, ist das Beste, was man tun kann. Schutzhüllen, Displayfolien und akkuschonendes Laden halten das Telefon lange schön und lebendig.

AUDIO/VIDEO

Drive My Car For Women in Saudi Arabia (via Blogrebellen)
Schöner Song anlässlich der Aufhebung des Fahrverbots für Frauen in Saudi Arabien (leider verstehe ich nichts davon…)!

Sunshine – Day One (via @sarahas_san)
Eindrucksvolle Animation zu ungesunden Beziehungen und emotionaler Gewalt.

SONST SO

Alkebu-lan: If Africa Was Never Colonized By Europe – Decolonial Atlas
Afrika, mit neuen Augen (und auf dem Kopf) betrachtet.

FOTO

Weil ich heute schon von so vielen Kulturzentren geschrieben habe: Das Michto in Nancy (das anders als WUK und Dunaj leider nur Festival-artig aufsperrt und nicht ganzjährig).

BACKKATALOG

2010: Pizzaschnecken
2011: Haferflockencookies
2012: Süßes Fastfood
2013: Johannisbeerpie mit Erdnussbutter
2014: Goldene Walnussmuffins
2015: Kokos-Ingwer-Kuchen mit Orangensirup
2016: Harcha und ein marokkanisches Abendessen mit Freund_innen
2017: Honig-Rosmarin-Eis mit Topfen

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