Grüße aus dem Internet

rp17-Rückschau

Als re:publica-Fangirl kann ich es natürlich nicht lassen, einen Post über die diesjährige Konferenz zu schreiben, auch wenn ich leider nicht wie letztes Jahr „in echt“ dort war. Ein kleiner Trost: Nachdem es in diesem Jahr kein Sendezentrum mit vielen lieben Podcaster_innen gab, hab ich zumindest das nicht verpasst.

Weil ich wegen der Uni nicht mal „live“ im Stream dabei war, oder zumindest fast nicht, kommt dieser Post erst jetzt, wo alle (die meisten?) Videos der Talks online sind und ich ein paar durchgeschaut habe.

Die Macht der Sprachbilder. Politisches Framing und neurokognitive Kampagnenführung – Elisabeth Wehling

Ein bisschen SpraWi! Elisabeth Wehling erklärt, wie Politiker_innen bestimmte Begriffe framen, d.h. sie mit Bedeutung aufladen, die meinungsbeeinflussend sein kann. Sehr interessant!

Wie wir lieben. Die sexuelle Revolution 2.0 – Friedemann Karig

Das war der allererste Vortrag, den ich von der rp17 gesehen habe. Live war er Montagabend um Sieben und als ich kurz vor Neun von der Uni heimkam, konnte man den Youtube-Livestream gerade noch bis zu dessen Anfang zurückspulen – bis die ersten Aufzeichungen online waren, sollte es noch dauern.

Erfreut, trotz ganztägiger Abwesenheit doch noch etwas von der re:publica zu sehen, machte ich mich gleich ans Sketchnoten:

Übrigens, sein Talk von 2014 „Überwachung macht impotent. Neue Narrative gegen Überwachung“ gehört immer noch zu meinen Alltime-Favorites der re:publica.

Die Emanzipation der Gutmenschen – Kübra Gümüsay

Nachdem ihr letzter Talk „Organisierte Liebe“ große Wellen geschlagen und sogar das diesjährige Motto inspiriert hat, fordert Kübra Gümüsay, den Begriff „Gutmensch“ zu reclaimen. Konkret meint sie damit, dass sich jede_r überlegen sollte, für was er_sie wirklich einstehen würde, wenn es keine Diskriminierung mehr geben würde und alles Engagement nicht mehr gegen sondern für eine Sache laufen würde.

Save the world, tell a Story – Journelle

Wenn persönliche Geschichten wirklich so erfolgreich sind, müssen wir das Internet damit vollschreiben!

Am Beispiel von Mose, der das Meer teilte, zeigt Journelle auf, dass Menschen mit guten Geschichten viel eher zu erreichen sind als mit bloßen Fakten. In ihrem Blog hat sie noch ein paar mehr Worte dazu geschrieben. Dort gibts auch die super interessante Leseliste zu ihrem rp15-Talk „Fremd gehen immer nur die Anderen“.

Die Kunst des Liebens – Felix Schwenzel

Felix Schwenzel macht sich *nicht schulreferats-mäßig* Gedanken über die Texte von Erich Fromm. Die habe ich nicht gelesen, deshalb fand ich diesen Talk sehr lehrreich. Hier gibts den Vortrag ausgeschrieben, für alle die genauso ungern Videos schauen wie ich.

Reflexion: Love Out Loud – Carolin Emcke

Hätte ich keinen Carolin-Emcke-Fanboy in meinem engeren Umfeld, hätte ich mir diesen Talk bestimmt nicht (zu Ende) angeschaut. Die Autorin trägt genau so vor, wie sie schreibt – das ist zwar toll zum Lesen, aber sehr anstrengend zum Zuhören. Wer sich davon nicht abschrecken lässt: Was sie zu sagen hat, ist durchaus interessant.

Solidarität: Anonyme Liebe organisieren – Margarete Stokowski und Eva von Redecker

Auch diese beiden Vortragenden lesen hauptsächlich vor, allerdings fand ich es einfacher ihnen zu folgen als beim obigen Talk von Carolin Emcke. Und sie spannen ihren Bogen weit – von Darkrooms als Einstieg, über romantische Liebe, Marx, Anarchismus hin zu ihrer Idee von gesellschaftlicher Solidarität.

LOL, rights? – Markus Beckedahl

Der Netzpolitik.org-Gründer gibt wieder einmal einen Jahresrücklich auf netzpolitische Entwicklungen, die leider nicht unbedingt so rosig sind.

Vom Reden im Netz – Sascha Lobo

Selbstredend habe ich auch Sascha Lobos Beitrag in diesem Jahr angeschaut und ebenfalls mitgekritzelt:

In einer anschaulichen Inselmetapher zeigt er, wie die liberale Demokratie von den Fluten der „braunen Brühe“  gefährdet wird und was jede_r dagegen tun könnte.

Digital Capitalism and Universal Basic Income – Timo Daum, Meera Zaremba, Magdalena Taube und Dmytri Kleiner

Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen habe ich mich bisher noch nicht besonders stark beschäftigt, deshalb war dieses Panel recht lehrreich für mich. Die drei vertreten teilweise recht unterschiedliche Standpunkte, wobei Dmytri Kleiner alles am dystopischten sieht und leider auch ziemlich viel der Sprechzeit an sich reißt.

Von AfD-Troll bis Zeppelinfetisch: Geschichtsbilder im Netz – Moritz Hoffmann und Charlotte Jahnz

Ich wusste nicht, wie abstrus Facebookgruppen sein können  und wie geschichtsverdreherisch es dort manchmal zugeht. Aber auch auf Twitter gibt es offenbar berichtigungsresistente „History“-Accounts.

Mit den Trollen ums Datenlagerfeuer tanzen – Luca Hammer

Luca Hammer visualisiert, wie viel verschiedene Netzwerke auf Twitter miteinander zu tun haben, darunter auch das sogenannte „Sifftwitter“ voller Trolle. Erinnert mich sehr an den Messestand des CompCommLab der Uni Wien auf der Maker Faire in Wien.

Apropos Trolle. Die re:publica sah sich in diesem Jahr mit einiger Kritik konfrontiert (nicht, dass ich die Kritiker_innen jetzt als Trolle verurteile, ganz im Gegenteil). Einerseits war da die Protestaktion gegen die Platzierung der Bundeswehr in einem Panel auf der Sub-Konferenze Media-Convention, über die z.B. Metronaut und Logbuch Netzpolitik berichteten. Andererseits kamen Stimmen gegenüber der Mottowahl („Love Out Loud“, falls ihr es bis jetzt noch nicht gelesen habt) auf, allenvoran von @lasersushi auf Twitter, die die Heuchlerei dabei anklagte.

https://twitter.com/lasersushi/status/862019660363030528

Hier in der taz kann man den Zusammenhang zu den Stalking/Hate-Speech-Vorwürfen lesen. Der Bundeswehr eine Plattform zu bieten (wenn schon keinen Messestand) kann ich auf irgendeine Weise noch nachvollziehen. Aber Sexismus und Stalking bei einer Konferenz mit „LOVE OUT LOUD“ als Motto nicht entschieden entgegenzutreten finde ich sehr schwach… Mal sehen, wie’s nächstes Jahr weitergeht…

Habt ihr noch andere spannende Talks gesehen? Wenn ja, schickt mir doch ein paar Links!

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